Kilburg Riesling Kabinett Wintricher Ohligsberg, 2014

Kilburg Riesling Kabinett Ohligsberg 2014

Ist ja irgendwie überhaupt nicht komisch, besonders dann Lust auf einen jungen Riesling Kabinett zu bekommen, wenn man am Meer ist. Das passt gut zusammen, die salzige Luft, das ruppige Wetter und dann ein versöhnlicher, charmanter, leichter, frischer, gerne mal knackiger Wein mit Restsüße. Diesen Wein kannte ich bisher noch nicht. Er war eine Empfehlung von Frau Porn im Rieslinghaus Bernkastel. Bei Betrachtung der sonstigen Flaschen in meinem Einkaufskorb schenkte sie mir damals einen vielsagenden Blick und stellte fest: »Sie haben ja eher einen ungewöhnlichen Geschmack. Dann nehmen Sie mal den hier noch mit. Ist auch von so einem jungen Wilden.« Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, was das nun heißen sollte. Nachdem auch im Internet so rein gar nichts über den Wein herauszufinden war, schrieb ich eine Mail an das Weingut Geierslay, das kleingedruckt auf dem Rückenetikett zu finden ist. Antwort kam von Max Kilburg, dem jüngsten Sohn der Winzerfamilie – nicht aus Wintrich, sondern aus Australien, wo er sich zu der Zeit mit dem Riesling auf der Südhalbkugel beschäftigte. Max verriet, dass es sich bei dem Kabinett um den ersten Wein handelt, den er selbstständig, ohne Mithilfe seines Vaters, ausgebaut hat. Auch das schöne Etikett hat er selbst gestaltet. Verkauft wird die Edition bisher nur bei Frau Porn in ihrem legendären Rieslinghaus.

Eine kühle steinige und zarte zitronige, sogar ins zartreif Mandarinige übergehende Nase, leichte Würze, weiter hinten auch weißer Pfirsich, schön dezent und raffiniert. Auch im Antrunk bleibt der Wein präzise und interessant. Die Säure ist keinesfalls weich, wenn auch nicht resch, mehr filigran, leicht pikant, nachhaltig. Die Aromen sind angenehm leise, ein Spritzer Zitrone, ein paar Tropfen Mandarine, weißer Pfirsich, jetzt auch weiße Blüten, sehr saubere Frucht. Und dann kommt er doch noch durch, der Schiefer, aber eben nicht als Wolke, sondern als Prise, und sorgt für Würze. Hinten hat der Wein eine feine Salzigkeit. Das alles verpackt den Restzucker recht gut. Ein interessanter, blitzsauberer, kühl und komplex ausgebauter, nicht so leicht greifbarer Kabinett, mit dem man sich beschäftigen möchte. Ein bisschen weniger Restzucker oder ein, zwei Gramm mehr Säure würden ihn vielleicht noch besser abrunden bzw. noch »wilder« machen. Aber dieser Riesling ist auf einem sehr guten Weg. Er sorgt für tollen Trinkfluss, hat Eleganz, bietet Auseinandersetzung. So möchte man Kabinett trinken, eben nicht nur schluck-, sondern glasweise. Glückwunsch, Max Kilburg! Das ist hervorragend gelungen. In der Edition soll noch einiges kommen, zukünftig sogar aus einer ersten eigens vom Winzersohn dafür erworbenen Parzelle im Ohligsberg. Das lässt an Julian Haart denken, den anderen »jungen Wilden«, mit dessen Kabinett aus derselben Lage mich Frau Porn in ihrem Laden erwischte. Und so tut es auch die Qualität des Weins. Ich bin gespannt und freue mich auf mehr Rieslinge von Max Kilburg.

Rieslinghaus Bernkastel, um die 10 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt oder in den nächsten drei Jahren trinken

Riesling Große Gewächse 2007 – Eine Bestandsaufnahme nach acht Jahren Flaschenreife

Riesling GG 2007 nach achtJahren (1 von 1)Kurz vor Weihnachten 2015 hatte ich Gelegenheit, mir mittels zwölf Großer Gewächse einen aktuellen Eindruck über den aktuellen Zustand des Jahrgangs 2007 zu verschaffen. Die Rieslinge wurden in Flights mit je vier Weinen blind präsentiert. Nach jedem Flight wurde aufgedeckt. Mir war das Line-up unbekannt. Der Probenleiter beschränkte sich auf die Anbaugebiete Mosel, Nahe und Rheinhessen. Dies ist kein qualitativer Fingerzeig, die Probe diente als Vorbereitung für eine umfassendere Probe des Jahrgangs 2007 im kommenden Frühjahr 2016. Weiterlesen →

