Barolo und Freunde – eine Probe mit gereiften Piemontesern

Feature

Eine Piemont-Reise vermochte es, unseren Weinblog-Freund Norbert neu für die Weine aus Barolo und Umgebung zu gewinnen und sich doch noch in den Nebbiolo zu verlieben. Die Weine ließen ihn nicht mehr los, und so lud er nach Oberhausen ein auf eine schöne Probe mit gereiftem Barolo, Barbaresco und Brunello. Die Reise ging zurück bis in die siebziger Jahre, so waren wunderbar mürbe Weine zu erwarten. So richtig überraschen sollten uns aber an diesem Abend etwas anderes. Weiterlesen →

Mauro Veglio Barbera D´Alba, 2008

MVBdA08Richtig viel Wein für überschaubares Geld – dies fasst die nachfolgende Verkostungsnotiz im Kern zusammen. Ich war doch überrascht, wie vielschichtig sich dieser vermeintlich „einfache“ Barbera ohne Lagenbezeichnung zeigte. Gut gemacht, Mauro Veglio!

In der Nase eine angenehm vielfältige Mischung aus roter Johannisbeere, Sauerkirsche und Zwetschge, schön und wohldosiert untermalt von krokantigen Holzaromen, die für eine weitere Geruchsdimension sorgen. Hinzu gesellen sich dunkle Kräuteraromen und eine Spur Zigarrenkiste, die ich ebenfalls der Fassreife zuschreibe – aber, das sei nochmals betont, bestens eingebunden und keineswegs vorlaut.

Im Mund von mitteldichtem Körper, gute Struktur im Auftakt, klare rote Frucht, saftig eingebunden in einen stützenden Holzkörper. Mit sortentypisch kräftiger Säure versehen – herrlich, so mag ich Barbera. Fruchtig klarer Verlauf, der aber nicht von einer zu fruchtsüßen Stilistik überlagert wird. Dies gibt dem Wein im Zusammenspiel mit der Säure einen hohen Trinkfluss. Abgeschmolzenes feines Tannin, sehr langes Finale mit schöner Nachhaltigkeit, in der Frucht und Holz bestens in der Balance bleiben, unauffälliger Alkohol (13,5%).

Trinkt sich nicht nur zum Essen ausgezeichnet, sondern bereitet auch im Anschluss noch hohes Trinkvergnügen. Und seinen Preis rechtfertigt der Wein spielend. Ob diese Leistung im Jahr 2008 nur ein Ausreißer nach oben war, werde ich sicherlich bei Gelegenheit mit anderen Jahrgängen testen.

Aus dem Fachhandel, 12 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis Ende 2016

Brezza Barolo Sarmassa, 2006

2006_Sarmassa_BrezzaIm Glas ein transparentes, rostiges Rubinrot, das von erster Reife zeugt. In der Nase – mit ein wenig Belüftung – eine kraftvolle, aber ausdrucksstark komponierte Varianz aus Rosen, Kirschessenz, Teer und Hagebutten. Es macht viel Spass, hier einige Zeit zu verweilen, bis der erste Schluck genommen wird. Mit mehr Luft kommt zwar ein Hauch Lackaroma auf – das stört hier interessanterweise aber überhaupt nicht.

Auch im Mund macht dieser ungeschmickt und pur wirkende Nebbiolo traditioneller Machart viel Vergnügen: im mitteldichter Antrunk geben rote Früchte den Takt vor, dazu kommen herbwürzige Altholzaromen und sortentypisch Rose, ein Hauch Teer rundet diesen Eindruck ab, hierbei zeigt er keine spürbare Süße, der Wein schöpft seinen Fruchtschmelz nur aus seinem dichten Extrakt.

Dieser Sarmassa wird im strukturierten Verlauf etwas kerniger, hier vermischen sich eine Spur Mineralität mit dem feinporigen, dennoch noch kernig wirkenden Tannin, das – jedenfalls am ersten Abend – für etwas spröde Adstringenz sorgt.  Ein Wein, den es zu erarbeiten lohnt. Die Frucht behält hier nämlich jederzeit die Oberhand, lang und geschmeidig zieht sie in den ausbalancierten und animierenden Nachhall.

Ein Wein mit insgesamt toller Struktur, der mich wirklich begeistert. Mit Essensbegleitung verschwindet die „Tanninstrenge“ dann sogar gänzlich – doch auch nach dem Essen macht dieser Wein nicht satt, trotz seiner 14 % Alkohol. Ein traditioneller Wein voller Ausdruck- kraftvoll und pur zugleich.

