Aufbruch des Priorats – Große Weine von den Steilhänges des Montsant-Gebirges

Aufbruch Priorat-Probe (27 von 27)Dank meines guten Weinfreundes Norbert K. hatte ich das Glück vor einigen Jahren die Weine aus dem Priorat zu entdecken. Die besten Weine können ein einmaliges Geschmacksprofil und einen mineralischen Ausdruck entwickeln, wie ich es bei einem Rotwein nirgendwo sonst erfahren durfte. Hochfeine und glockenklare Fruchtaromen nach Blaubeeren, Kirschen und Cassis gepaart mit einer intensiven Graphit- und Schiefernote, dazu hält sich das Holz im Hintergrund. Es sind Grenzgänger und so liegt die Kunst in der richtigen Balance aus Traubenreife, Alkohol und Anteil Neuholz. Wenn es gelingt zählen sie zu den großen Weinen der Welt.

Nach der ersten Probe begann ich auf internationalen Auktionen gereifte Spitzenweine zu sammeln und siehe da, die Weine waren erschwinglich und mit etwas Geduld und Ausdauer hatte ich nach drei Jahren eine hinreichende Sammlung zusammen um eine hochwertige Probe ausgewählter Spitzenweine aus den Anfängen des Priorates zusammenzustellen.

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Vega-Sicilia-Probe: Von Alion, über Valbuena zu den Unicos und großen Reserva Especials

Vega Sicilia Titelbild (1 von 1)Im Frühjahr 2015 trafen sich in Bonn Weinfreunde, um einige der großen Weine der Bodegas Vega Sicilia zu verkosten. Anlass war das erfolgreiche Ersteigern von vier Unico Reserva Especial aus den Jahrgängen 1960 bis 1974. Darüberhinaus kramten noch einige Teilnehmer ihre Raritäten aus den Kellern hervor. Ein tolles Line-Up war schnell erstellt, und in kurzer Zeit waren die Plätze für die Probe vergeben, trotz der hohen Preise, die leider mittlerweile für die großen, gereiften Unicos aufgerufen werden. Damit das alles noch einigermaßen bezahlbar blieb, haben wir auch einige Zweitweine von Vega Sicilia, den Valbuena 5, verkostet, sowie einige Weine vom zweiten Weingut Alion, dass erst 1992 gegründet wurde. Mit dem 2001 Toro gab es dazu noch einen Wein von einem Weingut, dass Vega Sicilia im Jahr 2001 gründete und eine etwas modernere Interpretation des Tempranillo erzeugt. Auf dem Bild sind auch noch einige internationale Gäste zu sehen, die sich in der Probe dazu gesellten. Die Probe zeigte, dass die besten Jahrgänge der Unicos und besonders die Cuveés Reserva Especial mit den großen Weinen der Welt ohne Frage mithalten können. Die Weine aus der Tempranillo-Traube können in der Spitze ebenfalls eine ansprechende Feinheit und aromatische Tiefe entwickeln. Dabei präsentierten sich die Weine aromatisch durchaus unterschiedlich. Weiterlesen →

Partida Creus „Garrut“, 2012

Garrut

Achtung, vins naturel! Ich möchte diesen Trend hier gar nicht hochschreiben. Ich begleite ihn mit Aufgeschlossenheit, Sympathie und Neugier und freue mich, dass es Winzer gibt, die ihn prägen. Wieder einmal deutlich wurde mir das auf dem Weinsalon Natürel Mitte März in Köln, der alljährlich von dem Kölner Naturwein-Händler La Vincaillerie veranstaltet wird. Dieses Event auf einem, ganz passenden, nicht gerade uncoolen verfallenen Gewerbehof in Köln-Ehrenfeld bot die ideale Gelegenheit, um in diese wirklich alternative Weinszene einzutauchen und sich darauf einzulassen. Für meinen Gaumen war es wieder mal eine Art Versuchslabor, die Weine schmecken tatsächlich anders, auch hatte ich noch nie so viele ungeschwefelte Weine auf einmal verkostet. Einige Weine lagen jenseits meines Horizonts, andere hingegen waren für mich eine Entdeckung. So vor allem traditionell maischevergorene Weiße aus Venetien (Franco Terpin) und Slowenien (Klinec), aber auch ein Cabernet Franc von der Loire (»Érèbe« von der Domaine des maisons brûlées). Wieder einmal sehr anregend waren die Weine von Pierre Frick, wenn sie auch, im Vergleich zu anderen Winzern auf dem Event, fast wie geschliffen – und damit zugegeben wohltuend – wirkten.

