Kampf um die Riesling-Krone – der Kraftakt 2015

Kraftakt VIII (21 von 21)Auch in diesem Jahr fand er wieder statt, unser Riesling-Gipfel in der mittlerweile schon achten Ausgabe. Zu dieser jährlichen Probe bringt jeder Teilnehmer zwei trockene gereifte Rieslinge mit einem Potenzial von mindestens 90 Punkten mit. Das Ergebnis war ein einmaliges Line-up, noch nie punkteten wir derart hoch. Die Wachau tat sich dabei leider eher durch Korkschmecker hervor, deutsche Juwelen gab es aus Rheinhessen, dem Rheingau und der Pfalz. Und das Elsass sicherte sich erneut die Riesling-Krone. Weiterlesen →

Marc Kreydenweiss Riesling Andlauer Wiebelsberg Grand Cru „La Dame“, 2007

IMG_0101Diesen Wein hatte ich bereits vor gut zwei Jahren durchaus positiv beschrieben. Kürzlich hatte ich ihn ein weiteres Mal im Glas und war erneut begeistert ob seiner distinguierten Aromatik, auch wenn es sicherlich ein Riesling jenseits der der üblichen aromatischen Trampelpfade dieser Rebsorte ist.

Nach meinem Dafürhalten duftet er komplex nach gelben Äpfeln, Pflaumen, weißem Rauch, Asche, gesalzenen Mandeln und Karamell, sehr sauberes Bukett, zarte Noten im Hintergrund, die von dem oxidativen Ausbau herrühren. Im Mund dann ein packender, salzig-mineralischer Auftakt, die Säure ist fordernd, wird aber stets von einer satten Fruchtigkeit begleitet, Schalen von gelben Äpfeln, jugendliche Steinfrüchte, sehr agil und jugendliche Beweglichkeit, herrlich fokussierter Verlauf, kühle Mineralität, von Oxidation oder Reifenoten nach sieben Jahren Flaschenreife ist nichts zu vernehmen, tiefe Kräuterwürze, erinnert an salzige Nussmischung und kalte Cola, dagegen steht aber stets eine versöhnliche, klare Rieslingfrucht, der Wein zeigt sich komplex und nachhaltig, betont mittellanger Nachhall, jetzt auf seinem Höhepunkt, dürfte sich hier noch länger halten, eine weitere Verbesserung kann ich mir nicht vorstellen, die braucht der Wein aber auch nicht.

Vom Weingut, 18 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

Domaine Barmès-Buecher Riesling Steingrubler Alsace Grand Cru, 2004

Barmes Buecher Steingrubler, 2004 (100 von 1)Wer unseren kleinen Wein-Blog regelmäßig verfolgt weiß, dass TM und ich immer mal wieder einen Wein dieser noch eher unbekannten Domaine hier vorstellen. Barmès-Buecher ist Biowinzer durch und durch und erzeugt traditionelle Weine, so zumindest bis 2011, damals verstarb François Barmès, einer der Gründer dieser Domaine, unerwartet. Danach übernahmen seine Kinder die Leitung, aus dieser Zeit habe ich noch keine Weine probiert.

Der 2004er ist jetzt ausgereift und präsentiert sich harmonisch und im Geschmacksbild typisch für die Domaine. Die 14,5% müssen nicht schrecken, denn dieser Wein wirkt weder hitzig oder breit, sondern wärmt nur im Nachhall ein wenig. In der Nase ruft jeder Rieslingfreund sofort Elsass aus, es duftet nach getrockneten Kräutern, kandierten gelben Äpfeln, hochfeine oxidative Anklänge, etwas Wachs und Akazienhonig, rauchig-steinige Mineralität, der Wein zeigt Tiefe an. Am Gaumen eine kräftige Statur, ein saftig-fruchtiger Auftakt mit angetrockneten Kernfrüchten, ummantelt von einer leicht süßlichen Kandiskruste, verspielte Trockenkräuter, immer wieder bringen feine Zitrusaromen Frische in die Aromatik, geröstete, leicht gesalzene Mandeln, herbe, nicht bittere Noten, trotz der hohen Alkoholgradation deutliche Restsüße, was ansprechend mit der Frucht verwoben ist. Auch hier finden sich zarte oxidative Anklänge, halten sich aber sehr zurück, kein Vergleich zu Weinen zum Beispiel von Marc Kreydenweiss. Der Wein läuft harmonisch, cremig, dicht über den Gaumen. Ich mag trotzdem ein zweites Glas davon genießen, wenngleich ein kräftiges Essen ihm sicher gut zu Gesicht steht. Mittlere Tiefe, durchaus langer und nuancierter Nachhall, hier wärmt dann leider der Alkohol etwas nach. Ganz sicher kein Riesling für jedermann, denn dafür ist er zu barock, aber in meinem Keller werde ich für diesen Stil immer eine (kleine) Ecke reservieren. TM hat diesen Wein vor gut fünf Jahren ebenfalls hier beschrieben und war deutlich skeptischer. Ob sich der Wein nun gefunden hat oder unsere Sensorik hier auseinander geht bleibt offen – nur brandig war der Wein heute wirklich nicht.