Aus dem Fachhandel, 32 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019+

 

 

Wunderbare Winterweine – ein kleiner Ausflug ins Piemont

Wenn der dunkle Winter schon lang ist und noch kein Ende absehbar, wird es Zeit, sich etwas Trost zu verschaffen. Wenn Ihr Euch fragt, welche Flaschen Ihr in solchen Zeiten aufziehen sollt: Weine aus dem Piemont eignen sich ideal dafür. Die schöne duftige Frucht ist betörend, der Körper sorgt für Wärme und Struktur, dazu kommt die Frische dieser wunderbaren Säureader, die Nebbiolo und Barbaresco so unvergleichbar macht. Da wir all das dringend nötig hatten, machten wir das Piemont zum Thema unseres tiefwinterlichen Beifangabends. Und auch wenn uns relativ klar war, welche Rebsorten uns erwarteten, verkosteten wir die Weine blind. Einfach nur, um uns nicht vom Genuss abzulenken. Weiterlesen →

Eine Reise ins Piemont – Barolo Jahrgang 2010

Piemont-Reise 2014 (125 von 121)Nach unserer Elsass-Reise im letzten Jahr (Hier lesen) lag unser Ziel diese Jahr deutlich südlicher. Piemont mit seinen sanften Hügeln, seinem Nebel in den Hängen, seinen pittoresken Ortschaften und natürlich mit all den großen Weinen und seiner vorzüglichen Küche. Seit über 20 Jahren war ich nicht mehr in diesem Landstrich und so war meine Vorfreude auf weiße Trüffeln, Pasta, Barbera und Nebbiolo besonders hoch. Traditionell haben wir uns zwei Weingüter pro Tag ausgewählt und abends ging es dann in die besten Lokale der Gegend.

Um die Anreise aus Bonn ein wenig entspannter zu gestalten, machten wir am Kaiserstuhl im Schwarzen Adler bei Franz Keller einen Zwischenstop. Nach einer kurzen Wanderung durch die Weinberge am Fuße des Kaiserstuhls, die reifen Spätburgundertrauben hingen prall am Rebstock, wurden wir dann im Restaurant herzlich in Empfang genommen. Um es der Küche ein wenig zu erleichtern, bestellten wir alle das fünf Gänge-Menü und beschäftigten uns anschließend intensiv mit der über 1000 Positionen umfassenden Weinkarte. Bei einer derartigen Auswahl und bei sieben Weinfreaks ist es nahezu aussichtlos eine für jeden adäquate Auswahl zu treffen. Der eine will nur in Burgunder schwimmen, aus einer anderen Ecke kommt erwartbar der Ruf nach Priorat-Weinen, die Schnäppchenjäger machen sich schon Sorgen um ihr Budget und der ein oder andere hat einfach nur Durst. Zum Glück war Bernd mal wieder bestens vorbereitet und sichtete bereits am Vortag die Karte und wählte zielstrebig die besten Tröpfchen aus.

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La Spinetta „Pin“ Monferrato DOC, 2001

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Wir verkosteten diesen Wein nach guter Gewohnheit zunächst blind. Und nach dem Aufdecken war es dann also da, das berühmte Rhinozeros von La Spinetta. Ein italienisches Weingut, wie es nicht besser in die italienische Geschichte passen könnte. Der arme Papa Giovanni Rivetti ging aus dem Piemont in die neue Welt Argentiniens, um Geld für ein eigenes Weingut in der Heimat zu verdienen. Zurück nach Italien kam aber erst sein Sohn Guiseppe mit dem Spitznamen „Pin“, dem dieser Wein seinen Namen verdankt. Giuseppe setzte das erste Weingut mitten in das berühmte Moscato-Gebiet. Mittlerweile sitzt La Spinetta im Herzen des Piemont und zählt mit seinen Barberas und Barolos dermaßen zur Spitze Italiens, das man darüber kaum mehr ein Wort verlieren muss. Das Etikett hat das Weingut auf besondere Weise berühmt gemacht. Der Rhino stammt übrigens von einem Stich von Albrecht Dürer und soll die Stärke und Robustheit des Weins anzeigen. Zum dem Cuvée aus Nebbiolo und Sangiovese könnte dies durchaus passen. Dass der Wein aber eine weit anmutigere Figur macht als ein Nashorn, zeigte die Verkostung:

