Villa Medoro Montepulciano D´Abruzzo DOC, 2006

2006-VMMMittwochswein, der II.

Dunkles schwarzrot mit leicht violetten Reflexen. Die Nase drückt aus dem Glas, voll praller dunkler Frucht, leicht alkoholisch ist die Nase, dahinter aber findet sich ein versöhnender Korb voller Blau- und Brombeeren, verhalten auch etwas Kümmel. Mit mehr Luft auch florale Anklänge, die mich an Veilchenblüten erinnern. Man merkt sofort: der Wein kommt nicht auf der intellektuellen Schiene daher, das ist eher ein Pathos-Typ der schmeichelnden Art…

Saftig dicht im Antrunk, der Wein baut frisch aus der Flasche fast nur auf seine verschwenderische Frucht, die ein seidiges Mundgefühl hinterlässt. Mäßig tief, aber wieder diese üppig fette, dunkle Frucht, die mir am heutigen Abend einfach gut gefiel. Das Tannin ist schon ziemlich abgeschmolzen, es bleibt leicht trocknend stehen. Frische Säure, der Trinkfluss entwickelt sich stimmig. Am Gaumen bleibt der Wein  mit würzigen Schokoladentönen, Beerenfrucht und wieder Veilchen knapp mittellang stehen. Gewinnt noch etwas mit Luft, ein bis zwei Stunden in der Karaffe schadet dem Wein jedenfalls nicht; ich habe ihn leicht gekühlt (bei ca. 15 Grad) getrunken, und ich will es gar nicht verhehlen: ich mochte ihn. Allerdings, nicht vorbehaltslos: denn was mir vor allem gefehlt hat, war die Tiefe und, fast noch schlimmer, die fehlende Regionaltypizität. Blind hätte ich den Wein warscheinlich nicht einmal nach Italien verortet. Das wird wohl aber an mir liegen… schliesslich vergab der Gambero Rosso 3 von 3 Gläsern; jedenfalls wirbt jeder Händler damit. Und die Herren und Damen Italien-Spezialisten müssen es ja schliesslich besser wissen… *hüstel*. Kistenweise nachkaufen werde ich ihn jedoch nicht, auch wenn der Wein ein wirklich ansprechendes Preis-Genussverhältnis hat. Aber als Mittwochswein, vielleicht so ein/zwei Flaschen, ja, warum denn eigentlich nicht?!

Im Fachhandel, 6,50 Euro, 83 Punkte (gut), jetzt bis 2011.

Ein Kommentar zu “Villa Medoro Montepulciano D´Abruzzo DOC, 2006

  1. Irgendwie habe ich bei dem Wein den Eindruck er ist aus einer tollem Maschine geflossen, die alles Störende, Typische und Schwache entfernt, ihn ganz stark konzentriert und neu zusammengebaut hat. Nicht schlecht, nur irgendwie ein bisschen zu viel von Allem. Mir scheint, dem Wein fehlt das Wasser. Wie ein Bockbier, dass man ohne ein Glas Wasser dazu nicht trinken kann ist auch dieser Wein etwas, wenn man sich an einem langen Kneipenabend an einem einzigen Glas 0,1l Wein festhalten will. Einmal Nippen genügt, selbst in schlechter Kneipenluft – man bekommt die volle Geschmachs- und Alkohol“dröhnung“. Mir scheint der Wein neben der Aromenkonzentration auch einiges an Restsüße zu haben – und das bei 14% Alkohol. Wie viel Oechsle müsste da wohl das Lesegut gehabt haben fragt sich
    RalphGL

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