Weingut Peter Lauer – Riesling-Kollektion Jahrgang 2014

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Ich kann mich noch gut an die VDP-Weinbörse in Mainz erinnern, wie mein Gesicht immer länger wurde aufgrund der durchwachsenen Eindrücke von den 2014er Guts- und Ortsweinen sowie den restsüßen Prädikaten aus dem Anbaugebiet Mosel. Was ich dann jedoch bei Lauer ins Glas bekam, war bemerkenswert gut. Die Weine zeigten eine herrliche Klarheit und eine präzise Aromatik. Das gleiche Bild dann in Wiesbaden bei der GG-Verkostung, auch hier traten die drei Spitzenweine des Gutes deutlich hervor. Grund genug, nochmals die gesamte 2014er-Kollektion gemeinsam mit meinen Blog-Kollegen in Ruhe zu Hause zu verkosten.

Die Eindrücke haben sich bestätigt. Das Weingut hat in diesem Jahr alles richtig gemacht und eine einmalig strahlende Kollektion auf die Flasche gefüllt. Die Weine zeigen in ihrer Aromatik und ihrem Säurespiel deutlich ihre Herkunft – da schmeckt man Saar pur im Glas. Obwohl die meisten heute noch deutlich von der spontanen Gärhefe gezeichnet sind, haben sie eine bemerkenswerte Klarheit, aromatische Komplexität und mineralische Ausrichtung und bleiben dabei stets trinkanimierend. Weiterlesen →

Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →

Heymann-Löwenstein Uhlen B Schieferformation Blaufüßer Lay, 2008

Heymann-Löwenstein Uhlen B, 2008 (1 von 1)Nach all den Jungwein-Verkostungen der letzten Zeit, war die Sehnsucht nach einem gereiften Riesling groß. Ich griff recht zufällig in mein Kühlregal und hielt den 2008er-Uhlen B in der Hand. Kurzerhand fummelte sich mein Korkenzieher durch die nervige Wachskapsel und beförderte einen schon recht durchgeweichten, mürben Korken aus der Flasche. Weine von HL brauchen Luft, also ging es vorab für 60 Minuten in die Karaffe.

Meiner erste Eindruck war ernüchternd. Der Wein duftete nach einem Riesling, der schon weit entwickelt ist und davon nicht sehr profitiert hat. Kartoffelschalen, altholzige Noten, ranzige Aromen, hochreife, ja übereife gelbfleischige Noten, eine etwas diffuse rauchige Mineralität im Hintergrund, dazu Wachs, Honig und ein süßlicher Eindruck – wo war nur die Kühle, die der Blaufüßer Lay, als elegantester Typ der Uhlener-Weine, gerne innehat? Im Mund wirkte er müde, süß, altholzig, wachsig und breit. Mit wenig Hoffnung kippte ich den Wein wieder in die Flasche zurück und stellte ihn in den Kühlschrank zurück. Ich ging zurück zu meinem Kühlregal und holte eine andere Flasche…

Nächster Abend: Mit gedämpfter Hoffnung dekantierte ich den Wein erneut und schenkte mir nach einer Stunde nochmals ein Glas ein. Nun finde ich ein glockenklares Bukett vor, keine Spur mehr von altholzigen Noten, neben einer feinen gelbschaligen Apfelfrucht, notiere ich vielschichtige Kräuteraromen, leicht ätherisch, kandierte Zitronen, erhitzter Fels, noch durchaus jugendlich und eben glockenklar. Wow! Am Gaumen ebenso überzeugend, denn jetzt hat der Wein die Kühle, die ich vom einen Uhlen B erhoffe, frucht-saftiger Auftakt, erneut feine und jugendliche gelbe Apfelfrucht, hinzu kommt eine verspielte Säure, 2008 eben, der Wein ist durchaus konzentriert, aber weder die Süße, noch seine Dichte laufen aus dem Ruder, er lässt sich nun ungemein animierend trinken, feiner Zug über den Verlauf, getrockente Kräuter und die felsige Mineralität bringen Klasse in den Wein, dazu noch eine feine Cremigkeit, der Wein hat schmeckbare Restsüße ist aber meilenweit von einem halbtrockenen Wein entfernt, nein er ist harmonisch, guter, aber nicht außergewöhnlich langer Nachhall, muss aber nicht, ich schenke mir gerne zügig nach. Ein ausgezeichneter Riesling, der Herkunft zeigt und in diesem Zustand noch eine lange Zukunft vor sich hat.

