Yves Cuilleron Condrieu Les Chaillets, 2011

2011_YGCObwohl es nun schon gut drei Wochen zurückliegt, dass ich diese Flasche Condrieu geöffnet habe, ist er mir sofort wieder vor meinem geistigen Auge aromatisch präsent, als ich meine Notizen hervorhole. Das spricht für den Wein. Wer sich nicht von (derzeit noch starker) Holzwürze in Weißweinen abschrecken lässt, dem sei das heutige Öffnen dieses doch noch sehr jugendlichen Weines, der sicherlich noch viele Jahre Leben vor sich hat, trotzdem bedenkenlos empfohlen. Denn dieser Wein ist auch in diesem frühen Stadium bereits ein aromatisches Erlebnis.

Im Glas ein sattes Strohgelb. Ungemein expressive, ja ernsthaft strenge und sehr dichte Nase, die noch stark von Barrique-Einflüssen geprägt wird: grüne Nüsse, Butter, Zitrusspuren und noch recht dominante Aromen eines doch „herben Toastings“. Die dahinter verborgenen gelbfleischigen Aromen müssen sich zunächst etwas bemühen, sich gegen das Holz zu behaupten – was nach einigen Stunden in der Karaffe aber zunehmend besser gelingt.

Ein mächtiger Auftakt dann im Mund, aber ohne Schwere, extraktreich und animierend verführerisch, gänzlich trocken wirkend, im dichten Antrunk eine Wand aus gelber Frucht und buttrig-schmelzigen Holzaromen, die hier etwas weniger präsent erscheinen als in der Nase, dafür herb-würziger. Frucht- und Holzeindrücke wogen hin und her. Flankiert von einer pointierten Säure, die bestens eingebunden ist und den Wein über den gesamten Verlauf hin skelettiert und präzise bis ins Finale in der Führung hält.

Gelbfleischig und holzwürzig ist dieser Spitzen-Condrieu aktuell – ehe dann im weiteren Verlauf die vom Holz ummantelte Frucht auf einen massiven, schwarzen Steinblock schlägt und ihn umspült. Die Mineralität zeigt sich kompromisslos steinig und im Zusammenspiel mit der Säure raumgreifend beißend – und erlaubt es erst im letzten Drittel den eher leise wirkenden, klaren Fruchtaromen, dass diese sich nochmals nuancenreich auffächern und zusammen mit Anklängen von weißem Pfeffer zu Wort melden. Dann ein sehr langer Nachhall, in dem die herb-würzigen Holzaromen die aufgefächerten Zitrusfrüchte stützend begleiten. Ein in jeder Hinsicht wohlbalancierter Wein mit für diese Art von Wein wohltuend „schlanken“ Alkoholgraden von 13,5%.

Aus dem Fachhandel, 40 EUR, 94 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Domaine de Beaurenard Cuveé „Boisrenard“, 2004

2004 DdBBDieser Chateauneuf du Pape, die Spitzencuvée der Domaine, entstammt aus 70 bis 100 Jahre alten Reben, er wurde ohne Fitration und Schönung für 18 Monate ins Holz gegeben. Das Resultat ist ein sehr gut gelungener Chateauneuf mit hoher Gebietstypitzität, aber ohne rosinige Überreife…

In der Nase ein dicht gepacktes Kräuterbündel, Zigarrenkiste, dunkle Früchte, ummantelt mit Herrenschokolade, mit viel Luft etwas Pumpernickel. Trotz 14,5 % Alkohol kein nennenswerter nasaler Alkohol.

Struktiert und kräftig im Antrunk, viel Schokoladenschmelz, rote und schwaren Beeren (Johannisbeere, Brombeere), die Kräuter etwas weniger pronounziert als in der Nase, reife Extraktsüße, aber kein rosiniger Rumtopf. Verhaltene, erste Reifearomen nach Waldboden. Die frische Säure balanciert den Wein, schön gefällt mir auch der mineralische Kern dieses Weines.

Frisch aus der Flasche ist das Tannin noch (zu) kräftig, braucht jedenfalls aber Essensbegleitung – der Rest der Flasche gefiel mir drei Tage später weitaus besser, denn das Tannine rundete sich mit weiterr Belüftun vernehmbar. Trotz dieser Entwicklung an der Luft ist der Wein als voll trinkreif zu bezeichnen – wer ihn in 2015 trinken möchte, sollte die Flasche 12 Stunden vorher doppelt dekantieren. Oder einen guten Rest für den Folgeabend reservieren. Nachfolgende Bewertung  ist vom ersten Abend.

Aus dem Fachhandel, ca. 40 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Domaine de la Bouissiere Gigondas, 2004

2004-DdlBG Böse Zungen behaupten, das Gigondas sei die hässliche Schwester von Chateauneuf du Pape – ich finde, das sind gewiß zu Unrecht geäußerte Vorurteile. Unbestritten, die Weine aus Gigondas genießen nicht den Weltruhm des wohlbekannten Nachbarn, stilistisch sind sie jedoch mit absolut ähnlicher Charakteristik unterwegs – und auch qualitativ brauchen sich die Gigondesen nicht schamvoll zu verstecken. Vorreiter der Region sind neben der heute im Fokus stehenden Domaine de la Bouissiere sicherlich die ebenfalls bekannt gewordenen Weingüter „Santa Duc“ und „Saint Cosme“ (deren Cuvée Valbelle ich jedem Weinfreund der Region nur dringend ans Herz legen kann – so er diese oftmals elegante Interpretation eines südlichen Rhone-Weines noch nicht kennen sollte).

