Château La Tour-Carnet Grand Cru Classé Haut-Medoc, 2008

La Tour-Carnet 2008 (1 von 1)Seit einigen Wochen probiere ich mich ein wenig durch einige Bordeaux der Jahrgäng 2008 bis 2010 durch, um die Entwicklung dieser sehr unterschiedlichen Jahrgänge zu begleiten. Natürlich sind die Weine noch (zu) jung und weit von ihrem Höhepunkt entfernt, manches gefällt mir aufgrund der dicken Strukur, den überreifen Fruchtanklängen und dem hoch stehenden Alkohol eher weniger. Positiv überrascht bin ich jedoch von dem 2008er-La Tour-Carnet, der in diesem Jahrgang eine Cuvée von 65% Merlot, 32 % Cabernet Sauvignon, 2% Cabernet Franc und 1% Petit Verdot ist. In der Nase angenehm kühl, ätherische Noten, sogar steinwürzige Aromen, die mich an Graphit erinnern, dazu eine jugendliche Pflaumenfrucht, deutlich Orangenschale, feine Röstaromen vom Faßausbau, insgesamt ein präsentes und feinsinniges Bukett, dass Vorfreude auf den ersten Schluck entfachen kann. Am Gaumen trotz seiner 13,5% eher von mittlerem Körper, kein moderner Bdx-Blockbuster, man schmeckt dem Wein seinen hohen Merlotanteil an, die Frucht aber herrlich frisch, die Säure  jahrgangsbedingt agil und präsent, bestens in der Frucht integriert, die Tannine noch ganz leicht aufrauend, ohne zu stören, über den gesamten Verlauf wirkt der Wein frisch und trinkt sich animierend, selbst die dunkle Blockschoklade und die floralen Anklänge zeigen sich feinsinnig und nie laut, mittlere Tiefe und knapp guter Nachhall. Lässt sich bereits heute angenehm trinken, dürfte sich aber noch ein wenig verbessern.

Vom Fachhandel, 25 Euro, 88+/100 (sehr gut), jetzt bis 2028

Advertisements

Kraftakt Pinot Noir VII — Frankreich gegen den Rest der Welt

Feature

Beginne das Jahr nicht mit kleinen Weinen. So halten wir es seit sechs Jahren mit unserem Kraftakt Pinot Noir und schickten 16 gereifte Spätburgunder ins Rennen. Dabei hatten wir diesmal so viele Franzosen und auch so viel Qualität wie noch nie am Start. Und trotzdem gab es endlich mal einen deutschen Sieger – einen wunderbar gereiften, superseidigen, auf ganz hohem Niveau charmanten Spätburgunder aus Heidelberg, den wir allesamt ins Burgund gesteckt hatten. Weiterlesen →

Chateau Cos d´Estournel Probe in Oberhausen

IMG_0308Ende 2015 ging es mal wieder nach Oberhausen. Mein Weinfreund Norbert Kreutzer lud zu einer Verkostung diverser Jahrgänge von Cos d´Estournel ein. Dieses Deuxième Grand Cru Classé-Weingut zählt mit Montrose, von dem es auch einige Jahrgänge gab, ganz sicher zum bekanntesten und besten Weingut aus Saint-Estéphe und erzeugt im Vergleich zu Montrose einen etwas anderen Weinstil. Die aktuelleren Jahrgänge (ab 1990) wirken auf mich moderner, mit sehr klaren Fruchtaromen, saftig und opulent, dabei etwas geschliffen – hier wird ein zeitgemäßer, durchaus marktorientierte Bordeaux-Stil gepflegt. Da ist der Montrose für mein Empfinden noch deutlich mehr von seiner Herkunft geprägt. Ich erkenne ihn aufgrund seiner monolitischen, gerne etwas strengen Art mit seinen kantig-herben Tanninen, eher als ein Bordeaux aus dem Saint-Estéphe. Guido meinte mal so passend, der Montrose ist der Turm auf dem Schachbrett – klare Kante, fester Kern, etwas unnahbar, aber mit viel Tiefe. Das ist Cos für mich nicht unbedingt – mir fehlt es gelegentlich an Tiefe und einer sekundären Aromatik weshalb ich auch einen Bordeaux-Wein öffne. Dafür ist er oftmals glockenklar in seiner Frucht mit viel Saft und Trinkfluss.

