Weingut Pfeffingen Riesling Spätlese trocken Ungstein Weilberg Großes Gewächs, 2004

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Der 2004er-Weilberg von Pfeffingen ist ein weiteres Beispiel welch ansprechenden trockenen Rieslinge der Jahrgang hervorbrachte. Dieses Große Gewächs ist jetzt auf seinme Höhepunkt und sein besonders Merkmal ist Harmonie, Spannung und geschmackliche Vielfalt. Doch der Reihe nach.

In der Nase ein Mischung getrockneten Aprikosen, gerösteten Haselnüssen, grünen Äpfeln, deutlich Mineralität, etwas Basalt und erhitzter Steinboden, die Reife zeigt sich ohne Zögern, aber ohne jede Patina und mit viel Frische und Gelassenheit – in der Summe ein überzeugendes Bukett für einen 12 Jahre alten Riesling.

Im Mund fällt der Wein keine Nuance ab. Im Gegenteil, dank seine jugendlich wirkenden Säurestuktur, trinkt sich der Wein, trotz seiner 13,5 % vol., durchaus leichtfüssig und verleitet uns ständig nachzuschenken. Die Frucht erinnert an einer Mischung an Rosinen, grünen Äpfeln und eingelegte Orangen, dazu erneut ein passender Touch aus gerösteten Nüssen und einer schmeckbar steinigen Würze. Seine Kraft will der Wein nicht verleugnen, aber die Säure ist agil, aber feinporig, und der mineralische Kick im Nachhall lässt diesen Riesling jünger wirken als er ist. Genau jetzt ist der Wein auf seinem Höhepunkt und bringt Spannung und Entspannung in die perfekte Balance. Ein hoher Genuß eines großen Pfälzer Riesling, von dem ich nur meinen Hut ziehen kann. Er hat uns den gesamten Abend auf das Beste begleitet. Schade, es war meine letzte Flasche.

Vom Weinfreund, damals rund 20 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2018

Weingut Emrich-Schönleber Riesling Auf der Lay (A.de.L.) Großes Gewächs Versteigerung, 2009

Vor kurzem hatte ich den Jahrgang 2011 von diesem Wein vorgestellt. Jetzt will es der Zufall… Äh, von wegen Zufall, ich habe den Wein selbst als Begrüßungsschluck für eine hochwertige Bordeaux-Probe (wir werden berichten) ausgewählt und genehmige mir nun am Vorabend einen ersten Schluck aus der Magnum. Und davon will ich kurz berichten:

Duftet nach dem Aufziehen eher wie in großer Burgunder – kaum Frucht, dafür Struktur und Festigkeit ohne Ende, harter Kalkstein, kühl, phenolische Noten, etwas Kräuter und Gewürze, weißer Rauch, mit der Zeit Abrieb von der gelben Grapefruit. Am Gaumen fest, knochentrocken, die Mineralität beißt sofort in den Gaumen und zieht über den Gaumen, dass mir die Ohren schlackern. Meine Güte, was für ein Riesling, auch hier phenolische Noten, Gerbstoffe rauen den Gaumen auf, noch ein wenig unwirsch, felsenfester, mineralischer Kern. Im mittleren Bereich zeigt sich etwas Frucht, erinnert erneut an Grapefruit und jugendliche Steinfrüchte, noch ein Baby, die Säure straff, dazu die salzige Mineralität, der Wein regt beim Trinken den Speichelfluss an, fächert im Glas immer weiter auf und zeigt im sehr langen Nachhall sein ganzes Potential, ungemein komplex, straff und trotzdem kein lauter Riesling. Genügt, für meinem Dafürhalten, höchsten Ansprüchen und würde keinem Montrachet Schande bereiten. Ganz großes Rieslingkino, das schon jetzt ein Hochgenuss ist, aber vermutlich erst in zehn Jahren seinen Höhepunkt erreichen wird.

