Domaine Mont Chavy (Georges Duboeuf) Morgon, 2005

„Beaujolais ist tot“, so äußerte sich der Weinhändler meines Vertrauens jüngst über diese Weinregion. Nicht, weil es da keine guten Produzenten mehr gäbe. Auch nicht, weil nicht genügend ansprechende Weine auf die Flasche gezogen würden. Nein, es seien schlicht die Nachfrager, der Markt habe einfach kein Interesse mehr an den Weinen dieser Region — was meine Neugierde natürlich umgehend gereizt hat.

Die Neugierde, die ich zuvor angesprochen habe, hat natürlich einen tieferen Grund, denn mit der Rebsorte Gamay verbinde ich einen meiner ersten Gehversuche in Sachen Rotwein. Eine der ersten getrunkenen Flaschen, an die ich mich bewusst erinnern kann, war ein sortenreiner Gamay. Nicht aber aus dem Beaujolais, nein, es war ein Schweizer Wein, ein Salvagnin, schon damals höchst modern mit Schraubverschluss ausgestattet. Ein einfacher, aber ehrlicher Wein, der schlicht Lust auf mehr machte — so wie auch dieser Wein hier.

Helles, aber blickdichtes Rubinrot mit einem leichten Wasserrand. In der jugendlichen, aber verhaltenen Nase etwas Himbeere, Sauerkirsche und blutiges Fleisch. Mit mehr Luft auch würzige Töne und ein leichter Veilchenduft, die Nase wird durch die Belüftung deutlich ausdrucksstärker. Im Antrunk mit strukturiertem Körper, dabei wohltuend schlanker Stil, mit Kirschkern, Veilchen, etwas Himbeere, weißem Pfeffer. Ein ingesamt leiser, aber durchstrukturierter Auftritt. Mit mehr Luft erscheint der Wein dann gar fülliger und kernig-würziger. Stimmig eingebundene Säure. Das Tannin ist mild, aber durchaus vorhanden, insgesamt sehr harmonisch eingebunden. Mittellanger, kirschkernig-würziger Abgang. Ich muss vorbehaltslos anerkennen, dass dieser Morgon nun wirklich nicht dazu taugt, gängige Vorurteile über Beaujolais zu bestätigen. Nichts ist hier dünn und einfältig. Im Gegenteil, der Wein hat genug Struktur, um seine 13 % Alkohol ohne Mühe wegzustemmen. Auch war ich über die Entwicklung dieses Weines über seine zwei Abende hinweg sehr positiv überrascht. Denn er wurde mit entsprechender Luftzufuhr ernsthafter und ansprechender. Die zweite Flasche in meinem Keller bleibt deshalb nun noch eine weitere Zeit verschlossen.

Ein ehrlicher, harmonischer und sehr regionaltypischer Wein, der mir mit seinem ungeschinkten Charakter wirklich gut gefällt –- zudem ein guter Speisenbegleiter zu Fleischgerichten. Und einmal mehr ein Beweis dafür, dass es sich ab und an lohnt, abseits der gewohnten Trinkpfade zu verkosten. Offen über zwei Abende getrunken.

Im Fachhandel gekauft, 11 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2012

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