Weingut Georg Breuer – Nonnenberg und Berg Schlossberg Jahrgänge 1999 bis 2014 aus der Magnum

D7012_RKW0424-2400Am 25. Januar 2016 lud Christoph Dirksen und Andreas Lelke zu dieser verheißungsvollen Probe ein. In der Moderation der Probe wurden sie von Theresa Breuer unterstützt. Ihr und ihrem Vater haben wir es zu verdanken, dass die Phalanx an Rieslingen in der Welt gelandet sind und wir so an diesem Abend das Vergnügen hatten sie zu erleben. Alle Magnums kamen aus dem Privatkeller von Christoph Dirksen, ergänzt von Frau Breuer um die noch nicht abgefüllten 2014er in Normalflaschen. Andreas Lelke stellt für diese Verkostung seinen beeindruckenden Proberaum im Bungertshof (www.bungertshof.de) zur Verfügung und servierte spät am Abend noch einen 1982er-Berg Schlossberg Kabinett natürlich von Georg Breuer aus seinen gefühlt unendlichen Tiefen seines Kellers.

Seit ca. 10 Jahren sammele ich die Lagen-Rieslinge von Breuer mit Leidenschaft und aus Überzeugung. Nicht nur Nonnenberg und Berg Schlossberg, sondern auch Rottland und Roseneck, jedoch sind die beiden Erstgenannten meine persönlichen Lieblingsweine des Gutes. Nie werde ich meine Gänsehaut vergessen, als ich den 2005er-Nonnenberg kurz nach seiner Abfüllung probierte. Damit fing für mich alles an.

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Spätburgunder vom Weingut Schön aus Rüdesheim

Weingut Schön 3x Spätburgunder (1 von 1)Der nur 4 ha große Familienbetrieb hat sich in den letzten Jahren auf die Erzeugung von Spätburgunder aus den Rüdesheimer Steillagen konzentriert. Diese Spätburgunder liefen mir letztes Jahr zufällig über den Weg und liesen mich aufhorchen. Nun bestellte ich einfach drei aktuelle Weine, die ich hier kurz vorstellen möchte:

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheim Drachenstein, 2011
Kühles, mineralisch geprägte Bukett mit sauberer Pinot-Frucht, ist mit seiner reifen pflaumigen Frucht durchaus als deutscher Spätburgunder zu erkennen, zeigt sich aber ohne Überreife und klar. Am Gaumen mit guter Dichte, klar-fruchtiger Auftakt mit schöner steinwürzig mineralischer Note, dunkle Waldfrüchte und Pflaumen, läuft angenehm fokusiert über den Gaumen, ohne nervigen Holzeinfluß, die Säure zeigt Spiel und bringt die notwendige Frische in den Wein, hält sich aber ansonsten angenehm zurück, die Tannine sind reif, aufgrund der Jugend des Weines sind sie noch nicht ganz integriert, aber dies sollte in 2-3 Jahren der Fall sein, über den gesamten Verlauf durchaus harmonisch zu nennen, nicht sehr tief, ohne Hitze trotz 14 % vol, passabler Nachhall mit bitteren Noten.
Vom Weingut, 16,80 Euro, 84+ Punkte (gut), 2016 bis 2021

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2011
Vielschichtiger, noch unentwickelter Duft nach leicht dropsigen roten und schwarzen Waldbeeren, diverse getrocknete Kräuter, Nadelhölzer, Gräser, interessant, recht wuchtiger Eindruck. Am Gaumen deutlich kraftvoller als der Drachenstein, im Antrunk fällt sofort die Extraktsüße auf, intensiv-saftige rote Beeren im Auftakt, die Alkohol leicht wärmend, liegt aber noch gut im Rahmen, über den gesamten Verlauf zeigt der Wein eine hohe Fruchtkonzentration, die etwas zu weich geratene Süße zieht sich nur mühsam bis in den Nachhall hinein, mit stein-würziger Mineralität unterpuffert, vermutlich hat der Wein kein Neuholz gesehen, ob seiner Jugend noch nicht ganz harmonisch, gewisse Spannung, langer Nachhall, ein gelungener Spätburgunder, der sich noch ein Jahr beruhigen muss.
Vom Weingut, 17,00 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), 2017 bis 2025

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2012
Deutlich feinsinniger, aber noch recht unentwickelt kommt der 2012er-Schlossberg daher. In der Nase zeigt klare Anklänge von roter Johannisbeere, getrocknete Gewürze, Nadelhölzer, Schiefernoten, insgesamt nuaciert und kühl. Am Gaumen von hinreichender Dichte, herrlich gewogener Auftakt mit schönem Früchtespiel, wirkt sehr frisch, klar und ohne Breite und Überreife, deutlich mineralischer als der 2011er, die Säure steht höher und sorgt für einen straffen Verlauf, festes mineralischen Fundament, zieht sich hinten noch leicht zu, die Tannine sehr fein, langer, nuancierter Nachhall. Gelungen.
Vom Weingut, 17,80 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), 2016 – 2027

Besonders die Weine aus dem Schlossberg haben mir sehr gut gefallen. Welches Jahr man bevorzugt ist schlußendlich Geschmacksache. Wer eigentlich die burgundischen Vertreter bevorzugt, dem empfehle ich den 2012er. Zwar hat man auch hier ein aromatisch typisch deutschen Vertreter im Glas, jedoch mit klarer Frucht, ohne Holzeinfluß und übermäßiger Konzentration. Für diese Steillagen sind die Weine als günstig zu bezeichnen. An der Ausstattung könnte noch gearbeitet werden.

 

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Weingut Georg Breuer Rauenthal Nonnenberg Erstes Gewächs, 1998

Breuer Nonnenberg, 1998 (1 von 1)Wie lange muss großer trockener Riesling reifen, bis er sein ganzes Potenzial entfaltet hat und er so zu einem besonderen Genuss wird? Ich habe darauf keine Antwort, und vermutlich gibt es eine solche auch überhaupt nicht. Aber die Flasche dieses 98er Nonnenbergs präsentierte sich über die Feiertage derart sensationell, dass es für ihn nur eine Antwort gibt: genau bis Weihnachten 2015, genau diese ca. 17 Jahre hat er benötigt, um sein Extrakt, seine Süße und seine Aromen so zu harmonisieren, dass er sich mir die Feiertag über als stets großer, gereifter Riesling präsentieren konnte.

Bereits die helle, blassgelbe Farbe mit den strahlenden Reflexen überrascht. Nach 10 Minuten in der Karaffe präsentiert sich der Riesling aus Rauenthal glockenklar ohne jede Anzeichen von Reifenoten, weder eine Petrolonote noch einen anderen Reifeton nehme ich wahr. Präsente und komplexe Blume von getrockneten Zitrusfrüchten, braunen Tabakblättern und jugendlichen Pfirsichen. Dazu ein Hauch weißer Pfeffer und Safran, der übergeht in röstige Noten, feine Holzkohle, Basaltstein, insgesamt ein mineralisch-würziger Hintergrund, die klare Rieslingfrucht steht jedoch im Vordergrund, mit der Zeit zeigen sich sogar noch rote Beeren. Insgesamt hochfein und glockenklar – ein Musterbeispiel dafür, was ein Riesling aus dem Rheingau kann.

Am Gaumen fällt sofort die hohe Extraktdichte des Weines auf, saftiger und fruchtbetonter Antrunk, erneut jede Menge Zitrusfrüchte, kandierte Äpfel, Schalen von Pfirsichen. Man merkt ihm das warme Jahr an, was ihm aber unheimlich gut tut. Denn von seiner ganzen Ausrichtung ist er ein feiner, eleganter Riesling, und mit seinen 12 % vol. fällt natürlich auch der Alkohol nie störend auf. Auch im Mund zeigt er sich zwar in seiner Entwicklung etwas gereifter, aber auch hier null Altersnoten. Vielmehr läuft er bei allem Zug sehr entspannt über den Gaumen und kann so mühelos sein ganzes Aromenrad auffächern, besonders die Mineralität spielt neben der saftigen Frucht, u.a. mit roten Beeren, Cassisblatt, Stein- und Kernobst, die erste Geige, herrlich röstiger Ansatz, Rauch, Tabak, erhitzter Stein und verbrannter Kohl sind Aromen, die ich über die Tage immer wieder deutlich erlebe, hin und wieder auch Feuerstein und Graphit. Der Wein ist nun vollkommen erblüht und erlaubt jeden Einblick in seine tiefe Höhle, die Säure präsent, aber perfekt von Extrakt umkleidet, niemals spitz oder ruppig, eher geben die vorhandenen Phenole dem Wein noch eine jugendlich anmutende Struktur, zuweilen an Bittermandeln erinnernd.

Ihr seht, ich bin restlos begeistert und dankbar für diesen Weinmoment. Der Nachhall ist ungeheuer lang und in ihm zeigen sich nochmal die ganzen Facetten dieses Ausnahmerieslings. Er hat sich über zwei Tage immer weiter entwickelt, daher vermute ich noch eine gewisse Zukunft, auf der sich dieser Nonnenberg weiter auf seinem Höhepunkt halten kann. Einer der besten Rieslinge, die ich dieses Jahr im Glas haben durfte. Aus guten Kellern noch jede Suche und auch eine höhere Investition wert.

Vom Fachhandel, 20 DM (lang ist´s her), 96 Punkte (groß), jetzt trinken

Bibo & Runge Rieslinge Jahrgang 2014

Bibo Runge Titel (1 von 1)Ganz zufällig bekam ich im Sommer den ersten Riesling dieses neuen Weingutes ins Glas und er ließ mich ob seines herb-würzigen Charakters aufhorchen. Mittlerweile habe ich erfahren, dass die Würze ihre Ursache vermutlich in längeren Maischestandzeiten, der Verwendung von einer traditionellen Korbpresse und dem Ausbau im großen Holzfass hat. Gerade die geschmackliche Beeinflussung durch die Korbpressung interessierte mich. Ich kenne die schonende Pressung in Verbindung mit längeren Maischestandzeiten bisher nur genauer vom Weingut Nikolaihof aus Mautern in der Wachau. Diese Weine zeigen einen sehr eigenständigen Charakter mit viel Würze und innerer Festigkeit und können mich zuweilen richtiggehend begeistern.

Ich hoffte also auf eigenständige Rieslinge, als sich nun die Gelegenheit ergab die 2014er-Kollektion der trockenen und halbtrockenen Rieslinge zu verkosten. Die Weine habe ich direkt vom Gut gekauft, wobei ich keinen kleinen Abschlag erhielt. Einen solchen Abschlag nehme ich, als kleine Anerkennung unserer Förderungen des deutschen Rieslings dankbar an, gleichwohl beeinflusst es natürlich nicht meine Notizen. Wir verkosteten offen zu Zweit, wobei ich in den Folgetagen die Weine nochmals alleine nachverkostete, um ihre Entwicklung zu verfolgen.

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Peter Jakob Kühn Riesling trocken Landgeflecht Zwei Trauben, 2008

Peter Jakob Kühn Landgeflecht 2008 (1 von 1)Es gibt nur wenige Weingüter, dessen Rieslinge wir auf weintasting.de so regelmäßig verfolgen wie die von Peter Jakob Kühn. Manchmal frage ich mich warum tue ich mir den Stress an, wenn er, dieser verflixte Kühn-Wein, mal wieder unnahbar vor mir steht. Nein, leicht macht er es einem wirklich nicht, aber immer wieder kehre ich und auch meine Blog-Kollegen fasziniert zu ihm zurück. Die Rieslinge von Kühn sind aromatische Grenzgänger, geprägt von ihren Böden und erst danach von der Rebsorte. Sie fordern/fördern meine Sensorik heraus, bringen mich an die Grenze meiner Wohlfühlzone und ganz sicher wäre ich ohne sie beschränkter in meiner sensorischen Wahrnehmung nicht so durchlässig wie heute.  Weine, die ein Wagnis eingehen, dürfen auch mal scheitern, oder mich bei allen Bemühen unverstanden zurücklassen und trotzdem mildert es nicht meine Vorfreude auf die nächste Flasche.

In diesem Sinne drehte ich mit der üblichen Neugierde an dem Schraubverschluss des 2008er-Landgeflechts, dieser kleinen Parzelle aus dem Doosberg und freute mich auf das bevorstehende, sensorische Abenteuer. Aber zunächst ging es für zwei Stunden in die Karaffe, den Kühn-Weine benötigen meines Erachtens Luft.

In der Nase finde ich einen tiefen, herb-würzigen, tabakigen Duft nach Trockenblüten, Stroh, getrockneten Wildkräutern, dazu glacierte, eingetrocknete Zitrusfrüchte, dazu eine steinwürzige Mineralität im Hintergrund. Insgesamt reintönig und spannungsgeladen. Am Gaumen ein Riesling von mittlerer Dichte, der im Antrunk bestimmt wird von Zitrusfrüchten mit Kandisüberzug, knochentrockene Stilistik, trotzdem feiner Schmelz, in dem sich die feinen Gerbstoffe gut einbetten, es tauchen pflanzliche Noten auf, dazu viel Würze, nussige Aromen, immer wieder Karamell und Anklänge nach einer zitronigen-apfeligen Frucht, alles umwolkt von tabakigen Anklängen, feine, agile Säure, typisch für 2008 bestens mit der Frucht vermählt, die Mineralität packend und tabak-kräuterwürzig, feiner Zug und zeigt Tiefe an, sehr gute Länge. Wird sich noch lange halten. Entwickelte sich in den folgenden drei Tagen positiv, er wurde immer entspannter und feiner.

Vom Weingut, 18,60 Euro, 90-91+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →

Riesling Große Gewächse 2014: Rheingau

GG2014 Wiesbaden Titelbild 2 (1 von 1)

*** (Guter Jahrgang)

Ich habe eine Schwäche für den Rheingau, und so war es nicht immer schön mit anzusehen, wie die Region qualitativ immer weiter zurückfiel. Glücklicherweise erleben wir in den letzten zwei bis drei Jahren einen gewissen Aufschwung, und es gibt sicherlich einzelne Güter, die wieder an die bundesweite Spitze Anschluss gefunden haben und sich konsequent der Qualität verpflichtet fühlen. Die Stärken des Rheingau-Rieslings liegen meines Erachtens in seiner Vielfalt, aus dem herrlichen Spiel von Frucht und Säure, gerne klassisch komponiert. Viele Weine sind leichter im Extrakt und zeigen hierdurch dann eine besondere Feinheit und ein bewegliches Spiel. Das ist jetzt alles sehr pauschal, denn in Hochheim werden grundsätzlich andere Weine erzeugt als z. B. in den Rüdesheimer Lagen, in Erbach oder in Lorch.

Das Klima 2014 hat die positive Entwicklung sicher nicht begünstigt. Der ständige Regen im Herbst ließ den richtigen Lesezeitpunkt auf wenige Tage, ja Stunden zusammenschrumpfen. Da landete sicher auch die eine oder andere unreife oder faule Beere im Keller. Für diese schwierigen Voraussetzungen ist die Qualität erstaunlich. Aber die Schwierigkeiten des Jahrgangs kann das Gebiet nicht verhehlen. Es gibt einige dünne und gar schwache Weine, manche hätte man meines Erachtens besser nicht als Großes Gewächs abgefüllt. Daneben finden sich aber durchaus auch überzeugende, feinsinnige und charaktervolle Rieslinge. Das Jahr wirbelte auch das in Wiesbaden präsentierte Line-up ordentlich durcheinander. Etliche Weine wurden erst gar nicht angestellt und das eine oder andere Weingut war überhaupt nicht vertreten. Weiterlesen →

Weingut Künstler Riesling Stielweg Alte Reben, 2008

Künstler Stielweg Alte Reben, 2008 (1 von 1)Ich gestehe ein Liebhaber des 2008er-Jahrgangs beim dt. Riesling zu sein. Bereits in der Jugend haben mir die Weine sehr gefallen. Vor gut zwei Jahren öffneten wir damals nach vier Jahren Flaschenreife zum ersten Mal eine Bandbreite an Weinen (Hier lesen) und es wurde deutlich – zahlreiche Weine waren zu dem Zeitpunkt in der Verschlußphase und öffneten sich auch über Tage nicht. Der Jahrgang ist vermutlich ein Langläufer. Im Februar 2013 konnten nur die Weine aus dem Rheingau und vereinzelt aus der Pfalz überzeugen. Im kommenden November 2015 werden wir erneut eine Bandbreite probieren und ich bin sehr gespannt, ob sich die zusätzlichen 2,5 Jahre im Glas wiederfinden.

Wenn ich 2008er heute öffne, dann greife ich aufgrund der gemachten Erfahrung gerne zu Rieslingen aus dem Rheingau. Heute kam mit dem Stielweg ein Riesling ins Glas, der gewachsen auf schweren Tonböden, hinreichend Druck haben sollte mein fruchtiges Pastagericht mit Greveten anständig zu begleiten. Und genau das tat er auch, wenngleich er mir als Solist ebenso gefiel.

