Château La Tour-Carnet Grand Cru Classé Haut-Medoc, 2008

La Tour-Carnet 2008 (1 von 1)Seit einigen Wochen probiere ich mich ein wenig durch einige Bordeaux der Jahrgäng 2008 bis 2010 durch, um die Entwicklung dieser sehr unterschiedlichen Jahrgänge zu begleiten. Natürlich sind die Weine noch (zu) jung und weit von ihrem Höhepunkt entfernt, manches gefällt mir aufgrund der dicken Strukur, den überreifen Fruchtanklängen und dem hoch stehenden Alkohol eher weniger. Positiv überrascht bin ich jedoch von dem 2008er-La Tour-Carnet, der in diesem Jahrgang eine Cuvée von 65% Merlot, 32 % Cabernet Sauvignon, 2% Cabernet Franc und 1% Petit Verdot ist. In der Nase angenehm kühl, ätherische Noten, sogar steinwürzige Aromen, die mich an Graphit erinnern, dazu eine jugendliche Pflaumenfrucht, deutlich Orangenschale, feine Röstaromen vom Faßausbau, insgesamt ein präsentes und feinsinniges Bukett, dass Vorfreude auf den ersten Schluck entfachen kann. Am Gaumen trotz seiner 13,5% eher von mittlerem Körper, kein moderner Bdx-Blockbuster, man schmeckt dem Wein seinen hohen Merlotanteil an, die Frucht aber herrlich frisch, die Säure  jahrgangsbedingt agil und präsent, bestens in der Frucht integriert, die Tannine noch ganz leicht aufrauend, ohne zu stören, über den gesamten Verlauf wirkt der Wein frisch und trinkt sich animierend, selbst die dunkle Blockschoklade und die floralen Anklänge zeigen sich feinsinnig und nie laut, mittlere Tiefe und knapp guter Nachhall. Lässt sich bereits heute angenehm trinken, dürfte sich aber noch ein wenig verbessern.

Vom Fachhandel, 25 Euro, 88+/100 (sehr gut), jetzt bis 2028

Kraftakt Pinot Noir VII — Frankreich gegen den Rest der Welt

Feature

Beginne das Jahr nicht mit kleinen Weinen. So halten wir es seit sechs Jahren mit unserem Kraftakt Pinot Noir und schickten 16 gereifte Spätburgunder ins Rennen. Dabei hatten wir diesmal so viele Franzosen und auch so viel Qualität wie noch nie am Start. Und trotzdem gab es endlich mal einen deutschen Sieger – einen wunderbar gereiften, superseidigen, auf ganz hohem Niveau charmanten Spätburgunder aus Heidelberg, den wir allesamt ins Burgund gesteckt hatten. Weiterlesen →

Chateau Cos d´Estournel Probe in Oberhausen

IMG_0308Ende 2015 ging es mal wieder nach Oberhausen. Mein Weinfreund Norbert Kreutzer lud zu einer Verkostung diverser Jahrgänge von Cos d´Estournel ein. Dieses Deuxième Grand Cru Classé-Weingut zählt mit Montrose, von dem es auch einige Jahrgänge gab, ganz sicher zum bekanntesten und besten Weingut aus Saint-Estéphe und erzeugt im Vergleich zu Montrose einen etwas anderen Weinstil. Die aktuelleren Jahrgänge (ab 1990) wirken auf mich moderner, mit sehr klaren Fruchtaromen, saftig und opulent, dabei etwas geschliffen – hier wird ein zeitgemäßer, durchaus marktorientierte Bordeaux-Stil gepflegt. Da ist der Montrose für mein Empfinden noch deutlich mehr von seiner Herkunft geprägt. Ich erkenne ihn aufgrund seiner monolitischen, gerne etwas strengen Art mit seinen kantig-herben Tanninen, eher als ein Bordeaux aus dem Saint-Estéphe. Guido meinte mal so passend, der Montrose ist der Turm auf dem Schachbrett – klare Kante, fester Kern, etwas unnahbar, aber mit viel Tiefe. Das ist Cos für mich nicht unbedingt – mir fehlt es gelegentlich an Tiefe und einer sekundären Aromatik weshalb ich auch einen Bordeaux-Wein öffne. Dafür ist er oftmals glockenklar in seiner Frucht mit viel Saft und Trinkfluss.