Salon Natürel

Der Stil dieser ganz konsequenten vins naturel ist sehr eigen. Mal ganz unabhängig davon, was die Winzer erreichen wollen, mein rein sensorischer Eindruck ist immer wieder, dass es hier kompromisslos um die Frucht geht. Ablenkende sekundäre Aromen finden sich kaum, es sei denn die Weine sind länger maischevergoren. Erstaunlich sind in den gelungensten Fällen die Duftigkeit, der Facettenreichtum, die Tiefe und manchmal auch die Mineralität in der Frucht. Parfümiert oder lätschig war kaum einer der verkosteten Weine, das Bukett ist interessant und wandlungsfähig, dreht sich aber immer allein um die Frucht. Das vermittelt auch geschmacklich eine besonders geartete Reinheit, die mir ziemlich gut gefällt. Ebenso beachtlich ist die Frische, die viele Weine haben. Die Säure ist häufig deutlicher und schonungsloser als man es sonst kennt. Über sie kommt aber Power in die Weine, sowohl bei den roten, was ja immer noch ungewöhnlich ist, als auch bei den weißen, und das bei oft eher nicht so üppigem Körper. Viele Weine musste ich mir erschließen. Zuerst wurde man, begleitet von duftigen Fruchtaromen, im Sog der Säure quasi in die Weine hineingezogen, bis hinunter auf die Säureader oder auf die traubig schmeckende Gerbstoffigkeit, irgendwie auf das Skelett des Weins. Von dort schmeckte man sich dann wieder bis in die äußeren Schichten hervor.

Auch diesen Monastrell aus Katalonien – Garrut ist ein katalonischer Name für die Rebsorte – habe ich zum ersten Mal auf dem Event verkostet. Die blitzsaubere Frucht und die Frische, wie man sie auf keinen Fall von dieser Rebsorte kennt, beeindruckten mich derart, dass ich nicht umher kam, davon eine zweite und dritte Flasche an dem Tag noch durch halb Köln in die Fußballkneipe und dann mit der S-Bahn bis nach Bonn zu schleppen.

Dichtes dunkles Rubinrot, dunkelroter Kern, violette Reflexe. In der Nase zuerst rohes Fleisch, roter Tee, Kräuter, etwas Schweiß bzw. eine Sauvage-Note, dahinter entfaltet sich dann eine wunderschöne würzige, florale Duftigkeit, dazu Oliven und Milchschokolade. Im Mund ein dichtes Extrakt, der Wein rollt dick und konzentriert über die Zunge. Er hat eine schöne trockene rote, auch blaue, ganz saubere Frucht, hier ist nichts eingekocht oder überreif. Die Frucht wird flankiert von mineralischen Noten, Eisen, Fleisch, Blut, und man stößt schnell auf die frische, deutliche Säure. Hier ist nichts trocknend, das Tannin hält einfach nur alles in Bahnen und sorgt für eine leichte Mokkanote, die der sehnigen, ernst wirkenden Frucht sehr gut steht. Hat man sich erstmal durch das Extrakt geschmeckt, nimmt man die schöne Wässerigkeit des Weins wahr. Der Abgang ist mittellang und bleibt auf der rotfruchtigen, herben, auch salzigen Eisen-Note stehen. Der Wein hat mit Sicherheit kein neues Holz gesehen, die Tannine sind traubig. Auch hat er nur wenig Schwefel abbekommen, Naturwein eben. Die Struktur von der langen Maischevergärung steht ihm gut.

