Österreich Weiß/Rot – Großer Riesling, Grüne Veltliner, Blaufränkisch und Co.

Österreich Weiß-Rot (121 von 22)Nach dem die letzte Probe mit Rotweinen aus Österreich mittlerweile wieder über zwei Jahre zurücklag, lud ich im November 2014 zu einer bunten Probe aus weißen und roten Spitzenweinen aus Österreich zu mir ein. Die Auswahl traf ich gemäß meinen eigenen Vorlieben und Erfahrungen und war somit in keiner Weise repräsentativ.

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Mariental-Vertikale: Der berühmte Blaufränkische aus dem Burgenland

Titelbild Marienthal-100Acht Weinnasen fanden sich im Februar 2012 in Oberhausen zusammen um sich ganz einem Thema zu widmen: Blaufränkische aus dem Burgenland standen auf dem Programm. Kern der Verkostung waren acht Jahrgänge von Triebaumer´s Mariental. Jener Wein, der vermutlich zum Aufbruch des Blaufänkischen im Burgenland ein wichtigen Beitrag geleistet hat. Seit 1985 wird dieser Wein, sofern es das Wetter zulässt, vinifiziert und der 1986er gilt heute als Beleg des Potentials und der Reifefähigkeit des Blaufränkischen. Leider ist diese Legende kaum noch zu erhalten, oder wird zu Preisen verkauft, wie man sie nur im Bordeaux oder Burgund kennt. Auch andere ältere Jahrgänge sind schwer zu besorgen. Zu Beginn wurden kaum mehr als 2000 Flaschen abgefüllt, während heute…Weiter lesen

Weingut Weninger Blaufränkisch Hortischon Dürrau, 2005

Der Dürrau ist Weninger´s bester Wein und stammt von der vermutlich besten, rund 1 ha großen Lage rund um Hortischon. Die Blaubfränkisch-Rebstöcke sind mittlerweile über 50 Jahre alt und stehen auf tiefgründigen Lehmboden mit recht hohem Kalkanteil. Ideale Voraussetzungen für die Rebsorte. 2005 war wahrlich kein gutes Jahr für Rotwein in Österreich und das Weingut befand sich dazu in dieser Zeit gerade in der Umstellung auf naturnahen Weinbau. Trotzdem war der Wein überaus schmackhaft.

Tiefe Nase mit klaren Kirschnoten und dunklen Waldbeeren ummantelt von dunkler Bitterschokolade, etwas Marzipan und Graphit. Das hat Ausdruck und weckt große Vorfreude auf den ersten Schluck. Im Mund herrlich saftig, mit klarer Kirschfrucht, reifen Heidelbeeren und einem feinen Touch von frischen Feigen -einfach erfrischend und sehr sortentypisch. Es zeigen sich auch erneut Schoko- und Marzipannoten und ein Hauch Holzwürze mit Zimtanklängen, ohne jede Süße. Die Säure ist bestens eingebunden und verleiht dem Wein hinreichend Frische und Transparenz. Der Verlauf ist bestens komponiert, immer in Balance und stets sehr animierend. Sehr gutes Finish in dem sich mineralische Ankänge finden, die wieder an Graphit erinnern. Der Wein hat sich erstaunlich gut gehalten und wird sich noch etliche Jahre auf diesem Niveau bewegen. Ein ausgezeichneter Blaufränkischer – wie wird der nur aus einem ausgezeichneten Jahr wie 2004 oder 2006 schmecken? Offen verkostet, zwei Stunden in der Karaffe.

Vom Weingut, 49 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2020

2 Rotweine für den nächsten Grillabend

Passend zur Grillsaison und zum Steak vom Grill kamen zwei Rotweine ins Glas. Beide in der konsumentenfreundlichen Preisklasse bis 8 Euro, beide aus der Abteilung „Mittwochswein“, aber etwas anderes braucht es im Garten stehend auch nicht. Beide Weine sind sortenrein ausgebaut, einmal italienischer Nero d´Avola, einmal Blaufränkisch aus Österreich. Dass auch derart „einfachere“ Weine ein wenig Lagerung danken können, bewiesen diese beiden Kameraden…

Terre di Campo Sasso Nero d´Avola IGT, 2008

Dunkles blickdichtes Schwarzrot. Eine animierende Nase ohne jede Alkoholschwere, stattdessen eine satt fruchtige Amarenakirsche, ein Hauch Minze, dahinter leicht herb wirkende dunkle Würznoten. Sehr schön seine fruchtige Seite betonend, ohne gefällig oder einfältig zu wirken.

Kirschbetonter Antrunk, auch hier ohne alkoholische Beeinträchtigung, fast schon kühle vermittelnd spielt dieser Nero d´Avola mit seiner klaren, etwas kirschkonfittigen Art, leichtfüßig, nicht sonderlich tief, aber süffig. Keine störende marmeladige Süße, die man ja gerne mitunter in sizilianischen Weinen antreffen kann. Hier hingegen passt es. Weiter zur Trinkigkeit verhilft dem Wein seine frische Säure. Zum Finale zeigt sich ein leichtes Tannin, das ein wenig trocknend ist, aber nicht stört, wird die Aufmerksamkeit doch sofort wieder auf die Aromen von Kirsch und – sehr gelungen – einer Spur Lakritz gelenkt. Das Finale eher kurz – der Zeitraum, bis die Flasche geleert ist, allerdings auch.

Im Fachhandel sind aktuelle Jahrgänge ebenfalls für unter sechs Euro erhältlich. Worth a look!

Im Fachhandel gekauft, 5,70 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt trinken.

Weingut Prieler Blaufränkisch Johanneshöhe, 2007

Dunkles purpurrot, durchscheineinender Rand. In der Nase ebenfalls Kirsch, aber nicht dieses klare Kirschkonfit, sondern Kirsch in Moll, eher vollreife Schwarzkirsche, auch ein Hauch Alkohol. Stimmig begleitet von Aromen, die an Marzipan erinnern. Im Mund mittelvoller Körper, neben reifer Schwarzkirsche eine Spur weisser Pfeffer. Veilchen. Ein angenehmer Kontrast entsteht dann im Verlauf zwischen dem leicht süßlichen Kirschfruchtkern und dem ins Herbe tendierenden Holzeindrücken. Wirkt auch etwas bittermandelig. Das leicht herbbittere Holz ist eher rustikal, das Tannin trocknet etwas aus am Gaumen, es hat aber wohltuend von der Reife profitiert. Weißer Pfeffer und Kirsch im aromatisch eher einfach gestrickten, aber durchaus mit guten Ansätzen zur Struktur einhergehenden knapp mittellangen Finale. Auch hier: passt sehr gut zu Grillfleischaromen!

Im Fachhandel 8 Euro, 83 Punkte (gut), jetzt trinken.

Weingut Kollwentz Blaufränkisch Point Burgenland, 2007

Warme, harmonische Nase vorzugsweise nach dunklen Waldbeeren, erinnert an Brombeeren und Sauerkirsche . Man riecht die neuen und gebrauchten Barriques, in denen der Wein zwei Jahre lag reifte, diese Holzwürze ist schon jetzt mit der Frucht verwoben. Dahinter Bitterschokolade, Waldboden und Kräuter. Am Gaumen jugendlich-kompakt mit verschossenem Aromakern. Der Verlauf ist noch etwas eckig. Trotzdem bietet er schon heute eine saftige Kirschfrucht, dahinter Anklänge ala Brombeeren und Holunder. Das Holz steht ein wenig daneben und zeigt sich am Gaumen eine Spur rustikaler, bietet dennoch bereits eine schöne Aromatik. Gute Fülle, markante, nicht kantige, jedoch dichte Tannine, die sich mit den Jahren aller vorausssicht gut einbinden werden. Feiner Säurebogen. Es war ein Fehler ihn bereits jetzt zu öffnen; zeigt keinen Willen sich uns vollständig zu öffnen. Verfügt über großes Potential. Langer fruchtherber noch etwas kantiger Nachklang. Sieben bis acht Jahre vergraben, danach sollte er spielend die 90-Punkte-Hürde nehmen.

Vom Weingut, 38 Euro, 88+ Punkte (sehr gut), 2017 bis 2027

Weingut Krutzler Blaufränkisch Reserve, 2005

Ich gehöre nun wirklich nicht zu der Fraktion derer, die im Rotweinbereich Blaufränkisch zu Ihrer Lieblingssorte zählen. Und doch, als ich diesen Wein zum ersten Mal in einer Probe ins Glas bekam, habe ich mich spontan verliebt. Und wie das so ist mit der spontanen Liebe, da zückt man schon mal 91 Punkte und geht beseelt von dannen… um dann direkt nach einer Quelle für Nachschub Ausschau zu halten.

In diesem Fall musste ich gar nicht die Weiten des Internets bemühen, ein Telefonat später war mir diese Flasche sicher. Die Keller der Blogkollegen sind halt gut gefüllt. Nun, knapp zwei Jahre nach der ersten ansprechenden Begegnung sah man sich wieder. Ob man beschämt zum Boden sehen sollte… oder hatte man sich etwas zu erzählen?

Dunkles und blickdichtes Purpurrot. In der Nase eine tannennadel-harzige Würznote, ganz viel rote Johannisbeere, Kirschtöne, dann Anklänge an Walnuss, immer deutlicher werdend. Feiner Nougattouch, was für ein eleganter Auftritt. Im Antrunk ebenfalls mit kühler Stilistik, mittelvoller Körper. Wieder Kirsch und Johannisbeere, während der Wein in die Mundwinkel läuft entdecke ich einen feinen Pfefferton. Die Säure ist kraftvoll und prädestiniert den Wein als Speisenbegleiter. Solo ist sie schon recht dominant. „Wird zum Gaumen hin immer dunkler“, notiere ich. Und ich meine damit nicht nur die Frucht, es sind die Röstnoten und seine Mineralität, die dem Wein einen ernsthaften Anstrich verleihen – die Eleganz bleibt aber erhalten. Nachhaltig bis in den langen Abgang, von wunderbarer Balance getragen. Stark.

Offen und undekantiert über zwei Abende getrunken – am zweiten Tag mein Herz erneut gewinnend.

Im Keller des Blogkollegen geräubert, 19 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2014

Weingut Umathum St. Laurent Frauenkirchen Vom Stein, 2003

Purpurrot mit tintenfarbenen, undurchscheinbaren Kern. Die mittelintensive Nase bezieht ihre Spannung aus einer Hommage aus animalischen, kräutrigen und reintönigen Fruchtnoten. Saftige Schwarzkirsche im Speckmantel an einer dunklen Bitterschokoladensauce ist meine spontane Assoziation. Macht sofort richtig an. Dahinter ein Touch grüne Banane und Blaubeeren mit einer leicht kargen mineralischen Einfärbung. Kann in Sachen Tiefe und Nuancenreichtum mit einem BDX mithalten, wenngleich von ganz unterschiedlicher Art.

Im Mund fällt sofort positiv die charakteristische Kühle, leicht überhebliche Eleganz von Umathum auf. Der Wein ziert sich immer ein wenig. Die intensiven Kirsch- und Blaubeeraromen zeigen keinerlei Hang zur Süße oder Opulenz, sondern, wie würde man im Fussball sagen: lösen ihre Aufgabe spielerisch und bleiben somit dabei stets elegant, fast nobel. Dennoch verfügt der Wein über Gewicht und Spannkraft, seine Säure spielt einen selbstbewußten Part und wird aufgrund der kühl-kargen Mineralik noch etwas betont. Dank einer feinherben Schokolade und fast weichen Röstaromen vom Fassausbau bleibt der Wein aber ausreichend animierend, Ankänge an Vanille, Nelken und Lorbeerblätter. Im langen Nachhall verspielte dunkle Fruchtaromen, eine elegante Tabakigkeit und sehr gut abgeschmolzene Tannine. Der Wein ist jetzt auf seinem Höhepunkt und präsentiert sich als absolut genialer St. Laurent. Zu Hause zum Steak offen verkostet. Sechs Stunden in der Karaffe, passte perfekt dazu. Wieder einmal ein ausgezeichnetes großes Gewächs von Umathum, das in Sachen Spiel und Tiefe keinesfalls unseren westlichen Nachbarn nachsteht; leider auch nicht im Preis.

Vom Weingut, 35,90 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2015