Domaine Christian Clerget Chambolle-Musigny 1er Cru Les Charmes, 2006

Clerget Chambolle-Musigny Les Charmes, 2006 (1 von 1)Heute muss ich arbeiten – kommenden Dezember findet bei mir eine Burgund-Probe statt, ausschließlich mit Weinen aus der Appellation Chambolle-Musigny. Da heißt es Line-up erstellen, Orga-Kram, Infomationen zu den einzelnen Weinen recherchieren etc. Damit ich in die rechte Stimmung komme, habe ich mir einen Wein eben aus Chambolle aufgemacht. Mein Wahl fiel auf Christian Clerget, ein kleiner familiärer Betrieb (sechs Hektar), der seinen Sitz zwar in Vougeot hat, aber seit vielen Generationen auch Weine aus der nur einen Steinwurf entfernten Nachbarappellation erzeugt. Die Wahl fiel auf den Jahrgang 2006, eben weil dieses Jahr charmante, früh zugängliche Pinots hervorgebracht hat, die meiner Erfahrung nach heute viel Trinkfreude bereiten können.

Dieser Les Charmes wurde zu einem Drittel im neuen Holzfass ausgebaut, der Rest in Zweit- und Drittbelegung. In der Nase zeigt sich das Holz noch spürbar, geht jedoch eine schöne Verbindung mit der sauberen, jugendlichen, roten und dunklen Beerenfrucht ein, dazu viel gemörserte, getrocknete Kräuter, insgesamt ein offenes, harmonisches und fruchtbetontes Bukett mittlerer Komplexität. Am Gaumen ist der Wein von mittlerer Dichte, auch hier geöffnet, noch jugendlich anmutend mit sauberer und dichter Fruchtigkeit, im Antrunk expressive Him- und Brombeeren, mit dunkelröstiger Holzwürze, sehr gut verbunden, mir käme ein winziger Tick weniger Holz entgegen. Der Wein dürfte sich hervorragend zu einem kräftigen Essen einfinden, die Tannine haben Grip, sind aber weich und reif, die Säure, bestens in der Frucht integriert, würde ich eher als fein und weich bezeichnen, trotzdem trinkt sich der Wein animierend, erneut viel gecrunchte Kräuter. Aufgrund der Kräuter und der Fassaromen wirkt er etwas herb, so fehlt mir hier allerletzte Eleganz. Insgesamt ist der Wein aber harmonisch mit einer gewissen Tiefe und mittlerem Nachhall. Meadows gibt dem Wein 91 Punkte, die ich persönlich heute noch nicht im Glas vorfinde. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Mit der Zeit zeigt die expressive Fruchtigkeit immer mehr Facetten. Ein insgesamt sehr ansprechender Charmes.

Vom Fachhandel, 48 Euro, 88-89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2020

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Zweimal roter Burgunder aus zwei Ländern

Zwei Pinots am Abend (1 von 1)Kürzlich suchte ich als Begleiter zum Essen zwei Burgunder heraus, die ich in Ruhe über den gesamten Abend verkosten konnte.

Domaine Drouhin-Laroze Pinot Noir Gevrey-Chambertin 1er Cru Lavaut Saint-Jacques, 2005

Kühler, recht dichter Duft nach jugendlichen roten Johannisbeeren, umkleidet von einem mineralischem Gewand aus Kalkstaub, sehr dezenter Holzeinsatz, nur ein Hauch Marzipan und dunkle Herrenschokolade lassen einen geringen Einsatz von Neuholz erkennen, vegetabile Noten und Kräuter im Hintergrund. Am Gaumen von betont mittlerer Dichte, die Kraft des Jahrganges und seine langsame Entwicklung werden wiederholt offensichtlich, denn der Wein ruht noch in einer Höhle. Er zeigt im Antrunk eine schöne reintönige rote Beerenfrucht, die Tannine reif, aber noch deutlich zupackend, rauhen den Gaumen noch leicht auf, festes steinwürziges mineralisches Fundament, noch sehr kompakt, ein Korb voller getrockneter Kräuter, die dem Wein ab der Mitte einen herben Einschlag mitgeben, mittlerer Nachhall. Dieser Lavaut zeigt sehr gute Anlagen, besticht mit seiner Reintönigkeit und Feinheit, dazu erscheint mir sein Holzeinsatz ideal, von der Hitze des Jahrganges ist nichts zu spüren. Er sollte in fünf Jahren ein ausgezeichnetes Genußerlebnis sein – also noch unbedingt liegen lassen.