Auch wenn im Gigondas die Preise langsam steigen, ist die Entwicklung dort sicherlich mehr als moderat, jedenfalls im Vergleich zu den Preisen, die für hoch beparkerte hoch bepunktete Weine aus der Nachbarregion aufgerufen werden. Weltruhm will bezahlt werden, bitteschön. Dabei ist doch der Weinsee an überalkoholisierten Wuchtbrummen in Ch9dP, wie man verkürzend so schön neudeutsch sagt, mitunter auch mal mehr als knietief. *Böse Vorurteile auf: aus *  Was ich abseits aller vermeintlichen Polemik sagen will:  für all diejenigen, der den Stil der Region mögen, lohnt den Blick über den Tellerrand, hin zu den Weine vom Fuße der Dentelles de Montmirailles…

Blickdichtes purpurot ohne Wasserrand. Eine dichte, vielfältige Nase nach Johannisbeere und schwarzen Kirschen, wilden Kräutern, einer Spur Leder und schwarzem Pfeffer und Eisen. Ein Anklang an Fleischbrühewürfel deutet auf seinen beginnenden Reifezustand hin. Ernsthafter Stil ohne marmeladigen Kitsch.

Im Antrunk mit der erwarteten Fülligkeit, auf schlanken Fuß sind die Weine dieser Region ja bekanntlich selten unterwegs, wieder Johannisbeeren und schwarze Kirsche, eine Spur Zitrusabrieb sorgt für wunderbar herbe Frische. Etwas Leder und deutlich dunkler Tabak. Schmelzige Holzaromen begleiten die nicht verkochte Fruchtsüße dieses Weines, der zwar mit Extrakt, aber nicht mit Überextraktion auffällt. Leichte Wärme im Verlauf, allenfalls ein wenig likörig, aber nun gut, die Sonne brannte halt auch im – als guten Jahr bekannten –  Jahrgang 2004. Mit Essensbegleitung wird dies jedenfalls unauffällig.

Dunkle Nuss-Schokolade und satte, in Reife übergehende Frucht im mittellangen Finale, hier erstmals fällt das noch präsente Tannin auf, dass aber dankenswerter Weise nicht trocknet, sondern feinporig in den nächsten Jahren harmonisch ausreifen wird.

Heute bereits ein mehr als angenehm zu trinkender Wein, der mit deutlich mittellangem Finale endet. In ca. drei Jahren auf dem Punkt, er könnte dann durchaus an die 90-Punkte heran kommen.

Aus dem Fachhandel, 15  EUR, 87+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2018

Guigal Condrieu, 2009

2009-EGCIch muss feststellen, dass ich in der letzten Zeit eine gewisse positive Schwäche für jugendliche Condrieu entwickelt habe. Mit einer Mischung aus überbordenden, kristallklaren Frucht auf der einen Seite und den im Regelfall vanillig-krokantigen Holzaromen als Gegenpart sind diese Weine für mich Argument genug, bar jeder Vernunft zum Korkenzieher zu greifen, anstelle den Weinen ein gutes Jahrzeht Reife angedeien zu lassen. Nichts da, raus mit dem Korken und Spass dabei haben, wie einen solch ein Wein überrollt verführt.

Und genau so geschah es mit diesem Exemplar: toll schon die Nase, eine Mixtur aus holzwürzigen Aromen, ich rieche Karamell, grüne Nüsse und einen großen Topf Vanillecreme. Barrique deluxe. Dahinter aber eine üppige, jugendliche Aprikose, Orangenblüte, ja sogar Bergamotte. Ungemein dicht und verfüherisch animierend.

Der Wein startet mit einem fülligen Antrunk, in dem Mandarine und Aprikose vorscheinen, dazu wieder cremige Nuss-Vanillenoten. Der Wein zeigt sich mit feiner Säure und schierer,Kraft. Mundfüllender, dichter Stil – der Wein ist (obwohl nicht die ultra-Top-Cuvée des Hauses) ungemein reich an Frucht und Extrakt, dabei aber voll ausbalanciert und – nota bene – trinkig. Betonter mineralischer Ausdruck im weiteren Verlauf, die steinherbe Würze wird immer mehr zunehmend. Langer Nachhall, hier nochmal eine Mischung aus druckvoller Frucht, Stein und schmackhaften Holzaromen, die – insbesondere nach etwas Karaffierzeit – an Kaffee erinnert. Just im letzten Moment geht der Wein eine Spur zu sehr in die Breite, was ihm eine noch höhere Bewertung verwehrt: hier wird der Alkohol  – solange der Wein solo genossen wird – einen Tick wärmend. Ein kleiner Schluck blieb drei Tage in der geöffneten Flasche, der Wein wirkt danach sogar noch etwas präziser, weil sich Frucht und Holz noch besser gefunden haben. Wer also Sonntags Lust auf jungen Condrieu hat, sollte schon einmal am Freitag dekantieren. Schaden tut es dem Wein jedenfalls nicht.