Von der Versteigerung, 145 Euro (Magnum), 96-97+/100 (groß), jetzt bis 2030

Château La Tour-Carnet Grand Cru Classé Haut-Medoc, 2008

La Tour-Carnet 2008 (1 von 1)Seit einigen Wochen probiere ich mich ein wenig durch einige Bordeaux der Jahrgäng 2008 bis 2010 durch, um die Entwicklung dieser sehr unterschiedlichen Jahrgänge zu begleiten. Natürlich sind die Weine noch (zu) jung und weit von ihrem Höhepunkt entfernt, manches gefällt mir aufgrund der dicken Strukur, den überreifen Fruchtanklängen und dem hoch stehenden Alkohol eher weniger. Positiv überrascht bin ich jedoch von dem 2008er-La Tour-Carnet, der in diesem Jahrgang eine Cuvée von 65% Merlot, 32 % Cabernet Sauvignon, 2% Cabernet Franc und 1% Petit Verdot ist. In der Nase angenehm kühl, ätherische Noten, sogar steinwürzige Aromen, die mich an Graphit erinnern, dazu eine jugendliche Pflaumenfrucht, deutlich Orangenschale, feine Röstaromen vom Faßausbau, insgesamt ein präsentes und feinsinniges Bukett, dass Vorfreude auf den ersten Schluck entfachen kann. Am Gaumen trotz seiner 13,5% eher von mittlerem Körper, kein moderner Bdx-Blockbuster, man schmeckt dem Wein seinen hohen Merlotanteil an, die Frucht aber herrlich frisch, die Säure  jahrgangsbedingt agil und präsent, bestens in der Frucht integriert, die Tannine noch ganz leicht aufrauend, ohne zu stören, über den gesamten Verlauf wirkt der Wein frisch und trinkt sich animierend, selbst die dunkle Blockschoklade und die floralen Anklänge zeigen sich feinsinnig und nie laut, mittlere Tiefe und knapp guter Nachhall. Lässt sich bereits heute angenehm trinken, dürfte sich aber noch ein wenig verbessern.

Vom Fachhandel, 25 Euro, 88+/100 (sehr gut), jetzt bis 2028

Weingut Prager Grüner Veltliner Weissenkirchen Achleiten Smaragd, 2006

IMG_05302006 gilt als großer Jahrgang in der Wachau. Als deutsche Riesling-Freund rümpfe ich da eher die Nase, geprägt von dem schwierigen, ja schwachen Jahrgang für Weißweine in Deutschland. Aber auch bei der Wachau blieb bis heute meine Skepsis hinsichtlich 2006. Ich hatte schon einiges Glas, aber das allermeiste war mir zu fett, fast mastig, zeigte zu wenig Frische und Finesse, gerade bei den Smaragden, die eh zu einem üppigen Weinstil neigen und insbesondere der Grüner Veltliner profitiert für meinen Geschmack von Jahrgängen mit höheren Säurewerten.

Beim letzten Wühlen in meinem Weinkeller entdeckte ich diesen Grünen Veltliner von Prager und er erweckte in mir sofort eine Neugier wie er sich wohl nach neun Jahren Flaschenreife präsentieren würde. Eine Flasche mit sentimentalen Hintergrund, denn ich erstand sie 2008 aus einem Weinkeller eines kleines Restaurants in der Wachau. Noch gut kann ich mich an die lauschige Nacht auf der Terrasse des Restaurant erinnern, als wir beim Bezahlen der Rechnung erfuhren, dass wir so in etwa die letzten Gäste waren, denn das Restaurant schliesst bald seine Pforten. Irgendwie kamen wir auf den verbliebenden Bestand des Weinkellers und noch heute profitiere ich von gereiften Rieslingen und eben Grünen Veltlinern aus jenem Keller.

Der Achleiten präsentiert ein typisches Bukett nach reifen gelben Früchten, weißer Pfeffer, ein Hauch Weißkohl und feiner Honignote, für das Alter erstaunlich fruchtig und frisch, insgesamt eher verhalten und noch jugendlich wirkend. Am Gaumen von dichtem Körper, im Antrunk ein Korb voll reifer, gelber Früchte, sehr saftig, cremige Textur, zum Glück steht eine überraschend agile Säurestruktur dagegen, die dem Wein Frische und Agilität verleiht, weißer Rauch und die typische Pfeffernote ist deutlich zu schmecken, durchaus druckvoller und vollmundiger Verlauf, auch im Mund keine Anzeichen von Reifenoten oder Altermüdigkeit, im Gegenteil, er zeigt eine schöne Präzision und noch jugendliche Spannung, immer wieder blitzen Honig- und Karamellnoten durch, sehr langer und druckvoller Nachhall, dem Wein merkt man seine Kraft und auch seinen Alkohol an, aber er kriegt noch gut die Kruve und darf als insgesamt harmonisch bezeichnet werden. Ich habe ihn als Solist verkostet, aber er dürfte auch ein hervorragender Essensbegleiter auch zu kräftigeren Speisen sein. Jetzt ausgezeichnet zu genießen, sollte sich aber noch länger auf dem Niveau halten.

