Yves Cuilleron Condrieu Les Chaillets, 2011

2011_YGCObwohl es nun schon gut drei Wochen zurückliegt, dass ich diese Flasche Condrieu geöffnet habe, ist er mir sofort wieder vor meinem geistigen Auge aromatisch präsent, als ich meine Notizen hervorhole. Das spricht für den Wein. Wer sich nicht von (derzeit noch starker) Holzwürze in Weißweinen abschrecken lässt, dem sei das heutige Öffnen dieses doch noch sehr jugendlichen Weines, der sicherlich noch viele Jahre Leben vor sich hat, trotzdem bedenkenlos empfohlen. Denn dieser Wein ist auch in diesem frühen Stadium bereits ein aromatisches Erlebnis.

Im Glas ein sattes Strohgelb. Ungemein expressive, ja ernsthaft strenge und sehr dichte Nase, die noch stark von Barrique-Einflüssen geprägt wird: grüne Nüsse, Butter, Zitrusspuren und noch recht dominante Aromen eines doch „herben Toastings“. Die dahinter verborgenen gelbfleischigen Aromen müssen sich zunächst etwas bemühen, sich gegen das Holz zu behaupten – was nach einigen Stunden in der Karaffe aber zunehmend besser gelingt.

Ein mächtiger Auftakt dann im Mund, aber ohne Schwere, extraktreich und animierend verführerisch, gänzlich trocken wirkend, im dichten Antrunk eine Wand aus gelber Frucht und buttrig-schmelzigen Holzaromen, die hier etwas weniger präsent erscheinen als in der Nase, dafür herb-würziger. Frucht- und Holzeindrücke wogen hin und her. Flankiert von einer pointierten Säure, die bestens eingebunden ist und den Wein über den gesamten Verlauf hin skelettiert und präzise bis ins Finale in der Führung hält.

Gelbfleischig und holzwürzig ist dieser Spitzen-Condrieu aktuell – ehe dann im weiteren Verlauf die vom Holz ummantelte Frucht auf einen massiven, schwarzen Steinblock schlägt und ihn umspült. Die Mineralität zeigt sich kompromisslos steinig und im Zusammenspiel mit der Säure raumgreifend beißend – und erlaubt es erst im letzten Drittel den eher leise wirkenden, klaren Fruchtaromen, dass diese sich nochmals nuancenreich auffächern und zusammen mit Anklängen von weißem Pfeffer zu Wort melden. Dann ein sehr langer Nachhall, in dem die herb-würzigen Holzaromen die aufgefächerten Zitrusfrüchte stützend begleiten. Ein in jeder Hinsicht wohlbalancierter Wein mit für diese Art von Wein wohltuend „schlanken“ Alkoholgraden von 13,5%.

Aus dem Fachhandel, 40 EUR, 94 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

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Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Domaine de Beaurenard Cuveé „Boisrenard“, 2004

2004 DdBBDieser Chateauneuf du Pape, die Spitzencuvée der Domaine, entstammt aus 70 bis 100 Jahre alten Reben, er wurde ohne Fitration und Schönung für 18 Monate ins Holz gegeben. Das Resultat ist ein sehr gut gelungener Chateauneuf mit hoher Gebietstypitzität, aber ohne rosinige Überreife…

In der Nase ein dicht gepacktes Kräuterbündel, Zigarrenkiste, dunkle Früchte, ummantelt mit Herrenschokolade, mit viel Luft etwas Pumpernickel. Trotz 14,5 % Alkohol kein nennenswerter nasaler Alkohol.

Struktiert und kräftig im Antrunk, viel Schokoladenschmelz, rote und schwaren Beeren (Johannisbeere, Brombeere), die Kräuter etwas weniger pronounziert als in der Nase, reife Extraktsüße, aber kein rosiniger Rumtopf. Verhaltene, erste Reifearomen nach Waldboden. Die frische Säure balanciert den Wein, schön gefällt mir auch der mineralische Kern dieses Weines.

Frisch aus der Flasche ist das Tannin noch (zu) kräftig, braucht jedenfalls aber Essensbegleitung – der Rest der Flasche gefiel mir drei Tage später weitaus besser, denn das Tannine rundete sich mit weiterr Belüftun vernehmbar. Trotz dieser Entwicklung an der Luft ist der Wein als voll trinkreif zu bezeichnen – wer ihn in 2015 trinken möchte, sollte die Flasche 12 Stunden vorher doppelt dekantieren. Oder einen guten Rest für den Folgeabend reservieren. Nachfolgende Bewertung  ist vom ersten Abend.

Aus dem Fachhandel, ca. 40 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Domaine de la Bouissiere Gigondas, 2004

2004-DdlBG Böse Zungen behaupten, das Gigondas sei die hässliche Schwester von Chateauneuf du Pape – ich finde, das sind gewiß zu Unrecht geäußerte Vorurteile. Unbestritten, die Weine aus Gigondas genießen nicht den Weltruhm des wohlbekannten Nachbarn, stilistisch sind sie jedoch mit absolut ähnlicher Charakteristik unterwegs – und auch qualitativ brauchen sich die Gigondesen nicht schamvoll zu verstecken. Vorreiter der Region sind neben der heute im Fokus stehenden Domaine de la Bouissiere sicherlich die ebenfalls bekannt gewordenen Weingüter „Santa Duc“ und „Saint Cosme“ (deren Cuvée Valbelle ich jedem Weinfreund der Region nur dringend ans Herz legen kann – so er diese oftmals elegante Interpretation eines südlichen Rhone-Weines noch nicht kennen sollte).

Auch wenn im Gigondas die Preise langsam steigen, ist die Entwicklung dort sicherlich mehr als moderat, jedenfalls im Vergleich zu den Preisen, die für hoch beparkerte hoch bepunktete Weine aus der Nachbarregion aufgerufen werden. Weltruhm will bezahlt werden, bitteschön. Dabei ist doch der Weinsee an überalkoholisierten Wuchtbrummen in Ch9dP, wie man verkürzend so schön neudeutsch sagt, mitunter auch mal mehr als knietief. *Böse Vorurteile auf: aus *  Was ich abseits aller vermeintlichen Polemik sagen will:  für all diejenigen, der den Stil der Region mögen, lohnt den Blick über den Tellerrand, hin zu den Weine vom Fuße der Dentelles de Montmirailles…

Blickdichtes purpurot ohne Wasserrand. Eine dichte, vielfältige Nase nach Johannisbeere und schwarzen Kirschen, wilden Kräutern, einer Spur Leder und schwarzem Pfeffer und Eisen. Ein Anklang an Fleischbrühewürfel deutet auf seinen beginnenden Reifezustand hin. Ernsthafter Stil ohne marmeladigen Kitsch.

Im Antrunk mit der erwarteten Fülligkeit, auf schlanken Fuß sind die Weine dieser Region ja bekanntlich selten unterwegs, wieder Johannisbeeren und schwarze Kirsche, eine Spur Zitrusabrieb sorgt für wunderbar herbe Frische. Etwas Leder und deutlich dunkler Tabak. Schmelzige Holzaromen begleiten die nicht verkochte Fruchtsüße dieses Weines, der zwar mit Extrakt, aber nicht mit Überextraktion auffällt. Leichte Wärme im Verlauf, allenfalls ein wenig likörig, aber nun gut, die Sonne brannte halt auch im – als guten Jahr bekannten –  Jahrgang 2004. Mit Essensbegleitung wird dies jedenfalls unauffällig.

Dunkle Nuss-Schokolade und satte, in Reife übergehende Frucht im mittellangen Finale, hier erstmals fällt das noch präsente Tannin auf, dass aber dankenswerter Weise nicht trocknet, sondern feinporig in den nächsten Jahren harmonisch ausreifen wird.

Heute bereits ein mehr als angenehm zu trinkender Wein, der mit deutlich mittellangem Finale endet. In ca. drei Jahren auf dem Punkt, er könnte dann durchaus an die 90-Punkte heran kommen.

Aus dem Fachhandel, 15  EUR, 87+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Guigal Condrieu, 2009

2009-EGCIch muss feststellen, dass ich in der letzten Zeit eine gewisse positive Schwäche für jugendliche Condrieu entwickelt habe. Mit einer Mischung aus überbordenden, kristallklaren Frucht auf der einen Seite und den im Regelfall vanillig-krokantigen Holzaromen als Gegenpart sind diese Weine für mich Argument genug, bar jeder Vernunft zum Korkenzieher zu greifen, anstelle den Weinen ein gutes Jahrzeht Reife angedeien zu lassen. Nichts da, raus mit dem Korken und Spass dabei haben, wie einen solch ein Wein überrollt verführt.

