Kraftakt Riesling – Nummer 9

Den Lesern unseres Bloggs wird es nicht verborgen geblieben sein, dass sich die Schlagzahl der Veröffentlichung auf diesem Blogg in der letzten Zeit erheblich reduziert hat. In den content-getriebenen Zeiten des Internet könnte man sogar schlicht sagen: der Blogg ist tot. Dieser Eindruck mag nun für die Aktualisierungshäufigkeit nicht mehr erfolgreich bestreitbar sein, aber doch bleibt eines festzuhalten: wir sind im Hintergrund weiter in Sachen Wein aktiv und trinken zusammen freudig den ein oder anderen wirklich wunderbaren Wein. Allein, und das ist schlicht unserer aktuellen Lebenswirklichkeit geschuldet, das Schreiben hierüber bedarf weiterer nicht uneeheblicher Zeit und Muße. Und wenn beides – Zeit und Muße –einfach nicht ausreichend vorhanden ist, sei es ob des Berufes oder ob anderer Randparameter, dann wird es dunkel, was die Veröffentlichungshäufigkeit angeht… umso mehr freuen wir uns, dass wir mit dem heutigen Bericht dokumentieren können, dass unsere Kraftakt-Reihe noch nicht tot ist.

Nachfolgend also die Eindrücke zu unserer jährlichen Kraftakt-Riesling-Reihe, diesmal die Kraktakt Riesling Ausgabe Nummer 9!

Den Auftakt macht heuer Phillip Kuhn mit seinem 2009 Kirschgarten Riesling. Mit drückender Nase schiebt der Wein aus dem Glas, süßliche Blüten gepaart mit Zitrusfrucht. Das wirkt ziemlich hochreif und einen kleinen Hauch zu malzig. Viskos setzt sich der Wein auch im Mund fort, zum Glück wird die reife gelbe Frucht von einer prägnanten Säure balanciert. Rauchige Aromen, die an eine dunkle mineralische Komponente andocken, sorgen für Interesse. Der ganze Verlauf ist wuchtig und wird, wenn man nicht genau diese Stilistik sucht, den Trinker eher schnell als langsam ermüden, nicht zuletzt, weil im Nachhall der Alkohol etwas wärmend vorsteht. Die Säure räumt den Rachen zum Glück im Finale wieder frei. Dieser kraftvolle Wein dankt Essensbegleitung. 90-92 Punkte aus der Runde, 90 Punkte auch von mir.

Der Master of Wine hatte mit Wein 2 einen nicht weniger forderndes Getränk auf die Agenda gesetzt, den „Hochzeitswein“ aus dem Hause Battenfeld-Spanier/Kühling-Gillot, der CO aus 2006 .

Aber wer hier regelmäßig mitliest, der weiß, dass fordernde Weine in unserer Runde ja durchaus Anklang finden. Ein etwas leiserer Auftakt in der Nase mit getrockneter Aprikose, Jod, auch riechen wir angedeutete „malzig-herbe Aromen“. Malzig-jodig ist auch der erste Eindruck im Mund. Ein dicht gepackter, ja schon mächtiger Antrunk, im Verlauf rauchig, malzig und immer wieder deutlich von der Botrytis geprägt, die einen kräutrig und herb-diffusen Charakter gibt. Dazu auch reifer Apfel und etwas Pflaume. Klingt aromatisch eher schräg – und doch passt die wuchtige Summe dieser Eindrücke gut zueinander, der Wein ruht tief in sich und bietet viel individuellen Charakter, wenn man sich die Mühe macht, dem Wein zuzuhören. Sehr langes, harmonisch druckvolles Finish, mit sehr gut eingebundenem Alkohol. (93-95 Punkte von der Runde, 92 Punkte von mir als Streichergebnis. Platz 2 am Ende der Probe.

