Frucht und Potenzial auf höchstem Niveau — Vintage Port 2011

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Die Weine sind zwar gerade erst auf der Flasche, der Jahrgang 2011 zählt bei Portwein aber als herausragend. Jetzt gab es die Möglichkeit, die Vintage Ports 2011 bei dem Event „World of Port“ in Leverkusen zu verkosten — in einer Jugend, in der das fast schon unschicklich ist. Die Weine sollen ja in der Flasche eigentlich erstmal 30,40 oder noch mehr Jahre ruhen. Jetzt mag mancher sagen, das sei ja alles nur Potenzialtrinken und solch eine Verkostung mache ja kaum Sinn. Das dachte ich auch. War aber nicht so. Die guten Vintage Ports haben jetzt schon alles, was es braucht — Frucht, Säure, Biss, Mineralität, Komplexität und einen eigenen Charakter, der sie wiedererkennbar macht. Die hochwertigen Grundweine kommen darin richtig gut zum Ausdruck. Weiterlesen…

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Quinta de Roriz Douro Vino tinto Reserva, 2003

2003-QDRDRSeit langer Zeit mal wieder ein Wein der Marke „Kellerfund“ – keine Ahnung, wie dieser Wein in meinen Keller kam, jüngst beim Umräumen entdeckt. Recherchen im Internet ergeben, dass dieses Weingut insbesondere für seine Portweine bekannt ist, seine Geschichte geht zurück bis in das frühe 18. Jahrhundert. Bei diesem Reserva soll es sich um eine Cuvée aus 55% Touriga Nacional, 30% Touriga Franca and 15% Tinta Roriz handeln. Da die Verkostungsnotizen, die ich im Internet fand, diesem Wein unisono Trinkreife attestierten, musste ich meine Neugierde zum Glück nicht mit Unvernunft paaren…

In der expressiven, gereiften Nase süßer Tabak, nasse Erde, blutiges Fleisch, dazu ein feiner Brombeer-Schwarzkirsch-Mix. Und nochmals Zigarrenkiste, die mit einem zarten Herrenschokoladenschimmer unterlegt ist. Keinerlei Hitze. Ansprechend streng und animierend zugleich.

Mittlerer bis schon dichter Antrunk, der sich in einer wohlschmeckenden, aromatisch tiefen Mischung aus Brombeere und säuerlicher Johannisbeere wiederspiegelt. Die Frucht geht mit der Säure, die reif erscheint, ein schönes Wechselspiel ein, zusammengehalten wird dieses durch ein wohlplatziertes Schoko-Gerüst, ergänzt wiederum durch merklich tabackige Aromen. Feines Mineral.

Einfach nur beeindruckend ist das feinpudrige, saftige Tannin, das den Gaumen hochelegant förmlich ausstäubt, zart und saftig zugleich. Der Wein wirkt trotz seiner Fruchtintensität recht trocken, was auch dem Zusammenspiel mit der Säure geschuldet ist. Ein wunderbar balancierter Eindruck, der Wein schmeckt prototypisch fruchtig nach seiner sonnendurchfluteten „Duoro-Tal“-Herkunft, aber ohne Überreife und alkoholische Hitze. 13,5 % Alkohol waren hier ein echtes Geschenk der Natur.

Mittellanges, eher feines, aber durchaus nachhaltiges Finale, das dem Wein einen insgesamt runden Auftritt sichert. Perfekte Reife.

Im Handel ca. 25 Euro, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Quinta Vale Dona Maria Vinho Tinto Douro DOC, 2003

Dunkes violettes Rot mit kompaktem Kern. Kurz nach dem Aufmachen reichlich Lösungsmittel, das allmählich abklingt. Der Wein schafft es, uns dank seiner sehr charmanten Früchte abzulenken. Vor allem Kirschkonfit steigt uns die Nase, dahinter ein Sammlung von Waldfrüchten und Cassis. Im Hintergrund zarte Gewürznoten, aber auch leider ein ganz leichter Touch von feuchter Pappe. Im Mund sehr konzentriert, man merkt direkt, dass aus den Trauben in erster Linie Portwein erzeugt wird. Der mächtige Körper sorgt dafür, dass die 15 % Alkohol noch gut verpackt sind, allemal im Abgang sticht er dann ein klein wenig hervor. Das Besondere des Weines sind die glockenklaren Fruchtaromen, die eher an jugendliche Früchte erinnern, besonders an Kirsche und Pflaume. Dadurch erhält der Wein eine gelungene Frische, die sich auch im Abgang gut erhält. Das Holz ist überaus zurückhaltend, fast nobel und sorgt nur für das nötige Fundament des feinen Fruchtspiels. Die Tannine haben gerade begonnen, ihre Krallen einzuziehen und werden sicherlich in 2-3 Jahren wie eine Samtpfote über die Zunge laufen. Heute noch ein wenig adstringierend. In kleiner Runde blind verkostet. Wir empfehlen den Wein einige Stunden vorab  zu karaffieren.