Ganz erstaunlich, wie viel Tiefe und Spiel in diesem Wein steckt und welche Spannung in ihm liegt. Die 14% Alkohol steckt er weg, obwohl er durchgegoren und völlig trocken ist. Das schafft allein die Frucht. Beeindruckend ist die kompromisslose Fleischigkeit und Blutigkeit dieses Weins. Der Wein ist sehr sehnig, er hat eher wenig Körper, und das trotz des Alkohols. Manch einem böte das vielleicht zu wenig Charme, zu wenig zum Reinlegen, die Sprödigkeit ist auch nicht gerade elegant zu nennen, mir aber gefällt dieser extreme Stil ziemlich gut.

Von der Weinmesse, 18 Euro, 88 Punkte (sehr gut), jetzt oder in ein, zwei Jahren trinken

Große Weine von der Wunschliste

fruehjahrsprobe-gruppenbild(Notizen: Rainer Kaltenecker, Fotografien: Thorsten Mücke)

Welcher Weinsammler hat ihn nicht: seinen Wunschzettel voller Weine, die man zumindest einmal im Leben im Glas haben möchte. Ein Phänomen dabei ist, dass dieser Wunschzettel mit mit den Jahren eher länger als kürzer wird, beim Wein werden wir alle zu kleinen Kindern, die den Hals nicht vollbekommen können. Daher lautet meine Geschenkempfehlung an alle Weinsammler der Welt der Korkenzieher, denn nur so wird die Liste kürzer. Und genau nach diesem Motto fand in Bonn dieses Jahr eine Probe nur mit Wunschweinen statt.

Die Sonne strahlte auf uns herab und so starteten wir auf der Terrasse mit einer herrlichen frischen, perfekt gereiften 1993er Spätlese Oberemmeler Hütte von von Hövel. Ein Saar-Riesling per Excellence, mit der typischen animierenden Saar-Säure, feiner Süße, sehr harmonischer Verlauf, erste Reifenoten, langer Nachhall. 92/100. Die Flasche leerte sich zügig. Anschließend ging es in die gute Stube und die Probe konnte beginnen.

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Tirant Rotllan Torra Priorat, 1997

Tritant Rotllan Torra, 1997 (100 von 1)Ach, wie herrlich überraschend Wein sein kann, denn immer wieder erweist sich die grauste Maus als der perfekte Begleiter für einen Abend. So auch dieser Rotllan Torra aus 1997. Ein klassischer Mitkauf in einem gemischten Lot mit ganz schlechtem Füllstand (mid-shoulder). Der Korken durchweicht und zerbröselt vollständig beim Versuch ihn aus der Flasche zu ziehen. Na gut, zumindest kurz probieren, bevor ich ihn vermutlich entsorge. Aber bereits der allererste Eindruck lies mich gehörig aufhorchen.

Tiefes, komplexes Bukett nach gereiften Waldbeeren und Kirschen, Schwaden von mild-süßlichem Tabak durchziehen die Frucht, dahinter eine Mischung aus salzigen Mandeln und frischen Blütenblättern, insgesamt sehr feinsinnig und klar, reif, aber ohne jede Überreife, zeigt ständig neue Nuancen. Ich muss es sagen, ein überzeugend vielschichtiges Bukett.