Aus dem Fachhandel, 34 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2022

Große Weine in kleiner Runde

Titel Große Weine in kleiner RundeEiner der schönsten Proben des Jahres erlebte ich im November in Gütersloh. Nur sieben Weinliebhaber und Weinliebhaberinnen brachten je zwei hochwertige Flaschen mit und der Gastgeber verwöhnte uns kulinarisch auf das Allerfeinste. Wie sich herausstellte, hatten alle dieselbe Vorstellung von „hochwertig“, dazu war die Runde dermaßen entspannt, wie ich es mir öfters wünschen würde.

Das Vorprogramm startete mit einer Besonderheit, einem slowenischen Sauvignon Blanc von der Domaine Ciringa, der auf der steirischen Lage Zieregg wächst. Der Fosilni Breg 2011 wird am Weingut Tement gekeltert und offenbart in der Nase unmittelbar seine Rebsorte, im Mund überraschend trocken, würzig, Pfeffernote, tropische Anklänge, insgesamt ausgewogen, im Nachhall etwas karg 84/100. Auch der nächste Wein war besonders, denn im Rheingau macht wohl nur J.B. Becker derart furztrockene Rieslinge, die im Holzfass gereift nun wirklich nicht dem gemeinen Bild des Rheingau-Riesling entsprechen. Egal, seine Art kann ganz großartig sein, nur dieser 1990er-Wallufer Walkenberg Spätlese „trocken“ war schon einige Jahre drüber. Intensiver Duft nach Wachs, Mandeln, Brioche, nicht uninteressant, aber nur was für Freaks. Am Gaumen mittlerer Körper, erneut keine Frucht zu erkennen, trocken, die Säure geht rustikal zu Werke, fortgeschrittene Oxidation, komplexe Sekundär- und Tertiäraromen, null Charme 83/100. Der 2006er-Chardonnay von Jim Clendenen´s Große Weine in kleiner Runde 2Weingut Au Bon Climat aus dem Santa Ynez Valley (Santa Barbara County) war überraschend stark vom Holz maskiert, der die sehr frische und lebhafte Frucht besonders in der Nase stark maskierte. Am Gaumen von mittlerem Körper, das Holz lässt hier der Frucht etwas mehr Raum und zeigt eine erstaunliche Frische und Feinheit, betont trocken, ohne jede Schwülstigkeit, der Wein scheint mir heute noch zu jung, wenn er in wenigen Jahren das Holz besser integriert hat, kann das ein ausgezeichneter agiler Chardonnay werden. Heute 88/100. Noch jünger war der 2007er-Chardonnay von Bouchard aus der Mersault-Lage Genevriéres. Etwas offeneres, fruchtigeres Bukett nach frischen Birnenspalten, Mandeln, vielschichtige Kräuter, das Holz noch sehr deutlich wahrnehmbar. Am Gaumen mittelkräftig, saftiger Antrunk, viel Frucht und Holz, noch recht laut, Karamell, wirkt etwas süßer und fülliger, als der Kalifornier, die Frucht noch leicht dropsig, aber alles vorhanden für eine schöne Entwicklung. Noch liegen lassen 90/100.

Dann kamen wir zum Hauptprogramm und es ging los mit einem auf den Punkt gereiften Bricco dell´Uccelone von Braida aus dem Jahr 1998. Das war einfach perfekt gereifter Barbera mit einer verführerischen Kirschfrucht, roten Johannisbeeren, vom Faßausbau kaum etwas zu spüren, rauschendes Säurespiel, ungemein klar und packend, sehr animierend zu trinken, jetzt auf dem Höhepunkt 92/100. Erstaunlich gut in Form der Spätburgunder S vom Weingut Keller aus dem Jahr 2001. Feines Bukett nach rotbeerigen Früchten, floralen Anklängen, wirkte noch sehr jugendlich. Am Gaumen frisch, herrlich klare rotbeerige Früchte, nur am Rande zeigte sich das Holz, könnte auch aus dem Burgund kommen, kräftige Säure, im hinteren Bereich ziehte er sich leider etwas zu und hinterlies ein trocknendes Mundgefühl, trotzdem 89/100.

