Riesling Große Gewächse 2014: Ruwer und Saar

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**** (Sehr guter Jahrgang)

Leider reichte die Zeit nicht mehr mich durch die Mosel zu verkosten und so beschränkte ich mich auf die neun Großen Gewächse von Ruwer und Saar – auch hier schlichtweg meinen persönlichen Vorlieben folgend. Die Rieslinge präsentierten sich auf einem ausgezeichneten Niveau mit den strahlenden Lauer-Weinen an der Spitze, wobei die Kupp und der Schodener Saarfeilser für meinen Gaumen große, trockene Weine für die Ewigkeit sind. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern jemals bessere Große Gewächse aus dem Anbaugebiet Mosel bei einer Jungweinprobe verkostet zu haben. Sie vereinen Spiel, Komplexität und höchste Feinheit.

Meine Favoriten:

  • Peter Lauter Ayl Kupp 94-97+
  • Peter Lauter Schoden Saarfeilser 94-96+
  • Gletz-Zilliken Saarburg Rausch 92+

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Riesling Große Gewächse 2014: Rheingau

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*** (Guter Jahrgang)

Ich habe eine Schwäche für das Rheingau und so war es nicht immer schön mit anzusehen wie diese Region qualitativ immer weiter zurückfiel. Glücklicherweise erleben wir die letzten 2-3 Jahre einen gewissen Aufschwung und es gibt sicherlich einzelne Güter, die wieder an die bundesweite Spitze Anschluss gefunden haben und sich konsequent der Qualität verpflichtet fühlen.

Die Stärken des Rheingau-Rieslings liegen meines Erachtens in seiner Vielfalt, an dem herrlichen Spiel aus Frucht und Säure, gerne klassisch komponiert. Viele Weine sind leichter im Extrakt und zeigen hierdurch dann eine besondere Feinheit und ein bewegliches Spiel. Das ist jetzt alles sehr pauschal, denn in Hochheim werden grundsätzlich andere Weine erzeugt wie z.B. in den Rüdesheimer Lagen, in Erbach oder in Lorch.

Das Klima 2014 hat diese positive Entwicklung sicher nicht begünstigt, der ständige Regen im Herbst lies den richtigen Lesezeitpunkt auf wenige Tage, ja Stunden zusammenschrumpfen. Da landete sicher die eine oder andere unreife oder faule Beere im Keller. Für diese schwierigen Voraussetzungen ist die Qualität erstaunlich. Aber die Schwierigkeiten des Jahrgangs kann das Gebiet im Glas nicht verheimlichen. Es gibt einige dünne und gar schwache Weine, manche hätte man meines Erachtens besser nicht als Großes Gewächs abgefüllt. Daneben finden sich aber durchaus auch überzeugende, feinsinnige und charaktervolle Rieslinge. Das Jahr wirbelte auch das präsentiere Line-Up ordentlich durcheinander. Etliche Weine wurden nicht angestellt und das eine oder andere Weingut war überhaupt nicht vertreten. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2014: Rheinhessen

GG2014 Wiesbaden Titelbild 2 (1 von 1)**** (Sehr guter Jahrgang)

Insgesamt 34 Große Gewächse präsentierte Rheinhessen. Die Qualität liegt hier in der Breite nochmals etwas über dem bereits sehr gutem Vorjahr, was insbesondere an den vielen überzeugenden Großen Gewächsen aus dem Roten Hang liegt. Die Steillagen, mit ihrem geringen Wasserhaltevermögen, kamen ganz offensichtlich bestens mit den feuchten Witterungsbedingungen im Herbst zurecht. Hinzu kommt aber auch, dass Weingüter aus der zweiten Reihe sich verstärkt bemühen den Anschluss an die Spitze nicht gänzlich zu verpassen. Endlich haben auch Gunderloch und St. Antony überwiegend vielversprechende Weine aus dem Hipping, dem Pettenthal oder Orbel erzeugt. Die Weine sind viel trinkanimierender geworden,nicht mehr so überladen, sondern straff mit feinem Zug, ohne jedoch ihre Herkunft zu verleugnen – eben Rieslinge vom Rotliegenden. Es bleiben daher gehaltvolle Rieslinge voller exotischer Früchte und einem festen und ausdruckstarken mineralischen Fundament.