Aus dem Keller eines Restaurants, 24 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

 

Weingut Emrich-Schönleber Riesling Auf der Lay (A.de.L.) Großes Gewächs Versteigerung, 2011

Emrich-Schönleber A.de.L, 2011 (1 von 1)Spätestens nach vier Jahren Flaschenreife treffen wir uns von Weintasting.de zum ersten Mal einen Jahrgang in der Breite erneut zu verkosten. In den nächsten zwei Wochen werden wir ca. 40 GGs des Jahrganges 2011 in Ruhe probieren und sind gespannt auf den aktuellen Zustand. Als Probenleiter will ich mich natürlich adequat vorbereiten 🙂 und dies tue ich mit dem A.de.L. von Schönleber.

Im Bukett finde ich einen hochfeinen Rieslingduft wieder, eher verhalten als laut – gut so. Der erste Eindruck erinnert mich an eine schöne Harmonie aus steinwürziger Mineralität und cremiger Grapefruit, dazu diverse Kräuter im Hintergrund. Leise, gewogen, harmonisch fällt mir dazu ein – klar wie ein Gebirgsbach, natürlich null Reifearomen und Botrytis. Am Gaumen mit festem Kern und Dichte, herrlich trockene Stilistik, bereits der fehlende Restzucker verleiht dem Riesling viel Frische, besonders in einem derart warmen Jahr wie 2011. Es beginnt im Auftakt mit der Halenberg üblichen herben Fruchtkomponente, ganz viel kandierte Grapefruit, dazu reife Stein- und Kernfrüchte und wilde, etwas gezähmt wirkende Kräuterwürze, direkt nach dem Auftakt greift eine steinwürzige Mineralität ins Geschehen ein, feine Cremigkeit im Verlauf, was mich für einen derart trockenen Riesling erstaunt, aber es passt sehr gut und sorgt für viel Trinkfluss, bei der Säure erkennt man den Jahrgang, sie zeigt ein schönes Spiel, wirkt aber mild und hält sich eher im Hintergrund, auch dies sorgt eben für den aktuellen Trinkfluss, der Auf der Lay läuft bereits heute sehr harmonisch, bei aller Jugendlichkeit, über den Gaumen und weiß sehr zu gefallen, was ihm fehlt ist die Straffheit und die Konsequenz z.B. des Jahrganges 2008. So fehlt ihm der mineralische, steinwürzige Kick im Nachhall. Das mag man kritisieren, bleibt aber auch Geschmacksache, da der 2011er dafür einen zart cremigen Schmelz aufzeigt, der sicherlich auch zu gefallen weiß. Sehr langer und facettenreicher Nachhall. In der Summe ein ausgezeichneter Riesling, der vermutlich zur Spitze des Jahrgangs zu zählen ist und noch Potenial zur Verbesserung zeigt. (92+)

[02. März 2016]

Der A.de.L wird von Tag zu Tag besser. Jetzt am vierten Tag nach dem ich den Korken aus der Flasche gezogen habe, tritt seine mineralische Kraft immer stärker hervor. Mittlerweile richtig Zug am Gaumen, mundwässender Verlauf, sehr langer und packender Nachhall, da flacht nix mehr ab. Bin jetzt schon bei 93-94+, mal sehen was noch kommt…wer hat unbedingt 1-2 Tage vorab den Korken ziehen. Nicht zu kalt genießen.

VDP-Versteigerung, 160 Euro für die Magnum, 93-94+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2031

