Weingut Emrich-Schönleber Riesling Auf der Lay (A.de.L.) Großes Gewächs Versteigerung, 2009

Vor kurzem hatte ich den Jahrgang 2011 von diesem Wein vorgestellt. Jetzt will es der Zufall… Äh, von wegen Zufall, ich habe den Wein selbst als Begrüßungsschluck für eine hochwertige Bordeaux-Probe (wir werden berichten) ausgewählt und genehmige mir nun am Vorabend einen ersten Schluck aus der Magnum. Und davon will ich kurz berichten:

Duftet nach dem Aufziehen eher wie in großer Burgunder – kaum Frucht, dafür Struktur und Festigkeit ohne Ende, harter Kalkstein, kühl, phenolische Noten, etwas Kräuter und Gewürze, weißer Rauch, mit der Zeit Abrieb von der gelben Grapefruit. Am Gaumen fest, knochentrocken, die Mineralität beißt sofort in den Gaumen und zieht über den Gaumen, dass mir die Ohren schlackern. Meine Güte, was für ein Riesling, auch hier phenolische Noten, Gerbstoffe rauen den Gaumen auf, noch ein wenig unwirsch, felsenfester, mineralischer Kern. Im mittleren Bereich zeigt sich etwas Frucht, erinnert erneut an Grapefruit und jugendliche Steinfrüchte, noch ein Baby, die Säure straff, dazu die salzige Mineralität, der Wein regt beim Trinken den Speichelfluss an, fächert im Glas immer weiter auf und zeigt im sehr langen Nachhall sein ganzes Potential, ungemein komplex, straff und trotzdem kein lauter Riesling. Genügt, für meinem Dafürhalten, höchsten Ansprüchen und würde keinem Montrachet Schande bereiten. Ganz großes Rieslingkino, das schon jetzt ein Hochgenuss ist, aber vermutlich erst in zehn Jahren seinen Höhepunkt erreichen wird.

Von der Versteigerung, 145 Euro (Magnum), 96-97+/100 (groß), jetzt bis 2030

Kilburg Riesling Kabinett Wintricher Ohligsberg, 2014

Kilburg Riesling Kabinett Ohligsberg 2014

Ist ja irgendwie überhaupt nicht komisch, besonders dann Lust auf einen jungen Riesling Kabinett zu bekommen, wenn man am Meer ist. Das passt gut zusammen, die salzige Luft, das ruppige Wetter und dann ein versöhnlicher, charmanter, leichter, frischer, gerne mal knackiger Wein mit Restsüße. Diesen Wein kannte ich bisher noch nicht. Er war eine Empfehlung von Frau Porn im Rieslinghaus Bernkastel. Bei Betrachtung der sonstigen Flaschen in meinem Einkaufskorb schenkte sie mir damals einen vielsagenden Blick und stellte fest: »Sie haben ja eher einen ungewöhnlichen Geschmack. Dann nehmen Sie mal den hier noch mit. Ist auch von so einem jungen Wilden.« Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, was das nun heißen sollte. Nachdem auch im Internet so rein gar nichts über den Wein herauszufinden war, schrieb ich eine Mail an das Weingut Geierslay, das kleingedruckt auf dem Rückenetikett zu finden ist. Antwort kam von Max Kilburg, dem jüngsten Sohn der Winzerfamilie – nicht aus Wintrich, sondern aus Australien, wo er sich zu der Zeit mit dem Riesling auf der Südhalbkugel beschäftigte. Max verriet, dass es sich bei dem Kabinett um den ersten Wein handelt, den er selbstständig, ohne Mithilfe seines Vaters, ausgebaut hat. Auch das schöne Etikett hat er selbst gestaltet. Verkauft wird die Edition bisher nur bei Frau Porn in ihrem legendären Rieslinghaus.