Im Fachhandel um die 30 Euro, 87+ Punkte (sehr gut), 2012 bis 2015

Quinta do Crasto Reserva Old Vines Douro, 2003

Im Glas ein dichtes Schwarzrot, das immer noch lilafarbene Reflexe aufweist — blickdicht und viskos liegt dieser Wein aus bis zu 70 Jahre alten Rebstöcken im Glas. Stumpfes Kakaopulver, das sich in Schichten über eine satte Blau- und Brombeerfrucht gelegt hat, eröffnet diese Nase, die ich im Laufe des Abends immer öfter als komplex bezeichnen werde. Die Nase deutet jedoch unmittelbar an, der Wein ist noch jung.

Die sensorische Achterbahnfahrt führt einen immer wieder zu neuen Eindrücken, mal ist es Lakritze, dann meint man konzentriertes Karamell zu erhaschen. Der Eindruck bleibt nicht lang stehen, denn plötzlich hat der Wein Zedernnoten und erinnert an konzentrierten Fleischsaft, dann wieder herrschen wilde Kräuter und Brombeerlikör vor. Und ehe man sich versieht, gewinnt die dunkle Beerenfrucht wieder an Oberhand und lässt die feinen Schwarzpfeffernoten hinter sich zurück. Schon ein Nasenwein, dieser füllige und unfiltrierte Genosse.

Im Antrunk setzt sich die „etwas wilde“ Stilistik fort, bestimmend ist hier die süßliche, dennoch kühl wirkende Beerenfrucht auf der einen, die kräftigen Holznoten (Bitterschokolade und Karamell) auf der anderen Seite. Der Wein hat aber beste Anlagen, mit mehr Reife auf die ruhige Harmonieschiene zu wechseln. Die Säure ist kräftig und puffert die Extraktsüße stimmig ab. Gute Tiefe, der Wein hat eine sehr feine Mineralik. Das Tannin ist noch (zu) präsent und etwas trocknend kantig. Aber dass dieser Wein noch etwas zu jung ist, hatte ich ja schon erwähnt. Langer und wild-verspielter Abgang. Ach ja, und ich sollte noch erwähnen, dass dieser Wein mit 14,5 % Alkohol ins Rennen geht, die seinem Auftritt des Weines aber nichts anhaben können. Es ist halt kein Hochsommerwein.

Offen über zwei Abende verkostet, am ersten Abend drei Stunden dekantiert und als ausgezeichneten Begleiter zu Rinderrouladen mit fruchtigem Rotkohl auf den Tisch gebracht.

Im Fachhandel gekauft, 26 Euro, 90+ Punkte (ausgezeichnet), Ende 2012 bis mind. 2015

Jose Maria da Fonseca Periquita Reserva 2005

Mittwochswein, der Vierte. Eine Assemblage der autochthonen portugiesischen Rebsorten Castellao, Touriga Nacional und Touriga Franca.

Dunkles Rubinrot. Die Nase beginnt mit einem etwas aufgesetzt wirkenden Vanilleton, dahinter erst öffnet sich ein subtiler dunkler Fruchtkern, der an Pflaumen und Heidelbeere erinnert. Rauch, Anklänge an Speck und eine leicht staubig anmutende Holznote lassen verraten, der Wein hatte Holzkontakt. Merkliche Fruchtsüße im Antrunk, fruchtbetonter Stil; geschmacklich mit Zwetschgen und einer kräftigen, aber stimmigen Säure. Nicht sonderlich komplex und auch nicht tief im Sinne von tief, aber ungemein trinkig. Der Alkohol ist recht balanciert und das Tannin ist schon ziemlich abgeschmolzen, die würzigen Holzeindrücke bleiben mit einer leichten Herbe in Erinnerung. Gerade mittellanger Abgang.

Ein runder Wein, der dennoch genug Charakter hat, um ein würziges Fleischgericht unaufgeregt und ansprechend zu begleiten. Hat volle Trinkreife. Ich sollte mich vielleicht auch einmal den anspruchsvolleren Weinen dieses Winzers widmen. Undekantiert und offen getrunken.

Im Fachhandel gekauft, 9,20 Euro, 83 Punkte (gut), jetzt trinken

Joao P. Ramos Marques de Borba Tinto, 2006

2006-jpramosmarquesborba_2Kennen Sie Trincadeira? Und Aragonez? Nein? Sollten Sie aber, zumindest einmal im Glas gehabt haben. Ich muss natürlich zugeben, dass sich meine Weinerfahrungen mit autochthonen portugiesischen Rebsorten auch nur in übersehbaren Grenzen halten. Und doch habe ich eine ausgesprochene Sympathie für gerade solche Rebsorten, die man halt nicht an jedem Fleck dieser Erde findet. Bei diesem Wein handelt es sich um die handgelesene Basiscuvée, sein großer Bruder erscheint als Reserva, den hatte ich aber bislang noch nicht im Glas.

In der zunächst nur verhaltenen, erst mit mehr Luft expressiver und würziger werdenen Nase finden sich säuerlich-frische rote Johannisbeeren, etwas Brombeeren und dazu eine leicht balsamische Note. Der Alkohol ist passabel eingebunden und lugt nur etwas hinter den Fruchtkomponenten hervor. In der mit Ansätzen von Tiefe ausgestatteten Nase klingt zudem Vollmilchschokolade an. Im Mund dunkelbeerig fruchtbetont, dann schleicht sich eine leichte Extraktsüße (3,5 g/l Zucker) über die Zunge. Die stört mich aber nicht weiter, denn der Wein hat eine erfrischende Säure, die jederzeit für die notwendige Balance sorgt. Geschmacklich gehen die Nuancen ins Dunkelfruchtige, dazu würzig-pfeffrige Noten und wieder Schokolade. Am Gaumen etwas schlanker, mit kräftigem, leicht trocknendem Tannin, mittellanger Nachhall, der von Frucht- und Holznoten geprägt ist. Fällt am Gaumen geschmacklich in der Dichte etwas ab, aber darüber sollte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein, denn der Wein wirkt noch recht jung.

Wir hatten ihn als Begleiter zu einem mediterranen Gemüsetopf, und dazu war er ein eigenständiger, jederzeit stimmiger Speisenbegleiter, der in den nächsten zwei Jahren mit Genuss zu trinken sein wird. Schmeckte im Übrigen auch nach dem Essen noch und büßte auch am zweiten Tag geschmacklich nichts ein. Offen verkostet, eine Stunde in der Karaffe, zu Hause.

Im Fachhandel, ca. 8 Euro, 85 Punkte (sehr gut), bis mind. 2010

Quinta do Vale Doña Maria Tinto Douro, 2001

„Portugals Geschichte ist geprägt von Seefahrern und Entdeckern. Von der Iberischen Halbinsel blickt das Land über den Atlantik. Die Geschichte hat sich dauerhaft auf die Kultur des Landes ausgewirkt: Die maurischen und orientalischen Einflüsse sind nicht zu übersehen“, so ist es auf der Homepage der EU einführend zur Länderbeschreibung Portugals lesen. Was auf den ersten Blick nach übelster Klischeé-Verallgemeinerung klingt, bewahrheitet sich dann doch schon mit dem ersten Blick auf das Rückenetikett der Flasche. Denn hier sieht man sie, die Verbindung mit dem Orient: Die in Portugal wohl bezeichnungsrechtlich zulässige Angabe des Flascheninhalts ist dort nämlich wie folgt beschrieben: „> 0,50 L e ≤ 1 L.“ Das erinnert spontan ein wenig an einen orientalischen Basar, die Handelnden benennen ihre Extrempositionen und man trifft sich dann irgendwo in der Mitte. Meine Empfehlung geht allerdings dahin, sich von diesem Wein dringend > 0,50 L zu sichern, denn er ist mehr als nur ein vergnüglicher Speisenbegleiter zu kräftigen Fleischgerichten:

Tiefdunkles Purpurrot ohne Aufhellung zum Randbereich des Glases hin. In der schon deutliche Ansätze von Komplexität zeigenden Nase ein Korb voller dunkler Früchte, Leder, Amarenakirsch, Bitter- und auch Vollmilchschokolade. Mit mehr Luft riecht man auch Bratensaft und eine kräuterige Note. Man mag zuerst gar nicht trinken, da schon die Nase fesselt. Der Alkohol ist dabei nicht spürbar. Im Antrunk ist der Wein dicht, man kann fast auf ihm kauen.  Was zunächst paradox erscheint, gelingt: Seiner Dichte zum Trotz wirkt der Wein nicht fett, sondern kühl, ist durchaus strukturiert und bleibt dank der präsenten Säure jederzeit trinkig. Der finessenreiche Geschmack wird geprägt von dunklen Früchten und dem geschmacklich perfekt integrierten Holz (französische Eiche?), das die Zähne mit einem dünnen Film seidiger, sehr geschliffener Tannine überlagert.  Sehr langer Nachhall, der von Frucht und Schokonoten getragen wird. Erst hier zeigt der Wein kurz, dass er auch den Seefahrern auf einer langen Überfahrt mit seinen 14,5 % Alkohol Trost spenden kann. Er ist aber ganz eindeutig eher für die Offiziersmesse als für die Jungs vom Ausguck geeignet. Offen verkostet, undekantiert, zu Hause.

Ca. 20 Euro, im Fachhandel ausverkauft, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2011