Eine wunderschön würzige Nase, Kirschkerne, dazu rote Gewürze, Chili, Paprika, auch Noten von Mandeln, sogar Marzipan. Dazu gesellt sich ein leichter Lackton, der aber nicht störend ist. Was besonders gut gefällt, sind die erste Reifetöne, ein leichter Duft von Pilzen, Waldboden und frischem Roggenbaguette begleitet die intensive, würzige, durch die leichte Mandelnote gleichermaßen nobel wirkende Nase. Es fällt nicht leicht, den Wein zu verorten. Die Kirsch-Mandelnote lässt an einen Chianti denken, dazu passt aber nicht diese Spicyness. Nun gut, es wird zum Antrunk angesetzt. Im Mund zuerst aromatische Kirschen, begleitet von gereiften Holznoten, Kirschkerne, die auf schöne Weise gleich doppelt mit würzigen Noten flankiert werden — von roten getrockneten Früchten und ersten tertiären Aromen. Dann kommt die leicht süßliche wirkende Mandelnote, die schon in der Nase mitschwingt. Im Mund wirkt sie versöhnend und nobel, sie macht den Wein komplett und wirkt wunderschön im Abgang, der auch noch duftige Noten welker Blumen zum Vorschein bringt. Struktur kommt über eine ordentliche Säure, die aber schon weich und sehr trinkig ist. Die Tannine sind noch leicht spürbar, aber ebenfalls weich und aromatisch. Mittlerer Körper, der Blick aufs Etikett offenbart 14 Prozent, die man in dem Wein aber vergeblich sucht. Mittlerer bis langer Abgang. Der Wein entwickelt sich mit viel Luft sehr gut. Am nächsten Tag ist er sogar noch besser.

Im Keller gefunden, Preis heute bei ca. 40 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2018 trinken

La Spinetta Barbera d´Asti Superiore Bionzo DOC, 2005

La Spinetta Barbera Bionzo, 2005-100Intensiv bläulich-schwarze Farbe, zum Rand violett- und purpurrot, so gut wie keine Aufhellung. Ausgeprägtes Bukett mit intensiven Duft nach Schattenmorellen, Pampelmusen, etwas Blaubeeren und Preiselbeeren, dahinter florale Anklänge, dunkle Schokolade, Bleistift und Sandelholz, Lackton, wirkt noch jugendlich verschlossen und unruhig, zeigt seine Klasse an. Am Gaumen dicht, jugendlich kompakt, im Auftakt konzentrierte dunkle Früchte, viel Kirsche, pfeffriger Eindruck, noch vom neuen Holz gezeichnet, Kakao, Herrenschokolade, würzige Tannine mit Grip, zart trocknend, sehr gute Grundlagen, reichhaltige Substanz, reife, saftige Säure, gewünschte Rustikalität, aktuell passend zu kräftigen Speisen, als Solist weitere fünf Jahre liegen lassen, sehr guter, fordender Nachhall. Ein sehr guter, weil typischer Barbera, der das ganze Reifepotential dieser Rebsorte aufzeigt. Erneut ein wirklich überzeugender Wein von La Spinetta. Hat noch eine lange Zukunft, mit Verbesserungspotential, vor sich. Kein Schnäppchen, aber sein Geld wert.
Vom Fachhandel, damals um die 30 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2024

Braida Bricco dell´Uccellone Rocchetta Tanaro, 1988

Bricco de Uccellone, 1988 (100 von 1)Ein weiterer Beleg dafür, welch eine Wellnesskur es für gereifte Weine sein kann, erst nach zwei Stunden der Entspannung in der Karaffe auf den Tisch zu kommen. Unmittelbar nach dem Aufziehen hatte ich nur einen recht unangenehmen Heizölduft in der Nase, dahinter überreife Früchte, wirkte alles verschoben – oh je, ein Wein weit über seinen Höhepunkt. Weit gefehlt. Die Karaffe war ein Jungbrunnen für diesen 100%igen Barbera und so präsentierte er eine eigenwillige, jedoch intakte Nase, duftet nach jugendlichen Sauerkirschen, Zitrusabrieb und eine herbe Würze, die an Knollensellerie erinnerte, aber so dezent und fein mit der Frucht verwoben daher kommt, dass es mir sehr gefällt, insgesamt von mittlerer Tiefe. Am Gaumen nicht sonderlich dicht, erneut mit herrlich klarer und jugendliche Kirschfrucht, auch schwarze Beerenfrüchte schmecke ich, alles ohne jede Überreife oder Alterston, wie ich überhaupt erstaunt ob der jugendliche Frische bin, die Säure fein und sehr erfrischend, bringt Zitrusabrieb in die Frucht, das neue Holz nur anhand einer feinen Kaffeenote erkannt, die Tannine komplett abgeschmolzen, der Wein kugelt aber nicht charmant, sondern tänzelt eher kühlfruchtig von pikanter, feiner Säure durchzogen über den Gaumen und lässt uns den Wein binnen kurzer Zeit leeren. Auch am Gaumen nicht sonderlich vielschichtig, aber herrlich gereift, ausgewogen und somit sehr trinkanimierend – eine hohe Kunst. Wer sagt eigentlich immer, dass Barbera nicht reifen kann?

Vom Fachhandel, aktuelle Jahrgänge um 40 Euro, 88 Punkte, jetzt bis 2015

Giacomo Conterno Barbera d´Alba Cascina Francia Serralunga d´Alba, 2006

G.Conterno Barbera Cascina Francia, 2006 (100 von 1)So langsam kommen die hoch bewerteten Jahrgäne 2004 bis 2007 im Piemont in eine erste Reifephase, zumindest soweit es den Barbera betrifft. Und so durfte heute endlich der Cascina Francia von Giacomo Conterno daran glauben, auf den ich mich schon über Jahr hinweg gefreut habe. Ich sollte nicht enttäuscht werden, hatte aber auch nichts anderes erwartet. Schließlich zählt der Cascina Francia zu den besten Weinbergen der Appelation Serralunga. Bis 2008 kamen alle Weine von G. Conterno aus dieser Lage, auch seine beiden legendären wie teueren Barolos.

Sein Barbera duftet herrlich intensiv nach hochreifen Brombeeren, Blaubeeren und Pflaumen, gut integrierte dunkelwürzige Holzwürze, Herrenschokolade, ein Hauch steiniger Mineralität und im Hintergrund Abrieb von der Limette, insgesamt eine expressive Nase mit Tiefe und Spiel. Mit zunehmender Wärme reizt der Alkohol die Schleimhäute, was bei 14,5 % Vol. kein Wunder ist. Am Gaumen ein kräftiger Körper ohne jede Hitze, gewaltige Konzentration, mit fleischiger Frucht im Antrunk, viel Pflaumen und erneut reife dunkle Waldbeeren, dunkle Herrenschokolade, die rauschende, pinkate Säure bringt Vitalität und Beweglichkeit in den Wein und führt ein herrliches Spiel mit der Frucht auf, erneut Abrieb von Zitrusfrüchten, enormer Biss, steinbetonte Mineralik, die fleischigee Frucht hält der Wein bis zum leider nur mittellangen Nachhall kraftvoll durch, die Zitrusnoten nehmen immer stärker zu und bilden mit den reifen Pflaumen ein stimmiges Duett. Ein packender, ungemein konzentrierter Barbera, der eindeutig als Essenswein komponiert wurde, aber auch als Solist viel zu bieten hat. Wer einmal wissen will was die Rebsorte leisten kann, sollte sich diesen Wein zulegen. Mit knapp 30 Euro sind sie dabei.

Vom Fachhandel, 28 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

Elio Grasso Barolo Rüncot, 1998

1998-EGBRSchon vor einigen Monaten hatte ich die sehr genussvolle Gelegenheit, diesen Wein im Glas zu haben. Damals hat er mich nachhaltig begeistert (was sich damals in meinerseits selten vergebenen fünfundneunzig Punkten wiederspiegelte), weshalb ich nochmals auf die Suche nach ihm ging. Eine zum Glück erfolgreiche Mühe, die dieser Wein erneut mit einer beeindruckenden Performance dankte…

Eine ungemein dichte Nase mit Tabak, Kakao und Kirschen en masse, ein Frucht-Schoko-Mix mit Sauer- und prallen Schwarzkirsche, der sich da vehement aus dem Glas drückt. Bei aller Kraft bleibt der Wein aber völlig in der Spur, keine Hitze vom Alkohol.  Dass der Wein reif ist, zeigen die Aromen anhand von Anklängen an Rinderbrühe und Unterholz – dominierend ist aber durchgehend die schokoladige Kirschfrucht, bereichert von etwas Piment. Ausdrucksstark und tief, diese Nase.