Kam nun ein easy drinking Wein? Ach, vergesst es… Von Winnings Ungeheuer 500 aus 2011 überraschte die nicht eingeweihten Mittrinker, die wie immer blind probierten, zunächst mit nussig-holzigen Aromen. Ja, Holzausbau und Riesling – das ist in der Tat en vogue. Und hier in dieser Nase ist die Kombination wirklich gut gelungen. Nussig-rauchig ist das schon, aber es bleibt genug Frucht vorhanden… Leider setzte sich dies im Mund so (noch) nicht fort: anders als in der Nase ist der Wein im Antrunk noch jugendlich holzgeprägt und bleibt dadurch etwas holprig im weiteren Verlauf. Cassis und Limettenaromen dominieren, der Wein ist puristisch and karg, die knackige Säue gibt dem Wein einen straffen Charakter, ist manchem am Tisch aber zu streng (und auch nicht alle sind sich sicher, ob sich das einbinden wird). Jedenfalls fügen sich die im Verlauf immer deutlicher vorscheinenden Salzanklänge mühelos in sein Gesamtbild ein. Röstiges, auch langes Finale, das aber noch stark vom Holzeinsatz geprägt wird. Ein Wein für ein (meinerseits gern gesehenes) Wiedersehen ab 2020+. (90+ bis 93+ aus der Runde, 92+ Punkte von mir).

Leider hatte Pfeffingens Weilberg aus 2007 einen Korkfehler – was sehr schade ist, weil dieser Wein durchaus zu Großem fähig sein kann. Nutzt aber alles nichts, diese Flasche war schlicht kaputt.

Weils Gräfenberg 2007, der hier Sparingspartner des Weilberg hatte werden sollen, entschädigte uns mit einer wunderbar durchgezeichneten Nase voller Orangenblüte und Zitrusfrucht. Frisch und fröhlich ist diese Nase, mit zarten Frucht. Ein Trinkvergnügen ersten Ranges auch im Mund, wieder Zitrusfrucht, die leichte und dienende Fruchtsüße spielt wunderbar mit der Säure und sorgt in Windeseile dafür, dass der Gläserinhalt bei diesem klassischen Rheingauer verdunstet ist, ehe man noch über die helle Mineralik staunen konnte. Tief gehender Charakter…? Nun hier wird etwas dünner für den Wein – macht aber nichts, denn Trinkvergnügen sollte man auch hinreichend goutieren, zumal auf diesem Niveau! Wir taten es und vergaben einheitliche 93 Punkte (Platz 3 der Probe).

Wein Nummer 6 ließ uns schon mit einer Aromatik klar werden, dass wir Deutschland verlassen hatten. Denn der Kastelberg 2007 von Kreydenweiss kam (was im Elsass ja nicht ganz selten der Fall ist) mit einer leicht oxydativen Nase daher, dazu gelbe Pflaume und eine leichten Malz-Honig-Mischung. Begleitet von schwarzem Tee zeichnet der Wein im Verlauf eine schöne Bahn, ein wenig Gerbstoff sorgt auch dafür, dass der Wein seine Eigenständigkeit behält. 90-92 Punkte von der Runde.

Eigenständigkeit hatte auch Wein Nummer 7. Aber keine, die den Mittrinkern so richtig gefallen konnte. War die Nase des 2007er Pettenthals von Kühling-Gillot noch würzig, gelbfleischig und expressiv, ja sogar mit einer gewissen Kühle versehen, wurde es im Mund dann doch ein Zerrbild eines Rieslings. Dichter Körper, überlagen mächtig und derart ölig, so dass man einen Löffel, ach, eine Suppenkelle nehmen könnte… hochreife Aromatik, die ins Lackige geht, leider auch eine vom Alkohol getragene Aromatik. Dazu Jod, etwas Tabak und weitere Aromatik, die darauf schließen lassen, dass in diesem Wein Trauben mit Botrytisbefall verarbeitet wurden. „Von allem zu viel – und das auf Kosten des Spiels“ – diese Aussage aus der Runde trifft es, weshalb man diesem ob seiner Masse fsst schon taumelnden Boliden mit aus der Runde gegebenen 87 Punkten durchaus – wie ich finde – sachgerecht bewertet hat.

Auf Regen folgt Sonnenschein – sagt die alte Volksweißheit. Ob der Master of Wine diese Weißheit bei der Zusammenstellung der Weine im Auge hatte, ist nicht überliefert. Mit Wein Nr. 8 präsentierte er uns jedenfalls einen wunderbaren Wein, der nicht ohne Grund den Tagessieg abräumte: Eine ungemein vielschichtige, ernsthaft und verspielt wirkende Nase geprägt von Kräutern, Cola und Äpfeln, eingebettet in hellen Kalksteinstaub. Tief und ernst – und dabei so verspielt leichtfüßig. Ein fokussiert geführter Antrunk voller innerer Spannung, der Wein vibriert unter der Säure und der Mineralik, die von der Frucht (Zitrus und etwas Cassis) und ihrer feinen Cremigkeit umfasst wird. Langes und ausdifferenziertes Aromenfeuerwerk im Finale, einerseits saftig frisch, andererseits salzig-straff, voll auffächernd. Animierend und fordernd zu gleich. Für die Runde (94-95 Punkte) als auch für mich (95 Punkte) stand fest: ein großer Wein, dieser 2007er Kirchspiel von Wittmann! Wer sich nur für den Tagessieger interessiert, der mag nun aufhören mit dem Weiterlesen; wer hierfür zudem noch in den Keller gehen kann, hat alles richtig gemacht!

Wittmanns Kirchspiel-Pendant aus 2004, heute unser Wein 9, überraschte uns beim Aufdecken. Wenn man diesen Wein und den Vorgänger in Karaffen auf den Tisch gesetzt und die leeren Flaschen daneben gestellt hätte, hätten wir diesem Wein ganz eindeutig die Flasche des 2007er Jahrgangs zugeordnet. Lang leben die Stereotypen und das Blindverkosten! Der Master of Wine schloss eine Verwechslung aber aus, von daher…

Dichte Nase, diesmal mit Steinfrucht und Mandarine, etwas Sesam und Rauchspuren, ja, auch etwas Marzipan; und somit hatte diese Nase so gar keine Ähnlichkeit zum 2007er Kirchspiel. Kraftvoll im Mund, etwas dichter, etwas mehr Alkohol , wieder Steinfrucht und Mandarine. Lang und druckvoll im tabakigen Finish. Durchgezeichnet und in sich ruhend, wenngleich nicht ganz so zwingend wie sein Vorgänger aus 2007. 92-94 Punkte aus der Runde, ich gesellte mich zu den höher Punktenden.

Eine spannende Nase hat der 2001er Loibenberg aus dem Hause Alzinger: sie wird geprägt von kräuterwürziger Schwarzbrotröste, kaum mehr Frucht ist zu vernehmen. Hier haben die Reifetöne nach 15 Jahre Reife inzwischen stimmig übernommen. Kühler Stil. Auch im Antrunk zeigt sich der Wein im Herbst seines Lebens. Steinige Mineralität, Reifetöne, gedämpfte Fruchteindrücke. Der Wein hat die Gelassenheit des Alters erreicht, ist hinreichend agil und somit zugleich ein schönes Beispiel für einen weit gereiften trockenen Wein. Etwas Jod und Karamell im unaufgeregten Nachhall. Die Runde vergibt 90-92 – auch ich finde den Wein noch ausgezeichnet. Er darf ausgetrunken werden.

Das hätte man mit dem Nachfolger auch schon längst tun sollen, jedenfalls mit dieser Flasche. Unschön medizinale Nase, gezehrt von der Reife, ein Hauch Kräuter und gelbe Frucht. Hier tut sich nicht mehr viel. Im Antrunk diffus süß und dick, Trockenkräuter, Petrol und eine vom Alkohol stammende Bitterkeit. Die schärfende Säure, die hier dagegen steht, nimmt den Wein gänzlich aus der Balance. FX Pichlers 1994er Riesling M kann uns nicht überzeugen, was sich in – wie ich meine – fairen und einheitlichen 84 Punkten niederschlägt.

Überraschend jugendlich zeigt sich der 2004er Steinbuckel von Knipser, der uns als Wein 12 beschäftigt. Und das macht er ausgezeichnet mit einer hellen Mineralik ganz eigener Art, die diesem Wein – jahrgangsübergreifend – fast immer eigen ist, dazu feine Aromatik nach Nüssen und Orangenblüte. Die Mineralik setzt sich auch im Mund fort, dazu ein frisches Säurespiel – das sorgt bei diesem Wein für eine ganz eigene jugendliche Pikanz. Zarte und dabei glockenklare Orangen- und Mandarinenaromen, die dem Wein eine elegante Note verleihen. Angedeutet nur Marzipan. Ohne vernehmbare Reifetöne, was beim Aufdecken doch ein wenig überrascht. Der Wein schmeckt gut und gerne mindestens ein halbes Jahrzehnt jünger als er als ist. Nicht jedem aber ist der Wein tief genug, was sich in 90 bis 92+ Punkten widerspiegelt.

Gegen den Folgewein hätten gleichwohl nur wenige den Steinbuckel eintauschen wollen.

Der 2001er Idig von Christmann kam mit einer leicht kamilligen und wuchtigen, wenngleich klaren Gelbfrucht-Nase ins Glas und zeigt insgesamt ein vielfältiges Aromenbild. Weniger überzeugend dann die Eindrücke im Mund: süßlich weicher Antrunk, gelbfruchtig wuchtig und hochreif mit etwas zu sehr deutlichen Alkoholpräsenz. Dem Idig fehlt hier die Spannung, denn die Säure erscheint nur mild, wo es doch einer kräftigeren Säure gebraucht hätte, um gegen den Körper zu arbeiten. Wieder Kamillearomen im dunkel-mineralischen Finish. Ein sehr guter Wein: ja klar, aber ein ausgezeichneter Wein ist der Idig diesmal nicht – einmütige 89 Punkte aus der Runde.

Ein weiteres Dickschiff läutete das Ende unserer Probe ein. Dichte gelbe Frucht und Trockenkräuter in der Nase, dazu jede Menge Schiefer, etwas Botrytis? Der Wein riecht so, wie ein leicht restsüßer Wein von der Untermosel gerne einmal riecht. Auch im Mund kann dieser Uhlen R 2004 von Heymann-Löwenstein leider heute nicht überzeugen, denn sein Antrunk ist süßlich und etwas schwerfällig, die Aromen reichen von Schiefermineralik (verhalten) zu Trockenkräutern und Äpfeln (deutlich) bis hin zu Seetang. Vielschichtig ist das dennoch nicht, auch hat der Wein wenig innere Spannung. Moderat präsente Säure, was bei einer eher halbtrockenen Sensorik nicht wirklich hilft. So beenden wir die Probe übereinstimmend mit 87-88 Punkten.

Wie auch schon in den vorangehenden Proben hatten wir einmal mehr Spass mit unserer weißen Lieblingsrebe – im Spätherbst 2017 wird diese Runde ihr 10. Zusammenkommen feiern. Der Termin ist geplant, die Weine bereits abgerufen.

Irgendetwas tief in mir sagt: das wird wieder spannend – und Ihr werdet hier davon lesen. Habt einfach etwas Geduld mit uns!

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Weingut Pfeffingen Riesling Spätlese trocken Ungstein Weilberg Großes Gewächs, 2004

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Der 2004er-Weilberg von Pfeffingen ist ein weiteres Beispiel welch ansprechenden trockenen Rieslinge der Jahrgang hervorbrachte. Dieses Große Gewächs ist jetzt auf seinme Höhepunkt und sein besonders Merkmal ist Harmonie, Spannung und geschmackliche Vielfalt. Doch der Reihe nach.

In der Nase ein Mischung getrockneten Aprikosen, gerösteten Haselnüssen, grünen Äpfeln, deutlich Mineralität, etwas Basalt und erhitzter Steinboden, die Reife zeigt sich ohne Zögern, aber ohne jede Patina und mit viel Frische und Gelassenheit – in der Summe ein überzeugendes Bukett für einen 12 Jahre alten Riesling.

Im Mund fällt der Wein keine Nuance ab. Im Gegenteil, dank seine jugendlich wirkenden Säurestuktur, trinkt sich der Wein, trotz seiner 13,5 % vol., durchaus leichtfüssig und verleitet uns ständig nachzuschenken. Die Frucht erinnert an einer Mischung an Rosinen, grünen Äpfeln und eingelegte Orangen, dazu erneut ein passender Touch aus gerösteten Nüssen und einer schmeckbar steinigen Würze. Seine Kraft will der Wein nicht verleugnen, aber die Säure ist agil, aber feinporig, und der mineralische Kick im Nachhall lässt diesen Riesling jünger wirken als er ist. Genau jetzt ist der Wein auf seinem Höhepunkt und bringt Spannung und Entspannung in die perfekte Balance. Ein hoher Genuß eines großen Pfälzer Riesling, von dem ich nur meinen Hut ziehen kann. Er hat uns den gesamten Abend auf das Beste begleitet. Schade, es war meine letzte Flasche.

