Weingut Georg Breuer – Nonnenberg und Berg Schlossberg Jahrgänge 1999 bis 2014 aus der Magnum

D7012_RKW0424-2400Am 25. Januar 2016 lud Christoph Dirksen und Andreas Lelke zu dieser verheißungsvollen Probe ein. In der Moderation der Probe wurden sie von Theresa Breuer unterstützt. Ihr und ihrem Vater haben wir es zu verdanken, dass die Phalanx an Rieslingen in der Welt gelandet sind und wir so an diesem Abend das Vergnügen hatten sie zu erleben. Alle Magnums kamen aus dem Privatkeller von Christoph Dirksen, ergänzt von Frau Breuer um die noch nicht abgefüllten 2014er in Normalflaschen. Andreas Lelke stellt für diese Verkostung seinen beeindruckenden Proberaum im Bungertshof (www.bungertshof.de) zur Verfügung und servierte spät am Abend noch einen 1982er-Berg Schlossberg Kabinett natürlich von Georg Breuer aus seinen gefühlt unendlichen Tiefen seines Kellers.

Seit ca. 10 Jahren sammele ich die Lagen-Rieslinge von Breuer mit Leidenschaft und aus Überzeugung. Nicht nur Nonnenberg und Berg Schlossberg, sondern auch Rottland und Roseneck, jedoch sind die beiden Erstgenannten meine persönlichen Lieblingsweine des Gutes. Nie werde ich meine Gänsehaut vergessen, als ich den 2005er-Nonnenberg kurz nach seiner Abfüllung probierte. Damit fing für mich alles an.

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Spätburgunder vom Weingut Schön aus Rüdesheim

Weingut Schön 3x Spätburgunder (1 von 1)Der nur 4 ha große Familienbetrieb hat sich in den letzten Jahren auf die Erzeugung von Spätburgunder aus den Rüdesheimer Steillagen konzentriert. Diese Spätburgunder liefen mir letztes Jahr zufällig über den Weg und liesen mich aufhorchen. Nun bestellte ich einfach drei aktuelle Weine, die ich hier kurz vorstellen möchte:

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheim Drachenstein, 2011
Kühles, mineralisch geprägte Bukett mit sauberer Pinot-Frucht, ist mit seiner reifen pflaumigen Frucht durchaus als deutscher Spätburgunder zu erkennen, zeigt sich aber ohne Überreife und klar. Am Gaumen mit guter Dichte, klar-fruchtiger Auftakt mit schöner steinwürzig mineralischer Note, dunkle Waldfrüchte und Pflaumen, läuft angenehm fokusiert über den Gaumen, ohne nervigen Holzeinfluß, die Säure zeigt Spiel und bringt die notwendige Frische in den Wein, hält sich aber ansonsten angenehm zurück, die Tannine sind reif, aufgrund der Jugend des Weines sind sie noch nicht ganz integriert, aber dies sollte in 2-3 Jahren der Fall sein, über den gesamten Verlauf durchaus harmonisch zu nennen, nicht sehr tief, ohne Hitze trotz 14 % vol, passabler Nachhall mit bitteren Noten.
Vom Weingut, 16,80 Euro, 84+ Punkte (gut), 2016 bis 2021

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2011
Vielschichtiger, noch unentwickelter Duft nach leicht dropsigen roten und schwarzen Waldbeeren, diverse getrocknete Kräuter, Nadelhölzer, Gräser, interessant, recht wuchtiger Eindruck. Am Gaumen deutlich kraftvoller als der Drachenstein, im Antrunk fällt sofort die Extraktsüße auf, intensiv-saftige rote Beeren im Auftakt, die Alkohol leicht wärmend, liegt aber noch gut im Rahmen, über den gesamten Verlauf zeigt der Wein eine hohe Fruchtkonzentration, die etwas zu weich geratene Süße zieht sich nur mühsam bis in den Nachhall hinein, mit stein-würziger Mineralität unterpuffert, vermutlich hat der Wein kein Neuholz gesehen, ob seiner Jugend noch nicht ganz harmonisch, gewisse Spannung, langer Nachhall, ein gelungener Spätburgunder, der sich noch ein Jahr beruhigen muss.
Vom Weingut, 17,00 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), 2017 bis 2025

Weingut Schön Spätburgunder Auslese trocken Rüdesheimer Schlossberg, 2012
Deutlich feinsinniger, aber noch recht unentwickelt kommt der 2012er-Schlossberg daher. In der Nase zeigt klare Anklänge von roter Johannisbeere, getrocknete Gewürze, Nadelhölzer, Schiefernoten, insgesamt nuaciert und kühl. Am Gaumen von hinreichender Dichte, herrlich gewogener Auftakt mit schönem Früchtespiel, wirkt sehr frisch, klar und ohne Breite und Überreife, deutlich mineralischer als der 2011er, die Säure steht höher und sorgt für einen straffen Verlauf, festes mineralischen Fundament, zieht sich hinten noch leicht zu, die Tannine sehr fein, langer, nuancierter Nachhall. Gelungen.
Vom Weingut, 17,80 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), 2016 – 2027

Besonders die Weine aus dem Schlossberg haben mir sehr gut gefallen. Welches Jahr man bevorzugt ist schlußendlich Geschmacksache. Wer eigentlich die burgundischen Vertreter bevorzugt, dem empfehle ich den 2012er. Zwar hat man auch hier ein aromatisch typisch deutschen Vertreter im Glas, jedoch mit klarer Frucht, ohne Holzeinfluß und übermäßiger Konzentration. Für diese Steillagen sind die Weine als günstig zu bezeichnen. An der Ausstattung könnte noch gearbeitet werden.

 

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Weingut Georg Breuer Rauenthal Nonnenberg Erstes Gewächs, 1998

Breuer Nonnenberg, 1998 (1 von 1)Wie lange muss großer trockener Riesling reifen, bis er sein ganzes Potenzial entfaltet hat und er so zu einem besonderen Genuss wird? Ich habe darauf keine Antwort, und vermutlich gibt es eine solche auch überhaupt nicht. Aber die Flasche dieses 98er Nonnenbergs präsentierte sich über die Feiertage derart sensationell, dass es für ihn nur eine Antwort gibt: genau bis Weihnachten 2015, genau diese ca. 17 Jahre hat er benötigt, um sein Extrakt, seine Süße und seine Aromen so zu harmonisieren, dass er sich mir die Feiertag über als stets großer, gereifter Riesling präsentieren konnte.

Bereits die helle, blassgelbe Farbe mit den strahlenden Reflexen überrascht. Nach 10 Minuten in der Karaffe präsentiert sich der Riesling aus Rauenthal glockenklar ohne jede Anzeichen von Reifenoten, weder eine Petrolonote noch einen anderen Reifeton nehme ich wahr. Präsente und komplexe Blume von getrockneten Zitrusfrüchten, braunen Tabakblättern und jugendlichen Pfirsichen. Dazu ein Hauch weißer Pfeffer und Safran, der übergeht in röstige Noten, feine Holzkohle, Basaltstein, insgesamt ein mineralisch-würziger Hintergrund, die klare Rieslingfrucht steht jedoch im Vordergrund, mit der Zeit zeigen sich sogar noch rote Beeren. Insgesamt hochfein und glockenklar – ein Musterbeispiel dafür, was ein Riesling aus dem Rheingau kann.

Am Gaumen fällt sofort die hohe Extraktdichte des Weines auf, saftiger und fruchtbetonter Antrunk, erneut jede Menge Zitrusfrüchte, kandierte Äpfel, Schalen von Pfirsichen. Man merkt ihm das warme Jahr an, was ihm aber unheimlich gut tut. Denn von seiner ganzen Ausrichtung ist er ein feiner, eleganter Riesling, und mit seinen 12 % vol. fällt natürlich auch der Alkohol nie störend auf. Auch im Mund zeigt er sich zwar in seiner Entwicklung etwas gereifter, aber auch hier null Altersnoten. Vielmehr läuft er bei allem Zug sehr entspannt über den Gaumen und kann so mühelos sein ganzes Aromenrad auffächern, besonders die Mineralität spielt neben der saftigen Frucht, u.a. mit roten Beeren, Cassisblatt, Stein- und Kernobst, die erste Geige, herrlich röstiger Ansatz, Rauch, Tabak, erhitzter Stein und verbrannter Kohl sind Aromen, die ich über die Tage immer wieder deutlich erlebe, hin und wieder auch Feuerstein und Graphit. Der Wein ist nun vollkommen erblüht und erlaubt jeden Einblick in seine tiefe Höhle, die Säure präsent, aber perfekt von Extrakt umkleidet, niemals spitz oder ruppig, eher geben die vorhandenen Phenole dem Wein noch eine jugendlich anmutende Struktur, zuweilen an Bittermandeln erinnernd.

Ihr seht, ich bin restlos begeistert und dankbar für diesen Weinmoment. Der Nachhall ist ungeheuer lang und in ihm zeigen sich nochmal die ganzen Facetten dieses Ausnahmerieslings. Er hat sich über zwei Tage immer weiter entwickelt, daher vermute ich noch eine gewisse Zukunft, auf der sich dieser Nonnenberg weiter auf seinem Höhepunkt halten kann. Einer der besten Rieslinge, die ich dieses Jahr im Glas haben durfte. Aus guten Kellern noch jede Suche und auch eine höhere Investition wert.

Vom Fachhandel, 20 DM (lang ist´s her), 96 Punkte (groß), jetzt trinken

Bibo & Runge Rieslinge Jahrgang 2014

Bibo Runge Titel (1 von 1)Ganz zufällig bekam ich im Sommer den ersten Riesling dieses neuen Weingutes ins Glas und er ließ mich ob seines herb-würzigen Charakters aufhorchen. Mittlerweile habe ich erfahren, dass die Würze ihre Ursache vermutlich in längeren Maischestandzeiten, der Verwendung von einer traditionellen Korbpresse und dem Ausbau im großen Holzfass hat. Gerade die geschmackliche Beeinflussung durch die Korbpressung interessierte mich. Ich kenne die schonende Pressung in Verbindung mit längeren Maischestandzeiten bisher nur genauer vom Weingut Nikolaihof aus Mautern in der Wachau. Diese Weine zeigen einen sehr eigenständigen Charakter mit viel Würze und innerer Festigkeit und können mich zuweilen richtiggehend begeistern.

Ich hoffte also auf eigenständige Rieslinge, als sich nun die Gelegenheit ergab die 2014er-Kollektion der trockenen und halbtrockenen Rieslinge zu verkosten. Die Weine habe ich direkt vom Gut gekauft, wobei ich keinen kleinen Abschlag erhielt. Einen solchen Abschlag nehme ich, als kleine Anerkennung unserer Förderungen des deutschen Rieslings dankbar an, gleichwohl beeinflusst es natürlich nicht meine Notizen. Wir verkosteten offen zu Zweit, wobei ich in den Folgetagen die Weine nochmals alleine nachverkostete, um ihre Entwicklung zu verfolgen.

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Peter Jakob Kühn Riesling trocken Landgeflecht Zwei Trauben, 2008

Peter Jakob Kühn Landgeflecht 2008 (1 von 1)Es gibt nur wenige Weingüter, dessen Rieslinge wir auf weintasting.de so regelmäßig verfolgen wie die von Peter Jakob Kühn. Manchmal frage ich mich warum tue ich mir den Stress an, wenn er, dieser verflixte Kühn-Wein, mal wieder unnahbar vor mir steht. Nein, leicht macht er es einem wirklich nicht, aber immer wieder kehre ich und auch meine Blog-Kollegen fasziniert zu ihm zurück. Die Rieslinge von Kühn sind aromatische Grenzgänger, geprägt von ihren Böden und erst danach von der Rebsorte. Sie fordern/fördern meine Sensorik heraus, bringen mich an die Grenze meiner Wohlfühlzone und ganz sicher wäre ich ohne sie beschränkter in meiner sensorischen Wahrnehmung nicht so durchlässig wie heute.  Weine, die ein Wagnis eingehen, dürfen auch mal scheitern, oder mich bei allen Bemühen unverstanden zurücklassen und trotzdem mildert es nicht meine Vorfreude auf die nächste Flasche.

In diesem Sinne drehte ich mit der üblichen Neugierde an dem Schraubverschluss des 2008er-Landgeflechts, dieser kleinen Parzelle aus dem Doosberg und freute mich auf das bevorstehende, sensorische Abenteuer. Aber zunächst ging es für zwei Stunden in die Karaffe, den Kühn-Weine benötigen meines Erachtens Luft.

In der Nase finde ich einen tiefen, herb-würzigen, tabakigen Duft nach Trockenblüten, Stroh, getrockneten Wildkräutern, dazu glacierte, eingetrocknete Zitrusfrüchte, dazu eine steinwürzige Mineralität im Hintergrund. Insgesamt reintönig und spannungsgeladen. Am Gaumen ein Riesling von mittlerer Dichte, der im Antrunk bestimmt wird von Zitrusfrüchten mit Kandisüberzug, knochentrockene Stilistik, trotzdem feiner Schmelz, in dem sich die feinen Gerbstoffe gut einbetten, es tauchen pflanzliche Noten auf, dazu viel Würze, nussige Aromen, immer wieder Karamell und Anklänge nach einer zitronigen-apfeligen Frucht, alles umwolkt von tabakigen Anklängen, feine, agile Säure, typisch für 2008 bestens mit der Frucht vermählt, die Mineralität packend und tabak-kräuterwürzig, feiner Zug und zeigt Tiefe an, sehr gute Länge. Wird sich noch lange halten. Entwickelte sich in den folgenden drei Tagen positiv, er wurde immer entspannter und feiner.

Vom Weingut, 18,60 Euro, 90-91+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →