Adeneuer Spätburgunder Ahrweiler Rosenthal Großes Gewächs, 2007

GM1_5245Wenn ich die Wahl habe, Rotweine des Weinguts Adeneuer zu probieren, greife ich zunehmend nach der Lage „Ahrweiler Rosenthal“. Dies schlägt sich statistisch auch bei den Einkäufen nieder. Zwar mag die Lage Rosenthal weniger Prestige-trächtig sein als das Pendant aus der Gärkammer in Walporzheim, hier sind die Weine aber zumeist – aufgrund des Mikroklimas in der Gärkammer – sensorisch etwas weniger kraftvoll als in der Walporzheimer Kleinstlage, was dem Rosenthal insbesondere in warmen Jahren durchaus zu Gute kommt. Auch der Holzeinsatz erscheint im Rosenthal ein wenig moderater auszufallen, jedenfalls im aromatischen Endergebnis. Welche Lage man nun letztlich höher schätzt – es bleibt eine Entscheidung der persönlichen Präferenz. Exzellent können Beide sein. Rank und schlank sind jedenfalls auch die Großen Gewächse aus dem Rosenthal nicht – was stimmig ist, denn das Weingut Adeneuer ist insgesamt nicht für einen schlanken Rotwein-Stil bekannt – gleiches gilt aber viele Betriebe des Ahr-Tals und soll daher nicht als Makel verstanden werden.

Der Wein kommt mit dunklem Purpurrot und leicht orangen Reflexen ins Glas. Unmittelbar verbreitet sich ein klarer Duft nach eleganter Walderdbeere und eine Spur roter Johannisbeeren im Glas aus. Die Frucht wird umzeichnet von zunehmend vernehmbarer Holzwürze, Spuren von Vollmilchschokolade schmeicheln hingegen in der Nase. Piment und Orangenschale runden den kraftvollen, einen Hauch wärmenden Eindruck ab (auch nicht weiter störend).

Holzwürziger Antrunk mit mittlerer Dichte nach Schokolade, Piment und Rosenpaprika, grüne Kräuter gesellen sich mit Verweildauer im Glas hinzu. Der süßliche Fruchtkern, hier wieder viel Walderdbeere und dunkle Beeren, steht dem Wein gut zu Gesicht. Im harmonischen Verlauf wird dieser Spätburgunder zunehmend mineralischer, wirkt trotz seiner Kraft nicht unbalanciert; seine pointierte Säure arbeitet schön gegen den Fruchtkörper und zieht den Spannungsbogen lang, beide Elemente gehen eine gelungene Verbindung ein. Deutlich mittellanger bis langer Nachhall, in dem die schokoladigen Töne mit Luft immer sahniger und schmeichelnder werden.

Sein noch feinporiges Tannin deutet darauf hin, dass der Wein aktuell noch nicht hastig ausgetrunken werden muss, im Gegenteil, der Weine könnte sich noch mehr zusammenfinden und noch etwas an Gesamtharmonie hinzugewinnen. Trinkspaß bereitet er aber auch schon heute.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

Kraftakt Spätburgunder – Teil IV

Kraftakt SB 2013 Titel 1 (100 von 1)Es gibt Verkostungsnotizen, die liegen einem wie Blei auf der Seele. Als Schriftführer dieses Kraftaktes ließ ich mein kleines schwarzes Büchlein im Januar 2013 bei den Gastgebern liegen. Und wie es der Teufel aka Zufall wollte, dauerte es über ein Jahr, bis das Büchlein wieder zurück in meinen Besitz kam. Spätestens damit hatten die Notizen eigentlich nur noch antiquarischen Wert. Dass das Protokoll gleichwohl geschrieben werden sollte, stand für mich außer Frage. Allein, wann Zeit dafür finden…

Unsere Leser sind daher heute nicht minder herzlich dazu eingeladen, in diesem Altertümchen zu stöbern; da ich an diesem Abend viel mtgeschrieben hatte, fiel es nicht schwer, die Notizen nun doch noch „mit ein wenig zeitlichem Nachlauf“ zu erstellen.

Da wir einige schöne Weine mit „Reserven“ am Start hatten, lohnt es sicherlich auch heute noch… [weiter lesen!]

Adeneuer Wallporzheimer Gärkammer GG, 2006 und Bernhard Huber Hecklinger Schlossberg „R“ GG, 2005

2xSpätburgunder Titel (100 von 1)Auf einer kürzlich veranstalteten Vergleichsprobe von Pinot Noirs aus dem Burgund und deutschen Spätburgundern fiel das Große Gewächs aus der Gärkammer von Adeneuer deutlich ab- wir hatten eine furchtbare Flasche erwischt, die bereits oxidiert war. Ein Ausrutscher, so zumindest meine Hoffnung, denn es liegen noch einige Flaschen davon im Keller. Ausreichend Grund zeitnah einen neuen Versuch zu starten und am Ostermontag war es soweit.

Gärkammer, 2006 (100 von 1)Weingut Adeneuer Walporzheimer Gärkammer GG, 2006
Zum Glück bestätigte sich meine damalige Vermutung eines Flaschenfehlers, denn die heute Flasche zeigte gehobenen Ahrwein in einem schönen Reifezustand. Die Nase sehr offen mit der üblichen recht dominierenden kräutrigen Holzwürze, viel Röstigkeit, sehr reife dunkle Beerenfrüchte und Erdbeerkompott. Am Gaumen von kräftigem Körper, die Frucht entspricht der Blume in der Nase, mit erfrischenden Zitrusabrieb, es fällt sofort die forsche Säure auf, die für meinen Geschmack dem Wein jedoch zu seiner Balance verhilft, ansonsten könnte die Überreife dem Wein die Frische nehmen. Auch hier viel, aber charmantes Holz nach gerösteten Nüssen, getrockenete Kräuter, Süße und Vanille, perfekt abgeschmolzene Tannine, ein Charmebolzen, mit feinen Zuckerschwanz im langen Nachhall. Das macht heute uns allen richtig Freude, auch weil er deutlich Herkunft zeigt. Aber so bleibt es eben auch, bei aller Verführung, ein kleiner Blender, denn er liebkost unseren Gaumen vorallen aufgrund seiner Holzsüße und hochreifen Früchten, die auch leicht vom Alkohol getragen werden, subtil ist das nicht und tief schon gar nicht, aber es schmeckt einfach vorzüglich.
Vom Weingut, 54 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2016

Über den Wein entstand dann eine Diskussion über das Anbaugebiet (er kam blind auf den Tisch) und ob das typisch deutsch sei oder nicht, manche tippten auf Baden und insbesondere auf Huber. Das reizte mich und spontan ging aus dem Keller einen Huber holen, um die Unterschiede parallel zu erleben – sie waren deutlich.

Huber Schlossberg, 2005 (100 von 1)Bernhard Huber Hecklinger Schlossberg „R“ GG, 2005
Zunächst hatte des der Wein schwer, denn er musste erst die Belüftungzeit des Adeneuers aufholen. Zeigt er sich zu Beginn sehr verhalten, zog er schlussendlich mühevoll an ihm vorbei und zeigte dabei einen Klassenunterschied auf. Hier beginnt ernsthafter Spätburgunder mit einer gewissen Noblesse, der ohne Süße auskommt. Das Bukett erinnert an gute 1er Crus aus Pommard dank seiner dunklen Beerenfrucht nach Brombeeren und Backpflaumen, zeigt Tiefe und Spiel an, das Holz ist da, auch deutlich, aber mit mehr Klasse und fügt sich besser in die Frucht ein, ein Hauch von Kalkstein, versprüht Kühle und Klarheit. Am Gaumen von mittlerem bis kräftigen Körper, mit klarer, dichter Frucht nach dunklen Waldbeeren, vorallem Brombeeren und Pflaumen, florale Anklänge nach Veilchen, dunkle Holzwürze nach Bitterschokolade, Zedernholz und Röstaromen, noch leicht trockenende Tannine, guter Zug am Gaumen, feines, agiles Säurespiel, hinten raus noch etwas jugendlich unruhig, da fehlt es heute noch an Charme, mittlere Länge. Der Wein ist noch zu jung, zeigt aber schon jetzt Klasse und Tiefe an.
Vom Weingut, 42 Euro, 91+ Punkte (ausgezeichnet), 2015 bis 2025

Am Ostermontag liesen wir uns trotzdem gerne von der Gärkammer verführen, mit seiner Röstigkeit, seinen üppigen Hüften und seiner unverschämten Fruchtsüße. Obwohl es sich in den Punkten nicht so zeigt, liegt für uns der Huber eine ganze Klasse darüber. Die schmeckbar seriösere und feiner Interpretation der Pinot Noir-Traube.

Spätburgunder Kraftakt 2012

Kraftakt Pinot Noir Aufzug 3 stand an und so pilgerten die üblichen Weinverrückten mal wieder ins Gelpetal bei Wuppertal, um bei Heiko 16 Spätburgunder auf Herz und Nieren zu testen. Und erneut ging es um das alte Spiel zwischen den Franzosen und Deutschen. Ja, wer macht denn nun den besseren roten Burgunder? Wie schön, dass man über Wein so trefflich streiten kann. Und so konnte auch dieser Kraftakt keine endgültige Antwort auf diese Frage geben, nur einen eindeutigen Tagessieger. Man kann sogar fast von einer Klatsche für… Weiter lesen…

Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr Spätburgunder Edition „Ponsart Nr. 17 Goldkapsel″, 2007

Dunkles, noch an purpurrot erinnerndes Rubinrot. Die Nase wird noch sehr durch den Ausbau in Barriques geprägt, die Erdbeer- und dunkle Kirschfrucht wird deutlich umgarnt von schokoladigen, vanilligen und leicht karamelligen Tönen. Diese Holztöne sind nicht störend, nur halt noch recht kräftig. Als störend empfinde ich hingegen den nasalen Alkoholton, der Wein kann seine 14% nicht verstecken – er versucht es auch nicht.

Im Antrunk ein ungemein konzentrierter Fruchtkörper, das Extrakt ist dicht gepackt. Typisch deutsche Spätburgunderfrucht, Erdbeere, auch reife Schwarzkirschen. Leider sind durch die Konzentration die einzelnen Fruchtnuancen kaum identifizierbar, der Wein wummert vielmehr wie ein langgezogener Bass aus einer kraftvollen Endstufe aus dem Glas, ohne einzelnen Elementen den Raum für eine präzise Entfaltung zu geben. Der Alkohol ist hier weniger präsent, er sticht im satten Körper nicht mehr heraus. Auch hier erkennbar der Holzeinsatz, kräftig, aber die leicht herben Schokotöne sind wieder nicht störend. Angenehm empfinde ich die Säure, die frisch ist, aber sehr gut eingebunden. Das Tannin ist absolut rund und völlig unauffällig.

Im mittellangen und strukturierten Nachhall eine Spur zu kraftvoll im Alkohol, Schokotöne, neben der Frucht auch leicht vetegale Noten und Töne, die entfernt an Seife erinnern. Letztere irritieren etwas, zumal dieser Geschmack länger stehen bleibt.

Als Essensbegleiter zu dunklem Fleisch und Rotkohl ist dies ein gelungener Begleiter – als Solist möchte ich ihn nicht empfehlen, hier zeigt sich der Alkohol zu deutlich. Wer fruchtbetonte, konzentrierte Spätburgunder mit kaum mehr vernehmbaren Tanningehalt gerne mag, kann bei diesem Wein ungefährdet zugreifen (über den Webshop der Genossenschaft noch nachbeziehbar)… ich vermute, dass der Wein im Winter 2010/2011 seinen Höhepunkt erreichen wird.

Offen probiert, zuvor zwei Stunden in der Karaffe belüftet.

Im Fachhandel gekauft, 18,90 Euro, 85-86 Punkte (sehr gut) , jetzt bis 2012

Adeneuer Spätburgunder Walporzheimer Gärkammer, 2007

Bei diesem Wein handelt es sich um die „kleine“ Gärkammer. Also Partiellen bzw. Trauben, die es nicht für das Große Gewächs geschafft haben. Kräftiges Granatrot mit zartem Wasserrand. Relativ frischer, klarer Duft nach rotem Beeren- und Kirschkonfit, eingelegten Pflaumen mit dezenten, altholzigen Röstaromen. Dahinter ein kühler Nachhall von feingewobener Mineralik. Wirkt sehr fein komponiert mit guter Tiefe und Nachdruck. Ausgezeichnet. Im Mund fällt der Wein leider etwas ab, ist aber immer noch sehr gut. Was stört sind die bitteren Noten im hinteren Verlauf, die das nicht ganz perfekte Lesegut erkennen lassen. Aber ansonsten macht er bereits im Antrunk spontan aufgrund seiner frischen, klaren Frucht viel Freude. Ein Korb voller Kirschen, daneben Zwetschgen und eine ganze Tafel Milchschokolade, keine marmeladigen Noten, ausdrücklich trockener Ausbau, dadurch wirkt der Wein frisch und detailreich gezeichnet. Zart-würzige Holznoten verbinden sich ansprechend mit den bereits sehr weichen Gerbstoffen, die den Wein über den gesamten Verlauf bis hin zum Abgang begleiten. Der Wein bewahrt spielend die Balance aus Eleganz und Schmelz. Im Abgang zeigt sich das Holz etwas mehr von seiner besten Seite, sehr harmonisch und weich. Es bleiben altholzige und spürbar mineralische Noten zurück. Nur die herben, fast grünen Noten verhindern einen durchweg positiven Eindruck. Dadurch wirkt der Wein hinten etwas ausgezehrt und kann so das ganze Potential der Gärkammer nur andeuten. Die preislich identische Nr. 1 wirkt in 2007 stimmiger komponiert und bietet wegen fehlender Bitterstoffe mehr Trinkvergnüngen.Die Bewertung beruht auf den Eindrücken am besseren, zweiten Tag. Zu Hause über zwei Tage offen getrunken, drei Stunden vorab in der Karaffe.

Vom Weingut, 22 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), 2011 bis 2014

Adeneuer Spätburgunder Auslese trocken Walporzheimer Gärkammer, 2001

Schon beim Betrachten sichtbar gereift, ein tief dunkelbraunes Rot, ein breiter Wasserrand. In der Nase sehr reife, süßliche dunkle Beeren, leicht rumtopfig, dunkle herbe Kräuter, altes Holz, dazu Reifetöne en masse, Pilze, feuchte Erde, Graphit.

Im Mund zu Beginn eine feine, am zweiten Tag dann sogar noch etwas frische Frucht. Die Säure ist sehr fein und auch zurückhaltend. Die Struktur kommt vor allem durch die ordentliche Portion an ganz feinem, cremig geschmolzenem Tannin, das auch die Aromen trägt. Im Mund etwas weniger Beeren, dafür mehr gemüsige Noten, auch Hagebutte, vor allem aber Schokolade, weiter hinten auch eine Mokkanote, alles ist durchwoben von Erde und Pilzen. Die gemüsig-beerige Frucht schwingt dabei die ganze Zeit über durchgängig mit. Richtig groß ist das Spiel von Textur und Extrakt. Geschmeidig, seidig, zart, fast unmerkbar legt sich der Wein auf Zunge und Gaumen, wo er sich dann lange hält und vorsichtig seine Aromen mehr und mehr verströmt.

Der Wein ist trinkreif, so viel ist klar. Stellt sich die Frage nach dem Potenzial. Frisch aus der Flasche befindet sich der Wein noch im Tiefschlaf, nahezu kein Bukett, beim Vorprobieren zuerst nicht mehr als süße überreife Töne, haptisch nicht mehr als Alkohol. Nach einer halben Stunde ist klar, dass sich der Wein noch einmal aufbaut. Nach zwei Stunden ist er da, am zweiten Tag hat er sich sogar noch mehr geöffnet, wirkt frischer, vielschichtiger und sogar noch etwas trocknend. Mit anderen Worten, dieser Wein sollte sich noch einige Zeit halten. Einen Grund zu warten gibt es jedoch nicht, schon jetzt strotzt der Wein vor wunderschönen tertiären Noten, der Abgang mag schon etwas an Länge verloren zu haben.

Der Wein ist gut gereift und ein wahrer Genuss. In seiner Stilistik verkörpert er für mich auf eine etwas altmodische Art den klassischen Ahr-Spätburgunder, und das meine ich ganz im positiven Sinne. Eher wenig Säure, dafür mehr Extraktsüße, eine seidige Textur, ein Hauch von altem Holz, das alles hervorragend balanciert.

Aus dem Fachhandel, 27 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2013 trinken

Adeneuer Spätburgunder trocken J. J. Adeneuer No. 1, 2006

Im Glas ein transparent helles Erdbeerrot mit leichten orangenen Reflexen, zur Mitte hin dichter werdend. In der Nase reife rote Beeren, auch Cassis, konfitartig, dazu gemüsige Noten, Hagebutten, salzig-würzige Anklänge, alles durchwoben von einer feinen Note von altem Holz. Das Bukett wirkt noch etwas zusammengezogen, die Aromen wirken wie umschlossen von kühlen mineralischen Noten.

Im Antrunk ist der Wein kompromisslos trocken, präsentiert aber einen schönen Schmelz mit roten Beeren und Schokolade sowie schmackhafte, traubige Tanninen. Dazu kommen ein schmeichelhaft schönes Fruchtkaramell und ein deutlicher von Gerbstoffen und Mineralität getragener kühler Nachhall. Das Tannin ist noch sehr präsent, es ragt weit in den Verlauf hinein, ohne diesen abzubrechen. Die von der Säure erfrischten und vom Extrakt getragenen Aromen strömen förmlich darum herum. Der Schmelz bleibt an der Zunge haften und zieht die Aromen in die Länge. Dazu kommt ein kühl ätherischer Eindruck von Mineralität und Gerbstoffen.

Der Wein ist trocken, kräftig, schön dicht. Die Aromen sind anregend komplex, auch spürt man die Mineralität, die den Wein unter Spannung setzt. Hinzu kommt die typische seidige Textur der Ahr-Burgunder. Trotzdem hat er noch seine Kanten. Seine Mission wird deutlich, er möchte in keinster Weise ein Schmeichler sein wie etwa der No. 2. Hier ruht ein Potenzial für größere Eleganz, im Hinblick auf Tage, wenn Tannin und Säure abgeschmolzen sind; die beiden sind jetzt noch jung und grob. Erst nach fünf Stunden im Dekanter und vor allem dann am nächsten Tag sieht es anders aus, nur die trocknenden Gerbstoffe bleiben noch etwas. Trotzdem, die nächste Flasche wird frühestens in zwei Jahren aufgezogen.

Vom Weingut, 22 Euro, 89+ Punkte (sehr gut), 2013-2018

Siener Spätburgunder „No. 1“, 2007

Der „No. 1“ ist der Eintiegs-Spätburgunder bei Siener. Keine Lagenbezeichnung, dezenter Holzeinsatz, recht frühe Abfüllung, schöner Trinkspaß. Ich habe es vor Weihnachten gerade noch geschafft, hinzufahren und mir einen Karton zu sichern, bevor er wieder ausverkauft ist. (Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch am anderen Ende des Spektrums naschen, dem Spätburgunder Kastanienbusch Buntsandstein 2007; bleiben sie dran und lesen Sie hier in ca. vier Jahren eine Verkostungsnotiz zu diesem wunderbaren Wein… Doch zurück zum Thema, zu No. 1.)

Die Nase nimmt mich sofort für diesen Wein ein. Ohne sonderlich tief oder komplex zu sein, überzeugt sie umfassend mit ihrer Klarheit, mit der feinen Abstimmung der verschiedenen Komponenten aufeinander. Die Frucht ist eine saftige Kirsche, umspielt von Kräuterduft und etwas Wacholder, einem Hauch Gummi und ein paar Wiesenblumen. Eine leichte Mineralik mit Speck- und Feuersteinnoten rundet das Ganze ab. Einfach eine tolle Struktur, die viel Spaß im Mund verspricht. So ist es auch: Kühl und feingliedrig sind die ersten Eindrücke, die sich aufdrängen, eine gewisse Widerständigkeit zeigt sich, die Tannine noch etwas rauh, die Säure munter. Wieder die klare Sauerkirsche als Leitaroma, daneben Kräuter, Pfeffer und die dezente Mineralik. Frisch und ungeheuer (trink)animierend. Der Abgang mittellang. Zwei Stunden in der Karaffe.

Vom Weingut, 9,80 Euro, 85 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2012

Weingut Nelles Spätburgunder Heimersheimer Burggarten „B-52“, 2006

88 Punkte bei Eichelmann, gar 90 Punkte im Gault Millau – kein Zweifel, wir sollen uns heute an einen der besten Spätburgunder von der Ahr freuen. Nur zu blöde, dass der Wein blind auf den Tisch kam. Ein Duft von roten Beeren, Erdbeeren, und etwas Kirsche. Dahinter grasige und kräuterwürzige Noten, auch ein Hauch Mineralik. Dies alles wird aber leider von einer störenden alkoholischen Schärfe überdeckt. Wirkt noch recht jung und unausgewogen. Dies setzt sich konsequent am Gaumen fort. Der Alkohol stört über den gesamten Verlauf und bleibt im Mund zurück. Vielleicht wird sich dies über die Jahre noch einbinden, bei 14,5% bleiben wir aber skeptisch. Abgesehen davon nicht schlecht, ohne wirklich zu begeistern. Schlanke und kühle Stilistik, mit Struktur und einer gewissen Raffinesse. Schöne Symbiose aus (der typischen Ahr-)Frucht und einer mineralischen Kräutrigkeit. Recht präsentes, noch etwas grobporiges Holz. Die Tannine ebenfalls etwas stumpf. In ihrer Jugendlichkeit gefällt aber die Säure, sie sorgt für einen Ausgleich zu den Holznoten. Der knapp lange Abgang macht mit seinem Schmelz und der zarten Extraktsüße Spaß, ohne aber besonders komplex zu sein. Und der Alkohol, verleidet mir die Freude auf das nächste Glas. Es ist traurig und vielleicht bin ich ungerecht aufgrund seiner Jugendlichkeit, aber zum heuten Zeitpunkt ist es ein weiteres Beispiel für Ahrweine, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis ganz gewaltig aus den Fugen geraten ist. Alkoholisch, rustikales Holzmanagement und eine gehemmte, wenn nicht gar schlichte Aromatik lassen uns Weinliebhaber von Baden oder dem Burgund träumen. Zu Hause blind verkostet, zwei Stunden in der Karaffe.

Nach drei Tagen ist der stechende Alkohol in der Nase verschwunden, im Mund weiterhin störend. Dafür tritt nun in der Nase der Holzeinsatz zu weit in den Vordergrund und bedrängt die Frucht, ist aber noch im Rahmen und schlussendlich Geschmacksache. Mir ist es ein Tacken zu viel. Im Mund ist der Eindruck aufgrund der etwas besser aufgefächerten Frucht ein Punkt positiver. Trotz der Steigerung bleibt der Wein an Ausgewogenheit und Raffinesse einiges schuldig.

Vom Weingut, 31 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), ab 2011

Adeneuer Spätburgunder trocken Blanc de Noir, 2007

adeneuer_bdn_1Gleich zu Beginn ein Geständnis: Der Verkoster war lange kein Freund von weißen Rotweinen und vermochte nicht wirklich einen Zugang zu diesen Weinen zu bekommen. Bis vor zwei Wochen, wo er das erste Mal deutsche Spitzensekte verkosten durfte. Über das Auge, das ihm in Sachen Schaumwein geöffnet wurde, wird in diesem Blog noch zu lesen sein. Ebenso faszinierend war aber auch, was Blanc de Noir und Rosé de Noir aus Spätburgunder zu bieten vermögen. Der Anlass gebot, diese Einzelflasche aus dem Keller zu holen und mal einen weiß-aus-roten Stillwein zu inspizieren. In der Nase gemüsige Noten, etwas Gurke, aber auch Erdbeeren, Veilchen und Kräuter. Dazu ein Hauch dunkler ankaramellisierter Äpfel wie von Calvados. Im Mund dicht und saftig. Frisch-fruchtige Aromen von cremiger Kirsche und roten Beeren, auch frische Zitrusnoten, besonders Limetten. Die Säure ist zugleich weich und ausgeprägt. Zusammen mit den leichten Gerbstoffen sorgt sie für eine schöne Trinkigkeit. Verlauf und Abgang sind eher kurz, alles ist auf den ersten Mundeindruck angelegt. Der ist wiederum sehr gelungen und animiert, einen nächsten Schluck zu nehmen oder sich eben auch ein weiteres Glas einzuschenken. Eventuell ist der Wein schon etwas weit, am besten sollte man ihn jung trinken, denn hier geht alles um die Fruchtigkeit. Das wird ihm leider zum Verhängnis, schon kurze Zeit nach der Abfüllung ist er regelmäßig ab Weingut abverkauft uns wohl auch ausgetrunken. Der Blanc de Noir ist übrigens der einzige Weißwein aus dem Weingut Adeneuer. Und wie Marc Adeneuer erklärt, werde das auch so bleiben. Weiß- und Rotwein in einem Keller zu keltern sei höchst problematisch, da sich die Milchsäurebakterien beim malolaktischen Säureabbau unkontrollierbar im Keller verteilen. Das tut weißen Weinen nicht besonders gut, und man wolle lieber weiter in den Spätburgunder investieren, als einen zweiten Keller zu bauen. Rieslinge wird es daher hier nicht geben, die immer noch besser werdenden Spätburgunder werden es danken. Aber vielleicht sind ja dafür ein paar Flaschen mehr von diesem leckeren, zart rotbeerig schmeckenden Blanc de Noir drin.

Als Geschenk verkostet, 8,20 ab Hof, 84 Punkte (gut), jetzt trinken

Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr Spätburgunder Edition „Ponsart Nr. 17“, 2006

2006-mpon7Was trinkt man eigentlich Passendes zu Sauerbraten, wenn er nach rheinischer Art zubereitet werden soll? Wenn man ein wenig unter den Stichworten „Wein zu Sauerbraten“ durch die Weiten des Internets surft, stößt man diesbezüglich auf — im Wesentlichen — drei Fraktionen: Die einen beschwören feinherben Riesling, am besten mit erdigen Tönen und nicht allzu viel Komplexität, die nächsten sagen, zu diesem Gericht passe kein Wein, es käme nur ein Bier in Frage, und ein nicht minder gewichtiger Stimmanteil bevorzugt einen Spätburgunder. Zu Letzterem ließen auch wir uns verführen. Die Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr genießt (gerade aufgrund der Weine ihres gehobeneren Sortiments) einen guten Ruf und bietet in diesem Segment auch verlässliche Qualitäten. Der Name des heute probierten Weines geht übrigens zurück auf Nicolas Ponsart, einen Künstler, der im 19. Jahrhundert viele Stiche von Motiven des Ahrtals gefertigt hat. Zur Erinnerung an ihn gebührt seinen Werken im Jahrgangswechsel das Frontetikett dieser Weinlinie.

Dunkles Granatrot mit bräunlichem Einschlag. Die (alkohol-)kräftige Nase offeriert würzige Erdbeeraromen, etwas Kirsche, ein wenig schwarzer Pfeffer und ein sanfter Holzton, der an die Lagerung im großen Holzfass erinnert. Im Antrunk saftig-würzige Erdbeerfrucht, dazu erdige Töne, recht trocken, mit einer kräftigen Säure, die am ersten Tag noch zu präsent am Gaumen stehen blieb, am zweiten Tag dann aber harmonischer wurde. Auch am Gaumen etwas alkoholbetont, das steht dem Wein dank seiner kräftigen Stilistik aber gut. Der Abgang ist knapp mittellang, das Tannin ist recht unaufdringlich, der Wein hat einen würzig-erdbeerigen Nachhall. Als kräftiger Begleiter machte er sich, vor allem am zweiten Tag, sehr gut zu Sauerbraten. Diese Kombination wird im nächsten Herbst erneut an den Start gehen — obwohl ein feinherber Riesling hierzu auch mal wieder spannend sein könnte, gerade, wenn Apfelmus im Spiel ist. Offen verkostet, 1 Stunde in der Karaffe belüftet.

Im Fachhandel, 14,50 Euro, 85 Punkte (sehr gut), Ende 2009-2012

Jakob Sebastian Spätburgunder trocken Heimersheimer Berg, 2007

2007-sebastian-heimersheimerberg1Helles Kirschrot, recht blass in der Farbtiefe, leicht durchsichtig. In der ansprechend würzigen Nase Kirschen und etwas Erdbeere, ergänzt durch weihnachtliche Gewürze und einen Hauch von Lorbeerblatt. Im Mund jung, hier macht sich der Alkohol etwas bemerkbar, zeigt sich aber ebenfalls mit würzigen Kirschnoten. Der Wein hat eine schlanke Struktur, ist sauber vinifiziert, aber von eher einfacher Art. Nichtsdestotrotz bis hierhin ein wirklich angenehmer Vertreter seiner Zunft. Leider trübt sich dieser durchaus positive Eindruck am Gaumen, hier präsentiert der Wein eine herbe, ins bitterliche gehende Würze, das Tannin stumpft, der Abgang wird überwiegend durch die Bitternis geprägt. Mir missfällt das, meinem significant other etwas weniger, ihr O-Ton: „Ach komm, der bittere Geschmack ist doch so schnell weg, der stört doch dank des kurzen Abgangs kaum.“ So pragmatisch kann man das natürlich auch sehen — und hinsichtlich der „Länge“ des Abgangs hat sie recht. Eine Stunde in der Karaffe, offen probiert.

Im Fachhandel, 7,50 Euro, 81 Punkte (gut), jetzt bis 2010

Adeneuer Spätburgunder J.J. Adeneuer No 2, 2006

Im Glas ein mittleres Rubinrot mit leichter Randaufhellung. Sehr würziger Duft, Aromen nach roten Johannisbeeren, Pflaumen und leichten Bittermandeln, eingerahmt in sanfte Holzaromen. Im Mund ausgesprochen feingliedrig, vielleicht noch etwas schlank, mit nachhaltigen Fruchtaromen, straffer Mineralik und angenehm präsenter Säure. Die Tannine sind deutlich wahrzunehmen, geben dem Wein dadurch aber Kraft und Vitalität. Das Holz spielt sich nur dezent im Hintergrund ab und vermählt alle Komponenten zu einem harmonischen Ganzen. Der Abgang ist sehr gut, wenngleich etwas zurückhaltend, so zeigt er doch eine wunderbare Kombination aus Säure und Tannine. Offen verkostet, 30 Minuten dekantiert. Der Wein dürfte in einem Jahr seinen Höhepunkt erreicht haben und seine Aromen dann noch freizügiger zeigen.

Vom Weingut, 13 Euro, 85 Punkte (sehr gut), bis 2011

Weingut Sonnenberg Spätburgunder trocken Neuenahrer Schieferlay, 2007

Ein Weingut, eine Rebsorte, ein Jahrgang. Dies war die gemeinsame Ausgangsposition für die drei nachfolgenden Verkostungsnotizen. Die Weine kamen halbblind ins Glas, ich wusste, was kommt, nur nicht die Reihenfolge, aufgedeckt wurde erst zum Schluss. Die Flaschen waren alle ca. 48 Stunden geöffnet, alle noch gut zur Hälfte gefüllt, also ordentlich belüftet, ohne dass sich ein Luftton eingestellt hatte. Also, Nase rein ins Glas und los … Der Schieferlay kommt mit hellrubinroter Farbe ins Glas, leichter Wasserrand. Rotfruchtig, insbesondere aromatisches Erdbeerkompott tänzelt durch das Glas, eine reintönige, auch leicht würzige Nase -–insgesamt aber eher verhalten. Im Mund recht schlank, geschmacklich sauber, hat aber wenig Tiefe. Weiches Mundgefühl. Am Gaumen würzig, gut eingebundenes Tannin, leicht trocknend. Insgesamt noch harmonisch, aber eher unspektakulär. Mein significant other meint: „Das ist nur eine einfache Qualität.“ Das finde ich wiederum zu hart, es gibt weitaus Schlechteres.

Vom Weingut, 8 Euro, 78 Punkte (ordentlich), jetzt bis 2010