Weingut Emrich-Schönleber Riesling Auf der Lay (A.de.L.) Großes Gewächs Versteigerung, 2009

Vor kurzem hatte ich den Jahrgang 2011 von diesem Wein vorgestellt. Jetzt will es der Zufall… Äh, von wegen Zufall, ich habe den Wein selbst als Begrüßungsschluck für eine hochwertige Bordeaux-Probe (wir werden berichten) ausgewählt und genehmige mir nun am Vorabend einen ersten Schluck aus der Magnum. Und davon will ich kurz berichten:

Duftet nach dem Aufziehen eher wie in großer Burgunder – kaum Frucht, dafür Struktur und Festigkeit ohne Ende, harter Kalkstein, kühl, phenolische Noten, etwas Kräuter und Gewürze, weißer Rauch, mit der Zeit Abrieb von der gelben Grapefruit. Am Gaumen fest, knochentrocken, die Mineralität beißt sofort in den Gaumen und zieht über den Gaumen, dass mir die Ohren schlackern. Meine Güte, was für ein Riesling, auch hier phenolische Noten, Gerbstoffe rauen den Gaumen auf, noch ein wenig unwirsch, felsenfester, mineralischer Kern. Im mittleren Bereich zeigt sich etwas Frucht, erinnert erneut an Grapefruit und jugendliche Steinfrüchte, noch ein Baby, die Säure straff, dazu die salzige Mineralität, der Wein regt beim Trinken den Speichelfluss an, fächert im Glas immer weiter auf und zeigt im sehr langen Nachhall sein ganzes Potential, ungemein komplex, straff und trotzdem kein lauter Riesling. Genügt, für meinem Dafürhalten, höchsten Ansprüchen und würde keinem Montrachet Schande bereiten. Ganz großes Rieslingkino, das schon jetzt ein Hochgenuss ist, aber vermutlich erst in zehn Jahren seinen Höhepunkt erreichen wird.

Von der Versteigerung, 145 Euro (Magnum), 96-97+/100 (groß), jetzt bis 2030

Weingut Emrich-Schönleber Riesling Auf der Lay (A.de.L.) Großes Gewächs Versteigerung, 2011

Emrich-Schönleber A.de.L, 2011 (1 von 1)Spätestens nach vier Jahren Flaschenreife treffen wir uns von Weintasting.de zum ersten Mal einen Jahrgang in der Breite erneut zu verkosten. In den nächsten zwei Wochen werden wir ca. 40 GGs des Jahrganges 2011 in Ruhe probieren und sind gespannt auf den aktuellen Zustand. Als Probenleiter will ich mich natürlich adequat vorbereiten 🙂 und dies tue ich mit dem A.de.L. von Schönleber.

Im Bukett finde ich einen hochfeinen Rieslingduft wieder, eher verhalten als laut – gut so. Der erste Eindruck erinnert mich an eine schöne Harmonie aus steinwürziger Mineralität und cremiger Grapefruit, dazu diverse Kräuter im Hintergrund. Leise, gewogen, harmonisch fällt mir dazu ein – klar wie ein Gebirgsbach, natürlich null Reifearomen und Botrytis. Am Gaumen mit festem Kern und Dichte, herrlich trockene Stilistik, bereits der fehlende Restzucker verleiht dem Riesling viel Frische, besonders in einem derart warmen Jahr wie 2011. Es beginnt im Auftakt mit der Halenberg üblichen herben Fruchtkomponente, ganz viel kandierte Grapefruit, dazu reife Stein- und Kernfrüchte und wilde, etwas gezähmt wirkende Kräuterwürze, direkt nach dem Auftakt greift eine steinwürzige Mineralität ins Geschehen ein, feine Cremigkeit im Verlauf, was mich für einen derart trockenen Riesling erstaunt, aber es passt sehr gut und sorgt für viel Trinkfluss, bei der Säure erkennt man den Jahrgang, sie zeigt ein schönes Spiel, wirkt aber mild und hält sich eher im Hintergrund, auch dies sorgt eben für den aktuellen Trinkfluss, der Auf der Lay läuft bereits heute sehr harmonisch, bei aller Jugendlichkeit, über den Gaumen und weiß sehr zu gefallen, was ihm fehlt ist die Straffheit und die Konsequenz z.B. des Jahrganges 2008. So fehlt ihm der mineralische, steinwürzige Kick im Nachhall. Das mag man kritisieren, bleibt aber auch Geschmacksache, da der 2011er dafür einen zart cremigen Schmelz aufzeigt, der sicherlich auch zu gefallen weiß. Sehr langer und facettenreicher Nachhall. In der Summe ein ausgezeichneter Riesling, der vermutlich zur Spitze des Jahrgangs zu zählen ist und noch Potenial zur Verbesserung zeigt. (92+)