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Domaine Méo-Camuzet Pinot Noir Nuits-Saint-Georges Aux Boudots Premier Cru, 2007

IMG_0432Der 2007er-Aux Boudots von Meo-Camuzet ist ein Pinot, wie ich es mir von dieser Lage erhoffe. Fein, subtil, tief und ohne die oftmals gröbere Struktur eines Nuits-Saint-Georges, vielmehr trägt er noch die Feinheit seiner Nachbar-Appeltation Vosne-Romanée in sich, an dessen unmittelbaren Grenze dieses Cru liegt. Schon heute wunderbar zu trinken, wenngleich er sich wohl erst in zwei bis drei Jahren vollständig entfaltet haben wird. Er duftet feinsinnig nach diversen Blüten und Früchteteearomen, ein Hauch Jasmin lässt an asiatische Tees erinnern, dazu Abrieb von Orangen und Zitronen, nicht zu vergessen rote Johannisbeeren und ein Hauch Sauerkirsche, im Hintergrund zeigt sich eine noch verschüchterte Kräuterwürze, insgesamt komplex und klar. Am Gaumen von mittlere Dichte, saftig-feinsinniger Auftakt nach roten Johannisbeeren, Orangenabrieb und erneut Jasminblüten, sehr eigenständig, es zeigen sich auch Kräuter, eine feine Röstigkeit vom Faßausbau, feinsinniges, lebendiges Säurespiel, ungemein animierender Trinkverlauf, die Flasche leert sich in Rekordzeit, vollkommen reintönig, die Tanine noch, wirklich nur einen Hauch trocknend, und der Fruchtkern nicht ganz entfaltet, ich muss es nochmal sagen: ungemein frisch und klar, ausgezeichneter Nachhall. Ein fast femininer Burgunder mit glockenklarer und frischer Fruchtausprägung. Ein Hochgenuss, der leider mittlerweile seinen unverschämten, äh ich meinte burgundischen Preis hat.

Aus einer Auktion, 67 Euro (heute ca. 120 Euro), 92 Punkte, jetzt bis 2030

Domaine Fourrier Pinot Noir Gevrey-Chambertin 1er Cru Champeaux Vieille Vignes, 2007

IMG_0393Seit Jean-Marie von seinem Papa Jean-Claude zu Beginn der 90er-Jahre diese Domaine übernommen hat, entwickelt sich das Gut derart gut, dass es heute sicherlich zu den besten Domaines der gesamten Cote-d’Or gezählt werden darf. Strikt im Einklang mit der Natur werden hier Weine von großer Natürlichkeit und Klarheit erzeugt. Die Trauben werden entrappt und dann im Keller möglichst sich selbst überlassen. Bei nur 20% Neuholz darf der Pinot seine herrliche Frucht ungeschminkt zeigen und oftmals schmeckt man bei Fourrier, ob der Wein aus Gevrey, aus Chambolle, aus Morey oder aus Volnay kommt; in allen Appellationen hält die Domaine Besitze bedeutender Lagen, wobei der Schwerpunkt wohl in Gevrey-Chambertin liegt. Für alle, die ihre Nase voll haben von den holzgeschwängerten, süßen Pinots egal welcher Herkunft, ist diese Domaine eine unbedingte Empfehlung.

