Ratzenberger Riesling Spätlese trocken Steeger St. Jost, 2006

Im Glas ein helles Strohgelb. In der Nase eine gut definierte, cremige, fast sahnige Pfirsichfrucht, etwas grüne Kräuter, mineralischer Nachhall, aromatisch, dabei aber kühl und ätherisch wirkend. Die Nase ist leicht süßlich, wirkt konzentriert, die Mineralität ist kompakt, sie lässt an ein Großes Gewächs denken. Ganz leicht hindurch schimmert eine leichte Botrytisnote.

Im Mund reife Früchte, eine etwas dickliche Textur, viel zum Glück auch von der Säure. Dann kommt das volle Paket, wieder Pfirsich, doch auch Pistazien, weißer Nougat, Torrone, wieder diese Sahnigkeit, gut dazu passt die Zuckerspitze, die sich aber gut einfügt.

Tja, das also ist eine trockene Spätlese. So richtig trocken scheint sie mir nicht, auch wirkt sie ganz schön konzentriert und sogar ein bisschen fett. Aber mir egal, was ich hier im Glas habe, ist auf jeden Fall saugut. In der offenen Flasche zwei Stunden belüftet, offen verkostet, am besten bei etwa 12-14 Grad trinken, kälter hält sich die schöne Aromatik zurück, wärmer werden Säure und Mineralität dann doch recht dominant.

Vom Weingut, 9,20 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2012

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Weingart Riesling Bopparder Hamm Feuerlay Spätlese *, 2005

Weingart Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Spätlese (1 von 1)Klares Strohgelb. Intensiv mineralischer Duft nach Feuerstein, mit deutlichen Tabaknoten, erste zarte Altersnoten, dahinter angetrocknete Aprikose und ein Hauch Zitruscreme. Insgesamt eine perfekt ausbalancierte Nase mit Kraft und Tiefe. Im Mund ähnlich ausgewogen, ebenfalls mit Kraft, Tiefe und Eleganz zugleich ausgestattet. Ein Touch mehr Reifetöne, ohne störend zu wirken. Eine restsüße Spätlese im allerbesten Sinne: süß, mit robuster, tänzelnder Säure und animierend saftigen Fruchtaromen und einem wirklich gut langem Abgang. Ausgezeichnete Winzerkunst vom Mittelrhein zum Spottpreis. Der Wein sollte nun getrunken werden, da sich die Reifenoten nun immer weiter ausbreiten. Perfekter Begleiter zu Käse, der spontan aufgezogen sofort im Glas überzeugte. Beide Daumen hoch!

Vom Weingut, 9 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Toni Jost Hahnenhof Riesling Spätlese trocken „Devon S“, 2007

devon-s-4Im Glas ein helles, sehr transparentes Strohgelb, leichte Kohlensäure, auch auffällig viel Weinstein. In der Nase eine cremige, leicht würzige gelbe Steinfrucht, Bergamotte, auch ganz zarte Blütenkräuter, Veilchenpastillen und eine kühl und frisch wirkende Mineralität — das alles nicht überbordend, sondern ganz zart duftend. Im Mund geht es dann zur Sache. Die Säure ist geradlinig, ungeheuer saftig, sie wirkt noch etwas jung und trocknend, aber überhaupt nicht ruppig. Mit ihr kommt eine frische Frucht von Steinobst mit einem leicht süß-würzigen, sehr leckeren Extrakt, genauso ausgewogen wie in der Nase angekündigt, auch konzentrierte Noten wie von Fruchtgummi. Am Gaumen entwickelt sich nach und nach eine Mineralität mit einigem Druck. Es ist interessant, wie sich dieser Wein entwickelt hat. Vor circa einem Jahr zeigte er nicht viel mehr als gelben Dosenpfirsich. Die Aromen sind vielschichtiger geworden und haben ein größeres Spiel, die typisch mittelrheinische Würzigkeit kommt jetzt sehr fein daher, die Mineralität dringt mehr und mehr durch. Alles in allem kein komplexes oder tiefes Gewächs, aber dafür ein Trinkspaß von sehr guter Qualität, der auch noch von einem Glasverschluss gekrönt wird. Man möchte davon gerne ein paar Flaschen im Keller haben, was vom Preis her ja auch durchaus möglich ist. Nicht dekantiert, offen und mit Ruhe und Muße aus dem großen Bordeauxglas getrunken.

Ab Weingut, 9,50 Euro, 87 Punkte (sehr gut), 2010 bis 2012

Weingart Riesling Kabinett Bopparder Hamm Ohlenberg, 2007

Im Glas hellgold schimmernd, noch jung und leicht perlend. Eine schwelgerische, sehr schöne Kabinettnase mit Steinfrüchten und etwas Ananas-Kokos. Dazu eine mineralische Note und die für den Mittelrhein charakteristische Würze wie von Muskatnuss. Im Mund ein aufgeregtes, wirbelndes Spiel mit einer ausgeprägte Süße und einer jungen, sehr vitalen, noch etwas unruhigen Säure. An Aromen wieder die gelbe Steinfrucht, aber jetzt eher eingelegt und sirupartig. Das Extrakt ist erstaunlich dicht und bietet eine ungewöhnliche Länge. Insgesamt ein Bilderbuch-Kabinett mit schöner würziger Mittelrhein-Typizität. Der Gault Millau feiert die Kabinette von Florian Weingart Jahr für Jahr. 2007 kommen diese nun nicht mehr aus dem Fürstenberg, die Lage ist mittlerweile verkauft, sondern aus dem Bopparder Hamm, oder noch genauer aus dem Ohlenberg, der für opulente, exotisch fruchtige Weine steht. Der Qualität ist ungebrochen hervorragend!

Vom Weingut, 5,50 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), bis 2012

Lanius-Knab Riesling Spätlese Engehöller Goldemund, 2002

Im Glas ein helles Zitronengelb, für das Auge keine Anzeichen von Altersreife. Die feine Nase bietet kräuterigen Weinbergspfirsich, umhüllt von einer feinwürzigen schieferigen Petrolwolke. Im Mund eine weiche, aber noch schön runde Säure, dazu eine cremige Süße, Aromen von weißem Pfirsich und aromatischen Küchenkräutern, darunter Majoran, Muskatnuss. Ein schönes Zusammenspiel von würziger Mineralik, animierender Säure und kräuteriger süßer Frucht — alles nicht überbordend, sondern auf elegantem Niveau. Auch der Abgang ist ordentlich, wenn man hier auch am ehesten merkt, dass die Kraft langsam nachlässt. Stellvertretend für die anderen höherwertigen Weine von Lanius-Knab (die einfachen Gutsweine ausgenommen) entfaltet sich auch diese restsüße Spätlese erst drei Stunden nach Öffnen der Flasche und mit einmaligem Hin- und Herdekantieren. Auch andere Weine von anderen Winzern brauchen das, vor allem Spontanvergorene wie die von Lanius-Knab, nur präsentieren sich diese vor dem aufwändigen Dekantieren meist nicht so kraftlos und unharmonisch. Oder gar fehlerhaft. Das 2004er Große Gewächs aus dem Engehöller Bernstein musste zuletzt über viele Stunden förmlich wiederbelebt werden. Direkt nach dem Öffnen ungenießbar (fast wie umgekippt), brauchte es ein zweimaliges Doppeldekantieren und sechs Stunden in der Kühlung und im Dekanter, um dann plötzlich wieder in seiner vollen Pracht zu erstrahlen. Gelinde gesagt, mitunter macht das Mühe. Und dem etwas unerfahrenen Weintrinker zu vermitteln ist das schon gar nicht. Aber das Warten lohnt sich. Die Weine haben eine besondere, hintergründige Strahlkraft und eine tiefe, natürliche Finesse.

Vom Weingut, 8,60 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Lanius-Knab Riesling Spätlese Engehöller Goldemund, 2003

Sehr hell und klar im Glas, ein zartes Gelbgrün. In der Nase Zitrus- und erste Petrolnoten, begleitet von einer weißen Pfirsichnote und einem cremigen Aroma wie von Sahne. Im Mund fällt vor allem die besondere Cremigkeit des Weins auf. Zweite Besonderheit ist die typische Mineralik vom Engehöller Goldemund, die in den trockenen wie in den restsüßen Weinen aus der Lage zum Ausdruck kommt — ein üppiges honigartiges, kräuteriges, bernsteinhaftes Aroma. Insgesamt bietet diese Spätlese aus 2003 eine schöne Restsüße, wie man sie aus dem Jahr erwartet, dazu eine intakte Säure und deutliche Mineralnoten. Die Aromen sind in einem schönen Schmelz zusammengebunden und sehr sauber. Dem Wein liegt eine besondere Reinheit inne — eine Spezialität, die man öfter bei Jörg Lanius wiederfindet. Der Umgang mit dem Wein ist allerdings auch nicht ganz so einfach: Am besten etwas länger dekantieren und leicht nachkühlen, dabei verfliegt die Spontinote, und der Wein öffnet sich merklich.

Vom Weingut, 8,60 Euro, 88 Punkte (sehr gut), bis 2008

Lanius-Knab Riesling Kabinett feinherb Engehöller Goldemund, 2003

Sehr hell mit gelbem Schimmer im Glas. In die Nase strömen fruchtige reife Aromen. Weißer Pfirsich mit einer intensiven, fast sahnigen Süße. Dazu etwas milde Kräuter, orientalische Gewürze wie Fenchelsamen. Beim Verkosten sehr reifes gelbes Steinobst, Pfirsich und besonders Aprikose. Eigentlich gar kein feinherber Kabinett, wie es auf dem Etikett steht, sondern eher ein fruchtiger. Die Säure ist spürbar, aber zurückhaltend — eher untypisch für ein Lanius-Knab-Gewächs. Interessant ist eine leichte herbe Note, die zwischen Süße und Säure einen mineralischen Ton setzt. Im eher kurzen Abgang etwas champignonhaft-vegetabil. Der Überhang zur reifen Fruchtigkeit hält den Körper klein. Alles in allem ein Riesling mit Understatement. Fühlt man sich etwas in ihn ein, lässt ihn etwas atmen und trinkt ihn nicht zu kalt, macht das Süße-Säure-Spiel Spaß und sind die Aromen komplexer als sie zu Anfang erahnen lassen. Zeichen der Reinheit, die man im ganzen Sortiment von Jörg Lanius findet. Der sympathische Winzer lässt den Wein spontan gären, mit seinen natürlichen Hefen. So wirkt ein Wein schon mal karg oder hat eindringliche fruchtige Noten, bei Jörg Lanius jedoch auch immer einen wunderbar klaren, reinen Geschmack und eine tolle aromatische Tiefe. So auch dieser Kabinett, auch wenn er mit den begeisternden Spätlesen und trockenen Großen Gewächsen von Lanius-Knab kaum vergleichbar ist.

Vom Weingut, 6,80 Euro, 85 Punkte (sehr gut)