Österreich Weiß/Rot – Großer Riesling, Grüne Veltliner, Blaufränkisch und Co.

Österreich Weiß-Rot (121 von 22)Nach dem die letzte Probe mit Rotweinen aus Österreich mittlerweile wieder über zwei Jahre zurücklag, lud ich im November 2014 zu einer bunten Probe aus weißen und roten Spitzenweinen aus Österreich zu mir ein. Die Auswahl traf ich gemäß meinen eigenen Vorlieben und Erfahrungen und war somit in keiner Weise repräsentativ.

Weiter lesen

Mariental-Vertikale: Der berühmte Blaufränkische aus dem Burgenland

Titelbild Marienthal-100Acht Weinnasen fanden sich im Februar 2012 in Oberhausen zusammen um sich ganz einem Thema zu widmen: Blaufränkische aus dem Burgenland standen auf dem Programm. Kern der Verkostung waren acht Jahrgänge von Triebaumer´s Mariental. Jener Wein, der vermutlich zum Aufbruch des Blaufänkischen im Burgenland ein wichtigen Beitrag geleistet hat. Seit 1985 wird dieser Wein, sofern es das Wetter zulässt, vinifiziert und der 1986er gilt heute als Beleg des Potentials und der Reifefähigkeit des Blaufränkischen. Leider ist diese Legende kaum noch zu erhalten, oder wird zu Preisen verkauft, wie man sie nur im Bordeaux oder Burgund kennt. Auch andere ältere Jahrgänge sind schwer zu besorgen. Zu Beginn wurden kaum mehr als 2000 Flaschen abgefüllt, während heute…Weiter lesen

Weingut Weninger Blaufränkisch Hortischon Dürrau, 2005

Der Dürrau ist Weninger´s bester Wein und stammt von der vermutlich besten, rund 1 ha großen Lage rund um Hortischon. Die Blaubfränkisch-Rebstöcke sind mittlerweile über 50 Jahre alt und stehen auf tiefgründigen Lehmboden mit recht hohem Kalkanteil. Ideale Voraussetzungen für die Rebsorte. 2005 war wahrlich kein gutes Jahr für Rotwein in Österreich und das Weingut befand sich dazu in dieser Zeit gerade in der Umstellung auf naturnahen Weinbau. Trotzdem war der Wein überaus schmackhaft.

Tiefe Nase mit klaren Kirschnoten und dunklen Waldbeeren ummantelt von dunkler Bitterschokolade, etwas Marzipan und Graphit. Das hat Ausdruck und weckt große Vorfreude auf den ersten Schluck. Im Mund herrlich saftig, mit klarer Kirschfrucht, reifen Heidelbeeren und einem feinen Touch von frischen Feigen -einfach erfrischend und sehr sortentypisch. Es zeigen sich auch erneut Schoko- und Marzipannoten und ein Hauch Holzwürze mit Zimtanklängen, ohne jede Süße. Die Säure ist bestens eingebunden und verleiht dem Wein hinreichend Frische und Transparenz. Der Verlauf ist bestens komponiert, immer in Balance und stets sehr animierend. Sehr gutes Finish in dem sich mineralische Ankänge finden, die wieder an Graphit erinnern. Der Wein hat sich erstaunlich gut gehalten und wird sich noch etliche Jahre auf diesem Niveau bewegen. Ein ausgezeichneter Blaufränkischer – wie wird der nur aus einem ausgezeichneten Jahr wie 2004 oder 2006 schmecken? Offen verkostet, zwei Stunden in der Karaffe.

Vom Weingut, 49 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

2 Rotweine für den nächsten Grillabend

Passend zur Grillsaison und zum Steak vom Grill kamen zwei Rotweine ins Glas. Beide in der konsumentenfreundlichen Preisklasse bis 8 Euro, beide aus der Abteilung „Mittwochswein“, aber etwas anderes braucht es im Garten stehend auch nicht. Beide Weine sind sortenrein ausgebaut, einmal italienischer Nero d´Avola, einmal Blaufränkisch aus Österreich. Dass auch derart „einfachere“ Weine ein wenig Lagerung danken können, bewiesen diese beiden Kameraden…

Terre di Campo Sasso Nero d´Avola IGT, 2008

Dunkles blickdichtes Schwarzrot. Eine animierende Nase ohne jede Alkoholschwere, stattdessen eine satt fruchtige Amarenakirsche, ein Hauch Minze, dahinter leicht herb wirkende dunkle Würznoten. Sehr schön seine fruchtige Seite betonend, ohne gefällig oder einfältig zu wirken.

