Fanti San Felippo Brunello di Montalcino, 2004

Blickdichtes Purpurrot. In der ausdifferenzierten Nase Schwarzkirsche, etwas Brombeere, schön ummalt von animierenden Düften dunkler Schokolade und Krokant. Die Frucht wirkt in der Nase wohltuend kühl und ätherisch, was dem Wein eine angenehme Frische gibt. Erst mit mehr Luft entwickeln sich speckige Noten, die noch eine weitere Dimension hinzugeben. Leider kann die schichtenreife Nase die alkoholische Nuancen nicht ganz bedecken, es bleibt aber wohltuend vielfältig und sehr ansprechend.

Nach dem ersten Schluck macht sich die Gewissheit breit, dass dieser Sangiovese gerade erst in seiner ersten, gereiften Trinkphase angekommen ist: Vollmundiger, dicht gepackter Auftakt, klar und kühl die pralle Kirschfrucht, etwas würziges Lorbeerblatt. Eine schön eingebundene markante Säure, die wunderbar gegen die satte Frucht steht. Letztere wirkt wieder ätherisch kühl. Trockener Stil. Eine faszinierend klare und volle Frucht, die erst zum Gaumen hin von schmelzigen Schokotönen umspielt wird. Die Frucht wird gestützt durch noch kräftiges, aber feinporiges Tannin, dass sich bis in den deutlich mittellangen Nachhall (noch: leicht trocknend) fortträgt. Auch hier schwingen Noten der Kirschfrucht und Schokolade gelungen nach.

Ein wirklich ansprechender, modern erscheinender, aber keinesfalls „gemacht“ wirkender Wein.

Offen verkostet, zwei Stunden dekantiert.

Im Fachhandel gekauft, 34 EUR, 90-91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2016

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Castello dei Rampolla Sammarco, 1999

Ach, ich mag unsere Redaktionskonferenzen. Während wir da die Übernahme der Weltherrschaft die zukünftige Gestaltung dieses kleinen Blogs planen und weiter entwickeln, ergibt sich immer wieder die Gelegenheit, sich an den mitgebrachten Weinen zu erfreuen. „Weine mit dem Schwerpunkt Cabernet Sauvignon“ lautete die Regieanweisung für den Abend. Schon gut, dass wir kein Milch-Blog sind.

Dunkles Purpurrot. Eine rotfruchtige, dichte Sauerkirschnase wartet da im Glas, wärmend und schmeichelnd, aber nicht zu alkoholisch. Tabak und Toffee, etwas verhaltener auch Vollmichschokolade. Konzentriert und eine Spur füllig-vollfruchtig ist auch der Antrunk, saftige Johannisbeere, wieder diese schmeichelnde Sauerkirschnote, etwas Kräuter, mittlere Tiefe. Eine sehr angenehm eingebundene Säure. Der Wein hat Zug zum Gaumen hin, nimmt auch das Holzaroma, Toffee und Kaffee, schön mit. Hier aber fächern sich die Aromen (noch?) nicht sonderlich auf, der Wein bricht etwas undifferenziert ab. Das Tannin ist noch jugendlich und haftet am Gaumen, der Abgang ist nur mittellang. Potenzial ist aber erkennbar. Von mir blind verkostet, der Wein war circa zwei Stunden belüftet.

Im Fachhandel aktuell für ca. 60 Euro zu erwerben, 88+ Punkte (sehr gut), ab 2012+

Fassati „Pasiteo“ Vino Nobile de Montepulciano, 2004

Kräuterige und deutlich dunkelbeerige Nase mit einem Schwerpunkt auf Brombeeren. Eine beachtliche Fruchtsüße und ein noch junges, vanilliges Holz würden diesen Wein ein wenig schwerfällig erscheinen lassen, wäre da nicht gleichzeitig eine dezente Mineralik und eine erdige sowie eisen-artige Note. Auch am Gaumen wirkt das Holz noch ein wenig übertrieben, Vollmilchschokolade schmeckt man, die Tannine sind noch körnig, der Wein ist einfach jung. Eine schöne Struktur zeigt sich aber schon, kühl, mit frischer Säure, Wacholder und auch einigen Ecken und Kanten, die sich noch ein wenig abschleifen werden. Die Frucht hingegen ist mir etwas zu einfach, wieder Brombeere, das war’s. Der Verlauf wirkt derzeit noch nicht vollständig, hier müsste sich noch einiges öffnen, damit man mit diesem Wein wirklich zufrieden wäre. Trotzdem animiert er immer wieder zum Schnuppern und Hineinschmecken, man forscht und sucht, und wenn man auch derzeit noch nicht so richtig fündig wird, so schafft er es doch, der Pasiteo, dass man ihm etwas zutraut. Das ist doch schon was.

Vom Fachhandel, 9.- Euro, 84+ Punkte (gut), Ende 2010 bis 2013

Tattino Villa a Sesta Chianti Classico Riserva, 2006

villaasesta_32006 sorgte der 2004er dieses Chiantis für einigen Wirbel, weil er quasi aus dem Nichts im Gambero Rosso auftauchte, und das auf Anhieb mit 2 Gläsern. Nun im Glas der 2006er: Ein leuchtendes Rubinrot mit dunklen Reflexen. In der Nase eine duftige, zugleich frische wie süßliche Primärfrucht mit viel Kirscharoma, auch etwas Johannisbeere und Gewürze wie Nelke und Muskat. Im Antrunk eine saftige, noch etwas unruhige Säure, die aber schnell harmonisch wird. Aromen mit viel Kirsche, Wacholder, leicht nelkigen und pimentartigen Holznoten und zartbitteren Tönen von Radicchio. Ein auffällig dichtes, fruchtsüßes Extrakt. Die Tannine sind herb, aber nicht trocknend, mehr pulverig und kühlend. Der Abgang hat einige Länge. Sicher kein komplexes, tiefes Gebilde, aber dafür ein ungemein trinkiger Chianti Classico mit einem ausgeprägten, äußerst leckeren Kirscharoma und auf den Punkt gewirkter Holznote. Wirklich gut gemacht! Auch am Folgetag noch stimmig mit etwas schwächerer Nase. Nicht dekantiert und offen zu Hause verkostet.

Im Fachhandel, 12,30 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), jetzt bis 2011

Tenuta Donna Olga Rosso di Montalcino, 2004

Zum Jahresanfang fragt man sich ja in geübter Regelmäßigkeit, was das neue Jahr für einen alles übrig haben wird. Den Blick in die vernebelte Glaskugel würden viele ja gerne schon zum Silvesterabend wagen. Ich halte mich da lieber an die Fakten, und zugegeben, auch bei mir befindet sich die Wahrheit im Glas. Und auch das Weingut, von dem dieser Wein stammt, klingt ein wenig nach Wahrsagung — Donna Olga. Madame bittet zu Tisch und liest für Sie aus dem Depot:

Frisch aus der Flasche ist der Wein, ein sortenreiner Sangiovese,  zunächst seltsam krautig vegetabil, auch ein ganz leichter Gummiton und weihnachtliche Gewürze, besonders eine starke Anisnote, sind zu riechen. Erst mit sehr viel Luft verfliegt diese etwas seltsame Melange, dahinter öffnet sich eine Nase, die — recht fokussiert — an sahnige Kirschen erinnert. Im Mund recht saftige Kirschfrucht, auch etwas Harz, mittlere Dichte, ein klein wenig zu präsenter Alkohol, weshalb der Wein etwas an Harmonie einbüßt. Der Wein hat eine präsente Säure, die sich mit Luft besser einbindet. Das Tannin ist feinkörnig, der Abgang mittellang. Kein schlechter Start ins Jahr 2009, aber es bleibt doch noch Luft nach oben in den kommenden 363 Tagen. Offen verkostet, drei Stunden in der Karaffe, zu Hause.

Im Fachhandel, 13 Euro, 84 Punkte (gut), Ende 2009 bis 2011

Tenuta dell`Ornellaia Le Volte, 2003

Tiefdunkles Purpurrot. Leder, auch verhalten stallig, dahinter Amarenakirschen und etwas Kräuter in der kraftvollen Nase. Kernig. Im Antruck dicht, aber nicht fett, mit feinster Extraktsüße. Geschmacklich ist diese Cuvée durchaus differenziert, mit schwarzen Kirschen, dunklem Nougat und einer Sangiovese-typischen Säure, die sehr präsent ist. Der Alkohol ist gut eingebunden. Ganz hinten dann auch grüne Paprika. Mittellanger, von der Frucht und Holz getragener, recht harmonischer Abgang. Faszinierend aber sind die Tannine. Sie ziehen sich wie ein hauchdünner Film über den Gaumen, absolut geschliffen und feinporig. Hier merkt man noch am ehesten seine Herkunft. Der Wein war ein insgesamt sehr schöner Begleiter für ein kraftvolles italienisches Essen. Solo wäre er nicht meine erste Wahl, denn da drängt sich die Säure dann doch etwas zu stark in den Vordergrund. Er hat gegenüber einer früher getrunkenen Flasche etwas an Frucht verloren – nicht nur draußen hat der Herbst begonnen. Offen verkostet, zu Hause, undekantiert.

Im Fachhandel, 15 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt trinken

Il Palazzone Brunello di Montalcino, 1995

Leicht trüb im Glas, ein dunkles Rostrot mit orangen Reflexen und Wasserrand. In der Nase kräuterwürzig, leicht salzig mit Schwarzkirschen, Teer und Leder, nach hinten animalische Anflüge. Im Mund kühl und für sein Alter erstaunlich kraftvoll. Eine saftige Säure, viel reifes Tannin, den Gaumen noch etwas austrocknend. Sehr gut gealtert. Im Mund ist der Aromakern noch weiter geöffnet und verströmt die Leitaromen von dunklen Kirschen und würzigem Leder, gemischt mit süßen Brombeeren und Schokolade. Schöner langer, charaktervoller Abgang. Dabei nach hinten hin etwas grüne Noten wie von den Beerentanninen. Insgesamt ein muskulöser, aromastarker Brunello im besten Alter.

Als Gast mitverkostet, 90 Punkte (ausgezeichnet), bis 2010