Dieses Erlebnis zeigt mir wieder die Schwierigkeiten von Primeurveranstaltungen und von Proben mit zahlreichen hochwertigen Weinen bei denen ich dem einzelnen Wein nur wenige Minuten Aufmerksamkeit gewähren kann. Dieser Wein wäre grandios in solchen Proben gescheitert – gänzlich zu unrecht.

Vom Fachhandel, ca. 25 Euro (damals), 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2023

Riesling Große Gewächse 2014: Ruwer und Saar

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**** (Sehr guter Jahrgang)

Leider reichte die Zeit nicht aus, um mich durch die Mosel zu verkosten, und so beschränkte ich mich auf die neun Großen Gewächse von Ruwer und Saar – auch hier schlichtweg meinen persönlichen Vorlieben folgend. Die Rieslinge präsentierten sich auf einem ausgezeichneten Niveau. An der Spitze die strahlenden Lauer-Weine, wobei die Ayler Kupp und der Schodener Saarfeilser für meinen Gaumen große, trockene Weine für die Ewigkeit sind. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, jemals bessere Große Gewächse aus dem Gebiet bei einer Jungweinprobe verkostet zu haben. Sie vereinen Spiel, Komplexität und höchste Feinheit. Weiterlesen →

Terrassen-Zeit? Riesling-Zeit!

Weine zum Skat (1 von 1)Wie schön, der April zeigte sich von seiner schönsten Seite und so verlegten wir unseren Skatabend spontan auf meine Terrasse und genossen bei milden Temparaturen diverse Rieslinge, die in mir große Vorfreude auf den bevorstehenden Frühling und Sommer entfachten.

Es ging los mit einem erstaunlich fein-balancierten Tonschiefer von Dönnhoff aus dem Jahr 2009. Riesling von der Nahe hatten wir schnell erraten, aber einen derartig guten Tonschiefer hatten wir noch nie. Ein eleganter Riesling von großer Harmonie, die ausdruckstarke Mineralität spielt animierend mit den saftigen Steinfrüchten, sehr beweglicher Fluß, trinkt sich herrlich unangestrengt und zeigt dabei schönes Spiel, ohne jede Reifenoten, jetzt auf seinem Höhepunkt (88/100). Viel Wein für wenig Geld. Weiter ging es mit einem ausgezeichneten 2008er Scharzhofberger Pergentsknopp (P.) von Van Volxem. Aufgrund seiner ausgeprägen Schieferaromatik sofort als Saarwein zu erkennen, überzeugte er uns mit seinen rauchigen Noten, einer feinen Cremigkeit, der typisch subtilen Saarsäure und glockenklarer, saftiger Frucht, ein Wein mit Tiefe und Eleganz, ohne jede Breite und Schwülstigkeit, die Lage wurde ihrem Ruf für feine Rieslinge erneut gerecht. Der hohe Preis ist gerechtfertigt und mit (92/100) noch eher konservativ benotet. Jetzt herrlich gereift und zeugt erneut von dem Potential des Jahrganges. Anschließend machten wir mit dem 1989er-Chasse Spleen einen kurzen Abstecher ins Bordeaux. Der Moulis präsentierte sich noch schön zu trinken, aber auch am Ende seiner Entwicklungszeit. In der Nase sofort als gereifter, cabernet-dominierter Bordeaux zu erkennen, mit einem Bukett von Eisen, grünen Paprika, schon in den Hintergrund gerückte Cassisanklänge, getrocknete Kräuter und Laub. Am Gaumen ein schlanker Vertreter, der mit einer zarten süßen und klaren Cassisfrucht den Charme des Jahrganges andeutet, deutliche Reifenoten, Waldboden, Eisen und Laub und etwas Paprika; ist insgesamt noch intakt, aber seiner Karkheit kam nicht bei jederman gut an, andere lobten aber seine Balance und den Trinkfluß, insgesamt wie gesagt noch stimmig, sollte aber jetzt auch getrunken werden (86/100).