Aus dem Fachhandel, heute ca. 70 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), ab 2020+

Weingut Benderhof Spätburgunder Selection Kallstadter Steinacker „S“, 2007

In der wuchtigen, süßlichen Nase ein hochreifes Beerenaroma, dazu überreife Pflaumen, viel Schokolade, Weihnachtswürze, allem voran Wachholder. Röst- und Grillaromen zeugen von einem ambitionierten Holzeinsatz, der Alkohol reizt die Schleimhäute, unmittelbar als deutscher Spätburgunder zu erkennen, was nicht als Kritik zu werten ist. Am Gaumen wirkt der Wein wuchtig, ja fett, mit heftigem Holzeinsatz, bereits im Antrunk mischen sich in den satten Auftakt mit hochreifen dunklen Beeren- und Kernfrüchten deutliche Grillaromen, Wachholder, Nelke, erste Reifearomen, Schokolade und Marzipan. Dieser Pinot schiebt sich mit all seiner Kraft und Fülle über den Gaumen, die Tannine sind samtig. Der Wein ist jetzt auf seinem Höhepunkt und vollständig geöffnet, im Kern zeigen sich erste Reifearomen nach Waldboden und Laub, doch die Süße der Frucht führt sein verführerisches Spiel heute noch bis zum Ende auf, leider wärmt spätestens ab der Mitte der Alkohol deutlich und zeigt sich im Nachhall gar leicht schärfend, der Nachhall hat Länge. Der Wein wirkt aufgrund seiner ganzen Üppigkeit überambitioniert, ein früherer Lesezeitpunkt, etwas weniger Neuholz, oder eine andere Fassröstung hätte dem Wein vielleicht mehr Frische und Eleganz verleiht, gerade in einem so heißem Jahr wie 2007. Da hatte ich schon bessere Pinots von Benderhof im Glas.

Als Geschenk erhalten, ca. 14 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt bis 2020

 

Domaine Heresztyn Gevrey Chambertin Vieilles Vignes, 2002

Heresztyn Gevrey-Chambertin Vieilles Vignes, 2002 (100 von 1)Erneut ein sehr schöner Pinot von der Domaine Heresztyn. Der Vieilles Vignes ist von der Menge und Wirtschaftlichkeit der wichtigste Wein für diese Domaine. Soweit ich weiß, werden davon jedes Jahr über 20.000 Flaschen gefüllt und er kommt aus mehreren, unterschiedlichen Village-Lagen, die von der Domaine teilweise bereits seit drei Generationen bewirtschaftet werden. Die große Erfahrung mit den Terroirs (gepflanzt ab 1926) und den vielfältigen Möglichkeiten zur Assamblage vor Abfüllung, sorgen für eine gleichbleibend hohe Qualität. Ein weiteres Plus ist sein verhältnismäßig günstiger Preis.

Der 2002er hat jetzt seine volle Trinkreife erreicht und zeigt einen animierenden herben, leicht teerigen Duft, gecrunchte Kräuter, verhältnismäßig dunkle Beerenfrüchte für einen Gevrey, dahinter rauchig-holzige Noten vom Faßausbau und feines Sattelleder. Weckt sofort Vorfreude auf den ersten Schluck. Am Gaumen für einen Village-Wein erstaunlich dicht, der Auftakt bietet seine satte, dunkle Beerenfrucht in der herbe Kräuter und Gewürze verwoben sind, im weiteren Verlauf spielt die Säure fein und schwungvoll auf und die Frucht wandelt sich vermehrt zu roten Johannisbeeren, was dem Wein Frische verleiht, es bleibt jedoch die würzig, leicht herbe Tonart erhalten, dazu tauchen immer wieder Ledernoten und Röstaromen auf, insgesamt balanciert, guter Trinkfluss und durchaus vielschichtig, hinten raus klingt er dann mittellange sehr harmonisch aus. Ein wirklich gelungener Village, den ich jetzt die nächsten fünf Jahre trinken würde.

Vom Fachhandel, ca. 25 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2019

Jean-Michel Gaunoux Pommard Les Perrières, 2002

Gaunoux Les Perrieres, 2002 (100 von 1)Vor gut einem Jahr habe ich bereits den 2004er verkostet und beschrieben
(Weiter lesen). Heute geht es um den deutlichen besseren Jahrgang 2002. Das Bukett präsentierte sich nach 15 Minuten in der Karaffe opulent und geöffnet und entsprach ziemlich genau meinen Erwartungen an einen hochwertigen Village-Wein aus Pommard. Rustikaler Duft nach holzigen Kräutern, reifer Zwetschgenfrucht, Anklänge von dunkel-getosteten Barriquefässern, die Hitze des Jahrganges dringt durch, mehr druckvoll als elegant, ich wünsche mir gleich ein gegrilltes Steak dazu. Der Gaumen folgt dem Naseneindruck, es ist ein kräftiger Burgunder, der die Hitze des Jahrganges nicht ganz verleugnen kann. So wirken die Früchte sehr reif und im hinteren Bereich scheint er mir ein wenig zu sehr vom Alkohol getragen zu sein. Was mir gefällt ist seine expressive, vollsaftige Fruchtigkeit und seine typische Pommard-Stilistik. Ich schmecke diverse reife, dunkle Waldbeeren und überwiegend Pflaumen, viel dichtere Stuktur als der 2004er, deutliche Kräuterwürze, durch die Konzentration bindet sich das neue Holz viel besser ein und lässt den Früchten den Vortritt, läuft sehr gleichmäßig und durchaus harmonisch über den Gaumen, die Säure darf als pikant und frisch bezeichnet werden. Dieser Burgunder wird sich noch einige Jahre auf diesem Niveau halten, ohne aber groß an Aromatik zu gewinnen. Von Schiefer-Noten (so heißt die Lage)  habe ich aber auch im 2002er nicht vernommen. Für mich ein Pinot Noir, der sich perfekt zu kräftige Speisen als Begleiter eignet und weniger als Solist den ganzen Abend unterhalten kann.

Vom Fachhandel, 24 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Große Vandermeulen Burgunder-Probe der Jahre 1921 bis 1955

Vandermeulen 2014 Titel 3 (100 von 1)Am 13. September 2014 konnte ich dank Achim an einer nicht zu wiederholenden Burgunderprobe teilnehmen. Insgesamt 19 (!) Vandermeulen präsentierte uns Achim in diversen Flights, stets kombiniert mit anderen hochkarätigen Erzeugern aus dem gleichem Jahrgang. Nach zwei Weißwein-Flights gingen wir chronologisch von 1921 bis 1995 vor, nur beim letzten Flight ging es dann zurück zum formal schwächeren Jahrgang 1952. Die Probe entpuppte sich als ein einziges Feuerwerk der Aromatik des Burgunds. Keine Flasche war fehlerhaft und der schwächste Wein war mit 86 Punkten immer noch sehr gut trinkbar. Darunter fanden sich mit dem 1947er-Chambertin, dem 1995er-Vosne-Romannee, dem 1926er-Chambertin und dem 1947er-Richerbourg die Mütter aller Burgunder. Dem letzten „musste“ ich dann als ersten Wein meines Lebens 100 Punkte vergeben, einen derartig perfekten anmutigen Wein hatte ich bis dahin noch nie erleben dürfen. Ein unvergesslicher Weinmoment in kundiger und angenehmer Gesellschaft. Dazu bereitete uns das Team im Landhaus Mönchenwert einen herzlichen Empfang und verwöhnte uns mit einem Menü auf Sterneniveau.

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Hospices de Beaune: Domaine Seguin-Manuel Pinot Noir Volnay Premier Cru „Cuvée General Muteau“, 1995

1995-HdBSMVIch hatte durchaus leichte Bedenken hinsichtlich des Zustandes dieses Weines, während ich den vollständig durchtränkten Korken mit viel Mühe aus der Flasche herausarbeiten musste – aber einmal mehr bewahrheitete sich, zum Glück, dass der Zustand des Korkens allein kein Indiz für den Zustand des Weines in der Flasche selbst ist (der Flasche hatte auch einen sehr guten Füllstand).

Dieser Wein, eine Cuvée aus fünf Premier Cru Lagen in Volnay (Le Village, Carelles sous Chapelle, Les Fremiets, Taille Pieds, Les Caillerets Dessus), dessen Namenspatron ein Kriegsheld aus dem ersten Weltkrieg ist,  zeigt sich mit braun-rostroter Farbe, einem leichten Wasserrand und einer ansprechenden und durchaus schon vielfältigen würzig-schokoladigen Nase, die sehr angenehm begleitet wird von süßlicher, dunkler Kirschfrucht, weitern dunklen Früchten und tertiären Waldbodenaromen (Champignons), zudem zeigt sich hier eine balsamischen Aromen-Mischung aus Teer, Soya-Soße, Speck und schwarzem Tee.Der Wein verändert sich an der Luft stetig, auch Orangeschalenzesten finden sich nach einiger Zeit; das ist wirklich schön, hier wiederholt auf Entdeckungsreise gehen zu können.

Im Mund etwas weniger weit fortgeschritten, was den Reifezustand im Vergleich zur Nase betrifft – leider aber nicht ganz so vielfältig: klarer und kräutriger Schwarzkirschantrunk, auch Brombeere, Speck und eine feine Minzigkeit, dazu eine stimmig begleitende dunkle Schoko-Holz-Würze, die für einen etwas herberen Gegenpart zur Frucht sorgt; die Frucht öffnet sich im Mund und dem weiteren Verlauf, sie wird von einer stimmigen Extraktsüße nur begleitet, dann aber von der durchgehend mitschwingenden Holzwürze eingefangen und aromatisch verdrängt.Mittlere Dichte im Mund, der Wein hat einen trinkanimierenden und beweglichen Körper. Die frische Säure verpasst dem Wein eine gute Führung und sorgt für eine speichelanregende Pikanz. Hierdurch hat der Wein auch wieder etwas Balsamisches.

Dieser Burgunder zeigt einen insgesamt harmonischen Verlauf, wenngleich seinen Anlagen – im Mund jedenfalls – einen ganz leichten Hang zur Rustikalität haben, die aromatisch der Holzwürze und der Säure geschuldet sind. Klasse hat dieser Wein, ohne Frage, auch regionale Typizität. Erst im deutlich mittellangen Nachhall zeigen sich die aus der Nase bereits bekannten Tertiäraromen stärker – ohne insoweit zu stören.In seiner Jugend mag dies ein eher Holz-betonter Wein gewesen sein, nach knapp 20 Jahren Reife ist das Tannin aber schon sehr weit abgeschliffen, es bleibt mit dem Nachall nur ein leicht trocknender Film zurück, der das Trinkvergnügen nicht (mehr) sonderlich beeinträchtigt. Macht sich besonders gut als Essensbegleiter zu Fleischgerichten.

Am ersten Abend eine Stunde karaffiert, dann über zwei Abende mit gleichbleibender Güte getrunken. Der Wein ist heute voll trinkreif – er wird sich auf diesem Niveau sicher noch zwei, drei  oder vielleicht auch fünf Jahre halten. Aber wozu warten?

Aus der Versteigerung, um  25  EUR, 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Domaine Maillard Pére & Fils Corton-Renardes Grand Cru, 2006

Maillard Corton-Renardes Grand Cru, 2006 (100 von 1)Expressives Bukett nach roten Waldbeeren, dazu Himbeeren, eigenwillige Note nach Trüffeln, dahinter florale Anklänge, etwa staubige Faßaromen, leider zieht der Alkohol ein wenig die Nase hoch, trotzdem angenehm freinfruchtig die Blume. Am Gaumen dicht strukturiert, kräftiger Auftakt nach dunklen Früchten, sehr würziger Einschlag, der Wein explodiert aromatisch förmlich im Mund, die Ursache dafür liegt leider im Alkohohl, denn davon wird der Wein deutlich über seinen gesamten Verlauf getragen, das Holz ist bereits gut eingebunden und auch die Tannine wirken reif und sind nur noch angenehm griffig am Gaumen zu spüren, mittlere Länge und Komplexität. Eigentlich ein gelungener Corton, der jedoch, zumindest am ersten Abend, ein echtes Alkoholproblem hatte und sich im jetzigen Zustand wenig animierend trinkt, dies mag jedoch zu einem kräftigen Essen ganz anders sein. Am darauffolgenden Abend begegnete mir der Wein deutlich entspannter und auch die alkoholische Note besser eingebunden. Freilich war es noch ein kräftiger Wein, seine Frucht wirkte nun jedoch reichhaltiger und gewogener, samt schöner schokoladigen und milder Kräuterwürze im langen Nachhall. Wie gesagt; zum Essen schon heute sehr gut, es ist jedoch nicht wagemutig ihm eine gute Entwicklung in, sagen wir mal, fünf Jahren, zuzutrauen. Nur eine positive Disposition zu der kräftig-kernigen Corton-Stilitik wird vom geneigten Weinfreund abverlangt. Aber dies ist nunmal nicht ein Makel des Weines…

Vom Fachhandel, 36 Euro, 87-88+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2021