[02. März 2016]

Der A.de.L wird von Tag zu Tag besser. Jetzt am vierten Tag nach dem ich den Korken aus der Flasche gezogen habe, tritt seine mineralische Kraft immer stärker hervor. Mittlerweile richtig Zug am Gaumen, mundwässender Verlauf, sehr langer und packender Nachhall, da flacht nix mehr ab. Bin jetzt schon bei 93-94+, mal sehen was noch kommt…wer hat unbedingt 1-2 Tage vorab den Korken ziehen. Nicht zu kalt genießen.

VDP-Versteigerung, 160 Euro für die Magnum, 93-94+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2031

Riesling Große Gewächse 2007 – Eine Bestandsaufnahme nach acht Jahren Flaschenreife

Riesling GG 2007 nach achtJahren (1 von 1)Kurz vor Weihnachten 2015 hatte ich Gelegenheit, mir mittels zwölf Großer Gewächse einen aktuellen Eindruck über den aktuellen Zustand des Jahrgangs 2007 zu verschaffen. Die Rieslinge wurden in Flights mit je vier Weinen blind präsentiert. Nach jedem Flight wurde aufgedeckt. Mir war das Line-up unbekannt. Der Probenleiter beschränkte sich auf die Anbaugebiete Mosel, Nahe und Rheinhessen. Dies ist kein qualitativer Fingerzeig, die Probe diente als Vorbereitung für eine umfassendere Probe des Jahrgangs 2007 im kommenden Frühjahr 2016. Weiterlesen →

Weingut Emrich-Schönleber Riesling Monzinger Frühlingsplätzchen Großes Gewächs, 2007

Emrich-Schönleber Frühlingsplätzchen, 2007 (1 von 1)Der Jahrgang 2007 ist sicherlich kein sonderlich großes Jahr für den Riesling. Ausnahme könnte jedoch die Nahe sein, denn die Großen Gewächse präsentieren sich derzeit auf ausgezeichneten Niveau. Bereits auf unserer Jahrgangsverkostung vor ziemlich genau einem Jahr (Weiterlesen →), gefielen uns die Nahe-Weine mit Abstand am besten. An der Spitze damals die beiden Weine aus dem Halenberg von Emrich-Schönleber und Schäfer-Fröhlich. Beide tief, komplex und jugendlich mit noch viel Zukunft und vielleicht mit weiterem Entwicklungspotential. Aus meiner Sicht ist aber jetzt ein guter Zeitpunkt seine Flaschen zu öffnen und nach acht Jahren Reifeentwicklung ein wahres großes Gewächs zu erleben. Dies gilt ebenfalls uneingeschränkt für das Monzinger Frühlingsplätzchen von Schönleber.

Trotz der langen Reife ein immer noch helles, blasses Goldgelb. Das Bukett mineralisch geprägt, gemahlener Stein, flintiger Einschlag, ätherische Noten, durchzogen von Anklängen von Weinbergspfirsich und Zitrusfrüchte, pflanzliche Noten und immer wieder erahne ich Tabaknoten, subtil, feinsinnung und absolut reintönnig. Am Gaumen durchaus dicht, ohne jede Breite, vom Alkohol nichts zu spüren. Der Antrunk saftig, mit einer leicht herben Kräuterwürze, dazu saftige Steinfrüchte, Grapefruit, dazu eine feste steinwürzige Mineralität, herrlich lebendiges Säurespiel, wirkt im weiteren Verlauf immer schlanker und fokussierter, großer Trinkfluss, die Gerbstoffe rauen noch leicht den Gaumen auf, ja, der Wein wirkt noch nicht gänzlich entwickelt, zeigt aber sein Potential an, sehr nachhaltig und hinten zeigen sich immer weitere Facetten, immer wieder Noten von Tabak, Steinsalz und kühlende Aromen, die Restsüße ist wahrnehmbar, aber aufgrund seines festen mineralischen Fundament wirkt er trockener, als er vermutlich ist, sehr langer, feinsinniger und komplexer Nachhall. Schlichtweg ausgezeichnet.