Heute habe ich mir seinen Champeaux aus 2007 ausgesucht. 2007 gilt als früh zugänglicher Jahrgang, was auch dieser Pinot bestätigt. Überzeugendes Bukett mit dunklen, noch jugendlich anmutenden Beeren und Schwarzkirschen, hinter der Frucht getrocknete Kräuter, Thymian und dazu die üblichen speckigen Aromen von luftgetrocknetem Schinken. Dazu ganz dezente Noten vom Fassausbau, Herrenschokolade, etwas Nüsse, leicht mineralische Anklänge, noch sehr jugendlich kompakt die Nase, aber überzeugend. Am Gaumen schlichtweg ein toller Pinot, perfekte Verbindung aus Konzentration und Feinheit, im Antrunk viel Saft von dunklen Beerenfrüchten und herrlich gereiften Schwarzkirschen, dazu Orangenzesten, steinwürzige Mineralität umgibt die Frucht, dazu getrocknete Kräuter und Schinken, die Tannine herrlich reif, noch mit ganz zartem Grip. Der Wein ist noch jung, aber jetzt in einer perfekten Trinkphase. Diese ungemeine Saftigkeit der glockenklaren Pinotfrucht ist einfach sehr ansprechend. Im Mund zeigt sich das Holz noch weniger als in der Nase, hier darf sich wirklich die Frucht ausbreiten, ist aber derart vielschichtig, kühl und nobel, dass es mir nie langweilig wird. Dazu kommt ein packender und harmonischer Verlauf bis in den sehr guten Nachhall. Das hier ist schlichtweg ein ausgezeichneter Burgund am Beginn seiner Trinkreife und mit viel Zukunft ausgestattet.

Aus einer Auktion, 80 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2025

Yves Cuilleron Condrieu Les Chaillets, 2011

2011_YGCObwohl es nun schon gut drei Wochen zurückliegt, dass ich diese Flasche Condrieu geöffnet habe, ist er mir sofort wieder vor meinem geistigen Auge aromatisch präsent, als ich meine Notizen hervorhole. Das spricht für den Wein. Wer sich nicht von (derzeit noch starker) Holzwürze in Weißweinen abschrecken lässt, dem sei das heutige Öffnen dieses doch noch sehr jugendlichen Weines, der sicherlich noch viele Jahre Leben vor sich hat, trotzdem bedenkenlos empfohlen. Denn dieser Wein ist auch in diesem frühen Stadium bereits ein aromatisches Erlebnis.

Im Glas ein sattes Strohgelb. Ungemein expressive, ja ernsthaft strenge und sehr dichte Nase, die noch stark von Barrique-Einflüssen geprägt wird: grüne Nüsse, Butter, Zitrusspuren und noch recht dominante Aromen eines doch „herben Toastings“. Die dahinter verborgenen gelbfleischigen Aromen müssen sich zunächst etwas bemühen, sich gegen das Holz zu behaupten – was nach einigen Stunden in der Karaffe aber zunehmend besser gelingt.

Ein mächtiger Auftakt dann im Mund, aber ohne Schwere, extraktreich und animierend verführerisch, gänzlich trocken wirkend, im dichten Antrunk eine Wand aus gelber Frucht und buttrig-schmelzigen Holzaromen, die hier etwas weniger präsent erscheinen als in der Nase, dafür herb-würziger. Frucht- und Holzeindrücke wogen hin und her. Flankiert von einer pointierten Säure, die bestens eingebunden ist und den Wein über den gesamten Verlauf hin skelettiert und präzise bis ins Finale in der Führung hält.

Gelbfleischig und holzwürzig ist dieser Spitzen-Condrieu aktuell – ehe dann im weiteren Verlauf die vom Holz ummantelte Frucht auf einen massiven, schwarzen Steinblock schlägt und ihn umspült. Die Mineralität zeigt sich kompromisslos steinig und im Zusammenspiel mit der Säure raumgreifend beißend – und erlaubt es erst im letzten Drittel den eher leise wirkenden, klaren Fruchtaromen, dass diese sich nochmals nuancenreich auffächern und zusammen mit Anklängen von weißem Pfeffer zu Wort melden. Dann ein sehr langer Nachhall, in dem die herb-würzigen Holzaromen die aufgefächerten Zitrusfrüchte stützend begleiten. Ein in jeder Hinsicht wohlbalancierter Wein mit für diese Art von Wein wohltuend „schlanken“ Alkoholgraden von 13,5%.

