Weingut Dönnhoff Riesling Schlossböckelheimer Felsenberg Großes Gewächs, 2007

Dönnhoff Felsenberg GG, 2007 (1 von 1)Die Großen Gewächse von Dönnhoff aus 2007 haben sich bis heute ausgezeichnet entwickelt, dies gilt auch für den Felsenberg. Die Weine sind zwar jahrgangstypisch durchaus kräftig und auch alkoholstark ausgefallen, aber lassen sich dank ihrer feinen Säurestruktur und ihrem mineralischem Ausdruck animierend trinken. Auch die 13.5% Vol. beim Felsenberg fallen nicht auf und auch sein lagenbedingter Hang zu einer opulenten und süßlichen Fruchtigkeit wird gut in Schach gehalten.

In der Nase ein kühl-mineralischer Eindruck mit frischen Kräuter, dahinter Heu, Rauch und jugendliche tropische Früchte, aber auch saftige Kernobstaromen, jugendlicher Eindruck. Am Gaumen fest, intesiv mineralischer Auftakt mit saftiger Frucht, die vorhandene Restsüße heute viel besser eingebunden als beim Release, sehr feine, spannungsgeladene Säurestruktur, zieht sich fordernd und anregend über den gesamten Verlauf über den Gaumen, wirkt harmonisch und straff, fester Kern, nähert sich seinem Höhepunkt an, keinerlei Reifenoten, gute Tiefe und sehr langer, minarlisch ziehender Nachhall. Ein ausgezeichneter Felsenberg, ohne jede Üppigkeit oder übermäßige Süße. Ohne dekantieren sofort im Glas und bereitete sofort Freude.

Vom Weingut, 30 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2022

Marc Kreydenweiss Riesling Andlauer Wiebelsberg Grand Cru “La Dame”, 2007

IMG_0101Diesen Wein hatte ich bereits vor gut zwei Jahren postiv beschrieben. Kürzlich hatte ich ihn ein weiteres Mal im Glas und war erneut begeistert ob seiner distinguirten Aromatik, auch wenn es sicherlich kein Riesling auf den üblichen aromatischen Trampelpfaden dieser Rebsorte ist.

Nach meinem Dafürhalten duftet er komplex nach gelben Äpfeln, Pflaumen, weißem Rauch, Asche, gesalzenen Mandeln und Karamell, sehr sauber, zarte Noten von dem oxidativen Ausbau im Hintergrund. Im Mund mit packendem, salzig-mineralischem Auftakt, die Säure fordernd, wird aber stets von einer satten Fruchtigkeit begleitet, Schalen von gelben Äpfeln, jugendliche Steinfrüchte, sehr agil und jugendliche Beweglichkeit, herrlich fokusierter Verlauf, kühle Mineralität, von Oxidation oder Reifenoten nach den sieben Jahren Flaschenreife ist nichts zu vernehmen, tiefe Kräuterwürze, erinnert an salzige Nussmischung und kalte Cola, dagegen steht aber stets eine versöhnliche, klare Rieslingfrucht, zeigt sich komplex und nachhaltig, betont mittellanger Nachhall, jetzt auf seinem Höhepunkt, dürfte sich hier noch länger halten, eine weitere Verbesserung kann ich mir nicht vorstellen, muss aber auch nicht.

Vom Weingut, 18 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

 

Zwei Burgunder zu Abend

Zwei Pinots am Abend (1 von 1)Kürzlich suchte ich als Begleiter zum Essen zwei Burgunder heraus, die ich in Ruhe über den gesamten Abend verkosten konnte.

Domaine Drouhin-Laroze Pinot Noir Gevrey-Chambertin 1er Cru Lavaut Saint-Jacques, 2005
Kühler, recht dichter Duft nach jugendlichen roten Johannisbeeren umkleidet von einem mineralischem Gewand aus Kalkstaub, sehr dezenter Holzeinsatz, nur ein Hauch Marzipan und dunkle Herrenschokolade lassen einen geringen Einsatz von Neuholz erkennen, vegetabile Noten und Kräuter im Hintergrund. Am Gaumen von betont mittlerer Dichte, die Kraft des Jahrganges und seine langsame Entwicklung werden wiederholt offensichtlich, denn der Wein ruht noch in einer Höhle, er zeigt im Antrunk eine schöne reintönige rote Beerenfrucht, die Tannine reif, aber noch deutlich zupackend, rauhen den Gaumen noch leicht auf, festes steinwürziges mineralisches Fundament, noch sehr kompakt, ein Korb voller getrockneter Kräuter, die dem Wein ab der Mitte einen herben Einschlag mitgeben, mittlerer Nachhall. Dieser Lavaut zeigt sehr gute Anlagen, besticht mit seiner Reintönigkeit und Feinheit, dazu erscheint mir sein Holzeinsatz ideal, von der Hitze des Jahrganges ist nichts zu spüren und sollte in fünf Jahren ein ausgezeichnetes Genußerlebnis sein – noch unbedingt liegen lassen.
Vom Handel, heute ca. 70 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), ab 2020+

