Domaine Trimbach Gewürztraminer Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre, 1985

Trimbach Gewürztraminer SdR, 1985Duftet nach Litschi, Bratapfel, angetrockeneter Aprikosenschale und ein Mischung aus Blütenblätter und erdwürziger Mineralität. Nach einer Stunde in der Karaffe sind die anfänglichen Kellermuff- und Altholz-Noten verschwunden und der Wein wirkt zwar gereift, aber ohne jede Müdigkeit. Im Gegenteil scheint es gar so, als wäre er dafür gemacht erst jetzt genossen werden zu wollen, denn die oft vernommene Schwülstigkeit und Süße eines Gewürztraminers ist verflogen, wenngleich man auch heute dieser Rebsorte grundsätzlich offen gegenüber stehen sollte. Balancierter Auftakt am Gaumen, mit saftigen Fruchtanklängen, erninnert an kandierte Zitronen, florale Noten und die Restsüße des Weines wird deutlich, konzentrierter Wein, weiche Textur, rauchige Mineralität, die Säure hat Spiel, ist aber für einen fast 30 Jahre alten Wein erstaunlich charmant und fein mit den anderne Komponenten vermählt, wirkt über den gesamten Verlauf sehr gewogen und läuft mittelang aus. Wird sicherlich nicht mehr besser, aber der Wein hat sich gefunden und wird sich noch einige Jahre auf diesem Niveau halten, eine gute Herkunft der Flasche vorausgesetzt.

88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2019

Kraftakt Riesling Teil VI – 2013

Schoffit Rangen de Thann Clos St. Theobald, 2005 (100 von 1)

Nach dem Highlight letzten Jahres war eines offensichtlich – besser geht es kaum (Hier lesen). Folgerichtig folgte unser diesjähriger Master of Wine Thomas andere Pfade und versuchte erst gar nicht die formale Qualität noch einmal zu überbieten, viel mehr suchte er aus der gewaltigen Auswahl, die ihm  die üblichen Weinnasen an möglichen Weinen gemeldet hatte, nur jene Tropfen heraus, die in den letzten Kraftakten nicht in Erscheinung traten. Es kam wie es kommen musste; wir hatten jede Menge authentische Weine im Glas, von insgesamt erstaunlich guter Qualität, wenngleich das Niveau des Vorjahres in der Breite klar nicht erreicht wurde. Mit dem 2005er aus dem Rangen de Thann von der Domaine Schoffit näherte sich nur ein Riesling der Kategorie Groß an, einige am Tisch billigten ihm dies auch zu. Ein überragender Riesling, der sich seit einigen Jahren konstant auf höchstem Niveau hält und noch heute ein Einkaufstipp ist. Zum ersten Mal ging damit die Rieslingkrone ins Elsass, was mich als Liebhaber dieser Region natürlich besonders erfreute.

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Domaine Trimbach Clos Ste Hune 1998 & 1982

Ste Hune 1998 & 1982 (100 von 1)So schlecht gelaunt traf ich noch nie bei einer Verkostung ein. Als ich um halb5 in Bonn losfuhr war die Freude noch groß. Achim hatte zu einer kleinen, feinen Probe nach Düsseldorf eingeladen und so hatte ich extra früh mein Stift fallen gelassen um entspannt anzukommen. Pustekuchen, kurz vor Acht traf ich endlich ein, in der Zwischenzeit waren mir sechs Hörner gewachsen und mit meinem dicken Hals kam ich kaum noch durch die Tür. Kein Wunder – über drei Stunden Fahrzeit bei 80 Kilometer. Kaum saß ich am Tisch standen auch schon zwei Weißweine blind vor mir, die ich doch bitte mal schnell probieren sollte, denn der Rest der Truppe labte sich schon an den ersten Rotweinen. Man kann sich vorstellen mit welcher Muse und sensorischen Aufmerksamkeit ich meine Nase ins Glas steckte und unmittelbar musste ich innehalten. „Dass ist groß“, schoß es mir durch den Kopf, schnell die Nase ins zweite Glas und herrje, der war ja noch besser. Aber der Reihe nach…

Clos Ste Hune, 1998
Jugendliche, noch sehr verschlossene Rieslingnase, wirkt wie ein Monolith aus Kalkstein, glockenklar in der Frucht und sehr präzise gezeichnet, Essenzen von weißen Blüten, weißen Pfirsichen. Am Gaumen von schlanker, jedoch ungmein fester Struktur, erstaunlich viel Frucht zum Auftakt, perfekt komponiert zeigt sich eine feine Süße und ein Hauch Fruchtextrakt, trotzdem scheint er mir knochentrocken, die Steinfrucht noch infantil, was auch die aufkommenden roten Beeren deutlich machten, feste, steinbetonte Mineralität, extrem kühl und distanziert, Noblesse fällt mir ein, mein Tipp war 2008 Nahe, na gut ist halt 10 Jahre älter, einfach unglaublich, da sind null Oxi- oder Botrytisnoten, das ist reinste Klarheit, nur das Finish könnte noch etwas länger und ausdruckstärker sein. Hat eine große Zukunft vor sich.
93+ Punkte, 2018 bis 2030

Clos Ste Hune, 1982
Daneben stand der Beweis wie großartig diese Weine reifen können. 1982 war ein schönes Jahr im Elsass, stand zwar stets im Schatten des Jahrhundertjahres 1983, aber es gibt auch heute noch schöne 82er, wobei sie zuweilen ein wenig mild und reif in der Säure sind. Das war auch das (einzige) Problem des Ste Hunes. Er roch nach frischem, braunen Tabak, mildem Espresso, reifen Zitrusfrüchten, Basalt, Rauch und höchstens eine Ahnung von Petrol. Im Mund ungemein saftig, herrlich cremiges Mundgefühl, die Säure sehr mild und zurückhaltend, reife Zitrusfrüchte, Rauch und Tabak ohne Ende, ein Schmusewein von großer aromatischen Pracht, den man am liebsten in großen Schlucken trinkt und selbst der Nachhall ist sehr lang und vielschichtig, dank seiner Kaffee-/Tabaknote. Grandios.

96 Punkte, jetzt bis 2022

Für jeden ambitionierten Rieslingfreund ein echtes Erlebnis, wobei beim Kauf auf einwandfreie Herkunft und beste Füllstände zu achten ist. Gerade perfekte Flaschen sind leider international gesucht und so muss man sich auf eine Investition von mehreren hundert Euro für eine Flasche aus einem großen Jahr einrichten. Mein herzliches Dankeschön geht an Achim für die überaus großzügige Einbringung.

Riesling Große Gewächse 2010 – Erste Bestandsaufnahme nach zwei Jahren Flaschenreife

Nach gut zwei Jahren war es an der Zeit eine repräsentative Bandbreite von 2010er-Großen Gewächsen Riesling zu verkosten, um die Entwicklung des Jahrganges zu überprüfen. In unserem Artikel zur Arrivage-Verkostung vor zwei Jahren (Hier lesen) sprachen wir dem Jahrgang durchaus eine gehobene Güte zu, womit wir eher die Ausnahme darstellten. Uns gefiel der feste Kern der Rieslinge und die straffe Säure, zumindest in jenen Weinen, die nicht zuviel an Apfelsäure enthielten. Entscheidend war auch möglichst sauberes Lesegut zu verarbeiten, was bei der stark ausbreitenden Fäulnis im Herbst 2010 nicht einfach war.