Vom Weingut, ca. 20 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2017

Legenden des trockenen Rieslings – 42 Grands Crus von 1983 bis 2010

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Am 27. August 2014 fand auf dem Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen eine Werkschau von gereiften, trockenen Spitzenrieslingen statt. Die Idee zu dieser Probe entstand im Frühjahr 2014 auf dem Weingut, während wir die Rieslinge des aktuellen Jahrganges verkosteten. Die Realisierung war dann eine echte Gemeinschaftsleistung von privaten Sammlern und Weingütern. Alle Beteiligten öffneten bereitwillig ihre Keller und so kamen schlussendlich 42 Rieslinge zusammen.

Ziel der Probe war es, die Kenntnis über den Reifeverlauf trockener Rieslinge weiter zu vertiefen und den anwesenden Journalisten einen Einblick in die aromatische Vielfalt und Entwicklung über knapp drei Jahrzehnte dieses Weintypes zu vermitteln. Wir wissen darüber letztlich noch viel zu wenig, auch weil so selten darüber berichtet wird. Jedes Jahr stürzen sich die Interessierten und Kritiker auf das jeweils aktuelle Jahr und heben bzw. senken ihre Daumen. Die Urteile werden jedoch über eine Kategorie von Rieslingen verkündet, die vielleicht in acht bis zehn Jahren ihren Höhepunkt erreichen und erst dann ihre ganze Pracht, oder auch ihre Mängel zeigen werden. Die Urteile werden natürlich trotzdem gefällt und dies obwohl viele der Kritiker bis heute keine hinreichende Anzahl von gereiften Weinen verkosten haben, noch über Jahre hinweg trockene Rieslinge von ihrem Release bis hin zu ihrem Höhepunkt dauerhaft begleitet haben. Meines Erachtens ist diese Erfahrung jedoch notwendige Voraussetzung für eine fundierte Bewertung der Weine unmittelbar nach ihrem Release.

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Domaine Trimbach Riesling Cuvée Frédéric Emile Vendanges Tardives, 2001

Trimbach Emile VT, 2001 (100 von 1)Der Riesling Cuvée Fréderic Emile kommt aus den beiden Grand Crus Geisberg und Osterberg oberhalb von Ribeauville und zählt zu den Spitzenweinen der Domaine. Wie der Clos Sainte Hune benötigt auch der Emile viele Jahre der Reife und entwickelt sich oft über 20 Jahre positiv. Wenn es der Jahrgang zulässt, wird auch ein Vendanges Tardives erzeugt. Im Falle des Emiles ist dies eine restüße Spätlese, die im Sauternes-Stil ausgebaut wird. 2001 zählt unter Kennern des Weingutes zu den besonders gelungenen Vertretern dieser Stilistik und in der Tat überzeugt dieser Wein dank  einer tiefsinnigen Aromatik, die tief in das Herz des Elsässischen Weines führt.

Goldgelb funkelt es im Glas. Es duftet intensiv nach einem ganzen Korb voller Trockenfrüchte: Zitronen, rosa Grapefruit, Aprikosen und Marillen und eingelegte Schwarzkirschen, durchzogen von einer mild-süßlichen Pfeiffentabakwürze und kühlen Mineralität, die mich an Asche und Feuerstein erinnert, dazu gesellen sich Anflüge nach Karamell, Kamillenblüte und eine rustikalen Kräuterwürze. Grandiose Komplexität und unmittelbar als ein hochwertiges Gewächs aus dem Elsass zu erkennen. Da kommt bei mir gleich Fernweh auf.