Vom Fachhandel, 26 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2022

Weingut Bamberger in Meddersheim, Nahe

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Ausgangspunkt für diese Verkostung war eine Anfrage von Seiten des Weingutes, ob wir uns einmal durch die Kollektion durchprobieren möchten. Die Weine und besonders die Sekte, für die das Weingut durchaus bekannt ist, bekamen wir die letzten Jahre zwar gelegentlich ins Glas, aber keiner von uns hatte einen allgemeinen Eindruck von dem Programm. Wir stimmten daher gerne zu, mit der Bitte, dem Paket auch Sekte und einige gereiftere Jahrgänge beizufügen. Bei dem umfassenden Angebot beschränkten wir uns auf die Rieslinge des Hauses. Alle besprochenen Weine wurden uns kostenlos zur Verfügung gestellt, an unserer Beschreibung und an der Bewertung ändert dieser Umstand selbstverständlich nichts. Wir haben uns in aller Ruhe offen durch die Kollektion zu dritt verkostet.

Zusammenfassend können wir sagen, je neuer die Weine, desto ansprechender. Auf dem Weingut scheint einiges zu geschehen. Besonders die beiden Lagenrieslinge -S- aus dem Jahrgang 2013 empfanden wir besonders gelungen. Im Vergleich zu den gereifteren Jahrgängen sind sie fester und sie verfügen über mehr Spannung, dazu lässt die Fruchtaromatik der Mineralität mehr Raum. Die Rieslinge gewinnen dadurch an Tiefe. Wie gesagt, haben wir keine Einblicke in den Betrieb, aber wir vermuten Veränderungen bei der Bewirtschaftung der Weinberge und beim Ausbau der Weine. Die beiden 2013er-S-Rieslinge sind auf jeden Fall eine Empfehlung wert und für 15 Euro sind sie dazu noch fair bepreist. Weiterlesen →

Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →

Weingut Emrich-Schönleber Riesling Monzinger Halenberg »R«, 2008

ES2008MHRDer Halenberg »R« führt beim Weingut Emrich-Schönleber ein vergleichsweises »Nischen-Dasein«. Zumindest macht es den Eindruck, dass der Wein im Schatten seines Großen-Gewächs-Pendants, dem trockenen Halenberg, sowie auch dem »AdL« weniger im öffentlichen Fokus steht. Ich meine durchaus zu Unrecht! Denn die Qualität beim »Halenberg R« ist regelmäßig nicht schlechter, der Wein hat nur eine andere geschmackliche Ausrichtung. Der Wein wird (inzwischen) gezielt in seinem Gärungsverlauf gestoppt, folglich mit mehr Restzucker auf die Flasche gefüllt und kommt mit zeitlicher Verzögerung auf den Markt (zuletzt der Jahrgang 2012).

In der distinguiert zarten, aber noch jugendlich erscheinenden Nase gezuckerte Apfelspalten, ein zarter Kräutereinschlag, etwas Limone, Aloe Vera und Anklänge einer kompromisslos steinigen Mineralität. Diese Aromen verbinden sich mit reichlich Verweildauer in der Karaffe, werden hierdurch kompakter und finden immer mehr zueinander. Dies weckt große Vorfreude auf den ersten Schluck.

Zunächst zeigt der Wein einen leichtfüßig eleganten, ja schon flatterhaft-beschwingten mitteldichten Antrunk, aromatisch erinnert er an süßlich-mürbe gelbe und säurefrische grüne Äpfel, dazu grüne Kräuterigkeit. Der Wein baut dann unvermittelt eine innere, vibrierende Spannung auf, die elegant wirkenden Komponenten heben an und verbinden sich in einem sattem Aromenspiel voller Apfelfrucht und einem tiefen Mineralkern, flankiert von einer festen, zugleich aber sehr eleganten Säure.

Eine stimmig feinherbe, ob seiner Jugend vielleicht noch ein Spur zu betonte Süße sorgt für Charme – das macht jetzt schon viel Trinkspaß, wenn man sich hieran nicht stören mag (ich tue es nicht). Dieser 2008 könnte vermutlich aber dennoch noch besser werden, wenn die Reifeentwicklung den Zuckereindruck weiter in den Hintergrund drängen sollte.

