Agricola Punica Isola dei Nuraghi Montessu IGT, 2005

Im Glas ein blickdichtes dunkles Purpurrot ohne nennenswerte Aufhellungen. Die eher zarte Nase ist dominiert von Blaubeeren, säuerlicher Brombeere, Herrenschokolade und kaltem Rauch. Leicht laktische Noten treten hinzu, die Blaubeere wird zum Blaubeerjoghurt. Ätherische Noten runden den insgesamt gelungenen Auftritt der Nase ab.

Im Mund erweist sich dieser Sarde überraschend ätherisch kühl, eher schlanker Körper, Brombeere und Heidelbeere dominieren die Aromatik dieser angenehm süßefreien Frucht. Kräftige Säurestruktur, die nicht gänzlich eingebunden ist und leicht prägnant vorsteht. Feines, aber austrocknendes Tannin – aromatisch zwar mit Herrenschokolade und balsamischen Noten einhergehend, ich glaube aber nicht, dass der Wein diesbezüglich mit mehr Reife nochmals in einen ausgeglichenen Zustand übergeht. Zu einem Fleischgericht aber etwas weniger anstrengend. Schokoladen und Blaubeernoten auch im knapp mittellangen Nachhall – leider kippt der Wein im Finale noch merklich ins alkoholische – es bleibt eine Reminiszenz an etwas alt gewordenes „Mon Cherie“.

Letzteres hätte der Wein sich auch gut & gerne sparen können… denn bis dahin war diese Cuvée aus 60 % Carignano sowie je 10 % Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc durchaus ordentlich zu trinken – vielleicht hätte ich ihn aber auch schon ein oder zwei Jahre früher öffnen sollen. Da es eine Einzelflasche war, entfällt der Kollateralschaden.

Offen verkostet und dann undekantiert getrunken.

Im Fachhandel, 18 EUR, 84 Punkte (gut), jetzt trinken

Advertisements

Santadi Terre Brune Carignano del Sulcis, 1995

terre brune (1 von 1)Neben dem Turriga zählt der Terre Brune zu den großen Weinen Sardiniens. In der Jugend ist er meist aus gröberem Holz geschnitzt als der Turriga. Von einer zauberhaften Gegend umgeben wachsen die Carignano-Reben auf sandigen, kalkhaltigen Böden und werden oft erst Mitte Oktober gelesen. Für 18 Monate reift der Wein zunächst in Barriques und anschließend noch mal zwölf Monate in der Flasche. Mich begleitet der Wein bereits viele Jahre, denn schon oft zog ich zur obligatorischen Weihnachtsgans eine Flasche davon auf. Dabei war er aber nie älter als acht Jahre. Heute gibt es keine Gans, aber italienische Pasta, und auf der Suche nach einem geeigneten Esswein fand ich zufällig diesen 95er im Keller, ein gutes Jahr in Sardinien. Die Farbe verleugnet das Alter des Weines nicht: Kirschrot mit braunen Reflexen, rostbrauner Rand mit einem dünnen Wasserrand. Auch die Nase wirkt aufgrund seiner kompotteigenen Fruchtsüße gereift, hat aber Tiefe und scheint durch das Fundament aus Tabak und dunkler Schokolade noch aktiv. Eingelegte schwarze Kirschen, Pflaumenkompott, süßliche Kräuter, Anklänge von Wacholder und zarte Toastaromen vom Fassausbau kommen mir in den Sinn. Im Mund ebenfalls deutliche Altersnoten. Wirkt im Antrunk sehr warm, weich und mild mit ordentlicher Süße von eingelegten Beerenfrüchten, viel Heidelbeere und Wacholder. Daneben kandierte Kirschen, leicht stallige Noten, getrocknete holzige und leicht süßliche Gewürze und ein Hauch Pflaumen. Die Tannine zeigen sich als cremiger Schmelz auf der Zunge, und das Holz ist grandios weich, rund und perfekt eingebunden. Vermisse ich beim Antrunk noch die Säure, zeigt sie sich weiter hinten am Gaumen als intakt und stützt den fast langen Abgang nach Rauch, dunkler Schokolade und Vanille. Der Wein ist in seinem Spätherbst und sollte nun auch getrunken werden. Besser wird das nicht mehr, und worauf auch warten. Nicht totlagern, sondern die restlichen Flaschen jetzt leer machen. Den Wein nicht dekantieren, sondern sofort ins Glas. Zu Hause offen verkostet. 

Vom Fachhandel, damals 14 Euro (aktueller Jahrgang 32 Euro), 89 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Argiolas Cannonau di Sardegna „Costera“, 2005

2005-cocs6Sommerzeit ist Grillzeit. Wenn da die lästige Schafskälte nicht wäre. Andererseits ist diese auch kein überzeugender Grund, sich die Rostfreude vergellen zu lassen. Puristisch angehauchte Grillchefs schwören natürlich auf ein kühles Bier zum Steak, wir versuchten uns diesmal, gerade weil die Hitze ausgeblieben war, mit einem Sarden im Glas, einer Cuvée aus 90 % Cannonau, 5 % Carignano und 5 % Bovale Sardo — einer autochthonen sardischen Traube, die einen leicht herbwürzigen Charakter hat.

Dunkles Schwarzrot mit pupurfarbenen Reflexen am Rand. In der Nase Schwarzkirsche, dazu spannende florale Töne, die an Flieder und Veilchen erinnern, etwas kirschlikörig, rauchig. Im Antrunk eher rustikal, zunächst fällt wieder der Kirschlikör auf, dann Flieder, schwarzer Pfeffer und Bitterschokolade. Der Wein ist mit einer kräftigen Säure versehen, ihm dürfte als Solist der Charme fehlen, als Begleiter eines knusprigen Steaks ist der Auftritt aber überaus stimmig. Am Gaumen knapp mittellang, etwas herb trocknendes Tannin.  Wie beschrieben, ein guter Begleiter zum rustigen Anlass, aber eher kein Wein, der lange in Erinnerung bleiben muss — obwohl mir diese floralen Töne durchaus gefallen haben. 1 Stunde in der Karaffe belüftet, dann offen getrunken.

Im Fachhandel, 8,50 Euro, 83 Punkte (gut), in 2009 austrinken