Aus dem Fachhandel, 40 EUR, 94 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Domaine Robert Chevillon Pinot Noir Nuits-Saint-Georges 1er Cru Les Vaucrains, 1996

Chevillon Les Vaucrains, 1996 (1 von 1)Der Vaucrains von Robert Chevillon habe ich dank eines Weinfreundes und Liebhaber des Burgunds vor etlichen Jahren entdeckt und seitdem habe ich den Wein recht regelmäßig im Glas. Nuits-St-Georges ist nicht unbedingt meine bevorzugte Appelation im Burgund. Die Weine sind würzig-erdig, rustikal und neigen zu Aromen, die ich eher der Côte des Beaune zuschreiben würde. Dies trifft auch auf den Vaucrains zu, aber Chevillon schafft es sehr regelmäßig eine klare und saftige Frucht dagegenzusetzen.

In der Nase Walderdbeeren, Pflaumen, bodennahe Würze, getrocknete Kräuter, kraftvoll, fast jugendlich, im Hintergrund Abrieb von der Zitrone. Am Gaumen zeigt der Wein sich noch erstaunlich jugendlich, im Antrunk viel Sauerkirschen, etwas Himbeeren und Cassis, dazu Teer und Kräuterwürze, die Säure ziemlich pikant, wirkt noch sehr kompakt, die Tannine noch nicht ganz abgeschmolzen, zeigt noch Krallen, trotzdem steht dem soviel Frucht dagegen, dass ich mich nicht daran stören kann, dazwischen blitzen immer wieder Zitrusfrüchte, Sauvage-Anklänge und die übliche bäuerliche Grobheit von Niuts-Saint-Georges durch. Ein Burgunder, der ganz hervorragend zu unserem gebratenem Hirschfilet passte. Als Solist fällt mir dann auf wie sehr er sich hinten raus verschlankt und eine uncharmante Tanninstruktur offenbart, der Nachhall wird dadurch ordentlich ausgebremst. Dadurch verleidet er es mir eine ausgezeichnete Wertung zu geben, aber so ist 1996 oftmals – lange haltbar, jugendlich frisch, aber zuweilen mit groben und uncharmanten Tanninen.

Vom Fachhandel, 70 Euro, 88-89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2023

Vieux Château Certan Pomerol, 1983

Vieux Château Certan 1983 (1 von 1)In der Nase finde ich eine vollkommen geöffnete Blume nach reifen schwarzen Johannisbeeren, Kirschen und angereiften Pflaumen, zart-herbe Milchschokolade, Pfeiffentabak, dahinter etwas schwarzer Tee, dazu eine herrlich integrierte Würze vom Faßausbau, dazu Sattelleder und Graphit – so muss Pomerol riechen. Am Gaumen hinreichend dicht, im Antrunk ganze Bäche von reifer Cassis-Frucht, Schokolade, bestens verwobene Holzaromen, reife Säure mit Spiel, die Tannine reif und überwiegend abgeschmolzen mit noch leichten Griff, rotes Papirkapulzer, Graphitnoten, sehr harmonischer, vielschichtiger Verlauf, sehr guter bis langer Nachhall. In diesem Zustand hat der 83er-VCC noch eine lange Zukunft vor sich – einfach ein Leckerwein auf ausgezeichneten Niveau.

Vom Fachhandel, 110 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2023

Domaine Christian Clerget Pinot Noir 1er Cru Les Charmes Chambolle-Musigny, 2005

Clerget les Charmes, 2005 (1 von 1)Erst kürzlich war ich enttäuscht von dem 2006er-Echezeaux des Weingutes. Seine übermäßigen Tannine verleideten nicht nur mir, sondern jedem anderen am Tisch die Trinkfreude. Ich wollte daher recht schnell nochmal einen Wein dieser Domaine probieren und meine Wahl viel auf den Les Charmes, einer Premier Cru-Lage ziemlich genau im Zentrum der Appelation Chambolle-Musigny.