Als Fazit nach den beiden Verkostungsabende lässt sich festhalten, dass viele Weine heute die weiterhin strafe Säure ausgezeichnet integrieren. Die Gewächse wirken fest, klar in der Fruchtaromatik und machen Hoffnung auf eine weitere positive Entwicklung. Wenig erstaulich zeigten sich, in dieser frühen Phase der Entwicklung, die formal „kleineren“ Gewächse weiter in ihrer Entwicklung und konnten so gelegentlich den eigentlichen Stars den Rang ablaufen; sie waren einfach bereits fertiger und zeigten mehr Tiefe und Spiel. Die Kunst einen Wein zur rechten Zeit zu öffnen, darf nicht unterschätzt werden. Es liegt also nicht nur in der Verantwortung des Winzers, sondern auch an der Kenntnis über die Reifeentwicklung großer Rieslinge beim geneigten Weinfreund. So waren wir heute sehr angetan von Wittmanns Aulerde oder von Mosbachers Kieselberg, ohne dass wir ihnen noch eine Verbesserung zutrauen. Die Weine erreichten teilweise aber ein derart unverschämtes Niveau, dass wir nur raten können sie gerade jetzt zu genießen, vermutlich werden sie kaum besser werden; aber es hängt natürlich auch vom eigenen Geschmack ab. In einigen Jahren wird sich das Bild vermutlich ändern. Besonders stark schätzen wir die Kollektionen von Keller, Schönleber und Bürklin-Wolf ein, die in 2010 erneut überaus ansprechende Große Gewächse abfüllten, die sich in unserer Blindverkostung wiederholt durchsetzten.

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Léon Beyer Riesling Vendanges Vardives, 1995

Leon Beyer Riesling VT, 1995 (100 von 1)Zum ersten Mal begnete ich dem Wein in der Auberge de L´ill in Illhausen. Dort hat er mich auf Anhieb überzeugt, auch wenn er nicht richtig zum Dessert passte, da er als Vendanges Tardives erstaunlich trocken ist. Der Wein ist zwar deutlich von seiner Restsüße gezeichnet, aber mit den Jahren hat sich diese soweit zurückentwickelt, dass er auch als Solist durchaus mit Freude getrunken werden kann, da schmeckt gar das dritte Glas noch. Um so erfreuter nahm ich beim Besuch des Weingutes zur Kenntnis, dass der Wein noch im Verkauf ist.

Es duftet nach Elsass im Glas, sprich deutlich wahrnehmbar die Botrytis, ein zarter Hauch Oxidationston, viel Kräuterwürze und eine erdbetonte Mineralität. Das kann ganz scheußlich sein, aber wenn es gut gemacht ist, dann ist es eine ganz eigenständige Facette des Rieslings. Hier spricht es mich umittelbar an, weil die Botrytis sehr sauber wirkt. Spielt herrlich mit Apfel- und Zitrusfrüchten, keine Spur von Alter oder Müdigkeit, er wirkt überaus vital. Diese Vitalität hat er auch im Mund. Im Antrunk tritt für einen Moment die Restsüße kurz hervor, zieht sich dann aber blitzschnell zurück, vermutlich auf der Flucht von der noch jugendlich wirkenden Säure. Sie zieht merklich über meinen Gaumen, aber ungemein fein und diese Eleganz zieht sie bis zum Finish durch. Die Aromtik der Säure vermählt sich dabei animierend mit den jugendlichen Kernfürchten und den glacierten Zitrusfrüchten. Der Wein wirkt sehr straff und schlank konzipiert, was natürlich in keinster Weise der Fall ist, aber dadurch puffert er die Restsüße derart gut ab, dass man sich ständig auf den nächsten Schluck freut. Im Hintergrund zeigen sich getrocknete Kräuter und Blüten, feine nussige Anklänge und eine kreidige Mineralität. Der Kreidestein wurde dabei so fein wie Matcha-Tee gemalen, zumindest erzeugt der Wein ein vergleichbares Mundgefühl. Er baut mit Luftzufuhr weiter aus, zeigt immer neue Nuancen und enttäuscht auch im Nachhall nicht, denn auch hier ist er harmonisch, sehr fein und zeigt eine ordentliche Länge. Eindeutig ein Spitzenwein aus dem Hause Leon Beyer.

vom Weingut, ca. 20 Euro, 92 Punkte, jetzt bis 2020

Eine Weinreise ins Elsass Sommer 2013

Titel Anleser (100 von 1)Gemeinsam mit sieben weiteren Weinnasen ging es im Frühjahr 2013 endlich mal wieder Richtung Colmar. Die letzte Reise lag bereits fünf Jahre zurück und so war meine Vorfreude auf Flammkuchen, Vogesen, Fachwerkhäuser, Gewürztraminer und natürlich den zahlreich verfügbaren Sternen auf meinem Teller groß. Konsequent zum gesamten Wetterverlauf im Frühjahr 2013 war mal wieder Dauerregen angesagt und so flugs die Regenjacke in den Koffer geworfen – es sollte sich als guter Entschluss erweisen.