Weiterlesen →

Domaine Méo-Camuzet Pinot Noir Nuits-Saint-Georges Aux Boudots Premier Cru, 2007

IMG_0432Der 2007er-Aux Boudots von Meo-Camuzet ist ein Pinot, wie ich es mir von dieser Lage erhoffe. Fein, subtil, tief und ohne die oftmals gröbere Struktur eines Nuits-Saint-Georges, vielmehr trägt er noch die Feinheit seiner Nachbar-Appeltation Vosne-Romanée in sich, an dessen unmittelbaren Grenze dieses Cru liegt. Schon heute wunderbar zu trinken, wenngleich er sich wohl erst in zwei bis drei Jahren vollständig entfaltet haben wird. Er duftet feinsinnig nach diversen Blüten und Früchteteearomen, ein Hauch Jasmin lässt an asiatische Tees erinnern, dazu Abrieb von Orangen und Zitronen, nicht zu vergessen rote Johannisbeeren und ein Hauch Sauerkirsche, im Hintergrund zeigt sich eine noch verschüchterte Kräuterwürze, insgesamt komplex und klar. Am Gaumen von mittlere Dichte, saftig-feinsinniger Auftakt nach roten Johannisbeeren, Orangenabrieb und erneut Jasminblüten, sehr eigenständig, es zeigen sich auch Kräuter, eine feine Röstigkeit vom Faßausbau, feinsinniges, lebendiges Säurespiel, ungemein animierender Trinkverlauf, die Flasche leert sich in Rekordzeit, vollkommen reintönig, die Tanine noch, wirklich nur einen Hauch trocknend, und der Fruchtkern nicht ganz entfaltet, ich muss es nochmal sagen: ungemein frisch und klar, ausgezeichneter Nachhall. Ein fast femininer Burgunder mit glockenklarer und frischer Fruchtausprägung. Ein Hochgenuss, der leider mittlerweile seinen unverschämten, äh ich meinte burgundischen Preis hat.

Aus einer Auktion, 67 Euro (heute ca. 120 Euro), 92 Punkte, jetzt bis 2030

Domaine Fourrier Pinot Noir Gevrey-Chambertin 1er Cru Champeaux Vieille Vignes, 2007

IMG_0393Seit Jean-Marie von seinem Papa Jean-Claude zu Beginn der 90er-Jahre diese Domaine übernommen hat, entwickelt sich das Gut derart gut, dass es heute sicherlich zu den besten Domaines der gesamten Cote-d’Or gezählt werden darf. Strikt im Einklang mit der Natur werden hier Weine von großer Natürlichkeit und Klarheit erzeugt. Die Trauben werden entrappt und dann im Keller möglichst sich selbst überlassen. Bei nur 20% Neuholz darf der Pinot seine herrliche Frucht ungeschminkt zeigen und oftmals schmeckt man bei Fourrier, ob der Wein aus Gevrey, aus Chambolle, aus Morey oder aus Volnay kommt; in allen Appellationen hält die Domaine Besitze bedeutender Lagen, wobei der Schwerpunkt wohl in Gevrey-Chambertin liegt. Für alle, die ihre Nase voll haben von den holzgeschwängerten, süßen Pinots egal welcher Herkunft, ist diese Domaine eine unbedingte Empfehlung.