Am Gaumen von mittlerem Körper, perfekt gereift mit saftig-klarem Fruchtauftakt nach reifen Brombeeren, Schwarzkirschen, Schlehen, erneut vermählt mit Tabaknoten, dazu kommen noble Anklänge von Herrenschokolade, sehr klare Aromatik, zeigt einen charmanten süß-schmelzigen Kern, vitaler Säurebogen, der weder resch, noch von der Frucht erschlagen wird, wirkt jederzeit beweglich und animierend zu trinken, zeigt eine salzig-felsige Mineralität, die Tannine leicht trocknend, im hinteren Verlauf verengt sich der Rotllan Torra aromatisch und schmeckt dann ein wenig bäuerlich, die anfängliche Eleganz und aufgefächerte Aromatik kann er nicht voll durchhalten, so ist der Nachhall eher knapp mittellang und wenig aufregend, es bleibt ein trockenes Mundgefühl zurück. Trotzdem ist dies ein ausgezeichneter Vertreter aus dem Priorat, der sich herrlich unbeschwert trinken lässt. Jetzt auf seinem Höhepunkt und sollte nun auch getrunken werden, zumindest bei einem derartigen Füllstand.

Kein Vergleich zu dem 98er, keinerlei animalische bzw. stallige Noten.

Vom Fachhandel, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Priorat 2009 & 2010-Probe

Priorat 2009 & 2010-Probe Titel (111 von 12)Michael hat letztes Jahr ausgiebig das Monsant-Gebirge mit dem Fahrrad und seinem Caddy bereist und dabei zahlreiche Winzer besucht und so war es nicht verwunderlich, dass er dieses Jahr mit Leidenschaft uns 14 Weine aus dem Gebiet präsentierte. Die Jahrgänge 2009 und 2010 standen an, die sehr unterschiedlich ausfielen. 2009 brachte dank der zahllosen Sonnentag hochreife, fleischige Weine hervor, während 2010 eher kühl ausfiel und entsprechend schlankere, mineralische Vertreter hervorbrachte. Pauschale Aussagen über die Güte eines Jahrganges sind naturgemäß nur ein grobe Richtschnur, aber mir gefielen die 2010er in dieser Probe deutlich besser. Das mineralische Potential der Weine tritt deutlicher zu Tage, sie haben weniger Alkohol und die zur überreife neigende Stilistik der Priorat-Weine zeigt sich hier seltener und so trinken sich die Weine animierender. Alle Weine wurden aufgrund ihrer Jugend ein oder zwei Tage vorher dekantiert und verbrachten dabei bis zu 12 Stunden in der Karaffe. Das langes Karaffieren natürlich keine Reife ersetzen kann, zeigte der Abschluss der schönen Probe, mit dem 1999er Clos Mogador, der den Jungweinen deutlich überlegen war. Die Weine kamen wir immer blind ins Glas. Ich danke Michael für die schöne Probe im Rahmen der Bonner Weinrunde.

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Große Weine in kleiner Runde

Titel Große Weine in kleiner RundeEiner der schönsten Proben des Jahres erlebte ich im November in Gütersloh. Nur sieben Weinliebhaber und Weinliebhaberinnen brachten je zwei hochwertige Flaschen mit und der Gastgeber verwöhnte uns kulinarisch auf das Allerfeinste. Wie sich herausstellte, hatten alle dieselbe Vorstellung von „hochwertig“, dazu war die Runde dermaßen entspannt, wie ich es mir öfters wünschen würde.

