Weiße Burgunder von der Côte de´Or von 1978 bis 2007

Weiße Burgunder Gummersbach 2015 (2 von 21)Ein guter Weinfreund öffnete an diesem Abend seine Schatzkammer an gereiften Chardonnays von der Côte de´Or. Für mich die erste Probe in dieser Breite und auf diesem Qualitätsniveau. Der Gastgeber achtete bewußt auf eine große Auswahl an Winzern und Appelationen und so durften wir eine repräsentative, aromatische Bandbreite des burgundischen Chardonnay versuchen.

Dank der großen Bandbreite an Jahrgängen konnten wir den Chardonnay in seinen unterschiedlichen Entwicklungsstufen erleben. Die gereiften Weine mit einer “19..” auf dem Etikett belegten erneut die Reifefähigkeit auch der weißen Burgunder – fast alle präsentierten eine saubere Fruchtatomatik, das Holz war oft nicht mehr, oder nur mehr im Hintergrund zu vernehmen, dazu brachten komplexe Sekundäraromen Tiefe und Komplexität ins Bukett und an den Gaumen.
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Juliusspital Silvaner Würzburger Stein Großes Gewächs, 2012

GM1_5241Wie dieser Wein den Weg in meinen Keller fand?  Ich will davon berichten. Mich führte eine Dienstreise nach Würzburg. Nachdem ich entdeckte, dass mein Zug nach getaner Arbeit zurück gen Heimat noch über eine Stunde auf sich warten lassen sollte, entschied ich mich, die Wartezeit ein wenig sinnvoller zu gestalten als nur die Gleise anzustarren – und so fand ich mich nach wenigen Minuten Fußmarsch in der Probierstude des Weinguts wieder und probierte mich durch die verschiedenen Weinlinien des Hauses. Dieser Wein zog schnell mein Interesse auf sich, war er doch ein hoch mineralischer and kraftvoll strukturierter Wein, den ich schnell als gelungenen Essensbegleiter ausmachte und flucks zurück gen Bahnhof schleppte.

Recherchen in den einschlägigen Quellen während der Zugfahrt ergaben, dass die Steillage Stein mit 85 Hektar die größte zusammenhänge Einzellage in Deutschland ist – das war mir bis dahin noch gar nicht bewusst. Riesling und Silvaner werden in dieser Lage im überwiegenden Anteil auf seinen Muschelkalkböden angebaut. Das Weingut Juliusspital bewirtschaftet knapp ein Drittel der Fläche dieser Lage.

Der Wein hat eine hochreif wuchtige und jugendlich gelbfleischige Nase, zudem aber erdige und vegitabile Töne nebst dunkelwürziger steiniger Aromatik, es rollen die Felsbrocken schier durch das Glas.

Spätestens im Mund verlangt der Wein dringend die Speisenbegleitung eines kräftigen Sahnesoßen-Gerichts: dichter und leicht schmelziger Antrunk, dabei noch wohltuend trocken. Der „Stein“ macht auch hier seinem Namen alle Ehre, viel mineralischer Ausdruck, betont würzig-steinige Aromatik, die die dichte fleischig-gelbe Frucht fast überlagert. Extraktreich schiebt der Wein durch den Mundraum, dieser Wein ist wirklich ein Bolide. Leider kommt der Wein mit seinen 14% nicht ganz alkoholarm daher, aber er bleibt so gerade noch in der Spur, da er vornehmlich über seinen Extrakt getragen wird, bis er in einem langen Finish mit fast lakritzigen Tönen erdig ausfächert.

Als Solist wäre mir diese Wucht wohl zu heftig auf Dauer – aber zum kräftigen Essen passt das ausgezeichnet.

Ich sollte öfter auf Dienstreise gehen – jedenfalls, wenn Würzburg deren Ziel ist.