Einfach ein großer Syrah ist der 1991er-La Turque von Guigal, mit einem intensiven Duft nach Teer, dunklen Waldfrüchten, Schinkenspeck und Olivenpaste, schon die Nase macht süchtig. Am Gaumen ohne Schwere, aber mit höchstem aromatischen Ausdruck, frisch-saftiger Auftakt nach Waldfrüchten, von wilden Kräutern ummantelt, alle Aromen im ständigen Spiel, alle Komponenten, Säure, Holz, Tannin, sitzen perfekt, Musterbeispiel an Komplexität, langer Nachhall. Großes Kino 97/100. Ausgezeichnet dann der 1996er-Chateauneuf-du-Pape Reserve vom Chateau Rayas mit einem wilden Bukett nach Rauch, deutlichen Holznoten, erinnerten an Grillaromen und dunkle Herrenschokolade, extreme Würzigkeit, im Hintergrund dunkle Waldbeeren und erste Champignonanklänge zeigen eine fortgeschrittene Entwicklung. Am Gaumen entspricht er aromatisch dem Naseneindruck, die Frucht tritt etwas deutlich zu Tage mit leichter Überreife, wirkt gewogen, die Aromen spielen und bringen Tiefe in den Wein, solide Säurestruktur, viel Zug, bleibt lange am Gaumen, jetzt gut zu trinken 93/100. Höhepunkt dann der ultrarare und ebenso teurer Vega-Sicilia Unico Reserva Especial, ein Cuvée aus den Unico Reserve Especial 70-72-73Jahrgängen 1970, 1972 und 1973. Der roch einmalig distinguiert nach Schwarzbrot, Blaubeeren, Schlehen, Kirschsaft und dunkler Bitterschokolade, insgesamt einfach nobel komponiert ohne jede Alterserscheinung. Am Gaumen saftig, klar, seidiges Mundgefühl, perfekte Balance aller Komponenten, erneut dieses sublime Spiel aus dunklen Waldfrüchten und einer Essenz aus Kirsche, vermählt mit den Schwarzbrotnoten, faszinierend feines Säurespiel, auch hier vom Alter nichts zu merken, außer seiner einmaligen Entspanntheit, bleibt sehr lange, ohne sonderlichen Druck am Gaumen haften, es geht kaum besser, jede Suche wert 97/100. Da kam der ebenfalls ausgezeichnete Cheval Blanc aus dem Jahr 1995 einfach nicht mit. Der duftet noch sehr jugendlich nach Kirschen, Cassis und Brombeeren, Schoko und Kakao vom Holz, sehr fein, aber noch nicht ganz aufgefächert. Der Auftakt am Gaumen dicht, klar und saftig, mit noch leicht jugendlich-süßlicher dunkler Beerenfrucht, Cheval Blanc 1995Schwarzkirschen mit Schokoüberzug, dahinter erste Anklänge von geräucherten Schinken und ätherische Noten, Kaffee, komplex, aber noch verschlossen, gute Länge, würde ich noch ein wenig liegen lassen 92+/100. Noch viel Frische, aber nur mäßigen Tiefgang zeigte der 1955er-Calon Segur. Duftet nach fragilen rotbeerigen Früchten, Küchenkräuter, leicht störend metallische Anklänge, Klebstoff im Hintergrund. Im Mund erstaunlich viel rotbeerige Frucht, macht im Auftakt einen fast saftigen Eindruck, der sich aber immer weiter verschlankt und im Nachhall versiegt dann die Frucht, die Säure recht markant, es fehlt ein wenig an Fülle, trotzdem noch wirklich sehr gut mit Genuss zu trinken 87/100. Der formale Höhepunkt war dann leider oxidiert, was bei einem Wein aus dem Jahr 1915 natürlich nicht wirklich überrascht. Trotzdem saßen wir mit langen Gesichtern vor dem Morin Pommard Hospices 1915Morin Pommard Hospices de Beaune, einfach weil wir uns soviel von ihm versprochen hatten. Besonders der edle Spender, mein Weinfreund Norbert, war natürlich untröstlich. Tröste dich, wie du weißt hatten wir wenige Wochen danach zwei Morins, die uns in den Burgund-Himmel führten. Den Abschluss machte der 1994er-Cabernet Sauvignon Reserve von Robert Mondavi, Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve, 1994der mit seine tiefen, dunklen Kirsch- und Cassisfrucht sofort Noblesse versprühte, feine Minze, Graphit, wirkt fast noch scheu. Ebenso im Mund, er wirkte jedoch dermaßen zurückhaltend, schüchtern, wie wir es alle von einem Wein aus Napa Valley noch nicht erlebt hatten. Die Frucht, die Tannine, das Holz geschliffen, ohne jedes Geschrei, im Gegenteil sehr balanciert, fein, aber auch irgendwie komplett eingeschüchtert. Der Wein lies sich gut trinken, man spürte seine ganze Klasse, aber er lies uns irgendwie ratlos zurück, wenn der Wein sich auffächert, scheint mir die hohe Meinung von Parker möglich, heute wollte ich ihn nicht bewerten. Anschließend gab es noch feine Süßweine, die ich aber nicht mehr seriös notiert habe.

E. Guigal Château d´Ampuis Côte-Rôtie, 1999

Guigal Chateau d´Ampuis 1999 (100 von 1)Der Ampuis präsentiert sich heute nach einer Stunde in der Karaffe perfekt gereift und bestätigt den Ruf, dass der 99er vermutlich der bisher beste erzeugte Château d´Ampuis ist. Die Nase feinsinnig, mit aromatischer Tiefe nach sehr zarten, rauchigen Schinkenaromen, gerösteten Kräutern, einem Hauch edler Vanille, reifen Schwarzkirschen, Holunder, Oliven und einem Schuss Minze, zeigt ständig neue Facetten und bleibt dabei stets subtil und elegant. Am Gaumen von mittlerem Körper, ein über den gesamten Verlauf stets feinsinniger Wein, der über auf dem Gaumen eher tänzelt, als schiebt, trotz seiner aromatischen Konzentration. Genau dies zeichnet hochwertige Syraz von der nördlichen Rhone aus – höchster aromatischer Ausdruck ohne übermäßige Konzentration bei niedrigen Alkoholwerten. Schon im Antrunk verspielt und komplex, Unterlage bilden erfrischende Minztöne, die sich in jede Aromatik einmischen, darüber süßliche Blau-, schwarze Johannisbeeren und Kirschen, gepaart mit der üblichen röstigen, animalischen Noten nach abgehagenen Schinken, sehr dezent, die Frucht und eine feine Mineralik stehen im Vordergrund, auch am Gaumen jetzt perfekt gereift, im weiteren Verlauf kommen Zitrusaromen auf, getragen von der markanten Säure, die aber bestens integriert wirkt, kann man einfach nur delikat nennen, die Tannine strukturgebend, noch ein Hauch trockenend, aber überwiegend bestens integriert, mittlere bis gute Länge. Jetzt ganz verzüglich zu trinken, wird sich aber noch lange halten. Ein ausgezeichneter Wein, der leider heute sehr teuer geworden ist. Tipp, jung kaufen und zehn Jahre weglegen. 2009 und 2010 sollen ganz hervorragend gelungen sein.
Vom Fachhandel, 70 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

Eine Kurzreise an die nördliche Rhone – Gangloff, Ogier und Co.