Das Vorprogramm startete mit einer Besonderheit, einem slowenischen Sauvignon Blanc von der Domaine Ciringa, der auf der steirischen Lage Zieregg wächst. Der Fosilni Breg 2011 wird am Weingut Tement gekeltert und offenbart in der Nase unmittelbar seine Rebsorte, im Mund überraschend trocken, würzig, Pfeffernote, tropische Anklänge, insgesamt ausgewogen, im Nachhall etwas karg 84/100. Auch der nächste Wein war besonders, denn im Rheingau macht wohl nur J.B. Becker derart furztrockene Rieslinge, die im Holzfass gereift nun wirklich nicht dem gemeinen Bild des Rheingau-Riesling entsprechen. Egal, seine Art kann ganz großartig sein, nur dieser 1990er-Wallufer Walkenberg Spätlese „trocken“ war schon einige Jahre drüber. Intensiver Duft nach Wachs, Mandeln, Brioche, nicht uninteressant, aber nur was für Freaks. Am Gaumen mittlerer Körper, erneut keine Frucht zu erkennen, trocken, die Säure geht rustikal zu Werke, fortgeschrittene Oxidation, komplexe Sekundär- und Tertiäraromen, null Charme 83/100. Der 2006er-Chardonnay von Jim Clendenen´s Große Weine in kleiner Runde 2Weingut Au Bon Climat aus dem Santa Ynez Valley (Santa Barbara County) war überraschend stark vom Holz maskiert, der die sehr frische und lebhafte Frucht besonders in der Nase stark maskierte. Am Gaumen von mittlerem Körper, das Holz lässt hier der Frucht etwas mehr Raum und zeigt eine erstaunliche Frische und Feinheit, betont trocken, ohne jede Schwülstigkeit, der Wein scheint mir heute noch zu jung, wenn er in wenigen Jahren das Holz besser integriert hat, kann das ein ausgezeichneter agiler Chardonnay werden. Heute 88/100. Noch jünger war der 2007er-Chardonnay von Bouchard aus der Mersault-Lage Genevriéres. Etwas offeneres, fruchtigeres Bukett nach frischen Birnenspalten, Mandeln, vielschichtige Kräuter, das Holz noch sehr deutlich wahrnehmbar. Am Gaumen mittelkräftig, saftiger Antrunk, viel Frucht und Holz, noch recht laut, Karamell, wirkt etwas süßer und fülliger, als der Kalifornier, die Frucht noch leicht dropsig, aber alles vorhanden für eine schöne Entwicklung. Noch liegen lassen 90/100.

Dann kamen wir zum Hauptprogramm und es ging los mit einem auf den Punkt gereiften Bricco dell´Uccelone von Braida aus dem Jahr 1998. Das war einfach perfekt gereifter Barbera mit einer verführerischen Kirschfrucht, roten Johannisbeeren, vom Faßausbau kaum etwas zu spüren, rauschendes Säurespiel, ungemein klar und packend, sehr animierend zu trinken, jetzt auf dem Höhepunkt 92/100. Erstaunlich gut in Form der Spätburgunder S vom Weingut Keller aus dem Jahr 2001. Feines Bukett nach rotbeerigen Früchten, floralen Anklängen, wirkte noch sehr jugendlich. Am Gaumen frisch, herrlich klare rotbeerige Früchte, nur am Rande zeigte sich das Holz, könnte auch aus dem Burgund kommen, kräftige Säure, im hinteren Bereich ziehte er sich leider etwas zu und hinterlies ein trocknendes Mundgefühl, trotzdem 89/100.

