Kraftakt Pinot Noir VII — Frankreich gegen den Rest der Welt

Feature

Beginne das Jahr nicht mit kleinen Weinen. So halten wir es seit sechs Jahren mit unserem Kraftakt Pinot Noir und schickten 16 gereifte Spätburgunder ins Rennen. Dabei hatten wir diesmal so viele Franzosen und auch so viel Qualität wie noch nie am Start. Und trotzdem gab es endlich mal einen deutschen Sieger – einen wunderbar gereiften, superseidigen, auf ganz hohem Niveau charmanten Spätburgunder aus Heidelberg, den wir allesamt ins Burgund gesteckt hatten. Weiterlesen →

d’Arenberg McLaren Vale Vintage Fortified Shiraz, 2007

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Ein verstärkter Shiraz aus Australien. Warum das? Ein Modewein, ein Weinaccessoire? Weit gefehlt, nach Portugal und Spanien ist Australien das Land mit der längsten Tradition für diese Weine. Bis in die sechziger Jahre hinein stellten sie sogar die Spitze dar. Heute ist es nicht mehr nötig, Weine für die Weltumrundung nach Europa zu verstärken, und süße Rotweine finden nur noch in die Keller englischer Adelshäuser und neugieriger Weinfreaks. Im traditionsreichen Weingut d’Arenberg wird der Wein aber trotzdem noch produziert, um aufzuzeigen, wie gut schon die Weine der Großväter und Urgroßväter waren. Das Lesegut für den Fortified Shiraz wird aus den besten Lagen im Dead Arm gewonnen. Die Trauben werden etwas länger hängen gelassen, dann auf den Häuten vergoren, die Gärung wird mit einem speziellen Obstbrand unterbrochen, der selbst kein Holz gesehen hat. Dann lässt man die verstärkte Maische liegen, bevor der Wein gepresst wird und zum Reifen in die Fässer geht. Wie hochwertiger Vintage Port können auch die australischen Vintage Fortifieds eine schiere Ewigkeit reifen. Aber sie können auch schon jung getrunken werden, denn das Tannin ist zurückhaltend und die Weine sind nicht verschlossen.

Im Glas dunkelstes Rot, das Bukett ist voll beladen mit Düften von schwarzen Beeren, einer würzigen, leicht wilden Note, getrockneten Tabakblättern, auch weißem Pfeffer. Im Antrunk purzeln schönste süße schwarze Beeren, vor allem Brombeeren, über die Zunge, dazu gesellen sich getrocknete Aprikosen und Tabak. Dabei stimmt aber auch die ebenfalls beerige, integrierte Säure. Die intensive Frucht wird flankiert von mentholiger Kräuterfrische. Das ist auf niveauvolle Weise sehr wohlschmeckend. Dann aber folgt noch ein gewisser Kick. Den Wein durchziehen ätherische Kräuternoten, der Pfeffer wird jetzt weiß, dazu kommt eine gewisse Mineralität. Es folgt noch eine Note von getoastetem Holz, das der Wein ohne Zweifel gesehen hat, die sich in sahniges Karamell verwandelt und sich mit viel Schmelz in den schönen Abgang zieht, dieser könnte einzig mehr Länge vertragen. Am Ende bleiben traubige, brombeerig schmeckende, gereifte Tannine. Und Lust auf den nächsten Schluck — bei 18% vol. Alkohol!

Was soll ich sagen, ich bin ziemlich angetan von diesem Wein. Er ist in keinster Weise nur auf den einen Trinkzweck hin aufgehübscht, sondern hat Komplexität und bietet wirklich ein Maul voll schönsten Shiraz mit guter Würze und ein bisschen Wildheit. Und er ist nicht mal zu süß, trotz über 100 mg/l puren Zuckers. Die lange Erfahrung des Weinguts mit diesem Wein nehme ich ihm nach dem Verkosten voll ab. Das passt alles wunderbar. In diesem Film beschreibt Chester Osborn übrigens den Prozess genauer, mit wunderbarem Dialekt.

Aus dem Fachhandel, 16,50 Euro für die halbe Flasche, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt oder in der Ewigkeit trinken

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Winery Torbreck The Steading Barossa Valley, 1999

Torbreck The Steading, 1999 (1 von 1)Wer einen bezahlbaren Einstieg in hochwertige australische Rotweine sucht, findet mit dem „The Steading“ einen möglichen Kandidaten. Diese Cuvée aus Gernache, Shiraz und Mataro (ursprüngliche Bezeichnung von Mourvédre) ist so etwas wie der Gutswein, im besten Sinne, von Torbreck. Im besten Sinne meint, dass er die Kühle und Eleganz der leider sehr teuren Spitzenweine dieses Erzeugers andeutet und sogar richtig gut reifen kann. Auch bei diesem 1999er finde ich ein mineralisches, fein gezeichnetes Bukett mit Graphit, viel Kräuterwürze, Sauerkirschen und Blaubeeren, nur ein feiner Hauch vom Fassausbau, es kommt richtig Vorfreude auf, den Wein zu trinken. Am Gaumen ein herrlich saftiger Auftakt mit einem Korb voller Sauerkirschen und dunkler Waldbeeren, die von einer feinen Säurestruktur durchzogen sind. Dazu gesellen sich ein würziger Geschmack und feine Holznoten, die glücklicherweise jede Süße vermeiden, und nicht zu vergessen die steinwürzige Mineralität, die den Wein im gesamten Verlauf begleitet und auf der er auch langsam ausklingt. Der Wein ruht in sich, hat seinen harmonischen Höhepunkt erreicht. Ein ausgezeichneter Wein, der seine 14,5% Alkohol perfekt maskiert und der seine Rebsorten wie ein Schild auf der Brust trägt – am Tisch wurden genau die drei Rebsorten sofort erkannt. Ich möchte empfehlen, den Wein nun zu öffnen. Er wird sich noch ein paar Jahre gut halten, aber vermutlich nicht mehr verbessern.

Vom Fachhandel, ca. 30 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2017

Dunn Vineyards Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1990

Dunn Cabernet Sauvignin Napa Valley. 1990 (1 von 1)Dieser „einfache“ Napa Valley von Dunn ist im Jahrgang 1990 meines Erachtens seinem großen Bruder aus dem Howell Mountain ebenbürtig. Nach vier Stunden Belüftung in der Karaffe lässt er sich heute herrlich trinken. Duftet der Wein unmittelbar nach dem Öffnen intensiv nach Tinte, grünlichem Paprika und verschlossenen dunklen Waldberen, öffnet er sich mit der Zeit immer mehr. Meine Notiz fertigte ich nach vier Stunden in der Karaffe an:

Intensiv-kompaktes Bukett mit fruchtiger Cabernet-Aromatik, viel Creme-de-Cassis, feuchte Kieselsteine, Graphit, rotes Paprikagewürz, feinstes Sattelleder, glockenklare Frucht, überzeugender Duft, noch sehr jugendlich, er zeigt jedoch seine Tiefe an. Am Gaumen von mittlerem Körper, im Auftakt herrlich saftige Cabernet-Frucht, eine Mischung aus reifen Heidelbeeren und Cassis, dahinter Brombeeren, feine Süße, wirkt ungemein beweglich, sogar elegant und ist trotzdem von intensiver Saftigkeit durchzogen. Ein wenig nachgelagert, aber spielerisch mit der Frucht verbunden, eine an Graphit erinnernde Mineralität, erneut feinstes Leder, die Tannine geben die nötige Struktur vor, ohne trocknend zu wirken. Feiner Zug am Gaumen, die Säure mit der Frucht verschmolzen, komplex und gleichzeitig harmonisch, mit betont langem Nachhall. Ein ausgezeichneter Cabernet aus Napa, der jetzt nach 25 Jahren endlich seinen Höhepunkt erreicht hat.

Vom Fachhandel, ca. 100 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2030

Große Weine von der Wunschliste

fruehjahrsprobe-gruppenbild(Notizen: Rainer Kaltenecker, Fotografien: Thorsten Mücke)

Welcher Weinsammler hat ihn nicht: seinen Wunschzettel voller Weine, die man zumindest einmal im Leben im Glas haben möchte. Ein Phänomen dabei ist, dass dieser Wunschzettel mit mit den Jahren eher länger als kürzer wird, beim Wein werden wir alle zu kleinen Kindern, die den Hals nicht vollbekommen können. Daher lautet meine Geschenkempfehlung an alle Weinsammler der Welt der Korkenzieher, denn nur so wird die Liste kürzer. Und genau nach diesem Motto fand in Bonn dieses Jahr eine Probe nur mit Wunschweinen statt.