Chateau Cos d´Estournel Probe in Oberhausen

IMG_0308Ende 2015 ging es mal wieder nach Oberhausen. Mein Weinfreund Norbert Kreutzer lud zu einer Verkostung diverser Jahrgänge von Cos d´Estournel ein. Dieses Deuxième Grand Cru Classé-Weingut zählt mit Montrose, von dem es auch einige Jahrgänge gab, ganz sicher zum bekanntesten und besten Weingut aus Saint-Estéphe und erzeugt im Vergleich zu Montrose einen etwas anderen Weinstil. Die aktuelleren Jahrgänge (ab 1990) wirken auf mich moderner, mit sehr klaren Fruchtaromen, saftig und opulent, dabei etwas geschliffen – hier wird ein zeitgemäßer, durchaus marktorientierte Bordeaux-Stil gepflegt. Da ist der Montrose für mein Empfinden noch deutlich mehr von seiner Herkunft geprägt. Ich erkenne ihn aufgrund seiner monolitischen, gerne etwas strengen Art mit seinen kantig-herben Tanninen, eher als ein Bordeaux aus dem Saint-Estéphe. Guido meinte mal so passend, der Montrose ist der Turm auf dem Schachbrett – klare Kante, fester Kern, etwas unnahbar, aber mit viel Tiefe. Das ist Cos für mich nicht unbedingt – mir fehlt es gelegentlich an Tiefe und einer sekundären Aromatik weshalb ich auch einen Bordeaux-Wein öffne. Dafür ist er oftmals glockenklar in seiner Frucht mit viel Saft und Trinkfluss.

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Domaine Méo-Camuzet Pinot Noir Nuits-Saint-Georges Aux Boudots Premier Cru, 2007

IMG_0432Der 2007er-Aux Boudots von Meo-Camuzet ist ein Pinot, wie ich es mir von dieser Lage erhoffe. Fein, subtil, tief und ohne die oftmals gröbere Struktur eines Nuits-Saint-Georges, vielmehr trägt er noch die Feinheit seiner Nachbar-Appeltation Vosne-Romanée in sich, an dessen unmittelbaren Grenze dieses Cru liegt. Schon heute wunderbar zu trinken, wenngleich er sich wohl erst in zwei bis drei Jahren vollständig entfaltet haben wird. Er duftet feinsinnig nach diversen Blüten und Früchteteearomen, ein Hauch Jasmin lässt an asiatische Tees erinnern, dazu Abrieb von Orangen und Zitronen, nicht zu vergessen rote Johannisbeeren und ein Hauch Sauerkirsche, im Hintergrund zeigt sich eine noch verschüchterte Kräuterwürze, insgesamt komplex und klar. Am Gaumen von mittlere Dichte, saftig-feinsinniger Auftakt nach roten Johannisbeeren, Orangenabrieb und erneut Jasminblüten, sehr eigenständig, es zeigen sich auch Kräuter, eine feine Röstigkeit vom Faßausbau, feinsinniges, lebendiges Säurespiel, ungemein animierender Trinkverlauf, die Flasche leert sich in Rekordzeit, vollkommen reintönig, die Tanine noch, wirklich nur einen Hauch trocknend, und der Fruchtkern nicht ganz entfaltet, ich muss es nochmal sagen: ungemein frisch und klar, ausgezeichneter Nachhall. Ein fast femininer Burgunder mit glockenklarer und frischer Fruchtausprägung. Ein Hochgenuss, der leider mittlerweile seinen unverschämten, äh ich meinte burgundischen Preis hat.

Aus einer Auktion, 67 Euro (heute ca. 120 Euro), 92 Punkte, jetzt bis 2030

Aufbruch des Priorats – Große Weine von den Steilhänges des Montsant-Gebirges

Aufbruch Priorat-Probe (27 von 27)Dank meines guten Weinfreundes Norbert K. hatte ich das Glück vor einigen Jahren die Weine aus dem Priorat zu entdecken. Die besten Weine können ein einmaliges Geschmacksprofil und einen mineralischen Ausdruck entwickeln, wie ich es bei einem Rotwein nirgendwo sonst erfahren durfte. Hochfeine und glockenklare Fruchtaromen nach Blaubeeren, Kirschen und Cassis gepaart mit einer intensiven Graphit- und Schiefernote, dazu hält sich das Holz im Hintergrund. Es sind Grenzgänger und so liegt die Kunst in der richtigen Balance aus Traubenreife, Alkohol und Anteil Neuholz. Wenn es gelingt zählen sie zu den großen Weinen der Welt.

Nach der ersten Probe begann ich auf internationalen Auktionen gereifte Spitzenweine zu sammeln und siehe da, die Weine waren erschwinglich und mit etwas Geduld und Ausdauer hatte ich nach drei Jahren eine hinreichende Sammlung zusammen um eine hochwertige Probe ausgewählter Spitzenweine aus den Anfängen des Priorates zusammenzustellen.

