Paul Bara Chardonnay Special Club Bouzy Champagne, 2004

Bara Special Selection, 2004 (1 von 1)In der Nase finde ich ein überaus klassisches Bukett eines 10 Jahre gereiften Champagner der aus 100% Chardonnay-Trauben erzeugt wurde. Harmonisches Spiel aus gerösteten Hasselnüssen, Hefegebäck, kandierten, rotwangigen Äpfeln, eine Spur Karamell und Rauch, zeigt seine besondere Klasse an. Am Gaumen ein Schmusse-Champus auf hohem Niveau, die Perlage sehr fein, cremige Textur, schönes Säurespiel, einfach eine Freude diesen Champus auf der Terrasse bei den aktuellen Frühlingstemparaturen zu genießen, die Glässer leeren sich entsprechend zügig. Über den gesamten Verlauf sehr stimmig, im hinteren Bereich treten dann als Kontrapunkt verstärkt mineralische Noten auf, viel Kalkstein, raut sogar leicht den Gaumen auf, sehr schöne Länge, in der eine jugendliche Melone sehr langsam aufblendet, noch keine Altersnoten. Erneut ein überaus ansprechender Champagner von Paul Bara, der sich nach meiner Einschätzung noch einige Zeit auf diesem Niveau bewegen dürfte.

Vom Weingut, 30 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

 

Dunn Vineyards Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1990

Dunn Cabernet Sauvignin Napa Valley. 1990 (1 von 1)Dieser “einfache” Napa Valley von Dunn ist in 1990 meines Erachtens seinem großen Bruder aus dem Howell Mountain ebenbürtig, oder zumindest endlich mal ein reifer Dunn. Nach vier Stunden Belüftung in der Karaffe lässt er sich heute herrlich trinken. Duftet der Wein unmittelbar nach dem Öffnen intensiv nach Tinte, grünlichem Paprika und verschlossenen dunklen Waldberen, öffnet er sich mit der Zeit zusehenst. Meine Notiz fertigte ich nach vier Stunden in der Karaffe an:

Intensiv-kompaktes Bukett nach fruchtiger Cabernet-Aromatik, viel Creme de Casis, feuchte Kieselsteine, Graphit, rotes Paprikagewürz, feinstes Sattelleder, glockenklar, noch sehr jugendlich, zeigt jedoch seine Tiefe an, ein überzeugender Duft. Am Gaumen von mittlerem Körper, im Auftakt herrlich saftige Cabernet-Frucht, eine Mischung aus reifen Heidelbeeren und Cassis, dahinter Brombeeren, feine Süße, wirkt ungemein beweglich, ja elegant und trotzdem von intensiver Saftigkeit durchzogen. Ein wenig nachgelagert, aber spielerisch mit der Frucht verbunden, eine an Graphit erinnernde Mineralität, erneut feinstes Leder, die Tannine geben die nötige Struktur vor ohne trocknend zu wirken, feiner Zug am Gaumen, die Säure mit der Frucht verschmolzen, komplex und gleichzeitig harmonisch, mit betont langem Nachhall. Ein ausgezeichneter Cabernet aus Napa, der jetzt endlich seinen Höhepunkt nach 25 Jahren erreicht hat.

Vom Fachhandel, ca. 100 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2030

 

Vega-Sicilia-Probe: Von Alion, über Valbuena zu den Unicos und großen Reserva Especials

Vega Sicilia Titelbild (1 von 1)Im Frühjahr 2015 trafen sich in Bonn Weinfreunde um einige der großen Weine der Bodegas Vega-Sicilia zu verkosten. Auslöser war das erfolgreiche Ersteigern von vier Unico Reserva Especial aus den Jahrgängen 1960 bis 1974, dazu kramten auch einige Teilnehmer ihre Raritäten aus dem Keller hervor. Und so ware das Line-Up schnell erstellt und in kurzer Zeit waren die Plätze für die Probe vergeben, trotz der hohen Preise, die leider mittlerweile für die großen, gereiften Unicos aufgerufen werden. Damit die Probe noch einigermaßen bezahlbar blieb, haben wir einige Zweitweine von Vega-Sicilia, den Valbuena 5, verkostet, sowie vom zweiten Weingut Ailon, dass 1992 gegründet wurde. Mit dem 2001er-Toro gab es dazu noch einen Wein aus dem Gebiet Toro, dass Vega-Sicilia im Jahr 2001 gründete und eine modernere Interpretation des Tempranillo erzeugt.

Die Probe zeigte, dass die besten Jahrgänge der Unicos und besonders die Cuveés Reserva Especial mit den großen Weinen der Welt ohne Frage mithalten können. Die Weine aus der Tempranillo-Traube können in der Spitze ebenfalls eine ansprechende Feinheit und aromatische Tiefe entwickeln. Dabei präsentierten sich die Weine aromatisch durchaus unterschiedlich.