Ab Weingut gekauft, 23 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017+

Adeneuer Spätburgunder Ahrweiler Rosenthal Großes Gewächs, 2007

GM1_5245Wenn ich die Wahl habe, Rotweine des Weinguts Adeneuer zu probieren, greife ich zunehmend nach der Lage „Ahrweiler Rosenthal“. Dies schlägt sich statistisch auch bei den Einkäufen nieder. Zwar mag die Lage Rosenthal weniger Prestige-trächtig sein als das Pendant aus der Gärkammer in Walporzheim, hier sind die Weine aber zumeist – aufgrund des Mikroklimas in der Gärkammer – sensorisch etwas weniger kraftvoll als in der Walporzheimer Kleinstlage, was dem Rosenthal insbesondere in warmen Jahren durchaus zu Gute kommt. Auch der Holzeinsatz erscheint im Rosenthal ein wenig moderater auszufallen, jedenfalls im aromatischen Endergebnis. Welche Lage man nun letztlich höher schätzt – es bleibt eine Entscheidung der persönlichen Präferenz. Exzellent können Beide sein. Rank und schlank sind jedenfalls auch die Großen Gewächse aus dem Rosenthal nicht – was stimmig ist, denn das Weingut Adeneuer ist insgesamt nicht für einen schlanken Rotwein-Stil bekannt – gleiches gilt aber viele Betriebe des Ahr-Tals und soll daher nicht als Makel verstanden werden.

Der Wein kommt mit dunklem Purpurrot und leicht orangen Reflexen ins Glas. Unmittelbar verbreitet sich ein klarer Duft nach eleganter Walderdbeere und eine Spur roter Johannisbeeren im Glas aus. Die Frucht wird umzeichnet von zunehmend vernehmbarer Holzwürze, Spuren von Vollmilchschokolade schmeicheln hingegen in der Nase. Piment und Orangenschale runden den kraftvollen, einen Hauch wärmenden Eindruck ab (auch nicht weiter störend).

Holzwürziger Antrunk mit mittlerer Dichte nach Schokolade, Piment und Rosenpaprika, grüne Kräuter gesellen sich mit Verweildauer im Glas hinzu. Der süßliche Fruchtkern, hier wieder viel Walderdbeere und dunkle Beeren, steht dem Wein gut zu Gesicht. Im harmonischen Verlauf wird dieser Spätburgunder zunehmend mineralischer, wirkt trotz seiner Kraft nicht unbalanciert; seine pointierte Säure arbeitet schön gegen den Fruchtkörper und zieht den Spannungsbogen lang, beide Elemente gehen eine gelungene Verbindung ein. Deutlich mittellanger bis langer Nachhall, in dem die schokoladigen Töne mit Luft immer sahniger und schmeichelnder werden.

Sein noch feinporiges Tannin deutet darauf hin, dass der Wein aktuell noch nicht hastig ausgetrunken werden muss, im Gegenteil, der Weine könnte sich noch mehr zusammenfinden und noch etwas an Gesamtharmonie hinzugewinnen. Trinkspaß bereitet er aber auch schon heute.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

Im Rausch der Florhefe: Sherry-Probe auf dem Vinocamp

Sherry war das Thema einer großartigen sozialen Weinprobe auf dem wundervollen Vinocamp 2015. Das Thema ist verkannt, unterschätzt, aber hochinteressant. Denn hier gibt es sagenhafte Weinqualität, von der sogar viele Weintrinker einfach nichts wissen. So gibt es kaum Gelegenheiten, Sherry auf hohem Niveau zu verkosten. Und davon gab es reichlich, vom einfachen salzigen, geschmackigen Manzanilla über die komplexen Projekt-Weine der Equipo Navazos bis hin zu gleich mehreren tief beeindruckenden En-Rama-Kollektionen von Gonzales Byass und einem unvergesslichen Palo Cortado Anada 1982. Weiterlesen →

Georges Descombes Régnié Vieilles Vignes Beaujolais, 2011

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Ist der Ruf in einem Anbaugebiet erstmal ruiniert, übernehmen die verrückten Bio-Winzer das Ruder und bringen Qualitäten zustande, die man kaum für möglich gehalten hätte. Diese Geschichte wird immer öfter geschrieben, und das trifft auch auf die Appellation Beaujolais zu.