Dieser Chambolle-Musigny präsentierte die Feinheit und Klarheit, die ich von einem Wein aus dieser Appelation erwarte. Er duftete noch jugendlich nach roten Beeren umgeben von floralen Anklängen, herb-würzige mineralische Noten, getrocknete Kräuter, sehr dezente Faßnoten nach dunkler Herrenschokolade und Kokos im Hintergrund, reintönig und herrlich fruchtig. Am Gaumen überaus animierend dank seiner saftigen Frucht und einer feinporigen Säure, die perfekt mit der Frucht vermählt war. Über den gesamten Verlauf spielten beide ein perfektes Duett und es lag über allem ein Geschmack von roten Waldbeeren, insbesondere Aromen von der Sauerkirsche waren präsent, diese einen Hauch überzogen von Karamell und Schokolade.  Diese Aromen vom Faßausbau und die Frucht brachten den Wein in eine ansprechende Balance. Die in der Nase wahrgenommene Mineralität stellte ich am Gaumen weniger fest, nur eine gewisse Würze von diversen Trockenkräuter nahm ich war und erneut florale Noten. Dieser Pinot hatte heute Saft, Frucht und einen gewissen Schmelz, wirkte aber nie süß und lässt sich heute in diesem jugendlichen Stadium herrlich genießen. Hinterlässt einen durchaus nachhaltigen Eindruck, die Tannine sind reif, noch etwas aufrauhend, aber bestens integriert und er bleibt auch lange am Gaumen stehen. Ausgezeichnet!

Vom Fachhandel, 46 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2025

Domaine Bouchard Pére & Fils Pinot Noir Le Corton Grand Cru, 2006

IMG_0319Die Nase duftig und feinsinnig; erinnert mich an rote Johannisbeeren, getrocknete, gecrunchte Kräuter, ein zarter Hauch Würze und Schokolade vom Faßausbau, dahinter Anklänge von frisch aufgeschnittenen Orangen und Zitrusnoten, trotz vorhandener Feinheit verkennt das Bukett nicht die Festigkeit eines Grand Crus. Erscheint mir jetzt in einem geöffneten Stadium. Oftmals habe ich Pinots aus dem Corton gröber, oder anders ausgedrückt maskuliner wahrgenommen, dies ist hier nicht der Fall. Am Gaumen von betont mittlerem Körper, der saftige, klarfruchtige Auftakt lässt bei mir sofort große Freude aufkommen  – ach wie schön, willkommen du Herbst, die Jahreszeit für Pinots aus dem Burgund. Auch hier zeigt sich mir eine geöffnete und reinfruchtige rote Johannisbeere, dazu schmeckt es wie jugendliche Schattenmorellen. Die Kräuter und die Anklänge vom Faßausbau sind herrlich mit den Fruchtnoten verwoben und komponieren so die notwendige Vielschichtigkeit in den Wein, die ich mir von einem Grand Cru erhoffe. Die Faßaromen würzig, ohne Süße, präsent, ohne sich aufzuspielen. Die Tannine fassen den Wein noch selbstbewußt ein, eine leichte Pelzigkeit breitet sich auf meinem Gaumen aus, dies stört mich aber nicht wirklich, denn die Frucht ist über den gesamten Verlauf das bestimmende Element.

Dieser Corton ist natürlich noch ein wenig jugendlich, seine Kraft noch ungezähmt, aber er lässt schon einen schönen Einblick in seine Aromatik zu und ja, wer eine gewisse Primärfruchtigkeit in einem Wein nicht vermissen möchte, darf gerne schon jetzt den Wein öffnen und wird gefallen darin empfinden – besser wird er vermutlich nicht mehr werden, nur anders. Die Säure ist hinreichend agil und schon heute bestens eingebunden. Insgesamt ein ausgezeichneter Pinot, der mit seinem mittlerem Tiefgang weniger aufgrund seiner aufregenden Komplexität überzeugt, als dank einer ansprechenden Harmonie und Trinkigkeit, dies mag sich aber noch mit etwas Reife entwickeln. Erneut erweist sich der Jahrgang 2006 als harmonisches und früh zugängliches Jahr.