Einfach ein großer Syrah ist der 1991er-La Turque von Guigal, mit einem intensiven Duft nach Teer, dunklen Waldfrüchten, Schinkenspeck und Olivenpaste, schon die Nase macht süchtig. Am Gaumen ohne Schwere, aber mit höchstem aromatischen Ausdruck, frisch-saftiger Auftakt nach Waldfrüchten, von wilden Kräutern ummantelt, alle Aromen im ständigen Spiel, alle Komponenten, Säure, Holz, Tannin, sitzen perfekt, Musterbeispiel an Komplexität, langer Nachhall. Großes Kino 97/100. Ausgezeichnet dann der 1996er-Chateauneuf-du-Pape Reserve vom Chateau Rayas mit einem wilden Bukett nach Rauch, deutlichen Holznoten, erinnerten an Grillaromen und dunkle Herrenschokolade, extreme Würzigkeit, im Hintergrund dunkle Waldbeeren und erste Champignonanklänge zeigen eine fortgeschrittene Entwicklung. Am Gaumen entspricht er aromatisch dem Naseneindruck, die Frucht tritt etwas deutlich zu Tage mit leichter Überreife, wirkt gewogen, die Aromen spielen und bringen Tiefe in den Wein, solide Säurestruktur, viel Zug, bleibt lange am Gaumen, jetzt gut zu trinken 93/100. Höhepunkt dann der ultrarare und ebenso teurer Vega-Sicilia Unico Reserva Especial, ein Cuvée aus den Unico Reserve Especial 70-72-73Jahrgängen 1970, 1972 und 1973. Der roch einmalig distinguiert nach Schwarzbrot, Blaubeeren, Schlehen, Kirschsaft und dunkler Bitterschokolade, insgesamt einfach nobel komponiert ohne jede Alterserscheinung. Am Gaumen saftig, klar, seidiges Mundgefühl, perfekte Balance aller Komponenten, erneut dieses sublime Spiel aus dunklen Waldfrüchten und einer Essenz aus Kirsche, vermählt mit den Schwarzbrotnoten, faszinierend feines Säurespiel, auch hier vom Alter nichts zu merken, außer seiner einmaligen Entspanntheit, bleibt sehr lange, ohne sonderlichen Druck am Gaumen haften, es geht kaum besser, jede Suche wert 97/100. Da kam der ebenfalls ausgezeichnete Cheval Blanc aus dem Jahr 1995 einfach nicht mit. Der duftet noch sehr jugendlich nach Kirschen, Cassis und Brombeeren, Schoko und Kakao vom Holz, sehr fein, aber noch nicht ganz aufgefächert. Der Auftakt am Gaumen dicht, klar und saftig, mit noch leicht jugendlich-süßlicher dunkler Beerenfrucht, Cheval Blanc 1995Schwarzkirschen mit Schokoüberzug, dahinter erste Anklänge von geräucherten Schinken und ätherische Noten, Kaffee, komplex, aber noch verschlossen, gute Länge, würde ich noch ein wenig liegen lassen 92+/100. Noch viel Frische, aber nur mäßigen Tiefgang zeigte der 1955er-Calon Segur. Duftet nach fragilen rotbeerigen Früchten, Küchenkräuter, leicht störend metallische Anklänge, Klebstoff im Hintergrund. Im Mund erstaunlich viel rotbeerige Frucht, macht im Auftakt einen fast saftigen Eindruck, der sich aber immer weiter verschlankt und im Nachhall versiegt dann die Frucht, die Säure recht markant, es fehlt ein wenig an Fülle, trotzdem noch wirklich sehr gut mit Genuss zu trinken 87/100. Der formale Höhepunkt war dann leider oxidiert, was bei einem Wein aus dem Jahr 1915 natürlich nicht wirklich überrascht. Trotzdem saßen wir mit langen Gesichtern vor dem Morin Pommard Hospices 1915Morin Pommard Hospices de Beaune, einfach weil wir uns soviel von ihm versprochen hatten. Besonders der edle Spender, mein Weinfreund Norbert, war natürlich untröstlich. Tröste dich, wie du weißt hatten wir wenige Wochen danach zwei Morins, die uns in den Burgund-Himmel führten. Den Abschluss machte der 1994er-Cabernet Sauvignon Reserve von Robert Mondavi, Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve, 1994der mit seine tiefen, dunklen Kirsch- und Cassisfrucht sofort Noblesse versprühte, feine Minze, Graphit, wirkt fast noch scheu. Ebenso im Mund, er wirkte jedoch dermaßen zurückhaltend, schüchtern, wie wir es alle von einem Wein aus Napa Valley noch nicht erlebt hatten. Die Frucht, die Tannine, das Holz geschliffen, ohne jedes Geschrei, im Gegenteil sehr balanciert, fein, aber auch irgendwie komplett eingeschüchtert. Der Wein lies sich gut trinken, man spürte seine ganze Klasse, aber er lies uns irgendwie ratlos zurück, wenn der Wein sich auffächert, scheint mir die hohe Meinung von Parker möglich, heute wollte ich ihn nicht bewerten. Anschließend gab es noch feine Süßweine, die ich aber nicht mehr seriös notiert habe.

Ein neuer Star am Priorat-Himmel – der 1902er von Mas Doix?

Mas DoixMit dem 1902 will die Cellar Mas Doix in die Gefilde eines L´Ermita oder Clos Erasmus vorstoßen. Den ersten Jahrgang 2009 konnte ich nun bei meinem geschätzten Weinfreund Norbert halbblind* verkosten. Der Name des Weines gibt das Jahr der Pflanzung jener Carinena-Rebstöcke wieder aus dem dieser Wein zu 100% bereitet wird. Der Wein kam in einem dreier Flight mit zwei weiteren, hochwertigen Priorat-Weine auf den Tisch. Aufgrund ihrer Jugend wurden alle Weine für 1,5 Tagen in der Karaffe belüftet.

1 Trosset de Porrera, 2009
Intensives Bukett an eingelegten Kirschen, Orangenscheiben, milde Bitterschokolade, leichter Hang zu Überreife, schönes mineralisches Fundament nach Graphit. Am Gaumen kraftvoll, saftiger Antrunk nach marmeladigen Kirschfrüchten, Waldbeeren und Zitrusfrüchten, mitten drin eine herrlich salzige Mineralität, die Frische in den Wein bringt, erneut deutliche Graphitnoten, die Tannine leicht trocknend und wirken nicht ganz charmant, die Aromatik wird auch leicht über den Alkohol getragen, ist aber noch nicht wärmend, sehr gute Länge. Ein sehr schöner Wein, dem aber die letzte Klarheit und Finesse fehlt. Dies wird aber am Tisch auch durchaus anders (=viel besser) gesehen.
88+/100

2 Mas Doix 1902, 2009
Tiefsinnige Nase von höchster Noblesse nach Blaubeeren, Schlehen und einer fleischigen Schwarzkirsche, daneben Zitrusabrieb, Teer und steinige Mineralität, einfach großartig, ohne jede Schwere oder Aufgesetztheit, besser geht kaum. Am Gaumen kann der Wein ebenfalls voll überzeugen, trotz seiner ganzen (jugendlichen) Wucht behält er immer die Balance und eine einmalige Feinsinnigkeit, Essenz von Kirschfrucht und Blaubeeren im Antrunk, die salzige Mineralität beisst in den Gaumen, Graphit und Kalkstein notiere ich mir, in der Mitte gibt sich das Holz mit einem Bitterschokoladenton zu erkennen, die Säure spielt bereits wunderbar mit den anderen Komponenten und so empfinde ich ihn als überaus trinkanimierend, was man nur wirklich wenigen Priorat-Weinen zubilligen kann, der 1902 ist es, die Aromen ändern sich laufend und werden erst nach einer ausgiebigen Flaschenreife ihre ganze Pracht entfalten, ein nahezu duftiger Wein, langes Finish. Großartig und ein Quantensprung zum Vorgänger. Ob er 200 Euro wert ist, sollen andere entscheiden.
95-96/100

3 Celler De L´Encastell Roquers de Samso, 2010
Wirkt im Bukett etwas süßer und spürbar stärker vom Faßausbau bestimmt, was mir eine Spur zu viel ist. Gefallen haben mir jedoch die klaren Waldbeeren und Schwarzkirschen, neben den Anklängen von Karamell und Schokolade insgesamt eine kühle Aromatik. Am Gaumen fällt mir ebenso unmittelbar seine kühle Aromatik auf, bereits im Antrunk tritt die steinige Mineralität deutlich hervor, die Frucht erinnert mich an saftigen Schwarzkirschen und dunklen Beeren, deutlich ummantelt vom Faßausbau und durchzogen von Bleistift und Kieselsteinen, macht den Wein eigenständig, im weiteren Verlauf wird der Wein immer kompakter, die Jugend hat ihn fest im Griff, in Nachhall zeigt sich leider ein Hauch zur Überreife, die Tannine heute noch etwas trocknend, mittleres Finish. Der Wein hat aber viel Potential, wenn die Frucht das Holz- und Tanninkleid abgelegt hat, hinreichend Substanz sollte vorhanden sein. Ein wirklich ausgezeichneter Wein, der aber nicht an den 2009er-Jahrgang heranreicht.
92+/100