Georges Descombes zählt zu diesen Winzern. Schon in den achtziger Jahren übernahm er das Weingut von seinem Vater und stellte es schnell auf biologischen Anbau um. Heute ist er einige Schritte weiter und hat sich dem Vin Naturel verschrieben. Georges Descombes ist dabei konsequent, aber nicht orthodox. Für ihn verbietet die Naturreinheit nicht einen zumindest noch äußerst geringen Schwefeleinsatz, den er nicht im Fass, sondern erst erst bei der Abfüllung vornimmt. Georges Descombes steht der »Gang of Four« nahe, einer kleinen, aus Morgon stammenden Gruppe um die Winzerlegende Marcel Lapierre, die sich schon seit Anfang der achtziger Jahre den Vins Naturel verschrieben hat. Descombes bewirtschaftet Lagen in vier Crus in Beaujolais. Régnié, zwischen Morgon und Brouilly gelegen, hat den Aufstieg zum Cru erst 1988 vollzogen, über vierzig Jahre nach dem bis dahin jüngsten der übrigen neun Crus.

Die Weine von der Domaine werden — ganz nach Beaujolais-Tradition — zuerst einer sehr kalten Kohlensäuremaischung unterzogen. Dabei vergären die ganzen Trauben unter Zugabe von Kohlensäure, wobei den Trauben die Farbstoffe entzogen werden, aber nur wenig Tannin überführt wird und der Wein seine Fruchtigkeit erhält. Danach werden die Weine in 60-Liter-Zementtanks umgefüllt und reifen schließlich noch für mindestens ein halbes Jahr in relativ neuen Holzfässern. Die Vieilles-Vignes-Weine werden separat ausgebaut und abgefüllt. Man erkennt sie nur an einem kleinen Hinweis auf dem Rückenetikett und – noch besser – an der auffälligen roten, dicken Wachskapsel. Der Régnié, einer von drei Cru-Weinen von Descombes, war der erste Wein, den ich von dem Weingut verkostet habe.

Für einen Beaujolais schwenkt der Wein relativ dunkel im Glas, rubinrot mit dunklem Kern, trüb, unfiltriert. Schon in der Nase ein feinduftiger Auftritt, aromatisch, klar und tief. Ein schönes Spiel von Veilchen, schwarzen Früchten, nicht zu reifer Cassis und dunklen Kirschen. Die Frucht wirkt frisch, fein, trotzdem konzentriert, mehr noch essenzhaft. Dazu kommt eine schöne, wieder leicht von Veilchenaromen getragene Würzigkeit. Im Antrunk ist der Wein dicht, trocken, ein Hauch von Rauch, dann roter Tee, etwas Hagebutte und wieder die schwarzen Kirschen. Die Duftigkeit des Buketts wandelt sich im Mund zu etwas Gehaltvollerem, Waldboden, eine Spur Leder. Und der Wein hat nun doch auch merklich Tannin, fein, reif, strukturiert, dabei in keinster Weise trocknend, aber doch etwas kernig. Die Säure sorgt für ordentlich Frische am Gaumen. Sie spielt auch in diesem Wein wieder eine besondere Rolle, denn er bringt kein fettes überschüssiges Extrakt mit. Der Wein bleibt dem grundklaren, feingliedrigen, nichts überdeckenden Vin-Naturel-Stil sehr gut verhaftet. Im mittleren Abgang bleibt die cassisgewürzte Kirsche stehen.

Der Wein ist – zumindest für einen Beaujolais gesehen – ja nicht gerade von gestern, Descombes liefert die Weine auch erst ein Jahr später und damit trinkreif aus. Der Régnié kann aber noch weitere Flaschenreife vertragen. Das Tannin fragt sogar höflich danach, auch ansonsten hat er gute Anlagen dafür. Die Frucht könnte die erste sein, die sich zurückziehen wird. Mehr als zwei, drei Jahre würde ich daher nicht warten.

Der Régnié soll der kernigste und tanninreichste unter den Crus von Georges Descombes sein. Nicht, dass ich diese Eigenschaft in diesem Wein in besonderer Weise ausgeprägt vorfinde, so hat er aber auf jeden Fall Biss und Struktur. Wer noch konsequenter die strahlende Beaujolais-Frucht sucht, sollte vielleicht mit den Vieilles Vignes aus Morgon oder Brouilly anfangen. So hat man es zumindest mir gesagt. Ich bin nach dieser Verkostung auf jeden Fall sehr neugierig auf die Kollektion geworden.