Sie werden nur noch von den besten Lagen aus dem „Flachland“ übertroffen. Hier werden mittlerweile seit einigen Jahren teilweise ungemein puristisch, ja fordernde Rieslinge erzeugt – kühl, unnahbar, mit packender, fordernder Säure und unbeugsamer Mineralität. Es sind die üblichen Verdächtigen, die erneut wahre Größe auf die Flasche gezogen haben. Einige davon gehören zu den besten Rieslingen des Jahres. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2014: Nahe

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**** (Sehr guter Jahrgang)

Auch an der Nahe waren die klimatischen Bedingungen durchaus herausfordernd und so waren die Ergebnisse gemischt, aber insgesamt auf gewohnt sehr hohem Niveau. Die Rieslinge überzeugen erneut mit ihrer besonderen Stärke. Trotz ihrer Dichte lassen sie sich animierend trinken und zeigen oftmals eine bemerkenswerte, ja zuweilen einzigartige Komplexität und Stimmigkeit in ihrem Spiel zwischen Frucht und Mineralität. In der Jugend präsentieren sich manche Lagen gerne verschlossen, aber zahlreiche Verkostungen bezeugen die gute Entwicklungsfähigkeit der Spitzenweine, die gerne erst nach zehn Jahren ihre ganze Vielfalt zeigen.

Die Weine von Emrich-Schönleber waren dieses Jahr eine Überraschung: Sie sind leichtgewichtiger, von großer Feinheit und Fluidität durchzogen. Es sind nahezu leise, noble Rieslinge, die sich heute etwas verhaltener als in den Vorjahren zeigen. Schäfer-Fröhlich sollte seine Weine erst drei bis vier Jahre nach der Abfüllung anstellen, denn die meisten, mit Ausnahme des Strombergs, sind weiterhin deutlich von Gäraromen dominiert. Trotzdem eine ganz starke Kollektion von ihm, besonders das Felseneck und der Halenberg genügen höchsten Ansprüchen. Dönnhoff hat eine homogene Kollektion auf höchstem Niveau vorstellt mit deutlich unterschiedlicher Charakteristik, hier schmeckt man das Terroir. Diel geht konsequent weiter seinen Weg hin zu schlanken, straffen Rieslingen, was besonders dem Pittermännchen und dem Goldloch gut zu Gesicht steht, Auch der Burgberg war erneut hervorragend. Diel zählt für mich nun eindeutig zur Spitze an der Nahe. Eine überaus erfreuliche Entwicklung zeigen die beiden Großen Gewächse von Joh. Bapt. Schäfer, sie sind deutlich straffer und weniger süß ausgefallen. Teilweise sind die Alkoholwerte an der Nahe erfreulich niedrig ausgefallen. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2014 – Allgemeine Einschätzung und Franken

GG2014 Wiesbaden Titelbild 2 (1 von 1)„Der Herrgott hat´s gegeben – nur nicht ganz freiwillig!“ möchte man 2014 hinterherrufen. So fasst Florian Lauer in seinem Rundbrief das Jahr für mich sehr passend zusammen. Wir müssen nicht drumherum reden, die Witterung im Jahr 2014 war für viele Winzer eine Zumutung, besonders zur Lesezeit – schöner, warmer Landregen, der sich genüsslich in einigen Regionen über den gesamten Herbst hinzog. Wobei das Wetter in den einzelnen Regionen, ja sogar von Gemeinde zu Gemeinde, derartig unterschiedlich war, dass sich allgemeine Aussagen verbieten. Diese Unterschiede zeigten sich bereits in Mainz bei der Präsentation der Guts- und Ortsweine im Mai 2015 deutlich. Auch die Performance der dort gezeigten Weine war sehr gemischt, von Enttäuschungen bis Highlights – es war alles dabei. Ich war daher gespannt wie ein Flitzebogen, wie sich diese heterogenen Voraussetzungen auf die Großen Gewächse auswirken würden. Weiterlesen →

Weingut Künstler Riesling Stielweg Alte Reben, 2008

Künstler Stielweg Alte Reben, 2008 (1 von 1)Ich gestehe ein Liebhaber des 2008er-Jahrgangs beim dt. Riesling zu sein. Bereits in der Jugend haben mir die Weine sehr gefallen. Vor gut zwei Jahren öffneten wir damals nach vier Jahren Flaschenreife zum ersten Mal eine Bandbreite an Weinen (Hier lesen) und es wurde deutlich – zahlreiche Weine waren zu dem Zeitpunkt in der Verschlußphase und öffneten sich auch über Tage nicht. Der Jahrgang ist vermutlich ein Langläufer. Im Februar 2013 konnten nur die Weine aus dem Rheingau und vereinzelt aus der Pfalz überzeugen. Im kommenden November 2015 werden wir erneut eine Bandbreite probieren und ich bin sehr gespannt, ob sich die zusätzlichen 2,5 Jahre im Glas wiederfinden.