Am Gaumen eine perfekte Balance aus Süße, Säure, Extraktdichte und Beweglichkeit. Trotz seiner Süße lässt sich der Wein ohne Mühe unbeschwehrt in großen Schlucken genießen. Die Süße wird stets animierend von Kräutern und Teearomen begleitet und natürlich von  der herben Tabakwürze; festes mineralisches Fundament, die Frucht erinnern an getrocknete Steinfrüchte und Kirschen, Hauch von mildem Curry, die Säure perfekt integriert, aber trotzdem von vitaler Lebendigkeit, über den gesamten Verlauf harmonisch, von fester Struktur, ordentlich Biss, frisch und nachhaltig, selbst im sehr langen Nachhall noch das herrliche Spiel aus Süße, Säure und herber Würze. Ein großer Wein, der seine Herkunft wie ein Schild auf der Brust trägt. Seine aromatische Vielfalt und seine Terroirbezogenheit lassen ihn in die Kategorie „Groß“ vorstoßen, wenngleich dies sicherlich kein Wein für Jedermann ist. Leider heute kein Schnäppchen mehr.

Vom Fachhandel, heute um die 90 Euro, 95 Punkte (groß), jetzt bis 2031

 

Domaine Weinbach Tokay Pinot Gris Cuvee Ste Catherine, 1978

Weinbach Tokay, 1978 (100 von 1)1978 durfte Theo Faller von Weinbach entsprechend der Tradition im Elsass seinem Pinot Gris noch das Wort Tokay vorstellen, bevor die allseits beliebte EU-Behörde in Brüssel Ungarn den Begiff exklusiv zubilligte. Und so ist der Weinbau in Europa wieder um eine liebenswerte Verrücktheit ärmer…

Drückendes Bukett nach sauberer Botrytis, viel Malz und nussige Anklänge, junge Melone, viel Würze, wirkt sehr harmonisch und unglaublich jugendlich. Am Gaumen von mittlerem Körper, fruchtiger Auftakt mit erfrischendem Säurespiel, die saubere Botrytis herrlich verwoben, erneut kommen nussige Anklänge auf, im weiteren Verlauf getrockente Kräuter, Birnenschale und Mirabelle, sehr dicht ohne Breit zu wirken, auch im Mund erstaunlich jugendlich, keine Reifenoten zu erkennen, mittlerer Nachhall. Ein erstaunlich trinkiger 35 Jahre alter Grauburgunder.
90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2024

 

Domaine Barmes Buecher Gewürztraminer Steingrubler Grand Cru, 2003

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Wenn man von Bio fasziniert ist, auch gern in seiner extremen Ausprägung, ist man im Elsass bekanntlich gut aufgehoben. Nicht nur Ostertag, Deiss, Kreydenweiss und vor allen anderen den Demeter-Winzer Pierre Frick trifft man hier an. Auch die etwas unbekanntere Domaine Barmes-Buecher in Wettolsheim zählt zu den konsequent biodynamischen Weingütern vor den Toren von Colmar. Man ist Mitglied in Nicolas Jolys elitärem Verband der Renaissance des Appellation, hier gibt der Mondkalender von Maria Thun den Rhythmus vor und der Wein wird auch im Keller in Ruhe gelassen. Die Faszination an dieser konsequenten Haltung zog uns damals in die Verkostungsstube des Weinguts (siehe hier). Damals öffnete für uns Sophie, die noch recht junge und sehr sympathische Tochter des Weinguts, auf unbeschwerteste Weise die Flaschen. Vater François weilte gerade auf Mission in Brasilien, zusammen mit seinen Kollegen von der Renaissance des Appellation, um den Biowein in der neuen Weinwelt zu fördern. Ein Schatten der Trauer legt sich heute über die Erinnerung, denn nur drei Jahre später, im Jahr 2011, starb François unerwartet und die Verantwortung für das Weingut ging eben an die oben genannte Sophie und ihre Schwester Maxime über. Doch zurück zu den Weinen, denn diese stellten sich als Erlebnis heraus, in vielerlei Hinsicht.