Heute habe ich mir seinen Champeaux aus 2007 ausgesucht. 2007 gilt als früh zugänglicher Jahrgang, was auch dieser Pinot bestätigt. Überzeugendes Bukett mit dunklen, noch jugendlich anmutenden Beeren und Schwarzkirschen, hinter der Frucht getrocknete Kräuter, Thymian und dazu die üblichen speckigen Aromen von luftgetrocknetem Schinken. Dazu ganz dezente Noten vom Fassausbau, Herrenschokolade, etwas Nüsse, leicht mineralische Anklänge, noch sehr jugendlich kompakt die Nase, aber überzeugend. Am Gaumen schlichtweg ein toller Pinot, perfekte Verbindung aus Konzentration und Feinheit, im Antrunk viel Saft von dunklen Beerenfrüchten und herrlich gereiften Schwarzkirschen, dazu Orangenzesten, steinwürzige Mineralität umgibt die Frucht, dazu getrocknete Kräuter und Schinken, die Tannine herrlich reif, noch mit ganz zartem Grip. Der Wein ist noch jung, aber jetzt in einer perfekten Trinkphase. Diese ungemeine Saftigkeit der glockenklaren Pinotfrucht ist einfach sehr ansprechend. Im Mund zeigt sich das Holz noch weniger als in der Nase, hier darf sich wirklich die Frucht ausbreiten, ist aber derart vielschichtig, kühl und nobel, dass es mir nie langweilig wird. Dazu kommt ein packender und harmonischer Verlauf bis in den sehr guten Nachhall. Das hier ist schlichtweg ein ausgezeichneter Burgund am Beginn seiner Trinkreife und mit viel Zukunft ausgestattet.

Aus einer Auktion, 80 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2025

Yves Cuilleron Condrieu Les Chaillets, 2011

2011_YGCObwohl es nun schon gut drei Wochen zurückliegt, dass ich diese Flasche Condrieu geöffnet habe, ist er mir sofort wieder vor meinem geistigen Auge aromatisch präsent, als ich meine Notizen hervorhole. Das spricht für den Wein. Wer sich nicht von (derzeit noch starker) Holzwürze in Weißweinen abschrecken lässt, dem sei das heutige Öffnen dieses doch noch sehr jugendlichen Weines, der sicherlich noch viele Jahre Leben vor sich hat, trotzdem bedenkenlos empfohlen. Denn dieser Wein ist auch in diesem frühen Stadium bereits ein aromatisches Erlebnis.

Im Glas ein sattes Strohgelb. Ungemein expressive, ja ernsthaft strenge und sehr dichte Nase, die noch stark von Barrique-Einflüssen geprägt wird: grüne Nüsse, Butter, Zitrusspuren und noch recht dominante Aromen eines doch „herben Toastings“. Die dahinter verborgenen gelbfleischigen Aromen müssen sich zunächst etwas bemühen, sich gegen das Holz zu behaupten – was nach einigen Stunden in der Karaffe aber zunehmend besser gelingt.

Ein mächtiger Auftakt dann im Mund, aber ohne Schwere, extraktreich und animierend verführerisch, gänzlich trocken wirkend, im dichten Antrunk eine Wand aus gelber Frucht und buttrig-schmelzigen Holzaromen, die hier etwas weniger präsent erscheinen als in der Nase, dafür herb-würziger. Frucht- und Holzeindrücke wogen hin und her. Flankiert von einer pointierten Säure, die bestens eingebunden ist und den Wein über den gesamten Verlauf hin skelettiert und präzise bis ins Finale in der Führung hält.

Gelbfleischig und holzwürzig ist dieser Spitzen-Condrieu aktuell – ehe dann im weiteren Verlauf die vom Holz ummantelte Frucht auf einen massiven, schwarzen Steinblock schlägt und ihn umspült. Die Mineralität zeigt sich kompromisslos steinig und im Zusammenspiel mit der Säure raumgreifend beißend – und erlaubt es erst im letzten Drittel den eher leise wirkenden, klaren Fruchtaromen, dass diese sich nochmals nuancenreich auffächern und zusammen mit Anklängen von weißem Pfeffer zu Wort melden. Dann ein sehr langer Nachhall, in dem die herb-würzigen Holzaromen die aufgefächerten Zitrusfrüchte stützend begleiten. Ein in jeder Hinsicht wohlbalancierter Wein mit für diese Art von Wein wohltuend „schlanken“ Alkoholgraden von 13,5%.

Aus dem Fachhandel, 40 EUR, 94 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

DSC00181

»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →