Johanneshof Reinisch Zierfandler Reserve, 2006

Zierfandler, in keinster Weise verwand mit dem Zinfandel, ist eine rein österreichische Angelegenheit. Aufgrund zu hoher Erträge und schlechter Behandlung im Keller, führte die einst in Österreich so beliebte Traube ein Schattendasein. Nurmehr 100 ha werden mit dieser autochthonen Rebsorte heute bewirtschaftet. Kurz vor ihrem Aussterben haben renommierte Winzer wie Aumann, Johanneshof Reinisch, Stadelmann oder Zierer die Traube wiederentdeckt und bringen zum Teil tolle Weine hervor. Selbst kam ich auf meiner kürzlich unternommenen Weinreise durch Niederösterreich und Burgenland mit dem Zierfandler in Berührung und war schnell begeistert von dem erstaunlichen Potenzial dieser Traube. Mein heutiger Zierfandler von Reinisch präsentiert sich Goldgelb mit einem schönen Glanz, was auf die typisch, dem Riesling nicht unähnlich, hohen Säurewerte hinweist. Der Wein liegt knapp ein Jahr in neuen Barrique-Fässern, was er in der Nase nicht verleugnet, Butter, Vanille und zarte Karamell-Noten umgarnen die opulente Nase. Sie begleiten, ja umschmeicheln die gelbfleischigen Fruchtaromen von Mirabelle und Pfirsich. Eine jugendliche Frische liefert Aromen von kandierter Zitrusfrucht und Anklänge floraler Noten. Insgesamt ein ungemein raffiniertes, stets ausgewogenes Bouquet und der lebendige Nachweis, wie sehr durch gekonnten Einsatz das Barriqueholz ein Freund des Weißweins sein kann. Im Mund ist dieser Zierfandler ebenso opulent, es überraschen die deutlichen mineralischen Noten und Fruchtaromen nach Apfel und tropischen Früchten, sehr schön eingebunden in würzige Holzaromen. Die ausdrucksstarke Säure erfrischt den Gaumen und liefert genau das, was mir bei zahlreichen Weinen aus Burgundertrauben fehlt. Vielleicht ist er noch etwas streng, der Wein dürfte in 1-2 Jahren noch harmonischer und samtiger sein. Aber schon jetzt ein echter Trinkgenuss für alle, die Neuem aufgeschlossen sind, die Säure des Rieslings lieben und nichts gegen dezente Holzaromen haben. Ein großartiges Weinerlebnis, dass den höheren Preis rechtfertigt.

Vom Weingut, 23 Euro, 92+ (ausgezeichnet), bis 2011

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