Eine kühle steinige und zarte zitronige, sogar ins zartreif Mandarinige übergehende Nase, leichte Würze, weiter hinten auch weißer Pfirsich, schön dezent und raffiniert. Auch im Antrunk bleibt der Wein präzise und interessant. Die Säure ist keinesfalls weich, wenn auch nicht resch, mehr filigran, leicht pikant, nachhaltig. Die Aromen sind angenehm leise, ein Spritzer Zitrone, ein paar Tropfen Mandarine, weißer Pfirsich, jetzt auch weiße Blüten, sehr saubere Frucht. Und dann kommt er doch noch durch, der Schiefer, aber eben nicht als Wolke, sondern als Prise, und sorgt für Würze. Hinten hat der Wein eine feine Salzigkeit. Das alles verpackt den Restzucker recht gut. Ein interessanter, blitzsauberer, kühl und komplex ausgebauter, nicht so leicht greifbarer Kabinett, mit dem man sich beschäftigen möchte. Ein bisschen weniger Restzucker oder ein, zwei Gramm mehr Säure würden ihn vielleicht noch besser abrunden bzw. noch »wilder« machen. Aber dieser Riesling ist auf einem sehr guten Weg. Er sorgt für tollen Trinkfluss, hat Eleganz, bietet Auseinandersetzung. So möchte man Kabinett trinken, eben nicht nur schluck-, sondern glasweise. Glückwunsch, Max Kilburg! Das ist hervorragend gelungen. In der Edition soll noch einiges kommen, zukünftig sogar aus einer ersten eigens vom Winzersohn dafür erworbenen Parzelle im Ohligsberg. Das lässt an Julian Haart denken, den anderen »jungen Wilden«, mit dessen Kabinett aus derselben Lage mich Frau Porn in ihrem Laden erwischte. Und so tut es auch die Qualität des Weins. Ich bin gespannt und freue mich auf mehr Rieslinge von Max Kilburg.

Rieslinghaus Bernkastel, um die 10 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt oder in den nächsten drei Jahren trinken

Ein erster Eindruck vom Riesling-Jahrgang 2015 (VDP-Weinbörse in Mainz)

DSC07670

Wie in den letzten Jahren ertönte für uns der Startschuss des Jahrgangs 2015 erneut auf der VDP-Weinbörse in Mainz. Und da 183 Winzer und über 1.500 Weine ungeheuer viel sind und wir diesmal nur mit dem Ein-Mann-Team Thorsten unterwegs waren, konzentrierten wir uns wieder auf den Riesling. Kurzab, wir waren begeistert, denn 2015 löst seine Versprechen wirklich ein mit extraktreichen Weinen, nicht zu hohen Öchslegraden und vor allem viel reifer, knackiger, pikanter Säure. Von daher gibt es fast nur good news in unserem Bericht, aber auch wieder Weine, die noch besser sind als andere. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2011 nach fast vier Jahren Flaschenreife – Wachau, Nahe und Pfalz

Feature-GG11-2

Hier kommt der zweite Teil unserer Riesling-Verkostung des Jahrgangs 2011. Neben 18 deutschen Großen Gewächsen kamen zuerst drei Smaragde aus der Wachau an die Reihe. Es folgten die großen Drei von der Nahe, die uns noch mehr begeistern konnten als erwartet. Die Pfalz aber überraschte uns stark. Zum einen zeigten die Weine, wie gut sie eben doch mit einem wärmeren Jahrgang umgehen können. Zum anderen wurde offenbar, wie sich der dortige Trend zum Holz auf die Weine auswirkt. Einer von ihnen konnte der gesamten Probe die Krone aufsetzen. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2011 nach fast vier Jahren Flaschenreife – Rheingau und Rheinhessen

Feature-gg11

Nach dreieinhalb Jahren Flaschenreife hielten wir es für an der Zeit nachzuschauen, wie es um die großen Riesling-Gewächse aus dem Jahrgang 2011 steht. Den Anfang machten wir mit 20 Rieslingen aus Rheingau und Rheinhessen, und wir waren erstaunt, wie früh der Jahrgang schon zugänglich ist. Bei all ihrer Festigkeit öffnen sich sogar schon einige der Langstreckenläufer, ohne dass damit ihre Lebenszeit in der Zukunft begrenzt sein dürfte. Und einer unserer sonst üblichen Favoriten stellte uns vor ein Rätsel, das wir vorerst nicht gelöst bekamen. Wo die Weine stehen, könnt Ihr hier weiterlesen →.

Kraftakt Pinot Noir VII — Frankreich gegen den Rest der Welt

Feature

Beginne das Jahr nicht mit kleinen Weinen. So halten wir es seit sechs Jahren mit unserem Kraftakt Pinot Noir und schickten 16 gereifte Spätburgunder ins Rennen. Dabei hatten wir diesmal so viele Franzosen und auch so viel Qualität wie noch nie am Start. Und trotzdem gab es endlich mal einen deutschen Sieger – einen wunderbar gereiften, superseidigen, auf ganz hohem Niveau charmanten Spätburgunder aus Heidelberg, den wir allesamt ins Burgund gesteckt hatten. Weiterlesen →

Weingut Emrich-Schönleber Riesling Auf der Lay (A.de.L.) Großes Gewächs Versteigerung, 2011

Emrich-Schönleber A.de.L, 2011 (1 von 1)Spätestens nach vier Jahren Flaschenreife treffen wir uns von Weintasting.de zum ersten Mal einen Jahrgang in der Breite erneut zu verkosten. In den nächsten zwei Wochen werden wir ca. 40 GGs des Jahrganges 2011 in Ruhe probieren und sind gespannt auf den aktuellen Zustand. Als Probenleiter will ich mich natürlich adequat vorbereiten 🙂 und dies tue ich mit dem A.de.L. von Schönleber.

Im Bukett finde ich einen hochfeinen Rieslingduft wieder, eher verhalten als laut – gut so. Der erste Eindruck erinnert mich an eine schöne Harmonie aus steinwürziger Mineralität und cremiger Grapefruit, dazu diverse Kräuter im Hintergrund. Leise, gewogen, harmonisch fällt mir dazu ein – klar wie ein Gebirgsbach, natürlich null Reifearomen und Botrytis. Am Gaumen mit festem Kern und Dichte, herrlich trockene Stilistik, bereits der fehlende Restzucker verleiht dem Riesling viel Frische, besonders in einem derart warmen Jahr wie 2011. Es beginnt im Auftakt mit der Halenberg üblichen herben Fruchtkomponente, ganz viel kandierte Grapefruit, dazu reife Stein- und Kernfrüchte und wilde, etwas gezähmt wirkende Kräuterwürze, direkt nach dem Auftakt greift eine steinwürzige Mineralität ins Geschehen ein, feine Cremigkeit im Verlauf, was mich für einen derart trockenen Riesling erstaunt, aber es passt sehr gut und sorgt für viel Trinkfluss, bei der Säure erkennt man den Jahrgang, sie zeigt ein schönes Spiel, wirkt aber mild und hält sich eher im Hintergrund, auch dies sorgt eben für den aktuellen Trinkfluss, der Auf der Lay läuft bereits heute sehr harmonisch, bei aller Jugendlichkeit, über den Gaumen und weiß sehr zu gefallen, was ihm fehlt ist die Straffheit und die Konsequenz z.B. des Jahrganges 2008. So fehlt ihm der mineralische, steinwürzige Kick im Nachhall. Das mag man kritisieren, bleibt aber auch Geschmacksache, da der 2011er dafür einen zart cremigen Schmelz aufzeigt, der sicherlich auch zu gefallen weiß. Sehr langer und facettenreicher Nachhall. In der Summe ein ausgezeichneter Riesling, der vermutlich zur Spitze des Jahrgangs zu zählen ist und noch Potenial zur Verbesserung zeigt. (92+)

[02. März 2016]

Der A.de.L wird von Tag zu Tag besser. Jetzt am vierten Tag nach dem ich den Korken aus der Flasche gezogen habe, tritt seine mineralische Kraft immer stärker hervor. Mittlerweile richtig Zug am Gaumen, mundwässender Verlauf, sehr langer und packender Nachhall, da flacht nix mehr ab. Bin jetzt schon bei 93-94+, mal sehen was noch kommt…wer hat unbedingt 1-2 Tage vorab den Korken ziehen. Nicht zu kalt genießen.

VDP-Versteigerung, 160 Euro für die Magnum, 93-94+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2031

Weingut Georg Breuer – Nonnenberg und Berg Schlossberg Jahrgänge 1999 bis 2014 aus der Magnum

D7012_RKW0424-2400Am 25. Januar 2016 lud Christoph Dirksen und Andreas Lelke zu dieser verheißungsvollen Probe ein. In der Moderation der Probe wurden sie von Theresa Breuer unterstützt. Ihr und ihrem Vater haben wir es zu verdanken, dass die Phalanx an Rieslingen in der Welt gelandet sind und wir so an diesem Abend das Vergnügen hatten sie zu erleben. Alle Magnums kamen aus dem Privatkeller von Christoph Dirksen, ergänzt von Frau Breuer um die noch nicht abgefüllten 2014er in Normalflaschen. Andreas Lelke stellt für diese Verkostung seinen beeindruckenden Proberaum im Bungertshof (www.bungertshof.de) zur Verfügung und servierte spät am Abend noch einen 1982er-Berg Schlossberg Kabinett natürlich von Georg Breuer aus seinen gefühlt unendlichen Tiefen seines Kellers.

Seit ca. 10 Jahren sammele ich die Lagen-Rieslinge von Breuer mit Leidenschaft und aus Überzeugung. Nicht nur Nonnenberg und Berg Schlossberg, sondern auch Rottland und Roseneck, jedoch sind die beiden Erstgenannten meine persönlichen Lieblingsweine des Gutes. Nie werde ich meine Gänsehaut vergessen, als ich den 2005er-Nonnenberg kurz nach seiner Abfüllung probierte. Damit fing für mich alles an.

Weiterlesen →

Spätburgunder vom Weingut Schön aus Rüdesheim

Weingut Schön 3x Spätburgunder (1 von 1)Der nur 4 ha große Familienbetrieb hat sich in den letzten Jahren auf die Erzeugung von Spätburgunder aus den Rüdesheimer Steillagen konzentriert. Diese Spätburgunder liefen mir letztes Jahr zufällig über den Weg und liesen mich aufhorchen. Nun bestellte ich einfach drei aktuelle Weine, die ich hier kurz vorstellen möchte:

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheim Drachenstein, 2011
Kühles, mineralisch geprägte Bukett mit sauberer Pinot-Frucht, ist mit seiner reifen pflaumigen Frucht durchaus als deutscher Spätburgunder zu erkennen, zeigt sich aber ohne Überreife und klar. Am Gaumen mit guter Dichte, klar-fruchtiger Auftakt mit schöner steinwürzig mineralischer Note, dunkle Waldfrüchte und Pflaumen, läuft angenehm fokusiert über den Gaumen, ohne nervigen Holzeinfluß, die Säure zeigt Spiel und bringt die notwendige Frische in den Wein, hält sich aber ansonsten angenehm zurück, die Tannine sind reif, aufgrund der Jugend des Weines sind sie noch nicht ganz integriert, aber dies sollte in 2-3 Jahren der Fall sein, über den gesamten Verlauf durchaus harmonisch zu nennen, nicht sehr tief, ohne Hitze trotz 14 % vol, passabler Nachhall mit bitteren Noten.
Vom Weingut, 16,80 Euro, 84+ Punkte (gut), 2016 bis 2021

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2011
Vielschichtiger, noch unentwickelter Duft nach leicht dropsigen roten und schwarzen Waldbeeren, diverse getrocknete Kräuter, Nadelhölzer, Gräser, interessant, recht wuchtiger Eindruck. Am Gaumen deutlich kraftvoller als der Drachenstein, im Antrunk fällt sofort die Extraktsüße auf, intensiv-saftige rote Beeren im Auftakt, die Alkohol leicht wärmend, liegt aber noch gut im Rahmen, über den gesamten Verlauf zeigt der Wein eine hohe Fruchtkonzentration, die etwas zu weich geratene Süße zieht sich nur mühsam bis in den Nachhall hinein, mit stein-würziger Mineralität unterpuffert, vermutlich hat der Wein kein Neuholz gesehen, ob seiner Jugend noch nicht ganz harmonisch, gewisse Spannung, langer Nachhall, ein gelungener Spätburgunder, der sich noch ein Jahr beruhigen muss.
Vom Weingut, 17,00 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), 2017 bis 2025

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2012
Deutlich feinsinniger, aber noch recht unentwickelt kommt der 2012er-Schlossberg daher. In der Nase zeigt klare Anklänge von roter Johannisbeere, getrocknete Gewürze, Nadelhölzer, Schiefernoten, insgesamt nuaciert und kühl. Am Gaumen von hinreichender Dichte, herrlich gewogener Auftakt mit schönem Früchtespiel, wirkt sehr frisch, klar und ohne Breite und Überreife, deutlich mineralischer als der 2011er, die Säure steht höher und sorgt für einen straffen Verlauf, festes mineralischen Fundament, zieht sich hinten noch leicht zu, die Tannine sehr fein, langer, nuancierter Nachhall. Gelungen.
Vom Weingut, 17,80 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), 2016 – 2027

Besonders die Weine aus dem Schlossberg haben mir sehr gut gefallen. Welches Jahr man bevorzugt ist schlußendlich Geschmacksache. Wer eigentlich die burgundischen Vertreter bevorzugt, dem empfehle ich den 2012er. Zwar hat man auch hier ein aromatisch typisch deutschen Vertreter im Glas, jedoch mit klarer Frucht, ohne Holzeinfluß und übermäßiger Konzentration. Für diese Steillagen sind die Weine als günstig zu bezeichnen. An der Ausstattung könnte noch gearbeitet werden.

 

Weingut Seeger Blauer Spätburgunder trocken »R« Heidelberger Herrenberg, 2011

DSC00155

Ganz im Norden des Südens liegt eines dieser kleinen Weinbaugebiete, das irgendwie nur Insider auf dem Schirm haben. Die Badische Bergstraße ist wunderschön am Westhang des Odenwalds gelegen, man kann in die Pfalz und nach Hessen hinübergrüßen. Das Bild bestimmen hier Genossenschaften und Nebenerwerbswinzer, große Namen kennt man hier nicht, bis auf einen: das Weingut Seeger, dessen sämtliche Rebflächen im Leimener und Heidelberger Herrenberg liegen. Als erster und alleiniger Winzer von der Bergstraße ist Thomas Seeger seit 2010 Mitglied im VDP und hat den Herrenberg damit in den Kreis der Ersten Lagen gehoben. Herausragende Weine macht er aber schon seit fast dreißig Jahren. Thomas Seeger setzt nicht auf Wachstum, sondern auf eine tiefe Verbundenheit und liebevolle Pflege seiner Lagen. So ist das Weingut in seiner immerhin dreihundertjährigen Geschichte auf nicht mehr als gerade mal zehn Hektar angewachsen. Die Sündenfälle der siebziger und achtziger Jahre ließ man hier aus. Schon seit vielen Generationen werden die Rebflächen – man nennt es ja noch gar nicht lange so – ökologisch bewirtschaftet und schonend ausgebaut.

Die Paradeweine sind die Spätburgunder vom Muschelkalk. Mit ihnen hat Thomas Seeger schon seit Jahren einen festen Platz in der ersten Reihe der deutschen Burgunder-Winzer. Probiert man den Wein, wird eines klar: Auch wenn der Winzer die Weine trockener, dichter und burgundischer gemacht hat, der Weinstil ist traditionell geblieben. Im Glas schwenkt unverkennbar hochwertiger deutscher Spätburgunder, in seiner ernsthaften, schönen Form, mit Extrakt, Kraft, Würze, Samt und Rauch. Die Weine sind, wie sie sind, mit Mineralität und Tiefe. Sie biedern sich nicht an, sie explodieren nicht gefällig im Mund, sie fordern, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt. Dabei sollte man die Flasche einige Jahre liegen lassen. Das gilt zumindest für die hochwertigen Reserven. Der »R« und »RR«, die aus den Parzellen Spermen bzw. Oberklamm stammen und seit Kurzem jetzt auch beide das Prädikat Großes Gewächs tragen, reifen um die 20 Monate in neuen französischen Barriques. Ebenso der »RRR«, den es nur in ausgewählten Jahrgängen gibt und der dann schon jenseits von hundert Euro kostet.

Also, gut Ding will Weile haben. Um diese These zu bestätigen, ziehe ich den »R« aus der Parzelle Spermen jetzt schon auf. Wie sich die gereiften Spätburgunder von Thomas Seeger präsentieren, wird aber auch bald hier nachzulesen sein. Jetzt geht es erstmal diesem jungen Großen Gewächs an den Kragen, auch wenn das im Jahr 2011 so noch nicht auf dem Etikett stand.

Der 2011 »R« ist rubinrot, hat dunkelblaue Reflexe, tiefe Farbe, jung schwenkt der Wein im Glas. In der Nase dunkler Rauch vom Barrique, ein tiefer Zug schwarzer Beeren, viel Bleistift, dazu eine holzsüße Note von Milchschokolade. Was gefällt ist die tiefe, saubere Beerenfrucht, die ganz ordentlich von Graphit- und Holztönen umwölkt wird. Eine leicht herzhafte Note, ordentlich Röstigkeit, ein Hauch von Weihnachtswürze verrät ihn als deutschen Spätburgunder. Im Mund strömt die junge, bisweilen noch herbe Rauchigkeit aus dem Wein, die Unruhe der Gerbstoffe. Dahinter gelangt man an das trockene schwarze, auch etwas rote Beerenkonfit. Herbe Aromen beherrschen den Wein weiterhin, Walnuss, Kräuter, Graphit, Gerbstoffe, auch ansatzweise Leder. Dem stehen eine saftige Säure, dichtes Extrakt und ein wahrlich sehr schöner Schmelz gegenüber. Der Wein wirkt konzentriert, bleibt aber im ganzen Verlauf konsequent trocken, auch hält er gut die Spur. Der Aromakern ist noch fest, kompakt jugendlich mit Potenzial für Reife. Auch im schon ansatzweise langen Abgang ist der Wein herb, kräuterwürzig und mineralisch, erneut Noten von kaltem Rauch. Ein maskuliner Stil, keine Süße, nuancierte Primärfrucht. Dieser Wein meint es ernst. Wenn er sich in vielleicht fünf, sechs Jahren entspannen wird, sich die Rauchigkeit legt, die Herbheit des Tannins etwas zurückgeht und die Gerbstoffe abschleifen, wird das mit Sicherheit ziemlich schön. Denn betörend und komplex wirkt die Frucht jetzt schon. Wenn ihr die ganze Bühne gehören wird, wird hier Ausgezeichnetes in der Flasche schlummern.

Vom Weingut, etwas über 30 Euro, 89+ Punkte (sehr gut), frühestens 2018 aufziehen

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

DSC00181

»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Weingut Georg Breuer Rauenthal Nonnenberg Erstes Gewächs, 1998

Breuer Nonnenberg, 1998 (1 von 1)Wie lange muss großer trockener Riesling reifen, bis er sein ganzes Potenzial entfaltet hat und er so zu einem besonderen Genuss wird? Ich habe darauf keine Antwort, und vermutlich gibt es eine solche auch überhaupt nicht. Aber die Flasche dieses 98er Nonnenbergs präsentierte sich über die Feiertage derart sensationell, dass es für ihn nur eine Antwort gibt: genau bis Weihnachten 2015, genau diese ca. 17 Jahre hat er benötigt, um sein Extrakt, seine Süße und seine Aromen so zu harmonisieren, dass er sich mir die Feiertag über als stets großer, gereifter Riesling präsentieren konnte.