Vom Fachhandel, 60 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

Domaine André et Mireille Tissot Chardonnay “La Mailloche” Arbois Jura, 2012

Tissot La Mailloche, 2012 (1 von 1)Wenn man in diesen Chardonnay hineinriecht meint man in einer Backstube zu stehen, in der gerade mit gerösteten Haselnüssen und Mandeln hantiert wird. Hinzu kommt prägnante Würze von getrockneten Wildkräutern, wie ich sie sonst nur vom Shiraz kenne. Im Hintergrund zeigen sich quitschlebendig ein Hauch Zitrusabrieb und die typische vom Kalkstein geprägte rauchige Mineralität. Das Beste von allem ist jedoch die fehlende Süße vom Neuholz, wie man sie so oft von burgundischen oder auch deutschen Chardonnays kennt. Es fehlt jede Schwülstikeit und jeder Kitsch. Kein Wunder, denn der Wein wurde ausschließlich in gebrauchten großen Fässern ausgebaut – Stéphane Tissot kann neue Barriques, soweit ich weiß, nicht so viel abgewinnen. Großes Bukett macht sofort große Vorfreude.

Am Gaumen – klar der Wein ist vielleicht noch etwas jung, aber schon heute ist er schlichtweg ein Genuß, denn auch hier kann der Chardonnay zeigen was er kann, denn er muss sich nicht erst Jahre durch die süße Neuholzwand kämpfen. Glockenklarer Aufakt mit ausladender Würze nach diversen Kräutern, die Säure tänzelt beschingt auf meinem Gaumen, die Mineralität schmeckt salzig-würzig, von dem oxidativen Ausbau nehme so gut wie nichts wahr, nur die Gebäcknoten lassen ein langes Hefelager vermuten, aber gerade diese Noten passen so herrlich zu den gerösteten Nüssen, die den Wein auch im Mund prägen, zeigt immer wieder neue Nuancen an, sehr guter bis langer Nachhall.

Einfach großartig und unbedingt eine Empfehlung wert. Wird sich vermutlich noch verbessern, aber sein würzig-nussiger Charakter ist schon heute ein Genuß.

Vom Fachhandel, 28 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2022+

Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →

Weiße Burgunder von der Côte d’Or von 1978 bis 2007

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Ein guter Weinfreund öffnete an diesem Abend seine Schatzkammer mit gereiften Chardonnays von der Côte d’Or. Für mich war es die erste Probe in dieser Breite und auf diesem Qualitätsniveau. Der Gastgeber achtete bewusst auf eine große Auswahl an Winzern und Appellationen, und so durften wir eine repräsentative, aromatische Bandbreite weißer Burgunder verkosten. Dank der vielen Jahrgänge konnten wir den Chardonnay in vielen unterschiedlichen Entwicklungsstufen erleben. Die gereiften Weine mit einer „19“ auf dem Etikett belegten erneut die Reifefähigkeit der weißen Burgunder – fast alle präsentierten eine saubere Fruchtaromatik, das Holz war oft gar nicht mehr oder nur mehr leicht im Hintergrund zu vernehmen. Dafür brachten komplexe Sekundäraromen Tiefe und Komplexität ins Bukett und an den Gaumen. Weiterlesen →

Georges Descombes Régnié Vieilles Vignes Beaujolais, 2011

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Ist der Ruf in einem Anbaugebiet erstmal ruiniert, übernehmen die verrückten Bio-Winzer das Ruder und bringen Qualitäten zustande, die man kaum für möglich gehalten hätte. Diese Geschichte wird immer öfter geschrieben, und das trifft auch auf die Appellation Beaujolais zu.

Georges Descombes zählt zu diesen Winzern. Schon in den achtziger Jahren übernahm er das Weingut von seinem Vater und stellte es schnell auf biologischen Anbau um. Heute ist er einige Schritte weiter und hat sich dem Vin Naturel verschrieben. Georges Descombes ist dabei konsequent, aber nicht orthodox. Für ihn verbietet die Naturreinheit nicht einen zumindest noch äußerst geringen Schwefeleinsatz, den er nicht im Fass, sondern erst erst bei der Abfüllung vornimmt. Georges Descombes steht der »Gang of Four« nahe, einer kleinen, aus Morgon stammenden Gruppe um die Winzerlegende Marcel Lapierre, die sich schon seit Anfang der achtziger Jahre den Vins Naturel verschrieben hat. Descombes bewirtschaftet Lagen in vier Crus in Beaujolais. Régnié, zwischen Morgon und Brouilly gelegen, hat den Aufstieg zum Cru erst 1988 vollzogen, über vierzig Jahre nach dem bis dahin jüngsten der übrigen neun Crus.