Aus dem Weinfachhandel, 19,95 Euro, 90+ Punkte (ausgezeichnet), am besten 2016 oder 2017 trinken

Zenato Azienda Vitivinicola Valpolicella Superiore, 2012

ZenatoValWenn man auf diesem Blog die Einträge nur flüchtig überfliegt, könnte man meinen, dass das „höher, schneller und immer weiter“, die Superlativen, die unsere Gesellschaft ja zunehmend prägen, auch auf hier und bei den verkosteten Weinen schon längst Einzug gehalten hat: Große Gewächse en masse, Champus galore, beim Bordeaux bitte auch lieber die erste als die zweite Reihe. Auf den ersten Blick…

Dieser Beitrag soll deshalb einmal ein bodenständiges Beispiel dafür sein, dass es auch ein bis vier Nummern kleiner gehen kann – deshalb heute ein Valpolicella. „Da war der Bardolino wohl schon aus?!“ mag der Wein-versnobte Leser nun spöttisch denken, der sich vielleicht auch nur zufällig in diese Verkostungsnotiz verirrt hat. Da wäre man geneigt zu entgegnen: „Woher kennst Du, lieber Weinsnob, denn bitte Bardolino?“ Aber, recht hätte er gehabt, Bardolino war in der Tat aus, danke der Nachfrage.

Dieser Valpolicella war es jedenfalls nicht, ein Glück: ein Wein aus 80% Corvina Veronese und je 10 % Rondinella sowie Sangiovese, er begleitete unser Essen bestens und trank sich mit großem Trinkspaß – und das ist es doch, was das Weintrinken einem in aller erster Linie bereiten soll. Eigentlich auch keine ernsthafte Überraschung, genießt das Familienweingut Zenato doch einen sehr guten Ruf. Nicht nur in der Region, auch eupaweit finden sich die Weine im Handel gut vertreten wieder. „L’anima del Lugana e il cuore della Valpolicella“ – so lautet der Wahlspruch des Weinguts. Womit geklärt wäre, wo die 75 ha Rebanlagen des Weinguts zu finden sind, nämlich in der Region rund um den Gardasee, im Nordwesten von Verona.

Satt und klarfruchtig drückt die Schwarzkirsche aus dem Glas entgegen, genauer gesagt eine Mischung aus Kirschkonfit und -gelee, bestens begleitet von einer harmonisch balancierten Holzaromatik, die sich in Vollmich- und Herrenschokolade sanft niederschlägt.

Fruchtiger Antrunk, klar gezeichnete Schwarzkirschfrucht, etwas reife Pflaume, harmonische Fruchtsüße, Nussaromen, die für die Weine aus Valpolicella so typisch sind. Nicht sonderlich tief, aber ungemein schmackhaft. Also, schenk nach! Die präsente Säure – stahlige 5,6 g/Liter – spielt mit der Frucht, das Holz stützt an der richtigen Stelle mit passender Intensität, animierend dank seiner feinen (nussigen) Herbe im Verlauf, auch das vernehmbare Tanin stört hier nicht. Das ist insgesamt nicht allzusehr intellektuell fordernd, aber schlicht und ergreifend geschmackvoll und gelungen. Im Finish fehlt vielleicht etwas Druck und Länge, aber auch ein kürzerer Nachhall kann Freude bereiten, wenn er denn sauber ist. Und dass dem hier so war, zeigt die Nachschau: Die Flasche ist binnen kurzer Zeit geleert – zum Essen, denn genau dazu ist dieser Wein gemacht worden. Italienische Lebensfreude, abgefüllt in Flaschen. Saluti!

Fast etwas schade für Dich, lieber Snob, dass es solch ein reputationsloser Wein bei Dir vielleicht nie ins Glas finden wird, vermutlich, weil Du Dich allein wegen der renommierten Etiketten lieber mit Amarone herumquälst. Aber, da Du es ja bis ans Ende dieser Nachricht durchgehalten hast, darf ich Dir sagen: Hab keine Sorge! Demnächst gibt es auf dieser Seite bestimmt auch wieder Highend-Getränke.