2006-TLCCWein von der nördlichen Rhone stand jüngst auf unserem Abendprogramm, zwei mal in weiss, zwei mal in rot – eine „Kurzreise“ halt.

Als ersten Wein, einen Condrieu, schickten wir von der Domaine Georges Vernay den „Les Chaillées“ aus dem Jahre 2010 ins Rennen, ein wunderbarer Condrieu von besonderer Klasse:  eine Nase für stille Momente, da sich hier Zeit und Muße zu nehmen lohnt, satt und verspielt zugleich die Aromenfülle von Vanille, weissen Blüten, frisch gehackten Nüssen und ätherischen Zitrusaromen. Zugegeben, der Wein ist noch sehr vom Holz geprägt, dies aber in einer so gelungenen Weise, dass man immer wieder schnuppern und sich verführen lassen möchte. Im Mund dann füllig, dicht gepacktes Holz, aber sofort von feingliedriger Frucht getragen, die zart tänzelnd dem Wein Schwung und Leichtigkeit vermittelt – was vor dem Hintergrund des kraftvollen Holzeinsatzes und der Alkoholgradienz umso prachtvoller ist. Aromatisch derzeit von Vanille sowie Birnen- und Melonen geprägt, dann eine tanzende, florale Schicht, auch etwas Marzipananklang. Dezente Süße, gepuffert von mineralischem Rückgrat. In Sachen Alkohol wohltuend ausbalanciert. Langes, betörendes, von wohlschmeckendem Holz getrages Finale. Blind verkostet. Ausgezeichnet, 94 Punkte.  Leider mit ca. 70 Euro Marktpreis in Deutschland kein Schnäppchen, aber dennoch jede Sünde wert.

Eine gelungene Antipode zu seinem Vorgänger dann der reifere Condrieu von Yves Gangloff aus dem Jahr 2004: Mollige Nase, reife, sehr rauchige Holzaromen, Krokant und Vanillespuren. Wenig Frucht vernehmbar. Ein weicher, extraktdichter Antrunk, der Wein balsamiert den Gaumen und kleidet ihn mit reifer Holzaromatik aus, auch deren Holzsüße. Leider gelingt hier die Balance zum Alkohol nicht so spielerisch wie beim Vorgänger, aber es ist nur wärmend, nicht brandig. Fächert druckvoll ölig und mittelang im Finale aus. Dürfte derzeit seine beste Seite als Essensbegleiter haben, er bleibt aber noch ausgezeichnet (90 Punkte). Blind verkostet.

Nächster Halt: Rotwein.

Mit Wein drei kam ein noch jugendlich wirkender Cornas Coteaux von Tardieu Laurent aus dem Jahr 2006 ins Glas. Pfeffer, Eisen, Teer und kirschkernige Bittermandel – wären da nicht die versöhnenden Aromen der Heidelbeere gewesen, die in dieser vielschichtigen Nase für Ausgleich sorgen, hätte dies ein Wein für harte Jungs werden können. So aber verbinden sich die Aromen angenehm zu einem animierenden Ganzen.

Im Mund auf der eher leichten Seite, was den Körper betrifft. Eine sehr klare Heidelbeer- und Kirschfrucht, flankiert von etwas Teeraromatik und einem feinen Herrenschokoladenton. Während sich das Tannin am ersten Abend noch harsch zeigte, präsentiert es sich nach 36 Stunden in der geöffneten Flasche dann weitaus zugänglicher (ab 2015+ trinken). Insofern kann ich die vergebenen 89+ Punkte (sehr gut) dann im Ergebnis auch bestätigt stehen lassen. Offen verkostet.

Als letzten Halt dieser kleinen Weinreise stand ein 2005er Cote Rotie von Ogier auf dem Programm, namentlich der Reserve de Domaine. Deutlich fülliger als der Cornas bietet der Ogier eine mollige Nase nach Brombeeren und würzigen Pfefferspuren. Im Mund überrascht er mit einer (mir zu pointierten) kräftigen Säure, die von der zarten Extraktsüße (nahezu) gepuffert wurde. Die Wahrnehmung ging bzgl. der Säurepräsenz ein wenig auseinander, für mich gab es aber einen kleinen Abzug in der B-Note. Einigkeit hingegen bei der schönen Kirschfrucht mit ihrer feingliedrigen Süße, auch das nicht trocknende Tannin gefiel uns, auch wenn der Wein noch einige Jahre benötigt. Mittellanges Finale. Darf, wie gesagt, noch einige Jahre reifen. Aktuell 89+ Punkte, wobei ich hier mehr Potential sehe als bei dem Cornas (so er denn die Säure mit mehr Reife besser einbaut).