Weingut Benderhof Spätburgunder Selection Kallstadter Steinacker “S”, 2007
In der wuchtigen, süßlichen Nase drückt ein hochreifes Beerenaromen heraus, dazu überreife Pflaumen, viel Schokolade, Weihnachtswürze, allen voran Wachholder, Röst- und Grillaromen zeugen von einem ambitionierten Holzeinsatz, der Alkohol reizt die Schleimhäute, unmittelbar als dt. Spätburgunder zu erkennen, was nicht als Kritik zu werten ist. Am Gaumen wirkt der Wein  wuchtig, ja fett, mit heftigem Holzeinsatz, bereits im Antrunk mischen sich in den satten Auftakt nach hochreifen dunklen Beeren- und Kernfrüchten deutliche Grillaromen, Wachholder, Nelke, erste Reifearomen, Schokolade und Marzipan, dieser Pinot schiebt sich mit all seiner Kraft und Fülle über den Gaumen, die Tannine sind samtig, der Wein ist jetzt auf seinem Höhepunkt und vollständig geöffnet, im Kern zeigen sich erste Reifearomen nach Waldboden und Laub, doch die Süße der Frucht führt sein verführerisches Spiel heute noch fest bis zum Ende auf, leider wärmt spätestens ab der Mitte der Alkohol deutlich und zeigt sich im Nachhall gar leicht schärfend, der Nachhall hat Länge. Der Wein wirkt aufgrund seiner ganzen Üppigkeit überambitioniert, ein früherer Lesezeitpunkt, etwas weniger Neuholz, oder eine andere Faßröstung hätte dem Wein ggf. mehr Frische und Eleganz verleiht, gerade in einem so heißem Jahr wie 2007. Da hatte ich schon bessere Pinots von Benderhof im Glas.
Als Geschenk erhalten, ca. 14 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt bis 2020

 

Weingut Heymann-Löwenstein Riesling Winningen Uhlen L “Laubach”, 2008

Heymann-Löwenstein L, 2008 (1 von 1)Erst nach zwei Stunden in der Karaffe hatte sich der Wein geöffnet und zeigte seinen momentanen Entwicklungszustand an. Vor zwei Jahren verkosteten wir ihn im Rahmen unserer 2008er-Riesling-Probe und notierten folgenden Eindruck:

Recht verschlossene, indifferente Nase nach hochreifen Steinfrüchten, Botrytis, Zuckerguss und erdiger Mineralik. Mittlerer bis kräftiger Körper am Gaumen, aber insgesamt noch in guter Balance, reife Steinfrüchte, vor allem Marille und Aprikose, deutliche Restsüße, bitterer Abrieb von der Orange, erneut Botrytis, gute Tiefe, lang. 2015 bis 2020, 89–90+ Punkte

Heute war mein erster Gedanke ganz anders: “weit entwickelt, deutliche Reifearomen im Bukett”. Dieser Eindruck wurde nach der Dekantierzeit etwas vermindert, aber verflog auch nicht vollständig. Am Gaumen trat die noch immer jugendliche, typisch agile 2008er-Säure diesem Eindruck noch stärker entgegen, aber eine (etwas zu weit fortgeschrittene) Reifearomatik blieb und so wirkte der Wein schlussendlich nicht vollständig harmonisch. Aber nochmal von Beginn an…

Leicht verwaschenes Bukett nach glacierten Stein- und Kernfrüchten, Reifenoten, kalter Bratapfel, ein Hauch Kartoffelschalen, erdig-kräuterige Mineralität, nicht vollständig überzeugend. Am Gaumen besser, dank seines saftigen Fruchtspiels, das mich über den gesamten Verlauf begleitet, ebenso zeigen sich aber auch fortlaufend Reifenoten, heute noch nicht störend, aber dies gilt für mich als Freund gereifter Rieslinge, Jungweinfreunde werden sich hier schon daran stören. Unangenehm zeigt sich die Botrytis anhand bitterer Töne, im Hintergrund Abrieb von tropischen Früchten, die Säure herrlich agil, feinsinnig, bestens mit der Frucht integriert, wirkt auch reif, typisch 2008. Die Mineralität tritt etwas zurück, insgesamt präsentiert sich der Laubach am Gaumen mit mittlerer Tiefe, mit gutem Zug und gutem Nachhall. Insgesamt immer noch sehr gut, aber eine weitere Verbesserung traue ich ihm nicht zu. Das vor zwei Jahren prognostizierte Trinkfenster halte ich heute für etwas optiministisch und korrigiere es deutlich.

Vom Weingut, ca. 28 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Wunderbare Winterweine – ein kleiner Ausflug ins Piemont

Wenn der dunkle Winter schon lang ist und noch kein Ende absehbar, wird es Zeit, sich etwas Trost zu verschaffen. Wenn Ihr Euch fragt, welche Flaschen Ihr in solchen Zeiten aufziehen sollt: Weine aus dem Piemont eignen sich ideal dafür. Die schöne duftige Frucht ist betörend, der Körper sorgt für Wärme und Struktur, dazu kommt die Frische dieser wunderbaren Säureader, die Nebbiolo und Barbaresco so unvergleichbar macht. Da wir all das dringend nötig hatten, machten wir das Piemont zum Thema unseres tiefwinterlichen Beifangabends. Und auch wenn uns relativ klar war, welche Rebsorten uns erwarteten, verkosteten wir die Weine blind. Einfach nur, um uns nicht vom Genuss abzulenken. Weiterlesen →

Weingut Maximin Grünhaus Herrenberg Riesling Auslese, 1997

Maximin Grünhaus Herrenberg Riesling Auslese, 1997 (1 von 1)Regelmäßig zieht es mich für einen Abend mit guten Freunden ins Weinhaus Gut Sülz (hier klicken) in Königswinter. Neben einer einfachen, schmackhaften regionalen Küche überzeugt das Haus aufgrund einer breiten Auswahl an Rieslingen, insbesondere im fruchtsüßem Bereich von der Mosel, serviert von Andreas Lelke, der auf dem Gebiet ein großer Kenner ist. Kürzlich servierte er uns einen noch jugendlichen, überraschend süßen 2002er-Kabinett von Willi Schäfer aus dem Graacher Domprobst (88/100), eine klare, hochfeine 1997er-Spätlese von Fritz Haag aus der Brauneberger Juffer Sonnenuhr ohne jede Reifenote (92/100) und zum Abschluss eine überzeugende 1997er-Auslese vom Weingut Maximin Grünhaus aus dem Herrenberg, von der ich etwas näher berichten will.

Im Bukett finde ich eine würzige Riesling-Typizität. Inwieweit die Würzigkeit von den natürlichen Hefen kommt oder vom Terroir vermag ich nicht zu sagen, dafür kenne ich Grünhaus zu wenig. Besondere Noten von der Spontanvergärung vermochte ich nicht zu vernehmen, das Bukett wirkt reintönig, mit feinem Schieferduft, tropischer Frucht mit herben Einschlag, insgesamt hochklassig und gewogen. Am Gaumen herrlich leichtfüßig, nicht eine Spur breit, im Gegenteil, wir holten uns die Flasche aus dem Kühler hervor, um uns zu überzeugen, ob es sich wirklich um eine Auslese handelt. Der Wein schmeckte eher wie eine Spätlese, oder gar wie ein gereifter Kabinett, denn süß war dieser Riesing wahrlich nicht, da wirkte der Kabinett von Willi Schäfer süßer. Vielmehr gehen seine Würzigkeit und seine Restsüße ein herrliches Duett ein und animierten uns, ihn in großen Schlucken zu trinken, eine feinsinnige, deutliche Schiefernoten durchzieht das Aroma von Anbeginn bis Ende, die Säure flankiert hochfein die Fruchtaromen, wirkt fein-prickelnd auf den Gaumen ein und entlockt so die einzelnen Aromen. Jetzt auf den Punkt gereift, ohne jede Altersnote, die 17 Jahre Flaschenreife sorgen einfach für die notwendige Harmonisierung, was nicht ungewöhnlich für das Weingut ist, sie benötigen oftmals Zeit zur Reife. Wir waren begeistert und verstehen immer mehr, warum die frucht- und edelsüßen Weine vermehrt Einzug auf unseren Trinkplan finden.

Im Restaurant, 46,50 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

Poderi Colla Nebbiolo d’Alba, 2010

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Ein guter, einfacher, nicht im Holz ausgebauter Nebbiolo ist auf seine Art unverkennbar, helle rote Beerenfrucht, duftig-florale Noten, dazu ein deutlicher Säurezug. Findet man hier einen schönen Trinkwein, sollte man sich ihn merken. Einer dieser Kandidaten ist für mich der Poderi Colla, ein stets ganz sauberer, klassisch ausgebauter, im Ansatz eleganter Wein aus dem großen Holzfass, der obendrein auch noch für kleinere Trinkanlässe gut erschwinglich ist.

In der diskret feinduftigen Nase rote Beeren, Hagebutten, eine leichte Teernote, florale, leicht welke Noten, ein feiner Reifeton wie von Brotkruste, dazu altes Holz und ein Hauch von Lack, das Bukett hat einen eigenartigen, welken, leicht morbiden Charme. Im Mund dann eine dynamische Säure, eine junge, feste Frucht und ein schöner Tanninbiss, alles noch lebendig, knackig, etwas kernig, doch auf den Punkt gewirkt und überhaupt nicht kantig. Der Wein ist in einem schönen Trinkfenster. Säure und Tannin schmecken traubig, der Wein ist sauber und in seiner Reinsortigkeit ausdrucksstark. Hinter der roten Beerigkeit tickt ein wenig Mandel oder gar Marzipan mit hoch. Die Altholznote schwingt auch im Mund mit, ebenso jetzt kalter Rauch. Die Textur ist leicht wässrig, was den Wein noch trinkanimierender macht. Der Abgang hat einige Länge. Ein blitzsauberer Nebbiolo mit Spiel und sogar etwas Tiefe. Ein erschwinglicher Brot-und-Butter-Wein auf einem schönen Niveau. Dazu gab es übrigens eine schöne Bolognese und wir verstanden uns alle richtig gut an dem Abend.

Aus dem Fachhandel, 13,80 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt gut zu trinken