Vom Weinfreund, damals rund 20 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2018

Weingut Emrich-Schönleber Riesling Auf der Lay (A.de.L.) Großes Gewächs Versteigerung, 2009

Vor kurzem hatte ich den Jahrgang 2011 von diesem Wein vorgestellt. Jetzt will es der Zufall… Äh, von wegen Zufall, ich habe den Wein selbst als Begrüßungsschluck für eine hochwertige Bordeaux-Probe (wir werden berichten) ausgewählt und genehmige mir nun am Vorabend einen ersten Schluck aus der Magnum. Und davon will ich kurz berichten:

Duftet nach dem Aufziehen eher wie in großer Burgunder – kaum Frucht, dafür Struktur und Festigkeit ohne Ende, harter Kalkstein, kühl, phenolische Noten, etwas Kräuter und Gewürze, weißer Rauch, mit der Zeit Abrieb von der gelben Grapefruit. Am Gaumen fest, knochentrocken, die Mineralität beißt sofort in den Gaumen und zieht über den Gaumen, dass mir die Ohren schlackern. Meine Güte, was für ein Riesling, auch hier phenolische Noten, Gerbstoffe rauen den Gaumen auf, noch ein wenig unwirsch, felsenfester, mineralischer Kern. Im mittleren Bereich zeigt sich etwas Frucht, erinnert erneut an Grapefruit und jugendliche Steinfrüchte, noch ein Baby, die Säure straff, dazu die salzige Mineralität, der Wein regt beim Trinken den Speichelfluss an, fächert im Glas immer weiter auf und zeigt im sehr langen Nachhall sein ganzes Potential, ungemein komplex, straff und trotzdem kein lauter Riesling. Genügt, für meinem Dafürhalten, höchsten Ansprüchen und würde keinem Montrachet Schande bereiten. Ganz großes Rieslingkino, das schon jetzt ein Hochgenuss ist, aber vermutlich erst in zehn Jahren seinen Höhepunkt erreichen wird.

Von der Versteigerung, 145 Euro (Magnum), 96-97+/100 (groß), jetzt bis 2030

Kilburg Riesling Kabinett Wintricher Ohligsberg, 2014

Kilburg Riesling Kabinett Ohligsberg 2014

Ist ja irgendwie überhaupt nicht komisch, besonders dann Lust auf einen jungen Riesling Kabinett zu bekommen, wenn man am Meer ist. Das passt gut zusammen, die salzige Luft, das ruppige Wetter und dann ein versöhnlicher, charmanter, leichter, frischer, gerne mal knackiger Wein mit Restsüße. Diesen Wein kannte ich bisher noch nicht. Er war eine Empfehlung von Frau Porn im Rieslinghaus Bernkastel. Bei Betrachtung der sonstigen Flaschen in meinem Einkaufskorb schenkte sie mir damals einen vielsagenden Blick und stellte fest: »Sie haben ja eher einen ungewöhnlichen Geschmack. Dann nehmen Sie mal den hier noch mit. Ist auch von so einem jungen Wilden.« Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, was das nun heißen sollte. Nachdem auch im Internet so rein gar nichts über den Wein herauszufinden war, schrieb ich eine Mail an das Weingut Geierslay, das kleingedruckt auf dem Rückenetikett zu finden ist. Antwort kam von Max Kilburg, dem jüngsten Sohn der Winzerfamilie – nicht aus Wintrich, sondern aus Australien, wo er sich zu der Zeit mit dem Riesling auf der Südhalbkugel beschäftigte. Max verriet, dass es sich bei dem Kabinett um den ersten Wein handelt, den er selbstständig, ohne Mithilfe seines Vaters, ausgebaut hat. Auch das schöne Etikett hat er selbst gestaltet. Verkauft wird die Edition bisher nur bei Frau Porn in ihrem legendären Rieslinghaus.

