Azienda Foradori Teroldego Vigneti delle Dolomiti IGT „Granato“, 1999

1999-FGDer Zufall bescherte uns diesen Wein ins Glas. Wir saßen in einem Restaurant und durchstöberten die Weinkarte, die einen wenig inspirierenden Eindruck hinterließ – fast jedenfalls, denn Foradoris einfacher Teroldego Rotaliano ist natürlich immer eine Option – und auf dieser Karte auch einer der wenigen Weine, der eine Versuchung wert gewesen wäre.

Leider kam auf unsere Order hin nur ein enttäuschtes „der ist aus“ von der Kellnerin. „Aber ich hätte da noch einen Wein, außerhalb der Karte – ich muss nur den Chef mal fragen, was der kosten soll. Den Granato. Kennen Sie?“ Nicken unsererseits. „Sie sind interessiert?“  Natürlich waren wir das. Und so kam dann dieser wunderbare Wein zu einem guten Kurs ins Glas…

Frisch aus der Flasche noch etwas verschlossen, entwickelte der Granato ab dem zweiten Glas eine wunderbar differenzierte und eher feminine Kirschnase mit komplexen Reife- und Holztönen (angedeutet Oliventapenade, etwas Leder, dazu eine wunderbar animierende Vollmilchschokolade vom Typ „herbe Sahne“), die zum Ende hin noch etwas Zigarrenkiste offenbarte. Dominierend aber die klare Kirschfrucht. Die Nase lies uns hoffen, einen feinen Wein in einem angereifen Zustand zu bekommen.

Und als echter „fine wine“ präsentierte sich Foradoris Spitzengewächs an diesem Abend, ein wirklich feingliedriges Exemplar, das fast schon „burgundische Züge“ und damit so gar nichts gemein hatte mit der etwas rusikaleren Art, die Teroldego Rotaliano oftmals zeigt:

Eine tiefe, pure Sauerkirscharomatik im Antrunk, weniger gereift als in der Nase, nämlich ohne tertiäre Alterstöne. Der Wein nimmt einen strukturierten, aber feinen Verlauf, mittlere Dichte, schöner tiefer Kirschausdruck, nur minimale und stimmige Fruchtsüße, dazu eine auf den Punkt sitzende Säure. „Wie elegant!“ ist ein spontaner Kommentar am Tisch.

Auch als der Wein im zweiten Drittel würziger wird (Teroldego halt), verliert er nicht seinen eher zarten und durchgehend balancierten Charakter. Alkoholprobleme? Überkonzentrierte Schwere? Nicht in diesem Wein, seine 13 % sind nicht zu spüren. Perfekt gereifte Tannine, sie sind cremig (!) und fein gezeichnet, sie stützen die animierend leckere Sauerkirschfrucht, sind aber schon sehr, sehr weit abgeschmolzen, was das Trinken zu einem sinnlichen Vergnügen macht. Das Holzmanagement stimmt ohne Abzüge, man schmeckt den Holzkontakt kaum mehr heraus. Und dieser fast schon filigran verbundene Trinkfluss aller Komponenten setzt sich auch im nachhaltig langen, würzig kirschfruchtigen Finale fort und beschert uns einen harmonischen und zutiefst eleganten Tropfen.

Offen über den Abend mit durchgehender Freude getrunken. Diese Flasche hatte perfekte Trinkreife. Unser Dank geht an alle Gäste, die den einfachen Teroldego ausgetrunken haben…

Im Restaurant, 60 EUR, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2016 trinken

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Elisabetta Foradori Manzoni Bianco Fontanasanta, 2010

Elisabetta Foradori hat sich in den letzten Jahren einen ausgezeichneten Ruf für Rotweine erarbeitet – Teroldego Rotaliano, mit dieser Rebsorte verbindet man in Weinkreisen zunehmend selbstverständlich den Namen Foradori. Seit dem Jahrgang 2009 finden sich im Weinprogramm der Trentiner Winzerin mehrere Weissweine, die streng nach biodynamischen Grundsätzen erzeugt werden. Die Amphore ist bei den Weissweinen – mit Ausnahme des heute im Mittelpunkt stehenden Weines – ein gängiges Arbeitsmittel.

Ergänzt wird das Weissweinportfolio seit dem Jahrgang 2010 also mit diesem Wein, einem Manzoni bianco, der – so die Quellen denn stimmen, eine Kreuzung aus Riesling und Weissburgunder sein soll. Nun denn, schauen wir dem Prämierenjahrgang, der nach Staltankbereitung und einjähriger Lagerung in Akazien- und Eichenholzfässern auf die Flasche kam, einmal unter den Korken…

Leicht altgoldenes Gelb mit etwas hellem Bernstein. In der Nase Kräuter, etwas Vanille und Karamell , herbe Orange und Zitrusnoten, die zurückhaltenden Fruchtnoten werden durch eine herb erscheinende Würze fest an die Hand genommen. Der Wein gewinnt an der Luft, eine Belüftung lässt den Wein expressiver werden.

Im Mund mit mittlerem Körper, eine feinnervigen, den Wein durchziehende Säure, feine Zitrusnoten, wieder Kräuter und eine dezente, stimmige Holzaromatik – sehr balanciert und gekonnt. Erst am Gaumen merkt man seine Jugend, die Aromatik wirkt hier noch sehr verschlossen und unentwickelt. Hier könnte sich noch etwas tun mit weiterem Zuwarten…

Der Wein bleibt insgesamt betont trocken und bietet sich damit als Essensbegleiter sehr gut an. In dieser Rolle dürfte der leicht wärmende Nachhall auch nicht weiter auffallen. Mittellanges Finale, in denen Holzwürze, Zitrusfrucht und Kräuter nocheinmal stimmig zusammenspielen.

Eine in Summe gelungene Premiere – mit weiterem Potential. Offen probiert.

Im Fachhandel gekauft, 17 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), 2013 bis 2015.