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Weingut Georg Breuer – Nonnenberg und Berg Schlossberg Jahrgänge 1999 bis 2014 aus der Magnum

D7012_RKW0424-2400Am 25. Januar 2016 lud Christoph Dirksen und Andreas Lelke zu dieser verheißungsvollen Probe ein. In der Moderation der Probe wurden sie von Theresa Breuer unterstützt. Ihr und ihrem Vater haben wir es zu verdanken, dass die Phalanx an Rieslingen in der Welt gelandet sind und wir so an diesem Abend das Vergnügen hatten sie zu erleben. Alle Magnums kamen aus dem Privatkeller von Christoph Dirksen, ergänzt von Frau Breuer um die noch nicht abgefüllten 2014er in Normalflaschen. Andreas Lelke stellt für diese Verkostung seinen beeindruckenden Proberaum im Bungertshof (www.bungertshof.de) zur Verfügung und servierte spät am Abend noch einen 1982er-Berg Schlossberg Kabinett natürlich von Georg Breuer aus seinen gefühlt unendlichen Tiefen seines Kellers.

Seit ca. 10 Jahren sammele ich die Lagen-Rieslinge von Breuer mit Leidenschaft und aus Überzeugung. Nicht nur Nonnenberg und Berg Schlossberg, sondern auch Rottland und Roseneck, jedoch sind die beiden Erstgenannten meine persönlichen Lieblingsweine des Gutes. Nie werde ich meine Gänsehaut vergessen, als ich den 2005er-Nonnenberg kurz nach seiner Abfüllung probierte. Damit fing für mich alles an.

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Domaine Fourrier Pinot Noir Gevrey-Chambertin 1er Cru Champeaux Vieille Vignes, 2007

IMG_0393Seit Jean-Marie von seinem Papa Jean-Claude zu Beginn der 90er-Jahre diese Domaine übernommen hat, entwickelt sich das Gut derart gut, dass es heute sicherlich zu den besten Domaines der gesamten Cote-d’Or gezählt werden darf. Strikt im Einklang mit der Natur werden hier Weine von großer Natürlichkeit und Klarheit erzeugt. Die Trauben werden entrappt und dann im Keller möglichst sich selbst überlassen. Bei nur 20% Neuholz darf der Pinot seine herrliche Frucht ungeschminkt zeigen und oftmals schmeckt man bei Fourrier, ob der Wein aus Gevrey, aus Chambolle, aus Morey oder aus Volnay kommt; in allen Appellationen hält die Domaine Besitze bedeutender Lagen, wobei der Schwerpunkt wohl in Gevrey-Chambertin liegt. Für alle, die ihre Nase voll haben von den holzgeschwängerten, süßen Pinots egal welcher Herkunft, ist diese Domaine eine unbedingte Empfehlung.

Heute habe ich mir seinen Champeaux aus 2007 ausgesucht. 2007 gilt als früh zugänglicher Jahrgang, was auch dieser Pinot bestätigt. Überzeugendes Bukett mit dunklen, noch jugendlich anmutenden Beeren und Schwarzkirschen, hinter der Frucht getrocknete Kräuter, Thymian und dazu die üblichen speckigen Aromen von luftgetrocknetem Schinken. Dazu ganz dezente Noten vom Fassausbau, Herrenschokolade, etwas Nüsse, leicht mineralische Anklänge, noch sehr jugendlich kompakt die Nase, aber überzeugend. Am Gaumen schlichtweg ein toller Pinot, perfekte Verbindung aus Konzentration und Feinheit, im Antrunk viel Saft von dunklen Beerenfrüchten und herrlich gereiften Schwarzkirschen, dazu Orangenzesten, steinwürzige Mineralität umgibt die Frucht, dazu getrocknete Kräuter und Schinken, die Tannine herrlich reif, noch mit ganz zartem Grip. Der Wein ist noch jung, aber jetzt in einer perfekten Trinkphase. Diese ungemeine Saftigkeit der glockenklaren Pinotfrucht ist einfach sehr ansprechend. Im Mund zeigt sich das Holz noch weniger als in der Nase, hier darf sich wirklich die Frucht ausbreiten, ist aber derart vielschichtig, kühl und nobel, dass es mir nie langweilig wird. Dazu kommt ein packender und harmonischer Verlauf bis in den sehr guten Nachhall. Das hier ist schlichtweg ein ausgezeichneter Burgund am Beginn seiner Trinkreife und mit viel Zukunft ausgestattet.