Der Wein besticht heute schon durch eine steinige Mineralität, diese erinnert an einen groben Steinquader, der von einer süßlichen Apfelfrucht ummantelt wird. Nachhaltiger, animierender Verlauf, heute noch gänzlich frei von Reifetönen in Mund (und Nase), mit zwingender und doch immer elegant wirkender Struktur. Im sehr langen Finale fächern die Fruchtaromen vom Apfel weit und nachhaltig auf, dazu gesellen sich erst jetzt salzig-herbe Grapefruitaromen, die für einen Extrakick an Frische sorgen.

Wie schon gesagt: Das trinkt sich bereits jetzt – ausreichend belüftet – mit feinherber Stilistik ganz ausgezeichnet. Einfach animierend lecker. Ich vermute seinen finalen Höhepunkt aber eher in sieben bis zehn Jahren. Genug Substanz für eine solche Lagerzeit ist nach meiner Meinung jedenfalls vorhanden.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 92+ Punkte (ausgezeichnet), 2017-2025


[19. Juli 2016] Der Halenberg R mag auch ein Jahr nach der Notiz von Guido immer noch ein Nischen-Dasein führen, aber mit zunehmenden Alter unterstreicht diese Machart von Rieslingen sein ganze Stärke, ganz besonders zum Essen, aber auch einfach so. Der 2008er-Halenberg R ist ein echter Spitzenriesling, der sich hinter dem gelungenen 2008er-GG aus dem Halenberg nicht verstecken muss. Die Notiz von Guido deckt sich sehr genau mit meinen Eindrücken, nur würde ich ihm heute gar 93+ geben. Seine Salzigkeit, gepaart mit einer hauchzart toastigen und gezuckerten Note, ist beeindruckend, wobei die Frucht stets an Äpfeln und rosa Grapefruit erinnert, sprich der höhere Restzucker wird ständig von einer herb-salzigen Note begleitet, dazu kommt eine anschmiegsame Cremigkeit. Die Güte des vielleicht besten Jahrgangs der letzten Dekade zeigt sich auch hier  – das typische straighte Säuregerüst bringt herrlichen Schwung in den Verlauf, sehr straff, dadruch zeigt sich bei allem Holz und Creme, auch eine steinwürzige Mineralität. Je nach Bestand würde ich den Wein noch weiter lagern – meine letzte Flasche mache ich sicher nicht vor 15-20 Jahre Flaschenreife auf.

93+ Punkte (ausgezeichnet), 2019 – 2035

Riesling Große Gewächse 2014: Nahe

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**** (Sehr guter Jahrgang)

Auch an der Nahe waren die klimatischen Bedingungen durchaus herausfordernd, und so waren die Ergebnisse gemischt, aber insgesamt auf gewohnt sehr hohem Niveau. Trotz ihrer Dichte lassen sich die Rieslinge animierend trinken und zeigen oftmals eine bemerkenswerte, ja zuweilen einzigartige Komplexität und Stimmigkeit in ihrem Spiel zwischen Frucht und Mineralität. In der Jugend präsentieren sich manche Lagen gerne verschlossen, aber zahlreiche Verkostungen bezeugen die gute Entwicklungsfähigkeit der Spitzenweine, die gerne erst nach zehn Jahren ihre ganze Vielfalt zeigen.

Die Weine von Emrich-Schönleber waren dieses Jahr eine Überraschung: Sie sind leichtgewichtiger, von großer Feinheit und Fluidität durchzogen. Es sind nahezu leise, noble Rieslinge, die sich heute etwas verhaltener als in den Vorjahren zeigen. Schäfer-Fröhlich sollte seine Weine erst drei bis vier Jahre nach der Abfüllung anstellen, denn die meisten, mit Ausnahme des Strombergs, sind weiterhin deutlich von Gäraromen geprägt. Trotzdem eine ganz starke Kollektion von ihm, besonders das Felseneck und der Halenberg genügen höchsten Ansprüchen. Dönnhoff hat eine homogene Kollektion auf höchstem Niveau vorgestellt mit deutlich unterschiedlicher Charakteristik, hier schmeckt man die Lagen förmlich heraus. Diel geht konsequent weiter seinen Weg hin zu schlanken, straffen Rieslingen, was besonders dem Pittermännchen und dem Goldloch gut zu Gesicht steht, Auch der Burgberg war erneut hervorragend. Diel zählt für mich nun eindeutig zur Spitze an der Nahe. Eine überaus erfreuliche Entwicklung zeigen die beiden Großen Gewächse von Joh. Bapt. Schäfer, sie sind deutlich straffer und weniger süß ausgefallen. Teilweise sind die Alkoholwerte an der Nahe erfreulich niedrig ausgefallen. Weiterlesen →

Terrassen-Zeit? Riesling-Zeit!

Weine zum Skat (1 von 1)Wie schön, der April zeigte sich von seiner schönsten Seite und so verlegten wir unseren Skatabend spontan auf meine Terrasse und genossen bei milden Temparaturen diverse Rieslinge, die in mir große Vorfreude auf den bevorstehenden Frühling und Sommer entfachten.

Es ging los mit einem erstaunlich fein-balancierten Tonschiefer von Dönnhoff aus dem Jahr 2009. Riesling von der Nahe hatten wir schnell erraten, aber einen derartig guten Tonschiefer hatten wir noch nie. Ein eleganter Riesling von großer Harmonie, die ausdruckstarke Mineralität spielt animierend mit den saftigen Steinfrüchten, sehr beweglicher Fluß, trinkt sich herrlich unangestrengt und zeigt dabei schönes Spiel, ohne jede Reifenoten, jetzt auf seinem Höhepunkt (88/100). Viel Wein für wenig Geld. Weiter ging es mit einem ausgezeichneten 2008er Scharzhofberger Pergentsknopp (P.) von Van Volxem. Aufgrund seiner ausgeprägen Schieferaromatik sofort als Saarwein zu erkennen, überzeugte er uns mit seinen rauchigen Noten, einer feinen Cremigkeit, der typisch subtilen Saarsäure und glockenklarer, saftiger Frucht, ein Wein mit Tiefe und Eleganz, ohne jede Breite und Schwülstigkeit, die Lage wurde ihrem Ruf für feine Rieslinge erneut gerecht. Der hohe Preis ist gerechtfertigt und mit (92/100) noch eher konservativ benotet. Jetzt herrlich gereift und zeugt erneut von dem Potential des Jahrganges. Anschließend machten wir mit dem 1989er-Chasse Spleen einen kurzen Abstecher ins Bordeaux. Der Moulis präsentierte sich noch schön zu trinken, aber auch am Ende seiner Entwicklungszeit. In der Nase sofort als gereifter, cabernet-dominierter Bordeaux zu erkennen, mit einem Bukett von Eisen, grünen Paprika, schon in den Hintergrund gerückte Cassisanklänge, getrocknete Kräuter und Laub. Am Gaumen ein schlanker Vertreter, der mit einer zarten süßen und klaren Cassisfrucht den Charme des Jahrganges andeutet, deutliche Reifenoten, Waldboden, Eisen und Laub und etwas Paprika; ist insgesamt noch intakt, aber seiner Karkheit kam nicht bei jederman gut an, andere lobten aber seine Balance und den Trinkfluß, insgesamt wie gesagt noch stimmig, sollte aber jetzt auch getrunken werden (86/100).