Wenn ich 2008er heute öffne, dann greife ich aufgrund der gemachten Erfahrung gerne zu Rieslingen aus dem Rheingau. Heute kam mit dem Stielweg ein Riesling ins Glas, der gewachsen auf schweren Tonböden, hinreichend Druck haben sollte mein fruchtiges Pastagericht mit Greveten anständig zu begleiten. Und genau das tat er auch, wenngleich er mir als Solist ebenso gefiel.

In der Nase finde ich angereiften Riesling, die ersten Sekundäraromen treten deutlich auf, fein herbe Noten von Thymian, eine Ahnung Kümmel, hochreifer gelber Apfel, tropische Anklänge, Zitronenbiskuit, immer wieder stecke ich gerne meine Nase ins Glas ob der verspielten Aromatik. Am Gaumen dicht, aber nicht übermäßig, im Antrunk wird der Vorteil des Jahrganges deutlich, denn die vorhandene Restsüße wird herrlich von einer pikanten, schön gereiften Säure flankiert und gepuffert. Oftmals ist mir der Stielweg zu süß und zu schwer, davon kann bei der 2008er-Version kein Rede sein, trotz seiner 13,5 % vol. Natürlich bleibt es ein Riesling auf einem Tonboden gewachsen, aber darüber kann man sich kaum beschweren, wenn man sich dafür entschieden hat. Nein, der 2008er zeigt Frische, einen feinen Säurezug, der herb-kräutrige Einschlag puffert die Restsüße weiter und so wirkt der Wein fast perfekt harmonisch, nur in der Mitte fehlt das letzte Spiel zwischen den Komponenten. Gefällt mir ausgesprochen gut und wirkt nun hinreichend abgehangen um ihn genau jetzt zu genießen – er scheint mir gerade auf seinem Höhepunkt. Erfeuliches PLV.

Vom Weingut, 15 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

Winery Torbreck The Steading Barossa Valley, 1999

Torbreck The Steading, 1999 (1 von 1)Wer einen bezahlbaren Einstieg in hochwertige australische Rotweine sucht, findet mit dem “The Steading” einen möglichen Kandidaten. Diese Cuvée aus Gernache, Shiraz und Mataro (ursprüngliche Bezeichnung von Mourvédre) ist so etwas wie der Gutswein, im besten Sinne, von Torbreck. Im besten Sinne meint, dass er die Kühle und Eleganz der leider sehr teuren Spitzenweine dieses Erzeugers andeutet und sogar richtig gut reifen kann. Auch bei diesem 1999er finde ich ein mineralisches, fein gezeichnetes Bukett mit Graphit, viel Kräuterwürze, Sauerkirschen und Blaubeeren, nur ein feiner Hauch vom Fassausbau, es kommt richtig Vorfreude auf, den Wein zu trinken. Am Gaumen ein herrlich saftiger Auftakt mit einem Korb voller Sauerkirschen und dunkler Waldbeeren, die von einer feinen Säurestruktur durchzogen sind. Dazu gesellen sich ein würziger Geschmack und feine Holznoten, die glücklicherweise jede Süße vermeiden, und nicht zu vergessen die steinwürzige Mineralität, die den Wein im gesamten Verlauf begleitet und auf der er auch langsam ausklingt. Der Wein ruht in sich, hat seinen harmonischen Höhepunkt erreicht. Ein ausgezeichneter Wein, der seine 14,5% Alkohol perfekt maskiert und der seine Rebsorten wie ein Schild auf der Brust trägt – am Tisch wurden genau die drei Rebsorten sofort erkannt. Ich möchte empfehlen, den Wein nun zu öffnen. Er wird sich noch ein paar Jahre gut halten, aber vermutlich nicht mehr verbessern.

Vom Fachhandel, ca. 30 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017