Johanneshof Reinisch St. Laurent Frauenfeld, 2004

Reinisch Frauenfeld St. Laurent 2004 (1 von 1)Seit meinem Besuch vor Ort hat sich der Wein nochmal deutlich entwickelt. Nun ist er reif und macht Spaß. Ein gelungener Wein für die ersten kälteren Herbsttage vor dem Kamin: warm, weich, voluminös, nicht sonderlich komplex, aber hat Dichte und ist einfach ein leckerer Gaumenschmeichler. Im Glas haben wir die typische Farbe von einem Kirschsaft beim St. Laurent. Intensive, warme Nase mit einer Hommage aus kräuteriger Würze vom Fassausbau, reifen Pflaumen, Marzipan und Vollmichschokolade. Auch im Mund sofort voll da, kräftiges Volumen ohne Alkoholprobleme.  Die 16 Monate in franz. und österreichischen Barriques zeigen sich weniger anhand Holznoten, vielmehr  durch eine kräftige Kräuterwürze, Vanillenoten und einem Touch Karamell und Marzipan. Ansonsten dominiert die Frucht, reichlich Pflaumen, Kirsche satt und etwas Blaubeeren. Die Säure ist perfekt eingebunden. Der Wein hat eine ordentlich Länge und zeigt zum Schluss zarte mineralische Anklänge und ein Touch Küchenkräuter z.B. Lorbeerblätter. Nicht fehlen in einem österreichischen Rotwein dürfen natürlich die Nougatnoten. Eindeutig eher ein Spaßmacher, als ganz großes Kino. Aber was solls, es war in dem Moment genau nach was mir der Sinn stand. Als Betthupferl spontan aufgezogen.

Vom Weingut, 15 Euro, 86 Punkte (sehr gut), jetzt trinken und bis 2010

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Johanneshof Reinisch Junior Steingarten Fusion, 2005

Der Steingarten Fusion, vinifiziert vom Junior Michael Reinisch, ist ein selten anzutreffendes burgundisches Cuvée aus St. Laurent und Pinot Noir, wobei der Erste mit einem Anteil von 80% dominiert. Die Vergärung erfolgt im Holzgärständer und der Wein reift im kleinen Holzfaß mit gemäßigtem Toasting. Das Ergebnis ist ein dunkles Rubinrot, kompakt mit leicht durchscheinendem Kern. Kühler, ätherischer Duft, Fruchtaromen nach dunklen Beeren wie Brombeere, Cassis und junge Erdbeere, schöne Muskat- und Nelkenwürze und zarte Barriquetöne. Grüne Paprika, Fruchtnoten von Feige und Kirsche zeigen im Mund deutlich den hohen Anteil St. Laurent an, zusätzlich sind auch dunkle Beerenaromen und Holznoten zu erkennen. Der Wein wirkt noch jung, schlank und leicht unruhig. Die Tannine sind nicht hart, aber sie verbinden sich noch nicht ausreichend mit den Fruchtaromen. Die Säure hat ausreichend Präsenz. Ein Abgang von mittlerer Länge mit dezent vegetabilen Noten, Nuancen von dunkler Schokolade und Waldfruchtaromen, nicht sonderlich intensiv. Der Wein zeigt interessante Ansätze, wirkt aber noch unentwickelt. Offen verkostet, 2 Stunden in der Karaffe, nächste Flasche nicht vor 2010 öffnen. 

Vom Weingut, 23 Euro, 85+ (sehr gut), bis 2012

Johanneshof Reinisch Zierfandler Reserve, 2006

Zierfandler, in keinster Weise verwand mit dem Zinfandel, ist eine rein österreichische Angelegenheit. Aufgrund zu hoher Erträge und schlechter Behandlung im Keller, führte die einst in Österreich so beliebte Traube ein Schattendasein. Nurmehr 100 ha werden mit dieser autochthonen Rebsorte heute bewirtschaftet. Kurz vor ihrem Aussterben haben renommierte Winzer wie Aumann, Johanneshof Reinisch, Stadelmann oder Zierer die Traube wiederentdeckt und bringen zum Teil tolle Weine hervor. Selbst kam ich auf meiner kürzlich unternommenen Weinreise durch Niederösterreich und Burgenland mit dem Zierfandler in Berührung und war schnell begeistert von dem erstaunlichen Potenzial dieser Traube. Mein heutiger Zierfandler von Reinisch präsentiert sich Goldgelb mit einem schönen Glanz, was auf die typisch, dem Riesling nicht unähnlich, hohen Säurewerte hinweist. Der Wein liegt knapp ein Jahr in neuen Barrique-Fässern, was er in der Nase nicht verleugnet, Butter, Vanille und zarte Karamell-Noten umgarnen die opulente Nase. Sie begleiten, ja umschmeicheln die gelbfleischigen Fruchtaromen von Mirabelle und Pfirsich. Eine jugendliche Frische liefert Aromen von kandierter Zitrusfrucht und Anklänge floraler Noten. Insgesamt ein ungemein raffiniertes, stets ausgewogenes Bouquet und der lebendige Nachweis, wie sehr durch gekonnten Einsatz das Barriqueholz ein Freund des Weißweins sein kann. Im Mund ist dieser Zierfandler ebenso opulent, es überraschen die deutlichen mineralischen Noten und Fruchtaromen nach Apfel und tropischen Früchten, sehr schön eingebunden in würzige Holzaromen. Die ausdrucksstarke Säure erfrischt den Gaumen und liefert genau das, was mir bei zahlreichen Weinen aus Burgundertrauben fehlt. Vielleicht ist er noch etwas streng, der Wein dürfte in 1-2 Jahren noch harmonischer und samtiger sein. Aber schon jetzt ein echter Trinkgenuss für alle, die Neuem aufgeschlossen sind, die Säure des Rieslings lieben und nichts gegen dezente Holzaromen haben. Ein großartiges Weinerlebnis, dass den höheren Preis rechtfertigt.

Vom Weingut, 23 Euro, 92+ (ausgezeichnet), bis 2011