25 Jahre Smaragd – Riesling und Grüner Veltliner aus der Wachau

25 Jahre Smaragd von 2010 bis 1986
Jahrgangs-Verkostung Riesling und Grüner Veltliner im Rahmen der VieVinum in Wien
2. Juni 2012 Kleiner Redoutensaal, Hofburg Wien

Im Rahmen der VieVinum lud die Vinea Wachau zu einer besonderen Verkostung im kleinen Redoutensaal in die Wiener Hofburg ein. 25 Jahrgänge Smaragd zurück bis 1986 wurden präsentiert. Bis auf einen Weißburgunder standen naturgemäß Riesling und Grüner Veltliner im Fokus. Damit ergab sich hier eine seltene Gelegenheit nahezu die gesamte Schaffensperiode der Vinea Wachau im Glas zu haben, denn meines Wissens war 1983 das Gründungsjahr. Erst ab 1987 hat man sich schließlich auf den Begriff „Smaragd“ für die großen, trockenen Gewächse geeinigt und so trug der 86er Riesling von Hirtzberger noch die alte Bezeichnung „Honivogel“, eine Parzelle aus dem Singerriedel, dem besten Grünen Veltliner von Hirtzberger heute.

Als Vereinigung von Winzern einer Region sollte im Rahmen einer solchen Verkostung auch die ganze Bandbreite an Winzern, Lagen und Weintypen vorgestellt werden. Und so fanden sich nicht nur die üblichen Verdächtigen im Line-Up wieder, sondern auch unbekanntere Erzeuger.

Es wurde von jung nach alt verkostet, was bei derartigen Veranstaltungen üblich ist. Aus sensorischen Gründen möchte ich hier einmal für eine umgekehrte Reihenfolge eintreten. Zunächst verschlechtern sich mit zunehmendem Alkohol im Blut die sensorischen Fähigkeiten (selbst wenn man konsequent spuckt), was sich aber bei nur „25“ Weinen noch nicht so stark auswirkt. Darüber hinaus nimmt auch die Aufmerksamkeit bei einer gut zweistündigen Veranstaltung ohne jede Pause naturgemäß ab, wobei diese bei den gereiften Weinen besonders gefordert wäre. Oftmals fördert die unwirsche Charakteristik von jungen Weinen nicht gerade Nase und Gaumen, vielmehr ist die Sensorik unnötig vorbelastet, wenn dann die „großen Weine“ kommen. Soweit meine eigene Erfahrung, die auch von einigen Kommilitonen geteilt wird.

Zurück zur Verkostung. Meine Erwartungen waren groß und sie sollte nicht enttäuscht werden, auch wenn der 100-Punkte-Wein leider nicht dabei war (zugegebenermaßen hatte ich ein wenig darauf gehofft). Aber der breite Ansatz sprach schon etwas dagegen, auf der anderen Seite hatte ich so eine Menge unterschiedliche Stile im Glas.

Fazit: Auffällig waren die Schwankungen je nach den Möglichkeiten des Jahrgangs. Aufgrund der breiten Auswahl von Terroirs und Winzern und deren unterschiedlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten sind generelle Aussagen jedoch schwierig. Der Riesling schnitt leicht besser ab, als der Grüne Veltliner. Wobei bei den älteren Jahrgängen überwiegend Rieslinge präsentiert wurde. So gab es nur vier Veltliner, die älter als 10 Jahre alt waren. Die Gründe sind mir nicht bekannt. Es würde jedoch betont, dass es vorab für jeden Jahrgang Vorabverkostungen gab. Ob dies ein Indiz für bessere Reifefähigkeit des Rieslings ist, kann nicht final beurteilt werden. Zumindest präsentierten sich zahlreiche Riesling mit mehr als 10 Jahre Flaschenreife in einem guten Zustand, wobei die ausgewählten älteren Veltliner ebenfalls noch viel Frische in sich trugen.