Und genau so geschah es mit diesem Exemplar: toll schon die Nase, eine Mixtur aus holzwürzigen Aromen, ich rieche Karamell, grüne Nüsse und einen großen Topf Vanillecreme. Barrique deluxe. Dahinter aber eine üppige, jugendliche Aprikose, Orangenblüte, ja sogar Bergamotte. Ungemein dicht und verfüherisch animierend.

Der Wein startet mit einem fülligen Antrunk, in dem Mandarine und Aprikose vorscheinen, dazu wieder cremige Nuss-Vanillenoten. Der Wein zeigt sich mit feiner Säure und schierer,Kraft. Mundfüllender, dichter Stil – der Wein ist (obwohl nicht die ultra-Top-Cuvée des Hauses) ungemein reich an Frucht und Extrakt, dabei aber voll ausbalanciert und – nota bene – trinkig. Betonter mineralischer Ausdruck im weiteren Verlauf, die steinherbe Würze wird immer mehr zunehmend. Langer Nachhall, hier nochmal eine Mischung aus druckvoller Frucht, Stein und schmackhaften Holzaromen, die – insbesondere nach etwas Karaffierzeit – an Kaffee erinnert. Just im letzten Moment geht der Wein eine Spur zu sehr in die Breite, was ihm eine noch höhere Bewertung verwehrt: hier wird der Alkohol  – solange der Wein solo genossen wird – einen Tick wärmend. Ein kleiner Schluck blieb drei Tage in der geöffneten Flasche, der Wein wirkt danach sogar noch etwas präziser, weil sich Frucht und Holz noch besser gefunden haben. Wer also Sonntags Lust auf jungen Condrieu hat, sollte schon einmal am Freitag dekantieren. Schaden tut es dem Wein jedenfalls nicht.

Aus dem Fachhandel, 34 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2022

Große Weine in kleiner Runde

Titel Große Weine in kleiner RundeEiner der schönsten Proben des Jahres erlebte ich im November in Gütersloh. Nur sieben Weinliebhaber und Weinliebhaberinnen brachten je zwei hochwertige Flaschen mit und der Gastgeber verwöhnte uns kulinarisch auf das Allerfeinste. Wie sich herausstellte, hatten alle dieselbe Vorstellung von „hochwertig“, dazu war die Runde dermaßen entspannt, wie ich es mir öfters wünschen würde.

Das Vorprogramm startete mit einer Besonderheit, einem slowenischen Sauvignon Blanc von der Domaine Ciringa, der auf der steirischen Lage Zieregg wächst. Der Fosilni Breg 2011 wird am Weingut Tement gekeltert und offenbart in der Nase unmittelbar seine Rebsorte, im Mund überraschend trocken, würzig, Pfeffernote, tropische Anklänge, insgesamt ausgewogen, im Nachhall etwas karg 84/100. Auch der nächste Wein war besonders, denn im Rheingau macht wohl nur J.B. Becker derart furztrockene Rieslinge, die im Holzfass gereift nun wirklich nicht dem gemeinen Bild des Rheingau-Riesling entsprechen. Egal, seine Art kann ganz großartig sein, nur dieser 1990er-Wallufer Walkenberg Spätlese „trocken“ war schon einige Jahre drüber. Intensiver Duft nach Wachs, Mandeln, Brioche, nicht uninteressant, aber nur was für Freaks. Am Gaumen mittlerer Körper, erneut keine Frucht zu erkennen, trocken, die Säure geht rustikal zu Werke, fortgeschrittene Oxidation, komplexe Sekundär- und Tertiäraromen, null Charme 83/100. Der 2006er-Chardonnay von Jim Clendenen´s Große Weine in kleiner Runde 2Weingut Au Bon Climat aus dem Santa Ynez Valley (Santa Barbara County) war überraschend stark vom Holz maskiert, der die sehr frische und lebhafte Frucht besonders in der Nase stark maskierte. Am Gaumen von mittlerem Körper, das Holz lässt hier der Frucht etwas mehr Raum und zeigt eine erstaunliche Frische und Feinheit, betont trocken, ohne jede Schwülstigkeit, der Wein scheint mir heute noch zu jung, wenn er in wenigen Jahren das Holz besser integriert hat, kann das ein ausgezeichneter agiler Chardonnay werden. Heute 88/100. Noch jünger war der 2007er-Chardonnay von Bouchard aus der Mersault-Lage Genevriéres. Etwas offeneres, fruchtigeres Bukett nach frischen Birnenspalten, Mandeln, vielschichtige Kräuter, das Holz noch sehr deutlich wahrnehmbar. Am Gaumen mittelkräftig, saftiger Antrunk, viel Frucht und Holz, noch recht laut, Karamell, wirkt etwas süßer und fülliger, als der Kalifornier, die Frucht noch leicht dropsig, aber alles vorhanden für eine schöne Entwicklung. Noch liegen lassen 90/100.

Dann kamen wir zum Hauptprogramm und es ging los mit einem auf den Punkt gereiften Bricco dell´Uccelone von Braida aus dem Jahr 1998. Das war einfach perfekt gereifter Barbera mit einer verführerischen Kirschfrucht, roten Johannisbeeren, vom Faßausbau kaum etwas zu spüren, rauschendes Säurespiel, ungemein klar und packend, sehr animierend zu trinken, jetzt auf dem Höhepunkt 92/100. Erstaunlich gut in Form der Spätburgunder S vom Weingut Keller aus dem Jahr 2001. Feines Bukett nach rotbeerigen Früchten, floralen Anklängen, wirkte noch sehr jugendlich. Am Gaumen frisch, herrlich klare rotbeerige Früchte, nur am Rande zeigte sich das Holz, könnte auch aus dem Burgund kommen, kräftige Säure, im hinteren Bereich ziehte er sich leider etwas zu und hinterlies ein trocknendes Mundgefühl, trotzdem 89/100.

Einfach ein großer Syrah ist der 1991er-La Turque von Guigal, mit einem intensiven Duft nach Teer, dunklen Waldfrüchten, Schinkenspeck und Olivenpaste, schon die Nase macht süchtig. Am Gaumen ohne Schwere, aber mit höchstem aromatischen Ausdruck, frisch-saftiger Auftakt nach Waldfrüchten, von wilden Kräutern ummantelt, alle Aromen im ständigen Spiel, alle Komponenten, Säure, Holz, Tannin, sitzen perfekt, Musterbeispiel an Komplexität, langer Nachhall. Großes Kino 97/100. Ausgezeichnet dann der 1996er-Chateauneuf-du-Pape Reserve vom Chateau Rayas mit einem wilden Bukett nach Rauch, deutlichen Holznoten, erinnerten an Grillaromen und dunkle Herrenschokolade, extreme Würzigkeit, im Hintergrund dunkle Waldbeeren und erste Champignonanklänge zeigen eine fortgeschrittene Entwicklung. Am Gaumen entspricht er aromatisch dem Naseneindruck, die Frucht tritt etwas deutlich zu Tage mit leichter Überreife, wirkt gewogen, die Aromen spielen und bringen Tiefe in den Wein, solide Säurestruktur, viel Zug, bleibt lange am Gaumen, jetzt gut zu trinken 93/100. Höhepunkt dann der ultrarare und ebenso teurer Vega-Sicilia Unico Reserva Especial, ein Cuvée aus den Unico Reserve Especial 70-72-73Jahrgängen 1970, 1972 und 1973. Der roch einmalig distinguiert nach Schwarzbrot, Blaubeeren, Schlehen, Kirschsaft und dunkler Bitterschokolade, insgesamt einfach nobel komponiert ohne jede Alterserscheinung. Am Gaumen saftig, klar, seidiges Mundgefühl, perfekte Balance aller Komponenten, erneut dieses sublime Spiel aus dunklen Waldfrüchten und einer Essenz aus Kirsche, vermählt mit den Schwarzbrotnoten, faszinierend feines Säurespiel, auch hier vom Alter nichts zu merken, außer seiner einmaligen Entspanntheit, bleibt sehr lange, ohne sonderlichen Druck am Gaumen haften, es geht kaum besser, jede Suche wert 97/100. Da kam der ebenfalls ausgezeichnete Cheval Blanc aus dem Jahr 1995 einfach nicht mit. Der duftet noch sehr jugendlich nach Kirschen, Cassis und Brombeeren, Schoko und Kakao vom Holz, sehr fein, aber noch nicht ganz aufgefächert. Der Auftakt am Gaumen dicht, klar und saftig, mit noch leicht jugendlich-süßlicher dunkler Beerenfrucht, Cheval Blanc 1995Schwarzkirschen mit Schokoüberzug, dahinter erste Anklänge von geräucherten Schinken und ätherische Noten, Kaffee, komplex, aber noch verschlossen, gute Länge, würde ich noch ein wenig liegen lassen 92+/100. Noch viel Frische, aber nur mäßigen Tiefgang zeigte der 1955er-Calon Segur. Duftet nach fragilen rotbeerigen Früchten, Küchenkräuter, leicht störend metallische Anklänge, Klebstoff im Hintergrund. Im Mund erstaunlich viel rotbeerige Frucht, macht im Auftakt einen fast saftigen Eindruck, der sich aber immer weiter verschlankt und im Nachhall versiegt dann die Frucht, die Säure recht markant, es fehlt ein wenig an Fülle, trotzdem noch wirklich sehr gut mit Genuss zu trinken 87/100. Der formale Höhepunkt war dann leider oxidiert, was bei einem Wein aus dem Jahr 1915 natürlich nicht wirklich überrascht. Trotzdem saßen wir mit langen Gesichtern vor dem Morin Pommard Hospices 1915Morin Pommard Hospices de Beaune, einfach weil wir uns soviel von ihm versprochen hatten. Besonders der edle Spender, mein Weinfreund Norbert, war natürlich untröstlich. Tröste dich, wie du weißt hatten wir wenige Wochen danach zwei Morins, die uns in den Burgund-Himmel führten. Den Abschluss machte der 1994er-Cabernet Sauvignon Reserve von Robert Mondavi, Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve, 1994der mit seine tiefen, dunklen Kirsch- und Cassisfrucht sofort Noblesse versprühte, feine Minze, Graphit, wirkt fast noch scheu. Ebenso im Mund, er wirkte jedoch dermaßen zurückhaltend, schüchtern, wie wir es alle von einem Wein aus Napa Valley noch nicht erlebt hatten. Die Frucht, die Tannine, das Holz geschliffen, ohne jedes Geschrei, im Gegenteil sehr balanciert, fein, aber auch irgendwie komplett eingeschüchtert. Der Wein lies sich gut trinken, man spürte seine ganze Klasse, aber er lies uns irgendwie ratlos zurück, wenn der Wein sich auffächert, scheint mir die hohe Meinung von Parker möglich, heute wollte ich ihn nicht bewerten. Anschließend gab es noch feine Süßweine, die ich aber nicht mehr seriös notiert habe.

E. Guigal Château d´Ampuis Côte-Rôtie, 1999

Guigal Chateau d´Ampuis 1999 (100 von 1)Der Ampuis präsentiert sich heute nach einer Stunde in der Karaffe perfekt gereift und bestätigt den Ruf, dass der 99er vermutlich der bisher beste erzeugte Château d´Ampuis ist. Die Nase feinsinnig, mit aromatischer Tiefe nach sehr zarten, rauchigen Schinkenaromen, gerösteten Kräutern, einem Hauch edler Vanille, reifen Schwarzkirschen, Holunder, Oliven und einem Schuss Minze, zeigt ständig neue Facetten und bleibt dabei stets subtil und elegant. Am Gaumen von mittlerem Körper, ein über den gesamten Verlauf stets feinsinniger Wein, der über auf dem Gaumen eher tänzelt, als schiebt, trotz seiner aromatischen Konzentration. Genau dies zeichnet hochwertige Syraz von der nördlichen Rhone aus – höchster aromatischer Ausdruck ohne übermäßige Konzentration bei niedrigen Alkoholwerten. Schon im Antrunk verspielt und komplex, Unterlage bilden erfrischende Minztöne, die sich in jede Aromatik einmischen, darüber süßliche Blau-, schwarze Johannisbeeren und Kirschen, gepaart mit der üblichen röstigen, animalischen Noten nach abgehagenen Schinken, sehr dezent, die Frucht und eine feine Mineralik stehen im Vordergrund, auch am Gaumen jetzt perfekt gereift, im weiteren Verlauf kommen Zitrusaromen auf, getragen von der markanten Säure, die aber bestens integriert wirkt, kann man einfach nur delikat nennen, die Tannine strukturgebend, noch ein Hauch trockenend, aber überwiegend bestens integriert, mittlere bis gute Länge. Jetzt ganz verzüglich zu trinken, wird sich aber noch lange halten. Ein ausgezeichneter Wein, der leider heute sehr teuer geworden ist. Tipp, jung kaufen und zehn Jahre weglegen. 2009 und 2010 sollen ganz hervorragend gelungen sein.
Vom Fachhandel, 70 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020