Weingut Randolf Kauer Riesling Spätlese trocken Oberweseler Oelsberg, 2008

Kauer Oberweseler Oelsberg SL tr, 2008 (100 von 1)Sauberes und präzises mineralisches Bukett nach Kreidestaub und Schiefergestein, jugendliche, noch veschlossene weiße Pfirsiche, Anklänge nach grünwangigen Äpfeln, dahinter noch ein Hauch Gäraromen zu vernehmen, insgesamt eine herrlich feinduftige Blume. Am Gaumen von mittlerer Dichte, im Antrunk betont elegant, sehr jugendliche Steinfrüchte, die harmonische Ausgewogenheit aus Säure und Restsüße fällt unmittelbar auf, der Wein ist noch blutjung und besticht mit einer pikanten Säure, für einen Oelsberg echt erstaunlich. 2008 zeigt sich abermals als hochwertiges Jahr. Dieser Riesling bestätigt dieses Pauschalurteil gelungen, so tanzt er über den gesamten Verlauf überaus schwungvoll auf meinem Gaumen, sehr animierend zu trinken, herrlich mineralischer Biss, gelungenes, frisch-fruchtiges Finish. Ein Stein-Riesling von animierender Feinheit. Ein weiterer, überaus gelungener Wein von Kauer, der das Reifepotential von 2008 eindrucksvoll beweist. Viel Wein für wenig Geld.

Vom Weingut, 12,50 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2021

Weingut Randolf Kauer – Herrlich, leichte Kabinette aus 2013

Kauer Titel1 (100 von 1)Randolf Kauer Kauer Riesling Kabinett trocken, 2013 (11,5 % vol.)
Duftet nach Pampelmuse, Abrieb von der Limette, Anflug von Hefe und röstiger Mineralität, ausgewogen, noch etwas scheu. Am Gaumen von schlankem Körper, wässrige Essenzen von Kernfrüchten, jugendliche Zitrusfrüchte, nicht ganz trocken, die Säure recht pikant, leichtfüßig, beschwingter Verlauf, überzeugt mit seiner blitzsauberen Frucht, seine Tugend ist Frische, was ihn zu einem gelungener Terrassenriesling für den Alltag macht, der ohne Anstrengung genossen werden kann.
83/100, jetzt bis 2018, 7,50 Euro

Randolf Kauer Riesling Bacharacher Wolfshöhle Kabinett trocken, 2013 (11,5% vol.)
Für einen Euro mehr, erhält man erstaunlich viel mehr Wein ins Glas. Die Nase, wenngleich noch verhalten, zeigt eine durchaus tiefe Kräuterwürze, dazu erwürzige Mineralität, die Frucht noch verschlossen, eher auf der Apfelfrucht. Am Gaumen leichtfüssig, aufgrund seiner mineralische, kräutrigen Art, wirkt er heute noch ein wenig kantig, da die Frucht auch hier noch nicht aus ihrer Höhle hervortreten möchte, über den gesamten Verlauf ein sehr feines Säurespiel, schiefrig-würzige Mineralität, feiner Biss, wirkt trockener als der einfache Kabinett, gute Nachhaltigkeit, herrlich klar und animierend zu trinken, mittlerer Nachhall. Würde ich zwei Jahre liegen lassen, dann dürfte dieser Kabinett sich herrlich trinken lassen. Überaus gelungener, leichtfüssiger, ja finessiger Kabinett!
87+/100, 2016 bis 2020, 8,50 Euro

Randolf Kauer Riesling Kloster Fürstenthal Kabinett trocken, 2013 (11,0% vol.)Kauer Titel2 (100 von 1)
Etwas fruchtiger kommt der Kabinett aus dem Fürstenthal daher. Duftet nach Cassisblättern, weißen Johannisbeeren, jungen Steinfrüchten, noch Hefenoten. Am Gaumen in Tick dichter, fein-fruchtiger Auftakt mit einem animierenden Touch Restsüße, trotzdem sensorisch als trocken zu verorten, über den gesamten Verlauf eine gelungene Verbindung aus jugendlichen Steinfrüchten, helltöniger, steiniger Mineralität und einem feinem Säurespiel, dass sich bereits gut integriert präsentiert, leicht schmelziges Mundgefühl, trinkt sich heute etwas schmeichelnder, als der Kabinett aus der Wolfshöhle und dürfte sich in einem halben Jahr bereits voll entwickelt zeigen.
86/100, 2015 bis 2020, 8,50 Euro