Die Probe zeigt erneut wie viel Reifezeit im Spitzensegment der grüne Veltliner und der Riesling benötigen um wirkliche Tiefe und Harmonie zu entwickeln und dann eine Bewertung von 90 Punkte oder mehr zu rechtfertigen. Nur zwei Weine aus dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrhundert konnten das Prädikat „Ausgezeichnet“ erreichen. Man sollte demnach in der Regel mindestens 10 Jahre Geduld haben, wobei gerade der 2010er-Jahrgang zeigt wie viel Freude die Weine auch binnen ihrer ersten Fruchtphase bereiten können. Es kommt natürlich auch auf die eigenen Vorlieben und die Situation an. Zweifellos zeigen die Weine aber erst nach 10 Jahren ihre ganze Klasse und die kommt aus einer besonderen Kombination aus Frische und Sekundär- und Terztiäraromen, die sich erst mit der Zeit entwickeln. Die Frucht, zwar noch stets vorhanden, lässt dann mehr Raum für die fragileren, aber ebenso betörenden mineralischen, polyphenolischen, balsamischen und ätherischen Aromen. Der Riesling behält dann dank seiner Säure oftmals noch seine besonderen Tick an mehr Frische.

Die Veranstaltung war sehr gut organisiert, die Weine kamen einigermaßen zügig und mit sehr guter Temperatur ins Glas, was bei 100 Teilnehmern nicht selbstverständlich ist. Franz Hirtzberger und Emmrich Knoll moderierten sehr gekonnt und mit viel Leidenschaft und Sachverstand die Veranstaltung. Beide sind wirklich wandelnde Lexika des Wachauer Weinbaus und zum Glück nicht geschliffene PR-Agenten. Und so wurde authentisch über die Bedingungen des Jahrgangs berichtet und sie wussten viele Anekdoten zu berichten. In unsere heutigen von „professionellen“ Marketer geprägten Unternehmenskommunikation empfand ich diese Art als überaus erfrischend, ganz so wie die meisten Weine im Glas.

Hier nun die Beschreibungen der einzelnen Weine:

1 Weingut Tegernseehof Grüner Veltliner Dürnsteiner Höhereck Smaragd, 2010
[87+] Gepackte Nase, mineralische Substanz mit erdigen Noten, ein Spur Champignons. Am Gaumen noch hart, kräftige Säure, Zitrusaromen, pfeffriger, mittellanger Nachhall, hat durchaus Potential, befindet sich bereits in der ersten Verschlussphase, schwer zu bewerten.

2 Weingut Rixinger Grüner Veltliner Spitz Singerriedel Smaragd, 2009
[87+] Noch leicht verschlossene Nase, verhalten-würzige GV-Nuancen nach Melone und Tabak, Touch Botrytis, kräftig, aber mit Eleganz. Am Gaumen recht kantig und unrund, ebenfalls in Verschlussphase, recht viskos und opulent, ausreichende Säure sorgt für Frische, mittellanger Nachhall. Liegen lassen.

3 Weingut Piewald Grüner Veltliner Vießlinger Kalkofen Smaragd, 2008
[88] Unmittelbar als GV zu erkennen, viel Melone, tropische Noten, etwas eckige Mineralität, weißer Pfeffer, gewisse Tiefe. Am Gaumen von mittelkräftiger Statur, kräutrige Aromatik, die Frucht etwas zurückgedrängt, wird sich aber noch entwickeln, recht kompakt, mittlere Nachhaltigkeit, etwas Botrytis, mittellanger, etwas vegetabiler Nachhall. Die Nase verspricht mehr, trotzdem ein sehr guter GV.

4 Graben Gritsch Riesling Spitzer Setzberg Smaragd, 2007
[89/90] Sofort als Riesling zu erkennen, erinnert an die Mosel aufgrund seines Schieferduftes, etwas Botrytis, erdige Mineralik, viel mürbe Äpfel, reife Steinfrüchte. Am Gaumen fallen zunächst die ersten Reifenoten auf, gutes mineralisches Spiel, dahinter Steinfrüchte, gut eingebundene Säure, hat Spiel und Zug am Gaumen, fällt im Abgang leider etwas ab, braucht vermutlich 1-2 Stunden in der Karaffe.

