Thunevin-Calvet Cuvée Constance, 2006

2007-TCCEinmal im Jahr, da werfe ich alle Vorurteile und früher gemachten Erfahrungen einfach über Bord, dann schlage ich bei den „sensationellen Weinangeboten“ der Discounter zu. Die Vorzeichen standen diesmal vergleichsweise auch gar nicht mal so schlecht: der Winzer Jean-Luc Thunevin geniesst dank seiner Arbeit (z.B. bei Chateau Valandraud, um nur ein Beispiel zu nennen) weltweite Anerkennung, der Jahrgang 2006 war in der Region Roussillon kein schlechter, die Vorgängerjahrgänge dieser Weinlinie wurden über einen (von mir in ihrer Qualitätsauswahl als recht verlässlich eingestuften) schweizstämmigen Weinfachhandel vertrieben und letztlich, auch die Weinbewertung von David Schildknecht, der nun nicht unbedingt im zweifelhaften Ruhm steht, bei Rotweinen zu verschwenderisch „seine“ Parker-Punkte  zu verteilen, ließ mit 91/100 Punkten (ja, ich weiss, zur Not halt in der „peergroup“) zumindest keinen Ausfall erwarten. Zuletzt, acht Euro Einsatz waren für diesen Wein nun auch noch ein übersichtliches venture capital!

Leicht transparentes Purpurrot, leichte Aufhellungen zum Rand hin. Die Nase ist zunächst recht verhalten, mit mehr Luft kommt ein süßliches Himbeergeleé zum Vorschein, Brombeere, etwas Rauch, Noten, die an bitteren Kaffee erinnern und – leider – ein in der Nase schon stechender Alkoholton. 15 % Alkohol. Und leider nicht eingebunden. Im Antrunk füllig und warm, Himbeergeleé, dazu Brombeere, etwas dunkle Schokolade, deutlich likörig, aber nicht ganz so negativ auffällig als in der Nase. Flüssiges „Moncherie“ kommt mir dennoch als Assoziation in den Sinn, wobei die Frucht weniger kirschig ist als beim Original, sondern eher zur Himbeere/Brombeere tendiert. Trinkfreude kommt hier nur mühevoll auf, dafür ist die Struktur dieses Weines trotz seiner schmeichelnden Art, vorallem hinsichtlich seiner Tiefe, doch zu verhalten.  „Schmeichelnd & einfach“ habe ich notiert. Neben der Frucht hat der Wein etwas leicht herb-bitteres. Am Gaumen wenig Tannin, dieses ist leicht trocknend, knapp mittellanger, von süßlicher Frucht, herb-bitteren Tönen und einer leichten Pfeffrigkeit begleiteter Abgang, retronasal kommt der Alkohol nochmals sehr präsent zum Vorschein. Offen und undekantiert getrunken.

Soll ich nun mit mir oder doch mit Herrn Schildknecht hadern? In dessen Verkostungsnotiz vom August 2008, ich habe sie eben nachgelesen, spielt die Präsens des Alkohols nämlich überhaupt keine Rolle, sprich: er wird nicht erwähnt, nicht mal mit höflicher Umschreibung angedeutet… das zumindest finde ich überraschend. Aber nein, der Fehler liegt bei mir, ein Blick auf das Rückenetikett hätte mich stutzig werden lassen müssen, denn bei einem Wein dieser Preisklasse darf man eine Struktur, die solch einen Alkoholgehalt abpuffert, vielleicht dann doch nicht voraussetzen bzw. erwarten. Ob ich den Wein aber, hätte ich dies noch im Laden bemerkt, vielleicht deshalb nicht gekauft hätte? Wohl kaum, denn einmal im Jahr…

Im Diskounter gekauft, 8 Euro, 76 Punkte (ordentlich), jetzt bis 2010.

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