Eine kühle steinige und zarte zitronige, sogar ins zartreif Mandarinige übergehende Nase, leichte Würze, weiter hinten auch weißer Pfirsich, schön dezent und raffiniert. Auch im Antrunk bleibt der Wein präzise und interessant. Die Säure ist keinesfalls weich, wenn auch nicht resch, mehr filigran, leicht pikant, nachhaltig. Die Aromen sind angenehm leise, ein Spritzer Zitrone, ein paar Tropfen Mandarine, weißer Pfirsich, jetzt auch weiße Blüten, sehr saubere Frucht. Und dann kommt er doch noch durch, der Schiefer, aber eben nicht als Wolke, sondern als Prise, und sorgt für Würze. Hinten hat der Wein eine feine Salzigkeit. Das alles verpackt den Restzucker recht gut. Ein interessanter, blitzsauberer, kühl und komplex ausgebauter, nicht so leicht greifbarer Kabinett, mit dem man sich beschäftigen möchte. Ein bisschen weniger Restzucker oder ein, zwei Gramm mehr Säure würden ihn vielleicht noch besser abrunden bzw. noch »wilder« machen. Aber dieser Riesling ist auf einem sehr guten Weg. Er sorgt für tollen Trinkfluss, hat Eleganz, bietet Auseinandersetzung. So möchte man Kabinett trinken, eben nicht nur schluck-, sondern glasweise. Glückwunsch, Max Kilburg! Das ist hervorragend gelungen. In der Edition soll noch einiges kommen, zukünftig sogar aus einer ersten eigens vom Winzersohn dafür erworbenen Parzelle im Ohligsberg. Das lässt an Julian Haart denken, den anderen »jungen Wilden«, mit dessen Kabinett aus derselben Lage mich Frau Porn in ihrem Laden erwischte. Und so tut es auch die Qualität des Weins. Ich bin gespannt und freue mich auf mehr Rieslinge von Max Kilburg.

Rieslinghaus Bernkastel, um die 10 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt oder in den nächsten drei Jahren trinken

Ein erster Eindruck vom Riesling-Jahrgang 2015 (VDP-Weinbörse in Mainz)

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Wie in den letzten Jahren ertönte für uns der Startschuss des Jahrgangs 2015 erneut auf der VDP-Weinbörse in Mainz. Und da 183 Winzer und über 1.500 Weine ungeheuer viel sind und wir diesmal nur mit dem Ein-Mann-Team Thorsten unterwegs waren, konzentrierten wir uns wieder auf den Riesling. Kurzab, wir waren begeistert, denn 2015 löst seine Versprechen wirklich ein mit extraktreichen Weinen, nicht zu hohen Öchslegraden und vor allem viel reifer, knackiger, pikanter Säure. Von daher gibt es fast nur good news in unserem Bericht, aber auch wieder Weine, die noch besser sind als andere. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2011 nach fast vier Jahren Flaschenreife – Wachau, Nahe und Pfalz

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Hier kommt der zweite Teil unserer Riesling-Verkostung des Jahrgangs 2011. Neben 18 deutschen Großen Gewächsen kamen zuerst drei Smaragde aus der Wachau an die Reihe. Es folgten die großen Drei von der Nahe, die uns noch mehr begeistern konnten als erwartet. Die Pfalz aber überraschte uns stark. Zum einen zeigten die Weine, wie gut sie eben doch mit einem wärmeren Jahrgang umgehen können. Zum anderen wurde offenbar, wie sich der dortige Trend zum Holz auf die Weine auswirkt. Einer von ihnen konnte der gesamten Probe die Krone aufsetzen. Weiterlesen →

Barolo und Freunde – eine Probe mit gereiften Piemontesern

Feature

Eine Piemont-Reise vermochte es, unseren Weinblog-Freund Norbert neu für die Weine aus Barolo und Umgebung zu gewinnen und sich doch noch in den Nebbiolo zu verlieben. Die Weine ließen ihn nicht mehr los, und so lud er nach Oberhausen ein auf eine schöne Probe mit gereiftem Barolo, Barbaresco und Brunello. Die Reise ging zurück bis in die siebziger Jahre, so waren wunderbar mürbe Weine zu erwarten. So richtig überraschen sollten uns aber an diesem Abend etwas anderes. Weiterlesen →