In der Nase finde ich angereiften Riesling, die ersten Sekundäraromen treten deutlich auf, fein herbe Noten von Thymian, eine Ahnung Kümmel, hochreifer gelber Apfel, tropische Anklänge, Zitronenbiskuit, immer wieder stecke ich gerne meine Nase ins Glas ob der verspielten Aromatik. Am Gaumen dicht, aber nicht übermäßig, im Antrunk wird der Vorteil des Jahrganges deutlich, denn die vorhandene Restsüße wird herrlich von einer pikanten, schön gereiften Säure flankiert und gepuffert. Oftmals ist mir der Stielweg zu süß und zu schwer, davon kann bei der 2008er-Version kein Rede sein, trotz seiner 13,5 % vol. Natürlich bleibt es ein Riesling auf einem Tonboden gewachsen, aber darüber kann man sich kaum beschweren, wenn man sich dafür entschieden hat. Nein, der 2008er zeigt Frische, einen feinen Säurezug, der herb-kräutrige Einschlag puffert die Restsüße weiter und so wirkt der Wein fast perfekt harmonisch, nur in der Mitte fehlt das letzte Spiel zwischen den Komponenten. Gefällt mir ausgesprochen gut und wirkt nun hinreichend abgehangen um ihn genau jetzt zu genießen – er scheint mir gerade auf seinem Höhepunkt. Erfeuliches PLV.

Vom Weingut, 15 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

Weingut Wegeler Riesling Berg Schlossberg GG, 2013

Wegeler Berg Schlossberg, 2013 (1 von 1)

Viele Große Gewächse aus 2013 lassen sich derzeit erstaunlich gut und animierend trinken. Dies trifft auch auf das Große Gewächs aus dem Schlossberg von Wegeler zu, den ich bereits letztes Jahr in Wiesbaden ganz hervorragend fand. Der Wein überzeugt dank seiner jugendlich lebhaften Frische, seiner markanten, ja fast bissigen Mineralität, und natürlich ist da auch die fordernde jahrgangstypische Säure. Mir gefällt sofort das blitzsaubere Bukett nach Zitronen, Limettenblätter und Kreidestaub, etwas zurückgenommen Schiefernoten, aufgrund seiner Jugend noch nicht sonderlich aufgefächert. Am Gaumen nicht sonderlich dicht, aber mit hinreichend Körper, die Säure und die Mineralität beißen sich bereits im Antrunk in den Gaumen, die Frucht bietet reife Zitrus- und Limettenfrüchte. Nur ganz zart lassen sich erste Anklänge von Steinfrucht erkennen, ansonsten dominiert eine steinwürzige Mineralität mit fein-salzigem Einschlag. Der Wein ist noch leicht gerbstoffig, wirkt straff, keine Spur von Breite, er ist ungemein trinkanimierend, sehr nachhaltig, bietet eine sehr gute Länge mit pikantem Frucht- und Säureausklang. Ein ausgezeichneter Schlossberg, der wie gesagt bereits heute schon richtig Freude bereitet.

Vom Weingut, 27 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2033

Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Sekt Brut, 2011

Kühn Sekt Riesling, 2011 (1 von 1)Bei den aktuellen Temperaturen gibt es auf der Terrasse gern mal Schaumwein und besonders gern Champagner. Heute aber kam der Riesling Sekt Brut von Peter Jakob Kühn auf den Tisch, und er hat uns bestens unterhalten. Für gerade mal 13,50 Euro bekommt man hier einen sehr guten Sekt in traditioneller Flaschengärung, der noch dazu den Riesling-Grundwein aromatisch nicht verleugnet.

Am Gaumen hefige Noten, nussige Anklänge, dahinter ein Hauch Weinbergspfirsich und angereifte Äpfel, sehr sauber, wenngleich sicherlich nicht die allergrößte Tiefe. Am Gaumen fällt mir sofort das champagnerartig feine Mousseux auf, das auf ein anständiges Hefelager hinweist. Dadurch deutliche Brioche-Noten, erneut nussige Anklänge, angenehme, ja leckere Süße, saubere Kernfrucht-Aromen, ein harmonischer und animierender Verlauf, und passabler Nachhall. Ein wirklich sehr guter Sekt, den wir mit großer Freude und Geschwindigkeit getrunken haben. Empfehlung!

Vom Weingut, 13,50 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2017

Terrassen-Zeit? Riesling-Zeit!

Weine zum Skat (1 von 1)Wie schön, der April zeigte sich von seiner schönsten Seite und so verlegten wir unseren Skatabend spontan auf meine Terrasse und genossen bei milden Temparaturen diverse Rieslinge, die in mir große Vorfreude auf den bevorstehenden Frühling und Sommer entfachten.

Es ging los mit einem erstaunlich fein-balancierten Tonschiefer von Dönnhoff aus dem Jahr 2009. Riesling von der Nahe hatten wir schnell erraten, aber einen derartig guten Tonschiefer hatten wir noch nie. Ein eleganter Riesling von großer Harmonie, die ausdruckstarke Mineralität spielt animierend mit den saftigen Steinfrüchten, sehr beweglicher Fluß, trinkt sich herrlich unangestrengt und zeigt dabei schönes Spiel, ohne jede Reifenoten, jetzt auf seinem Höhepunkt (88/100). Viel Wein für wenig Geld. Weiter ging es mit einem ausgezeichneten 2008er Scharzhofberger Pergentsknopp (P.) von Van Volxem. Aufgrund seiner ausgeprägen Schieferaromatik sofort als Saarwein zu erkennen, überzeugte er uns mit seinen rauchigen Noten, einer feinen Cremigkeit, der typisch subtilen Saarsäure und glockenklarer, saftiger Frucht, ein Wein mit Tiefe und Eleganz, ohne jede Breite und Schwülstigkeit, die Lage wurde ihrem Ruf für feine Rieslinge erneut gerecht. Der hohe Preis ist gerechtfertigt und mit (92/100) noch eher konservativ benotet. Jetzt herrlich gereift und zeugt erneut von dem Potential des Jahrganges. Anschließend machten wir mit dem 1989er-Chasse Spleen einen kurzen Abstecher ins Bordeaux. Der Moulis präsentierte sich noch schön zu trinken, aber auch am Ende seiner Entwicklungszeit. In der Nase sofort als gereifter, cabernet-dominierter Bordeaux zu erkennen, mit einem Bukett von Eisen, grünen Paprika, schon in den Hintergrund gerückte Cassisanklänge, getrocknete Kräuter und Laub. Am Gaumen ein schlanker Vertreter, der mit einer zarten süßen und klaren Cassisfrucht den Charme des Jahrganges andeutet, deutliche Reifenoten, Waldboden, Eisen und Laub und etwas Paprika; ist insgesamt noch intakt, aber seiner Karkheit kam nicht bei jederman gut an, andere lobten aber seine Balance und den Trinkfluß, insgesamt wie gesagt noch stimmig, sollte aber jetzt auch getrunken werden (86/100).

Zurück zu deutschem Riesling, nun jedoch kamen fruchtsüße Weine auf den Tisch, die wie immer herrlich zu  gereiften Variationen von Ziegenkäse harmonierten. Los ging es mit einer überraschend frischen 2006erSpätlese aus dem Lenchen von Kühn. Über den 2006er-Jahrgang von Kühn haben wir auf diesem Blog schön öfters geschrieben und gerätselt. In diesem Jahrgang wurden hier extreme Weine abgefüllt, die stark polarisieren. Das Lenchen aber war unser aller Liebling. Leicht kräuterwürziger, typischer Rieslingduft, glockenklar und vielschichtig. Am Gaumen herrlich gewogen, feine, aber vitale Säure, saftige Kernfrüchte, ein Hauch Honig, animierender Verlauf, einfach lecker, ohne die jetzt die größte Tiefe zu haben, jetzt auf seinem Höhepunkt (87/100). Anschließen kam mit Dr. Hermann eine traditionelle ausgebaute Auslese aus dem Ürziger Würzgarten „Ursprung“ auf den Tisch. Wie gewohnt bei Dr. Hermann fiel diese Auslese kräftiger aus, zeigte sich jedoch angenehm gereift,  dadurch die Süße nicht aufdringlich, mit saftigen Steinobst und deutlicher Schieferwürze. Eien ideale Auslese zum Käse, als Solist wäre er dann den meisten am Tisch spätenstens beim zweiten Glas vermutlich ein wenig zu süß (87/100). Mit der 2005er-Auslese GK aus dem Niederberg Helden von Schloß Lieser ging es weiter. Trotz des kräftigen Jahrganges gefiel er uns ein Stück besser, weil zwar auch hier die Süße deutlich zum tragen kam, aber die Säure frischer und agiler wirkte, wie gewohnt glockenklare Aromatik, null Botrytis, guter Trinkfluß, deutlicher Nachhall nach Schiefer (89/100). Nach dem die Käseplatte geplündert war und unser Skatspiel in den letzten Zügen lag, kam als Rausschmeißer noch der 2012-Steinberger Kabinett Versteigerung von den Staatsweingütern auf den Tisch. Ein recht süßer Kabinett, der dann doch dank seiner 8,5 % leichtfüßig auf unserem Gaumen spielte und eine sehr lebendiges Säurespiel besaß. Die Aromatik noch sehr jugendlich, noch etwas hefig im Bukett , sehr klare Rieslingaromatik, mineralische Pikanz, zeigt Zug am Gaumen, braucht noch 1-2 Jahre um sein Jugendspeck abzulegen, gutes Potential, mittlere Tiefe und Länge (87/100).

Wie fast immer gefielen mir die Weine deutlich besser als mein Skatblatt, aber das mag vielleicht auch an dem Spieler liegen…

 

VDP Weinbörse 2015: Rheingau und Nahe

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Im zweiten Teil unseres Berichts von der VDP Weinbörse in Mainz geht es um die Rieslinge aus dem Rheingau und von der Nahe. Zumindest im ersten, ausgerechnet dem klassischsten aller Riesling-Gebiete, dem Rheingau, hat das Wetter 2014 erneut ordentlich zugeschlagen. Trotzdem, die Winzer haben vieles gutgemacht, uns hat so mancher Weine richtig gut gefallen. Überquert man den Rhein, ist alles anders – an der Nahe sind die Weine (wie fast jedes Jahr) blitzsauber, crisp, mineralisch, als gäbe es hier nichts anderes als immer nur das beste Wetter. In beiden Gebieten haben wir Rieslinge gefunden, die wir sehr gut empfehlen können. Weiterlesen →

Legenden des trockenen Rieslings – 42 Grands Crus von 1983 bis 2010

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Am 27. August 2014 fand auf dem Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen eine Werkschau von gereiften, trockenen Spitzenrieslingen statt. Die Idee zu dieser Probe entstand im Frühjahr 2014 auf dem Weingut, während wir die Rieslinge des aktuellen Jahrganges verkosteten. Die Realisierung war dann eine echte Gemeinschaftsleistung von privaten Sammlern und Weingütern. Alle Beteiligten öffneten bereitwillig ihre Keller und so kamen schlussendlich 42 Rieslinge zusammen.

Ziel der Probe war es, die Kenntnis über den Reifeverlauf trockener Rieslinge weiter zu vertiefen und den anwesenden Journalisten einen Einblick in die aromatische Vielfalt und Entwicklung über knapp drei Jahrzehnte dieses Weintypes zu vermitteln. Wir wissen darüber letztlich noch viel zu wenig, auch weil so selten darüber berichtet wird. Jedes Jahr stürzen sich die Interessierten und Kritiker auf das jeweils aktuelle Jahr und heben bzw. senken ihre Daumen. Die Urteile werden jedoch über eine Kategorie von Rieslingen verkündet, die vielleicht in acht bis zehn Jahren ihren Höhepunkt erreichen und erst dann ihre ganze Pracht, oder auch ihre Mängel zeigen werden. Die Urteile werden natürlich trotzdem gefällt und dies obwohl viele der Kritiker bis heute keine hinreichende Anzahl von gereiften Weinen verkosten haben, noch über Jahre hinweg trockene Rieslinge von ihrem Release bis hin zu ihrem Höhepunkt dauerhaft begleitet haben. Meines Erachtens ist diese Erfahrung jedoch notwendige Voraussetzung für eine fundierte Bewertung der Weine unmittelbar nach ihrem Release.

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Zwei Vertikalen aus dem Kiedricher Gräfenberg mit Wilhelm Weil

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Zu Anfang des soeben ausgeklungenen Jahres erreichte uns eine Einladung von Wilhelm Weil, die Rieslinge aus dem Kiedricher Gräfenberg in einer Vertikalen mal so richtig kennen und verstehen zu lernen. Er erwischte uns damit genau auf dem richtigen Fuß, denn die Weil’schen Gewächse finden viel zu selten ihren Weg in unsere Line-ups. Nicht nur die Führung durch das Weingut mit dem atemberaubenden Blick über die Kiedricher Lagen ließ uns ins Staunen geraten, auch das Gespräch mit einem herausragenden Winzer und seine Weine zogen uns in ihren Bann … (Weiterlesen)