Von unserer letzten Redaktionskonferenz wurde ja schon berichtet. Auch diesen Wein schenkten wir uns an dem Abend ein. Er sollte das Highlight sein. In der Nase Kaffee, eine tiefe, intensive Frucht mit vielen rote Beeren und schwarze Johannisbeeren, dazu etwas Stall und eine deutliche Zündholznote. Schon in der Nase wirkt das sehr kräftig und überbordend. Im Antrunk packt der Wein dann richtig zu. Kräftige, aber geschmackvolle Tannine, wieder die intensiven Beerenaromen, noch stärker aber eine kräuterige Tabakigkeit und etwas grüne Paprika. Der Verlauf ist ein Auf und Ab, der Wein strotzt vor Konzentration und spielt deutlich mit seinen Muskeln. Dabei angenehm ist die saftig resche Säure, die Tannine und Extrakt gut puffert. Trotzdem ist das von allem noch zu viel. Am Gaumen wirkt der Wein tabakig und fast metallisch nach. Der Abgang hat ansatzweise bereits Länge, wird aromatisch aber immer noch stark vom Tannin regiert. Eindeutig, dieser Wein ist noch jung, es sei denn man zieht Explosivität und Kraft einer reiferen Eleganz vor. Für alle anderen hat dieser Wein die besten Anlagen, hervorragend zu altern. Nachverkostungen sind fest eingeplant. Zwei Stunden dekantiert und blind verkostet.
Vom Fachhändler, 20 Euro, 89+ Punke (sehr gut), 2013-2018
Hallo Thorsten,
dieser Wein war der einzige, zu dem ich mir keine Notizen gemacht habe… aber aus der Erinnerung heraus meine ich, dass man noch erwähnen sollte, dass dieser Wein wirklich kein Charmeur ist, sondern ein wirklich kerniger Claret. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der eine oder andere den Wein nicht in dieser Punkteregion hat – denn dieser Stil ist jedermanns Sache nun nicht. Prototypisch maskuliner Weinstil halt… nix da mit dienender Fruchtsüße, nix da mit Kuscheltanninen…
Mir hat er trotzdem gut gefallen und ich war überrascht, was Poujeaux (mal wieder) aus einem kleinen Jahrgang gemacht hat…
Guido