Weingut Bernhard Huber Spätburgunder, 2010

Huber Spätburgunder, 2010 (100 von 1)Dem Glas entströmt ein kräftiges Bukett nach rotbeerigen Früchten von deutlichen Eichenfaßaromen ummantelt. Die Früchte erinnern mich an sehr reife Aprikosen, Erdbeeren und Himbeeren, dahinter ein Hauch Dosenananas, durchaus ansprechend verbunden mit einer Melange aus Bittermandeln und Gewürzkräuter ala Pfeffer und auch etwas Zimt. Für den einfachen Gutwein überraschend vielschichtig und wechselhaft, nur weniger Holzwürze dürfte es sein. Am Gaumen von knapp kräftigem Körper, fruchtig-würziger Auftakt, die Säure sorgt für Frische und Leben, im weiteren Verlauf nehmen die flüchtigen Polyphenole deutlich zu, man schmeckt verbranntes Holz, Grillaromen, pflanzliche Anklänge (nicht grün), die anfängliche Süße kann der Wein dadurch nicht ganz durchhalten, er verliert ein klein wenig an Balance und Volumen, dafür wirkt er frisch, die Tannine herb ohne trocknend zu wirken, das Holz übernimmt die Fülle und trägt ein Stückweit aromatisch den Wein bis ins mittlere Finale hinein. Insgesamt aber ein sehr gut gelungener Basiswein, der selbst anspruchsvollen Gaumen, insbesondere zum Essen, ein ansprechender Begleiter sein kann. Für 12 Euro bekommt man hier einen sehr guten, erkennbar deutschen Spätburgunder mit beginnendem Spiel ins Glas.

Vom Weingut, 12 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Adeneuer Wallporzheimer Gärkammer GG, 2006 und Bernhard Huber Hecklinger Schlossberg „R“ GG, 2005

2xSpätburgunder Titel (100 von 1)Auf einer kürzlich veranstalteten Vergleichsprobe von Pinot Noirs aus dem Burgund und deutschen Spätburgundern fiel das Große Gewächs aus der Gärkammer von Adeneuer deutlich ab- wir hatten eine furchtbare Flasche erwischt, die bereits oxidiert war. Ein Ausrutscher, so zumindest meine Hoffnung, denn es liegen noch einige Flaschen davon im Keller. Ausreichend Grund zeitnah einen neuen Versuch zu starten und am Ostermontag war es soweit.

Gärkammer, 2006 (100 von 1)Weingut Adeneuer Walporzheimer Gärkammer GG, 2006
Zum Glück bestätigte sich meine damalige Vermutung eines Flaschenfehlers, denn die heute Flasche zeigte gehobenen Ahrwein in einem schönen Reifezustand. Die Nase sehr offen mit der üblichen recht dominierenden kräutrigen Holzwürze, viel Röstigkeit, sehr reife dunkle Beerenfrüchte und Erdbeerkompott. Am Gaumen von kräftigem Körper, die Frucht entspricht der Blume in der Nase, mit erfrischenden Zitrusabrieb, es fällt sofort die forsche Säure auf, die für meinen Geschmack dem Wein jedoch zu seiner Balance verhilft, ansonsten könnte die Überreife dem Wein die Frische nehmen. Auch hier viel, aber charmantes Holz nach gerösteten Nüssen, getrockenete Kräuter, Süße und Vanille, perfekt abgeschmolzene Tannine, ein Charmebolzen, mit feinen Zuckerschwanz im langen Nachhall. Das macht heute uns allen richtig Freude, auch weil er deutlich Herkunft zeigt. Aber so bleibt es eben auch, bei aller Verführung, ein kleiner Blender, denn er liebkost unseren Gaumen vorallen aufgrund seiner Holzsüße und hochreifen Früchten, die auch leicht vom Alkohol getragen werden, subtil ist das nicht und tief schon gar nicht, aber es schmeckt einfach vorzüglich.
Vom Weingut, 54 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2016

Über den Wein entstand dann eine Diskussion über das Anbaugebiet (er kam blind auf den Tisch) und ob das typisch deutsch sei oder nicht, manche tippten auf Baden und insbesondere auf Huber. Das reizte mich und spontan ging aus dem Keller einen Huber holen, um die Unterschiede parallel zu erleben – sie waren deutlich.

Huber Schlossberg, 2005 (100 von 1)Bernhard Huber Hecklinger Schlossberg „R“ GG, 2005
Zunächst hatte des der Wein schwer, denn er musste erst die Belüftungzeit des Adeneuers aufholen. Zeigt er sich zu Beginn sehr verhalten, zog er schlussendlich mühevoll an ihm vorbei und zeigte dabei einen Klassenunterschied auf. Hier beginnt ernsthafter Spätburgunder mit einer gewissen Noblesse, der ohne Süße auskommt. Das Bukett erinnert an gute 1er Crus aus Pommard dank seiner dunklen Beerenfrucht nach Brombeeren und Backpflaumen, zeigt Tiefe und Spiel an, das Holz ist da, auch deutlich, aber mit mehr Klasse und fügt sich besser in die Frucht ein, ein Hauch von Kalkstein, versprüht Kühle und Klarheit. Am Gaumen von mittlerem bis kräftigen Körper, mit klarer, dichter Frucht nach dunklen Waldbeeren, vorallem Brombeeren und Pflaumen, florale Anklänge nach Veilchen, dunkle Holzwürze nach Bitterschokolade, Zedernholz und Röstaromen, noch leicht trockenende Tannine, guter Zug am Gaumen, feines, agiles Säurespiel, hinten raus noch etwas jugendlich unruhig, da fehlt es heute noch an Charme, mittlere Länge. Der Wein ist noch zu jung, zeigt aber schon jetzt Klasse und Tiefe an.
Vom Weingut, 42 Euro, 91+ Punkte (ausgezeichnet), 2015 bis 2025

Am Ostermontag liesen wir uns trotzdem gerne von der Gärkammer verführen, mit seiner Röstigkeit, seinen üppigen Hüften und seiner unverschämten Fruchtsüße. Obwohl es sich in den Punkten nicht so zeigt, liegt für uns der Huber eine ganze Klasse darüber. Die schmeckbar seriösere und feiner Interpretation der Pinot Noir-Traube.

Weingut Michel, Grauburgunder Achkarrer Schlossberg Spätlese trocken ***, 2008

2008-WMASGb3StDiesmal das Fazit vorab: ein in Summe  prächtiger Wein!

Helles goldgelb. Eine verschwenderische Nase von reifen Früchten, erinnert vor allem an Christbirne, gelbe Melone und  – dies jedoch in einer wunderschönen Ausprägung – kandierte Orangen. Krokant, Nuss und Vanillespuren zeugen vom gekonnten Holzeinsatz, die Holzaromen sind präsent, aber fügen sich balanciert in das stimmige Gesamtbild ein. Die volle Nase animiert und der Alkoholeindruck passt hier perfekt ins Bild.

Voller, fruchtbetonter Antrunk, mit dicht gepackter, nur ganz leicht süßlicher Christbirne und Melone, herbe Krokantspuren geben einen geschmacklichen Kontrast. Dicht, aber nicht schwerfällig oder gar fett.  Feinbittere Orangenaromen runden das Bild ab, bis sich dann auch das zart unterlegte mineralische Fundament dieses Weines zeigt.

Seine 14% verdaut der Wein spielend, hier ist nichts brandig, nicht überzeichnet – auch in diesem Punkt ist der Wein überzeugend. Harmonisches, langes Finale, noch ein wenig vom Holz geprägt – aber die satte Frucht arbeitet sich zunehmend durch.

Wie wohltuend ist dieser Wein – kein überkonzentrierter, süßer, vom Holz verseuchter und auch nicht Glycerin-schwangerer Grauburgunder… gäbe es mehr Grauburgunder dieser Art und Kampfklasse, hätte ich sicherlich einen deutlich größeren Bestand davon im Keller. Doch Weine wie dieser Grauburgunder von Michel sind wirklich rar gesäht. Florian, ein leckeres Mitbringsel!

Offen und undekantiert aus großen Gläsern zu leicht scharfen Küche getrunken. Wird auch als Solist funktionieren.

Ab Weingut gekauft, 14 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2015

Weingut Bernhard Huber Spätburgunder Malterdinger Bienenberg ‚R‘, 2004

Huber Bienenberg 2004-100Durchscheinendes Purpurrot mit ziegelroten Reflexen und Wasserrand. Die Nase zu Beginn scheu, ruhig bleibt sie über den ganzen Abend, aber mit der Weile lässt sie einen immer tieferen Blick zu. Dunkle, etwas überreife Früchte verwoben mit einer erdbetonten Würze, die anfängliche Erdbeere verschwindet zum Glück, es tritt immer deutlicher eine kühle Mineralik auf, erinnert an Kalkstein, kalte Asche und Teernoten. Das Bukett insgesamt reintönig, mit Spiel und ohne Breite. Im Mund von mittlerem Körper, klarfruchtig, erneut sind die Früchte reif und gelungen flankiert von einer Holzwürze, im Mund kommen verstärkt atherische Noten und Blütenblätter auf, in Verbindung mit dem festen mineralischen Fundament zeigt der Wein Tiefe und Spiel. Lebendiges Spiel der gut eingebundenen Säure, ganz leicht trocknend im langen, nuancierten Nachhall. Das ist ein klasse Spätburgunder, der seine Herrkunft nie verleugnet, aber hinreichend Spiel, Frische und Trinkigkeit hat. Der Preis ist gerechtfertigt.

Vom Weingut, 37 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

Sieben Spätburgunder vom Weingut Ziereisen


Nach dem ersten Teil mit einer Vertikalen des Oestricher Doosbergs und des Mittelheimer St. Nikolaus von Peter Jakob Kühn (hier nachzulesen) standen in der Bonner Weinrunde im März 2012 die Spätburgunder des badischen Weinguts Ziereisen auf dem Programm. Bekannt sind die Weine für ihre Kräftigkeit — sowohl in der Konzentration als auch im Holzeinsatz. Daher wurden alle Weine am Vortag geöffnet und doppelt dekantiert – und somit nachhaltig belüftet. Weiterlesen …

Spätburgunder Kraftakt 2012

Kraftakt Pinot Noir Aufzug 3 stand an und so pilgerten die üblichen Weinverrückten mal wieder ins Gelpetal bei Wuppertal, um bei Heiko 16 Spätburgunder auf Herz und Nieren zu testen. Und erneut ging es um das alte Spiel zwischen den Franzosen und Deutschen. Ja, wer macht denn nun den besseren roten Burgunder? Wie schön, dass man über Wein so trefflich streiten kann. Und so konnte auch dieser Kraftakt keine endgültige Antwort auf diese Frage geben, nur einen eindeutigen Tagessieger. Man kann sogar fast von einer Klatsche für… Weiter lesen…

Weingut Huber Spätburgunder Hecklinger Schlossberg GG, 2005

Transparentes Purpurrot. Ganz verhalten orangefarbene Reflexe zum Rand hin. Aus der frisch geöffneten Flasche wirkt die Nase scheu und unzugänglich, kaum präsent. Ganz anders nach drei Stunden Karaffierzeit. Eine zunehmend komplex verwobene Nase mit roter Frucht, Kräutern, wobei hier Thymian dominiert, Krokant und weitere Schichten mit herber Sahne drängen aus dem Glas.  Mit mehr Luft zunehmende Kaffeenoten.

Saftiger Auftakt, dann frische Säure zeigend, die mit der stets elegant bleibenden Extraktsüße spielt. Herzkirschen, Hagebutten und ein wuchtiger Krokantton vom Holzkontakt. Der rotfruchtige Kern wird flankiert von einer merklich mineralischen Note. Wunderbare Fülle ohne jede Schwere.

Der Wein spielt ab seiner Mitte fast verschwenderisch mit seinen Elementen – und bei aller Wucht (jedoch nicht im alkoholischen Sinne), die der Wein anbietet, dem Wein haftet doch jederzeit eine noble und tiefe Eleganz an. Allenfalls das Holz ist derzeit noch zu präsent, der Wein lässt aber mühelos weiteres aristrokratisches Potential erkennen: das Tannin ist feinporig. Deutlich wahrnehmbar, aber nicht trocknend.

Langer bis schon sehr langer Nachhall, der dem Wein ein gelungenes Finish beschert; auch hier nochmal ein Ticken zu viel Holz – noch jedenfalls… dabei ist der Wein jetzt schon sehr harmonisch.

Offen verkostet, drei Stunden in der Karaffe, danach über Stunden mit großer Freude genossen.

Im Fachhandel gekauft, 45 Euro, 92-93+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017+