Randolf Kauer Riesling Oberdiebacher Fürstenberg Kabinett feinherb, 2013 (11,0% vol.)
Dezenter, aber herrlich reintöniger Duft nach jugendlichen Steinfrüchten, etwas Limettenabrieb und helltöniger Mineralität. Am Gaumen ein Hauch dichter im Vergleich zu den trockenen Kabinets, im Antrunk die Pracht eines jugendlichen Riesling, der munter zwischen angereiften Steinfrüchten, einer zarten Restsüße (ich tippe so auf 15 g/l)  und einer feinnervigen, reifen Säure hin und her tanzt. Wer einen solchen Wein nicht sofort in großen Schlucken genießen möchte, ist Biertrinker. Sorry, ich werde unseriös. Über den gesamten Verlauf ist sein Vorzug seine Leichtigkeit, sein Spiel und die tänzelnde, reife Säure, die höhere Restsüße tut dem Riesling einfach ungemein gut, es macht ihn in seiner jetzigen Jugend noch charmanter und wird ihn vermutlich auch gut reifen lassen. Wir sind begeistert!
87-88+/100, jetzt 20202, 8,50 Euro

Alle drei trockenen , sowie insbesondere der feinherbe Kabinett haben mich positiv überrascht. So elegant kann Mittelrhein schmecken! Ungemein klare Rieslinge, niedrige Alkoholgrade, beschwingtes Säurespiel, faire Preise. Blind verkostet wäre mein Tipp Mosel oder gar Saar gewesen, derart finessige, fein-pointierte Weine erzeugt Randolf Kauer.

 

Kraftakt Riesling Teil VI – 2013

Schoffit Rangen de Thann Clos St. Theobald, 2005 (100 von 1)

Nach dem Highlight letzten Jahres war eines offensichtlich – besser geht es kaum (Hier lesen). Folgerichtig folgte unser diesjähriger Master of Wine Thomas andere Pfade und versuchte erst gar nicht die formale Qualität noch einmal zu überbieten, viel mehr suchte er aus der gewaltigen Auswahl, die ihm  die üblichen Weinnasen an möglichen Weinen gemeldet hatte, nur jene Tropfen heraus, die in den letzten Kraftakten nicht in Erscheinung traten. Es kam wie es kommen musste; wir hatten jede Menge authentische Weine im Glas, von insgesamt erstaunlich guter Qualität, wenngleich das Niveau des Vorjahres in der Breite klar nicht erreicht wurde. Mit dem 2005er aus dem Rangen de Thann von der Domaine Schoffit näherte sich nur ein Riesling der Kategorie Groß an, einige am Tisch billigten ihm dies auch zu. Ein überragender Riesling, der sich seit einigen Jahren konstant auf höchstem Niveau hält und noch heute ein Einkaufstipp ist. Zum ersten Mal ging damit die Rieslingkrone ins Elsass, was mich als Liebhaber dieser Region natürlich besonders erfreute.

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Weinbörse Mainz 2012: VDP. Die Prädikatsweingüter präsentieren den Jahrgang 2011

 

Ganz absichtlich hatte ich bisher einen großen Bogen um irgendwelche Kommentare und Berichte des Jahrgangs 2011 gemacht. Nur einige bekannte Winzer oder Freunde, die sich als Hobby-Winzer versuchen, klangen schon recht euphorisch ob der Qualitäten. Eben das gleiche Spiel wie jedes Jahr dachte ich insgeheim. Sei´s drum, ich konnte auf alle Fälle ohne große Vorurteile am 29. April 2012 zur Mainzer Weinbörse fahren um in der Breite den neuen Jahrgang der VDP-Betriebe zu verkosten. Um so schöner, dass Guido ebenfalls dabei war, was den Verkostungsergebnissen zweifellos zu Gute kam.