Nun ja, es gibt Weine, die sich von völlig abscheulichen zu nahezu großen Gewächsen wandeln können. Und in ihrer Entwicklung alle Regeln brechen, oder sagen wir, zumindest die Regeln, die wir Weinamateure uns so zusammengelegt haben. Dieser hier ist auf jeden Fall einer dieser Weine. Dazu sei vorweg eines verraten. Es handelt sich um einen Gewürztraminer mit (ich sag mal mindestens) 14,5 Umdrehungen. Die Traube hat eh wenig Säure und viel Zucker. In Jahren wie 2003 kann sie wahre Monster gebären. Nun ja, so eben auch dieser hier. In der Verkostung am Weingut war ich von der Urwüchsigkeit und Tiefe des Weins beeindruckt. Er war damals schon ein Geschoss, aber hatte eine fette Frucht und eine Frische wie aus Zauberhand; es war wohl die Fruchtigkeit, die mich verführte, ihn zu kaufen. Drei Jahre später dann ungläubige Blicke auf die Flasche. War das hier Schnaps oder Wein? Der Alkohol stand auf eine richtig fiese Art wie eine Eins und ließ kaum mehr etwas zu außer sich selbst. Die jugendliche Frucht war weg, nur ein bisschen Dörrpfirsich und Trockengras. Die letzte Flasche ließ sich also recht einfach im Keller vergessen, und wurde jetzt — einfach mal zum Spaß — raufgeholt. Und schrieb wieder eine neue Geschichte: Im Glas ein Goldgelb, so war er auch jung schon, von Reife wenig Spur. Die Nase zeigt eine saftige Lycheefrucht, die aus dem Duft reifer, gelber Früchte herausragt. Auch Mandarinen, junge Orangen. Dazu kommen florale Noten, ein wenig Rose ist dabei, hinzu kommt eine gewisse wirklich sehr schöne Tabakigkeit, die mir im Gewürztraminer noch nicht oft begegnet ist. Dazu kommen einige Reifetöne wie von feuchten erdigen Pilzen. Klingt nicht schön, ist es aber. Besonders erstaunlich aber die Eleganz in der Nase, hier ist nichts fett oder zu intensiv, der Aromakern bleibt zusammen und wirft mal dieses, mal jenes Aroma um sich. Das hat Vielschichtigkeit und sogar etwas Tiefe.

Der Antrunk ist zuerst von einer gehörigen Restsüße geprägt, die gereift schmeckt wie dickes Frucktkaramell und sehr schön integriert ist und überhaupt nicht die Aromatik oder den Verlauf blockiert. Im Mund mehr opulente Aromen von Kräutern, Gewürzen und Fruchtkandis, man mag auch sagen weihnachtliche Klümpchenbude. Seine Herbheit passt gut dazu. Dieser Wein hat eindeutig Gerbstoffe, aus dem verblendeten Glas könnte er mit seiner Kräuterigkeit und den Tanninen zunächst auch bei fortgeschrittenen Sensorikern als Rotwein durchgehen. Dann erledigt sich dieser Verdacht aber von selbst. Die fette, honigartige, dickflüssige Textur zeigt klar, wo es lang geht, Am Gaumen kommt der Wein wie gesüßter schwarzer Tee daher, Bitterstoffe und karamellige Süße. Zum Ende hin schiebt sich dann der Alkohol doch noch bis nach vorne durch. Der Abgang ist richtig lang mit einem mürbem gelbem Apfel, die Gerbstoffe dringen erneut durch, der Apfel wird nach hinten hin immer getrockneter und herber, hinten bleibt dann doch vor allem Alkohol stehen.

Für Freunde barocker Weine ein Erlebnis und zumindest in der Nase sogar richtig Tiefgang. Im Mund ist er dann doch ein gehöriges opulentes Paket. Trotzdem, dieser Wein hat sich auf faszinierende Weise entwickelt. Sein Alkoholproblem ist er zwar doch nicht ganz los geworden, aber als 2003er kann man ihm das vielleicht verzeihen. Ich bin äußerst neugierig auf diesen Wein, wenn er aus besseren Jahrgängen stammt.

Vom Weingut, circa 20 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Domaine Trimbach Gewürztraminer Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre, 1985

Trimbach Gewürztraminer SdR, 1985Duftet nach Litschi, Bratapfel, angetrockeneter Aprikosenschale und ein Mischung aus Blütenblätter und erdwürziger Mineralität. Nach einer Stunde in der Karaffe sind die anfänglichen Kellermuff- und Altholz-Noten verschwunden und der Wein wirkt zwar gereift, aber ohne jede Müdigkeit. Im Gegenteil scheint es gar so, als wäre er dafür gemacht erst jetzt genossen werden zu wollen, denn die oft vernommene Schwülstigkeit und Süße eines Gewürztraminers ist verflogen, wenngleich man auch heute dieser Rebsorte grundsätzlich offen gegenüber stehen sollte. Balancierter Auftakt am Gaumen, mit saftigen Fruchtanklängen, erninnert an kandierte Zitronen, florale Noten und die Restsüße des Weines wird deutlich, konzentrierter Wein, weiche Textur, rauchige Mineralität, die Säure hat Spiel, ist aber für einen fast 30 Jahre alten Wein erstaunlich charmant und fein mit den anderne Komponenten vermählt, wirkt über den gesamten Verlauf sehr gewogen und läuft mittelang aus. Wird sicherlich nicht mehr besser, aber der Wein hat sich gefunden und wird sich noch einige Jahre auf diesem Niveau halten, eine gute Herkunft der Flasche vorausgesetzt.

88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2019

Kraftakt Riesling Teil VI – 2013

Schoffit Rangen de Thann Clos St. Theobald, 2005 (100 von 1)

Nach dem Highlight letzten Jahres war eines offensichtlich – besser geht es kaum (Hier lesen). Folgerichtig folgte unser diesjähriger Master of Wine Thomas andere Pfade und versuchte erst gar nicht die formale Qualität noch einmal zu überbieten, viel mehr suchte er aus der gewaltigen Auswahl, die ihm  die üblichen Weinnasen an möglichen Weinen gemeldet hatte, nur jene Tropfen heraus, die in den letzten Kraftakten nicht in Erscheinung traten. Es kam wie es kommen musste; wir hatten jede Menge authentische Weine im Glas, von insgesamt erstaunlich guter Qualität, wenngleich das Niveau des Vorjahres in der Breite klar nicht erreicht wurde. Mit dem 2005er aus dem Rangen de Thann von der Domaine Schoffit näherte sich nur ein Riesling der Kategorie Groß an, einige am Tisch billigten ihm dies auch zu. Ein überragender Riesling, der sich seit einigen Jahren konstant auf höchstem Niveau hält und noch heute ein Einkaufstipp ist. Zum ersten Mal ging damit die Rieslingkrone ins Elsass, was mich als Liebhaber dieser Region natürlich besonders erfreute.

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Domaine Trimbach Clos Ste Hune 1998 & 1982

Ste Hune 1998 & 1982 (100 von 1)So schlecht gelaunt traf ich noch nie bei einer Verkostung ein. Als ich um halb5 in Bonn losfuhr war die Freude noch groß. Achim hatte zu einer kleinen, feinen Probe nach Düsseldorf eingeladen und so hatte ich extra früh mein Stift fallen gelassen um entspannt anzukommen. Pustekuchen, kurz vor Acht traf ich endlich ein, in der Zwischenzeit waren mir sechs Hörner gewachsen und mit meinem dicken Hals kam ich kaum noch durch die Tür. Kein Wunder – über drei Stunden Fahrzeit bei 80 Kilometer. Kaum saß ich am Tisch standen auch schon zwei Weißweine blind vor mir, die ich doch bitte mal schnell probieren sollte, denn der Rest der Truppe labte sich schon an den ersten Rotweinen. Man kann sich vorstellen mit welcher Muse und sensorischen Aufmerksamkeit ich meine Nase ins Glas steckte und unmittelbar musste ich innehalten. „Dass ist groß“, schoß es mir durch den Kopf, schnell die Nase ins zweite Glas und herrje, der war ja noch besser. Aber der Reihe nach…

Clos Ste Hune, 1998
Jugendliche, noch sehr verschlossene Rieslingnase, wirkt wie ein Monolith aus Kalkstein, glockenklar in der Frucht und sehr präzise gezeichnet, Essenzen von weißen Blüten, weißen Pfirsichen. Am Gaumen von schlanker, jedoch ungmein fester Struktur, erstaunlich viel Frucht zum Auftakt, perfekt komponiert zeigt sich eine feine Süße und ein Hauch Fruchtextrakt, trotzdem scheint er mir knochentrocken, die Steinfrucht noch infantil, was auch die aufkommenden roten Beeren deutlich machten, feste, steinbetonte Mineralität, extrem kühl und distanziert, Noblesse fällt mir ein, mein Tipp war 2008 Nahe, na gut ist halt 10 Jahre älter, einfach unglaublich, da sind null Oxi- oder Botrytisnoten, das ist reinste Klarheit, nur das Finish könnte noch etwas länger und ausdruckstärker sein. Hat eine große Zukunft vor sich.
93+ Punkte, 2018 bis 2030

Clos Ste Hune, 1982
Daneben stand der Beweis wie großartig diese Weine reifen können. 1982 war ein schönes Jahr im Elsass, stand zwar stets im Schatten des Jahrhundertjahres 1983, aber es gibt auch heute noch schöne 82er, wobei sie zuweilen ein wenig mild und reif in der Säure sind. Das war auch das (einzige) Problem des Ste Hunes. Er roch nach frischem, braunen Tabak, mildem Espresso, reifen Zitrusfrüchten, Basalt, Rauch und höchstens eine Ahnung von Petrol. Im Mund ungemein saftig, herrlich cremiges Mundgefühl, die Säure sehr mild und zurückhaltend, reife Zitrusfrüchte, Rauch und Tabak ohne Ende, ein Schmusewein von großer aromatischen Pracht, den man am liebsten in großen Schlucken trinkt und selbst der Nachhall ist sehr lang und vielschichtig, dank seiner Kaffee-/Tabaknote. Grandios.

96 Punkte, jetzt bis 2022

Für jeden ambitionierten Rieslingfreund ein echtes Erlebnis, wobei beim Kauf auf einwandfreie Herkunft und beste Füllstände zu achten ist. Gerade perfekte Flaschen sind leider international gesucht und so muss man sich auf eine Investition von mehreren hundert Euro für eine Flasche aus einem großen Jahr einrichten. Mein herzliches Dankeschön geht an Achim für die überaus großzügige Einbringung.

Riesling Große Gewächse 2010 – Erste Bestandsaufnahme nach zwei Jahren Flaschenreife

Nach gut zwei Jahren war es an der Zeit eine repräsentative Bandbreite von 2010er-Großen Gewächsen Riesling zu verkosten, um die Entwicklung des Jahrganges zu überprüfen. In unserem Artikel zur Arrivage-Verkostung vor zwei Jahren (Hier lesen) sprachen wir dem Jahrgang durchaus eine gehobene Güte zu, womit wir eher die Ausnahme darstellten. Uns gefiel der feste Kern der Rieslinge und die straffe Säure, zumindest in jenen Weinen, die nicht zuviel an Apfelsäure enthielten. Entscheidend war auch möglichst sauberes Lesegut zu verarbeiten, was bei der stark ausbreitenden Fäulnis im Herbst 2010 nicht einfach war.

Als Fazit nach den beiden Verkostungsabende lässt sich festhalten, dass viele Weine heute die weiterhin strafe Säure ausgezeichnet integrieren. Die Gewächse wirken fest, klar in der Fruchtaromatik und machen Hoffnung auf eine weitere positive Entwicklung. Wenig erstaulich zeigten sich, in dieser frühen Phase der Entwicklung, die formal „kleineren“ Gewächse weiter in ihrer Entwicklung und konnten so gelegentlich den eigentlichen Stars den Rang ablaufen; sie waren einfach bereits fertiger und zeigten mehr Tiefe und Spiel. Die Kunst einen Wein zur rechten Zeit zu öffnen, darf nicht unterschätzt werden. Es liegt also nicht nur in der Verantwortung des Winzers, sondern auch an der Kenntnis über die Reifeentwicklung großer Rieslinge beim geneigten Weinfreund. So waren wir heute sehr angetan von Wittmanns Aulerde oder von Mosbachers Kieselberg, ohne dass wir ihnen noch eine Verbesserung zutrauen. Die Weine erreichten teilweise aber ein derart unverschämtes Niveau, dass wir nur raten können sie gerade jetzt zu genießen, vermutlich werden sie kaum besser werden; aber es hängt natürlich auch vom eigenen Geschmack ab. In einigen Jahren wird sich das Bild vermutlich ändern. Besonders stark schätzen wir die Kollektionen von Keller, Schönleber und Bürklin-Wolf ein, die in 2010 erneut überaus ansprechende Große Gewächse abfüllten, die sich in unserer Blindverkostung wiederholt durchsetzten.

