Adeneuer Spätburgunder Ahrweiler Rosenthal Großes Gewächs, 2007

GM1_5245Wenn ich die Wahl habe, Rotweine des Weinguts Adeneuer zu probieren, greife ich zunehmend nach der Lage „Ahrweiler Rosenthal“. Dies schlägt sich statistisch auch bei den Einkäufen nieder. Zwar mag die Lage Rosenthal weniger Prestige-trächtig sein als das Pendant aus der Gärkammer in Walporzheim, hier sind die Weine aber zumeist – aufgrund des Mikroklimas in der Gärkammer – sensorisch etwas weniger kraftvoll als in der Walporzheimer Kleinstlage, was dem Rosenthal insbesondere in warmen Jahren durchaus zu Gute kommt. Auch der Holzeinsatz erscheint im Rosenthal ein wenig moderater auszufallen, jedenfalls im aromatischen Endergebnis. Welche Lage man nun letztlich höher schätzt – es bleibt eine Entscheidung der persönlichen Präferenz. Exzellent können Beide sein. Rank und schlank sind jedenfalls auch die Großen Gewächse aus dem Rosenthal nicht – was stimmig ist, denn das Weingut Adeneuer ist insgesamt nicht für einen schlanken Rotwein-Stil bekannt – gleiches gilt aber viele Betriebe des Ahr-Tals und soll daher nicht als Makel verstanden werden.

Der Wein kommt mit dunklem Purpurrot und leicht orangen Reflexen ins Glas. Unmittelbar verbreitet sich ein klarer Duft nach eleganter Walderdbeere und eine Spur roter Johannisbeeren im Glas aus. Die Frucht wird umzeichnet von zunehmend vernehmbarer Holzwürze, Spuren von Vollmilchschokolade schmeicheln hingegen in der Nase. Piment und Orangenschale runden den kraftvollen, einen Hauch wärmenden Eindruck ab (auch nicht weiter störend).

Holzwürziger Antrunk mit mittlerer Dichte nach Schokolade, Piment und Rosenpaprika, grüne Kräuter gesellen sich mit Verweildauer im Glas hinzu. Der süßliche Fruchtkern, hier wieder viel Walderdbeere und dunkle Beeren, steht dem Wein gut zu Gesicht. Im harmonischen Verlauf wird dieser Spätburgunder zunehmend mineralischer, wirkt trotz seiner Kraft nicht unbalanciert; seine pointierte Säure arbeitet schön gegen den Fruchtkörper und zieht den Spannungsbogen lang, beide Elemente gehen eine gelungene Verbindung ein. Deutlich mittellanger bis langer Nachhall, in dem die schokoladigen Töne mit Luft immer sahniger und schmeichelnder werden.

Sein noch feinporiges Tannin deutet darauf hin, dass der Wein aktuell noch nicht hastig ausgetrunken werden muss, im Gegenteil, der Weine könnte sich noch mehr zusammenfinden und noch etwas an Gesamtharmonie hinzugewinnen. Trinkspaß bereitet er aber auch schon heute.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

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Kraftakt Spätburgunder – Teil IV

Kraftakt SB 2013 Titel 1 (100 von 1)Es gibt Verkostungsnotizen, die liegen einem wie Blei auf der Seele. Als Schriftführer dieses Kraftaktes ließ ich mein kleines schwarzes Büchlein im Januar 2013 bei den Gastgebern liegen. Und wie es der Teufel aka Zufall wollte, dauerte es über ein Jahr, bis das Büchlein wieder zurück in meinen Besitz kam. Spätestens damit hatten die Notizen eigentlich nur noch antiquarischen Wert. Dass das Protokoll gleichwohl geschrieben werden sollte, stand für mich außer Frage. Allein, wann Zeit dafür finden…

Unsere Leser sind daher heute nicht minder herzlich dazu eingeladen, in diesem Altertümchen zu stöbern; da ich an diesem Abend viel mtgeschrieben hatte, fiel es nicht schwer, die Notizen nun doch noch „mit ein wenig zeitlichem Nachlauf“ zu erstellen.

Da wir einige schöne Weine mit „Reserven“ am Start hatten, lohnt es sicherlich auch heute noch… [weiter lesen!]

Adeneuer Wallporzheimer Gärkammer GG, 2006 und Bernhard Huber Hecklinger Schlossberg „R“ GG, 2005

2xSpätburgunder Titel (100 von 1)Auf einer kürzlich veranstalteten Vergleichsprobe von Pinot Noirs aus dem Burgund und deutschen Spätburgundern fiel das Große Gewächs aus der Gärkammer von Adeneuer deutlich ab- wir hatten eine furchtbare Flasche erwischt, die bereits oxidiert war. Ein Ausrutscher, so zumindest meine Hoffnung, denn es liegen noch einige Flaschen davon im Keller. Ausreichend Grund zeitnah einen neuen Versuch zu starten und am Ostermontag war es soweit.

Gärkammer, 2006 (100 von 1)Weingut Adeneuer Walporzheimer Gärkammer GG, 2006
Zum Glück bestätigte sich meine damalige Vermutung eines Flaschenfehlers, denn die heute Flasche zeigte gehobenen Ahrwein in einem schönen Reifezustand. Die Nase sehr offen mit der üblichen recht dominierenden kräutrigen Holzwürze, viel Röstigkeit, sehr reife dunkle Beerenfrüchte und Erdbeerkompott. Am Gaumen von kräftigem Körper, die Frucht entspricht der Blume in der Nase, mit erfrischenden Zitrusabrieb, es fällt sofort die forsche Säure auf, die für meinen Geschmack dem Wein jedoch zu seiner Balance verhilft, ansonsten könnte die Überreife dem Wein die Frische nehmen. Auch hier viel, aber charmantes Holz nach gerösteten Nüssen, getrockenete Kräuter, Süße und Vanille, perfekt abgeschmolzene Tannine, ein Charmebolzen, mit feinen Zuckerschwanz im langen Nachhall. Das macht heute uns allen richtig Freude, auch weil er deutlich Herkunft zeigt. Aber so bleibt es eben auch, bei aller Verführung, ein kleiner Blender, denn er liebkost unseren Gaumen vorallen aufgrund seiner Holzsüße und hochreifen Früchten, die auch leicht vom Alkohol getragen werden, subtil ist das nicht und tief schon gar nicht, aber es schmeckt einfach vorzüglich.
Vom Weingut, 54 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2016

Über den Wein entstand dann eine Diskussion über das Anbaugebiet (er kam blind auf den Tisch) und ob das typisch deutsch sei oder nicht, manche tippten auf Baden und insbesondere auf Huber. Das reizte mich und spontan ging aus dem Keller einen Huber holen, um die Unterschiede parallel zu erleben – sie waren deutlich.

Huber Schlossberg, 2005 (100 von 1)Bernhard Huber Hecklinger Schlossberg „R“ GG, 2005
Zunächst hatte des der Wein schwer, denn er musste erst die Belüftungzeit des Adeneuers aufholen. Zeigt er sich zu Beginn sehr verhalten, zog er schlussendlich mühevoll an ihm vorbei und zeigte dabei einen Klassenunterschied auf. Hier beginnt ernsthafter Spätburgunder mit einer gewissen Noblesse, der ohne Süße auskommt. Das Bukett erinnert an gute 1er Crus aus Pommard dank seiner dunklen Beerenfrucht nach Brombeeren und Backpflaumen, zeigt Tiefe und Spiel an, das Holz ist da, auch deutlich, aber mit mehr Klasse und fügt sich besser in die Frucht ein, ein Hauch von Kalkstein, versprüht Kühle und Klarheit. Am Gaumen von mittlerem bis kräftigen Körper, mit klarer, dichter Frucht nach dunklen Waldbeeren, vorallem Brombeeren und Pflaumen, florale Anklänge nach Veilchen, dunkle Holzwürze nach Bitterschokolade, Zedernholz und Röstaromen, noch leicht trockenende Tannine, guter Zug am Gaumen, feines, agiles Säurespiel, hinten raus noch etwas jugendlich unruhig, da fehlt es heute noch an Charme, mittlere Länge. Der Wein ist noch zu jung, zeigt aber schon jetzt Klasse und Tiefe an.
Vom Weingut, 42 Euro, 91+ Punkte (ausgezeichnet), 2015 bis 2025

Am Ostermontag liesen wir uns trotzdem gerne von der Gärkammer verführen, mit seiner Röstigkeit, seinen üppigen Hüften und seiner unverschämten Fruchtsüße. Obwohl es sich in den Punkten nicht so zeigt, liegt für uns der Huber eine ganze Klasse darüber. Die schmeckbar seriösere und feiner Interpretation der Pinot Noir-Traube.

Spätburgunder Kraftakt 2012

Kraftakt Pinot Noir Aufzug 3 stand an und so pilgerten die üblichen Weinverrückten mal wieder ins Gelpetal bei Wuppertal, um bei Heiko 16 Spätburgunder auf Herz und Nieren zu testen. Und erneut ging es um das alte Spiel zwischen den Franzosen und Deutschen. Ja, wer macht denn nun den besseren roten Burgunder? Wie schön, dass man über Wein so trefflich streiten kann. Und so konnte auch dieser Kraftakt keine endgültige Antwort auf diese Frage geben, nur einen eindeutigen Tagessieger. Man kann sogar fast von einer Klatsche für… Weiter lesen…

Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr Spätburgunder Edition „Ponsart Nr. 17 Goldkapsel″, 2007

Dunkles, noch an purpurrot erinnerndes Rubinrot. Die Nase wird noch sehr durch den Ausbau in Barriques geprägt, die Erdbeer- und dunkle Kirschfrucht wird deutlich umgarnt von schokoladigen, vanilligen und leicht karamelligen Tönen. Diese Holztöne sind nicht störend, nur halt noch recht kräftig. Als störend empfinde ich hingegen den nasalen Alkoholton, der Wein kann seine 14% nicht verstecken – er versucht es auch nicht.

Im Antrunk ein ungemein konzentrierter Fruchtkörper, das Extrakt ist dicht gepackt. Typisch deutsche Spätburgunderfrucht, Erdbeere, auch reife Schwarzkirschen. Leider sind durch die Konzentration die einzelnen Fruchtnuancen kaum identifizierbar, der Wein wummert vielmehr wie ein langgezogener Bass aus einer kraftvollen Endstufe aus dem Glas, ohne einzelnen Elementen den Raum für eine präzise Entfaltung zu geben. Der Alkohol ist hier weniger präsent, er sticht im satten Körper nicht mehr heraus. Auch hier erkennbar der Holzeinsatz, kräftig, aber die leicht herben Schokotöne sind wieder nicht störend. Angenehm empfinde ich die Säure, die frisch ist, aber sehr gut eingebunden. Das Tannin ist absolut rund und völlig unauffällig.

Im mittellangen und strukturierten Nachhall eine Spur zu kraftvoll im Alkohol, Schokotöne, neben der Frucht auch leicht vetegale Noten und Töne, die entfernt an Seife erinnern. Letztere irritieren etwas, zumal dieser Geschmack länger stehen bleibt.

Als Essensbegleiter zu dunklem Fleisch und Rotkohl ist dies ein gelungener Begleiter – als Solist möchte ich ihn nicht empfehlen, hier zeigt sich der Alkohol zu deutlich. Wer fruchtbetonte, konzentrierte Spätburgunder mit kaum mehr vernehmbaren Tanningehalt gerne mag, kann bei diesem Wein ungefährdet zugreifen (über den Webshop der Genossenschaft noch nachbeziehbar)… ich vermute, dass der Wein im Winter 2010/2011 seinen Höhepunkt erreichen wird.

Offen probiert, zuvor zwei Stunden in der Karaffe belüftet.

Im Fachhandel gekauft, 18,90 Euro, 85-86 Punkte (sehr gut) , jetzt bis 2012

Adeneuer Spätburgunder Walporzheimer Gärkammer, 2007

Bei diesem Wein handelt es sich um die „kleine“ Gärkammer. Also Partiellen bzw. Trauben, die es nicht für das Große Gewächs geschafft haben. Kräftiges Granatrot mit zartem Wasserrand. Relativ frischer, klarer Duft nach rotem Beeren- und Kirschkonfit, eingelegten Pflaumen mit dezenten, altholzigen Röstaromen. Dahinter ein kühler Nachhall von feingewobener Mineralik. Wirkt sehr fein komponiert mit guter Tiefe und Nachdruck. Ausgezeichnet. Im Mund fällt der Wein leider etwas ab, ist aber immer noch sehr gut. Was stört sind die bitteren Noten im hinteren Verlauf, die das nicht ganz perfekte Lesegut erkennen lassen. Aber ansonsten macht er bereits im Antrunk spontan aufgrund seiner frischen, klaren Frucht viel Freude. Ein Korb voller Kirschen, daneben Zwetschgen und eine ganze Tafel Milchschokolade, keine marmeladigen Noten, ausdrücklich trockener Ausbau, dadurch wirkt der Wein frisch und detailreich gezeichnet. Zart-würzige Holznoten verbinden sich ansprechend mit den bereits sehr weichen Gerbstoffen, die den Wein über den gesamten Verlauf bis hin zum Abgang begleiten. Der Wein bewahrt spielend die Balance aus Eleganz und Schmelz. Im Abgang zeigt sich das Holz etwas mehr von seiner besten Seite, sehr harmonisch und weich. Es bleiben altholzige und spürbar mineralische Noten zurück. Nur die herben, fast grünen Noten verhindern einen durchweg positiven Eindruck. Dadurch wirkt der Wein hinten etwas ausgezehrt und kann so das ganze Potential der Gärkammer nur andeuten. Die preislich identische Nr. 1 wirkt in 2007 stimmiger komponiert und bietet wegen fehlender Bitterstoffe mehr Trinkvergnüngen.Die Bewertung beruht auf den Eindrücken am besseren, zweiten Tag. Zu Hause über zwei Tage offen getrunken, drei Stunden vorab in der Karaffe.

Vom Weingut, 22 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), 2011 bis 2014

Adeneuer Spätburgunder Auslese trocken Walporzheimer Gärkammer, 2001

Schon beim Betrachten sichtbar gereift, ein tief dunkelbraunes Rot, ein breiter Wasserrand. In der Nase sehr reife, süßliche dunkle Beeren, leicht rumtopfig, dunkle herbe Kräuter, altes Holz, dazu Reifetöne en masse, Pilze, feuchte Erde, Graphit.

Im Mund zu Beginn eine feine, am zweiten Tag dann sogar noch etwas frische Frucht. Die Säure ist sehr fein und auch zurückhaltend. Die Struktur kommt vor allem durch die ordentliche Portion an ganz feinem, cremig geschmolzenem Tannin, das auch die Aromen trägt. Im Mund etwas weniger Beeren, dafür mehr gemüsige Noten, auch Hagebutte, vor allem aber Schokolade, weiter hinten auch eine Mokkanote, alles ist durchwoben von Erde und Pilzen. Die gemüsig-beerige Frucht schwingt dabei die ganze Zeit über durchgängig mit. Richtig groß ist das Spiel von Textur und Extrakt. Geschmeidig, seidig, zart, fast unmerkbar legt sich der Wein auf Zunge und Gaumen, wo er sich dann lange hält und vorsichtig seine Aromen mehr und mehr verströmt.

Der Wein ist trinkreif, so viel ist klar. Stellt sich die Frage nach dem Potenzial. Frisch aus der Flasche befindet sich der Wein noch im Tiefschlaf, nahezu kein Bukett, beim Vorprobieren zuerst nicht mehr als süße überreife Töne, haptisch nicht mehr als Alkohol. Nach einer halben Stunde ist klar, dass sich der Wein noch einmal aufbaut. Nach zwei Stunden ist er da, am zweiten Tag hat er sich sogar noch mehr geöffnet, wirkt frischer, vielschichtiger und sogar noch etwas trocknend. Mit anderen Worten, dieser Wein sollte sich noch einige Zeit halten. Einen Grund zu warten gibt es jedoch nicht, schon jetzt strotzt der Wein vor wunderschönen tertiären Noten, der Abgang mag schon etwas an Länge verloren zu haben.

Der Wein ist gut gereift und ein wahrer Genuss. In seiner Stilistik verkörpert er für mich auf eine etwas altmodische Art den klassischen Ahr-Spätburgunder, und das meine ich ganz im positiven Sinne. Eher wenig Säure, dafür mehr Extraktsüße, eine seidige Textur, ein Hauch von altem Holz, das alles hervorragend balanciert.

Aus dem Fachhandel, 27 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2013 trinken