Barolo und Freunde – eine Probe mit gereiften Piemontesern

Feature

Eine Piemont-Reise vermochte es, unseren Weinblog-Freund Norbert neu für die Weine aus Barolo und Umgebung zu gewinnen und sich doch noch in den Nebbiolo zu verlieben. Die Weine ließen ihn nicht mehr los, und so lud er nach Oberhausen ein auf eine schöne Probe mit gereiftem Barolo, Barbaresco und Brunello. Die Reise ging zurück bis in die siebziger Jahre, so waren wunderbar mürbe Weine zu erwarten. So richtig überraschen sollten uns aber an diesem Abend etwas anderes. Weiterlesen →

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Mauro Veglio Barbera D´Alba, 2008

MVBdA08Richtig viel Wein für überschaubares Geld – dies fasst die nachfolgende Verkostungsnotiz im Kern zusammen. Ich war doch überrascht, wie vielschichtig sich dieser vermeintlich „einfache“ Barbera ohne Lagenbezeichnung zeigte. Gut gemacht, Mauro Veglio!

In der Nase eine angenehm vielfältige Mischung aus roter Johannisbeere, Sauerkirsche und Zwetschge, schön und wohldosiert untermalt von krokantigen Holzaromen, die für eine weitere Geruchsdimension sorgen. Hinzu gesellen sich dunkle Kräuteraromen und eine Spur Zigarrenkiste, die ich ebenfalls der Fassreife zuschreibe – aber, das sei nochmals betont, bestens eingebunden und keineswegs vorlaut.

Im Mund von mitteldichtem Körper, gute Struktur im Auftakt, klare rote Frucht, saftig eingebunden in einen stützenden Holzkörper. Mit sortentypisch kräftiger Säure versehen – herrlich, so mag ich Barbera. Fruchtig klarer Verlauf, der aber nicht von einer zu fruchtsüßen Stilistik überlagert wird. Dies gibt dem Wein im Zusammenspiel mit der Säure einen hohen Trinkfluss. Abgeschmolzenes feines Tannin, sehr langes Finale mit schöner Nachhaltigkeit, in der Frucht und Holz bestens in der Balance bleiben, unauffälliger Alkohol (13,5%).

Trinkt sich nicht nur zum Essen ausgezeichnet, sondern bereitet auch im Anschluss noch hohes Trinkvergnügen. Und seinen Preis rechtfertigt der Wein spielend. Ob diese Leistung im Jahr 2008 nur ein Ausreißer nach oben war, werde ich sicherlich bei Gelegenheit mit anderen Jahrgängen testen.

Aus dem Fachhandel, 12 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis Ende 2016

Brezza Barolo Sarmassa, 2006

2006_Sarmassa_BrezzaIm Glas ein transparentes, rostiges Rubinrot, das von erster Reife zeugt. In der Nase – mit ein wenig Belüftung – eine kraftvolle, aber ausdrucksstark komponierte Varianz aus Rosen, Kirschessenz, Teer und Hagebutten. Es macht viel Spass, hier einige Zeit zu verweilen, bis der erste Schluck genommen wird. Mit mehr Luft kommt zwar ein Hauch Lackaroma auf – das stört hier interessanterweise aber überhaupt nicht.

Auch im Mund macht dieser ungeschmickt und pur wirkende Nebbiolo traditioneller Machart viel Vergnügen: im mitteldichter Antrunk geben rote Früchte den Takt vor, dazu kommen herbwürzige Altholzaromen und sortentypisch Rose, ein Hauch Teer rundet diesen Eindruck ab, hierbei zeigt er keine spürbare Süße, der Wein schöpft seinen Fruchtschmelz nur aus seinem dichten Extrakt.

Dieser Sarmassa wird im strukturierten Verlauf etwas kerniger, hier vermischen sich eine Spur Mineralität mit dem feinporigen, dennoch noch kernig wirkenden Tannin, das – jedenfalls am ersten Abend – für etwas spröde Adstringenz sorgt.  Ein Wein, den es zu erarbeiten lohnt. Die Frucht behält hier nämlich jederzeit die Oberhand, lang und geschmeidig zieht sie in den ausbalancierten und animierenden Nachhall.