Für die drei Tage hatten wir uns täglich zwei Weingüter ausgesucht und mit Kreydenweiss, Marcel Deiss, Ostertag, Meyer-Fonné, Léon Beyer und Paul Blank ein buntes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Abends folgten wir dann dem Ruf der unzähligen Spitzenrestaurants. Dazwischen schlenderten wir durch malerische Orte wie Ribeauvillé, Riquewihr, Ammerschwihr, Kayersberg und Turckheim, wo wir im Hotel des Vosges unser Quartier aufgestellt hatten. Bei den Ausflügen galt es stets den Regenschirm und die Jacke griffbereit dabei zu haben, denn mit Ausnahme des ersten Tages, regnete es eigentlich durchgehend, gelegentlich schüttete es gar wie aus Kübeln und wir wollten nunmal nicht so aussehen, wie die meisten der zahlreichen Störche samt ihrem Nachwuchs, die ziemlich bedröppelt auf ihren Kirchtürmen ausharten, während ein Rinnsal von ihren Schnäbeln floss.

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Domaine Ostertag Riesling Fronholz, 2010

Osterrag Fronholz, 2010 (100 von 1)Das Weingut schreibt über die Lage:

FRONHOLZ

The spirit of quartz and lunar night pieces
A bright lonely island scattered to the wind
Proud and undemanding

Auf der letzten Reise ins Elsass zählte der 2011er-Fronholz zu den besten Rieslingen, die nicht aus einer Grand Cru-Lage erzeugt wurden. Als ich meine Begeisterung gegenüber dem Winzer zum Ausdruck brachte, verwies er lächelnd auf das vorangegangene Jahr, dass nach seiner Ansicht nochmals deutlich höher einzuschätzen sei. Natürlich hatte der Winzer nichts mehr davon zum verkosten und natürlich mussten wir uns auf die Suche danach begeben. Und so war die Spannung und Vorfreude groß, als endlich der erste Schwall dieses Weines in meinem Glas landete.

Hochreiner und feinsinniger Duft nach kandierten Zitrusfrüchten, vorallem gelbe Grapefruit, Zitronenzesten, sehr elegante südländische Kräuter, große Tiefe und Verspieltheit, infantil und kompakt wirkend. Am Gaumen von betont mittelkräftigem Körper, saftiger Antrunk von aromatischer Wucht, messerscharf gezeichnete Zitrusfrüchten, tiefe Würze nach Wildkräutern und einer längeren Maischegärung, der Wein wirkt fest wie ein Granitblock und zieht seine Bahnen wie ein Strich über den Gaumen, die Mineralik beisst sich ohne Kompromisse in den Gaumen, und balanciert die vorhandene, leicht Restsüße spielend aus, er wirkt tief, ernsthaft und trotzdem stets trinkanimierend, im hinteren Bereich wird es jedoch erst richtig gut, denn die feine Säure spielt dann erst groß auf und sorgt für einen wahren Rausch, sie verlangt vom Verkoster jede Aufmerksamkeit, wirkt unnahbar und rücksichtlos, ist aber weder sauer, noch packt sie jemals die Peitsche aus oder verzehrt die Frucht und zählt ganz sicher zum Besten in Sachen Säure was ich aus 2010 kenne. Chapeau! Gerade weil sie die Frucht nicht überlagert, sondern sie mit ihrem tänzelndem Spiel erst zum rechten Ausdruck verhilft. Langes Finish. Ein ganz großartiger Wein, den jeder Rieslingfreak einmal im Glas haben sollte, insbesonder bei diesem Preis.

Vom Fachhandel, 25,50 Euro, 96 Punkte (groß), jetzt bis 2030