Kirschbetonter Antrunk, auch hier ohne alkoholische Beeinträchtigung, fast schon kühle vermittelnd spielt dieser Nero d´Avola mit seiner klaren, etwas kirschkonfittigen Art, leichtfüßig, nicht sonderlich tief, aber süffig. Keine störende marmeladige Süße, die man ja gerne mitunter in sizilianischen Weinen antreffen kann. Hier hingegen passt es. Weiter zur Trinkigkeit verhilft dem Wein seine frische Säure. Zum Finale zeigt sich ein leichtes Tannin, das ein wenig trocknend ist, aber nicht stört, wird die Aufmerksamkeit doch sofort wieder auf die Aromen von Kirsch und – sehr gelungen – einer Spur Lakritz gelenkt. Das Finale eher kurz – der Zeitraum, bis die Flasche geleert ist, allerdings auch.

Im Fachhandel sind aktuelle Jahrgänge ebenfalls für unter sechs Euro erhältlich. Worth a look!

Im Fachhandel gekauft, 5,70 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt trinken.

Weingut Prieler Blaufränkisch Johanneshöhe, 2007

Dunkles purpurrot, durchscheineinender Rand. In der Nase ebenfalls Kirsch, aber nicht dieses klare Kirschkonfit, sondern Kirsch in Moll, eher vollreife Schwarzkirsche, auch ein Hauch Alkohol. Stimmig begleitet von Aromen, die an Marzipan erinnern. Im Mund mittelvoller Körper, neben reifer Schwarzkirsche eine Spur weisser Pfeffer. Veilchen. Ein angenehmer Kontrast entsteht dann im Verlauf zwischen dem leicht süßlichen Kirschfruchtkern und dem ins Herbe tendierenden Holzeindrücken. Wirkt auch etwas bittermandelig. Das leicht herbbittere Holz ist eher rustikal, das Tannin trocknet etwas aus am Gaumen, es hat aber wohltuend von der Reife profitiert. Weißer Pfeffer und Kirsch im aromatisch eher einfach gestrickten, aber durchaus mit guten Ansätzen zur Struktur einhergehenden knapp mittellangen Finale. Auch hier: passt sehr gut zu Grillfleischaromen!

Im Fachhandel 8 Euro, 83 Punkte (gut), jetzt trinken.

Weingut Kollwentz Blaufränkisch Point Burgenland, 2007

Warme, harmonische Nase vorzugsweise nach dunklen Waldbeeren, erinnert an Brombeeren und Sauerkirsche . Man riecht die neuen und gebrauchten Barriques, in denen der Wein zwei Jahre lag reifte, diese Holzwürze ist schon jetzt mit der Frucht verwoben. Dahinter Bitterschokolade, Waldboden und Kräuter. Am Gaumen jugendlich-kompakt mit verschossenem Aromakern. Der Verlauf ist noch etwas eckig. Trotzdem bietet er schon heute eine saftige Kirschfrucht, dahinter Anklänge ala Brombeeren und Holunder. Das Holz steht ein wenig daneben und zeigt sich am Gaumen eine Spur rustikaler, bietet dennoch bereits eine schöne Aromatik. Gute Fülle, markante, nicht kantige, jedoch dichte Tannine, die sich mit den Jahren aller vorausssicht gut einbinden werden. Feiner Säurebogen. Es war ein Fehler ihn bereits jetzt zu öffnen; zeigt keinen Willen sich uns vollständig zu öffnen. Verfügt über großes Potential. Langer fruchtherber noch etwas kantiger Nachklang. Sieben bis acht Jahre vergraben, danach sollte er spielend die 90-Punkte-Hürde nehmen.

