Santadi Terre Brune Carignano del Sulcis, 1995

terre brune (1 von 1)Neben dem Turriga zählt der Terre Brune zu den großen Weinen Sardiniens. In der Jugend ist er meist aus gröberem Holz geschnitzt als der Turriga. Von einer zauberhaften Gegend umgeben wachsen die Carignano-Reben auf sandigen, kalkhaltigen Böden und werden oft erst Mitte Oktober gelesen. Für 18 Monate reift der Wein zunächst in Barriques und anschließend noch mal zwölf Monate in der Flasche. Mich begleitet der Wein bereits viele Jahre, denn schon oft zog ich zur obligatorischen Weihnachtsgans eine Flasche davon auf. Dabei war er aber nie älter als acht Jahre. Heute gibt es keine Gans, aber italienische Pasta, und auf der Suche nach einem geeigneten Esswein fand ich zufällig diesen 95er im Keller, ein gutes Jahr in Sardinien. Die Farbe verleugnet das Alter des Weines nicht: Kirschrot mit braunen Reflexen, rostbrauner Rand mit einem dünnen Wasserrand. Auch die Nase wirkt aufgrund seiner kompotteigenen Fruchtsüße gereift, hat aber Tiefe und scheint durch das Fundament aus Tabak und dunkler Schokolade noch aktiv. Eingelegte schwarze Kirschen, Pflaumenkompott, süßliche Kräuter, Anklänge von Wacholder und zarte Toastaromen vom Fassausbau kommen mir in den Sinn. Im Mund ebenfalls deutliche Altersnoten. Wirkt im Antrunk sehr warm, weich und mild mit ordentlicher Süße von eingelegten Beerenfrüchten, viel Heidelbeere und Wacholder. Daneben kandierte Kirschen, leicht stallige Noten, getrocknete holzige und leicht süßliche Gewürze und ein Hauch Pflaumen. Die Tannine zeigen sich als cremiger Schmelz auf der Zunge, und das Holz ist grandios weich, rund und perfekt eingebunden. Vermisse ich beim Antrunk noch die Säure, zeigt sie sich weiter hinten am Gaumen als intakt und stützt den fast langen Abgang nach Rauch, dunkler Schokolade und Vanille. Der Wein ist in seinem Spätherbst und sollte nun auch getrunken werden. Besser wird das nicht mehr, und worauf auch warten. Nicht totlagern, sondern die restlichen Flaschen jetzt leer machen. Den Wein nicht dekantieren, sondern sofort ins Glas. Zu Hause offen verkostet. 

Vom Fachhandel, damals 14 Euro (aktueller Jahrgang 32 Euro), 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

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