5 Weingut Johann Donabaum Spitzer Point Grüner Veltliner Smaragd, 2006
[89] Erblühter GV-Duft nach reifen Melonen, tropischen Früchten, rotwangigen Äpfeln und dunklen mineralischem Fundament. Kraftvoller Körper, hohe Extraktdichte, die Opulenz des Jahrganges tritt zu Tage, kandierte und angetrocknete Stein- und Kernfrüchte, etwas zu moderate Säure, Malz und Wachsnoten weisen auf ordentlich Botrytis hin, mittlerer, unspektakulärer Abgang, jetzt auf dem Höhepunkt.

6 Weingut Högl Vießlinger Bruck Riesling Smaragd, 2005
[93/94] Tiefe, gewogene Riesling-Nase von großer mineralischer Substanz. Erstes deutliches Ausrufezeichen. Klare, feingezeichnete Steinfrüchte, Kalkstaub, erdige Noten, kommt sehr klar und strahlend daher. Am Gaumen präzise, sauber und frisch. Hochfeine, ungemein animierende Säure, saftig-frische Steinfrüchte unterlegt mit eindrücklicher mineralischer Substanz. Bei aller Komplexität behält der Wein über den gesamten Verlauf Trinkigkeit und Spiel. Exzellenter Nachhall mit weißen Beerenfrüchten und grasigen Anklängen. Ganz ausgezeichnet und jetzt auf seinem ersten Höhepunkt. Weitere Steigerung vorstellbar.

7 Weingut Schmelz Dürnsteiner Höhereck Grüner Veltliner Smaragd, 2004
[89/90] Zart-duftige Nase mit feinem Fruchtspiel, Basalt und erdigen mineralischen Noten, gute Tiefe. Am Gaumen erstaunlich frisch und von fast schlanker Natur, eher ein leiser Vertreter mit feiner Säure und sauberen Zitrus- und Aprikosennoten, mittlere Abgang. Jetzt sehr schön zu trinken.

8 Weingut Holzapfel Weißenkirchener Achleiten Grüner Veltliner Smaragd, 2003
[86] Verhaltene Nase nach mürben Äpfeln, weißem Pfeffer, nicht sehr ausdrucksstark. Kräftiger Körper am Gaumen, der Alkohol tritt hervor, deutlich, etwas pappige Süße, Botrytisnoten, daneben aber auch saftige Melonen und Tabaknoten, moderate Säure, guter Nachhall. Ein typischer Vertreter des Jahrgangs, denen eben oft die Trinkigkeit fehlt. Nach einem Glas hat man genug.

9 Weingut Jäger Weißenkirchener Steinriegl Riesling Smaragd, 2002
[94/95] Hochfeiner, komplexer mineralischer Duft nach Rauch, kalter Cola, und Asche mit glockenklaren Fruchtaromen ala Zitrus- und Steinfrüchte. Am Gaumen ein Wein von mittlerer Statur, es fällt sofort die tänzelnde Säure auf, die über den gesamten Verlauf präsent bleibt. Ständig wechselnde Fruchtaromen nach Melone, weißen Pfirsichen und leicht kandierten Zitronen. Festes mineralisches Fundament, vornehmlich malzig mit leicht verbrannter Brotkruste. Alles sehr leicht und verspielt, trotzdem Biss und Zug am Gaumen, großer Nachhall. Ein ausgezeichneter Riesling.

10 Weingut Hofstätter Riesling Spitzer Singerriedel Smaragd, 2001
[89/90] Verhaltene, fast verschlossene Nase mit etwas indifferenten Fruchtaromen und ersten Reifenoten. Am Gaumen ausdrucksstärker, knapp mittelkräftiger Körper, sehr feiner Säurebogen, klares Früchtespiel mit Melone und gelben Kernobst, mittlerer, pfeffriger Abgang mit Reifenoten. Der Wein würde eine längere Zeit in der Karaffe oder im Glas belohnen.