Zurück zu deutschem Riesling, nun jedoch kamen fruchtsüße Weine auf den Tisch, die wie immer herrlich zu  gereiften Variationen von Ziegenkäse harmonierten. Los ging es mit einer überraschend frischen 2006erSpätlese aus dem Lenchen von Kühn. Über den 2006er-Jahrgang von Kühn haben wir auf diesem Blog schön öfters geschrieben und gerätselt. In diesem Jahrgang wurden hier extreme Weine abgefüllt, die stark polarisieren. Das Lenchen aber war unser aller Liebling. Leicht kräuterwürziger, typischer Rieslingduft, glockenklar und vielschichtig. Am Gaumen herrlich gewogen, feine, aber vitale Säure, saftige Kernfrüchte, ein Hauch Honig, animierender Verlauf, einfach lecker, ohne die jetzt die größte Tiefe zu haben, jetzt auf seinem Höhepunkt (87/100). Anschließen kam mit Dr. Hermann eine traditionelle ausgebaute Auslese aus dem Ürziger Würzgarten „Ursprung“ auf den Tisch. Wie gewohnt bei Dr. Hermann fiel diese Auslese kräftiger aus, zeigte sich jedoch angenehm gereift,  dadurch die Süße nicht aufdringlich, mit saftigen Steinobst und deutlicher Schieferwürze. Eien ideale Auslese zum Käse, als Solist wäre er dann den meisten am Tisch spätenstens beim zweiten Glas vermutlich ein wenig zu süß (87/100). Mit der 2005er-Auslese GK aus dem Niederberg Helden von Schloß Lieser ging es weiter. Trotz des kräftigen Jahrganges gefiel er uns ein Stück besser, weil zwar auch hier die Süße deutlich zum tragen kam, aber die Säure frischer und agiler wirkte, wie gewohnt glockenklare Aromatik, null Botrytis, guter Trinkfluß, deutlicher Nachhall nach Schiefer (89/100). Nach dem die Käseplatte geplündert war und unser Skatspiel in den letzten Zügen lag, kam als Rausschmeißer noch der 2012-Steinberger Kabinett Versteigerung von den Staatsweingütern auf den Tisch. Ein recht süßer Kabinett, der dann doch dank seiner 8,5 % leichtfüßig auf unserem Gaumen spielte und eine sehr lebendiges Säurespiel besaß. Die Aromatik noch sehr jugendlich, noch etwas hefig im Bukett , sehr klare Rieslingaromatik, mineralische Pikanz, zeigt Zug am Gaumen, braucht noch 1-2 Jahre um sein Jugendspeck abzulegen, gutes Potential, mittlere Tiefe und Länge (87/100).

Wie fast immer gefielen mir die Weine deutlich besser als mein Skatblatt, aber das mag vielleicht auch an dem Spieler liegen…

 

Weingut Markus Molitor Riesling Wehlener Sonnenuhr Auslese ** trocken, 2004

Markus Molitor Riesling Auslese -- trocken Wehlener Sonnenuhr, 2004 (1 von 1)Gestern ging es mal wieder nach Mainz, der Jahrgang 2014 stand an und aufgrund der Menge an Weinen teilten wir uns die Arbeit auf. Für mich ging es nach Rheinhessen und an die Mosel. Nach all den jungen, unfertigen Weinen brauchte es heute Abend einen gereiften Riesling von der Mosel, der auch gerne das Niveau der Jungweine übertreffen durfte. Ich ging einfach mal 10 Jahre zurück und meine Wahl bei den 2004ern viel auf Markus Molitor, für mich immer noch einer der besten Erzeuger bei trockenen Weinen von der Mosel. Ich wurde darin erneut bestätigt.

Das Bukett eine überzeugende Mischung aus salziger und schieffriger Mineralität, dahinter grüne Äpfel, weißer Rauch und geröstete Mandeln, sehr klare Aromatik ohne jede Müdigkeit und eine herrliche Entspanntheit im Gegensatz zu allem jugendlichen Fruchtzeugs gestern. Am Gaumen viel Schwung, hinreichende Konzentration, höchste Trinkigkeit bei nur 12 % Vol. Im Auftakt junge Schalen von gewachsten, grünen Äpfeln, ein wenig Weinbergspfirsich, durchzogen von salziger Mineralität, dazu herrliche Schieferaromtik, beides zieht sich über den gesamten Verlauf durch, der Wein lebt weniger von seiner Konzentration, sondern vielmehr von seinem Spiel, die Aromatik ist von der Mineralität geprägt, spielt dort aber viel Facetten, wobei eine Vorliebe für salzig-mineralische Riesling vorhanden sein will, damit man so richtig angetan ist, ich finde es ganz wunderbar, leicht, beweglich, hinreichend nachhaltig, mit sehr langem Nachhall, einfach ausgezeichnet. Jetzt wunderbar zu trinken, besser wird der Wein wohl nicht mehr, denn heute bringen die verhaltenen Fruchtaromen noch eine dezente Süße in den Verlauf, auf diesem Niveau dürfte sich der Wein aber noch weitere drei Jahre halten.

Vom Weingut, heute ca. 30 Euro, 92 Punkte, jetzt bis 2018

Weingut Heymann-Löwenstein Riesling Winningen Uhlen L „Laubach“, 2008

Heymann-Löwenstein L, 2008 (1 von 1)Erst nach zwei Stunden in der Karaffe hatte sich der Wein geöffnet und zeigte seinen momentanen Entwicklungszustand an. Vor zwei Jahren verkosteten wir ihn im Rahmen unserer 2008er-Riesling-Probe und notierten folgenden Eindruck:

Recht verschlossene, indifferente Nase nach hochreifen Steinfrüchten, Botrytis, Zuckerguss und erdiger Mineralik. Mittlerer bis kräftiger Körper am Gaumen, aber insgesamt noch in guter Balance, reife Steinfrüchte, vor allem Marille und Aprikose, deutliche Restsüße, bitterer Abrieb von der Orange, erneut Botrytis, gute Tiefe, lang. 2015 bis 2020, 89–90+ Punkte

Heute war mein erster Gedanke ganz anders: „weit entwickelt, deutliche Reifearomen im Bukett“. Dieser Eindruck wurde nach der Dekantierzeit etwas vermindert, aber verflog auch nicht vollständig. Am Gaumen trat die noch immer jugendliche, typisch agile 2008er-Säure diesem Eindruck noch stärker entgegen, aber eine (etwas zu weit fortgeschrittene) Reifearomatik blieb und so wirkte der Wein schlussendlich nicht vollständig harmonisch. Aber nochmal von Beginn an…

Leicht verwaschenes Bukett nach glacierten Stein- und Kernfrüchten, Reifenoten, kalter Bratapfel, ein Hauch Kartoffelschalen, erdig-kräuterige Mineralität, nicht vollständig überzeugend. Am Gaumen besser, dank seines saftigen Fruchtspiels, das mich über den gesamten Verlauf begleitet, ebenso zeigen sich aber auch fortlaufend Reifenoten, heute noch nicht störend, aber dies gilt für mich als Freund gereifter Rieslinge, Jungweinfreunde werden sich hier schon daran stören. Unangenehm zeigt sich die Botrytis anhand bitterer Töne, im Hintergrund Abrieb von tropischen Früchten, die Säure herrlich agil, feinsinnig, bestens mit der Frucht integriert, wirkt auch reif, typisch 2008. Die Mineralität tritt etwas zurück, insgesamt präsentiert sich der Laubach am Gaumen mit mittlerer Tiefe, mit gutem Zug und gutem Nachhall. Insgesamt immer noch sehr gut, aber eine weitere Verbesserung traue ich ihm nicht zu. Das vor zwei Jahren prognostizierte Trinkfenster halte ich heute für etwas optiministisch und korrigiere es deutlich.

Vom Weingut, ca. 28 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Weingut Maximin Grünhaus Herrenberg Riesling Auslese, 1997

Maximin Grünhaus Herrenberg Riesling Auslese, 1997 (1 von 1)Regelmäßig zieht es mich für einen Abend mit guten Freunden ins Weinhaus Gut Sülz (hier klicken) in Königswinter. Neben einer einfachen, schmackhaften regionalen Küche überzeugt das Haus aufgrund einer breiten Auswahl an Rieslingen, insbesondere im fruchtsüßem Bereich von der Mosel, serviert von Andreas Lelke, der auf dem Gebiet ein großer Kenner ist. Kürzlich servierte er uns einen noch jugendlichen, überraschend süßen 2002er-Kabinett von Willi Schäfer aus dem Graacher Domprobst (88/100), eine klare, hochfeine 1997er-Spätlese von Fritz Haag aus der Brauneberger Juffer Sonnenuhr ohne jede Reifenote (92/100) und zum Abschluss eine überzeugende 1997er-Auslese vom Weingut Maximin Grünhaus aus dem Herrenberg, von der ich etwas näher berichten will.

Im Bukett finde ich eine würzige Riesling-Typizität. Inwieweit die Würzigkeit von den natürlichen Hefen kommt oder vom Terroir vermag ich nicht zu sagen, dafür kenne ich Grünhaus zu wenig. Besondere Noten von der Spontanvergärung vermochte ich nicht zu vernehmen, das Bukett wirkt reintönig, mit feinem Schieferduft, tropischer Frucht mit herben Einschlag, insgesamt hochklassig und gewogen. Am Gaumen herrlich leichtfüßig, nicht eine Spur breit, im Gegenteil, wir holten uns die Flasche aus dem Kühler hervor, um uns zu überzeugen, ob es sich wirklich um eine Auslese handelt. Der Wein schmeckte eher wie eine Spätlese, oder gar wie ein gereifter Kabinett, denn süß war dieser Riesing wahrlich nicht, da wirkte der Kabinett von Willi Schäfer süßer. Vielmehr gehen seine Würzigkeit und seine Restsüße ein herrliches Duett ein und animierten uns, ihn in großen Schlucken zu trinken, eine feinsinnige, deutliche Schiefernoten durchzieht das Aroma von Anbeginn bis Ende, die Säure flankiert hochfein die Fruchtaromen, wirkt fein-prickelnd auf den Gaumen ein und entlockt so die einzelnen Aromen. Jetzt auf den Punkt gereift, ohne jede Altersnote, die 17 Jahre Flaschenreife sorgen einfach für die notwendige Harmonisierung, was nicht ungewöhnlich für das Weingut ist, sie benötigen oftmals Zeit zur Reife. Wir waren begeistert und verstehen immer mehr, warum die frucht- und edelsüßen Weine vermehrt Einzug auf unseren Trinkplan finden.

Im Restaurant, 46,50 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

Weingut Schloss Lieser Riesling Auslese Niederberg Helden Lange Goldkapsel, 2012

Lieser Helden Auslese LGK, 2012 (100 von 1)Mittelintensiver Duft nach Quitten und mittelreifen Aprikosen, Karamell, frisches Gebäck, vollkommene Reinheit aller Nuancen, bereits in der Nase könnte ich in den Wein versinken. Am Gaumen, ich muss es sagen, eine nahezu perfekte Auslese, die die mitunter schwierige Balance aus Süße und Säure mit spielerischen Selbstverstänlichkeit bewältigt, niemals erscheint uns der Wein zu süß, immer steht Säure, Mineralität und animierende Beweglichkeit dagegen. Zum Auftakt glockenklare Steinfrüchte, reife Quitten, erneut ein ganzer Korb Aprikosen, vollständig verwoben dazu die typische 2012er-Säure, im Ansatz eher mild, ja schmeichelnd, aber mit soviel Spiel unterwegs, das der Wein den hinreichende Kick erhält, es bleibt aber eine Auslese, die auch Säureempfindliche sehr gut genießen können, überaus gewogener Verlauf, fein-cremiges Mundgefühl, die saftige Fruchtigkeit begleitet mich über den gesamten Verlauf, die Mineralität ist ob der Jugend noch hinter der Frucht verborgen, der Wein zeigt trotzdem eine ansprechende aromatische Tiefe, aber da geht mit der Reife bestimmt noch mehr, trotzdem werde ich einige Flaschen aus meinem Bestand bestimmt jung geniessen, der Abagang hat eine sehr gute Länge. Eine große Auslese.

Vom Weingut, 18 Euro, 95 Punkte (groß), jetzt bis 2032

 

Julian Haart Riesling Kabinett Piesporter Schubertslay, 2013

Julian Haart Piesporter Schubertslay Kabinett, 2013 (100 von 1)Blitzsauberes Bukett nach weißen Pfirsichen, grünen Äpfeln, weißen Blütenblätter und frischen Zitrusfrüchte. Unmittelbar betörend. Dahinter ein Hauch Mineralität nach Schiefer und würzigen Anklängen. Ein herrlich verspieltes, feines Bukett. Am Gaumen tänzelt er über den gesamten Verlauf klar wie ein Gebirgsbach, kühle, klassische Rieslingaromatik mit Zitruseinschlag, jugendlich knackige Säure, die ungemein reif und fein wirkt, die Restüße entspricht genau meinen Erwartungen an einen Kabinett, nie zu süß, sondern erfrischend und balanciert die Säure aus, grandioser Trinkfluß, die Mineralität hält sich heute noch im Hintergrund, aber der feinduftige Schiefergeschmack sollte mit den Jahren noch besser hervortreten, mir fehlt aber bereits heute nichts an diesem Schubertslay, der nur 7,5% Vol. Alkohol besitzt und so auf der Terrasse keinen Nachmittag überleben wird. Ein wirklich finessiger Kabinett, auf dem heute noch der Tau liegt und an Feinheit und Klarheit kaum zu überbieten ist. So sollte ein Riesling Kabinett von der Mosel schmecken.

Vom Fachhandel, 15,50 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt  bis 2033

Heymann-Löwenstein, Winninger Uhlen Rothlay „R“, 2004

heymann-lc3b6wenstein-uhlen-r-2004-100-von-1Nachdem ich vor einigen Wochen einen noch zu jungen, aber schönen Rothlay aus dem Jahr 2005 getrunken hatten, trieb mir die Neugierde den Korkenzieher für diesen Wein in die Hand… wir fanden einen Wein vor, der – anders als erwartet – weitaus trinkiger und animierender war, als der 2005er im aktuellen Stadium,  ja vielleicht auch, als es der 2005er in 5 bis 7 Jahren sein wird…

In der vielfältigen Nase kalter Bratapfel, eine Strauß von Orangenblüten, Mandarine und gelber Frucht, bereits hier kühle, dramatisch tiefe Schiefermineralik andeutend. Überraschung im Mund – wo ist die wohlbekannte halbtrockene Stilisitik des Weinguts in diesem Wein geblieben? Ok, auch dieser Wein ist sicherlich nicht knochentrocken, die Extraktsüße ist hier aber nur sehr unaufdringlich  vernehmbar und stimmiger Teil dieses Weines. Der Wein ist schon im Antrunk von Trockenkräutern und einer tiefen, dunklen Schiefermineralität geprägt, die schon fast für bitterschokoladige Würze sorgt. Hohe Dichte, aber ohne Üppigkeit. Die Säure ist eher zupackend frisch und sehr schön mit der extraktreichen Frucht verwoben. Changiert im Mund im weiteren Verlauf immer zwischen Frucht, Kräutern und herber Steinwürze, sehr animierend und wunderbar klar bleibend, es ist nur kaum Botrytis vernehmbar. Entwickelt keinen Hang zur Breite, das darf dann doch ein wenig überraschen. Wir jedenfalls sind überrascht. Kein Zeichen von Müdigkeit bei dieser Flasche, sondern schönstes Reifestudium im zehnten Jahr nach seiner Füllung. Das kräuterwürzig-steinigherbe-gelbfruchtige Finale steht sehr, sehr lang – ein Wein wie aus einem Guss. Man mag bemängeln, dass die herben Töne im Finale schon gewisse Tendenzen ins Bittere nehmen. Aber wie willkommen ist dies im Vergleich zu etwaig übertriebener Süße – ich jedenfalls finde hier Trinkfreude (!), mit großen Schlücken ist diese Flasche rasch geleert…

Aus dem Fachhandel, damals 27,50 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2018

Martin Müllen Riesling Spätlese** Kröver Paradies „Deare“, 2007

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„Deare“ ist ein besonders Teilstück aus der Lage Kröver Paradies, die mit einer Rebfläche von 1,2 Hektar nach dem Trarbacher Hühnerberg zweiten Hauptlage von Martin Müllen. Der Boden setzt sich aus blauem und rotem Schiefer zusammen und sehr steinig, kaum vom Feinerde bedeckt. Die Müllers bewirtschaften einen Teil mit westlicher Ausrichtung, der immer noch sehr stark der Sonne ausgesetzt ist, aber weniger Einstrahlungsdauer hat als der Rest der Lage. Hand aufs Herz, wir Schreiber dieses Blogs, aber auch viele um uns herum, schätzen diese Lage sehr. Die trockenen Spätlesen haben uns das eine ums andere Mal immer wieder vom Hocker gehauen. Dieses Mal wurde für mich das erste Mal ein restsüßer Wein aufgezogen.

In der Nase grüne würzige Aromen, etwas Küchenkräuter, Dill, Waldmeister, weiße Blüten und Weinbergspfirsich; duftig, raffiniert, nicht offensiv, eher fein, filigran, ansatzweise tief. Auch eingelegte Früchte, die eine gewisse Opulenz und Cremigkeit andeuten. Der Antrunk sorgt für wahre Freude. Mir fällt vor allem ein Worte ein: tänzelnd. Alles ist beschwingt an diesem Wein und jede Bewegung wirkt präzise. Die Hauptdarsteller sind, so klassisch Mosel, die strahlende, wunderschöne, im besten Sinne cremig wirkende Süße, und die filigrane Säure, die sich so wunderbar integriert und enorm trinkanimierend wirkt. Es ist alles da, aber die Töne sind treffsicher und leise. Das ist das legendäre Süße-Säure-Spiel, wie es nur die Mosel kann. Der Wein wirkt, wenn er auch aus dem opulenten Jahr 2007 stammt, sehr sauber. Ein ganz leiser Verdacht auf Botrytis, aber sauber, überhaupt nicht störend. Der Abgang hat gehörige Länge, die Schiefermineralität sorgt für einen nachhaltigen , wunderbaren Zug am Gaumen.

Den Wein gibt es übrigens noch zu beziehen ab Weingut. Überhaupt ist das toll bei Martin Müllen, dass er auch ältere Jahrgänge erst später in den Verkauf bringt. Hier gibt es noch Schätze zu heben.

Am Weingut erworben, 13,90 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis in ferner Zukunft

Riesling aus dem Jahrgang 2002

2002er-Riesling-Flight (100 von 1)Kürzlich kamen blind in Folge sechs 2002er-Rieslinge aus Deutschlnad ins Glas, die erneut die besondere Güte des Jahrganges eindrucksvoll unter Beweis stellten. Die Weine haben sich alle vorzüglich entwickelt und präsentieren sich nun sehr harmonisch, mit noch viel Frische und komplexen Sekundäraromen.

1 Reinhard und Beate Knebel Riesling Winninger Uhlen Spätlese trocken Mosel, 2002
Feiner Duft nach Dörrobst, vorneweg getrocknete Apfel- und Aprikosenscheiben, Malz und eine Würze, wie sie für Elsass oder Terassenmosel bezeichnend ist. Am Gaumen extraktreich, mit der üblichen Dichte des Uhlens, viel Kräuterwürze, saubere Botrytis, erneut Wachs- und Malznoten, eine noch hinreichend, aber bereits fragile Frucht, animierender Säurebogen, der bis zum mittleren Nachhall Frische in den Wein bringt, mittlere Tiefe und Länge, perfekter Trinkfluss.
89/100

2 Weingut Benderhof Riesling Selection Pfalz, 2002
Das Bukett geprägt von einer dunklen, steinwürzigen Mineralität, Abrieb von Orangenschale, Kakaonoten. Am Gaumen von mittlerem Körper, noch ungemein frisch, im Auftakt eine nahezu tänzelnde Rieslingfrucht, herrlich gereift in bester Balance, cremige Mineralität, erneut ein feiner Säurebogen, etwas mehr Nachdruck als der Uhlen, betont mittlere Länge. Ein wirklich schön gereifter Rieling.
90/100

Knebel Uhlen, 2002 (100 von 1)3 Weingut Groebe Riesling Westhofener Kirchspiel Rheinhessen, 2002
Komplexes Bukett nach getoasteter Brotkruste, Toasbrot, angetrockneter Aprikosenschale, Thunfischöl. Am Gaumen von mittlerem bis kräftigen Körper, der Antrunk eine tabakige Rieslingfrucht, die sich animierend ummantelt von einer erdwürzigen Mineralität präsentiert, vitales Säurespiel, sehr tief und verspielt, sehr lange am Gaumen liegend. Ein ausgezeichneter Wein, der jetzt voll ausgereift ist, aber sich noch einige Jahr auf dem Niveau halten wird.
93/100

4 Weingut Wittmann Riesling Westhofener Kirchspiel Rheinhessen, 2002
Da kam der ebenfalls ausgezeichnete Wittman aus der gleichen Lage nicht mit. Wirkt in der Nase frisch, viel Zitrus, die aber ein wenig ins dropsige geht, erinnert mich an Weingummi, etwas überextrahiert, Kakaonoten, erdwürzige Mineralität. Am Gaumen kräftig, mit satten, saftigen Auftakt, getrockente Steinfrüchte, überreife Mirabelle, deutliche Restsüße, herrlich verspielte Säure, die Extraktdichte liegt ohne Ende am Gaumen, ein beeindruckender Riesling, der mir aber ein wenig zu dicht erscheint und weniger Spiel und Trinkfreude vermittelt im Vergleich zum Groebe.
90/100Benderhof Riesling Selection, 2002 (100 von 1)

5 Weingut Christmann Riesling Königsbacher Idig Pfalz, 2002
Riesling des Abends war der große Idig. Nahezu fruchtfreie Nase, vielmehr eine ungemein tief mineralischer Duft nach kaltem Rauch, schwarzem Stein und einem ganzen Strauß von Kräutern, dahinter Malz, Brotkruste und ein Hauch Grapefruit. Am Gaumen von mittlerem Körper, der Auftakt eine Wucht aus saftiger und cremiger Rieslingfrucht, eine wahre Freude, die durch den mineralischen Biss und einer rassig tänzelnden Säure ständig in Bewegung bleibt, auch dieser Wein ist sehr konzentriert, trinkt sich aber mit großer Frische, dazu gesellt sich ein salzig mineralischer Biss, wie es nur in großen Rieslingen auftritt, sehr langes Finish. Grandios.
96/100

6 Markus Molitor Riesling Zeltlinger Sonnenuhr Spätlese Versteigerung, 2002
Duftet nach Feuerstein, Schiefer, ganz dezenten Zitrussetzen, große Vorfreude weckend. Am Gaumen von mittlerem Körper, saftig, fruchtbetonter Auftakt nach Birnen, reifen Aprikosen, sehr klar und animierend, selbst die Säure wirkt saftig, hat aber ernormen Biss, mir gefällt es, herrlich klare Schiefermineralität, feiner, schon etwas zurückgezogener Süße, null Botrytis, nicht sehr tief, mittlere Länge. Spätlese wie ich sie sehr liebe, weniger als Begleiter zu seiner Süßspeise, sondern als Solist. So soll Mosel sein.
91/100