Kraftakt Pinot Noir VII — Frankreich gegen den Rest der Welt

Feature

Beginne das Jahr nicht mit kleinen Weinen. So halten wir es seit sechs Jahren mit unserem Kraftakt Pinot Noir und schickten 16 gereifte Spätburgunder ins Rennen. Dabei hatten wir diesmal so viele Franzosen und auch so viel Qualität wie noch nie am Start. Und trotzdem gab es endlich mal einen deutschen Sieger – einen wunderbar gereiften, superseidigen, auf ganz hohem Niveau charmanten Spätburgunder aus Heidelberg, den wir allesamt ins Burgund gesteckt hatten. Weiterlesen →

Wunderbare Weinbomben – mit 15 Prozent gegen den Trend

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»Über 14 Prozent macht mir ein Wein keinen Spaß mehr« oder »Das Blöde am Wein ist der Alkohol« – solche Sprüche liegen im Trend, der zum Leichtwein neigt. Neulich trafen wir uns in vertrauter Blogrunde, um in stillem Protest dagegen anzutrinken. Zu unserer Heavy-Bottle-Party mitgebracht wurden vier Weine mit mindestens 15% vol. Alkohol. Verstärkte Sachen sollten außen vor bleiben – wir wollten Weine, die selbst soweit vergoren sind. Das Experiment gelang, wir hatten ein paar schöne Weinmomente, die im Gedächtnis geblieben sind. Weiterlesen →

Dunn Vineyards Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1990

Dunn Cabernet Sauvignin Napa Valley. 1990 (1 von 1)Dieser „einfache“ Napa Valley von Dunn ist im Jahrgang 1990 meines Erachtens seinem großen Bruder aus dem Howell Mountain ebenbürtig. Nach vier Stunden Belüftung in der Karaffe lässt er sich heute herrlich trinken. Duftet der Wein unmittelbar nach dem Öffnen intensiv nach Tinte, grünlichem Paprika und verschlossenen dunklen Waldberen, öffnet er sich mit der Zeit immer mehr. Meine Notiz fertigte ich nach vier Stunden in der Karaffe an:

Intensiv-kompaktes Bukett mit fruchtiger Cabernet-Aromatik, viel Creme-de-Cassis, feuchte Kieselsteine, Graphit, rotes Paprikagewürz, feinstes Sattelleder, glockenklare Frucht, überzeugender Duft, noch sehr jugendlich, er zeigt jedoch seine Tiefe an. Am Gaumen von mittlerem Körper, im Auftakt herrlich saftige Cabernet-Frucht, eine Mischung aus reifen Heidelbeeren und Cassis, dahinter Brombeeren, feine Süße, wirkt ungemein beweglich, sogar elegant und ist trotzdem von intensiver Saftigkeit durchzogen. Ein wenig nachgelagert, aber spielerisch mit der Frucht verbunden, eine an Graphit erinnernde Mineralität, erneut feinstes Leder, die Tannine geben die nötige Struktur vor, ohne trocknend zu wirken. Feiner Zug am Gaumen, die Säure mit der Frucht verschmolzen, komplex und gleichzeitig harmonisch, mit betont langem Nachhall. Ein ausgezeichneter Cabernet aus Napa, der jetzt nach 25 Jahren endlich seinen Höhepunkt erreicht hat.

Vom Fachhandel, ca. 100 Euro, 93 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2030

Große Weine von der Wunschliste

fruehjahrsprobe-gruppenbild(Notizen: Rainer Kaltenecker, Fotografien: Thorsten Mücke)

Welcher Weinsammler hat ihn nicht: seinen Wunschzettel voller Weine, die man zumindest einmal im Leben im Glas haben möchte. Ein Phänomen dabei ist, dass dieser Wunschzettel mit mit den Jahren eher länger als kürzer wird, beim Wein werden wir alle zu kleinen Kindern, die den Hals nicht vollbekommen können. Daher lautet meine Geschenkempfehlung an alle Weinsammler der Welt der Korkenzieher, denn nur so wird die Liste kürzer. Und genau nach diesem Motto fand in Bonn dieses Jahr eine Probe nur mit Wunschweinen statt.