Bereits die helle, blassgelbe Farbe mit den strahlenden Reflexen überrascht. Nach 10 Minuten in der Karaffe präsentiert sich der Riesling aus Rauenthal glockenklar ohne jede Anzeichen von Reifenoten, weder eine Petrolonote noch einen anderen Reifeton nehme ich wahr. Präsente und komplexe Blume von getrockneten Zitrusfrüchten, braunen Tabakblättern und jugendlichen Pfirsichen. Dazu ein Hauch weißer Pfeffer und Safran, der übergeht in röstige Noten, feine Holzkohle, Basaltstein, insgesamt ein mineralisch-würziger Hintergrund, die klare Rieslingfrucht steht jedoch im Vordergrund, mit der Zeit zeigen sich sogar noch rote Beeren. Insgesamt hochfein und glockenklar – ein Musterbeispiel dafür, was ein Riesling aus dem Rheingau kann.

Am Gaumen fällt sofort die hohe Extraktdichte des Weines auf, saftiger und fruchtbetonter Antrunk, erneut jede Menge Zitrusfrüchte, kandierte Äpfel, Schalen von Pfirsichen. Man merkt ihm das warme Jahr an, was ihm aber unheimlich gut tut. Denn von seiner ganzen Ausrichtung ist er ein feiner, eleganter Riesling, und mit seinen 12 % vol. fällt natürlich auch der Alkohol nie störend auf. Auch im Mund zeigt er sich zwar in seiner Entwicklung etwas gereifter, aber auch hier null Altersnoten. Vielmehr läuft er bei allem Zug sehr entspannt über den Gaumen und kann so mühelos sein ganzes Aromenrad auffächern, besonders die Mineralität spielt neben der saftigen Frucht, u.a. mit roten Beeren, Cassisblatt, Stein- und Kernobst, die erste Geige, herrlich röstiger Ansatz, Rauch, Tabak, erhitzter Stein und verbrannter Kohl sind Aromen, die ich über die Tage immer wieder deutlich erlebe, hin und wieder auch Feuerstein und Graphit. Der Wein ist nun vollkommen erblüht und erlaubt jeden Einblick in seine tiefe Höhle, die Säure präsent, aber perfekt von Extrakt umkleidet, niemals spitz oder ruppig, eher geben die vorhandenen Phenole dem Wein noch eine jugendlich anmutende Struktur, zuweilen an Bittermandeln erinnernd.

Ihr seht, ich bin restlos begeistert und dankbar für diesen Weinmoment. Der Nachhall ist ungeheuer lang und in ihm zeigen sich nochmal die ganzen Facetten dieses Ausnahmerieslings. Er hat sich über zwei Tage immer weiter entwickelt, daher vermute ich noch eine gewisse Zukunft, auf der sich dieser Nonnenberg weiter auf seinem Höhepunkt halten kann. Einer der besten Rieslinge, die ich dieses Jahr im Glas haben durfte. Aus guten Kellern noch jede Suche und auch eine höhere Investition wert.

Vom Fachhandel, 20 DM (lang ist´s her), 96 Punkte (groß), jetzt trinken

Riesling Große Gewächse 2007 – Eine Bestandsaufnahme nach acht Jahren Flaschenreife

Riesling GG 2007 nach achtJahren (1 von 1)Kurz vor Weihnachten 2015 hatte ich Gelegenheit, mir mittels zwölf Großer Gewächse einen aktuellen Eindruck über den aktuellen Zustand des Jahrgangs 2007 zu verschaffen. Die Rieslinge wurden in Flights mit je vier Weinen blind präsentiert. Nach jedem Flight wurde aufgedeckt. Mir war das Line-up unbekannt. Der Probenleiter beschränkte sich auf die Anbaugebiete Mosel, Nahe und Rheinhessen. Dies ist kein qualitativer Fingerzeig, die Probe diente als Vorbereitung für eine umfassendere Probe des Jahrgangs 2007 im kommenden Frühjahr 2016. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2008 – Eine Bestandsaufnahme nach sieben Jahre Flaschenreife