11 Weingut Sigl Rossatzer Steiger Grüner Veltliner Smaragd, 2000
[88] In der noch frischen Nase erst feine Edelfirne, rotwangige Äpfel und ein leichter mineralischer Duft. Am Gaumen von mittlerer Statur, auch hier erste Firnenoten zu erkennen, animierende, lebendige Säure, dominiert erneut von Apfelaromen, dahinter Tabak, betont trockener Ausbau, dadurch gute Frische, trinkt sich ausgesprochen gut. Es fehlt ein wenig an Tiefe, aber für das schwache Jahr ein erstaunliches Ergebnis.

12 Franz Pichler Jochinger Kollmitz Grüner Veltliner Smaragd, 1999
[93] Hochinteressante Nase geprägt von sekundären und tertiären Aromen. Heftpflaster, Wachs, Rauch und etwas Speck, nahezu fruchtfrei. Eine wahre Freude. Im Mund fällt die besondere Balance des Weines auf, alles fügt sich zu einem überzeugenden Ganzen. Die Säure präsent, aber tänzelnd, vergleichbare mineralische Tiefe wie in der Nase und nun auch Frucht, die an weiße Johannisbeeren, Stachelbeeren, Quitten erinnert. Ein Wein ohne Fett, sehr klar und tief gezeichnet. Im Nachhall ein wenig verhalten. Ein eigenwilliger jedoch packender Wein. Chapeau!

13 Weingut Lagler Spitzer Steinporz Riesling Smaragd, 1998
[94/95] Duftet als würde man seine Nase in einen aufgeheizten Schieferhang stecken, mit Balsaltnoten, Feuerstein, Wachs und Malz. Höchstens eine Ahnung von kandierten Zitrusfrüchten, auf denen aber eine zarte Schicht Asche liegt. Grandiose Riesling-Nase von großer Aristokratie. Im Mund von mittlerer Natur, ungemein saftiger, zunächst furchtbetonter Antrunk mit viel kandierten Zitrusfrüchten und getrockneten Steinfrüchten. Im weiteren Verlauf breitet sich vermehrt erneut die mineralische Tiefe aus. Knochentrocken, aber mit bemerkenswerter Extraktdichte und viel Biss. Große Nachhaltigkeit. Gute, aber nicht ganz große Länge. Jetzt auf dem Höhepunkt mit viel Zukunft.

14 Weingut Prager Weißenkirchener Steinrigl Riesling Smaragd, 1997
[95/96] Ebenso genial der Prager. Von selber Tiefe, Frische und Rasse wie der Lagler. Neben der mineralischen Tiefe, kommt er aber mehr über die Frucht –  sowas kann nur gereifter Riesling. Ständig wechselndes Konzert aus Stein- und Kernfrüchten, die sich mal klar und frisch, dann wieder leicht angetrocknet und kandiert zeigen. Perfektes Zusammenspiel mit einer pulvrigen Mineralik. Am Gaumen von wunderbarer Transparenz, scharf gezeichnet, ohne jede Breite, aber mit viel Zug und Nachhaltigkeit. Junge Pfirsiche, grünwangige Äpfel und Blutorange. Es zeigen sich auch getrocknete Kräuter, viel Kalkstein, Asche und gelegentlich steigt nasal ein Duft in die Nase, der an angesengtes Bügeltuch erinnert. Packende Säure ohne jede Spitze, großer Nachhall der nur langsam mit Tabaknoten ausklingt. Ein großer Wein und für mich der Sieger dieser Verkostung.

