2 Rotweine für den nächsten Grillabend

Passend zur Grillsaison und zum Steak vom Grill kamen zwei Rotweine ins Glas. Beide in der konsumentenfreundlichen Preisklasse bis 8 Euro, beide aus der Abteilung „Mittwochswein“, aber etwas anderes braucht es im Garten stehend auch nicht. Beide Weine sind sortenrein ausgebaut, einmal italienischer Nero d´Avola, einmal Blaufränkisch aus Österreich. Dass auch derart „einfachere“ Weine ein wenig Lagerung danken können, bewiesen diese beiden Kameraden…

Terre di Campo Sasso Nero d´Avola IGT, 2008

Dunkles blickdichtes Schwarzrot. Eine animierende Nase ohne jede Alkoholschwere, stattdessen eine satt fruchtige Amarenakirsche, ein Hauch Minze, dahinter leicht herb wirkende dunkle Würznoten. Sehr schön seine fruchtige Seite betonend, ohne gefällig oder einfältig zu wirken.

Kirschbetonter Antrunk, auch hier ohne alkoholische Beeinträchtigung, fast schon kühle vermittelnd spielt dieser Nero d´Avola mit seiner klaren, etwas kirschkonfittigen Art, leichtfüßig, nicht sonderlich tief, aber süffig. Keine störende marmeladige Süße, die man ja gerne mitunter in sizilianischen Weinen antreffen kann. Hier hingegen passt es. Weiter zur Trinkigkeit verhilft dem Wein seine frische Säure. Zum Finale zeigt sich ein leichtes Tannin, das ein wenig trocknend ist, aber nicht stört, wird die Aufmerksamkeit doch sofort wieder auf die Aromen von Kirsch und – sehr gelungen – einer Spur Lakritz gelenkt. Das Finale eher kurz – der Zeitraum, bis die Flasche geleert ist, allerdings auch.

Im Fachhandel sind aktuelle Jahrgänge ebenfalls für unter sechs Euro erhältlich. Worth a look!

Im Fachhandel gekauft, 5,70 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt trinken.

Weingut Prieler Blaufränkisch Johanneshöhe, 2007

Dunkles purpurrot, durchscheineinender Rand. In der Nase ebenfalls Kirsch, aber nicht dieses klare Kirschkonfit, sondern Kirsch in Moll, eher vollreife Schwarzkirsche, auch ein Hauch Alkohol. Stimmig begleitet von Aromen, die an Marzipan erinnern. Im Mund mittelvoller Körper, neben reifer Schwarzkirsche eine Spur weisser Pfeffer. Veilchen. Ein angenehmer Kontrast entsteht dann im Verlauf zwischen dem leicht süßlichen Kirschfruchtkern und dem ins Herbe tendierenden Holzeindrücken. Wirkt auch etwas bittermandelig. Das leicht herbbittere Holz ist eher rustikal, das Tannin trocknet etwas aus am Gaumen, es hat aber wohltuend von der Reife profitiert. Weißer Pfeffer und Kirsch im aromatisch eher einfach gestrickten, aber durchaus mit guten Ansätzen zur Struktur einhergehenden knapp mittellangen Finale. Auch hier: passt sehr gut zu Grillfleischaromen!

Im Fachhandel 8 Euro, 83 Punkte (gut), jetzt trinken.

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Tasca D´Almerita „Camastra“ IGT, 2004

2004-TdACIch hatte mich schlicht verschätzt — trotz Belüftung von knapp drei Stunden in der bauchigen Karaffe zeigte sich dieser Wein am ersten Abend zunächst wie ein ungebetener Gast, den wohl jemand zur Feier mitgebracht hatte, ohne Einladung, versteht sich — grobschlächtig, uncharmant, dafür schon alkoholisiert. Gehören Sie hier zu jemandem? Nein? Dann danke ich für Ihren Besuch. Am Kragen gepackt und zurück in die Flasche geschleift. Kleine Denkpause in der Dunkelheit des Kühlschranks. Diese Behandlung hat erkennbar Wirkung hinterlassen, denn am Folgeabend hat dieser Besucher plötzlich Manieren und ein frisch gebügeltes Hemd angelegt.

Dichtes Schwarzrot, ohne Aufhellungen zum Rand hin. Geschmeidig und viskos liegt der Wein im Glas, seine ansprechende Nase ist eindeutig dunkelbeerig, mit einer Melange aus Kirschen, Kirschlikör, Brombeere, etwas Heidelbeere, begleitet von balsamischen Noten, kaltem Rauch und vanilligen Holztönen, die auf den deutlichen Barriqueeinsatz verweisen (14 Monate in französischer Eiche, so lässt es uns das Rückenetikett wissen). Seidig dicht und dunkelfruchtig im Antrunk, geschmacklich füllig zeigt der Wein vollreife Schwarzkirschen, dunkle Beerenfrucht, Teerspuren und den Geschmack der Hölzer. Der Alkohol ist spürbar, brandet aber nicht hoch. Die Bitternis vom Vortag ist nahezu gänzlich verschwunden, die dunkle Frucht hat vollends die Oberhand gewonnen. Präsente Säure, die überaus kraftvoll gegen die Frucht hält — mir ist sie aber fast eine Spur zu dominant. Abgeschmolzenes, nur leicht stumpfendes Tannin. Auch hier hat die Belüftung für mehr Harmonie gesorgt. Der Wein endet deutlich mittellang mit rauchiger Holzwürze, dunklem Nougat, etwas schwarzem Pfeffer und einem Korb voller dunkler Waldfrüchte.

Diesen Wein als Charakterkopf zu bezeichnen, wäre für ihn etwas zu viel der Ehre — dafür erscheint er doch ein wenig zu sehr gemacht — wenngleich auch gut! Man gebe ihm viel Luft und etwas Fleischbegleitung zur Seite, dann wird er auch bei Ihnen zum gern gesehenen Gast werden. Offen verkostet, über zwei Tage getrunken.

Im Fachhandel bezogen, 13 Euro, 85 Punkte (sehr gut), ab Herbst 2010 bis 2012