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Jahrgangsprobe 2006 Riesling Große Gewächse

Es war mal wieder soweit. Die Jahrgangs-Riesling-Probe stand an. In der Regel sechs Jahre nach der Lese blicken wir zurück und unterziehen einer Auswahl von großen Rieslingen einer ersten Zwischenbewertung. Dieses Jahr haben wir uns darauf verständigt das Jahr 2006 vorzuziehen. Dafür gab es im Wesentlichen zwei Gründe. Weiter lesen…

Riesling Große / Erste Gewächse 2009 – weitere erste Eindrücke…

Wie schon im ersten Beitrag zu diesem Thema angekündigt, sollten meinen Eindrücke von den diversen Händlerproben nicht die einzigen bleiben… Auch Thorsten hat seine Notizen inzwischen online gestellt! Bei einigen Weinen sind wir uns ziemlich einig – bei anderen gilt: Zwei Verkoster, drei Meinungen…

Aktuell sind damit nun rund 50 GG/EG erfasst… 

Ratzenberger Riesling Steeger St. Jost Großes Gewächs, 2005

Strohgelb. In der ungemein kraftvollen Nase herbe Maracuja und gelbfleischiger Pfirsich, zunächst auch ein feiner Gummiton, der aber mit weiterer Belüftung gänzlich verschwand, ein Hauch Lack; mit weiterer Verweildauer im Glas auch Anklänge an weiße Blüten und eine Spur Pimentschärfe. Im Antrunk pausbäckiger Körper, betontes Mineral, mit einem insgesamt aber saftigen Stil, in dem noch eine leichte Zuckerspitze vorsteht, die dem Wein etwas an Präzision nimmt. Die Säure ist vital, aber ohne Kanten harmonisch integriert. Geschmacklich wieder mit Pfirsich und Marajucanoten entwickelt der Wein zum Gaumen hin einen leichten Schmelz. Der Abgang ist wirklich wunderbar komponiert, die Frucht bleibt fein und sehr, sehr lang stehen. Erst als der Wein fast gänzlich verschwunden scheint, meldet sich die leicht herbe Mineralität doch noch einmal und trägt den Nachhall weiter.

Ein Wein, der bereits heute sehr viel Spaß bereitet — und doch glaube ich, dass ihm eine weitere Lagerung von zwei bis drei Jahren gut zu Gesicht stehen könnte.

Ab Weingut gekauft, 17,40 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2013

Ratzenberger Riesling Spätlese trocken Steeger St. Jost, 2006

Im Glas ein helles Strohgelb. In der Nase eine gut definierte, cremige, fast sahnige Pfirsichfrucht, etwas grüne Kräuter, mineralischer Nachhall, aromatisch, dabei aber kühl und ätherisch wirkend. Die Nase ist leicht süßlich, wirkt konzentriert, die Mineralität ist kompakt, sie lässt an ein Großes Gewächs denken. Ganz leicht hindurch schimmert eine leichte Botrytisnote.

Im Mund reife Früchte, eine etwas dickliche Textur, viel zum Glück auch von der Säure. Dann kommt das volle Paket, wieder Pfirsich, doch auch Pistazien, weißer Nougat, Torrone, wieder diese Sahnigkeit, gut dazu passt die Zuckerspitze, die sich aber gut einfügt.

Tja, das also ist eine trockene Spätlese. So richtig trocken scheint sie mir nicht, auch wirkt sie ganz schön konzentriert und sogar ein bisschen fett. Aber mir egal, was ich hier im Glas habe, ist auf jeden Fall saugut. In der offenen Flasche zwei Stunden belüftet, offen verkostet, am besten bei etwa 12-14 Grad trinken, kälter hält sich die schöne Aromatik zurück, wärmer werden Säure und Mineralität dann doch recht dominant.

Vom Weingut, 9,20 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2012

Weingart Riesling Bopparder Hamm Feuerlay Spätlese *, 2005

Weingart Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Spätlese (1 von 1)Klares Strohgelb. Intensiv mineralischer Duft nach Feuerstein, mit deutlichen Tabaknoten, erste zarte Altersnoten, dahinter angetrocknete Aprikose und ein Hauch Zitruscreme. Insgesamt eine perfekt ausbalancierte Nase mit Kraft und Tiefe. Im Mund ähnlich ausgewogen, ebenfalls mit Kraft, Tiefe und Eleganz zugleich ausgestattet. Ein Touch mehr Reifetöne, ohne störend zu wirken. Eine restsüße Spätlese im allerbesten Sinne: süß, mit robuster, tänzelnder Säure und animierend saftigen Fruchtaromen und einem wirklich gut langem Abgang. Ausgezeichnete Winzerkunst vom Mittelrhein zum Spottpreis. Der Wein sollte nun getrunken werden, da sich die Reifenoten nun immer weiter ausbreiten. Perfekter Begleiter zu Käse, der spontan aufgezogen sofort im Glas überzeugte. Beide Daumen hoch!

Vom Weingut, 9 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Toni Jost Hahnenhof Riesling Spätlese trocken „Devon S“, 2007

devon-s-4Im Glas ein helles, sehr transparentes Strohgelb, leichte Kohlensäure, auch auffällig viel Weinstein. In der Nase eine cremige, leicht würzige gelbe Steinfrucht, Bergamotte, auch ganz zarte Blütenkräuter, Veilchenpastillen und eine kühl und frisch wirkende Mineralität — das alles nicht überbordend, sondern ganz zart duftend. Im Mund geht es dann zur Sache. Die Säure ist geradlinig, ungeheuer saftig, sie wirkt noch etwas jung und trocknend, aber überhaupt nicht ruppig. Mit ihr kommt eine frische Frucht von Steinobst mit einem leicht süß-würzigen, sehr leckeren Extrakt, genauso ausgewogen wie in der Nase angekündigt, auch konzentrierte Noten wie von Fruchtgummi. Am Gaumen entwickelt sich nach und nach eine Mineralität mit einigem Druck. Es ist interessant, wie sich dieser Wein entwickelt hat. Vor circa einem Jahr zeigte er nicht viel mehr als gelben Dosenpfirsich. Die Aromen sind vielschichtiger geworden und haben ein größeres Spiel, die typisch mittelrheinische Würzigkeit kommt jetzt sehr fein daher, die Mineralität dringt mehr und mehr durch. Alles in allem kein komplexes oder tiefes Gewächs, aber dafür ein Trinkspaß von sehr guter Qualität, der auch noch von einem Glasverschluss gekrönt wird. Man möchte davon gerne ein paar Flaschen im Keller haben, was vom Preis her ja auch durchaus möglich ist. Nicht dekantiert, offen und mit Ruhe und Muße aus dem großen Bordeauxglas getrunken.

Ab Weingut, 9,50 Euro, 87 Punkte (sehr gut), 2010 bis 2012

Weingart Riesling Kabinett Bopparder Hamm Ohlenberg, 2007

Im Glas hellgold schimmernd, noch jung und leicht perlend. Eine schwelgerische, sehr schöne Kabinettnase mit Steinfrüchten und etwas Ananas-Kokos. Dazu eine mineralische Note und die für den Mittelrhein charakteristische Würze wie von Muskatnuss. Im Mund ein aufgeregtes, wirbelndes Spiel mit einer ausgeprägte Süße und einer jungen, sehr vitalen, noch etwas unruhigen Säure. An Aromen wieder die gelbe Steinfrucht, aber jetzt eher eingelegt und sirupartig. Das Extrakt ist erstaunlich dicht und bietet eine ungewöhnliche Länge. Insgesamt ein Bilderbuch-Kabinett mit schöner würziger Mittelrhein-Typizität. Der Gault Millau feiert die Kabinette von Florian Weingart Jahr für Jahr. 2007 kommen diese nun nicht mehr aus dem Fürstenberg, die Lage ist mittlerweile verkauft, sondern aus dem Bopparder Hamm, oder noch genauer aus dem Ohlenberg, der für opulente, exotisch fruchtige Weine steht. Der Qualität ist ungebrochen hervorragend!

Vom Weingut, 5,50 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), bis 2012

Lanius-Knab Riesling Spätlese Engehöller Goldemund, 2002

Im Glas ein helles Zitronengelb, für das Auge keine Anzeichen von Altersreife. Die feine Nase bietet kräuterigen Weinbergspfirsich, umhüllt von einer feinwürzigen schieferigen Petrolwolke. Im Mund eine weiche, aber noch schön runde Säure, dazu eine cremige Süße, Aromen von weißem Pfirsich und aromatischen Küchenkräutern, darunter Majoran, Muskatnuss. Ein schönes Zusammenspiel von würziger Mineralik, animierender Säure und kräuteriger süßer Frucht — alles nicht überbordend, sondern auf elegantem Niveau. Auch der Abgang ist ordentlich, wenn man hier auch am ehesten merkt, dass die Kraft langsam nachlässt. Stellvertretend für die anderen höherwertigen Weine von Lanius-Knab (die einfachen Gutsweine ausgenommen) entfaltet sich auch diese restsüße Spätlese erst drei Stunden nach Öffnen der Flasche und mit einmaligem Hin- und Herdekantieren. Auch andere Weine von anderen Winzern brauchen das, vor allem Spontanvergorene wie die von Lanius-Knab, nur präsentieren sich diese vor dem aufwändigen Dekantieren meist nicht so kraftlos und unharmonisch. Oder gar fehlerhaft. Das 2004er Große Gewächs aus dem Engehöller Bernstein musste zuletzt über viele Stunden förmlich wiederbelebt werden. Direkt nach dem Öffnen ungenießbar (fast wie umgekippt), brauchte es ein zweimaliges Doppeldekantieren und sechs Stunden in der Kühlung und im Dekanter, um dann plötzlich wieder in seiner vollen Pracht zu erstrahlen. Gelinde gesagt, mitunter macht das Mühe. Und dem etwas unerfahrenen Weintrinker zu vermitteln ist das schon gar nicht. Aber das Warten lohnt sich. Die Weine haben eine besondere, hintergründige Strahlkraft und eine tiefe, natürliche Finesse.

Vom Weingut, 8,60 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Lanius-Knab Riesling Spätlese Engehöller Goldemund, 2003

Sehr hell und klar im Glas, ein zartes Gelbgrün. In der Nase Zitrus- und erste Petrolnoten, begleitet von einer weißen Pfirsichnote und einem cremigen Aroma wie von Sahne. Im Mund fällt vor allem die besondere Cremigkeit des Weins auf. Zweite Besonderheit ist die typische Mineralik vom Engehöller Goldemund, die in den trockenen wie in den restsüßen Weinen aus der Lage zum Ausdruck kommt — ein üppiges honigartiges, kräuteriges, bernsteinhaftes Aroma. Insgesamt bietet diese Spätlese aus 2003 eine schöne Restsüße, wie man sie aus dem Jahr erwartet, dazu eine intakte Säure und deutliche Mineralnoten. Die Aromen sind in einem schönen Schmelz zusammengebunden und sehr sauber. Dem Wein liegt eine besondere Reinheit inne — eine Spezialität, die man öfter bei Jörg Lanius wiederfindet. Der Umgang mit dem Wein ist allerdings auch nicht ganz so einfach: Am besten etwas länger dekantieren und leicht nachkühlen, dabei verfliegt die Spontinote, und der Wein öffnet sich merklich.

Vom Weingut, 8,60 Euro, 88 Punkte (sehr gut), bis 2008

Lanius-Knab Riesling Kabinett feinherb Engehöller Goldemund, 2003

Sehr hell mit gelbem Schimmer im Glas. In die Nase strömen fruchtige reife Aromen. Weißer Pfirsich mit einer intensiven, fast sahnigen Süße. Dazu etwas milde Kräuter, orientalische Gewürze wie Fenchelsamen. Beim Verkosten sehr reifes gelbes Steinobst, Pfirsich und besonders Aprikose. Eigentlich gar kein feinherber Kabinett, wie es auf dem Etikett steht, sondern eher ein fruchtiger. Die Säure ist spürbar, aber zurückhaltend — eher untypisch für ein Lanius-Knab-Gewächs. Interessant ist eine leichte herbe Note, die zwischen Süße und Säure einen mineralischen Ton setzt. Im eher kurzen Abgang etwas champignonhaft-vegetabil. Der Überhang zur reifen Fruchtigkeit hält den Körper klein. Alles in allem ein Riesling mit Understatement. Fühlt man sich etwas in ihn ein, lässt ihn etwas atmen und trinkt ihn nicht zu kalt, macht das Süße-Säure-Spiel Spaß und sind die Aromen komplexer als sie zu Anfang erahnen lassen. Zeichen der Reinheit, die man im ganzen Sortiment von Jörg Lanius findet. Der sympathische Winzer lässt den Wein spontan gären, mit seinen natürlichen Hefen. So wirkt ein Wein schon mal karg oder hat eindringliche fruchtige Noten, bei Jörg Lanius jedoch auch immer einen wunderbar klaren, reinen Geschmack und eine tolle aromatische Tiefe. So auch dieser Kabinett, auch wenn er mit den begeisternden Spätlesen und trockenen Großen Gewächsen von Lanius-Knab kaum vergleichbar ist.

Vom Weingut, 6,80 Euro, 85 Punkte (sehr gut)