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Weingut Keller Spätburgunder Dalsheimer Bürgel Großes Gewächs, 2012

IMG_0100 Kennt Ihr das? Man meint, einen Wein zu kennen, seine Stilistik entschlüsselt zu haben, und plötzlich kommt der neue Jahrgang ins Glas und man muss auf die Reset-Taste drücken, da der Wein sich gänzlich anders als gewohnt präsentiert. So ging es mir beim Bürgel, den ich im Frühjahr 2014 bei einem Besuch des Weingutes vor Ort ins Glas bekam. Bürgel war für mich im Vergleich zum Frauenberg der rustikalere Spätburgunder von Keller, viel deutsche Typizität, viel Schokolade, deutliche Süße, ein Hang zur Opulenz. Und dann — meine erste Notiz lautete: Er duftet wie ein Chambolle-Musigny, leichtfüßig, klare jugendliche Schwarzkirsche und Himbeere, für seine Jugendlichkeit eine überaus dezente Neuholzwürze, die sich aber weniger von seiner Schokoladenseite zeigt, sondern seriöser wirkt, gecrunchte Kräuter, herbe erdige Noten, dazu etwas Brom- und Himbeeren, also an einen deutschen Klon denke ich da wirklich nicht.

Nun ein Jahr nach seiner Abfüllung ging ich der ersten Flasche an den Kragen: Eine herrlich feinsinnige, duftige Pinot Noir-Nase mit einer feinen steinwürzigen Mineralität steigt da aus dem Glas empor, mit zunehmender Wärme durchaus kräftig wirkend. Am Gaumen von mittlerer Dichte, sehr reintönige Pinot-Noir-Frucht, Kirschen, Orangenschalen, herbe Kräuter, harmonische, feinporige Säure, trinkt sich bereits heute sehr harmonisch und animierend, wenngleich die jugendlichen Holzaromen sich noch dezent zeigen, aber kein Vergleich zu manch holzgeschwängerten Franzosen. Iich muss es nochmal sagen, der Wein wirkt frisch und packend, herrlich animierender Trinkfluss, heute noch ohne die letzte Tiefe, dazu ist er noch zu verschlossen und somit ist der Abgang eher mittellang.

Vom Weingut, 39 Euro, 91+ Punkte (ausgezeichnet), ab 2018+

Terrassen-Zeit? Riesling-Zeit!

Weine zum Skat (1 von 1)Wie schön, der April zeigte sich von seiner schönsten Seite und so verlegten wir unseren Skatabend spontan auf meine Terrasse und genossen bei milden Temparaturen diverse Rieslinge, die in mir große Vorfreude auf den bevorstehenden Frühling und Sommer entfachten.

Es ging los mit einem erstaunlich fein-balancierten Tonschiefer von Dönnhoff aus dem Jahr 2009. Riesling von der Nahe hatten wir schnell erraten, aber einen derartig guten Tonschiefer hatten wir noch nie. Ein eleganter Riesling von großer Harmonie, die ausdruckstarke Mineralität spielt animierend mit den saftigen Steinfrüchten, sehr beweglicher Fluß, trinkt sich herrlich unangestrengt und zeigt dabei schönes Spiel, ohne jede Reifenoten, jetzt auf seinem Höhepunkt (88/100). Viel Wein für wenig Geld. Weiter ging es mit einem ausgezeichneten 2008er Scharzhofberger Pergentsknopp (P.) von Van Volxem. Aufgrund seiner ausgeprägen Schieferaromatik sofort als Saarwein zu erkennen, überzeugte er uns mit seinen rauchigen Noten, einer feinen Cremigkeit, der typisch subtilen Saarsäure und glockenklarer, saftiger Frucht, ein Wein mit Tiefe und Eleganz, ohne jede Breite und Schwülstigkeit, die Lage wurde ihrem Ruf für feine Rieslinge erneut gerecht. Der hohe Preis ist gerechtfertigt und mit (92/100) noch eher konservativ benotet. Jetzt herrlich gereift und zeugt erneut von dem Potential des Jahrganges. Anschließend machten wir mit dem 1989er-Chasse Spleen einen kurzen Abstecher ins Bordeaux. Der Moulis präsentierte sich noch schön zu trinken, aber auch am Ende seiner Entwicklungszeit. In der Nase sofort als gereifter, cabernet-dominierter Bordeaux zu erkennen, mit einem Bukett von Eisen, grünen Paprika, schon in den Hintergrund gerückte Cassisanklänge, getrocknete Kräuter und Laub. Am Gaumen ein schlanker Vertreter, der mit einer zarten süßen und klaren Cassisfrucht den Charme des Jahrganges andeutet, deutliche Reifenoten, Waldboden, Eisen und Laub und etwas Paprika; ist insgesamt noch intakt, aber seiner Karkheit kam nicht bei jederman gut an, andere lobten aber seine Balance und den Trinkfluß, insgesamt wie gesagt noch stimmig, sollte aber jetzt auch getrunken werden (86/100).

Zurück zu deutschem Riesling, nun jedoch kamen fruchtsüße Weine auf den Tisch, die wie immer herrlich zu  gereiften Variationen von Ziegenkäse harmonierten. Los ging es mit einer überraschend frischen 2006erSpätlese aus dem Lenchen von Kühn. Über den 2006er-Jahrgang von Kühn haben wir auf diesem Blog schön öfters geschrieben und gerätselt. In diesem Jahrgang wurden hier extreme Weine abgefüllt, die stark polarisieren. Das Lenchen aber war unser aller Liebling. Leicht kräuterwürziger, typischer Rieslingduft, glockenklar und vielschichtig. Am Gaumen herrlich gewogen, feine, aber vitale Säure, saftige Kernfrüchte, ein Hauch Honig, animierender Verlauf, einfach lecker, ohne die jetzt die größte Tiefe zu haben, jetzt auf seinem Höhepunkt (87/100). Anschließen kam mit Dr. Hermann eine traditionelle ausgebaute Auslese aus dem Ürziger Würzgarten “Ursprung” auf den Tisch. Wie gewohnt bei Dr. Hermann fiel diese Auslese kräftiger aus, zeigte sich jedoch angenehm gereift,  dadurch die Süße nicht aufdringlich, mit saftigen Steinobst und deutlicher Schieferwürze. Eien ideale Auslese zum Käse, als Solist wäre er dann den meisten am Tisch spätenstens beim zweiten Glas vermutlich ein wenig zu süß (87/100). Mit der 2005er-Auslese GK aus dem Niederberg Helden von Schloß Lieser ging es weiter. Trotz des kräftigen Jahrganges gefiel er uns ein Stück besser, weil zwar auch hier die Süße deutlich zum tragen kam, aber die Säure frischer und agiler wirkte, wie gewohnt glockenklare Aromatik, null Botrytis, guter Trinkfluß, deutlicher Nachhall nach Schiefer (89/100). Nach dem die Käseplatte geplündert war und unser Skatspiel in den letzten Zügen lag, kam als Rausschmeißer noch der 2012-Steinberger Kabinett Versteigerung von den Staatsweingütern auf den Tisch. Ein recht süßer Kabinett, der dann doch dank seiner 8,5 % leichtfüßig auf unserem Gaumen spielte und eine sehr lebendiges Säurespiel besaß. Die Aromatik noch sehr jugendlich, noch etwas hefig im Bukett , sehr klare Rieslingaromatik, mineralische Pikanz, zeigt Zug am Gaumen, braucht noch 1-2 Jahre um sein Jugendspeck abzulegen, gutes Potential, mittlere Tiefe und Länge (87/100).

Wie fast immer gefielen mir die Weine deutlich besser als mein Skatblatt, aber das mag vielleicht auch an dem Spieler liegen…

 

VDP Weinbörse 2015: Pfalz und Franken

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Das Beste kommt zum Schluss – aus Zufall trifft das bei unserem Bericht von der VDP Weinbörse in Mainz zu. Denn nach den Anbaugebieten Rheinhessen und Mosel sowie Rheingau und Nahe kommen als letztes nun Pfalz und Franken an die Reihe. Und diese beiden Gebiete scheinen von den schwierigen Bedingungen im Jahr 2014 sogar profitiert zu haben. Die Weine sind nicht so stoffig geprägt wie in heißeren Jahren, durch die ganze Verkostung zog sich eine besondere Feinheit. Weiterlesen →

VDP Weinbörse 2015: Rheingau und Nahe

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Im zweiten Teil unseres Berichts von der VDP Weinbörse in Mainz geht es um die Rieslinge aus dem Rheingau und von der Nahe. Zumindest im ersten, ausgerechnet dem klassischsten aller Riesling-Gebiete, dem Rheingau, hat das Wetter 2014 erneut ordentlich zugeschlagen. Trotzdem, die Winzer haben vieles gutgemacht, uns hat so mancher Weine richtig gut gefallen. Überquert man den Rhein, ist alles anders – an der Nahe sind die Weine (wie fast jedes Jahr) blitzsauber, crisp, mineralisch, als gäbe es hier nichts anderes als immer nur das beste Wetter. In beiden Gebieten haben wir Rieslinge gefunden, die wir sehr gut empfehlen können. Weiterlesen →