Kilburg Riesling Kabinett Wintricher Ohligsberg, 2014

Kilburg Riesling Kabinett Ohligsberg 2014

Ist ja irgendwie überhaupt nicht komisch, besonders dann Lust auf einen jungen Riesling Kabinett zu bekommen, wenn man am Meer ist. Das passt gut zusammen, die salzige Luft, das ruppige Wetter und dann ein versöhnlicher, charmanter, leichter, frischer, gerne mal knackiger Wein mit Restsüße. Diesen Wein kannte ich bisher noch nicht. Er war eine Empfehlung von Frau Porn im Rieslinghaus Bernkastel. Bei Betrachtung der sonstigen Flaschen in meinem Einkaufskorb schenkte sie mir damals einen vielsagenden Blick und stellte fest: »Sie haben ja eher einen ungewöhnlichen Geschmack. Dann nehmen Sie mal den hier noch mit. Ist auch von so einem jungen Wilden.« Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, was das nun heißen sollte. Nachdem auch im Internet so rein gar nichts über den Wein herauszufinden war, schrieb ich eine Mail an das Weingut Geierslay, das kleingedruckt auf dem Rückenetikett zu finden ist. Antwort kam von Max Kilburg, dem jüngsten Sohn der Winzerfamilie – nicht aus Wintrich, sondern aus Australien, wo er sich zu der Zeit mit dem Riesling auf der Südhalbkugel beschäftigte. Max verriet, dass es sich bei dem Kabinett um den ersten Wein handelt, den er selbstständig, ohne Mithilfe seines Vaters, ausgebaut hat. Auch das schöne Etikett hat er selbst gestaltet. Verkauft wird die Edition bisher nur bei Frau Porn in ihrem legendären Rieslinghaus.

Eine kühle steinige und zarte zitronige, sogar ins zartreif Mandarinige übergehende Nase, leichte Würze, weiter hinten auch weißer Pfirsich, schön dezent und raffiniert. Auch im Antrunk bleibt der Wein präzise und interessant. Die Säure ist keinesfalls weich, wenn auch nicht resch, mehr filigran, leicht pikant, nachhaltig. Die Aromen sind angenehm leise, ein Spritzer Zitrone, ein paar Tropfen Mandarine, weißer Pfirsich, jetzt auch weiße Blüten, sehr saubere Frucht. Und dann kommt er doch noch durch, der Schiefer, aber eben nicht als Wolke, sondern als Prise, und sorgt für Würze. Hinten hat der Wein eine feine Salzigkeit. Das alles verpackt den Restzucker recht gut. Ein interessanter, blitzsauberer, kühl und komplex ausgebauter, nicht so leicht greifbarer Kabinett, mit dem man sich beschäftigen möchte. Ein bisschen weniger Restzucker oder ein, zwei Gramm mehr Säure würden ihn vielleicht noch besser abrunden bzw. noch »wilder« machen. Aber dieser Riesling ist auf einem sehr guten Weg. Er sorgt für tollen Trinkfluss, hat Eleganz, bietet Auseinandersetzung. So möchte man Kabinett trinken, eben nicht nur schluck-, sondern glasweise. Glückwunsch, Max Kilburg! Das ist hervorragend gelungen. In der Edition soll noch einiges kommen, zukünftig sogar aus einer ersten eigens vom Winzersohn dafür erworbenen Parzelle im Ohligsberg. Das lässt an Julian Haart denken, den anderen »jungen Wilden«, mit dessen Kabinett aus derselben Lage mich Frau Porn in ihrem Laden erwischte. Und so tut es auch die Qualität des Weins. Ich bin gespannt und freue mich auf mehr Rieslinge von Max Kilburg.

Rieslinghaus Bernkastel, um die 10 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt oder in den nächsten drei Jahren trinken

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Riesling Große Gewächse 2007 – Eine Bestandsaufnahme nach acht Jahren Flaschenreife

Riesling GG 2007 nach achtJahren (1 von 1)Kurz vor Weihnachten 2015 hatte ich Gelegenheit, mir mittels zwölf Großer Gewächse einen aktuellen Eindruck über den aktuellen Zustand des Jahrgangs 2007 zu verschaffen. Die Rieslinge wurden in Flights mit je vier Weinen blind präsentiert. Nach jedem Flight wurde aufgedeckt. Mir war das Line-up unbekannt. Der Probenleiter beschränkte sich auf die Anbaugebiete Mosel, Nahe und Rheinhessen. Dies ist kein qualitativer Fingerzeig, die Probe diente als Vorbereitung für eine umfassendere Probe des Jahrgangs 2007 im kommenden Frühjahr 2016. Weiterlesen →

Weingut Peter Lauer – Riesling-Kollektion Jahrgang 2014

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Ich kann mich noch gut an die VDP-Weinbörse in Mainz erinnern, wie mein Gesicht immer länger wurde aufgrund der durchwachsenen Eindrücke von den 2014er Guts- und Ortsweinen sowie den restsüßen Prädikaten aus dem Anbaugebiet Mosel. Was ich dann jedoch bei Lauer ins Glas bekam, war bemerkenswert gut. Die Weine zeigten eine herrliche Klarheit und eine präzise Aromatik. Das gleiche Bild dann in Wiesbaden bei der GG-Verkostung, auch hier traten die drei Spitzenweine des Gutes deutlich hervor. Grund genug, nochmals die gesamte 2014er-Kollektion gemeinsam mit meinen Blog-Kollegen in Ruhe zu Hause zu verkosten.

Die Eindrücke haben sich bestätigt. Das Weingut hat in diesem Jahr alles richtig gemacht und eine einmalig strahlende Kollektion auf die Flasche gefüllt. Die Weine zeigen in ihrer Aromatik und ihrem Säurespiel deutlich ihre Herkunft – da schmeckt man Saar pur im Glas. Obwohl die meisten heute noch deutlich von der spontanen Gärhefe gezeichnet sind, haben sie eine bemerkenswerte Klarheit, aromatische Komplexität und mineralische Ausrichtung und bleiben dabei stets trinkanimierend. Weiterlesen →

Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →

Heymann-Löwenstein Uhlen B Schieferformation Blaufüßer Lay, 2008

Heymann-Löwenstein Uhlen B, 2008 (1 von 1)Nach all den Jungwein-Verkostungen der letzten Zeit, war die Sehnsucht nach einem gereiften Riesling groß. Ich griff recht zufällig in mein Kühlregal und hielt den 2008er-Uhlen B in der Hand. Kurzerhand fummelte sich mein Korkenzieher durch die nervige Wachskapsel und beförderte einen schon recht durchgeweichten, mürben Korken aus der Flasche. Weine von HL brauchen Luft, also ging es vorab für 60 Minuten in die Karaffe.

Meiner erste Eindruck war ernüchternd. Der Wein duftete nach einem Riesling, der schon weit entwickelt ist und davon nicht sehr profitiert hat. Kartoffelschalen, altholzige Noten, ranzige Aromen, hochreife, ja übereife gelbfleischige Noten, eine etwas diffuse rauchige Mineralität im Hintergrund, dazu Wachs, Honig und ein süßlicher Eindruck – wo war nur die Kühle, die der Blaufüßer Lay, als elegantester Typ der Uhlener-Weine, gerne innehat? Im Mund wirkte er müde, süß, altholzig, wachsig und breit. Mit wenig Hoffnung kippte ich den Wein wieder in die Flasche zurück und stellte ihn in den Kühlschrank zurück. Ich ging zurück zu meinem Kühlregal und holte eine andere Flasche…

Nächster Abend: Mit gedämpfter Hoffnung dekantierte ich den Wein erneut und schenkte mir nach einer Stunde nochmals ein Glas ein. Nun finde ich ein glockenklares Bukett vor, keine Spur mehr von altholzigen Noten, neben einer feinen gelbschaligen Apfelfrucht, notiere ich vielschichtige Kräuteraromen, leicht ätherisch, kandierte Zitronen, erhitzter Fels, noch durchaus jugendlich und eben glockenklar. Wow! Am Gaumen ebenso überzeugend, denn jetzt hat der Wein die Kühle, die ich vom einen Uhlen B erhoffe, frucht-saftiger Auftakt, erneut feine und jugendliche gelbe Apfelfrucht, hinzu kommt eine verspielte Säure, 2008 eben, der Wein ist durchaus konzentriert, aber weder die Süße, noch seine Dichte laufen aus dem Ruder, er lässt sich nun ungemein animierend trinken, feiner Zug über den Verlauf, getrockente Kräuter und die felsige Mineralität bringen Klasse in den Wein, dazu noch eine feine Cremigkeit, der Wein hat schmeckbare Restsüße ist aber meilenweit von einem halbtrockenen Wein entfernt, nein er ist harmonisch, guter, aber nicht außergewöhnlich langer Nachhall, muss aber nicht, ich schenke mir gerne zügig nach. Ein ausgezeichneter Riesling, der Herkunft zeigt und in diesem Zustand noch eine lange Zukunft vor sich hat.

Dieses Erlebnis zeigt mir wieder die Schwierigkeiten von Primeurveranstaltungen und von Proben mit zahlreichen hochwertigen Weinen bei denen ich dem einzelnen Wein nur wenige Minuten Aufmerksamkeit gewähren kann. Dieser Wein wäre grandios in solchen Proben gescheitert – gänzlich zu unrecht.

Vom Fachhandel, ca. 25 Euro (damals), 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2023

Riesling Große Gewächse 2014: Ruwer und Saar

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**** (Sehr guter Jahrgang)

Leider reichte die Zeit nicht aus, um mich durch die Mosel zu verkosten, und so beschränkte ich mich auf die neun Großen Gewächse von Ruwer und Saar – auch hier schlichtweg meinen persönlichen Vorlieben folgend. Die Rieslinge präsentierten sich auf einem ausgezeichneten Niveau. An der Spitze die strahlenden Lauer-Weine, wobei die Ayler Kupp und der Schodener Saarfeilser für meinen Gaumen große, trockene Weine für die Ewigkeit sind. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, jemals bessere Große Gewächse aus dem Gebiet bei einer Jungweinprobe verkostet zu haben. Sie vereinen Spiel, Komplexität und höchste Feinheit. Weiterlesen →

Terrassen-Zeit? Riesling-Zeit!

Weine zum Skat (1 von 1)Wie schön, der April zeigte sich von seiner schönsten Seite und so verlegten wir unseren Skatabend spontan auf meine Terrasse und genossen bei milden Temparaturen diverse Rieslinge, die in mir große Vorfreude auf den bevorstehenden Frühling und Sommer entfachten.

Es ging los mit einem erstaunlich fein-balancierten Tonschiefer von Dönnhoff aus dem Jahr 2009. Riesling von der Nahe hatten wir schnell erraten, aber einen derartig guten Tonschiefer hatten wir noch nie. Ein eleganter Riesling von großer Harmonie, die ausdruckstarke Mineralität spielt animierend mit den saftigen Steinfrüchten, sehr beweglicher Fluß, trinkt sich herrlich unangestrengt und zeigt dabei schönes Spiel, ohne jede Reifenoten, jetzt auf seinem Höhepunkt (88/100). Viel Wein für wenig Geld. Weiter ging es mit einem ausgezeichneten 2008er Scharzhofberger Pergentsknopp (P.) von Van Volxem. Aufgrund seiner ausgeprägen Schieferaromatik sofort als Saarwein zu erkennen, überzeugte er uns mit seinen rauchigen Noten, einer feinen Cremigkeit, der typisch subtilen Saarsäure und glockenklarer, saftiger Frucht, ein Wein mit Tiefe und Eleganz, ohne jede Breite und Schwülstigkeit, die Lage wurde ihrem Ruf für feine Rieslinge erneut gerecht. Der hohe Preis ist gerechtfertigt und mit (92/100) noch eher konservativ benotet. Jetzt herrlich gereift und zeugt erneut von dem Potential des Jahrganges. Anschließend machten wir mit dem 1989er-Chasse Spleen einen kurzen Abstecher ins Bordeaux. Der Moulis präsentierte sich noch schön zu trinken, aber auch am Ende seiner Entwicklungszeit. In der Nase sofort als gereifter, cabernet-dominierter Bordeaux zu erkennen, mit einem Bukett von Eisen, grünen Paprika, schon in den Hintergrund gerückte Cassisanklänge, getrocknete Kräuter und Laub. Am Gaumen ein schlanker Vertreter, der mit einer zarten süßen und klaren Cassisfrucht den Charme des Jahrganges andeutet, deutliche Reifenoten, Waldboden, Eisen und Laub und etwas Paprika; ist insgesamt noch intakt, aber seiner Karkheit kam nicht bei jederman gut an, andere lobten aber seine Balance und den Trinkfluß, insgesamt wie gesagt noch stimmig, sollte aber jetzt auch getrunken werden (86/100).

Zurück zu deutschem Riesling, nun jedoch kamen fruchtsüße Weine auf den Tisch, die wie immer herrlich zu  gereiften Variationen von Ziegenkäse harmonierten. Los ging es mit einer überraschend frischen 2006erSpätlese aus dem Lenchen von Kühn. Über den 2006er-Jahrgang von Kühn haben wir auf diesem Blog schön öfters geschrieben und gerätselt. In diesem Jahrgang wurden hier extreme Weine abgefüllt, die stark polarisieren. Das Lenchen aber war unser aller Liebling. Leicht kräuterwürziger, typischer Rieslingduft, glockenklar und vielschichtig. Am Gaumen herrlich gewogen, feine, aber vitale Säure, saftige Kernfrüchte, ein Hauch Honig, animierender Verlauf, einfach lecker, ohne die jetzt die größte Tiefe zu haben, jetzt auf seinem Höhepunkt (87/100). Anschließen kam mit Dr. Hermann eine traditionelle ausgebaute Auslese aus dem Ürziger Würzgarten „Ursprung“ auf den Tisch. Wie gewohnt bei Dr. Hermann fiel diese Auslese kräftiger aus, zeigte sich jedoch angenehm gereift,  dadurch die Süße nicht aufdringlich, mit saftigen Steinobst und deutlicher Schieferwürze. Eien ideale Auslese zum Käse, als Solist wäre er dann den meisten am Tisch spätenstens beim zweiten Glas vermutlich ein wenig zu süß (87/100). Mit der 2005er-Auslese GK aus dem Niederberg Helden von Schloß Lieser ging es weiter. Trotz des kräftigen Jahrganges gefiel er uns ein Stück besser, weil zwar auch hier die Süße deutlich zum tragen kam, aber die Säure frischer und agiler wirkte, wie gewohnt glockenklare Aromatik, null Botrytis, guter Trinkfluß, deutlicher Nachhall nach Schiefer (89/100). Nach dem die Käseplatte geplündert war und unser Skatspiel in den letzten Zügen lag, kam als Rausschmeißer noch der 2012-Steinberger Kabinett Versteigerung von den Staatsweingütern auf den Tisch. Ein recht süßer Kabinett, der dann doch dank seiner 8,5 % leichtfüßig auf unserem Gaumen spielte und eine sehr lebendiges Säurespiel besaß. Die Aromatik noch sehr jugendlich, noch etwas hefig im Bukett , sehr klare Rieslingaromatik, mineralische Pikanz, zeigt Zug am Gaumen, braucht noch 1-2 Jahre um sein Jugendspeck abzulegen, gutes Potential, mittlere Tiefe und Länge (87/100).

Wie fast immer gefielen mir die Weine deutlich besser als mein Skatblatt, aber das mag vielleicht auch an dem Spieler liegen…