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Léon Beyer Riesling Vendanges Vardives, 1995

Leon Beyer Riesling VT, 1995 (100 von 1)Zum ersten Mal begnete ich dem Wein in der Auberge de L´ill in Illhausen. Dort hat er mich auf Anhieb überzeugt, auch wenn er nicht richtig zum Dessert passte, da er als Vendanges Tardives erstaunlich trocken ist. Der Wein ist zwar deutlich von seiner Restsüße gezeichnet, aber mit den Jahren hat sich diese soweit zurückentwickelt, dass er auch als Solist durchaus mit Freude getrunken werden kann, da schmeckt gar das dritte Glas noch. Um so erfreuter nahm ich beim Besuch des Weingutes zur Kenntnis, dass der Wein noch im Verkauf ist.

Es duftet nach Elsass im Glas, sprich deutlich wahrnehmbar die Botrytis, ein zarter Hauch Oxidationston, viel Kräuterwürze und eine erdbetonte Mineralität. Das kann ganz scheußlich sein, aber wenn es gut gemacht ist, dann ist es eine ganz eigenständige Facette des Rieslings. Hier spricht es mich umittelbar an, weil die Botrytis sehr sauber wirkt. Spielt herrlich mit Apfel- und Zitrusfrüchten, keine Spur von Alter oder Müdigkeit, er wirkt überaus vital. Diese Vitalität hat er auch im Mund. Im Antrunk tritt für einen Moment die Restsüße kurz hervor, zieht sich dann aber blitzschnell zurück, vermutlich auf der Flucht von der noch jugendlich wirkenden Säure. Sie zieht merklich über meinen Gaumen, aber ungemein fein und diese Eleganz zieht sie bis zum Finish durch. Die Aromtik der Säure vermählt sich dabei animierend mit den jugendlichen Kernfürchten und den glacierten Zitrusfrüchten. Der Wein wirkt sehr straff und schlank konzipiert, was natürlich in keinster Weise der Fall ist, aber dadurch puffert er die Restsüße derart gut ab, dass man sich ständig auf den nächsten Schluck freut. Im Hintergrund zeigen sich getrocknete Kräuter und Blüten, feine nussige Anklänge und eine kreidige Mineralität. Der Kreidestein wurde dabei so fein wie Matcha-Tee gemalen, zumindest erzeugt der Wein ein vergleichbares Mundgefühl. Er baut mit Luftzufuhr weiter aus, zeigt immer neue Nuancen und enttäuscht auch im Nachhall nicht, denn auch hier ist er harmonisch, sehr fein und zeigt eine ordentliche Länge. Eindeutig ein Spitzenwein aus dem Hause Leon Beyer.

vom Weingut, ca. 20 Euro, 92 Punkte, jetzt bis 2020

Eine Weinreise ins Elsass Sommer 2013

Titel Anleser (100 von 1)Gemeinsam mit sieben weiteren Weinnasen ging es im Frühjahr 2013 endlich mal wieder Richtung Colmar. Die letzte Reise lag bereits fünf Jahre zurück und so war meine Vorfreude auf Flammkuchen, Vogesen, Fachwerkhäuser, Gewürztraminer und natürlich den zahlreich verfügbaren Sternen auf meinem Teller groß. Konsequent zum gesamten Wetterverlauf im Frühjahr 2013 war mal wieder Dauerregen angesagt und so flugs die Regenjacke in den Koffer geworfen – es sollte sich als guter Entschluss erweisen.

Für die drei Tage hatten wir uns täglich zwei Weingüter ausgesucht und mit Kreydenweiss, Marcel Deiss, Ostertag, Meyer-Fonné, Léon Beyer und Paul Blank ein buntes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Abends folgten wir dann dem Ruf der unzähligen Spitzenrestaurants. Dazwischen schlenderten wir durch malerische Orte wie Ribeauvillé, Riquewihr, Ammerschwihr, Kayersberg und Turckheim, wo wir im Hotel des Vosges unser Quartier aufgestellt hatten. Bei den Ausflügen galt es stets den Regenschirm und die Jacke griffbereit dabei zu haben, denn mit Ausnahme des ersten Tages, regnete es eigentlich durchgehend, gelegentlich schüttete es gar wie aus Kübeln und wir wollten nunmal nicht so aussehen, wie die meisten der zahlreichen Störche samt ihrem Nachwuchs, die ziemlich bedröppelt auf ihren Kirchtürmen ausharten, während ein Rinnsal von ihren Schnäbeln floss.