Eine gelungene „Kurzreise“ an die nördliche Rhone!

Domaine des Remiziers Hermitage, 1985

Remiziers Hermitage, 1985 (100 von 1)Der Korken vollständig durchweicht und lässt sich auch nur unter großen Mühen in all seinen Einzelteilen aus dem Flaschenhals herauslocken. Dazu stinkt er noch wie ein altes, vermodertes Ölfass. Oh je, dass kann was werden. Im Glas zeigt er ein sehr helles durchscheinendes Ziegelrot mit orangen Reflexen und deutlichen Wasserrand. Der widerliche Muffton ist nach 10 Minuten vollständig verfolgen und es entwickelt sich eine erstaunlich tiefe Nase, die sofort an gereifte Shiraz erinnert. Neben der markanten Würze nach eingelegten Oliven, südländischen Gewürzen und luftgetrockneten Schinken, findet sich auch eine saubere rotbeerige Frucht nach Himbeeren und einem Hauch überreifen Erdbeeren, dahinter Assoziationen von Tankstelle. Insgesamt eine wohl balancierte, wenngleich zurückgenommene Nase. Am Gaumen von schlanker Statur, der Wein ist deutlich gereift und gehört jetzt auch getrunken, präsentiert sich aber noch intakt. Im Auftakt saubere, fragile rote Früchte, die spätestens zur Mitte aber deutlich ausdünnen und am Ende nicht mehr vorhanden sind. Es kommt aber eine schöne Würze nach Tapenade, Grillaromen und einem Touch Rosmarin auf, ebenfalls zeigen sich erneut empyreumatische Noten ala Teer und Kerosin, ohne dass sie mich weiter stören würden, hochreife, vollkommen integrierte Säure, er fließt sehr mild und unaufgeregt über den Gaumen, im eher kurzen Finish etwas trocknend. Das klingt jetzt alles nicht so toll, aber wir haben den Wein über den Abend mit Genuss vollkommen geleert, denn er bereite dank seiner schlanken Art viel Trinkfreude – zudem zeigt er einfach Herkunft.

Vom Fachhandel, Preis unbekannt, 86 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Michel & Stéphane Ogier Côte-Rôtie, 2007

Ogier Cote-Rotie, 2007-100Glänzendes, mitteltiefes schwarkirschenrot, blickdichter Kern. Jugendliches, jedoch schön entfaltetes Nasenbild, reife schwarze Früchte, im Vordergrund Blaubeeren, Brombeeren, Abrieb von der Zitrone, keinerlei Überreife zu erkennen, deutliche, etwas staubige Holzwürze, Teer, getrocknete Kräuter und rohes Fleisch verleihen dem Bukett Tiefe und zeigen Herkunft. Am Gaumen von mittlerem Körper, bei aller vorhandenen Konzentration eher ein leichter, feiner Wein, mit klarer, dunkler Frucht, erneut Zitrusnoten, rote Johannisbeere, rohes Fleisch und eingelegten grünen Oliven, die Säure pikant, lebendig und gelungen mit der Frucht verwoben, der Wein tänzelt, die Tannine feinporig mit sanftem Biss, die 50 % neues Barrique zeigen sich natürlich noch etwas vordergründig, erinnern an Rauchschinken und mildem Kaffee. Mittleres Finsish mit markanter Würze. Kann sich noch positiv entwickeln. Ein betont frischer Côte-Rôtie, der dank seiner eleganten Tanninstruktur schon jetzt mit Freude genossen werden kann.
Vom Fachhandel, 40 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

Domaine Santa Duc Gigondas, 2003

Nach drei Jahren gab es ein Wiedersehen mit diesem Wein:

Eine stattliche Nase, unheimlich kräuterwürzig, es duftet aus dem Glas als habe man darin Brombeeren in Averna mariniert (aber ohne irgendwelche Schnapsnoten), gepudert mit Herrenschokolade, nach dem Abtrocknen drapiert auf einem feinen Stück Leder, ein Hauch schwarzer Pfeffer oben drauf gestreut-  und fertig. Maskulin, animierend, ernsthaft. Zugegeben, eine etwas adsurde Metapher – und doch finden sich darin alle Leitaromen dieses Gigondas wieder.

Ein kühler, dunkelfruchtiger Antrunkt, ätherisch – kräuterwürzige Aromen im Verlauf. Wieder überrascht es, wie gut die 15% Alkohol eingebunden sind, der Wein hat nur dunkle Fruchtstrukur – aber keinerlei Fruchtsüße oder Alkoholaromen, er bleibt betont trocken und damit stimmig. Ein Wein mit etwas rustikalem Ausdruck  – aber wieder gänzlich überzeugend, denn was hier im Mund passiert, ein schönes Spiel von dunkler Frucht, betonten Kräutern, etwas Pfeffer und herber Schokolade, das weiss zu gefallen. Das Tannin ist noch immer präsent, aber feinporiger als noch vor drei Jahren und beileibe nicht austrockend. Vermutlich wird sich der Wein in zwei Jahren gänzlich rund zeigen. Ein Trinkgenuss ist dieser Charakterkopf aber heute schon, wenn man ihm nur zwei Stunden Belüftung in der Karaffe gibt.

Im Fachhandel, 17 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2016

[ERSTVERKOSTUNG 02/02/2010]

Undurchsichtiges Schwarzrot. In der Nase fällt sofort ein kräftiger Thymiangeruch auf, dazu Schwarzkirschen, Brombeere und mit weiterer Luft gehacktes Basilikum. Dazu viel röstiges Holz,  ein merklicher Schwarzpfefferton und wieder: röstiges Holz, diesmal in der Bitterschokoladenvariante. Etwas rustikal? Ja, aber nicht unangenehm, zumal sich das am Anfang etwas zu präsente Holz nach zwei bis drei Stunden in der Karaffe immer stimmiger einbindet.

Im Antrunk wärmend kraftvoll, trotzdem ätherisch, wieder deutlich Thymian im Geschmack. Dunkle Kirsche. Ein Bund Kräuter. Viel Extrakt, aber kaum Fruchtsüße. Eine sehr frische Säure. Vollreife Schwarzkirsche, viel Bitterschokolade. Dazu auch eine ordentliche Tiefe. Wärmender Alkohol – der Wein hat, wenn man die Temparatur im Glas ansteigen lässt, den rustikalen Charme eines verflüssigten Mon Cherie. Aber gänzlich ohne die Laszivität von Claudia Bertani. Nicht völlig überzogen, aber mehr als die 15 % Alkohol, die das Etikett von sich aus schon freimütig zugesteht, dürften es hier wirklich nicht sein; ein wenig Kühlung tut deshalb gut, bei gefühlten 14-15 Grad hält sich der Alkohol noch im erträglichen Rahmen. Ohne Bitterton.

Am Gaumen zunächst ein mundfüllendes Tanningerüst, dass sich wie eine Biss-Schiene trocknend über die Zähne legt, mit mehr Luft (und dann vorallem am zweiten Abend) wird dieser Eindruck aber harmonischer. Wieder dieser Schwarzpfefferton am Gaumen, der sich im deutlich mittellangen Nachhall zu der dunklen Frucht und den würzig-schokoladigen Holznoten hinzugesellt.

Ein universell einsetzbarer Winterwein, der sowohl zu Lamm als auch als Solist zu überzeugen weiss. Je mehr Luft er hatte, desto harmonischer wurde er. Weitere Lagerung erscheint mir deshalb angezeigt. Auch wenn es mit Claudia und ihm sicher nichts mehr werden wird… 2 Stunden in der Karaffe, dann offen über zwei Abende getrunken.

Im Fachhandel, 17 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), 2012-2015

Domaine Giraud Chateauneuf du Pape Les Gallimardes, 2004

2004-DGLG2004 ist immer öfter ein Chateauneuf-Jahrgang nach meinem Geschmack – nicht zu überkonzentriert, nicht zu hitzig. Und so zeigt sich auch dieser Wein eher von der „eleganten“ Seite – jedenfalls im Kontext Chateauneuf.

Eine strukturierte Nase besitzt dieser Wein, aromatisch sofort an Leder erinnernd, dann aber wird die leicht wärmende Nase fruchtfüllig mit Brombeer- und Johannisbeergeleé und etwas Zitrus. Das Holz ist präsent, schmeichelt aber aromatisch mit Krokantanklängen und feinem Kakaoduft. Mit mehr Luft auch Zigarrenkiste. Ein schichtenartiger Naseneindruck, hier ist für jeden etwas dabei… und das Gesamtbild gefällt. Der Wein braucht nur viel Luft. Frisch aus der Flasche wirkt er fast etwas abweisend. Mit einer Stunde in der Karaffe  dann Johannisbeerengeleé im Antrunk, ein charmanter fruchtsüßer Auftakt, gepuffert von einer frischen Säure. Dazu ein Melange von Kräutern und Zigarrenkiste, die dem Wein weitere Dichte geben, wobei der Wein (nur) einen mittleren Körper besitzt.Am Gaumen schokolandenkrokantig, aromatisch zudem mit dunkler Praline und Kaffee, nur ein wenig von wärmendem Alkohol geprägtes Finale. Das Tannin bleibt hier spürbar, aber es ist recht feinporig. Guter, balancierter Verlauf der einzelnen Komponenten.

Dies ist in Summe ein gelungener, regionaltypischer Chateauneuf (90 % Grenache, 10 % Syrah), der dank seiner Säure einen guten Trinkfluss hat. Er befindet sich in guter Trinkreife, es eilt aber nicht, ihn auszutrinken.

Eine Stunde dekantiert, was ihm wirklich gut tat, dann offen probiert.

Im Fachhandel gekauft, 32,50 EUR, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

E. Guigal Côtes du Rhône, 2007

Ich habe hier vor gut eineinhalb Jahren mal eine CdR-Trilogie mit Weinen von Edeka und leider mäßigem Erfolg veranstaltet (Teil 3 hier, die Links zu Teil 2 und 1 gibt’s dann dort im Artikel). Ich möchte nicht ausschließen, dass die eher schlechten Bewertungen auch damit zusammenhingen, dass ich mit CdR an sich nicht richtig warm werde. Danach habe ich aber jedenfalls eher die Finger davon gelassen. Nun ist mir hier in Boston kürzlich eine Flasche in die Hände gefallen, die mir schon durch ihren ungewöhnlichen Preis auffiel: Einen trinkbaren Rotwein für USD 10.- gibt es hier normalerweise nicht, und so schrecklich fand ich CdR bislang auch nicht, dass man es nicht mindestens mal probieren könnte. Von diesem Erzeuger ohnehin. Vielleicht wird das ja der neue Hauswein?

Kräftiges, aber trübes Rot im Glas. In der Nase Kirsche und Himbeere, viele Kräuter, Rauch, verbrannter Gummi, ganz leicht Leder, etwas kaltes Fleisch, ein Hauch Vanille. Die etwas dropsige Frucht wird durch die kräuterig-rauchigen Noten aufgefangen, der Alkohol (14%) stört nicht. Kommt mir sehr gebietstypisch vor.

Ähnliche Ausgewogenheit im Mund, angenehm widerständig-kratzig, kontrastiert von viel Fruchtsüße. Wieder Himbeere sowie Süß- und Sauerkirsche, die Kräuter, etwas Zedernholz. Trotz der Kratzigkeit mit einer geschmeidigen Textur. Im langen Abgang spürbarer, aber nicht störender Alkohol.

Mir gefällt das außerordentlich gut. 90, wie bei Parker zu finden, scheinen mir sehr viel, dazu fehlt mir das absolute „Wow“, aber nah dran ist er. Für USD 10.- ein Witz. Ich habe nachgekauft.

Aus dem Fachhandel, USD 9,99, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 20113

Domaine de Beaurenard Chateauneuf du Pape, 2004

Wenn im Rheinland der erste Schnee vom Himmel fällt, wird es Zeit für Chateauneuf. Die Wahl fiel bei erster Flockensichtung in diesem Winter auf die „Traditionscuvée“ des Hauses, die nächsthöhere Qualitätsstufe, der Boisrenard, hat noch Winterschlafpause. 2004 gilt im Chateauneuf als guter, vom Jahresvorgänger hell überstrahlter Jahrgang. Nach meiner bescheidenen Erfahrung behaupte ich aber, dass 2004 durchaus harmonischer reifen wird als so mancher hitziger 2003er. Auch die Galet rouge haben in der Region schließlich gekocht…

Mitteldichtes, eher helles purpurrot. In der Nase fallen zunächst würzige Holznoten auf, dazu Sauerkirsch als dominierende Frucht, viel Bitterschokolade und wieder würzige Kräutertöne. Keine alkoholische Beeinträchtigung. Die Nase bleibt eher leise, aber mit animierender Ansprache. Im Mund mittlerer Körper, kein Glycerin-Fett. Gute Harmonie im Antrunk, wieder Sauerkirsche mit kräutrig-würzigen Nuancen, auch feine Orangentöne. Die Säure ist frisch, aber gut eingebunden. Jugendlich sind dagegen noch die Holzeindrücke, hier fehlt noch das letzte Quentchen Harmonie. Das Tannin ist noch etwas ruppig, aber nicht gänzlich trocknend. Mit Luft werden die Eindrücke zunehmend kraftvoller, mit steigender Wärme kann der Wein im letzten Drittel auch seine 14,5 % nicht mehr verleugnen. Willkommen in Chateauneuf! Mittellanger Nachhall, nicht unbedingt von kompromissloser Komplexität geprägt – Frucht und Holz gehen aber eine gelungene Verbindung ein. Ich sehe noch Harmoniepotential mit weiterer Reife.

Offen und über zwei Abende getrunken.

Im Fachhandel gekauft, 14,90 Euro, 84+ Punkte (gut), ab Ende 2012

Clos des Papes Chateauneuf du Pape, 2000

Leichte Trübung, Kirschrot mit durchscheinendem Kern und feinem braunen Rand. Zu Beginn recht verhaltene Nase, primär nach Kräutern und rotbeerigen Waldfrüchten. Dahinter eine leichte Acetonnote und ein Touch von kreidiger Mineralität. Nach drei Tage hat sich die Nase deutlich entwickelt. Sehr elegant strömen mir nun Kirsch- und Sanddornlikör-Aromen entgegen, daneben eingelegte Pflaumen und erste Altersnoten. Gefällt wegen seiner noblen Art.

Der Antrunk sehr saftig und fruchtbetont, viel Pflaumenmus, Waldbeeren und ein Touch Casis. Das Ganze ist samtig unterlegt von kräftigen, aber wunderbar eingebunden Tanninen. Überaus gelungen auch der Holzeinsatz, warme Rauchnoten und nur eine Ahnung von Speck verbinden sich delikat mit den Früchten. Der Abgang hat Länge und Klasse, nur die 14,7 % Alkohol zeigen sich dann doch ein wenig zu sehr. Nach drei Tagen wirkt der Wein noch harmonischer und weiß nun mit seinem robusten Körper den Alkohol fast gänzlich zu verpacken. Dabei bleibt er sehr geschmeidig und verspielt.

Ein toller Wein, den wir vielleicht 1-2 Jahre zu früh öffneten und der erst drei Tage später zeigen konnte, was in ihm steckt, obwohl nur noch ein kläglicher Rest in der Flasche war. Zu Hause in kleiner Runde blind mit Freunden verkostet. Zunächst sah ich 89 Punkte, aber heute deutlich über 90.

Im Fachhandel knapp 80 Euro,  91+ Punkte (ausgezeichnet),  jetzt bis 2020