Die Sonne strahlte auf uns herab und so starteten wir auf der Terrasse mit einer herrlichen frischen, perfekt gereiften 1993er Spätlese Oberemmeler Hütte von von Hövel. Ein Saar-Riesling per Excellence, mit der typischen animierenden Saar-Säure, feiner Süße, sehr harmonischer Verlauf, erste Reifenoten, langer Nachhall. 92/100. Die Flasche leerte sich zügig. Anschließend ging es in die gute Stube und die Probe konnte beginnen.

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Kraftakt Spätburgunder – Teil IV

Kraftakt SB 2013 Titel 1 (100 von 1)Es gibt Verkostungsnotizen, die liegen einem wie Blei auf der Seele. Als Schriftführer dieses Kraftaktes ließ ich mein kleines schwarzes Büchlein im Januar 2013 bei den Gastgebern liegen. Und wie es der Teufel aka Zufall wollte, dauerte es über ein Jahr, bis das Büchlein wieder zurück in meinen Besitz kam. Spätestens damit hatten die Notizen eigentlich nur noch antiquarischen Wert. Dass das Protokoll gleichwohl geschrieben werden sollte, stand für mich außer Frage. Allein, wann Zeit dafür finden…

Unsere Leser sind daher heute nicht minder herzlich dazu eingeladen, in diesem Altertümchen zu stöbern; da ich an diesem Abend viel mtgeschrieben hatte, fiel es nicht schwer, die Notizen nun doch noch „mit ein wenig zeitlichem Nachlauf“ zu erstellen.

Da wir einige schöne Weine mit „Reserven“ am Start hatten, lohnt es sicherlich auch heute noch… [weiter lesen!]

Große Weine aus Kalifornien & Co.

Kalifornien Probe Titel (100 von 1)Kaum einer Weinregion habe ich bislang so wenig Aufmerksamkeit gewidmet wie Kalifornien. Grund dafür ist im Wesentlichen, dass man die Weine diesseits des Atlantiks nur selten im klassischen Weinhandel vorfindet und wenn doch, dann sind die einfacheren Weine zumeist im Kontext des zu erwartenden Genussfaktors im Zweifelsfall zu teuer, tja, und die wirklich reizvolleren Weine gehen gerne schon mit dreistelligen Euro-Preisen an den Start, was auch nicht dazu verführt, hiervon Mengen in den Keller zu legen.

Sehr erfreut war ich daher, als mich Bernd und Rainer zu dieser Probe im Mai 2013 einluden – die Proben-Umlage war angesichts des Line-up mehr als nur mit Augenmaß kalkuliert, weshalb ich diesen Investitionsbeitrag in meine vinophile Weiterbildung gerne in Kauf nahm – es war auf jeden Fall die bessere Entscheidung, in diese Überblick gebende Probe zu inverstieren als in eine oder zwei Flaschen Spitzenkalifornier…

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Gianni Paoletti Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1997