Ein Wein mit insgesamt toller Struktur, der mich wirklich begeistert. Mit Essensbegleitung verschwindet die „Tanninstrenge“ dann sogar gänzlich – doch auch nach dem Essen macht dieser Wein nicht satt, trotz seiner 14 % Alkohol. Ein traditioneller Wein voller Ausdruck- kraftvoll und pur zugleich.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019+

 

 

Wunderbare Winterweine – ein kleiner Ausflug ins Piemont

Wenn der dunkle Winter schon lang ist und noch kein Ende absehbar, wird es Zeit, sich etwas Trost zu verschaffen. Wenn Ihr Euch fragt, welche Flaschen Ihr in solchen Zeiten aufziehen sollt: Weine aus dem Piemont eignen sich ideal dafür. Die schöne duftige Frucht ist betörend, der Körper sorgt für Wärme und Struktur, dazu kommt die Frische dieser wunderbaren Säureader, die Nebbiolo und Barbaresco so unvergleichbar macht. Da wir all das dringend nötig hatten, machten wir das Piemont zum Thema unseres tiefwinterlichen Beifangabends. Und auch wenn uns relativ klar war, welche Rebsorten uns erwarteten, verkosteten wir die Weine blind. Einfach nur, um uns nicht vom Genuss abzulenken. Weiterlesen →

Eine Reise ins Piemont – Barolo Jahrgang 2010

Piemont-Reise 2014 (125 von 121)Nach unserer Elsass-Reise im letzten Jahr (Hier lesen) lag unser Ziel diese Jahr deutlich südlicher. Piemont mit seinen sanften Hügeln, seinem Nebel in den Hängen, seinen pittoresken Ortschaften und natürlich mit all den großen Weinen und seiner vorzüglichen Küche. Seit über 20 Jahren war ich nicht mehr in diesem Landstrich und so war meine Vorfreude auf weiße Trüffeln, Pasta, Barbera und Nebbiolo besonders hoch. Traditionell haben wir uns zwei Weingüter pro Tag ausgewählt und abends ging es dann in die besten Lokale der Gegend.

Um die Anreise aus Bonn ein wenig entspannter zu gestalten, machten wir am Kaiserstuhl im Schwarzen Adler bei Franz Keller einen Zwischenstop. Nach einer kurzen Wanderung durch die Weinberge am Fuße des Kaiserstuhls, die reifen Spätburgundertrauben hingen prall am Rebstock, wurden wir dann im Restaurant herzlich in Empfang genommen. Um es der Küche ein wenig zu erleichtern, bestellten wir alle das fünf Gänge-Menü und beschäftigten uns anschließend intensiv mit der über 1000 Positionen umfassenden Weinkarte. Bei einer derartigen Auswahl und bei sieben Weinfreaks ist es nahezu aussichtlos eine für jeden adäquate Auswahl zu treffen. Der eine will nur in Burgunder schwimmen, aus einer anderen Ecke kommt erwartbar der Ruf nach Priorat-Weinen, die Schnäppchenjäger machen sich schon Sorgen um ihr Budget und der ein oder andere hat einfach nur Durst. Zum Glück war Bernd mal wieder bestens vorbereitet und sichtete bereits am Vortag die Karte und wählte zielstrebig die besten Tröpfchen aus.

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La Spinetta „Pin“ Monferrato DOC, 2001