Aus einer Auktion, 80 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2025

Spätburgunder vom Weingut Schön aus Rüdesheim

Weingut Schön 3x Spätburgunder (1 von 1)Der nur 4 ha große Familienbetrieb hat sich in den letzten Jahren auf die Erzeugung von Spätburgunder aus den Rüdesheimer Steillagen konzentriert. Diese Spätburgunder liefen mir letztes Jahr zufällig über den Weg und liesen mich aufhorchen. Nun bestellte ich einfach drei aktuelle Weine, die ich hier kurz vorstellen möchte:

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheim Drachenstein, 2011
Kühles, mineralisch geprägte Bukett mit sauberer Pinot-Frucht, ist mit seiner reifen pflaumigen Frucht durchaus als deutscher Spätburgunder zu erkennen, zeigt sich aber ohne Überreife und klar. Am Gaumen mit guter Dichte, klar-fruchtiger Auftakt mit schöner steinwürzig mineralischer Note, dunkle Waldfrüchte und Pflaumen, läuft angenehm fokusiert über den Gaumen, ohne nervigen Holzeinfluß, die Säure zeigt Spiel und bringt die notwendige Frische in den Wein, hält sich aber ansonsten angenehm zurück, die Tannine sind reif, aufgrund der Jugend des Weines sind sie noch nicht ganz integriert, aber dies sollte in 2-3 Jahren der Fall sein, über den gesamten Verlauf durchaus harmonisch zu nennen, nicht sehr tief, ohne Hitze trotz 14 % vol, passabler Nachhall mit bitteren Noten.
Vom Weingut, 16,80 Euro, 84+ Punkte (gut), 2016 bis 2021

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2011
Vielschichtiger, noch unentwickelter Duft nach leicht dropsigen roten und schwarzen Waldbeeren, diverse getrocknete Kräuter, Nadelhölzer, Gräser, interessant, recht wuchtiger Eindruck. Am Gaumen deutlich kraftvoller als der Drachenstein, im Antrunk fällt sofort die Extraktsüße auf, intensiv-saftige rote Beeren im Auftakt, die Alkohol leicht wärmend, liegt aber noch gut im Rahmen, über den gesamten Verlauf zeigt der Wein eine hohe Fruchtkonzentration, die etwas zu weich geratene Süße zieht sich nur mühsam bis in den Nachhall hinein, mit stein-würziger Mineralität unterpuffert, vermutlich hat der Wein kein Neuholz gesehen, ob seiner Jugend noch nicht ganz harmonisch, gewisse Spannung, langer Nachhall, ein gelungener Spätburgunder, der sich noch ein Jahr beruhigen muss.
Vom Weingut, 17,00 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), 2017 bis 2025

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2012
Deutlich feinsinniger, aber noch recht unentwickelt kommt der 2012er-Schlossberg daher. In der Nase zeigt klare Anklänge von roter Johannisbeere, getrocknete Gewürze, Nadelhölzer, Schiefernoten, insgesamt nuaciert und kühl. Am Gaumen von hinreichender Dichte, herrlich gewogener Auftakt mit schönem Früchtespiel, wirkt sehr frisch, klar und ohne Breite und Überreife, deutlich mineralischer als der 2011er, die Säure steht höher und sorgt für einen straffen Verlauf, festes mineralischen Fundament, zieht sich hinten noch leicht zu, die Tannine sehr fein, langer, nuancierter Nachhall. Gelungen.
Vom Weingut, 17,80 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), 2016 – 2027

Besonders die Weine aus dem Schlossberg haben mir sehr gut gefallen. Welches Jahr man bevorzugt ist schlußendlich Geschmacksache. Wer eigentlich die burgundischen Vertreter bevorzugt, dem empfehle ich den 2012er. Zwar hat man auch hier ein aromatisch typisch deutschen Vertreter im Glas, jedoch mit klarer Frucht, ohne Holzeinfluß und übermäßiger Konzentration. Für diese Steillagen sind die Weine als günstig zu bezeichnen. An der Ausstattung könnte noch gearbeitet werden.