Die Weine von der Domaine werden — ganz nach Beaujolais-Tradition — zuerst einer sehr kalten Kohlensäuremaischung unterzogen. Dabei vergären die ganzen Trauben unter Zugabe von Kohlensäure, wobei den Trauben die Farbstoffe entzogen werden, aber nur wenig Tannin überführt wird und der Wein seine Fruchtigkeit erhält. Danach werden die Weine in 60-Liter-Zementtanks umgefüllt und reifen schließlich noch für mindestens ein halbes Jahr in relativ neuen Holzfässern. Die Vieilles-Vignes-Weine werden separat ausgebaut und abgefüllt. Man erkennt sie nur an einem kleinen Hinweis auf dem Rückenetikett und – noch besser – an der auffälligen roten, dicken Wachskapsel. Der Régnié, einer von drei Cru-Weinen von Descombes, war der erste Wein, den ich von dem Weingut verkostet habe.

Für einen Beaujolais schwenkt der Wein relativ dunkel im Glas, rubinrot mit dunklem Kern, trüb, unfiltriert. Schon in der Nase ein feinduftiger Auftritt, aromatisch, klar und tief. Ein schönes Spiel von Veilchen, schwarzen Früchten, nicht zu reifer Cassis und dunklen Kirschen. Die Frucht wirkt frisch, fein, trotzdem konzentriert, mehr noch essenzhaft. Dazu kommt eine schöne, wieder leicht von Veilchenaromen getragene Würzigkeit. Im Antrunk ist der Wein dicht, trocken, ein Hauch von Rauch, dann roter Tee, etwas Hagebutte und wieder die schwarzen Kirschen. Die Duftigkeit des Buketts wandelt sich im Mund zu etwas Gehaltvollerem, Waldboden, eine Spur Leder. Und der Wein hat nun doch auch merklich Tannin, fein, reif, strukturiert, dabei in keinster Weise trocknend, aber doch etwas kernig. Die Säure sorgt für ordentlich Frische am Gaumen. Sie spielt auch in diesem Wein wieder eine besondere Rolle, denn er bringt kein fettes überschüssiges Extrakt mit. Der Wein bleibt dem grundklaren, feingliedrigen, nichts überdeckenden Vin-Naturel-Stil sehr gut verhaftet. Im mittleren Abgang bleibt die cassisgewürzte Kirsche stehen.

Der Wein ist – zumindest für einen Beaujolais gesehen – ja nicht gerade von gestern, Descombes liefert die Weine auch erst ein Jahr später und damit trinkreif aus. Der Régnié kann aber noch weitere Flaschenreife vertragen. Das Tannin fragt sogar höflich danach, auch ansonsten hat er gute Anlagen dafür. Die Frucht könnte die erste sein, die sich zurückziehen wird. Mehr als zwei, drei Jahre würde ich daher nicht warten.

Der Régnié soll der kernigste und tanninreichste unter den Crus von Georges Descombes sein. Nicht, dass ich diese Eigenschaft in diesem Wein in besonderer Weise ausgeprägt vorfinde, so hat er aber auf jeden Fall Biss und Struktur. Wer noch konsequenter die strahlende Beaujolais-Frucht sucht, sollte vielleicht mit den Vieilles Vignes aus Morgon oder Brouilly anfangen. So hat man es zumindest mir gesagt. Ich bin nach dieser Verkostung auf jeden Fall sehr neugierig auf die Kollektion geworden.

Aus dem Weinfachhandel, 19,95 Euro, 90+ Punkte (ausgezeichnet), am besten 2016 oder 2017 trinken