Körperreicher Antrunk, leichte Rumtopfaromen, reifes, dunkelrot-fruchtiges, molliges Obst. Dazu wieder Tabak. Sehr spannend, diese Melange. Wieder Reifetöne, die an Waldboden erinnern, doch dann übernimmt sofort wieder die rote Frucht das Zepter. Zusammen mit den Schoko- und Toffeearomen wird diese einfach nur betörend. Ein feiner Säurebiss sorgt – trotz seiner Dichte – für kompakten Trinkfluss. Das Tannin ist gänzlich rund und abgeschmolzen, der feine Film der bleibt wirkt saftig. Nachhaltiger  Verlauf, beeindruckend ist die Geschmacksintensität dieses Weines, die auch im Mund nicht zu hitzig wird. Ein in sich ruhender Wein, tiefenentspannt und ausdrucksstark, mit dichtem und langen Finale.

30 Minuten dekantiert – danach über den restlichen Abend begleitet.

Aus dem Fachhandel, 65 EUR, ausgezeichnet (94 Punkte), jetzt trinken

Weihnachtstasting am Chiemsee

Unger Weihnachtstasting 2012 Titel 2-100
Jedes Jahr im Dezember treffen sich um die 15 Winefreaks in Frasdorf in dem herrlichen Probenraum der Ungers, die heute sicherlich eine Kapazität in Sachen Bordeaux, Kalifornien und vielem mehr sind. Für mich war es die Premiere und so ließ ich mich einfach überraschen. Insgeheim hoffte ich natürlich auf meinen persönlichen ersten 100-Punkte-Wein. 100 Punkte war auf alle Fälle der Service der Ungers. Flott und bequem wurde man vom Flughafen nach Frasdorf kutschiert, das Hotel passt zum Ort, die Weißwurst, meine ersten nach 20 Jahren, war schmackhaft und die Küche sowie der Service während des Tastings auf ausgezeichnetem Niveau. Alle Bewertungen habe ich spontan notiert und auch nach dem Aufdecken nicht mehr verändert. Die Weine kamen in 3er- bzw. 4er-Flights blind auf den Tisch. Der Gastgeber geizte mit Hinweisen und so lagen wir eigentlich fortlaufend daneben. Blindtrinken macht eben demütig.

Los ging es mit zwei Weißweinflights, allesamt Chardonnays aus Kalifornien, ein Steckenpferd der Ungers. Es hätte uns Schlimmer treffen können.

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Bruno Giacosa Barbera D´Alba, 2005

Klarer, kirschfruchtiger Duft, florale Anklänge, leichte Würze und angenehme Teer-Aromen. Wirkt balanciert und gut entwickelt. Im Mund von mittlerem Körper, sehr klarer Auftakt, der von feinen Früchten und floralen Noten geprägt wird. Eingelegte Kirschen, erinnert etwas an Mon Chéri, dazu rote Beerenfrüchte, die Blütenaromen ähneln Orangenblüten und Rosenblätter, diese Komposition hält der Wein über den gesamten Verlauf durch, wobei er im Abgang noch einen süßen Spot bereithält, die Säure reif, aber elegant und im Spiel mit der Frucht, die Tannine sind perfekt gereift und das Holz ist kaum wahrnehmbar, auch der Alkohol fiel nicht weiter auf. Bleibt lange am Gaumen. Perfekt gereifter Barbera weil alle Komponenten harmonieren. Sehr animierend jetzt zu trinken. Nicht dekantiert, war im Glas sofort bereit, offen verkostet.

Im Fachhandel, damals 20 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2015

Cavallotto Barolo Riserva Bricco Boschis Vigna San Giuseppe, 2001

Gute Weinfreunde muss man haben, denn so kam ich in den Genuss dieses überaus geschmacksschönen Barolo. Er erinnerte mich daran, warum meine Leidenschaft mit Barolo begann. Er hatte alles, was ich an diesem Wein schätze. Schon in der Nase dieses bunte Bukett eines Blumenstraußes, in den sich vereinzelte Minzblätter geschlichen haben, auch deutlich Würzaromen von mediterranen Kräutern deuten sich an und natürlich die klare Sauerkirsche mit einem Hauch Tabak und Bitterschokolade. Alles eher schlank und fein gezeichnet. Hat gerade nicht das Fett von so vielen modernen Piemontesen. Insgesamt ein erstaunlich verspielter und tiefer Duft für diese schwachrote Flüssigkeit mit breitem Wasserrand. Am Gaumen Merkmale eines ehrlichen, traditionell hergestellten Barolo – feste Gerbstoffe und merkliche Tannine. Aber eben auch herrlich viel von der klaren Kirschfrucht und edlen Holzwürze, die an Zedern- und Süßholz erinnert. Nach dem saftigen, fruchtbetonten Antrunk treten im mittleren Verlauf erneut die Blütenanklänge auf, und süßlich, stoffige balsamische Noten geben dem Wein zunehmend Dichte. Der Wein wirkt noch sehr jung, ist höchstens soeben in der (aller)ersten Fruchtphase angekommen. Ich wäre aber nicht überrascht, wenn der Wein in 20 oder mehr Jahren noch mehr Spaß machen würde, denn zum Schluß greifen die Tannine ordentlich in den Gaumen und trocken den Mund noch etwas aus. Aber meine Güte, Barolo ist kein Kindergeburtstag. Das Etikett zeigt 14,5% an, nur gespürt haben wir davon nicht viel. Langes, nuanciertes Finish.