15 FX Pichler Dürnsteiner Kellerberg Grüner Veltliner Smaragd, 1996
[91] Ausgeprägt, fast kräftige Nase überwiegend mineralisch geprägt. Viel Malz, Bienenwachs, Tabak und weißer Pfeffer, ohne jeder Altersnote, was für das schwache Jahr doch sehr erstaunlich ist. Kaum Frucht. Am Gaumen zeigt sich das Alter aufgrund der etwas keck hervorstehenden Säure, aber noch durchaus stimmig, Botrytistouch, erneut ein tiefes mineralischen Fundament, gute Trinkigkeit, wenn gleich er auch hier auf der kräftigen Seite ist, aber dank der Säure behält der seinen Trinkfluss. Mittellanger Nachhall. Der Wein hat sich ganz erstaunlich für dieses Jahr gehalten und zeigt die Klasse der Lage und des Winzers. Kompliment an den FX, der die Bürde trug, neben 1991, das wohl schwächste Jahr der letzten 25 Jahre zu übernehmen.

16 Rudi Pichler Wösendorfer Kirchweg Riesling Smaragd, 1995
[90] Würdig gereifte Riesling-Nase mit deutlichen Alterstönen, Trockenfrüchte, kalte Kola, Asche und feinem Kreidestaub. Am Gaumen bereits recht deutlich von Zitronenfrüchten und einer pikanten Säure geprägt. Dank seines ausreichendes Extraktes und der eher erdbetonten Mineralik hat der Wein aber auch noch eine weiche Seite. Auch hier Firnenoten, fallen aber verhaltener aus, als es die Nase vermuten läst. Für mich ein noch sehr stimmiger Wein, der auch die Handschrift des Weingutes klar erkennen lässt. Für Eleganztrinker, die keine Scheu vor knackiger Säure haben.

17 Domäne Wachau Weißenkirchener Achleiten Riesling Smaragd, 1994
[91] Üppige, dichte Nase mit deutlichen Botrytis-Anklängen, duftet nach Pflaumenwein, tiefe Mineralik, leicht schärfend. Am Gaumen dann überraschend schlank, klar und animierend. Verspielte exotische Früchte, vornehmlich Zitronen und Limetten. Feine Säurestruktur, fein schmelzige Fiskosität, gute Nachhaltigkeit, kandierte Äpfel im langen Nachhall. Kaum Altersnoten.

18 Leo Alzinger Loibner Steinertal Riesling Smaragd, 1993
[92] Dichte, mineralische Nase mit viel Kalk- und Feuerstein, daneben verhaltene Anklänge von Kräutern und Trockenfrüchte. Erneut kaum Altersnoten, nur die Frucht hat sich eben zurückgezogen. Große Vorfreude auf den ersten Schluck. Im Mund zeigt er sich dann ungemein balanciert, mit packender, jedoch bestens eingebundener Säure, viel Extraktdichte, glasierte Stein- und Kernfrüchte, etwas Limetten, kleiner Botrytiseinschlag, erdbetonte Mineralik, etwas wilde Kräuter, sehr guter Nachhall.

19 Nikolaihof Mautern Im Weingebirge Riesling Smaragd, 1992
[93] Erneut eine dichte, nahezu üppige Nase mit erstaunlich viel hochreifen Steinfrüchten, exotischen Anklängen und einem tiefen mineralischen Fundament, kleiner Botrytisanteil. Große Nase. Am Gaumen von vollem Körper, enormer Extraktdichte, viel Fruchte, deutliche Restsüße, die sich dank des Alters bestens eingefunden hat, eine lebhafte Säure, sorgt für die notwendige Frische und Beweglichkeit und so wirkt der Wein trotz seiner Kraft noch animierend und frisch. Da schmeckt dann auch noch das zweite Glas. Kaum endender verspielter Nachhall mit Rauch und Tabaknoten.

20 Domäne Wachau Thal Wachau Terrassen Riesling Smaragd, 1991
[83/84] Stahlige, leicht metallische Nase mit etwas künstlichen Dosenmandarinen. Im Mund bereits deutlich gereift, schon etwas über den Höhepunkt hinweg. Pikante Säure, leicht verwaschene, kandierte Steinfrüchte, mineralische Ahnung. Mittlerer Verlauf.

