Georges Descombes Régnié Vieilles Vignes Beaujolais, 2011

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Ist der Ruf in einem Anbaugebiet erstmal ruiniert, übernehmen die verrückten Bio-Winzer das Ruder und bringen Qualitäten zustande, die man kaum für möglich gehalten hätte. Diese Geschichte wird immer öfter geschrieben, und das trifft auch auf die Appellation Beaujolais zu.

Georges Descombes zählt zu diesen Winzern. Schon in den achtziger Jahren übernahm er das Weingut von seinem Vater und stellte es schnell auf biologischen Anbau um. Heute ist er einige Schritte weiter und hat sich dem Vin Naturel verschrieben. Georges Descombes ist dabei konsequent, aber nicht orthodox. Für ihn verbietet die Naturreinheit nicht einen zumindest noch äußerst geringen Schwefeleinsatz, den er nicht im Fass, sondern erst erst bei der Abfüllung vornimmt. Georges Descombes steht der »Gang of Four« nahe, einer kleinen, aus Morgon stammenden Gruppe um die Winzerlegende Marcel Lapierre, die sich schon seit Anfang der achtziger Jahre den Vins Naturel verschrieben hat. Descombes bewirtschaftet Lagen in vier Crus in Beaujolais. Régnié, zwischen Morgon und Brouilly gelegen, hat den Aufstieg zum Cru erst 1988 vollzogen, über vierzig Jahre nach dem bis dahin jüngsten der übrigen neun Crus.

Die Weine von der Domaine werden — ganz nach Beaujolais-Tradition — zuerst einer sehr kalten Kohlensäuremaischung unterzogen. Dabei vergären die ganzen Trauben unter Zugabe von Kohlensäure, wobei den Trauben die Farbstoffe entzogen werden, aber nur wenig Tannin überführt wird und der Wein seine Fruchtigkeit erhält. Danach werden die Weine in 60-Liter-Zementtanks umgefüllt und reifen schließlich noch für mindestens ein halbes Jahr in relativ neuen Holzfässern. Die Vieilles-Vignes-Weine werden separat ausgebaut und abgefüllt. Man erkennt sie nur an einem kleinen Hinweis auf dem Rückenetikett und – noch besser – an der auffälligen roten, dicken Wachskapsel. Der Régnié, einer von drei Cru-Weinen von Descombes, war der erste Wein, den ich von dem Weingut verkostet habe.

Für einen Beaujolais schwenkt der Wein relativ dunkel im Glas, rubinrot mit dunklem Kern, trüb, unfiltriert. Schon in der Nase ein feinduftiger Auftritt, aromatisch, klar und tief. Ein schönes Spiel von Veilchen, schwarzen Früchten, nicht zu reifer Cassis und dunklen Kirschen. Die Frucht wirkt frisch, fein, trotzdem konzentriert, mehr noch essenzhaft. Dazu kommt eine schöne, wieder leicht von Veilchenaromen getragene Würzigkeit. Im Antrunk ist der Wein dicht, trocken, ein Hauch von Rauch, dann roter Tee, etwas Hagebutte und wieder die schwarzen Kirschen. Die Duftigkeit des Buketts wandelt sich im Mund zu etwas Gehaltvollerem, Waldboden, eine Spur Leder. Und der Wein hat nun doch auch merklich Tannin, fein, reif, strukturiert, dabei in keinster Weise trocknend, aber doch etwas kernig. Die Säure sorgt für ordentlich Frische am Gaumen. Sie spielt auch in diesem Wein wieder eine besondere Rolle, denn er bringt kein fettes überschüssiges Extrakt mit. Der Wein bleibt dem grundklaren, feingliedrigen, nichts überdeckenden Vin-Naturel-Stil sehr gut verhaftet. Im mittleren Abgang bleibt die cassisgewürzte Kirsche stehen.

Der Wein ist – zumindest für einen Beaujolais gesehen – ja nicht gerade von gestern, Descombes liefert die Weine auch erst ein Jahr später und damit trinkreif aus. Der Régnié kann aber noch weitere Flaschenreife vertragen. Das Tannin fragt sogar höflich danach, auch ansonsten hat er gute Anlagen dafür. Die Frucht könnte die erste sein, die sich zurückziehen wird. Mehr als zwei, drei Jahre würde ich daher nicht warten.

Der Régnié soll der kernigste und tanninreichste unter den Crus von Georges Descombes sein. Nicht, dass ich diese Eigenschaft in diesem Wein in besonderer Weise ausgeprägt vorfinde, so hat er aber auf jeden Fall Biss und Struktur. Wer noch konsequenter die strahlende Beaujolais-Frucht sucht, sollte vielleicht mit den Vieilles Vignes aus Morgon oder Brouilly anfangen. So hat man es zumindest mir gesagt. Ich bin nach dieser Verkostung auf jeden Fall sehr neugierig auf die Kollektion geworden.

Aus dem Weinfachhandel, 19,95 Euro, 90+ Punkte (ausgezeichnet), am besten 2016 oder 2017 trinken

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