Aufbruch des Priorats – Große Weine von den Steilhänges des Montsant-Gebirges

Aufbruch Priorat-Probe (27 von 27)Dank meines guten Weinfreundes Norbert K. hatte ich das Glück vor einigen Jahren die Weine aus dem Priorat zu entdecken. Die besten Weine können ein einmaliges Geschmacksprofil und einen mineralischen Ausdruck entwickeln, wie ich es bei einem Rotwein nirgendwo sonst erfahren durfte. Hochfeine und glockenklare Fruchtaromen nach Blaubeeren, Kirschen und Cassis gepaart mit einer intensiven Graphit- und Schiefernote, dazu hält sich das Holz im Hintergrund. Es sind Grenzgänger und so liegt die Kunst in der richtigen Balance aus Traubenreife, Alkohol und Anteil Neuholz. Wenn es gelingt zählen sie zu den großen Weinen der Welt.

Nach der ersten Probe begann ich auf internationalen Auktionen gereifte Spitzenweine zu sammeln und siehe da, die Weine waren erschwinglich und mit etwas Geduld und Ausdauer hatte ich nach drei Jahren eine hinreichende Sammlung zusammen um eine hochwertige Probe ausgewählter Spitzenweine aus den Anfängen des Priorates zusammenzustellen.

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Vega-Sicilia-Probe: Von Alion, über Valbuena zu den Unicos und großen Reserva Especials

Vega Sicilia Titelbild (1 von 1)Im Frühjahr 2015 trafen sich in Bonn Weinfreunde, um einige der großen Weine der Bodegas Vega Sicilia zu verkosten. Anlass war das erfolgreiche Ersteigern von vier Unico Reserva Especial aus den Jahrgängen 1960 bis 1974. Darüberhinaus kramten noch einige Teilnehmer ihre Raritäten aus den Kellern hervor. Ein tolles Line-Up war schnell erstellt, und in kurzer Zeit waren die Plätze für die Probe vergeben, trotz der hohen Preise, die leider mittlerweile für die großen, gereiften Unicos aufgerufen werden. Damit das alles noch einigermaßen bezahlbar blieb, haben wir auch einige Zweitweine von Vega Sicilia, den Valbuena 5, verkostet, sowie einige Weine vom zweiten Weingut Alion, dass erst 1992 gegründet wurde. Mit dem 2001 Toro gab es dazu noch einen Wein von einem Weingut, dass Vega Sicilia im Jahr 2001 gründete und eine etwas modernere Interpretation des Tempranillo erzeugt. Auf dem Bild sind auch noch einige internationale Gäste zu sehen, die sich in der Probe dazu gesellten. Die Probe zeigte, dass die besten Jahrgänge der Unicos und besonders die Cuveés Reserva Especial mit den großen Weinen der Welt ohne Frage mithalten können. Die Weine aus der Tempranillo-Traube können in der Spitze ebenfalls eine ansprechende Feinheit und aromatische Tiefe entwickeln. Dabei präsentierten sich die Weine aromatisch durchaus unterschiedlich. Weiterlesen →

Partida Creus „Garrut“, 2012

Garrut

Achtung, vins naturel! Ich möchte diesen Trend hier gar nicht hochschreiben. Ich begleite ihn mit Aufgeschlossenheit, Sympathie und Neugier und freue mich, dass es Winzer gibt, die ihn prägen. Wieder einmal deutlich wurde mir das auf dem Weinsalon Natürel Mitte März in Köln, der alljährlich von dem Kölner Naturwein-Händler La Vincaillerie veranstaltet wird. Dieses Event auf einem, ganz passenden, nicht gerade uncoolen verfallenen Gewerbehof in Köln-Ehrenfeld bot die ideale Gelegenheit, um in diese wirklich alternative Weinszene einzutauchen und sich darauf einzulassen. Für meinen Gaumen war es wieder mal eine Art Versuchslabor, die Weine schmecken tatsächlich anders, auch hatte ich noch nie so viele ungeschwefelte Weine auf einmal verkostet. Einige Weine lagen jenseits meines Horizonts, andere hingegen waren für mich eine Entdeckung. So vor allem traditionell maischevergorene Weiße aus Venetien (Franco Terpin) und Slowenien (Klinec), aber auch ein Cabernet Franc von der Loire (»Érèbe« von der Domaine des maisons brûlées). Wieder einmal sehr anregend waren die Weine von Pierre Frick, wenn sie auch, im Vergleich zu anderen Winzern auf dem Event, fast wie geschliffen – und damit zugegeben wohltuend – wirkten.