Gianni Paoletti Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1997 (100 von 1)Der Cabernet von Gianni Paoletti erfüllte punktgenau unsere Erwartungen an einen Cabernet aus Napa Valley. Eine noch sehr frische und ausdruckstarke Nase nach reifen Herzkirschen, dunkler Schokolade, viel, leicht süßlicher Minze, dahinter eine verhaltene Kräuterwürze, hat auch den charakteristischen charmanten Touch der Napas, keine intellektuelle Herausforderung, jedoch entsteht viel Vorfreude auf den ersten Schluck. Am Gaumen ist er ebenso typisch für einen hochwertigen Cabernet aus Kalifornien. Zum einen hat er Schmelz, charmante Extraktsüße, fleischige, dichte dunkle Beerenfrucht und Herzkirschen, er wirkt fast fett, ist jedoch sehr frisch, von mittlerem Körper, da juckt kein Alkohol und nerven keine überreifen Aromen, trotz der Süße bleibt der Wein stets frisch und trinkt sich angenehm leicht, stets im Hintergrund viel Minze, erinnert an After Eight, eine natürlich Minznote wäre mir lieber, feines, reifes Säurespiel, das Holz hält sich stark zurück, gibt dem Wein jedoch klare Konturen, wobei es im Nachhall leicht trockendend wirkt, mittlere Nachhall. Sein Stärke sind die glockenklaren und fleischigen dunklen Beerenfrüchte und Herzkirschen. Den Sekundäraromen fehlt es an Tiefe und Ausdruck, der Wein wird zwar nie langweilig, hält aber auch keine sonderlichen Überraschungen bereit. Trotzdem ohne Mühe ein ausgezeichneter Wein, ist aber in Deutschland recht teuer.

Vom Fachhandel, 89 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2027

Morgan Winery Barrel Selection Reserve Pinot Noir, 1994

Morgan Pinot Noir Barrel Select Reserve, 1994 (100 von 1)Helles durchscheinendes Kaminrot mit orangen Reflexen am Rande mit deutlichem Wasserrand. Eine fast burgundisch elegante und fein gezeichnete Nase. Auch die ausdruckstarke Würze nach getrockenten Kräutern und getrocknetem Fleisch erinnert an die alte Weinwelt. Deutlich gereifte rote Waldfrüchte, nussige Anklänge und merklich röstige Fassaromen nach Holzkohle. Wirkt trotzdem sehr elegant, packend und von ansprechender Harmonie. Am Gaumen von mittelkräftigem Körper, weiche, gereifte und ausdruckstarke Frucht im Antrunk, Himbeeren und rote Johannisbeeren sind prägend, erneut enorme Würze, luftgetrockneter, sehr feiner Schinken, weißer Rauch, getrocknete Früchte, insgesamt harmonisch wirkend, der Reifeverlauf weit fortgeschritten, aber jetzt perfekt zu trinken, hochreifes, vitales Säurespiel, ernsthaft, ohne jede aufdringliche Süße, würde ich blind ins Burgund stecken, einfach herrlich bis zur Mitte, leider hält der Wein dieses Niveau nicht ganz bis zum Ende durch, die Frucht trocknet ein wenig aus, dabei wird er zwar nie uncharmant, aber er isMorgan Pinot Noir Barrel Select Reserve, 1994 (2) (100 von 1)t einfach ein wenig kurz und ausdruckslos im Nachhall. Trotzdem ein überaus ansprechender  Tropfen, der für mich eine neue Facette von Übersee-Pinot Noirs aufzeigte.
Vom Fachhandel, 35 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Gereifte Weine aus Kalifornien – Teil 1

Titel 2 - Kalifornien Teil 1 (100 von 1)Manche Geburtstagskinder wollen nicht eingeladen werden, sondern laden selbst ein und machen daraus eine Weinprobe aller ersten Güte. Fritz, unser Geburtstagskind kochte dazu noch derart souverän und gut, dass er spielend mit jedem ambitionierten Restaurant mithalten könnte – ich lade ihn nur mit professioneller Küchenhilfe ein 🙂 . Ganz nebenbei kamen 16 herrlich gereifte Kalifornier ins Glas. Weine, die damals nicht Haus und Hof kosteten, aber heute gereift in beinah höchste Weingenüsse vorzustoßen vermögen. Sie widerlegten erneut sämtliche Vorurteile gegenüber amerikanischen Weinen. Manche Europäer pflegen ja immer noch das leidige Vorurteil Amerikaner sein in ihrem Charakter oftmals schlicht, gelegentlich gar grob und unkultiviert; ein gänzlich blödes und pauschales Vorurteil und gilt noch weniger für ihre vorzüglichen Weine. Denn sie sind oftmals voller Anmut und mit feinem Spiel und wer mag sich daran stören, wenn sie uns dabei mit ihren Vorzügen umschmeicheln. Die Weine kamen offen direkt nach dem Aufziehen ins Glas.

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Argyle Winery Pinot Noir Spirithouse Series Oregon, 2007

Argyle Spirithouse, 2007 (100 von 1) Sehr junge Pinot-Nase nach roten Beerenfrüchten ohne Überreife, rote Johannisbeere, Backpflaume, Orangenschale und kühle Zitrusaromen, das Holz drängt ungestüm nach vorne und versprüht den Scharm einer Schreinerei, aufgrund der tiefen und markanten Fruchtaromatik wird sich das Holz aber aller voraussicht noch gut einfinden. Am Gaumen von mittlerem Körper mit schlanker, kühler und überaus frischer rotbeeriger Frucht, frische Schlehen, rote Johannisbeere und Abrieb von Orangenschalen, die Säure sehr fein, heute vielleicht noch ein wenig zu forsch, das Holz wirkt am Gaumen nicht ganz so vordergründig und jugendlich wie in der Nase, trotzden (noch) zu präsent, aber von ansprechender Güte und hat gerade begonnen sich mit der Frucht anzufreunden, packend finde ich sie Zitrusaromen im weiteren Verlauf, frisch, sehr trinkanimierend, gute Tiefe und ein gute Länge sprechen für den Wein. Mein bisher, im Abstand, bester Verteter aus Oregon und deutlich raffinierte und eigenständiger als der Nuthouse vom selben Weingut. Hier beginnt der Spitzenwein, noch 4-5 Jahr weglegen.

Vom Fachhandel, 69 Euro, 91+ Punkte (ausgezeichnet), 2017 bis 2022

Vorweihnachtliche Bescherung in Düsseldorf

Vorweihnachtliche Beschehrung -100 Vorweihnachtliche Bescherung bereitete mir bereits Anfang Dezember ein lieber Weinfreund in Düsseldorf. Bereits zum Lunch im Saittavini in Oberkassel gab es zu einer himmlischen Minestrone bereits bemerkenswerte Weine. Beeindruckt war ich dabei von den Monteverro-Weinen, vom Chardonnay und von der BDX-Cuvée, beides aus 2009. Erst das zweite Jahr dieses Gutes, aber da wächst unzweifelhaft ein Riese heran. Die Weine besitzen nicht nur Dichte und Fruchtfülle, sondern auch eine feste innere Struktur, viel mineralisches Spiel und eine erstaunliche Beweglichkeit, auch der Alkohol schien mir moderat 90+/100 für den Weißen, der Rote lag mit 92+/100 nochmal deutlich darüber. Parallel dazu gab es einen sehr jungendlich-kernigen 2007er-Barbaresco Starderi von La Spineta mit herrlicher, satter Kirschfrucht, jugendlichem Säuregerüst, fein integriertem Holz, erstaunliche angenehme Tannine und langem Nachhall. Das wird in 10 Jahren richtig gut sein, aber schon heute 92+/100.

Huber Malterer 2009-100Abends gings mit der Beschehrung aber erst richtig los. Zum Eintrinken gab es den 2009er Malterer von Bernhard Huber, eine Cuvée aus Weißem Burgunder und Freisamer, eine Kreutzung aus Silvaner und Ruländer. Roch und schmeckte wie ein kräftiger Chardonnay aus dem Barrique, wobei das Holz sich bestens integriert zeigte und nie aufdringlich war.  Recht nussig, floraler Duft mit tropischen Früchten, im Mund erfrischt die Säure, Anklänge von Mineralik, sehr gute Balance, mittlere Tiefe, noch jung 88+/100.


Dann kam der erste Wein, ein Clos Vougeot Chateau de La Tour von Morin aus dem Jahr 1971. Der hatte eine für mich eher unangehneme laktische Nase mit ganz viel salzigemMoucheron Volnay 1971-100 Lakritz und balsamischen Noten. Am Gaumen schon sehr reif, hatte sich aber noch eine intensive Fruchtsüße erhalten, jedoch auch oxidative Noten, erneut balsamische Anklänge, Laktritz und eine schon ins Strenge gehende Säure, trotzdem noch gut zu trinken und wurde mit der Zeit immer ausdrucksvoller 84/100. Um Klassen besser der Comte de Moucheron aus dem Volnay  Clos des Chénes aus dem Jahr 1949. Intensiver Duft nach Moucheron Volnay 1949-100Speck, viel Kräuterwürze, reifem Balsamico und einer intakten Frucht nach dunklen Waldbeeren. Am Gaumen samtige Textur, schokoladige Backpflaume, süßlich-balsamische Noten, auch viel Herzkirschen, erneut viel Speck und auch Rauchnoten, herrlich animierend zu trinken, feine Säure, hält seine Fruchtsüße bis zum langen Nachhall ohne Mühe durch, einfach köstlich 94/100.


VCC 1975-100Der nächste Flight bestandt aus 2x Bdx. Den Anfang machte ein Vieux Château Certan aus dem Jahr 1975. Reife VCC können einfach himnmlich sein und da machte der 75er keine Ausnahme, er war gar der Beste aus den 70ern, die ich bisher im Glas hatte. Noble Nase nach Minze, Eukalyptus, leicht überreifen Pflaumen und Milchschokolade, wirkt jetzt voll ausgereift ohne jede Alterserscheinung, höchstens das Etikett war schon drüber. Am Gaumen eine herrliche schokoladige Süße, mit Backpflaumen und dunklen Beerenfrüchte, Süßholz und Zedernholz vom Fassausbau, bestens integriert und feine Säure, viel Zug am Gaumen, ganz viel Kraft, mineralische Tiefe, langer und fruchtiger Nachhall, großes Kino 96/100. Auf ähnlichem Niveau der 1988er-Mouton. Selten Mouton 1988-100hatte ich eine derart eindrucksvolle Nase voller Graphit und süßer Cassiswürze in der Nase, höchste Noblesse mit feinem Paprikaduft und Anklängen von reifen Pflaumen und Holunder. Am Gaumen jungendlich, saftig, jetzt in seiner ersten Trinkphase. Bietet ein herrliches Cuvée aus saftigen Früchten und einer einmaligen Noblesse vom Barrique. Erneut viel Graphit, aber nun herrlich viel Pfeiffentabak und milder Espressoduft, die Frucht ganz im Cabernet verhaftet, mit feiner Süße, daneben festes mineralisches Fundament, die Tannine mit sanftem Griff in dem Gaumen, große Tiefe und Komplexität, langes Finish, einfach ein großer Wein und tendenziell unterbewertet 96-97/100.


Montelena 1991-100Dann kam der Wein, der schon langer auf meiner Wunschliste stand und der zum Glück meine Erwartungen voll erfüllte. Es war mein erster Wein von Montelena und dann noch ein einigermaßen gereifter aus dem Jahr 1991. Einigermaßen nur, weil der Wein noch so unglaublich jugendlich wirkte, dass ich hinter meiner Wertung noch ein dickes Plus notieren musste. Animierender Duft nach Herrenschokolade, Sauerkirschen, Cassis und Minze, das Holz zeigt sich durch Eukaplytus ohne Ende. Am Gaumen dicht, saftig und abgrundtief, süße Brombeeren, Cassis, Holunder und getrocknete Kräuter, dunkle Herrenschokolade, Laktritz und Minze, vom Fass schwarzer Mokka, Rauch- und Speckaromen und erneut viel Graphit/Asche, irgendwann greifen dann die Tannine kräftig in den Gaumen, es bleibt aber kein Zweifel ob sich das in 10 Jahren finden wird, zum Schluss ein kaum endend wollender Abgang mit Tiefe und Ausdruck. Ganz Groß 96+/100.


Dann gab es den 99er-Trilogia aus Griechenland. Üppige Nase nach Lebkuchengewürz, Feigen, Marzipan und süß-aromatisierten Tabak, eigen aber stimmig. Am Gaumen Trilogia 1999-100dicht und süß mit verführerische Merlotsüße, Würze von wilden Kräutern, deutlicher, aber hochwertige Barriquewürze, etwas Waldboden, mittlere Tiefe, guter Nachhll, ein Saufwein auf höchstem Niveau, dem im Gegensatz zum Montelena die festen Struktur und die Komplexität fehlte. Trotzdem ein ausgezeichneter Wein 92/100. Zum Abschluss noch den 85er-Musar aus Libanon. Der hatte eine recht helle Farbe mit breitem Wasserrand, heftig kräutriger Duft mit Maggi-Touch, Kerbel, die Frucht Musar 1985-100roch wie in einem Port, auch Rosinen. Am Mund mit intensiver Süße, überreifen Früchten, Pfaumen und wieder viel Kräuter, das Holz kräftig aber sehr gut eingebunden und nobel, feste Struktur, aber auch viel Säure, überzeugte mich nicht ganz, bzw. blieb ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück, er einfach schon erstaunlich weit gereift 86/100.


Alle Weine kamen blind auf den Tisch, wobei ich das grobe Line-Up kannte. Ganz herzlichen Dank an den lieben Weinfreund für die großzügige Anstellung der Weine. Selten waren meine vorweihnachtlichen Geschenke derart genussreich und unterhaltsam.

Weihnachtstasting am Chiemsee

Unger Weihnachtstasting 2012 Titel 2-100
Jedes Jahr im Dezember treffen sich um die 15 Winefreaks in Frasdorf in dem herrlichen Probenraum der Ungers, die heute sicherlich eine Kapazität in Sachen Bordeaux, Kalifornien und vielem mehr sind. Für mich war es die Premiere und so ließ ich mich einfach überraschen. Insgeheim hoffte ich natürlich auf meinen persönlichen ersten 100-Punkte-Wein. 100 Punkte war auf alle Fälle der Service der Ungers. Flott und bequem wurde man vom Flughafen nach Frasdorf kutschiert, das Hotel passt zum Ort, die Weißwurst, meine ersten nach 20 Jahren, war schmackhaft und die Küche sowie der Service während des Tastings auf ausgezeichnetem Niveau. Alle Bewertungen habe ich spontan notiert und auch nach dem Aufdecken nicht mehr verändert. Die Weine kamen in 3er- bzw. 4er-Flights blind auf den Tisch. Der Gastgeber geizte mit Hinweisen und so lagen wir eigentlich fortlaufend daneben. Blindtrinken macht eben demütig.

Los ging es mit zwei Weißweinflights, allesamt Chardonnays aus Kalifornien, ein Steckenpferd der Ungers. Es hätte uns Schlimmer treffen können.

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Huber Cellars Pinot Noir Estate Grown Sta. Rita Hills Central Coast, 2006

Trübes, helles Kirschrot mit orangenen Reflexen. Der Duft erinnert an verwaschene süßliche, hochreife rote, eingekochte Früchte, dazu Kohlrabi und Spargel. Ziemlich unangenehm. Der Alkohol reizt die Schleimhäute. Herrje was ist denn das. Im Mund sehr kräftig, es dominiert ein schärfender Alkohol, der eher an ein Degistif erinnert. Süßer Auftakt ohne jede Zeichnung einer Frucht. Erneut kommen gemüsige Noten auf. Im weiteren Verlauf nimmt der Alkohol nochmal ordentlich an Fahrt auf und sorgt leider für einen recht langen, schärfenden Abgang. Ich machs kurz: was für ein Mist und eine herbe Enttäuschung für einen Wein, der aus einem Brewer-Clifton Weingarten stammt. Beim Preis lag das Komma an der falschen Stelle, denn 3,80 Euro wären angebrachter gewesen, als die 38 Euro. Offen über zwei Tage unverändert verkostet. Ich buche es unter Lehrgeld.

Vom Fachhandel, 38 Euro, 77 Punkte (ordentlich), jetzt trinken, ähh jetzt wegkippen

Argyle Winery Pinot Noir Nuthouse Reserve Series Oregon, 2006

Intensive kirschrote Farbe für einen Pinot Noir. Opulente fruchtbetonte Nase nach Pflaumen, Erdbeeren, kandierten Orangenscheiben, ein wenig Kirschen und deutlichen Zimtnoten. Man merkt der Nase das warme, ja hitzige Jahr in Oregon an und so ist das Bukett eher opulent fruchtig, als elegant verspielt. Auch im Mund ein kräftiger, fruchtbetonter Vertreter. Auch hier sind die Früchte von einer Gewürzwolke ummantelt, die an Lebkuchen und vorallem Zimt erinnert. Muss man mögen. Intensiver Geschmack nach Erdbeeren, roten Beeren und kandierten Orangen und Pflaumen. Viel Fruchtsüße, verführerische Seidigkeit und Schmelz, natürlich auch hier die Hitze des Jahrgangs. Die Säure hält dagegen. Ein Schmeichler vor dem Herren, ohne sonderlichen Tiefgang oder Charakter. Macht Spaß – einmal, ein Glas lang. Das Finish ist ordentlich, in dem sich dann auch das Holz verstärkt zeigt. Für das Geld gibt es aber hier und bei unseren Nachbarn aufregenders.

Vom Fachhandel, 48 Euro, 85 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2016

The Eyrie Vineyards Dundee Hills Estate Pinot Noir Oregon, 2007

Dieses Weingut fiel mir recht schnell bei meinen ersten Recherchen in Sachen USA Pinot Noir auf. Es ist sicherlich einer der Pioniere in der Region Oregon und bewirtschaftet von Anbeginn seine Weingärten auf sehr naturnahe Weise – chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind hier ein Fremdwort. Der Holzeinsatz ist in den Lagenweinen moderat, auch im Keller wird der Wein sich selbst überlassen und laut Kenner sind die Weine eher elegant als üppig. Heute habe ich sozusagen den Gutwein im Glas, den „Estate“. Er kommt von den jungen Reben aus allen vier vorhandenen Einzellangen und wird in schon vielfach gebrauchten und somit neutralen Holzfässern ausgebaut.

Die Farbe ein helles Kirschrot mit braunen Reflexen und breitem Wasserrand. Eher ein verhaltener, scheuer Duft steigt empor, riecht nach Erdbeersaft ohne viel Süße, sehr klar und fruchtig, rote Waldbeeren, Würze nach grünen Kräutern und florare Anklänge. Balanciert ohne große Tiefe. Mittlerer Körper im Mund, klar saftiger Antrunk, erneut Erdbeersaft, aber auch Orangenschalen, Schwarzkirsche und etwas rotbeerige Früchte, feine, leicht herbe Holzwürze, getrocknete Kräuter. Die Tannine und Gerbstoffe kaum wahrnehmbar, geben dem Wein ein Mindestmaß an Kontur. Es ist jedoch ein überaus charmanter und sehr harmonischer Pinot Noir im Mund. Lässt er aufgrund seiner Erdbeernote einen deutschen Vertreter vermuten, erinnert jedoch wegen der kaum wahrnehmbaren Holznoten eher an burgundische Ausgaben. Mir gefällt das sehr gut, einfach weil der Wein trinkfreudig ist, selbst ein zweites oder gar drittes Glas schenkt man sich gerne nach. Es fehlt ihm zwar an der letzten Tiefe und Komplexität, aber er wurde mir auch nie überdrüssig. Nur das Finish hätte länger ausfallen können, denn hier ist er nur knapp mittellang. Ein sehr guter Pinot Noir, der in den USA für verhältnismäßig kleines Geld (ca. $20) zu kaufen ist. Hier verständlicherweise deutlich teuerer.

Vom Fachhandel, 33 Euro, 8788 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2014