Zurück zu deutschem Riesling, nun jedoch kamen fruchtsüße Weine auf den Tisch, die wie immer herrlich zu  gereiften Variationen von Ziegenkäse harmonierten. Los ging es mit einer überraschend frischen 2006erSpätlese aus dem Lenchen von Kühn. Über den 2006er-Jahrgang von Kühn haben wir auf diesem Blog schön öfters geschrieben und gerätselt. In diesem Jahrgang wurden hier extreme Weine abgefüllt, die stark polarisieren. Das Lenchen aber war unser aller Liebling. Leicht kräuterwürziger, typischer Rieslingduft, glockenklar und vielschichtig. Am Gaumen herrlich gewogen, feine, aber vitale Säure, saftige Kernfrüchte, ein Hauch Honig, animierender Verlauf, einfach lecker, ohne die jetzt die größte Tiefe zu haben, jetzt auf seinem Höhepunkt (87/100). Anschließen kam mit Dr. Hermann eine traditionelle ausgebaute Auslese aus dem Ürziger Würzgarten „Ursprung“ auf den Tisch. Wie gewohnt bei Dr. Hermann fiel diese Auslese kräftiger aus, zeigte sich jedoch angenehm gereift,  dadurch die Süße nicht aufdringlich, mit saftigen Steinobst und deutlicher Schieferwürze. Eien ideale Auslese zum Käse, als Solist wäre er dann den meisten am Tisch spätenstens beim zweiten Glas vermutlich ein wenig zu süß (87/100). Mit der 2005er-Auslese GK aus dem Niederberg Helden von Schloß Lieser ging es weiter. Trotz des kräftigen Jahrganges gefiel er uns ein Stück besser, weil zwar auch hier die Süße deutlich zum tragen kam, aber die Säure frischer und agiler wirkte, wie gewohnt glockenklare Aromatik, null Botrytis, guter Trinkfluß, deutlicher Nachhall nach Schiefer (89/100). Nach dem die Käseplatte geplündert war und unser Skatspiel in den letzten Zügen lag, kam als Rausschmeißer noch der 2012-Steinberger Kabinett Versteigerung von den Staatsweingütern auf den Tisch. Ein recht süßer Kabinett, der dann doch dank seiner 8,5 % leichtfüßig auf unserem Gaumen spielte und eine sehr lebendiges Säurespiel besaß. Die Aromatik noch sehr jugendlich, noch etwas hefig im Bukett , sehr klare Rieslingaromatik, mineralische Pikanz, zeigt Zug am Gaumen, braucht noch 1-2 Jahre um sein Jugendspeck abzulegen, gutes Potential, mittlere Tiefe und Länge (87/100).

Wie fast immer gefielen mir die Weine deutlich besser als mein Skatblatt, aber das mag vielleicht auch an dem Spieler liegen…

 

VDP Weinbörse 2015: Rheingau und Nahe

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Im zweiten Teil unseres Berichts von der VDP Weinbörse in Mainz geht es um die Rieslinge aus dem Rheingau und von der Nahe. Zumindest im ersten, ausgerechnet dem klassischsten aller Riesling-Gebiete, dem Rheingau, hat das Wetter 2014 erneut ordentlich zugeschlagen. Trotzdem, die Winzer haben vieles gutgemacht, uns hat so mancher Weine richtig gut gefallen. Überquert man den Rhein, ist alles anders – an der Nahe sind die Weine (wie fast jedes Jahr) blitzsauber, crisp, mineralisch, als gäbe es hier nichts anderes als immer nur das beste Wetter. In beiden Gebieten haben wir Rieslinge gefunden, die wir sehr gut empfehlen können. Weiterlesen →

Weingut Dönnhoff Riesling Schlossböckelheimer Felsenberg Großes Gewächs, 2007

Dönnhoff Felsenberg GG, 2007 (1 von 1)Die Großen Gewächse von Dönnhoff aus 2007 haben sich bis heute ausgezeichnet entwickelt, dies gilt auch für den Felsenberg. Die Weine sind zwar jahrgangstypisch durchaus kräftig und auch alkoholstark ausgefallen, aber lassen sich dank ihrer feinen Säurestruktur und ihrem mineralischem Ausdruck animierend trinken. Auch die 13.5% Vol. beim Felsenberg fallen nicht auf und auch sein lagenbedingter Hang zu einer opulenten und süßlichen Fruchtigkeit wird gut in Schach gehalten.

In der Nase ein kühl-mineralischer Eindruck mit frischen Kräutern, dahinter Heu, Rauch und jugendliche tropische Früchte, aber auch saftige Kernobstaromen, ein insgesamt jugendlicher Eindruck. Am Gaumen fest, intensiv mineralischer Auftakt mit saftiger Frucht, die vorhandene Restsüße heute viel besser eingebunden als beim Release, sehr feine, spannungsgeladene Säurestruktur, zieht sich fordernd und anregend über den gesamten Verlauf über den Gaumen, wirkt harmonisch und straff, fester Kern, nähert sich seinem Höhepunkt an, keinerlei Reifenoten, gute Tiefe und ein sehr langer, mineralisch ziehender Nachhall. Ein ausgezeichneter Felsenberg, ohne jede Üppigkeit oder übermäßige Süße. Ohne zu dekantieren sofort ins Glas bereitete er sofort Freude.