Salon Natürel

Der Stil dieser ganz konsequenten vins naturel ist sehr eigen. Mal ganz unabhängig davon, was die Winzer erreichen wollen, mein rein sensorischer Eindruck ist immer wieder, dass es hier kompromisslos um die Frucht geht. Ablenkende sekundäre Aromen finden sich kaum, es sei denn die Weine sind länger maischevergoren. Erstaunlich sind in den gelungensten Fällen die Duftigkeit, der Facettenreichtum, die Tiefe und manchmal auch die Mineralität in der Frucht. Parfümiert oder lätschig war kaum einer der verkosteten Weine, das Bukett ist interessant und wandlungsfähig, dreht sich aber immer allein um die Frucht. Das vermittelt auch geschmacklich eine besonders geartete Reinheit, die mir ziemlich gut gefällt. Ebenso beachtlich ist die Frische, die viele Weine haben. Die Säure ist häufig deutlicher und schonungsloser als man es sonst kennt. Über sie kommt aber Power in die Weine, sowohl bei den roten, was ja immer noch ungewöhnlich ist, als auch bei den weißen, und das bei oft eher nicht so üppigem Körper. Viele Weine musste ich mir erschließen. Zuerst wurde man, begleitet von duftigen Fruchtaromen, im Sog der Säure quasi in die Weine hineingezogen, bis hinunter auf die Säureader oder auf die traubig schmeckende Gerbstoffigkeit, irgendwie auf das Skelett des Weins. Von dort schmeckte man sich dann wieder bis in die äußeren Schichten hervor.

Auch diesen Monastrell aus Katalonien – Garrut ist ein katalonischer Name für die Rebsorte – habe ich zum ersten Mal auf dem Event verkostet. Die blitzsaubere Frucht und die Frische, wie man sie auf keinen Fall von dieser Rebsorte kennt, beeindruckten mich derart, dass ich nicht umher kam, davon eine zweite und dritte Flasche an dem Tag noch durch halb Köln in die Fußballkneipe und dann mit der S-Bahn bis nach Bonn zu schleppen.

Dichtes dunkles Rubinrot, dunkelroter Kern, violette Reflexe. In der Nase zuerst rohes Fleisch, roter Tee, Kräuter, etwas Schweiß bzw. eine Sauvage-Note, dahinter entfaltet sich dann eine wunderschöne würzige, florale Duftigkeit, dazu Oliven und Milchschokolade. Im Mund ein dichtes Extrakt, der Wein rollt dick und konzentriert über die Zunge. Er hat eine schöne trockene rote, auch blaue, ganz saubere Frucht, hier ist nichts eingekocht oder überreif. Die Frucht wird flankiert von mineralischen Noten, Eisen, Fleisch, Blut, und man stößt schnell auf die frische, deutliche Säure. Hier ist nichts trocknend, das Tannin hält einfach nur alles in Bahnen und sorgt für eine leichte Mokkanote, die der sehnigen, ernst wirkenden Frucht sehr gut steht. Hat man sich erstmal durch das Extrakt geschmeckt, nimmt man die schöne Wässerigkeit des Weins wahr. Der Abgang ist mittellang und bleibt auf der rotfruchtigen, herben, auch salzigen Eisen-Note stehen. Der Wein hat mit Sicherheit kein neues Holz gesehen, die Tannine sind traubig. Auch hat er nur wenig Schwefel abbekommen, Naturwein eben. Die Struktur von der langen Maischevergärung steht ihm gut.

Ganz erstaunlich, wie viel Tiefe und Spiel in diesem Wein steckt und welche Spannung in ihm liegt. Die 14% Alkohol steckt er weg, obwohl er durchgegoren und völlig trocken ist. Das schafft allein die Frucht. Beeindruckend ist die kompromisslose Fleischigkeit und Blutigkeit dieses Weins. Der Wein ist sehr sehnig, er hat eher wenig Körper, und das trotz des Alkohols. Manch einem böte das vielleicht zu wenig Charme, zu wenig zum Reinlegen, die Sprödigkeit ist auch nicht gerade elegant zu nennen, mir aber gefällt dieser extreme Stil ziemlich gut.

Von der Weinmesse, 18 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt oder in ein, zwei Jahren trinken

Große Weine von der Wunschliste

fruehjahrsprobe-gruppenbild(Notizen: Rainer Kaltenecker, Fotografien: Thorsten Mücke)

Welcher Weinsammler hat ihn nicht: seinen Wunschzettel voller Weine, die man zumindest einmal im Leben im Glas haben möchte. Ein Phänomen dabei ist, dass dieser Wunschzettel mit mit den Jahren eher länger als kürzer wird, beim Wein werden wir alle zu kleinen Kindern, die den Hals nicht vollbekommen können. Daher lautet meine Geschenkempfehlung an alle Weinsammler der Welt der Korkenzieher, denn nur so wird die Liste kürzer. Und genau nach diesem Motto fand in Bonn dieses Jahr eine Probe nur mit Wunschweinen statt.

Die Sonne strahlte auf uns herab und so starteten wir auf der Terrasse mit einer herrlichen frischen, perfekt gereiften 1993er Spätlese Oberemmeler Hütte von von Hövel. Ein Saar-Riesling per Excellence, mit der typischen animierenden Saar-Säure, feiner Süße, sehr harmonischer Verlauf, erste Reifenoten, langer Nachhall. 92/100. Die Flasche leerte sich zügig. Anschließend ging es in die gute Stube und die Probe konnte beginnen.

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Tirant Rotllan Torra Priorat, 1997

Tritant Rotllan Torra, 1997 (100 von 1)Ach, wie herrlich überraschend Wein sein kann, denn immer wieder erweist sich die grauste Maus als der perfekte Begleiter für einen Abend. So auch dieser Rotllan Torra aus 1997. Ein klassischer Mitkauf in einem gemischten Lot mit ganz schlechtem Füllstand (mid-shoulder). Der Korken durchweicht und zerbröselt vollständig beim Versuch ihn aus der Flasche zu ziehen. Na gut, zumindest kurz probieren, bevor ich ihn vermutlich entsorge. Aber bereits der allererste Eindruck lies mich gehörig aufhorchen.

Tiefes, komplexes Bukett nach gereiften Waldbeeren und Kirschen, Schwaden von mild-süßlichem Tabak durchziehen die Frucht, dahinter eine Mischung aus salzigen Mandeln und frischen Blütenblättern, insgesamt sehr feinsinnig und klar, reif, aber ohne jede Überreife, zeigt ständig neue Nuancen. Ich muss es sagen, ein überzeugend vielschichtiges Bukett.