Vom Weingut, 38 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), 2017 bis 2027

Weingut Krutzler Blaufränkisch Reserve, 2005

Ich gehöre nun wirklich nicht zu der Fraktion derer, die im Rotweinbereich Blaufränkisch zu Ihrer Lieblingssorte zählen. Und doch, als ich diesen Wein zum ersten Mal in einer Probe ins Glas bekam, habe ich mich spontan verliebt. Und wie das so ist mit der spontanen Liebe, da zückt man schon mal 91 Punkte und geht beseelt von dannen… um dann direkt nach einer Quelle für Nachschub Ausschau zu halten.

In diesem Fall musste ich gar nicht die Weiten des Internets bemühen, ein Telefonat später war mir diese Flasche sicher. Die Keller der Blogkollegen sind halt gut gefüllt. Nun, knapp zwei Jahre nach der ersten ansprechenden Begegnung sah man sich wieder. Ob man beschämt zum Boden sehen sollte… oder hatte man sich etwas zu erzählen?

Dunkles und blickdichtes Purpurrot. In der Nase eine tannennadel-harzige Würznote, ganz viel rote Johannisbeere, Kirschtöne, dann Anklänge an Walnuss, immer deutlicher werdend. Feiner Nougattouch, was für ein eleganter Auftritt. Im Antrunk ebenfalls mit kühler Stilistik, mittelvoller Körper. Wieder Kirsch und Johannisbeere, während der Wein in die Mundwinkel läuft entdecke ich einen feinen Pfefferton. Die Säure ist kraftvoll und prädestiniert den Wein als Speisenbegleiter. Solo ist sie schon recht dominant. „Wird zum Gaumen hin immer dunkler“, notiere ich. Und ich meine damit nicht nur die Frucht, es sind die Röstnoten und seine Mineralität, die dem Wein einen ernsthaften Anstrich verleihen – die Eleganz bleibt aber erhalten. Nachhaltig bis in den langen Abgang, von wunderbarer Balance getragen. Stark.

Offen und undekantiert über zwei Abende getrunken – am zweiten Tag mein Herz erneut gewinnend.

Im Keller des Blogkollegen geräubert, 19 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2014

Weingut Umathum St. Laurent Frauenkirchen Vom Stein, 2003

Purpurrot mit tintenfarbenen, undurchscheinbaren Kern. Die mittelintensive Nase bezieht ihre Spannung aus einer Hommage aus animalischen, kräutrigen und reintönigen Fruchtnoten. Saftige Schwarzkirsche im Speckmantel an einer dunklen Bitterschokoladensauce ist meine spontane Assoziation. Macht sofort richtig an. Dahinter ein Touch grüne Banane und Blaubeeren mit einer leicht kargen mineralischen Einfärbung. Kann in Sachen Tiefe und Nuancenreichtum mit einem BDX mithalten, wenngleich von ganz unterschiedlicher Art.

Im Mund fällt sofort positiv die charakteristische Kühle, leicht überhebliche Eleganz von Umathum auf. Der Wein ziert sich immer ein wenig. Die intensiven Kirsch- und Blaubeeraromen zeigen keinerlei Hang zur Süße oder Opulenz, sondern, wie würde man im Fussball sagen: lösen ihre Aufgabe spielerisch und bleiben somit dabei stets elegant, fast nobel. Dennoch verfügt der Wein über Gewicht und Spannkraft, seine Säure spielt einen selbstbewußten Part und wird aufgrund der kühl-kargen Mineralik noch etwas betont. Dank einer feinherben Schokolade und fast weichen Röstaromen vom Fassausbau bleibt der Wein aber ausreichend animierend, Ankänge an Vanille, Nelken und Lorbeerblätter. Im langen Nachhall verspielte dunkle Fruchtaromen, eine elegante Tabakigkeit und sehr gut abgeschmolzene Tannine. Der Wein ist jetzt auf seinem Höhepunkt und präsentiert sich als absolut genialer St. Laurent. Zu Hause zum Steak offen verkostet. Sechs Stunden in der Karaffe, passte perfekt dazu. Wieder einmal ein ausgezeichnetes großes Gewächs von Umathum, das in Sachen Spiel und Tiefe keinesfalls unseren westlichen Nachbarn nachsteht; leider auch nicht im Preis.

Vom Weingut, 35,90 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2015

Paul Achs Blaufränkisch Edelgrund, 2005

Schneegedämpfte Ruhe, eisige Temperaturen, ein freies Wochenende. Der Wein der Wahl ist ein Blaufränkisch aus dem Burgenland. Im Glas ein klares dunkles Rubinrot mit schwarzen Reflexen. In der elegant anmutenden Nase beerige und auch vegetabil-würzige Aromen, an Hagebutten erinnernd, dazu eine wunderbar saubere Holunderfrucht und eine würzige, leicht schweißige Note.

Im Antrunk zuerst eine trockene Frucht mit saftigen Kirschen, auch immer noch Holunderbeeren und wieder fruchtig-gemüsige Noten. Nach und nach dazu kommen getrocknete Pflaumen, ein leichtes rotes Paprikaaroma und ein Ausklang mit traubig schmeckenden Tanninen, auch ein Hauch von Mokka und erste erdige Noten. Die Aromen sind nuanciert, balanciert, der Wein wirkt trocken, kühl, mineralisch. Was besonders an ihm gefällt, ist der Verlauf. Er entwickelt sich im Mund, wird aromatischer, ohne süß zu wirken. Immer noch zeigt er sich kühl und elegant, biedert sich nicht an und sorgt doch für mehr Nachhall als man zuerst für möglich hält. Man merkt ihm an, wie er sich mit der ersten Reife bereits etwas beruhigt hat und wie der Verlauf stimmiger wird.

Ein schöner Wein mit einem schönen eleganten Zusammenspiel von trockener Frucht, feiner, angereifter Barriquewürze und einiger Mineralität. Besonders schön und besonders ist die Transparenz, nichts steht heraus, nichts blockiert, nichts stört oder buhlt irgendwie anders um Aufmerksamkeit. Beim Nachlesen erklärt sich der Wein noch etwas besser, Trauben aus einer Einzellage, Biodynamik, gebrauchte Barrique, langes Hefelager. Wer mag, wird so etwas einen Terroirwein nennen. Eine Stunde dekantiert, offen verkostet, jetzt und noch für ein, zwei Jahre sehr gut zu trinken.

Aus dem Fachhandel, 13,50 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2012 trinken

Weingut Heinrich Pinot Noir, 2006

Beste Voraussetzungen für sehr guten Spätburgunder bieten das Burgenland und die Thermenregion. Beide liegen etwa auf demselben Breitengrad wie das Burgund, und auch die Böden sind teilweise vergleichbar. Schon seit einigen Jahrzehnten wird die Rebsorte kultiviert, demnach hat sie dort bereits eine gewisse Tradition; richtig ansprechende Weine kamen aber erst in den letzten zehn Jahren daraus hervor. Pionier für ausgezeichnete Qualitäten ist ganz sicher das Weingut Umathum mit seinen raffinierten Burgundern, denen in den besten Jahren auch die französische Eleganz und Struktur innewohnt. Daneben gibt es heute einige ausgezeichnete Winzer, die sich der Herausforderung Pinot Noir stellen, darunter auch das Weingut Heinrich, bekannt für ausgezeichnete Cuvées aus Zweigelt, Merlot und Blaufränkisch. Auf Kalk und Schieferböden in Lagen des Leithagebirges wächst dieser Wein heran und reift überwiegend in neuen Barriques etwa 15 Monate lang heran.

Kräftiges Karminrot mit kompaktem Kern. Die Nase gefällt mir spontan ausgezeichnet, mit einer derart kühlen Eleganz strömt mir sein Duft entgegen. Feinste Kräuteraromen, verwoben mit dezenten Orangenschalen, etwas Brombeere, Waldbeeren und eine Prise mineralische Noten. Am Gaumen fallen zunächst eine markante Säure, die Fassaromen nach ganz viel Zigarrenkiste und Rauch und eine knackige Mineralität auf. Der Wein ist sehr jung, und noch stehen die Aromen ein wenig in der Reihe. Nach etlichen Stunden in der Karaffe findet sich der Wein aber zusehends. Floral unterlegte rote Beerenfrüchte und erneut die Orangenschalen verleihen dem Wein eine dezent schlanke Fruchtnote; sie dient jedoch mehr, die eigentliche Typizität des Weines zu harmonisieren. Denn auch mit ganz viel Luft bleibt dieser Spätburgunder ein schlanker, eher karger Vertreter seiner Art, der vielmehr mit seinen leicht salzigen mineralischen Anklängen, seinen vielfältigen Röstaromen vom Fassausbau und einer feinporigen, leicht bitteren Tanninstruktur voll überzeugen kann.

Ein delikater Speisenbegleiter mit Struktur und Tiefgang, der auch beim dritten Glas nicht langweilig wird und dank seiner nur 13 % Alkohol auch einfach immer noch Spaß macht. Der Abgang hat eine schöne mittlere Länge und es bleiben feinste Tabakaromen im Mund zurück. Der Wein ist noch nicht vollständig entwickelt und sollte daher nicht vor 2011 geöffnet werden. Zu Hause offen verkostet, doppelt dekantiert, sechs Stunden in der Karaffe.

Vom Weingut, 28 Euro, 89+ Punkte (sehr gut), 2011 bis 2015

Paul Kerschbaum Blaufränkisch Dürrau Barrique, 2006

Heute stand uns der Sinn nach einem fruchtbetonten, kräftigen Trinkspaß. Bloß kein intellektueller Firlefanz, bei dem wir uns mit irgendwelchen Sekundär- oder gar Terziäraromen beschäftigen müssen. Spontan viel mir Kerschbaum ein und zufälligerweise befand sich sein „einfacher“ Blaufränkischer aus dem Barrique im Klimaschrank. Nach drei Stunden in der Karaffe, hielt er genau was wir uns von ihm versprachen: geballte Frucht, Schmelz, hohes Trinkvergnügen ohne ins Triviale abzurutschen. Zwischen Fußball, Kaminfeuer und Pastagericht brachte uns der Wein ordentlich in Stimmung und wir stimmten uns auch mächtig auf den Wein ein – knapp 90 Punkte erschienen am Horizont. Die Party ist vorbei, kommt nun der Katzenjammer?

Dunkles Kirschrot. Präsente, sehr fruchtbetonte Nase nach roten Johannisbeeren, Pflaumenkompott aber hauptsächlich reife Schwarzkirschen. Das Holz sehr gut eingebunden, nur eine zart-schmelzige Nougatnote erinnert an den Einsatz der Barriques. Der Antrunk sehr saftig und trinkanimierend. Erneut intensiver Geschmack nach roten Beerenfrüchten, Kirschsaft und reife Brombeeren, dahinter Weihnachtsgewürze wie Nelken oder Anissterne . Doch erst im weiteren Verlauf zeigt der Wein seine Güte. Die Frucht weicht ein wenig zurück und geht eine ausgezeichnete Hommage mit den Holzaromen ein. Nougat und Milchschokolade verleihen dem Wein Schmelz und machen ihn zu einem Saufwein aller erste Güte für Kenner. Seine feine Säure, die zarten, sehr feinporigen Tannine sorgen für die nötige Spannung und Tiefe. Jetzt auf seinem Höhepunkt. Im Abgang werden die Tannine etwas rauer, ohne störend zu wirken. Der Abgang ist knapp lang und die über den gesamten Verlauf vorhandene Extraktsüße hält er bis zum Ende durch. Wird sich noch einige Jahre auf diesem Niveau halten. Zu Hause offen verkostet, drei Stunden in der Karaffe.

Vom Weingut, 19,50 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2012

Weingut Prieler Pinot Noir, 2006

Prieler Pinot Noir 2006 (1 von 1)Kirschrot. Schöne Burgundernase von mittlerer Intensität mit viel Kirschen und Pflaumen und einer leichten Holzwürze vom Barrique. Im Mund öffnet sich der Wein erst am zweiten Tag, ohne dabei sich ganz zu entblättern. Er ist halt immer noch ein wenig jung, erst ganz langsam nähert er sich seinem Höhepunkt. Die Komponenten passen gut zusammen, nur das Holz ist am ersten Tag noch ein wenig präsent. Das hat sich aber am nächsten Tag erledigt, nur ein sanfter Hauch von Bitterschokolade und Kakaonoten erninnern an das Barrique. Im Abgang wird es dann kräftiger. Doch von Beginn an. Der Antrunk von mittlerem Körper, dunkle Waldbeeren, etwas Casis, recht intensive Kräuterwürze, fast Pfeffrig, mit einer robusten Säure. Im weiteren Verlauf fallen mir die feinporigen Tannine auf, die nach dem Abgang gänzlich verschwunden sind. Sehr schön, wie der gesamte Abgang, der knapp lang ist und von einer leckeren Fruchtsüße dominiert wird. Trotzallem wirkt der Wein immer noch ein wenig gehemmt, so als würde er sich zieren all seine Tiefen und Geheimnisse preis zu geben, wenn es die denn auch wirklich gibt!? Ich bin mir im Zweifel. Heute fehlt mir ein wenig die Komplexität, der Überraschungs- bzw. Spannungsmoment. Gut gemacht, aber nicht wirklich aufregend kommt mir in den Sinn. In mein Kellerbuch notiere ich 2011 als Öffnungdatum für die nächste Flasche. Dann wird wieder berichtet. Offen bei Freunde verkostet, zuvor zwei Stunden in der Karaffe.

Vom Weingut, 25 Euro, 85+ Punkte (sehr gut), 2011-2016

Weingut Gesellmann „G“, 2003

gesellmann-g-2003-1-von-14Kompaktes Granatrot mit zarten rostbraunen Reflexen, dunkler Kern. Intensives Bukett nach frisch gepflückter Minze, frischen Küchenkräutern, ganz leichter Holzwürze und etwas Kokos. Dunkle Waldbeeren, ein Hauch Orangenschalen und feine ätherische Noten komplettieren die ausgezeichnete Nase. Wirkt noch sehr jung und etwas wild, leichter Lackton. Im Mund ein ebenfalls grandioses Feuerwerk unterschiedlichster Aromen. Trotz seiner 14,5% Alkohol wirkt der Wein eher schlank und transparent, wenn gleich sein Auftritt noch jugendlich ungestüm ist. Es knallen noch ein paar Türen. Mit zunehmender Reife wird sich das noch deutlich entspannen und hoffentlich gewährt er uns dann Einblicke in all seine Abgründe. Aber schon jetzt zeigt er an, wo die Reise hingehen könnte. Im Antrunk wieder diese ausgezeichnete Melange von ätherischen Noten und den saftigen, intensiven Fruchtaromen, jetzt ist Kirschkonfit leitend. Kaum will die Kirsche ihre Süße andeuten, wird sie von einer herben Cassis, kräftigen Kräutern und einem Hauch Minze auf die Plätze verwiesen. Feinster Nougat sorgt für etwas Ruhe im Aromensturm. Eine fein definierte Holzwürze zeigt die 40 Monate an, die der Wein im neuen, kleinen Eichenfass zugebracht hat. Im weiteren Verlauf treten immer stärker mineralische Noten zu Tage, die den ungemein langen Abgang bis zum Schluss begleiten. Nougat, Beerenkonfit, ein zarter Hauch Karamell und Cassis graben sich in die Zunge ein und hallen lange nach. Bei jedem Schluck wandelt sich der Aromakern, und es zeigen sich neue Akzente. Ein Wein für die Couch zum Selbststudium, aber erst wieder in drei Jahren. So lange wird es wohl noch mindestens dauern, bis das Plus hinter der Bewertung verschwindet und der Wein demnach wirklich zeigt, was er kann. Ein hervorragender Wein von einem der großen Weinpioniere in Österreich. 2004 ist sogar noch besser. Zu Hause zu kalter Brotzeit gemeinsam offen verkostet. Ein Stunde in der Karaffe belüftet.

Vom Fachhandel, 55 Euro, 91-93+ Punkte (ausgezeichnet), 2012 bis 2023

Weingut Weninger Veratina Cuvée, 2000

Weninger Veratina (1 von 1)Ein Wein, der mich seit vielen Jahren begleitet ist der Veratina von Weninger. Das Cuvée aus Blaufränkischen, Zweigelt, Merlot und einen Schuß Cabernet Sauvignon hat es mir damals sofort angetan. Der Jahrgang war sicherlich kein Jahrtausendjahr im Burgenland, sondern ähnlich schwierig wie im sonstigen Österreich. Kaminrote Farbe mit dunklem, kirschrotem Kern. In der Nase keinerlei Altersnoten. Mittelintensiver Duft nach Kischkonfit und dunklen Waldbeeren in gelungener Verbindung mit vielfältiger Holwürze; Räucherspeck, Zigarrenkiste und Zedernholz meine ich zu erkennen. Eine durchaus interessante Nase. Im Antrunk schiebt sich die kirschige Frucht weiter nach vorne, die Reife des Weines zeigt sich anhand der weichen Tannine und hintergründigen Holzaromen. Die Frucht ist frisch und intensiv. Weiter hinten kommt dann die Säure immer weiter auf und stört das Aromaspiel des mittleren Abgang mit unsanften Spitzen.  Gelungen das Zusammenspiel von dunkler Schokolade mit der kräutrigen Eichenwürze. Der Wein hat das Ende seines Lagerpotentials erreicht. Die Säure wird in Zukunft immer weiter um sich greifen. Trotzdem ein guter Veratina aus einem kleinen Jahr. Bei Freunden offen verkostet, vorab zwei Stunden in der Karaffe dekantiert. 

Vom Fachhandel, 14 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt trinken

Weingut Krutzler Perwolff, 2006

perwolff-3Anfang Mai und es regnet. Den Grill packe ich erst gar nicht aus, und der Riesling bleibt in der Kühlung. Stattdessen wird das Steak in der Pfanne landen, und ich spekuliere bei den geladenen Gästen auf eine wetterbedingte Sehnsucht nach einem wärmenden Rotwein. Einige von Ihnen sind Liebhaber des österreichischen Rotweines, also flugs mittags zwei Flaschen des 2006er Perwolffs aufgezogen. Klar, der Wein ist viel zu jung, aber noch erhältlich und daher eine gute Gelegenheit zu überprüfen, ob der aktuelle Bestand im Keller erhöht werden soll. Los ging es trotz allem mit einem Riesling von Emrich-Schönleber, Monzinger Halenberg „Lay“, 2004, 94 Punkte, ein grandioser Riesling.  Aber zurück zum Perwolff, übrigens die historische Bezeichnung des Weinortes von Deutsch-Schützen (1221) . Seine Farbe erinnert an die Früchte des Granatapfels, so intensiv leuchtet das Rubinrot. Die Nase noch nicht ganz geöffnet, zart süßliche rote Beerenfrucht nach roten Johannisbeeren und Himbeeren, Lakritznoten lassen die 20 Monate im kleinen Holzfass erkennen, daneben seine typischen leicht ätherischen Anklänge und Nuancen von Küchenkräutern. Die Nase zeigt bereits klar das Potenzial an und wird sich in den nächsten zehn Jahren noch deutlich entwickeln. Der Antrunk wird wieder von der rotbeerigen, zart süßen Frucht dominiert und wirkt unheimlich kraftvoll, wild und jugendlich ungehobelt. Dann tritt aber eine zunehmende Harmonisierung ein, wenngleich der Wein noch weit vom Höhepunkt entfernt ist. Er ist noch recht fruchtbetont, zeigt aber schon jetzt seine Tiefe und Komplexität an. Bei der Frucht Nuancen von Feige und Cassis. Die Tannine sind noch leicht grobkörnig, aber bei weitem nicht mehr so aggressiv wie vor einem Jahr. Dunkles Nougat und Zigarrenkiste lassen die Fassreife deutlich werden. Die Säure ist überaus präsent, fast jugendlich ungestüm. Im Abgang blitzen eingemachte Kirschen durch, wunderbar kombiniert mit einem Schmelz von Nougat, kandierten Aprikosen (ohne Süße, reiner Fruchtextrakt) und frisch, geschnittenen Küchenkräutern. Vergraben Sie Ihre Flaschen noch fünf Jahre im Keller. Ich bin sicher, der Wein dankt die Geduld und wird sich dann sehr harmonisch, tief und komplex zeigen. Schon jetzt ein tolles Erlebnis für Fruchttrinker. Acht Stunden in der Karaffe, nach vier Stunden in eine neue Karaffe umgefüllt, offen mit Freunden zur Oberschale vom Rind verkostet (ach was, mit Lust getrunken).

Vom Weingut, 32 Euro, 90+ Punkte (ausgezeichnet), bis 2020

Weingut Gesellmann Bela Rex, 2001

gesellmann-10Zu meiner Überraschung ist die Idee zur Bezeichnung „Bela Rex“ nicht unserem Zeitgeist entsprungen, meist belanglosen Markenweinen mit Hilfe besonders kunstvoller Namen, um mangelnde Qualität zu überdecken. Hier ist es schlicht der Name des ungarischen Königs, der im 12. Jahrhundert zum ersten Mal den Herkunftsort des Weines, Deutschkreutz, urkundlich nannte. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts bestellen die Gesellmanns die Weingärten. Berühmt wurden sie aber erst, als sie Mitte der 80er Jahre als Erste in Österreich internationale Rebsorten, insbesondere den Cabernet Sauvignon und den Merlot, pflanzten. Bela Rex ist das Spitzencuveé aus den beiden Rebsorten. Beim 2001er lag der Ertrag bei nur knapp 30 hl/ha und der Ausbau erfolgte 23 Monate im kleinen Barriquefass. Auf meiner letztjährigen Weinreise hatte ich bereits das Vergnügen, den 2005er zu verkosten und war sehr angetan (90+ Punkte). Gestern nun hatte ich das Vergnügen den 2001er bei meinen Nachbarn zum Rind serviert zu bekommen. Die Farbe ein kräftiges Kirschrot mit dunklem rubinroten Kern. Ein Duft nach frischer Minze, ätherischen Ölen und medizinalen Tönen. Harmoniert außerordentlich gut mit der herben Cassisnote und den eisenhaltigen Hollunder-Aromen. Insgesamt sehr transparent aufgefächert, zeigt aber gleichzeitig Kraft und Volumen an. Trotz seiner 14% in keiner Weise alkoholische Noten, sondern eher kühl und introvertiert. Kein Anzeichen von Alter. Der Antrunk ist sehr kraftvoll mit intensiven herb-kräuterigen Fruchtextrakten nach dunklen Waldfrüchten, Cassis und etwas Pflaume. Der Wein wirkt sehr straff mit beeindruckender Komplexität und Tiefe. Ähnlich wie in der Nase treten die Fruchtaromen zurück, und es zeigen sich Aromen nach grüner Paprika, fester Mineralik und wieder Minze. Dunkle Schokolade, ein Hauch Leder und Zedernholz lassen das Barrique erahnen. Der Wein ist sehr trocken, dank des enormen Fruchextrakt wirkt der Wein aber nicht spröde. Die Gerbstoffe sind perfekt mit der Aromatik verwoben. Die Säure ist präsent. Im Abgang nimmt die Süße etwas zu und erinnert an dunkles Beerenkonfit. Daneben wieder schöne mineralische Noten und etwas Holz. Der Wein ist überaus beachtlich und braucht sich nicht vor den großen Bordeaux verstecken. Bei Freunden offen verkostet, nicht dekantiert, vier Stunden vorab geöffnet.

Als Gast verkostet, ca. 30 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2015