Kraftakt Pinot Noir VII — Frankreich gegen den Rest der Welt

Feature

Beginne das Jahr nicht mit kleinen Weinen. So halten wir es seit sechs Jahren mit unserem Kraftakt Pinot Noir und schickten 16 gereifte Spätburgunder ins Rennen. Dabei hatten wir diesmal so viele Franzosen und auch so viel Qualität wie noch nie am Start. Und trotzdem gab es endlich mal einen deutschen Sieger – einen wunderbar gereiften, superseidigen, auf ganz hohem Niveau charmanten Spätburgunder aus Heidelberg, den wir allesamt ins Burgund gesteckt hatten. Weiterlesen →

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Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Dunn Vineyards Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1990

Dunn Cabernet Sauvignin Napa Valley. 1990 (1 von 1)Dieser „einfache“ Napa Valley von Dunn ist im Jahrgang 1990 meines Erachtens seinem großen Bruder aus dem Howell Mountain ebenbürtig. Nach vier Stunden Belüftung in der Karaffe lässt er sich heute herrlich trinken. Duftet der Wein unmittelbar nach dem Öffnen intensiv nach Tinte, grünlichem Paprika und verschlossenen dunklen Waldberen, öffnet er sich mit der Zeit immer mehr. Meine Notiz fertigte ich nach vier Stunden in der Karaffe an:

Intensiv-kompaktes Bukett mit fruchtiger Cabernet-Aromatik, viel Creme-de-Cassis, feuchte Kieselsteine, Graphit, rotes Paprikagewürz, feinstes Sattelleder, glockenklare Frucht, überzeugender Duft, noch sehr jugendlich, er zeigt jedoch seine Tiefe an. Am Gaumen von mittlerem Körper, im Auftakt herrlich saftige Cabernet-Frucht, eine Mischung aus reifen Heidelbeeren und Cassis, dahinter Brombeeren, feine Süße, wirkt ungemein beweglich, sogar elegant und ist trotzdem von intensiver Saftigkeit durchzogen. Ein wenig nachgelagert, aber spielerisch mit der Frucht verbunden, eine an Graphit erinnernde Mineralität, erneut feinstes Leder, die Tannine geben die nötige Struktur vor, ohne trocknend zu wirken. Feiner Zug am Gaumen, die Säure mit der Frucht verschmolzen, komplex und gleichzeitig harmonisch, mit betont langem Nachhall. Ein ausgezeichneter Cabernet aus Napa, der jetzt nach 25 Jahren endlich seinen Höhepunkt erreicht hat.

Vom Fachhandel, ca. 100 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2030

Große Weine von der Wunschliste

fruehjahrsprobe-gruppenbild(Notizen: Rainer Kaltenecker, Fotografien: Thorsten Mücke)

Welcher Weinsammler hat ihn nicht: seinen Wunschzettel voller Weine, die man zumindest einmal im Leben im Glas haben möchte. Ein Phänomen dabei ist, dass dieser Wunschzettel mit mit den Jahren eher länger als kürzer wird, beim Wein werden wir alle zu kleinen Kindern, die den Hals nicht vollbekommen können. Daher lautet meine Geschenkempfehlung an alle Weinsammler der Welt der Korkenzieher, denn nur so wird die Liste kürzer. Und genau nach diesem Motto fand in Bonn dieses Jahr eine Probe nur mit Wunschweinen statt.

Die Sonne strahlte auf uns herab und so starteten wir auf der Terrasse mit einer herrlichen frischen, perfekt gereiften 1993er Spätlese Oberemmeler Hütte von von Hövel. Ein Saar-Riesling per Excellence, mit der typischen animierenden Saar-Säure, feiner Süße, sehr harmonischer Verlauf, erste Reifenoten, langer Nachhall. 92/100. Die Flasche leerte sich zügig. Anschließend ging es in die gute Stube und die Probe konnte beginnen.

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Kraftakt Spätburgunder – Teil IV

Kraftakt SB 2013 Titel 1 (100 von 1)Es gibt Verkostungsnotizen, die liegen einem wie Blei auf der Seele. Als Schriftführer dieses Kraftaktes ließ ich mein kleines schwarzes Büchlein im Januar 2013 bei den Gastgebern liegen. Und wie es der Teufel aka Zufall wollte, dauerte es über ein Jahr, bis das Büchlein wieder zurück in meinen Besitz kam. Spätestens damit hatten die Notizen eigentlich nur noch antiquarischen Wert. Dass das Protokoll gleichwohl geschrieben werden sollte, stand für mich außer Frage. Allein, wann Zeit dafür finden…

Unsere Leser sind daher heute nicht minder herzlich dazu eingeladen, in diesem Altertümchen zu stöbern; da ich an diesem Abend viel mtgeschrieben hatte, fiel es nicht schwer, die Notizen nun doch noch „mit ein wenig zeitlichem Nachlauf“ zu erstellen.

Da wir einige schöne Weine mit „Reserven“ am Start hatten, lohnt es sicherlich auch heute noch… [weiter lesen!]

Große Weine aus Kalifornien & Co.

Kalifornien Probe Titel (100 von 1)Kaum einer Weinregion habe ich bislang so wenig Aufmerksamkeit gewidmet wie Kalifornien. Grund dafür ist im Wesentlichen, dass man die Weine diesseits des Atlantiks nur selten im klassischen Weinhandel vorfindet und wenn doch, dann sind die einfacheren Weine zumeist im Kontext des zu erwartenden Genussfaktors im Zweifelsfall zu teuer, tja, und die wirklich reizvolleren Weine gehen gerne schon mit dreistelligen Euro-Preisen an den Start, was auch nicht dazu verführt, hiervon Mengen in den Keller zu legen.

Sehr erfreut war ich daher, als mich Bernd und Rainer zu dieser Probe im Mai 2013 einluden – die Proben-Umlage war angesichts des Line-up mehr als nur mit Augenmaß kalkuliert, weshalb ich diesen Investitionsbeitrag in meine vinophile Weiterbildung gerne in Kauf nahm – es war auf jeden Fall die bessere Entscheidung, in diese Überblick gebende Probe zu inverstieren als in eine oder zwei Flaschen Spitzenkalifornier…

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Gianni Paoletti Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1997

Gianni Paoletti Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1997 (100 von 1)Der Cabernet von Gianni Paoletti erfüllte punktgenau unsere Erwartungen an einen Cabernet aus Napa Valley. Eine noch sehr frische und ausdruckstarke Nase nach reifen Herzkirschen, dunkler Schokolade, viel, leicht süßlicher Minze, dahinter eine verhaltene Kräuterwürze, hat auch den charakteristischen charmanten Touch der Napas, keine intellektuelle Herausforderung, jedoch entsteht viel Vorfreude auf den ersten Schluck. Am Gaumen ist er ebenso typisch für einen hochwertigen Cabernet aus Kalifornien. Zum einen hat er Schmelz, charmante Extraktsüße, fleischige, dichte dunkle Beerenfrucht und Herzkirschen, er wirkt fast fett, ist jedoch sehr frisch, von mittlerem Körper, da juckt kein Alkohol und nerven keine überreifen Aromen, trotz der Süße bleibt der Wein stets frisch und trinkt sich angenehm leicht, stets im Hintergrund viel Minze, erinnert an After Eight, eine natürlich Minznote wäre mir lieber, feines, reifes Säurespiel, das Holz hält sich stark zurück, gibt dem Wein jedoch klare Konturen, wobei es im Nachhall leicht trockendend wirkt, mittlere Nachhall. Sein Stärke sind die glockenklaren und fleischigen dunklen Beerenfrüchte und Herzkirschen. Den Sekundäraromen fehlt es an Tiefe und Ausdruck, der Wein wird zwar nie langweilig, hält aber auch keine sonderlichen Überraschungen bereit. Trotzdem ohne Mühe ein ausgezeichneter Wein, ist aber in Deutschland recht teuer.

Vom Fachhandel, 89 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2027