Am Gaumen von mittlerem Körper, perfekt gereift mit saftig-klarem Fruchtauftakt nach reifen Brombeeren, Schwarzkirschen, Schlehen, erneut vermählt mit Tabaknoten, dazu kommen noble Anklänge von Herrenschokolade, sehr klare Aromatik, zeigt einen charmanten süß-schmelzigen Kern, vitaler Säurebogen, der weder resch, noch von der Frucht erschlagen wird, wirkt jederzeit beweglich und animierend zu trinken, zeigt eine salzig-felsige Mineralität, die Tannine leicht trocknend, im hinteren Verlauf verengt sich der Rotllan Torra aromatisch und schmeckt dann ein wenig bäuerlich, die anfängliche Eleganz und aufgefächerte Aromatik kann er nicht voll durchhalten, so ist der Nachhall eher knapp mittellang und wenig aufregend, es bleibt ein trockenes Mundgefühl zurück. Trotzdem ist dies ein ausgezeichneter Vertreter aus dem Priorat, der sich herrlich unbeschwert trinken lässt. Jetzt auf seinem Höhepunkt und sollte nun auch getrunken werden, zumindest bei einem derartigen Füllstand.

Kein Vergleich zu dem 98er, keinerlei animalische bzw. stallige Noten.

Vom Fachhandel, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Priorat 2009 & 2010-Probe

Priorat 2009 & 2010-Probe Titel (111 von 12)Michael hat letztes Jahr ausgiebig das Monsant-Gebirge mit dem Fahrrad und seinem Caddy bereist und dabei zahlreiche Winzer besucht und so war es nicht verwunderlich, dass er dieses Jahr mit Leidenschaft uns 14 Weine aus dem Gebiet präsentierte. Die Jahrgänge 2009 und 2010 standen an, die sehr unterschiedlich ausfielen. 2009 brachte dank der zahllosen Sonnentag hochreife, fleischige Weine hervor, während 2010 eher kühl ausfiel und entsprechend schlankere, mineralische Vertreter hervorbrachte. Pauschale Aussagen über die Güte eines Jahrganges sind naturgemäß nur ein grobe Richtschnur, aber mir gefielen die 2010er in dieser Probe deutlich besser. Das mineralische Potential der Weine tritt deutlicher zu Tage, sie haben weniger Alkohol und die zur überreife neigende Stilistik der Priorat-Weine zeigt sich hier seltener und so trinken sich die Weine animierender. Alle Weine wurden aufgrund ihrer Jugend ein oder zwei Tage vorher dekantiert und verbrachten dabei bis zu 12 Stunden in der Karaffe. Das langes Karaffieren natürlich keine Reife ersetzen kann, zeigte der Abschluss der schönen Probe, mit dem 1999er Clos Mogador, der den Jungweinen deutlich überlegen war. Die Weine kamen wir immer blind ins Glas. Ich danke Michael für die schöne Probe im Rahmen der Bonner Weinrunde.

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Große Weine in kleiner Runde

Titel Große Weine in kleiner RundeEiner der schönsten Proben des Jahres erlebte ich im November in Gütersloh. Nur sieben Weinliebhaber und Weinliebhaberinnen brachten je zwei hochwertige Flaschen mit und der Gastgeber verwöhnte uns kulinarisch auf das Allerfeinste. Wie sich herausstellte, hatten alle dieselbe Vorstellung von „hochwertig“, dazu war die Runde dermaßen entspannt, wie ich es mir öfters wünschen würde.