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Wir verkosteten diesen Wein nach guter Gewohnheit zunächst blind. Und nach dem Aufdecken war es dann also da, das berühmte Rhinozeros von La Spinetta. Ein italienisches Weingut, wie es nicht besser in die italienische Geschichte passen könnte. Der arme Papa Giovanni Rivetti ging aus dem Piemont in die neue Welt Argentiniens, um Geld für ein eigenes Weingut in der Heimat zu verdienen. Zurück nach Italien kam aber erst sein Sohn Guiseppe mit dem Spitznamen „Pin“, dem dieser Wein seinen Namen verdankt. Giuseppe setzte das erste Weingut mitten in das berühmte Moscato-Gebiet. Mittlerweile sitzt La Spinetta im Herzen des Piemont und zählt mit seinen Barberas und Barolos dermaßen zur Spitze Italiens, das man darüber kaum mehr ein Wort verlieren muss. Das Etikett hat das Weingut auf besondere Weise berühmt gemacht. Der Rhino stammt übrigens von einem Stich von Albrecht Dürer und soll die Stärke und Robustheit des Weins anzeigen. Zum dem Cuvée aus Nebbiolo und Sangiovese könnte dies durchaus passen. Dass der Wein aber eine weit anmutigere Figur macht als ein Nashorn, zeigte die Verkostung:

Eine wunderschön würzige Nase, Kirschkerne, dazu rote Gewürze, Chili, Paprika, auch Noten von Mandeln, sogar Marzipan. Dazu gesellt sich ein leichter Lackton, der aber nicht störend ist. Was besonders gut gefällt, sind die erste Reifetöne, ein leichter Duft von Pilzen, Waldboden und frischem Roggenbaguette begleitet die intensive, würzige, durch die leichte Mandelnote gleichermaßen nobel wirkende Nase. Es fällt nicht leicht, den Wein zu verorten. Die Kirsch-Mandelnote lässt an einen Chianti denken, dazu passt aber nicht diese Spicyness. Nun gut, es wird zum Antrunk angesetzt. Im Mund zuerst aromatische Kirschen, begleitet von gereiften Holznoten, Kirschkerne, die auf schöne Weise gleich doppelt mit würzigen Noten flankiert werden — von roten getrockneten Früchten und ersten tertiären Aromen. Dann kommt die leicht süßliche wirkende Mandelnote, die schon in der Nase mitschwingt. Im Mund wirkt sie versöhnend und nobel, sie macht den Wein komplett und wirkt wunderschön im Abgang, der auch noch duftige Noten welker Blumen zum Vorschein bringt. Struktur kommt über eine ordentliche Säure, die aber schon weich und sehr trinkig ist. Die Tannine sind noch leicht spürbar, aber ebenfalls weich und aromatisch. Mittlerer Körper, der Blick aufs Etikett offenbart 14 Prozent, die man in dem Wein aber vergeblich sucht. Mittlerer bis langer Abgang. Der Wein entwickelt sich mit viel Luft sehr gut. Am nächsten Tag ist er sogar noch besser.

Im Keller gefunden, Preis heute bei ca. 40 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2018 trinken

La Spinetta Barbera d´Asti Superiore Bionzo DOC, 2005

La Spinetta Barbera Bionzo, 2005-100Intensiv bläulich-schwarze Farbe, zum Rand violett- und purpurrot, so gut wie keine Aufhellung. Ausgeprägtes Bukett mit intensiven Duft nach Schattenmorellen, Pampelmusen, etwas Blaubeeren und Preiselbeeren, dahinter florale Anklänge, dunkle Schokolade, Bleistift und Sandelholz, Lackton, wirkt noch jugendlich verschlossen und unruhig, zeigt seine Klasse an. Am Gaumen dicht, jugendlich kompakt, im Auftakt konzentrierte dunkle Früchte, viel Kirsche, pfeffriger Eindruck, noch vom neuen Holz gezeichnet, Kakao, Herrenschokolade, würzige Tannine mit Grip, zart trocknend, sehr gute Grundlagen, reichhaltige Substanz, reife, saftige Säure, gewünschte Rustikalität, aktuell passend zu kräftigen Speisen, als Solist weitere fünf Jahre liegen lassen, sehr guter, fordender Nachhall. Ein sehr guter, weil typischer Barbera, der das ganze Reifepotential dieser Rebsorte aufzeigt. Erneut ein wirklich überzeugender Wein von La Spinetta. Hat noch eine lange Zukunft, mit Verbesserungspotential, vor sich. Kein Schnäppchen, aber sein Geld wert.
Vom Fachhandel, damals um die 30 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2024