Kam blind auf den Tisch, um die 70 Euro, 92-93+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2021+

Weingut Massolino Nebbiolo Langhe, 2006

Leuchtendes, dunkles Rubinrot. Dieser Nebbiolo beginnt mit einer schüchternen, feinduftigen Nase, helle Herzkirschen, Himbeere, rote Johannisbeere. Klar gezeichnet, aber leise. Aromatisch ergänzt von Hagebuttentee, etwas Teer und filigran stützendem Karamell vom Holz. Ein metallischer Anklang rundet den zurückgenommenen Auftritt ab.

Mitteldichter Antrunk, eine strahlend transparente rote Frucht, die schon aus der Nase bekannt war: Himbeere, Johannisbeere und Hagebuttentee. Dazu eine frische, knackige Säure, die mit der Frucht ein gelungenes Wechselspiel eingeht. Den Alkohol schon noch gut einbindend. Zum Gaumen hin ein kantiges Tannin, das nur leicht trocknet. Zu meiner völligen Überraschung ist hier aber noch nicht Schluss, denn das Tannin zeigt sich nur kurz, um von einer nochmals anbrandenden Fruchtwelle gänzlich verdrängt zu werden. Fein auslaufender, aber nachhaltiger rotfruchtiger Abgang, der nicht vom Tannin beeinflusst ist.

Ein zarter, aber sehr klarer und feinkomponierter Wein – macht viel Trinkspass und neugierig auf weitere Weine dieses Gutes.

Aus dem Fachhandel, 17 EUR, 87-88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2013

Giacomo Bologna, B di Bradia Monferrato rosso, 2007

Giacomo Bologna gilt als einer der Urväter der Barbera-Traube. Mit seinem“ Bricco dell’ Uccellone“ und dem „Ai Suma“ hat es das Weingut zu Weltruhm geschafft – das man im Gegenzug die Weine des Weinguts nicht mehr zu günstigen Preisen bekommt, sondern gerne einmal 40-50 Euro für die zuvor benannten Weinpretiosen auf den Tisch legen muss, ist eine schon fast logische Konsequenz.

Ich erwartete nicht die Qualität dieser Spitzenweine, als ich diese Händlerabfüllung entdeckte, beileibe nicht. Diese Erwartung wäre auch naiv gewesen. Aber wir fanden einen sortenreinen Barbera vor, der sich als im besten Sinne „Preis wert“ entpuppte…

Dunkles purpurrot, eine kräftige Nase nach Schattenmorellen und Brombeere, Weihnachtsgewürze, Nelke und Zimt, Spekulatius, sanft vom Holz mit herben Röstnoten gestützt, weißer Pfeffer und eine Spur Graphit. Den Alkohol gut einbindend. Im Mund ein schlanker bis schon mittlerer Körper, deutlich schlanker als die Nase, was den Wein sehr trinkig macht, Sauerkirsche, wieder Weihnachtsgewürze, kirschkernig, leichte Schokonoten, wieder etwas Graphit. Allein in der Tiefe kommt der Wein nicht nach. Das Tannin sehr unauffällig, zwar leicht trocknend, aber kaum störend, die vitale bis schon kräftige Säure prädestiniert diesen Wein als Essensbegleiter und gibt ihm Rasse. Und der Wein schmeckt auch danach noch weiter, der Trinkfluss bleibt dank des ausgeglichenen Verlaufes voll bestehen. Mittellanger, dabei gut strukturierter Nachhall nach Kirschkonfit und Zimt.

Ein sehr guter Begleiter zur Vesperplatte mit italienischen Spezereien. Lecker. Auch der Inhalt der Vesperplatte…

Im Fachhandel gekauft, 9,50 Euro, 86-87 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2013