Riesling GG 2008 nach sieben Jahren (7 von 17)

Auch dieses Jahr blickten wir in der üblichen Runde sieben Jahre zurück, und es herrschte einhellig große Vorfreude auf diese Probe. Der Grund: Wir verkosteten große Riesling-Gewächse aus dem Jahrgang 2008. Bei der ersten Präsentation des Jahrgangs noch mit viel mit Argwohn betrachtet und (vor)schnell abgeschrieben, zeigt 2008 nach sieben Jahren Flaschenreife nun ganz deutlich, dass es sich dabei um einen ganz hervorragenden Jahrgang für den deutschen Riesling handelt. Die Weine sind ungemein animierend zu trinken, zeigen eine pikante, aber überwiegend reife Säure und deuten dank ihrer schlanken Struktur oftmals gut erkennbar ihre Herkunft an. Die Erwartungen wurden auch in dieser Probe nicht enttäuscht, sondern eher noch übertroffen. Außer bei zwei bis drei Ausnahmen inklusive Flaschenfehler durften wir uns an der mit Abstand besten Rückschau nach sieben Jahren Flaschenreife erfreuen. Von den 15 präsentierten Großen Gewächsen waren zehn auf ausgezeichnetem Niveau. Die Jahrgangskrone holte sich diesmal überraschenderweise Schloss Johannisberg, aber auch der Wein auf dem zehnten Rang lag nur knapp dahinter. Die Platzierungen sind daher nicht aussagekräftig, die Qualität ist durchgängig sehr hoch, der Leser kann mithilfe der Notizen getrost seine Favoriten frei nach seinem Geschmack wählen. Weiterlesen →

Weingut Wagner-Stempel Siefersheimer Riesling „Vom Porphyr“, 2010

IMG_0337Der Porphyr ist so etwas wie mein Hauswein von Daniel Wagner, und er ist natürlich aufgrund seines Bodens eine Besonderheit. Dieses Vulkangestein neigt für meinen Geschmack gelegentlich zur übermäßigen Fülle, doch bei diesem Ortswein hatte ich bisher noch nie auf unangenehme Weise diesen Eindruck. Bereits auf der Arrivage-Probe konnte mich der 2010er überzeugen und nach nun vier Jahren Flaschenreife ist eigentlich nicht viel passiert – er überzeugt erneut. 2010 wird wohl immer ein Jahrgang bleiben, der unterschiedliche Eindrücke hervorbringt und über dessen Qualität sich trefflich streiten lässt. Auch dieser Wein steht unter Spannung, zwischen seiner Restsüße, seiner hoch stehenden Säure und der für den Jahrgang hohen Extraktdichte.

In der Nase finde ich eine jugendliche und reintönige Rieslingfrucht wieder, die Spannung aus 2010 wird sofort deutlich, kandierte Zitrusfrüchte, selbst in der Nase meine ich bereits salzige Noten zu erahnen, glacierte Apfelfrucht, glockenklare Steinfruchtaromen, noch sehr jugendlich anmutend und ein kompaktes, leicht reduktives Bukett. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, sehr saftiger und reintönig fruchtiger Auftakt, auf allen Früchten liegen grobe Salzkristalle. Trotz seiner vorhandenen Restsüße wirkt er sensorisch recht trocken, ein straffer, ja fordernder Verlauf, nichts für Fruchtliebhaber. Die packende Säure nimmt ihm seinen letzten Charme, dafür hat er einen herrlich erfrischenden Zug am Gaumen. Die heftige Extraktdichte des Jahrgangs wird deutlich, sehr nachhaltig, noch ein wenig verschlossen, trotzdem ein sehr guter Nachhall. Für mich ein weiterer gelungener, durchaus anspruchsvoller 2010er-Riesling, der jetzt genossen werden kann. Meine letzte Flasche werde ich allerdings noch fünf Jahre aufbewahren, im Wissen wie exzellent der Porphyr reifen kann.

Vom Weingut, 15 Euro, 90 Punkte (hervorragend), jetzt bis 2022