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Domaine Ostertag Riesling Fronholz, 2010

Osterrag Fronholz, 2010 (100 von 1)Das Weingut schreibt über die Lage:

FRONHOLZ

The spirit of quartz and lunar night pieces
A bright lonely island scattered to the wind
Proud and undemanding

Auf der letzten Reise ins Elsass zählte der 2011er-Fronholz zu den besten Rieslingen, die nicht aus einer Grand Cru-Lage erzeugt wurden. Als ich meine Begeisterung gegenüber dem Winzer zum Ausdruck brachte, verwies er lächelnd auf das vorangegangene Jahr, dass nach seiner Ansicht nochmals deutlich höher einzuschätzen sei. Natürlich hatte der Winzer nichts mehr davon zum verkosten und natürlich mussten wir uns auf die Suche danach begeben. Und so war die Spannung und Vorfreude groß, als endlich der erste Schwall dieses Weines in meinem Glas landete.

Hochreiner und feinsinniger Duft nach kandierten Zitrusfrüchten, vorallem gelbe Grapefruit, Zitronenzesten, sehr elegante südländische Kräuter, große Tiefe und Verspieltheit, infantil und kompakt wirkend. Am Gaumen von betont mittelkräftigem Körper, saftiger Antrunk von aromatischer Wucht, messerscharf gezeichnete Zitrusfrüchten, tiefe Würze nach Wildkräutern und einer längeren Maischegärung, der Wein wirkt fest wie ein Granitblock und zieht seine Bahnen wie ein Strich über den Gaumen, die Mineralik beisst sich ohne Kompromisse in den Gaumen, und balanciert die vorhandene, leicht Restsüße spielend aus, er wirkt tief, ernsthaft und trotzdem stets trinkanimierend, im hinteren Bereich wird es jedoch erst richtig gut, denn die feine Säure spielt dann erst groß auf und sorgt für einen wahren Rausch, sie verlangt vom Verkoster jede Aufmerksamkeit, wirkt unnahbar und rücksichtlos, ist aber weder sauer, noch packt sie jemals die Peitsche aus oder verzehrt die Frucht und zählt ganz sicher zum Besten in Sachen Säure was ich aus 2010 kenne. Chapeau! Gerade weil sie die Frucht nicht überlagert, sondern sie mit ihrem tänzelndem Spiel erst zum rechten Ausdruck verhilft. Langes Finish. Ein ganz großartiger Wein, den jeder Rieslingfreak einmal im Glas haben sollte, insbesonder bei diesem Preis.

Vom Fachhandel, 25,50 Euro, 96 Punkte (groß), jetzt bis 2030

Léon Beyer Pinot Blanc, 2010

Leon Beyer Pinot Blanc, 2010 (100 von 1)2010 war auch im Elsass einfach ein großartiges Jahr für Weißweine, insbesonders für die eher säuremilderen Rebsorten, vorausgesetzt der Weingarten blieb von übermäßiger Fäulnis und Botrytis verschont. Zu den erwähnenswerten Weinen zählt auch der einfache Pinot Blanc von Leon Beyer, der ohne Charme mit Plastikstöpsel daherkommt und noch für unter 9 Euro in der Probierstube in Eguisheim gekauft werden kann.

Für einen Weißburgunder eine beinah feinsinnige Nase nach frisch geschnittenen, jungen Birnenspalten, etwas Melone und im Hintergrund ein Hauch Anklänge von Honig und Nüssen. Es bleibt aber insgesamt eine aufgrund ihrer Frische überzeugende Nase, die ohne die übliche Schwere bzw. Breite des Weißburgunder daherkommt. Dies setzt der Wein auch am Gaumen fort, mit seinem mittelkräftigen Körper, seinem saftig, fruchtigen Auftakt, in dem sich bereits das animierende Säurespiel zeigt und dieser Rebsorte den so oft vermissten Kick gibt, die Fruchtaromen nach Melone und Kernfrüchten wirken frisch, beweglich und vermeiden jede Schwere, die Säure mit mildem Biss, sorgt für Frische und Trinkfreude über den gesamten Verlauf und fächert den knapp mittellangen Nachhall sauber auf. Ist selbst für die aktuell warmen Tage auf der Terasse geeignet, auch wegen seiner nur 12,5 % Alk. Rundherum gelungen und zum jetzt trinken.

Vom Weingut, 8,90 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2014