Kraftakt Riesling – Nummer 9

Den Lesern unseres Bloggs wird es nicht verborgen geblieben sein, dass sich die Schlagzahl der Veröffentlichung auf diesem Blogg in der letzten Zeit erheblich reduziert hat. In den content-getriebenen Zeiten des Internet könnte man sogar schlicht sagen: der Blogg ist tot. Dieser Eindruck mag nun für die Aktualisierungshäufigkeit nicht mehr erfolgreich bestreitbar sein, aber doch bleibt eines festzuhalten: wir sind im Hintergrund weiter in Sachen Wein aktiv und trinken zusammen freudig den ein oder anderen wirklich wunderbaren Wein. Allein, und das ist schlicht unserer aktuellen Lebenswirklichkeit geschuldet, das Schreiben hierüber bedarf weiterer nicht uneeheblicher Zeit und Muße. Und wenn beides – Zeit und Muße –einfach nicht ausreichend vorhanden ist, sei es ob des Berufes oder ob anderer Randparameter, dann wird es dunkel, was die Veröffentlichungshäufigkeit angeht… umso mehr freuen wir uns, dass wir mit dem heutigen Bericht dokumentieren können, dass unsere Kraftakt-Reihe noch nicht tot ist.

Nachfolgend also die Eindrücke zu unserer jährlichen Kraftakt-Riesling-Reihe, diesmal die Kraktakt Riesling Ausgabe Nummer 9!

Den Auftakt macht heuer Phillip Kuhn mit seinem 2009 Kirschgarten Riesling. Mit drückender Nase schiebt der Wein aus dem Glas, süßliche Blüten gepaart mit Zitrusfrucht. Das wirkt ziemlich hochreif und einen kleinen Hauch zu malzig. Viskos setzt sich der Wein auch im Mund fort, zum Glück wird die reife gelbe Frucht von einer prägnanten Säure balanciert. Rauchige Aromen, die an eine dunkle mineralische Komponente andocken, sorgen für Interesse. Der ganze Verlauf ist wuchtig und wird, wenn man nicht genau diese Stilistik sucht, den Trinker eher schnell als langsam ermüden, nicht zuletzt, weil im Nachhall der Alkohol etwas wärmend vorsteht. Die Säure räumt den Rachen zum Glück im Finale wieder frei. Dieser kraftvolle Wein dankt Essensbegleitung. 90-92 Punkte aus der Runde, 90 Punkte auch von mir.

Der Master of Wine hatte mit Wein 2 einen nicht weniger forderndes Getränk auf die Agenda gesetzt, den „Hochzeitswein“ aus dem Hause Battenfeld-Spanier/Kühling-Gillot, der CO aus 2006 .

Aber wer hier regelmäßig mitliest, der weiß, dass fordernde Weine in unserer Runde ja durchaus Anklang finden. Ein etwas leiserer Auftakt in der Nase mit getrockneter Aprikose, Jod, auch riechen wir angedeutete „malzig-herbe Aromen“. Malzig-jodig ist auch der erste Eindruck im Mund. Ein dicht gepackter, ja schon mächtiger Antrunk, im Verlauf rauchig, malzig und immer wieder deutlich von der Botrytis geprägt, die einen kräutrig und herb-diffusen Charakter gibt. Dazu auch reifer Apfel und etwas Pflaume. Klingt aromatisch eher schräg – und doch passt die wuchtige Summe dieser Eindrücke gut zueinander, der Wein ruht tief in sich und bietet viel individuellen Charakter, wenn man sich die Mühe macht, dem Wein zuzuhören. Sehr langes, harmonisch druckvolles Finish, mit sehr gut eingebundenem Alkohol. (93-95 Punkte von der Runde, 92 Punkte von mir als Streichergebnis. Platz 2 am Ende der Probe.

Kam nun ein easy drinking Wein? Ach, vergesst es… Von Winnings Ungeheuer 500 aus 2011 überraschte die nicht eingeweihten Mittrinker, die wie immer blind probierten, zunächst mit nussig-holzigen Aromen. Ja, Holzausbau und Riesling – das ist in der Tat en vogue. Und hier in dieser Nase ist die Kombination wirklich gut gelungen. Nussig-rauchig ist das schon, aber es bleibt genug Frucht vorhanden… Leider setzte sich dies im Mund so (noch) nicht fort: anders als in der Nase ist der Wein im Antrunk noch jugendlich holzgeprägt und bleibt dadurch etwas holprig im weiteren Verlauf. Cassis und Limettenaromen dominieren, der Wein ist puristisch and karg, die knackige Säue gibt dem Wein einen straffen Charakter, ist manchem am Tisch aber zu streng (und auch nicht alle sind sich sicher, ob sich das einbinden wird). Jedenfalls fügen sich die im Verlauf immer deutlicher vorscheinenden Salzanklänge mühelos in sein Gesamtbild ein. Röstiges, auch langes Finale, das aber noch stark vom Holzeinsatz geprägt wird. Ein Wein für ein (meinerseits gern gesehenes) Wiedersehen ab 2020+. (90+ bis 93+ aus der Runde, 92+ Punkte von mir).

Leider hatte Pfeffingens Weilberg aus 2007 einen Korkfehler – was sehr schade ist, weil dieser Wein durchaus zu Großem fähig sein kann. Nutzt aber alles nichts, diese Flasche war schlicht kaputt.

Weils Gräfenberg 2007, der hier Sparingspartner des Weilberg hatte werden sollen, entschädigte uns mit einer wunderbar durchgezeichneten Nase voller Orangenblüte und Zitrusfrucht. Frisch und fröhlich ist diese Nase, mit zarten Frucht. Ein Trinkvergnügen ersten Ranges auch im Mund, wieder Zitrusfrucht, die leichte und dienende Fruchtsüße spielt wunderbar mit der Säure und sorgt in Windeseile dafür, dass der Gläserinhalt bei diesem klassischen Rheingauer verdunstet ist, ehe man noch über die helle Mineralik staunen konnte. Tief gehender Charakter…? Nun hier wird etwas dünner für den Wein – macht aber nichts, denn Trinkvergnügen sollte man auch hinreichend goutieren, zumal auf diesem Niveau! Wir taten es und vergaben einheitliche 93 Punkte (Platz 3 der Probe).