 

Weingut Georg Breuer Rauenthal Nonnenberg Erstes Gewächs, 1998

Breuer Nonnenberg, 1998 (1 von 1)Wie lange muss großer trockener Riesling reifen, bis er sein ganzes Potenzial entfaltet hat und er so zu einem besonderen Genuss wird? Ich habe darauf keine Antwort, und vermutlich gibt es eine solche auch überhaupt nicht. Aber die Flasche dieses 98er Nonnenbergs präsentierte sich über die Feiertage derart sensationell, dass es für ihn nur eine Antwort gibt: genau bis Weihnachten 2015, genau diese ca. 17 Jahre hat er benötigt, um sein Extrakt, seine Süße und seine Aromen so zu harmonisieren, dass er sich mir die Feiertag über als stets großer, gereifter Riesling präsentieren konnte.

Bereits die helle, blassgelbe Farbe mit den strahlenden Reflexen überrascht. Nach 10 Minuten in der Karaffe präsentiert sich der Riesling aus Rauenthal glockenklar ohne jede Anzeichen von Reifenoten, weder eine Petrolonote noch einen anderen Reifeton nehme ich wahr. Präsente und komplexe Blume von getrockneten Zitrusfrüchten, braunen Tabakblättern und jugendlichen Pfirsichen. Dazu ein Hauch weißer Pfeffer und Safran, der übergeht in röstige Noten, feine Holzkohle, Basaltstein, insgesamt ein mineralisch-würziger Hintergrund, die klare Rieslingfrucht steht jedoch im Vordergrund, mit der Zeit zeigen sich sogar noch rote Beeren. Insgesamt hochfein und glockenklar – ein Musterbeispiel dafür, was ein Riesling aus dem Rheingau kann.

Am Gaumen fällt sofort die hohe Extraktdichte des Weines auf, saftiger und fruchtbetonter Antrunk, erneut jede Menge Zitrusfrüchte, kandierte Äpfel, Schalen von Pfirsichen. Man merkt ihm das warme Jahr an, was ihm aber unheimlich gut tut. Denn von seiner ganzen Ausrichtung ist er ein feiner, eleganter Riesling, und mit seinen 12 % vol. fällt natürlich auch der Alkohol nie störend auf. Auch im Mund zeigt er sich zwar in seiner Entwicklung etwas gereifter, aber auch hier null Altersnoten. Vielmehr läuft er bei allem Zug sehr entspannt über den Gaumen und kann so mühelos sein ganzes Aromenrad auffächern, besonders die Mineralität spielt neben der saftigen Frucht, u.a. mit roten Beeren, Cassisblatt, Stein- und Kernobst, die erste Geige, herrlich röstiger Ansatz, Rauch, Tabak, erhitzter Stein und verbrannter Kohl sind Aromen, die ich über die Tage immer wieder deutlich erlebe, hin und wieder auch Feuerstein und Graphit. Der Wein ist nun vollkommen erblüht und erlaubt jeden Einblick in seine tiefe Höhle, die Säure präsent, aber perfekt von Extrakt umkleidet, niemals spitz oder ruppig, eher geben die vorhandenen Phenole dem Wein noch eine jugendlich anmutende Struktur, zuweilen an Bittermandeln erinnernd.

Ihr seht, ich bin restlos begeistert und dankbar für diesen Weinmoment. Der Nachhall ist ungeheuer lang und in ihm zeigen sich nochmal die ganzen Facetten dieses Ausnahmerieslings. Er hat sich über zwei Tage immer weiter entwickelt, daher vermute ich noch eine gewisse Zukunft, auf der sich dieser Nonnenberg weiter auf seinem Höhepunkt halten kann. Einer der besten Rieslinge, die ich dieses Jahr im Glas haben durfte. Aus guten Kellern noch jede Suche und auch eine höhere Investition wert.

Vom Fachhandel, 20 DM (lang ist´s her), 96 Punkte (groß), jetzt trinken

Riesling Große Gewächse 2007 – Eine Bestandsaufnahme nach acht Jahren Flaschenreife

Riesling GG 2007 nach achtJahren (1 von 1)Kurz vor Weihnachten 2015 hatte ich Gelegenheit, mir mittels zwölf Großer Gewächse einen aktuellen Eindruck über den aktuellen Zustand des Jahrgangs 2007 zu verschaffen. Die Rieslinge wurden in Flights mit je vier Weinen blind präsentiert. Nach jedem Flight wurde aufgedeckt. Mir war das Line-up unbekannt. Der Probenleiter beschränkte sich auf die Anbaugebiete Mosel, Nahe und Rheinhessen. Dies ist kein qualitativer Fingerzeig, die Probe diente als Vorbereitung für eine umfassendere Probe des Jahrgangs 2007 im kommenden Frühjahr 2016. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2008 – Eine Bestandsaufnahme nach sieben Jahre Flaschenreife

Riesling GG 2008 nach sieben Jahren (7 von 17)

Auch dieses Jahr blickten wir in der üblichen Runde sieben Jahre zurück, und es herrschte einhellig große Vorfreude auf diese Probe. Der Grund: Wir verkosteten große Riesling-Gewächse aus dem Jahrgang 2008. Bei der ersten Präsentation des Jahrgangs noch mit viel mit Argwohn betrachtet und (vor)schnell abgeschrieben, zeigt 2008 nach sieben Jahren Flaschenreife nun ganz deutlich, dass es sich dabei um einen ganz hervorragenden Jahrgang für den deutschen Riesling handelt. Die Weine sind ungemein animierend zu trinken, zeigen eine pikante, aber überwiegend reife Säure und deuten dank ihrer schlanken Struktur oftmals gut erkennbar ihre Herkunft an. Die Erwartungen wurden auch in dieser Probe nicht enttäuscht, sondern eher noch übertroffen. Außer bei zwei bis drei Ausnahmen inklusive Flaschenfehler durften wir uns an der mit Abstand besten Rückschau nach sieben Jahren Flaschenreife erfreuen. Von den 15 präsentierten Großen Gewächsen waren zehn auf ausgezeichnetem Niveau. Die Jahrgangskrone holte sich diesmal überraschenderweise Schloss Johannisberg, aber auch der Wein auf dem zehnten Rang lag nur knapp dahinter. Die Platzierungen sind daher nicht aussagekräftig, die Qualität ist durchgängig sehr hoch, der Leser kann mithilfe der Notizen getrost seine Favoriten frei nach seinem Geschmack wählen. Weiterlesen →

Weingut Wagner-Stempel Siefersheimer Riesling „Vom Porphyr“, 2010

IMG_0337Der Porphyr ist so etwas wie mein Hauswein von Daniel Wagner, und er ist natürlich aufgrund seines Bodens eine Besonderheit. Dieses Vulkangestein neigt für meinen Geschmack gelegentlich zur übermäßigen Fülle, doch bei diesem Ortswein hatte ich bisher noch nie auf unangenehme Weise diesen Eindruck. Bereits auf der Arrivage-Probe konnte mich der 2010er überzeugen und nach nun vier Jahren Flaschenreife ist eigentlich nicht viel passiert – er überzeugt erneut. 2010 wird wohl immer ein Jahrgang bleiben, der unterschiedliche Eindrücke hervorbringt und über dessen Qualität sich trefflich streiten lässt. Auch dieser Wein steht unter Spannung, zwischen seiner Restsüße, seiner hoch stehenden Säure und der für den Jahrgang hohen Extraktdichte.

In der Nase finde ich eine jugendliche und reintönige Rieslingfrucht wieder, die Spannung aus 2010 wird sofort deutlich, kandierte Zitrusfrüchte, selbst in der Nase meine ich bereits salzige Noten zu erahnen, glacierte Apfelfrucht, glockenklare Steinfruchtaromen, noch sehr jugendlich anmutend und ein kompaktes, leicht reduktives Bukett. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, sehr saftiger und reintönig fruchtiger Auftakt, auf allen Früchten liegen grobe Salzkristalle. Trotz seiner vorhandenen Restsüße wirkt er sensorisch recht trocken, ein straffer, ja fordernder Verlauf, nichts für Fruchtliebhaber. Die packende Säure nimmt ihm seinen letzten Charme, dafür hat er einen herrlich erfrischenden Zug am Gaumen. Die heftige Extraktdichte des Jahrgangs wird deutlich, sehr nachhaltig, noch ein wenig verschlossen, trotzdem ein sehr guter Nachhall. Für mich ein weiterer gelungener, durchaus anspruchsvoller 2010er-Riesling, der jetzt genossen werden kann. Meine letzte Flasche werde ich allerdings noch fünf Jahre aufbewahren, im Wissen wie exzellent der Porphyr reifen kann.

Vom Weingut, 15 Euro, 90 Punkte (hervorragend), jetzt bis 2022