Vom Weingut, 30 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2022

Legenden des trockenen Rieslings – 42 Grands Crus von 1983 bis 2010

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Am 27. August 2014 fand auf dem Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen eine Werkschau von gereiften, trockenen Spitzenrieslingen statt. Die Idee zu dieser Probe entstand im Frühjahr 2014 auf dem Weingut, während wir die Rieslinge des aktuellen Jahrganges verkosteten. Die Realisierung war dann eine echte Gemeinschaftsleistung von privaten Sammlern und Weingütern. Alle Beteiligten öffneten bereitwillig ihre Keller und so kamen schlussendlich 42 Rieslinge zusammen.

Ziel der Probe war es, die Kenntnis über den Reifeverlauf trockener Rieslinge weiter zu vertiefen und den anwesenden Journalisten einen Einblick in die aromatische Vielfalt und Entwicklung über knapp drei Jahrzehnte dieses Weintypes zu vermitteln. Wir wissen darüber letztlich noch viel zu wenig, auch weil so selten darüber berichtet wird. Jedes Jahr stürzen sich die Interessierten und Kritiker auf das jeweils aktuelle Jahr und heben bzw. senken ihre Daumen. Die Urteile werden jedoch über eine Kategorie von Rieslingen verkündet, die vielleicht in acht bis zehn Jahren ihren Höhepunkt erreichen und erst dann ihre ganze Pracht, oder auch ihre Mängel zeigen werden. Die Urteile werden natürlich trotzdem gefällt und dies obwohl viele der Kritiker bis heute keine hinreichende Anzahl von gereiften Weinen verkosten haben, noch über Jahre hinweg trockene Rieslinge von ihrem Release bis hin zu ihrem Höhepunkt dauerhaft begleitet haben. Meines Erachtens ist diese Erfahrung jedoch notwendige Voraussetzung für eine fundierte Bewertung der Weine unmittelbar nach ihrem Release.

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Emrich-Schönleber Riesling trocken Monzinger Halenberg, 2010

Emrich-Schönleber Monzinger Halenberg trocken, 2010 (100 von 1)In der Nase finde ich einen noch jugendlichen und hochreinen Rieslingduft, samt den Eigenheiten des Jahrganges, worunter ich auch einen sehr spezifischen Reifeton verstehe, der sich aber seit drei Jahren überhaupt nicht verändert. Dieser Ton erinnert mich an eine Mischung von leicht gesüßtem Pfeiffentabak, Lindenblüten und Kautschuk, wenn das irgendwie Sinn macht. Sehr präsent der Halenberg aber auch in seiner Terroirausprägung, also diverse getrockenete Kräuter, etwas angetrocknete Grapefruit, kandierte Äpfel und rauchig, röstige Mineraität. Ansprechendes, durchaus hochwertiges Bukett. Am Gaumen von mittlerer Dichte, packender Auftakt, die Saftigkeit der Frucht animiert den Wein in großen Schlucken zu trinken, und dies trotz der hoch stehenden Säure, aber die Restsüße puffert die pikante Säure, ohne sich jemals unangemessen in den Vordergrund zu spielen, auch im Mund diese eigentümliche Note, die aber nur eine weitere Facette für mich hinzufügt, packende, ja hochfeste Mineralität, die sich in den Gaumen arbeitet, fordernder Zug, eine feine Bitternote durchzieht den gesamten Gaumeneindruck, gute Nachhaltigkeit und Komplexität, die Frucht springt zwischen noch jugendlichen Äpfeln und angereiften Zitrusfrüchten hin und her, die mittlere Extraktdichte verleiht diesem Halenberg eine herrliche Finesse, wie gewohnt bei Schönleber glockenklar mit sehr langem Finish. Ich bleibe dabei, 2010 war ein überaus ansprechendes Jahr bei Emrich-Schönleber, auch wenn mir da vermutlich nicht jeder, auch das Weingut selbst, zustimmen mag. Es bleibt aufregend, dieses Jahr weiter in seiner Entwicklung zu beobachten, vielleicht werden wir alle noch staunen.

Vom Weingut, 14 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2022

Weingut Joh. Babt. Schäfer Riesling Dorsheimer Goldloch Großes Gewächs, 2007

Joh.Babt.Schäfer Goldloch, 2007 (100 von 1)In wenigen Wochen wenden wir uns in der Breite dem Jahrgang 2007 bei den Riesling-GGs zu und so will ich mich ein wenig eintrinken mit Weinen, die es nicht auf das finale Line-Up schaffen. Der Wein hätte es eigentlich verdient gehabt…

Ich empfehle den Wein am Vorabend zu öffnen und erst am darauffolgenden Abend zu genießen. Das Bukett präsentiert sich dann ansprechend vielschichtig. Eine kräutrige Rieslingnase mit deutlichen Reifenoten, ohne terziär zu wirken. Vielmehr präsentiert er neben einer reifen Apfelfrucht getrocknete Kräuter, Creme Brulée, ein Hauch, sehr angenehmen Bratapfel, mineralische Anklänge nach Basalt. Am Gaumen ist die Süße des Vorabend verflogen und so präsentiert er, bei einer mittlerer Dichte, einen herrlich saftigen Antrunk, ohne jede Breite, dieses GG trinkt sich ungemein beweglich und feinsinnig, sicherlich ist da auch die etwas charmante Frucht des Goldlochs, eine intellektuelle Veranstaltung wird diese Lage vermutlich nie mehr, aber der Wein vermeidet nun jede übermäßige Süße, oder Konzentration und so kann sich eine feinsinnige Kräuterwürze und steinige Mineralität ausbreiten, erneut viel Basaltnoten, etwas Kümmel, Stroh, Kandis, rote, recht reife Apfelfrucht, weiches, cremiges Mundgefühl, das im hinteren Bereich erstaunlich abnimmt und so wirkt dieses GG sehr frisch und agil wirkt, knapp langer Nachhall. Jetzt auf dem Höhepunkt, aufgrund der Reife würde ich meine Flaschen nicht mehr allzu lange aufbewahren.

Vom Weingut, ca. 22 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

2009 Weingut Dönnhoff Riesling Schloßböckelheim Felsenberg “Felsentürmchen” GG

2009-DFGGUnsere vor einigen Wochen durchgeführte Probe mit Riesling-GGs aus dem Jahr 2009 hatte bei mir die Vorfreude auf diesen Wein geweckt. Er hat meine Erwartungen nicht enttäuscht, das kann ich vorwegnehmen. Und auch diesem Wein wird kein früher Tod beschert sein, weshalb sich die mit ihm gemachten Erfahrungen stimmig in die Eindrücke der 09er-Probe einreihen. Schön auch, dass dieser Riesling aus einer Steilage (45-55% Gefälle) mit reiner Südexposition mit wunderbar viel Zug ins Glas kam. Ich hatte einen weitaus wuchtigeren, schwerfälligeren Wein aus diesem ja vollreifen Jahr befürchtet.

Schon in der Nase verheißungsvoll und viel Kontrast bietend: einerseits kristalin und spannungsgelanden aus dem Glas drückend, um andererseits mit cremiger, gelbfleischiger Frucht aufzuwarten. Hier findet sich neben mürbem Apfel auch gelbe Birne sowie vollfleischige Nektarine. „Vanille?“ notiere ich etwas irritiert.

Die Irritation verdichtet sich dann im Mund, denn auch hier schmecke ich nach einer Stunde Belüftung in der Karaffe neben gelbfleischiger Frucht einen leichtenVanilleton heraus. Was mich dann entgültig irritiert: diese Eindrücke sind in sich stimmig und geschmacklich absolut passend eingebunden. Druckvoller Körper, aber nicht zu weit ausladend. Mit einem tiefen mineralischen Kern gesegnet.

Im heutigen Zustand ist mir die gelbfruchtige Extraktsüße noch ein wenig zu präsent, insbesondere im Finale bleibt doch ein kleiner Zuckerschwanz stehen. Dies sollte sich mit einigen Jahren aber finden, zumal der Wein insgesamt noch sehr jugendlich erscheint. Aus der frisch geöffneten Flasche jedenfalls wirkte er aromatisch noch recht unentwickelt.

Sehr gut gefällt mir bereits heute die Säure, der Wein verläuft insoweit erst recht ruhig, erst im langen Finale steht die Säure mit Vehemenz gegen die Mineralität und den Fruchtextrakt, was hier dann für einen straffen, ja fast schon strengen, herb-pikanten Eindruck sorgt – und der ist sowas von animierend.

Guter Trinkfluss, der Wein ist vielleicht zu druckvoll, um ihn noch elegant nennen zu können: ein Wein mit Klasse ist er aber allemal. Ausreichend belüftet schon jetzt hochinteressant.

Aus dem Fachhandel, 32 EUR, 92 Punkte (ausgezeichnet),   2015 bis 2021+