Wein Nummer 6 ließ uns schon mit einer Aromatik klar werden, dass wir Deutschland verlassen hatten. Denn der Kastelberg 2007 von Kreydenweiss kam (was im Elsass ja nicht ganz selten der Fall ist) mit einer leicht oxydativen Nase daher, dazu gelbe Pflaume und eine leichten Malz-Honig-Mischung. Begleitet von schwarzem Tee zeichnet der Wein im Verlauf eine schöne Bahn, ein wenig Gerbstoff sorgt auch dafür, dass der Wein seine Eigenständigkeit behält. 90-92 Punkte von der Runde.

Eigenständigkeit hatte auch Wein Nummer 7. Aber keine, die den Mittrinkern so richtig gefallen konnte. War die Nase des 2007er Pettenthals von Kühling-Gillot noch würzig, gelbfleischig und expressiv, ja sogar mit einer gewissen Kühle versehen, wurde es im Mund dann doch ein Zerrbild eines Rieslings. Dichter Körper, überlagen mächtig und derart ölig, so dass man einen Löffel, ach, eine Suppenkelle nehmen könnte… hochreife Aromatik, die ins Lackige geht, leider auch eine vom Alkohol getragene Aromatik. Dazu Jod, etwas Tabak und weitere Aromatik, die darauf schließen lassen, dass in diesem Wein Trauben mit Botrytisbefall verarbeitet wurden. „Von allem zu viel – und das auf Kosten des Spiels“ – diese Aussage aus der Runde trifft es, weshalb man diesem ob seiner Masse fsst schon taumelnden Boliden mit aus der Runde gegebenen 87 Punkten durchaus – wie ich finde – sachgerecht bewertet hat.

Auf Regen folgt Sonnenschein – sagt die alte Volksweißheit. Ob der Master of Wine diese Weißheit bei der Zusammenstellung der Weine im Auge hatte, ist nicht überliefert. Mit Wein Nr. 8 präsentierte er uns jedenfalls einen wunderbaren Wein, der nicht ohne Grund den Tagessieg abräumte: Eine ungemein vielschichtige, ernsthaft und verspielt wirkende Nase geprägt von Kräutern, Cola und Äpfeln, eingebettet in hellen Kalksteinstaub. Tief und ernst – und dabei so verspielt leichtfüßig. Ein fokussiert geführter Antrunk voller innerer Spannung, der Wein vibriert unter der Säure und der Mineralik, die von der Frucht (Zitrus und etwas Cassis) und ihrer feinen Cremigkeit umfasst wird. Langes und ausdifferenziertes Aromenfeuerwerk im Finale, einerseits saftig frisch, andererseits salzig-straff, voll auffächernd. Animierend und fordernd zu gleich. Für die Runde (94-95 Punkte) als auch für mich (95 Punkte) stand fest: ein großer Wein, dieser 2007er Kirchspiel von Wittmann! Wer sich nur für den Tagessieger interessiert, der mag nun aufhören mit dem Weiterlesen; wer hierfür zudem noch in den Keller gehen kann, hat alles richtig gemacht!

Wittmanns Kirchspiel-Pendant aus 2004, heute unser Wein 9, überraschte uns beim Aufdecken. Wenn man diesen Wein und den Vorgänger in Karaffen auf den Tisch gesetzt und die leeren Flaschen daneben gestellt hätte, hätten wir diesem Wein ganz eindeutig die Flasche des 2007er Jahrgangs zugeordnet. Lang leben die Stereotypen und das Blindverkosten! Der Master of Wine schloss eine Verwechslung aber aus, von daher…

Dichte Nase, diesmal mit Steinfrucht und Mandarine, etwas Sesam und Rauchspuren, ja, auch etwas Marzipan; und somit hatte diese Nase so gar keine Ähnlichkeit zum 2007er Kirchspiel. Kraftvoll im Mund, etwas dichter, etwas mehr Alkohol , wieder Steinfrucht und Mandarine. Lang und druckvoll im tabakigen Finish. Durchgezeichnet und in sich ruhend, wenngleich nicht ganz so zwingend wie sein Vorgänger aus 2007. 92-94 Punkte aus der Runde, ich gesellte mich zu den höher Punktenden.

Eine spannende Nase hat der 2001er Loibenberg aus dem Hause Alzinger: sie wird geprägt von kräuterwürziger Schwarzbrotröste, kaum mehr Frucht ist zu vernehmen. Hier haben die Reifetöne nach 15 Jahre Reife inzwischen stimmig übernommen. Kühler Stil. Auch im Antrunk zeigt sich der Wein im Herbst seines Lebens. Steinige Mineralität, Reifetöne, gedämpfte Fruchteindrücke. Der Wein hat die Gelassenheit des Alters erreicht, ist hinreichend agil und somit zugleich ein schönes Beispiel für einen weit gereiften trockenen Wein. Etwas Jod und Karamell im unaufgeregten Nachhall. Die Runde vergibt 90-92 – auch ich finde den Wein noch ausgezeichnet. Er darf ausgetrunken werden.

Das hätte man mit dem Nachfolger auch schon längst tun sollen, jedenfalls mit dieser Flasche. Unschön medizinale Nase, gezehrt von der Reife, ein Hauch Kräuter und gelbe Frucht. Hier tut sich nicht mehr viel. Im Antrunk diffus süß und dick, Trockenkräuter, Petrol und eine vom Alkohol stammende Bitterkeit. Die schärfende Säure, die hier dagegen steht, nimmt den Wein gänzlich aus der Balance. FX Pichlers 1994er Riesling M kann uns nicht überzeugen, was sich in – wie ich meine – fairen und einheitlichen 84 Punkten niederschlägt.

Überraschend jugendlich zeigt sich der 2004er Steinbuckel von Knipser, der uns als Wein 12 beschäftigt. Und das macht er ausgezeichnet mit einer hellen Mineralik ganz eigener Art, die diesem Wein – jahrgangsübergreifend – fast immer eigen ist, dazu feine Aromatik nach Nüssen und Orangenblüte. Die Mineralik setzt sich auch im Mund fort, dazu ein frisches Säurespiel – das sorgt bei diesem Wein für eine ganz eigene jugendliche Pikanz. Zarte und dabei glockenklare Orangen- und Mandarinenaromen, die dem Wein eine elegante Note verleihen. Angedeutet nur Marzipan. Ohne vernehmbare Reifetöne, was beim Aufdecken doch ein wenig überrascht. Der Wein schmeckt gut und gerne mindestens ein halbes Jahrzehnt jünger als er als ist. Nicht jedem aber ist der Wein tief genug, was sich in 90 bis 92+ Punkten widerspiegelt.

Gegen den Folgewein hätten gleichwohl nur wenige den Steinbuckel eintauschen wollen.

Der 2001er Idig von Christmann kam mit einer leicht kamilligen und wuchtigen, wenngleich klaren Gelbfrucht-Nase ins Glas und zeigt insgesamt ein vielfältiges Aromenbild. Weniger überzeugend dann die Eindrücke im Mund: süßlich weicher Antrunk, gelbfruchtig wuchtig und hochreif mit etwas zu sehr deutlichen Alkoholpräsenz. Dem Idig fehlt hier die Spannung, denn die Säure erscheint nur mild, wo es doch einer kräftigeren Säure gebraucht hätte, um gegen den Körper zu arbeiten. Wieder Kamillearomen im dunkel-mineralischen Finish. Ein sehr guter Wein: ja klar, aber ein ausgezeichneter Wein ist der Idig diesmal nicht – einmütige 89 Punkte aus der Runde.

Ein weiteres Dickschiff läutete das Ende unserer Probe ein. Dichte gelbe Frucht und Trockenkräuter in der Nase, dazu jede Menge Schiefer, etwas Botrytis? Der Wein riecht so, wie ein leicht restsüßer Wein von der Untermosel gerne einmal riecht. Auch im Mund kann dieser Uhlen R 2004 von Heymann-Löwenstein leider heute nicht überzeugen, denn sein Antrunk ist süßlich und etwas schwerfällig, die Aromen reichen von Schiefermineralik (verhalten) zu Trockenkräutern und Äpfeln (deutlich) bis hin zu Seetang. Vielschichtig ist das dennoch nicht, auch hat der Wein wenig innere Spannung. Moderat präsente Säure, was bei einer eher halbtrockenen Sensorik nicht wirklich hilft. So beenden wir die Probe übereinstimmend mit 87-88 Punkten.

Wie auch schon in den vorangehenden Proben hatten wir einmal mehr Spass mit unserer weißen Lieblingsrebe – im Spätherbst 2017 wird diese Runde ihr 10. Zusammenkommen feiern. Der Termin ist geplant, die Weine bereits abgerufen.

Irgendetwas tief in mir sagt: das wird wieder spannend – und Ihr werdet hier davon lesen. Habt einfach etwas Geduld mit uns!

Mauro Veglio Barbera D´Alba, 2008

MVBdA08Richtig viel Wein für überschaubares Geld – dies fasst die nachfolgende Verkostungsnotiz im Kern zusammen. Ich war doch überrascht, wie vielschichtig sich dieser vermeintlich „einfache“ Barbera ohne Lagenbezeichnung zeigte. Gut gemacht, Mauro Veglio!

In der Nase eine angenehm vielfältige Mischung aus roter Johannisbeere, Sauerkirsche und Zwetschge, schön und wohldosiert untermalt von krokantigen Holzaromen, die für eine weitere Geruchsdimension sorgen. Hinzu gesellen sich dunkle Kräuteraromen und eine Spur Zigarrenkiste, die ich ebenfalls der Fassreife zuschreibe – aber, das sei nochmals betont, bestens eingebunden und keineswegs vorlaut.

Im Mund von mitteldichtem Körper, gute Struktur im Auftakt, klare rote Frucht, saftig eingebunden in einen stützenden Holzkörper. Mit sortentypisch kräftiger Säure versehen – herrlich, so mag ich Barbera. Fruchtig klarer Verlauf, der aber nicht von einer zu fruchtsüßen Stilistik überlagert wird. Dies gibt dem Wein im Zusammenspiel mit der Säure einen hohen Trinkfluss. Abgeschmolzenes feines Tannin, sehr langes Finale mit schöner Nachhaltigkeit, in der Frucht und Holz bestens in der Balance bleiben, unauffälliger Alkohol (13,5%).

Trinkt sich nicht nur zum Essen ausgezeichnet, sondern bereitet auch im Anschluss noch hohes Trinkvergnügen. Und seinen Preis rechtfertigt der Wein spielend. Ob diese Leistung im Jahr 2008 nur ein Ausreißer nach oben war, werde ich sicherlich bei Gelegenheit mit anderen Jahrgängen testen.

Aus dem Fachhandel, 12 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis Ende 2016

Yves Cuilleron Condrieu Les Chaillets, 2011

2011_YGCObwohl es nun schon gut drei Wochen zurückliegt, dass ich diese Flasche Condrieu geöffnet habe, ist er mir sofort wieder vor meinem geistigen Auge aromatisch präsent, als ich meine Notizen hervorhole. Das spricht für den Wein. Wer sich nicht von (derzeit noch starker) Holzwürze in Weißweinen abschrecken lässt, dem sei das heutige Öffnen dieses doch noch sehr jugendlichen Weines, der sicherlich noch viele Jahre Leben vor sich hat, trotzdem bedenkenlos empfohlen. Denn dieser Wein ist auch in diesem frühen Stadium bereits ein aromatisches Erlebnis.

Im Glas ein sattes Strohgelb. Ungemein expressive, ja ernsthaft strenge und sehr dichte Nase, die noch stark von Barrique-Einflüssen geprägt wird: grüne Nüsse, Butter, Zitrusspuren und noch recht dominante Aromen eines doch „herben Toastings“. Die dahinter verborgenen gelbfleischigen Aromen müssen sich zunächst etwas bemühen, sich gegen das Holz zu behaupten – was nach einigen Stunden in der Karaffe aber zunehmend besser gelingt.

Ein mächtiger Auftakt dann im Mund, aber ohne Schwere, extraktreich und animierend verführerisch, gänzlich trocken wirkend, im dichten Antrunk eine Wand aus gelber Frucht und buttrig-schmelzigen Holzaromen, die hier etwas weniger präsent erscheinen als in der Nase, dafür herb-würziger. Frucht- und Holzeindrücke wogen hin und her. Flankiert von einer pointierten Säure, die bestens eingebunden ist und den Wein über den gesamten Verlauf hin skelettiert und präzise bis ins Finale in der Führung hält.

Gelbfleischig und holzwürzig ist dieser Spitzen-Condrieu aktuell – ehe dann im weiteren Verlauf die vom Holz ummantelte Frucht auf einen massiven, schwarzen Steinblock schlägt und ihn umspült. Die Mineralität zeigt sich kompromisslos steinig und im Zusammenspiel mit der Säure raumgreifend beißend – und erlaubt es erst im letzten Drittel den eher leise wirkenden, klaren Fruchtaromen, dass diese sich nochmals nuancenreich auffächern und zusammen mit Anklängen von weißem Pfeffer zu Wort melden. Dann ein sehr langer Nachhall, in dem die herb-würzigen Holzaromen die aufgefächerten Zitrusfrüchte stützend begleiten. Ein in jeder Hinsicht wohlbalancierter Wein mit für diese Art von Wein wohltuend „schlanken“ Alkoholgraden von 13,5%.

Aus dem Fachhandel, 40 EUR, 94 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

Brezza Barolo Sarmassa, 2006

2006_Sarmassa_BrezzaIm Glas ein transparentes, rostiges Rubinrot, das von erster Reife zeugt. In der Nase – mit ein wenig Belüftung – eine kraftvolle, aber ausdrucksstark komponierte Varianz aus Rosen, Kirschessenz, Teer und Hagebutten. Es macht viel Spass, hier einige Zeit zu verweilen, bis der erste Schluck genommen wird. Mit mehr Luft kommt zwar ein Hauch Lackaroma auf – das stört hier interessanterweise aber überhaupt nicht.

Auch im Mund macht dieser ungeschmickt und pur wirkende Nebbiolo traditioneller Machart viel Vergnügen: im mitteldichter Antrunk geben rote Früchte den Takt vor, dazu kommen herbwürzige Altholzaromen und sortentypisch Rose, ein Hauch Teer rundet diesen Eindruck ab, hierbei zeigt er keine spürbare Süße, der Wein schöpft seinen Fruchtschmelz nur aus seinem dichten Extrakt.

Dieser Sarmassa wird im strukturierten Verlauf etwas kerniger, hier vermischen sich eine Spur Mineralität mit dem feinporigen, dennoch noch kernig wirkenden Tannin, das – jedenfalls am ersten Abend – für etwas spröde Adstringenz sorgt.  Ein Wein, den es zu erarbeiten lohnt. Die Frucht behält hier nämlich jederzeit die Oberhand, lang und geschmeidig zieht sie in den ausbalancierten und animierenden Nachhall.

Ein Wein mit insgesamt toller Struktur, der mich wirklich begeistert. Mit Essensbegleitung verschwindet die „Tanninstrenge“ dann sogar gänzlich – doch auch nach dem Essen macht dieser Wein nicht satt, trotz seiner 14 % Alkohol. Ein traditioneller Wein voller Ausdruck- kraftvoll und pur zugleich.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019+

 

 

Weingut von Bassermann-Jordan Riesling Forster Pechstein, 2007

2007BJFPIn den letzten Monaten hatte ich mehrfach das Vergnügen, diesen Wein mit Muße und in ausreichender Menge im Glas trinken zu können – einmal eine Flasche zusammen im Sommer mit Thorsten, dann danach noch zwei weitere Male für mich alleine. Dieser Pechstein zeigt sich derzeit in einem wunderbaren Trinkstadium: Der Wein ruht in sich, fern jeder mineralischen Wildheit, die der Basalt oftmals in die Rieslinge aus dem Pechstein befördert. Und doch ist auch dieser Vertreter stark mineralisch geprägt. Selten aber habe ich diese Lage einmal in einer so entschleunigten Interpretation trinken dürfen. Man trinkt hier einige erste Schlucke und hält automatisch inne, schmeckt nach, verweilt. Verknappt könnte man sagen: Dies ist ein schon fast kontemplativer Wein.

Große Gläser befördern aus diesem Wein eine intensive Nase mit Rauch und Haselnuss. Tief und konzentriert, dabei Fruchtaromen nur andeutend, ein Säckchen getrocknete Kräuter und erdige Würze bestimmen die Eindrücke. Und immer wieder diese ausdrucksstarke Nussigkeit.

Ein Wein mit Gardemaß im Antrunk, geprägt von Kaffeearomen, rauchiger Würze und nur noch einer verhalten vernehmbaren gelben, nicht ganz trockenen Frucht. Hohe Extraktdichte. Stimmig hierzu – weil zum Gesamtbild passend – eine eher weiche Säure, die dem Wein einen ruhigen Verlauf beschert, fern von Müdigkeit. Mit tiefer und satter mineralischer Aromatik zieht der Wein dann den Gaumen entlang, immer intensiv, ja auch fordert, aber nicht anstrengend. Diese intensive Aromatik bleibt lange stehen und ist jederzeit, fast etwas überraschend, auch trinkanimierend. Nicht trinkanimierend im Sinne eines belebend erfrischenden Getränks, sondern eines, dem man sich gerne nochmals zuwendet und genauer hinschmeckt. Findet man doch auch nach dem dritten Schluck eine weitere Nuance in diesem Prachtkerl von Wein. Er endet mit einem langen, ausdifferenzierten Nachhall – und dies in voller Harmonie.

Aus dem Fachhandel, 27 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019 

Weingut Emrich-Schönleber Riesling Monzinger Halenberg »R«, 2008

ES2008MHRDer Halenberg »R« führt beim Weingut Emrich-Schönleber ein vergleichsweises »Nischen-Dasein«. Zumindest macht es den Eindruck, dass der Wein im Schatten seines Großen-Gewächs-Pendants, dem trockenen Halenberg, sowie auch dem »AdL« weniger im öffentlichen Fokus steht. Ich meine durchaus zu Unrecht! Denn die Qualität beim »Halenberg R« ist regelmäßig nicht schlechter, der Wein hat nur eine andere geschmackliche Ausrichtung. Der Wein wird (inzwischen) gezielt in seinem Gärungsverlauf gestoppt, folglich mit mehr Restzucker auf die Flasche gefüllt und kommt mit zeitlicher Verzögerung auf den Markt (zuletzt der Jahrgang 2012).

In der distinguiert zarten, aber noch jugendlich erscheinenden Nase gezuckerte Apfelspalten, ein zarter Kräutereinschlag, etwas Limone, Aloe Vera und Anklänge einer kompromisslos steinigen Mineralität. Diese Aromen verbinden sich mit reichlich Verweildauer in der Karaffe, werden hierdurch kompakter und finden immer mehr zueinander. Dies weckt große Vorfreude auf den ersten Schluck.

Zunächst zeigt der Wein einen leichtfüßig eleganten, ja schon flatterhaft-beschwingten mitteldichten Antrunk, aromatisch erinnert er an süßlich-mürbe gelbe und säurefrische grüne Äpfel, dazu grüne Kräuterigkeit. Der Wein baut dann unvermittelt eine innere, vibrierende Spannung auf, die elegant wirkenden Komponenten heben an und verbinden sich in einem sattem Aromenspiel voller Apfelfrucht und einem tiefen Mineralkern, flankiert von einer festen, zugleich aber sehr eleganten Säure.

Eine stimmig feinherbe, ob seiner Jugend vielleicht noch ein Spur zu betonte Süße sorgt für Charme – das macht jetzt schon viel Trinkspaß, wenn man sich hieran nicht stören mag (ich tue es nicht). Dieser 2008 könnte vermutlich aber dennoch noch besser werden, wenn die Reifeentwicklung den Zuckereindruck weiter in den Hintergrund drängen sollte.

Der Wein besticht heute schon durch eine steinige Mineralität, diese erinnert an einen groben Steinquader, der von einer süßlichen Apfelfrucht ummantelt wird. Nachhaltiger, animierender Verlauf, heute noch gänzlich frei von Reifetönen in Mund (und Nase), mit zwingender und doch immer elegant wirkender Struktur. Im sehr langen Finale fächern die Fruchtaromen vom Apfel weit und nachhaltig auf, dazu gesellen sich erst jetzt salzig-herbe Grapefruitaromen, die für einen Extrakick an Frische sorgen.

Wie schon gesagt: Das trinkt sich bereits jetzt – ausreichend belüftet – mit feinherber Stilistik ganz ausgezeichnet. Einfach animierend lecker. Ich vermute seinen finalen Höhepunkt aber eher in sieben bis zehn Jahren. Genug Substanz für eine solche Lagerzeit ist nach meiner Meinung jedenfalls vorhanden.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 92+ Punkte (ausgezeichnet), 2017-2025


[19. Juli 2016] Der Halenberg R mag auch ein Jahr nach der Notiz von Guido immer noch ein Nischen-Dasein führen, aber mit zunehmenden Alter unterstreicht diese Machart von Rieslingen sein ganze Stärke, ganz besonders zum Essen, aber auch einfach so. Der 2008er-Halenberg R ist ein echter Spitzenriesling, der sich hinter dem gelungenen 2008er-GG aus dem Halenberg nicht verstecken muss. Die Notiz von Guido deckt sich sehr genau mit meinen Eindrücken, nur würde ich ihm heute gar 93+ geben. Seine Salzigkeit, gepaart mit einer hauchzart toastigen und gezuckerten Note, ist beeindruckend, wobei die Frucht stets an Äpfeln und rosa Grapefruit erinnert, sprich der höhere Restzucker wird ständig von einer herb-salzigen Note begleitet, dazu kommt eine anschmiegsame Cremigkeit. Die Güte des vielleicht besten Jahrgangs der letzten Dekade zeigt sich auch hier  – das typische straighte Säuregerüst bringt herrlichen Schwung in den Verlauf, sehr straff, dadruch zeigt sich bei allem Holz und Creme, auch eine steinwürzige Mineralität. Je nach Bestand würde ich den Wein noch weiter lagern – meine letzte Flasche mache ich sicher nicht vor 15-20 Jahre Flaschenreife auf.

93+ Punkte (ausgezeichnet), 2019 – 2035

Juliusspital Silvaner Würzburger Stein Großes Gewächs, 2012

GM1_5241Wie dieser Wein den Weg in meinen Keller fand?  Ich will davon berichten. Mich führte eine Dienstreise nach Würzburg. Nachdem ich entdeckte, dass mein Zug nach getaner Arbeit zurück gen Heimat noch über eine Stunde auf sich warten lassen sollte, entschied ich mich, die Wartezeit ein wenig sinnvoller zu gestalten als nur die Gleise anzustarren – und so fand ich mich nach wenigen Minuten Fußmarsch in der Probierstude des Weinguts wieder und probierte mich durch die verschiedenen Weinlinien des Hauses. Dieser Wein zog schnell mein Interesse auf sich, war er doch ein hoch mineralischer and kraftvoll strukturierter Wein, den ich schnell als gelungenen Essensbegleiter ausmachte und flucks zurück gen Bahnhof schleppte.

Recherchen in den einschlägigen Quellen während der Zugfahrt ergaben, dass die Steillage Stein mit 85 Hektar die größte zusammenhänge Einzellage in Deutschland ist – das war mir bis dahin noch gar nicht bewusst. Riesling und Silvaner werden in dieser Lage im überwiegenden Anteil auf seinen Muschelkalkböden angebaut. Das Weingut Juliusspital bewirtschaftet knapp ein Drittel der Fläche dieser Lage.

Der Wein hat eine hochreif wuchtige und jugendlich gelbfleischige Nase, zudem aber erdige und vegitabile Töne nebst dunkelwürziger steiniger Aromatik, es rollen die Felsbrocken schier durch das Glas.

Spätestens im Mund verlangt der Wein dringend die Speisenbegleitung eines kräftigen Sahnesoßen-Gerichts: dichter und leicht schmelziger Antrunk, dabei noch wohltuend trocken. Der „Stein“ macht auch hier seinem Namen alle Ehre, viel mineralischer Ausdruck, betont würzig-steinige Aromatik, die die dichte fleischig-gelbe Frucht fast überlagert. Extraktreich schiebt der Wein durch den Mundraum, dieser Wein ist wirklich ein Bolide. Leider kommt der Wein mit seinen 14% nicht ganz alkoholarm daher, aber er bleibt so gerade noch in der Spur, da er vornehmlich über seinen Extrakt getragen wird, bis er in einem langen Finish mit fast lakritzigen Tönen erdig ausfächert.

Als Solist wäre mir diese Wucht wohl zu heftig auf Dauer – aber zum kräftigen Essen passt das ausgezeichnet.

Ich sollte öfter auf Dienstreise gehen – jedenfalls, wenn Würzburg deren Ziel ist.

Ab Weingut gekauft, 23 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017+

Adeneuer Spätburgunder Ahrweiler Rosenthal Großes Gewächs, 2007

GM1_5245Wenn ich die Wahl habe, Rotweine des Weinguts Adeneuer zu probieren, greife ich zunehmend nach der Lage „Ahrweiler Rosenthal“. Dies schlägt sich statistisch auch bei den Einkäufen nieder. Zwar mag die Lage Rosenthal weniger Prestige-trächtig sein als das Pendant aus der Gärkammer in Walporzheim, hier sind die Weine aber zumeist – aufgrund des Mikroklimas in der Gärkammer – sensorisch etwas weniger kraftvoll als in der Walporzheimer Kleinstlage, was dem Rosenthal insbesondere in warmen Jahren durchaus zu Gute kommt. Auch der Holzeinsatz erscheint im Rosenthal ein wenig moderater auszufallen, jedenfalls im aromatischen Endergebnis. Welche Lage man nun letztlich höher schätzt – es bleibt eine Entscheidung der persönlichen Präferenz. Exzellent können Beide sein. Rank und schlank sind jedenfalls auch die Großen Gewächse aus dem Rosenthal nicht – was stimmig ist, denn das Weingut Adeneuer ist insgesamt nicht für einen schlanken Rotwein-Stil bekannt – gleiches gilt aber viele Betriebe des Ahr-Tals und soll daher nicht als Makel verstanden werden.

Der Wein kommt mit dunklem Purpurrot und leicht orangen Reflexen ins Glas. Unmittelbar verbreitet sich ein klarer Duft nach eleganter Walderdbeere und eine Spur roter Johannisbeeren im Glas aus. Die Frucht wird umzeichnet von zunehmend vernehmbarer Holzwürze, Spuren von Vollmilchschokolade schmeicheln hingegen in der Nase. Piment und Orangenschale runden den kraftvollen, einen Hauch wärmenden Eindruck ab (auch nicht weiter störend).

Holzwürziger Antrunk mit mittlerer Dichte nach Schokolade, Piment und Rosenpaprika, grüne Kräuter gesellen sich mit Verweildauer im Glas hinzu. Der süßliche Fruchtkern, hier wieder viel Walderdbeere und dunkle Beeren, steht dem Wein gut zu Gesicht. Im harmonischen Verlauf wird dieser Spätburgunder zunehmend mineralischer, wirkt trotz seiner Kraft nicht unbalanciert; seine pointierte Säure arbeitet schön gegen den Fruchtkörper und zieht den Spannungsbogen lang, beide Elemente gehen eine gelungene Verbindung ein. Deutlich mittellanger bis langer Nachhall, in dem die schokoladigen Töne mit Luft immer sahniger und schmeichelnder werden.

Sein noch feinporiges Tannin deutet darauf hin, dass der Wein aktuell noch nicht hastig ausgetrunken werden muss, im Gegenteil, der Weine könnte sich noch mehr zusammenfinden und noch etwas an Gesamtharmonie hinzugewinnen. Trinkspaß bereitet er aber auch schon heute.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

Zenato Azienda Vitivinicola Valpolicella Superiore, 2012

ZenatoValWenn man auf diesem Blog die Einträge nur flüchtig überfliegt, könnte man meinen, dass das „höher, schneller und immer weiter“, die Superlativen, die unsere Gesellschaft ja zunehmend prägen, auch auf hier und bei den verkosteten Weinen schon längst Einzug gehalten hat: Große Gewächse en masse, Champus galore, beim Bordeaux bitte auch lieber die erste als die zweite Reihe. Auf den ersten Blick…

Dieser Beitrag soll deshalb einmal ein bodenständiges Beispiel dafür sein, dass es auch ein bis vier Nummern kleiner gehen kann – deshalb heute ein Valpolicella. „Da war der Bardolino wohl schon aus?!“ mag der Wein-versnobte Leser nun spöttisch denken, der sich vielleicht auch nur zufällig in diese Verkostungsnotiz verirrt hat. Da wäre man geneigt zu entgegnen: „Woher kennst Du, lieber Weinsnob, denn bitte Bardolino?“ Aber, recht hätte er gehabt, Bardolino war in der Tat aus, danke der Nachfrage.

Dieser Valpolicella war es jedenfalls nicht, ein Glück: ein Wein aus 80% Corvina Veronese und je 10 % Rondinella sowie Sangiovese, er begleitete unser Essen bestens und trank sich mit großem Trinkspaß – und das ist es doch, was das Weintrinken einem in aller erster Linie bereiten soll. Eigentlich auch keine ernsthafte Überraschung, genießt das Familienweingut Zenato doch einen sehr guten Ruf. Nicht nur in der Region, auch eupaweit finden sich die Weine im Handel gut vertreten wieder. „L’anima del Lugana e il cuore della Valpolicella“ – so lautet der Wahlspruch des Weinguts. Womit geklärt wäre, wo die 75 ha Rebanlagen des Weinguts zu finden sind, nämlich in der Region rund um den Gardasee, im Nordwesten von Verona.

Satt und klarfruchtig drückt die Schwarzkirsche aus dem Glas entgegen, genauer gesagt eine Mischung aus Kirschkonfit und -gelee, bestens begleitet von einer harmonisch balancierten Holzaromatik, die sich in Vollmich- und Herrenschokolade sanft niederschlägt.

Fruchtiger Antrunk, klar gezeichnete Schwarzkirschfrucht, etwas reife Pflaume, harmonische Fruchtsüße, Nussaromen, die für die Weine aus Valpolicella so typisch sind. Nicht sonderlich tief, aber ungemein schmackhaft. Also, schenk nach! Die präsente Säure – stahlige 5,6 g/Liter – spielt mit der Frucht, das Holz stützt an der richtigen Stelle mit passender Intensität, animierend dank seiner feinen (nussigen) Herbe im Verlauf, auch das vernehmbare Tanin stört hier nicht. Das ist insgesamt nicht allzusehr intellektuell fordernd, aber schlicht und ergreifend geschmackvoll und gelungen. Im Finish fehlt vielleicht etwas Druck und Länge, aber auch ein kürzerer Nachhall kann Freude bereiten, wenn er denn sauber ist. Und dass dem hier so war, zeigt die Nachschau: Die Flasche ist binnen kurzer Zeit geleert – zum Essen, denn genau dazu ist dieser Wein gemacht worden. Italienische Lebensfreude, abgefüllt in Flaschen. Saluti!

Fast etwas schade für Dich, lieber Snob, dass es solch ein reputationsloser Wein bei Dir vielleicht nie ins Glas finden wird, vermutlich, weil Du Dich allein wegen der renommierten Etiketten lieber mit Amarone herumquälst. Aber, da Du es ja bis ans Ende dieser Nachricht durchgehalten hast, darf ich Dir sagen: Hab keine Sorge! Demnächst gibt es auf dieser Seite bestimmt auch wieder Highend-Getränke.

Aus dem Fachhandel, 7,50 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2016

Weingut Georg Mosbacher Riesling Forster Ungeheuer GG, 2005

GM1_5219Die Großen Gewächse des Weinguts Georg Mosbacher stehen allgemein in dem Ruf, gut reifen zu können. Aus eigener Erfahrung kann ich dies für die jüngeren Jahre der 2000’er Dekade voll unterstreichen, insbesondere 2002 und 2004 waren Langläufer und überdauerten ein Jahrzehnt Reife mühelos. Und auch dieses Exemplar zeigt heute keinerlei Altersmüdigkeit, was für das warme Jahr 2005 so nun nicht unbedingt zu erwarten gewesen ist.

Eine etwas angereifte Duftwolke nach reifer Limette und süßer Ananas begrüßen mich, als ich meine Nase ins Glas versenke. Diese schöne und keineswegs breit wirkende Aromatik wird begleitet von leisen Reifetönen und einer sanften, vegetabilen Würze – und einmal mehr: Es sind gehackte Nüsse, die diese Forster Lage sofort entlarven.

Der Wein steht im zehnten Jahr seiner Reife perfekt und im Sonntagsanzug vor mir: saftiger Antrunk, wieder etwas Ananas und Limettenfrucht, mit mittlerem Körper geht es auf einen stimmigen Verlauf zu. Grapefruit sorgt zusätzlich für animierende Herbheit, von steinigem Fundament untermalt.

Knackige Säure und wohldimensionierte Süße spielen mit hohem Zug, dass es einem die Mundwinkel nach oben zieht. Für ein Pfälzer Gewächs aus einem richtig reifen Jahr fast schon spielerisch breitet sich der Wein im Mund ohne jede Breite aus (was für ein Wortspiel) und rauscht saftig und voll mit klarer Frucht ohne einen Hauch Schwülstigkeit über die Papillen. Dieses Ungeheuer endet steinig in einem schon langem Finish mit markant salzig-lakritzigen Noten. Hier erst wieder zeigt er seine altersbedingte sekundäre Reifearomatik, die aber bestens integriert ist und keinesfalls stört – ganz im Gegenteil, denn sie setzt eine weitere Schicht Komplexität auf den saftigen Fruchtkörper. Zehn Jahre alt, aber noch kein bisschen müde, auch nach zwei Tagen in der geöffneten Flasche keine Anzeichen jedweder Schwäche. Stattdessen jede Menge Trinkfluss.

Ab Hof gekauft, damals 20 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

Domaine de Beaurenard Cuveé „Boisrenard“, 2004

2004 DdBBDieser Chateauneuf du Pape, die Spitzencuvée der Domaine, entstammt aus 70 bis 100 Jahre alten Reben, er wurde ohne Fitration und Schönung für 18 Monate ins Holz gegeben. Das Resultat ist ein sehr gut gelungener Chateauneuf mit hoher Gebietstypitzität, aber ohne rosinige Überreife…

In der Nase ein dicht gepacktes Kräuterbündel, Zigarrenkiste, dunkle Früchte, ummantelt mit Herrenschokolade, mit viel Luft etwas Pumpernickel. Trotz 14,5 % Alkohol kein nennenswerter nasaler Alkohol.

Struktiert und kräftig im Antrunk, viel Schokoladenschmelz, rote und schwaren Beeren (Johannisbeere, Brombeere), die Kräuter etwas weniger pronounziert als in der Nase, reife Extraktsüße, aber kein rosiniger Rumtopf. Verhaltene, erste Reifearomen nach Waldboden. Die frische Säure balanciert den Wein, schön gefällt mir auch der mineralische Kern dieses Weines.

Frisch aus der Flasche ist das Tannin noch (zu) kräftig, braucht jedenfalls aber Essensbegleitung – der Rest der Flasche gefiel mir drei Tage später weitaus besser, denn das Tannine rundete sich mit weiterr Belüftun vernehmbar. Trotz dieser Entwicklung an der Luft ist der Wein als voll trinkreif zu bezeichnen – wer ihn in 2015 trinken möchte, sollte die Flasche 12 Stunden vorher doppelt dekantieren. Oder einen guten Rest für den Folgeabend reservieren. Nachfolgende Bewertung  ist vom ersten Abend.

Aus dem Fachhandel, ca. 40 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Weihnachts-Tasting 2014

Weihnachtstasting 2014 - Titel (100 von 1)Am „dritten Weihnachtstag“ 2014 versammelten sich einige Weinfreunde um Rainers großen Esstisch, um das diesjährige Fest noch ein wenig zu verlängern. Wie stets bei diesem „Nachweihnachts-Tasting“ war es die Vorgabe, möglichst schöne Weine aus den Kellern zu bergen und den anderen Teilnehmern – natürlich blind serviert – auf den Tisch zu stellen. Die Teilnehmer gaben sich ersichtlich Mühe, die anderen Weinfreunde zu „beschenken“…(Weiterlesen)

Peter Jakob Kühn Riesling Doosberg 3 Trauben, 2005

2005-PJKD3TrDunkles goldgelb. Dieser Doosberg hat eine schier ausladende Nase, sie bietet in gewissem Maß eine Reizüberflutung: einerseits florale Blütentöne, dann aber grüner Tee, wechselnd zu Trockenkräutern, sich verändernd  in Richtung Mokka, um dann zu mürbem gelben Apfel zu changieren – und zu guter Letzt gesellt sich dann noch ein feiner Malz-/Honigton hinzu. Über diese vielfältigen Eindrücke unterschiedlichster Couleur legt sich ein allumspannendes Netz von flintigem Schießpulverduft, so, wie man es von den Kühn-Weinen in der Dreitrauben-Selektion kennt. Das braucht Ruhe und Geduld auf Konsumentenseite – aber es wird belohnt: was füe eine wunderbare Nase.

Barocker Auftakt im Mund, der Wein ist hochkonzentriert – aber er wird nicht undefiniert süß. Natürlich hat dieser Wein jede Menge Fruchtextrakt zu bieten, aber süßlich erscheint er beileibe nicht. Es macht vielmehr den Eindruck, dass dieser Wein sich nicht entscheiden kann – Rubens-hafte Fruchtstruktur und Dichte auf der einen Seite, mineralische Askese auf der anderen Seite. Die Wahrheit bzw. konkreter: die Eindrücke im Mund, sie liegen zwischen diesen Polen, und der Wein nimmt beide Extreme jeweils bis zum Anschlag mit.

Im weiteren Verlauf zeigt sich somit reife Apfelfrüchte, der Wein verweilt aber nur kurz bei seiner Fruchtigkeit, weil er sich schnell auf die mineralische Seite schlägt. Dunkles Gesteinsmehl in gesättigter Lösung, fast schon ins Herbe gehend, dazu wieder Noten von schärfebefreitem Wasabi und grünem Tee, aus dem Nichts dann mit Verweildauer im Glas wird der Apfel ersetzt durch eine reife gelbe Steinfrucht, diese mariniert in einer Kräuteressenz. Durchgehend: eine steinige Herbe, die dem Wein nur bedingt Charme verleihen kann – es vermutlich aber auch gar nicht soll.

Der Doosberg hat eine sehr ruhige, getragene Säure – auch sie ist es, die dem Wein einen tiefenentspannten Charakter verleiht, der eher an ein Moll-Musikstück denken lässt. Sehr nachhaltig bis ins mittellange, allein von mineralischen Aromen geprägte Finish. Seine 13,5 % Alkohol verstaut er mühelos in einer Felsspalte.

Der Wein dürfte sich auf dem Höhepunkt befinden und hier noch für zwei bis drei, vielleicht auch mehr Jahre verbleiben. Reifetöne hat der Wein zwar noch keine, ich möchte aber die Fruchtnoten, die mit weiterer Reife vermutlich weniger vernehmbar werden, hier nicht missen – deshalb ein eher konservatives Trinkfenster (nach meinem Geschmack).

Was bleibt? Dieser Wein ist ein Charakterkopf für eine ruhige Stunde, der dem Trinker die volle Aufmerksamkeit abverlangt – ganz weit weg von „easy drinking“ & gedankenlosem Trinkspaß. Mir persönlich gefällt er etwas beausser, wenn er unter 10 Grad Trinktemperatur bleibt. Ist schließlich gut für die Figur, wenn man sich öfter zum Kühlschrank hin bewegt: und das ist wirklich ganz sicher – hier läuft man, wenn auch nicht an jeden Tag!

Nachtrag: der Wein hat binnen weiterer 24 Stunden in der geöffneten Flasche nochmal hinzugewonnen und zeigt nun noch mehr fokussierte Struktur. Von daher ist eine Aufwertung von 92 auf 93 Punkte absolut gerechtfertigt. Ausreichendes Belüften lohnt hier also.

Chapeau, Herr Kühn!

Aus dem Fachhandel, 26 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

Laherte Frères Champagner Les Empreintes Brut Nature, n.v.

NV-CLFLEHelle, goldgelbe Farbe. Ein Brut nature aus 40 % Chardonnay, 40 % Pinot noir und 20 % Petit Meunier, mit einer betont apfelig und leicht wallnussigen Nase. Feine, aber kräftige Perlage. Im Mund ein ganzer Korb voller reifer, süßer Äpfel, auch Zitrusspuren, betont trocken und säurefrisch. Schmelz sucht man in diesem Champagner (natürlich) vergebens, er fehlt hier auch nicht, denn seine wunderbar kreidige Mineralik wollte hierzu auch nicht passen. Die Säure rauscht schier über den Gaumen und gibt einen Extrakick, hier finden Champagnertrinker, die einen puristischen Schäumer suchen, sehr viel Spass.

Leider fehlt im Verlauf ein wenig Tiefe für mehr, aber schon das, was dieser Champagner zeigt, weiß zu überzeugen und rechtfertigt (wenn auch knapp) das Prädikat „ausgezeichnet“. Im durchaus langen Finale wieder Apfelaromen und etwas Marzipan. Sehr erfrischend, unprätentiös und herrlich klar.

Aus dem Fachhandel, ca. 35 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet),  jetzt bis 2015

Hospices de Beaune: Domaine Seguin-Manuel Pinot Noir Volnay Premier Cru „Cuvée General Muteau“, 1995

1995-HdBSMVIch hatte durchaus leichte Bedenken hinsichtlich des Zustandes dieses Weines, während ich den vollständig durchtränkten Korken mit viel Mühe aus der Flasche herausarbeiten musste – aber einmal mehr bewahrheitete sich, zum Glück, dass der Zustand des Korkens allein kein Indiz für den Zustand des Weines in der Flasche selbst ist (der Flasche hatte auch einen sehr guten Füllstand).

Dieser Wein, eine Cuvée aus fünf Premier Cru Lagen in Volnay (Le Village, Carelles sous Chapelle, Les Fremiets, Taille Pieds, Les Caillerets Dessus), dessen Namenspatron ein Kriegsheld aus dem ersten Weltkrieg ist,  zeigt sich mit braun-rostroter Farbe, einem leichten Wasserrand und einer ansprechenden und durchaus schon vielfältigen würzig-schokoladigen Nase, die sehr angenehm begleitet wird von süßlicher, dunkler Kirschfrucht, weitern dunklen Früchten und tertiären Waldbodenaromen (Champignons), zudem zeigt sich hier eine balsamischen Aromen-Mischung aus Teer, Soya-Soße, Speck und schwarzem Tee.Der Wein verändert sich an der Luft stetig, auch Orangeschalenzesten finden sich nach einiger Zeit; das ist wirklich schön, hier wiederholt auf Entdeckungsreise gehen zu können.

Im Mund etwas weniger weit fortgeschritten, was den Reifezustand im Vergleich zur Nase betrifft – leider aber nicht ganz so vielfältig: klarer und kräutriger Schwarzkirschantrunk, auch Brombeere, Speck und eine feine Minzigkeit, dazu eine stimmig begleitende dunkle Schoko-Holz-Würze, die für einen etwas herberen Gegenpart zur Frucht sorgt; die Frucht öffnet sich im Mund und dem weiteren Verlauf, sie wird von einer stimmigen Extraktsüße nur begleitet, dann aber von der durchgehend mitschwingenden Holzwürze eingefangen und aromatisch verdrängt.Mittlere Dichte im Mund, der Wein hat einen trinkanimierenden und beweglichen Körper. Die frische Säure verpasst dem Wein eine gute Führung und sorgt für eine speichelanregende Pikanz. Hierdurch hat der Wein auch wieder etwas Balsamisches.

Dieser Burgunder zeigt einen insgesamt harmonischen Verlauf, wenngleich seinen Anlagen – im Mund jedenfalls – einen ganz leichten Hang zur Rustikalität haben, die aromatisch der Holzwürze und der Säure geschuldet sind. Klasse hat dieser Wein, ohne Frage, auch regionale Typizität. Erst im deutlich mittellangen Nachhall zeigen sich die aus der Nase bereits bekannten Tertiäraromen stärker – ohne insoweit zu stören.In seiner Jugend mag dies ein eher Holz-betonter Wein gewesen sein, nach knapp 20 Jahren Reife ist das Tannin aber schon sehr weit abgeschliffen, es bleibt mit dem Nachall nur ein leicht trocknender Film zurück, der das Trinkvergnügen nicht (mehr) sonderlich beeinträchtigt. Macht sich besonders gut als Essensbegleiter zu Fleischgerichten.

Am ersten Abend eine Stunde karaffiert, dann über zwei Abende mit gleichbleibender Güte getrunken. Der Wein ist heute voll trinkreif – er wird sich auf diesem Niveau sicher noch zwei, drei  oder vielleicht auch fünf Jahre halten. Aber wozu warten?

Aus der Versteigerung, um  25  EUR, 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken