Cantina Terlan Lagrein Reserva Porphyr, 2004

Ich bitte um kurze Handzeichen! Wer von den hier Mitlesenden hat in den letzten vier Wochen „Lagrein“ getrunken? Sehe ich mehr als drei Finger? Oder doch eher irritierte Blicke, die mit „Lagrein“ nicht sonderlich viel anfangen können?!

Zunächst, vorsorglich für letztere Alternative, es handelt sich um eine rote Traubensorte. Sie wird ganz überwiegend in Südtirol kultiviert. Charakteristisch für Weine aus dieser Traube sind eine ausgeprägte Fruchtigkeit,  ein leicht bitterer Geschmack und eine kraftvolle Säure. Wenn, wie es bei diesem Wein der Fall ist, der Wein dann auch noch im Barrique ausgebaut wurde, bedarf es mit dieser Grundcharakteristik eines kräftigen Essens als Gegenspieler. Und zur Rinderhüfte, gepfefferten Prinzessböhnchen und Rosmarinkartoffeln gab der Wein einen schönen Begleiter, wenngleich die Pfeffermenge und Säure nicht ganz perfekt füreinander geschaffen waren – also, etwas Vorsicht ist in dieser Kombination geboten…

Dunkles, blickdichtes Schwarzrot mit violettem Stich. In der lauten Nase Schwarzkirsche, dunkle Pflaume (hier wurde vollreifes Lesegut verarbeitet), eine Frische vermittelnde Orangenschale und kühle Nelkentöne. Der Holzeinsatz macht sich durch viel herbe Schokolade bemerkbar. Der Wein schiebt unheimlich kraftvoll aus dem Glas, der Alkohol ist hier noch einen ganz, ganz kleinen Tick zu präsent – das führt aber nur zu geringem Abzug in der B-Note. Im Mund ist von zu viel Alkohol aber nichts mehr zu spüren.  Im Antrunk auch schlanker, als es die Nase erwarten lässt. Konzentrierte, saftige Pflaume, Minze, wieder viel herbe Schokolade. Feine Mineralik. Kräftige Säure, die dem Wein viel Frische gibt und zugleich jede Extraktschwere nimmt. Ätherische Noten. Erst zum Gaumen hin entwickelt der bislang herb-maskulin wirkende Wein eine fein eingebundene Extraktsüße. Geht aber zu keinem Zeitpunkt in die Breite, bleibt trotz seiner herben Grundstilistik eher elegant. Das bereits zugängliche Tannin ist noch jung, aber keine Spur trocknend oder ruppig, sondern durchaus von saftiger Art – zum Fleisch passt dies heute bereits bestens. Langer, herbschokoladiger und dunkelfruchtiger Nachhall.

Ein klasse Wein, sein Geld absolut wert! Eigentlich sollte man ja viel öfter abseits der gewohnten Pfade nach spannenden Weinen Ausschau zu halten… Weine wie dieser geben einem jedenfalls genügend Motivation, die Suche verstärkt aufzunehmen…

2 Stunden in der Karaffe belüftet, dann offen probiert.

Im Fachhandel gekauft, 21 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2014

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