21 Domäne Wachau Spitzer Bürgerspital Riesling Smaragd, 1990
[91] Recht tiefe, mineralisch geprägte Nase. Zeigt viel Feuerstein, kalter Rauch, daneben Pflaumen, kandierte Aprikosen und einen Hauch Kräuterwürze. Gefällt, wenn gleich nicht sehr beweglich. Im Mund besser – erstaunlich balanciert und beschwingt. Mittlerer Körper, kräftige, aber noch stimmig eingebundene Säure, betont trockene Stilistik, dadurch klar und frisch. Guter Nachhall. Erstaunlich gut erhalten. Sehr beeindruckend.

22 Weingut Hutter Rothenhofer Loibener Grüner Veltliner, 1989
[93] Glücklich wer diesen Wein noch im Keller hat. Das perfekte Beispiel wie großartig Grüner Veltliner reifen kann. Feste, sehr feine Nase, die überwiegend mineralisch geprägt ist. Feinste Firne sorgt für eine betörende zusätzliche Aromaschicht, in keinster Weise müde, sondern klar, crisp und tief. Ein vergleichbares Bild am Gaumen. Mittelkräftiger Körper, betont trocken und wieder mineralisch geprägt, ungemein animierende, feinste Säurestruktur, ein perfekter Essenbegleiter wegen seiner Dichte und fast cremigen Textur. Viel tropische Anklänge, aber auch nussiger Noten, weißer Pfeffer, etwas Heftpflaster im langen Abgang.

23 Weingut Jamek Wösendorfer Hochrain Weissburgunder Smaragd, 1988
[92] Unmittelbar als burgundische Rebsorte aufgrund seiner in die Breite gehende Aromatik zu erkennen. Jedoch sehr klar und präzise gezeichnet. Birnenspalten, mürbe Äpfel und ein Hauch Mango fallen auf. Am Gaumen ein ganz erstaunliche Frische, mit lebendiger Säure, die den perfekten Gegenpart zu den ausladenden Fruchtaromen spielt. Dadurch sehr nuanciert und animierend. Ich wußte nicht, dass Weissburgunder derart gut reifen und derart frisch sein kann. Höchstes Trinkvergnügen, auch ein idealer Wein zu feinem Fisch und hellem Fleisch. Beeindruckend!

24 Weingut Knoll Grüner Veltliner Smaragd, 1987
[91] Fruchtfreie, betont gereifte Nase ohne Müdigkeit oder Oxidation. Vielfältige getrocknete Kräuter, mineralische Substanz. Am Gaumen von mittleren Körper, resche Säure, hohe Extraktdichte, dadurch noch ausreichend Schmelz, erste Reifenoten. Erinnert in seinem mineralischen Spiel an weiße Burgunder, vornehmlich an Meursaults. Ein Wein für Fortgeschrittene, mit viel Zug und Biss. Ungemein langer und nuancierte Nachhall.

25 Weingut Hirtzberger Spitzer Hochrain Riesling Honivogl, 1986
[94] Noch ein Höhepunkt zum Schluss. Blind hätte ich den Wein ins Jahr 2001 oder 1999 gesteckt. Er wirkt so perfekt gereift, von großer innerer Spannung und Vitalität, dass man kaum glauben kann, dass der Wein 25 Jahre alt ist. Wird sich noch viele Jahre halten. Mineralische Tiefe und Finesse, feinste Anklänge von Firne und tatsächlich noch Steinfrüchte in der Nase. Am Gaumen sehr saftig, reintönig, noch immer erstaunlich fruchtbetont, feinster, verspielter Säurebogen, tiefes mineralischen Fundament, recht helltönig. Ungemein bissig mit langem Nachhall. Das Besondere ist aber, dass er trotz all seiner Komplexität einfach Spaß macht jetzt zu Trinken. Mein Glas ist zu schnell leer, und die meisten Mitverkoster eilen zu schnell zum nächsten Termin. Viele Gläser bleiben halb leer – was für eine Schande.

Von Rainer Kaltenecker

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