Das Vorprogramm startete mit einer Besonderheit, einem slowenischen Sauvignon Blanc von der Domaine Ciringa, der auf der steirischen Lage Zieregg wächst. Der Fosilni Breg 2011 wird am Weingut Tement gekeltert und offenbart in der Nase unmittelbar seine Rebsorte, im Mund überraschend trocken, würzig, Pfeffernote, tropische Anklänge, insgesamt ausgewogen, im Nachhall etwas karg 84/100. Auch der nächste Wein war besonders, denn im Rheingau macht wohl nur J.B. Becker derart furztrockene Rieslinge, die im Holzfass gereift nun wirklich nicht dem gemeinen Bild des Rheingau-Riesling entsprechen. Egal, seine Art kann ganz großartig sein, nur dieser 1990er-Wallufer Walkenberg Spätlese „trocken“ war schon einige Jahre drüber. Intensiver Duft nach Wachs, Mandeln, Brioche, nicht uninteressant, aber nur was für Freaks. Am Gaumen mittlerer Körper, erneut keine Frucht zu erkennen, trocken, die Säure geht rustikal zu Werke, fortgeschrittene Oxidation, komplexe Sekundär- und Tertiäraromen, null Charme 83/100. Der 2006er-Chardonnay von Jim Clendenen´s Große Weine in kleiner Runde 2Weingut Au Bon Climat aus dem Santa Ynez Valley (Santa Barbara County) war überraschend stark vom Holz maskiert, der die sehr frische und lebhafte Frucht besonders in der Nase stark maskierte. Am Gaumen von mittlerem Körper, das Holz lässt hier der Frucht etwas mehr Raum und zeigt eine erstaunliche Frische und Feinheit, betont trocken, ohne jede Schwülstigkeit, der Wein scheint mir heute noch zu jung, wenn er in wenigen Jahren das Holz besser integriert hat, kann das ein ausgezeichneter agiler Chardonnay werden. Heute 88/100. Noch jünger war der 2007er-Chardonnay von Bouchard aus der Mersault-Lage Genevriéres. Etwas offeneres, fruchtigeres Bukett nach frischen Birnenspalten, Mandeln, vielschichtige Kräuter, das Holz noch sehr deutlich wahrnehmbar. Am Gaumen mittelkräftig, saftiger Antrunk, viel Frucht und Holz, noch recht laut, Karamell, wirkt etwas süßer und fülliger, als der Kalifornier, die Frucht noch leicht dropsig, aber alles vorhanden für eine schöne Entwicklung. Noch liegen lassen 90/100.

Dann kamen wir zum Hauptprogramm und es ging los mit einem auf den Punkt gereiften Bricco dell´Uccelone von Braida aus dem Jahr 1998. Das war einfach perfekt gereifter Barbera mit einer verführerischen Kirschfrucht, roten Johannisbeeren, vom Faßausbau kaum etwas zu spüren, rauschendes Säurespiel, ungemein klar und packend, sehr animierend zu trinken, jetzt auf dem Höhepunkt 92/100. Erstaunlich gut in Form der Spätburgunder S vom Weingut Keller aus dem Jahr 2001. Feines Bukett nach rotbeerigen Früchten, floralen Anklängen, wirkte noch sehr jugendlich. Am Gaumen frisch, herrlich klare rotbeerige Früchte, nur am Rande zeigte sich das Holz, könnte auch aus dem Burgund kommen, kräftige Säure, im hinteren Bereich ziehte er sich leider etwas zu und hinterlies ein trocknendes Mundgefühl, trotzdem 89/100.

Einfach ein großer Syrah ist der 1991er-La Turque von Guigal, mit einem intensiven Duft nach Teer, dunklen Waldfrüchten, Schinkenspeck und Olivenpaste, schon die Nase macht süchtig. Am Gaumen ohne Schwere, aber mit höchstem aromatischen Ausdruck, frisch-saftiger Auftakt nach Waldfrüchten, von wilden Kräutern ummantelt, alle Aromen im ständigen Spiel, alle Komponenten, Säure, Holz, Tannin, sitzen perfekt, Musterbeispiel an Komplexität, langer Nachhall. Großes Kino 97/100. Ausgezeichnet dann der 1996er-Chateauneuf-du-Pape Reserve vom Chateau Rayas mit einem wilden Bukett nach Rauch, deutlichen Holznoten, erinnerten an Grillaromen und dunkle Herrenschokolade, extreme Würzigkeit, im Hintergrund dunkle Waldbeeren und erste Champignonanklänge zeigen eine fortgeschrittene Entwicklung. Am Gaumen entspricht er aromatisch dem Naseneindruck, die Frucht tritt etwas deutlich zu Tage mit leichter Überreife, wirkt gewogen, die Aromen spielen und bringen Tiefe in den Wein, solide Säurestruktur, viel Zug, bleibt lange am Gaumen, jetzt gut zu trinken 93/100. Höhepunkt dann der ultrarare und ebenso teurer Vega-Sicilia Unico Reserva Especial, ein Cuvée aus den Unico Reserve Especial 70-72-73Jahrgängen 1970, 1972 und 1973. Der roch einmalig distinguiert nach Schwarzbrot, Blaubeeren, Schlehen, Kirschsaft und dunkler Bitterschokolade, insgesamt einfach nobel komponiert ohne jede Alterserscheinung. Am Gaumen saftig, klar, seidiges Mundgefühl, perfekte Balance aller Komponenten, erneut dieses sublime Spiel aus dunklen Waldfrüchten und einer Essenz aus Kirsche, vermählt mit den Schwarzbrotnoten, faszinierend feines Säurespiel, auch hier vom Alter nichts zu merken, außer seiner einmaligen Entspanntheit, bleibt sehr lange, ohne sonderlichen Druck am Gaumen haften, es geht kaum besser, jede Suche wert 97/100. Da kam der ebenfalls ausgezeichnete Cheval Blanc aus dem Jahr 1995 einfach nicht mit. Der duftet noch sehr jugendlich nach Kirschen, Cassis und Brombeeren, Schoko und Kakao vom Holz, sehr fein, aber noch nicht ganz aufgefächert. Der Auftakt am Gaumen dicht, klar und saftig, mit noch leicht jugendlich-süßlicher dunkler Beerenfrucht, Cheval Blanc 1995Schwarzkirschen mit Schokoüberzug, dahinter erste Anklänge von geräucherten Schinken und ätherische Noten, Kaffee, komplex, aber noch verschlossen, gute Länge, würde ich noch ein wenig liegen lassen 92+/100. Noch viel Frische, aber nur mäßigen Tiefgang zeigte der 1955er-Calon Segur. Duftet nach fragilen rotbeerigen Früchten, Küchenkräuter, leicht störend metallische Anklänge, Klebstoff im Hintergrund. Im Mund erstaunlich viel rotbeerige Frucht, macht im Auftakt einen fast saftigen Eindruck, der sich aber immer weiter verschlankt und im Nachhall versiegt dann die Frucht, die Säure recht markant, es fehlt ein wenig an Fülle, trotzdem noch wirklich sehr gut mit Genuss zu trinken 87/100. Der formale Höhepunkt war dann leider oxidiert, was bei einem Wein aus dem Jahr 1915 natürlich nicht wirklich überrascht. Trotzdem saßen wir mit langen Gesichtern vor dem Morin Pommard Hospices 1915Morin Pommard Hospices de Beaune, einfach weil wir uns soviel von ihm versprochen hatten. Besonders der edle Spender, mein Weinfreund Norbert, war natürlich untröstlich. Tröste dich, wie du weißt hatten wir wenige Wochen danach zwei Morins, die uns in den Burgund-Himmel führten. Den Abschluss machte der 1994er-Cabernet Sauvignon Reserve von Robert Mondavi, Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve, 1994der mit seine tiefen, dunklen Kirsch- und Cassisfrucht sofort Noblesse versprühte, feine Minze, Graphit, wirkt fast noch scheu. Ebenso im Mund, er wirkte jedoch dermaßen zurückhaltend, schüchtern, wie wir es alle von einem Wein aus Napa Valley noch nicht erlebt hatten. Die Frucht, die Tannine, das Holz geschliffen, ohne jedes Geschrei, im Gegenteil sehr balanciert, fein, aber auch irgendwie komplett eingeschüchtert. Der Wein lies sich gut trinken, man spürte seine ganze Klasse, aber er lies uns irgendwie ratlos zurück, wenn der Wein sich auffächert, scheint mir die hohe Meinung von Parker möglich, heute wollte ich ihn nicht bewerten. Anschließend gab es noch feine Süßweine, die ich aber nicht mehr seriös notiert habe.