Aus dem Fachhandel, 7,50 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2016

Weingut Seeger Chardonnay “S”, 2013

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Denkt man an große Burgunder aus Deutschland, denken viele an Assmannshausen, Kaiserstuhl, Schweigen oder Bürgstadt. An die Badische Bergstraße denken nur wenige. Völlig zu unrecht, denn hier, gleich südlich von Heidelberg, ragt das Weingut Seeger heraus, “leuchtturmhaft”, wie Manfred Lüer es so schön beschreibt. Nur mehr zehn Hektar pure Qualität im Heidelberger Herrenberg, in 13. Generation mit viel Verstand, Gefühl, Erfahrung und Konsequenz aufwendig ökologisch bewirtschaftet. Um die Weine wird vom Weingut nicht viel Lärm gemacht, und das haben sie auch nicht nötig, denn sie finden offenbar schon lange auch so ihre Abnehmer. Dies gilt vor allem für die Spätburgunder, die unter Kennern legendären Ruf haben und gereift so gut wie gar nicht zu besorgen sind. Ich spreche aus Erfahrung, denn schon seit Jahren halte ich Ausschau danach für eine jährliche Pinot-Noir-Verkostung. Es war schon vieles dabei, aber bislang eben noch kein Seeger. Umso gespannter war ich auf das kleine Flaschenpaket, aus dem ich hier als ersten den Chardonnay “S” verkosten konnte. Der Wein stammt von Muschelkalk- und Lösslehmböden, wurde spontan vergoren und reifte ein gutes halbes Jahr auf der Hefe im offenbar nicht zu stark gerösteten Barriquefass.

In der Nase Aprikosen, aber auch frische gelbe Früchte, unter anderem Quitten und Zitronen, herbe vegetabile Noten, Erbspüree, dazu eine recht zarte buttrig-nussige Röstnote vom Barrique, jung und rauchig. Da ist richtig viel in der Nase, und dazu durchzieht den Wein ein straffer mineralischer Zug. Das Bukett ist insgesamt noch kompakt und kühl anmutend, dabei aber intensiv und auch schon tief. Bereits in der Nase ist das sehr animierend, und ich bekomme Respekt vor dem äußerst gelungenen Holzeinsatz, der hier trotz der jugendlichen Unruhe nichts überdeckt.

Im Mund ist der Wein richtig trocken, zuerst stößt man an etwas an das Holz, der Gaumen wird von einer rauchigen Wolke umhüllt, dann aber kommt die intensive, konzentrierte Frucht durch und bleibt, zusammen mit einer herben Tabakigkeit, am Gaumen hängen. Das ist schön, was aber dann kommt, sorgt für Gänsehaut. Eine ganz deutliche Säureader zieht sich durch den Wein, was ungeheuer frisch wirkt. Dabei ein mittlerer, überhaupt nicht fülliger Körper, auch der Alkohol sitzt mit seinen 13 Prozent auf dem Punkt. Aromatisch dringen jetzt die vegetabilen Noten stärker durch, dazu gesellt sich weiter hinten eine schöne Salzigkeit. Der Abgang hat gute Länge und ist harmonisch, die Gerbstoffe sind schon ansatzweise weich. Hier wusste man ganz offenbar, was man mit dem Holz macht.

Dieser Wein ist ein Paradebeispiel für einen Chardonnay, der durchgängig auf der Hefe reift. Er ist jung, aber schon angenehm weich, er ist komplex, sehr fein, bereits zugänglich. Mir bleibt die Frage, was man denn eigentlich mehr von einem Barrique-Chardonnay will. Ganz viel Nachhaltigkeit und Balance, Länge, Frische, französischer Stil – blind würde ich den Wein nach Meursault stecken, wegen seines trockenen Stils und seiner prägnanten Säurefrische. Man kann ihn schon jetzt wunderbar trinken, wenn man sich ein wenig um die kleinen Holzkanten herumschmecken kann. Dafür braucht man nicht mal unbedingt eine Speise, das geht sogar auch jetzt schon solo richtig gut. Trotzdem, wer es schafft, sollte den Wein eine ganze Weile liegen lassen. Reifen kann der Wein mit seiner Frucht, seiner Säure, seiner Struktur. Ich würde allzu gerne wissen, wie das hier mit Reifearomen schmeckt.

Vom Weingut, ca. 19 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020