Die Sonne strahlte auf uns herab und so starteten wir auf der Terrasse mit einer herrlichen frischen, perfekt gereiften 1993er Spätlese Oberemmeler Hütte von von Hövel. Ein Saar-Riesling per Excellence, mit der typischen animierenden Saar-Säure, feiner Süße, sehr harmonischer Verlauf, erste Reifenoten, langer Nachhall. 92/100. Die Flasche leerte sich zügig. Anschließend ging es in die gute Stube und die Probe konnte beginnen.

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Kraftakt Spätburgunder – Teil IV

Kraftakt SB 2013 Titel 1 (100 von 1)Es gibt Verkostungsnotizen, die liegen einem wie Blei auf der Seele. Als Schriftführer dieses Kraftaktes ließ ich mein kleines schwarzes Büchlein im Januar 2013 bei den Gastgebern liegen. Und wie es der Teufel aka Zufall wollte, dauerte es über ein Jahr, bis das Büchlein wieder zurück in meinen Besitz kam. Spätestens damit hatten die Notizen eigentlich nur noch antiquarischen Wert. Dass das Protokoll gleichwohl geschrieben werden sollte, stand für mich außer Frage. Allein, wann Zeit dafür finden…

Unsere Leser sind daher heute nicht minder herzlich dazu eingeladen, in diesem Altertümchen zu stöbern; da ich an diesem Abend viel mtgeschrieben hatte, fiel es nicht schwer, die Notizen nun doch noch „mit ein wenig zeitlichem Nachlauf“ zu erstellen.

Da wir einige schöne Weine mit „Reserven“ am Start hatten, lohnt es sicherlich auch heute noch… [weiter lesen!]

Classic McLaren Shiraz La Testa, 1999

Classic McLaren La Testa Shiraz, 1999 (100 von 1)Erneut ein voll überzeugender Wein von Classic McLaren. Dies hat nichts mit dem Rennstall zu tun, sondern der Betrieb trägt den Namen seiner Herkunft, ein Tal im südlichen Australien. La Testa tragen seine Spitzenweine und bisher konnte mich noch jeder Wein überzeugen. Es sind hedonistische Weine voller Charme, Frucht und viel Struktur. Zu Weihnachten begeisterte mich bereit der Wein und so begab ich mich auf die Suche und auch diese Flasche ist einfach unglaublich lecker. In der erblühten Nase unmittelbar als Shiraz zu erkennen, diese einmalige Kräuterwürze, geöffnete Frucht nach reifen Himbeeren, expressive Eukalyptus- und Minznote, schwarzer Pfeffer, Teer und florale Anklänge, insgesamt harmonisch. Am Gaumen von mittlerer Dichte, herrlich saftiger, ja auslandender fruchtige Auftakt, ohne Überreife und Schwülstigkeit, neben der geöffnente Frucht, Bäche von Schokolade und Minze, immer wieder zeigt sich ein Abrieb von der Zitrone, Pfeffer, Teer, gänzlich abgeschmolzen Tannien, ein Schmusewein, der aber Tiefe und Spiel zeigt, das Holz präsent, aber von nobler Qualität und vermählt mit den Fruchtaromen, gute Länge. Ein delikater Shiraz aus Australien, der noch jede Suche und seinen Preis wert ist.

Vom Fachhandel, 51 Euro, 94 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019

Kraftakt Spätburgunder 5: Pinot Noir aus Frankreich, Deutschland und der neuen Welt

Kraftakt Burgund 2014 - Titel (100 von 1)Im Januar 2014 trafen sich die üblichen Verdächtigen im Gelpetal in Wuppertal bei Heiko, um ihre Nasen in Pinot Noirs aus allen möglichen Ländern zu stecken. Die fünfte Ausgabe des Kraftaktes für Spätburgunder stand an, und jeder brachte mal wieder zwei hochwertige Weine an den Start. Unser Master of Wine war in diesem Jahr Michael, der streng über die Güte der Vorschläge wachte. Um es vorweg zu nehmen, die Franzosen verwiesen erneut die Konkurrenz auf die Plätze, nur das Weingut Koehler-Rupprecht mit seinem ausgezeichneten 2002 Philippi „RR“  schob sich zwischen all die Weine aus dem Burgund, die aufgrund ihrer einmaligen Ausgewogenheit und Feinheit den anderen keine Chance ließen. Für mich wurde dabei auch mal wieder deutlich, dass hochwertiger Pinot Noir Zeit benötigt, um sich zu entwickeln, bis er seine ganze Feinheit und Finesse entfalten kann.

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Sauvignon Blanc around the World

Titel Sauvignon-Probe (100 von 1)Im Rahmen der Bonner Weinrunde konnte ich im Mai 2013 an einer überaus vielfältigen Sauvignon Blanc-Probe teilnehmen. Sechs Länder und noch viel mehr Ausbaustile standen auf dem Programm. Auch wenn mancher staunen möge, die Sauvignon Blanc-Traube kann geschmacklich höchst unterschiedlich ausfallen und ist oft meilenweit von dem in Deutschland vorherrschenden fruchtigen Bukett-Stil entfernt. Diese Probe sollte einen Eindruck von diesen unterschiedlichen Stilarten vermitteln und dieses Ziel wurde ohne Zweifel erreicht. Die Weine wurden blind verprobt. Hinter meiner Punktzahl findet sich das arithmetische Mittel der insgesamt 13 Probenteilnehmer. Ich danke ganz herzlich Thorsten, Karl-Heinz, Thomas und Michael für das Bereitstellen der Weine und die perfekte Durchführung der Probe. Es war mal wieder ein interessantes Erlebnis.

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Große Weine aus Kalifornien & Co.

Kalifornien Probe Titel (100 von 1)Kaum einer Weinregion habe ich bislang so wenig Aufmerksamkeit gewidmet wie Kalifornien. Grund dafür ist im Wesentlichen, dass man die Weine diesseits des Atlantiks nur selten im klassischen Weinhandel vorfindet und wenn doch, dann sind die einfacheren Weine zumeist im Kontext des zu erwartenden Genussfaktors im Zweifelsfall zu teuer, tja, und die wirklich reizvolleren Weine gehen gerne schon mit dreistelligen Euro-Preisen an den Start, was auch nicht dazu verführt, hiervon Mengen in den Keller zu legen.

Sehr erfreut war ich daher, als mich Bernd und Rainer zu dieser Probe im Mai 2013 einluden – die Proben-Umlage war angesichts des Line-up mehr als nur mit Augenmaß kalkuliert, weshalb ich diesen Investitionsbeitrag in meine vinophile Weiterbildung gerne in Kauf nahm – es war auf jeden Fall die bessere Entscheidung, in diese Überblick gebende Probe zu inverstieren als in eine oder zwei Flaschen Spitzenkalifornier…

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Gianni Paoletti Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1997

Gianni Paoletti Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1997 (100 von 1)Der Cabernet von Gianni Paoletti erfüllte punktgenau unsere Erwartungen an einen Cabernet aus Napa Valley. Eine noch sehr frische und ausdruckstarke Nase nach reifen Herzkirschen, dunkler Schokolade, viel, leicht süßlicher Minze, dahinter eine verhaltene Kräuterwürze, hat auch den charakteristischen charmanten Touch der Napas, keine intellektuelle Herausforderung, jedoch entsteht viel Vorfreude auf den ersten Schluck. Am Gaumen ist er ebenso typisch für einen hochwertigen Cabernet aus Kalifornien. Zum einen hat er Schmelz, charmante Extraktsüße, fleischige, dichte dunkle Beerenfrucht und Herzkirschen, er wirkt fast fett, ist jedoch sehr frisch, von mittlerem Körper, da juckt kein Alkohol und nerven keine überreifen Aromen, trotz der Süße bleibt der Wein stets frisch und trinkt sich angenehm leicht, stets im Hintergrund viel Minze, erinnert an After Eight, eine natürlich Minznote wäre mir lieber, feines, reifes Säurespiel, das Holz hält sich stark zurück, gibt dem Wein jedoch klare Konturen, wobei es im Nachhall leicht trockendend wirkt, mittlere Nachhall. Sein Stärke sind die glockenklaren und fleischigen dunklen Beerenfrüchte und Herzkirschen. Den Sekundäraromen fehlt es an Tiefe und Ausdruck, der Wein wird zwar nie langweilig, hält aber auch keine sonderlichen Überraschungen bereit. Trotzdem ohne Mühe ein ausgezeichneter Wein, ist aber in Deutschland recht teuer.

Vom Fachhandel, 89 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2027

Morgan Winery Barrel Selection Reserve Pinot Noir, 1994

Morgan Pinot Noir Barrel Select Reserve, 1994 (100 von 1)Helles durchscheinendes Kaminrot mit orangen Reflexen am Rande mit deutlichem Wasserrand. Eine fast burgundisch elegante und fein gezeichnete Nase. Auch die ausdruckstarke Würze nach getrockenten Kräutern und getrocknetem Fleisch erinnert an die alte Weinwelt. Deutlich gereifte rote Waldfrüchte, nussige Anklänge und merklich röstige Fassaromen nach Holzkohle. Wirkt trotzdem sehr elegant, packend und von ansprechender Harmonie. Am Gaumen von mittelkräftigem Körper, weiche, gereifte und ausdruckstarke Frucht im Antrunk, Himbeeren und rote Johannisbeeren sind prägend, erneut enorme Würze, luftgetrockneter, sehr feiner Schinken, weißer Rauch, getrocknete Früchte, insgesamt harmonisch wirkend, der Reifeverlauf weit fortgeschritten, aber jetzt perfekt zu trinken, hochreifes, vitales Säurespiel, ernsthaft, ohne jede aufdringliche Süße, würde ich blind ins Burgund stecken, einfach herrlich bis zur Mitte, leider hält der Wein dieses Niveau nicht ganz bis zum Ende durch, die Frucht trocknet ein wenig aus, dabei wird er zwar nie uncharmant, aber er isMorgan Pinot Noir Barrel Select Reserve, 1994 (2) (100 von 1)t einfach ein wenig kurz und ausdruckslos im Nachhall. Trotzdem ein überaus ansprechender  Tropfen, der für mich eine neue Facette von Übersee-Pinot Noirs aufzeigte.
Vom Fachhandel, 35 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Gereifte Weine aus Kalifornien – Teil 1

Titel 2 - Kalifornien Teil 1 (100 von 1)Manche Geburtstagskinder wollen nicht eingeladen werden, sondern laden selbst ein und machen daraus eine Weinprobe aller ersten Güte. Fritz, unser Geburtstagskind kochte dazu noch derart souverän und gut, dass er spielend mit jedem ambitionierten Restaurant mithalten könnte – ich lade ihn nur mit professioneller Küchenhilfe ein 🙂 . Ganz nebenbei kamen 16 herrlich gereifte Kalifornier ins Glas. Weine, die damals nicht Haus und Hof kosteten, aber heute gereift in beinah höchste Weingenüsse vorzustoßen vermögen. Sie widerlegten erneut sämtliche Vorurteile gegenüber amerikanischen Weinen. Manche Europäer pflegen ja immer noch das leidige Vorurteil Amerikaner sein in ihrem Charakter oftmals schlicht, gelegentlich gar grob und unkultiviert; ein gänzlich blödes und pauschales Vorurteil und gilt noch weniger für ihre vorzüglichen Weine. Denn sie sind oftmals voller Anmut und mit feinem Spiel und wer mag sich daran stören, wenn sie uns dabei mit ihren Vorzügen umschmeicheln. Die Weine kamen offen direkt nach dem Aufziehen ins Glas.

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Argyle Winery Pinot Noir Spirithouse Series Oregon, 2007

Argyle Spirithouse, 2007 (100 von 1) Sehr junge Pinot-Nase nach roten Beerenfrüchten ohne Überreife, rote Johannisbeere, Backpflaume, Orangenschale und kühle Zitrusaromen, das Holz drängt ungestüm nach vorne und versprüht den Scharm einer Schreinerei, aufgrund der tiefen und markanten Fruchtaromatik wird sich das Holz aber aller voraussicht noch gut einfinden. Am Gaumen von mittlerem Körper mit schlanker, kühler und überaus frischer rotbeeriger Frucht, frische Schlehen, rote Johannisbeere und Abrieb von Orangenschalen, die Säure sehr fein, heute vielleicht noch ein wenig zu forsch, das Holz wirkt am Gaumen nicht ganz so vordergründig und jugendlich wie in der Nase, trotzden (noch) zu präsent, aber von ansprechender Güte und hat gerade begonnen sich mit der Frucht anzufreunden, packend finde ich sie Zitrusaromen im weiteren Verlauf, frisch, sehr trinkanimierend, gute Tiefe und ein gute Länge sprechen für den Wein. Mein bisher, im Abstand, bester Verteter aus Oregon und deutlich raffinierte und eigenständiger als der Nuthouse vom selben Weingut. Hier beginnt der Spitzenwein, noch 4-5 Jahr weglegen.

Vom Fachhandel, 69 Euro, 91+ Punkte (ausgezeichnet), 2017 bis 2022