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*Halbblind – Die beiden Begleiter kannte ich nicht, wußte jedoch, dass einer der drei Weine der 1902 sein musste. Die Reihenfolge meiner Notizen entspricht dem Flight.

Diverse Prioratos Teil 2

Priorat Teil 2 - Titelbild (100 von 1)Es geht weiter mit diversen Prioratos aus dem Sortiment von Torsten Hammer. Wie immer zum regulären Preis erworben, vollkommen unabhängig bewertet, nur die Freude am Wein wird uns sicherlich beeinflussen. Die Weine kamen offen in zufälliger Reihenfolge auf den Tisch. Offen, weil keiner kannte die Weine noch die Verkaufspreise.

Coreliom, 2005 (100 von 1)Terra de Verema Corelium, 2005
Nach über 20 Stunden in der Karaffe fand der Wein zu sich und zeigte seine zukünftige Klasse. Tief dunkle Beerenfrucht, reife Brombeeren, Heidel- und Blaubeere, alle drei Trauben zeigen sich sehr abwechselnd, jedoch um so deutlicher, das Holz fein mit der Frucht verwoben mit Anklängen von kalter Holzkohle, ausgeschälten Vanilleschoten, dunkle Herrenschokolade, das ist noch sehr jugendlich, etwas angespannt, jedoch mit ersten Anzeichen von Größe und Tiefe, im Hintergrund ruht sanft und solide die steinge Mineralik vom Llicorella-Schiefer. Das Bukett kündigt Spitzenwein ab 2017 an. Am Gaumen von kräftigem Körper, trotzdem wirkt der Wein über den gesamten Verlauf angenehm unangestrengt bzw. elegant und trinkig. Bei aller Kraft am Gaumen noch recht scheuer Antrunk mit klarer komplexer Frucht nach dunklen Waldbeeren, herrlich viel Blaubeeren, pikanter Säure mit zitroniger Note, die Tannine perfekt gereift, vielleicht noch jugendlich wild, geben dem Wein jedoch Kontur und bekunden erste Einsichten sich irgendwann mit der satten Frucht zu verständigen, im mittleren Bereich zeigt der Wein seine Klasse mit enorm festen Gerüst und vollem Mundgefühl, die Frucht aus Schlehen, Blaubeeren versprüht fortwährend Spiel und Noblesse und geht eine stimmige Balance mit der straffen steinige Mineralik ein, die im langen Nachhall salzige Anklänge zeigt. Hier ist Spitzenwein in seiner Entwicklung, der bereits heute viel Trinkfreude macht, aber vermutlich erst in fünf Jahren zeigt was er kann. Würde ihn gerne mal aus einem großen Jahr gereift probieren, aber dafür gibt es ihn noch nicht lange genug. Für ein Premieren-Jahrgang eine überaus beachtliche Leistung, leider preislich ambitioniert.
92+/100, 55 Euro

Mas Martinet Cami Pesseroles, 2006
Unmittelbar nach dem Aufziehen versprüht er pure Noblesse danke einer glasklaren, tiefen Schwarzkirschfrucht ummantelt von dunkler Herrenschokolade und vielfältigen Wildkräutern und Hölzern mit feinem Harzeinschlag, dahinter schwingen noch Blaubeeren animierend mit. Große Nase. Am Gaumen eine Wucht mit satten, herrlich saftig-frischen Antrunk mit klarer Fruchtessenz aus Blaubeeren und Schwarzkirschen, die Tannine bereits perfekt eingebunden, vermitteln ein angenehm fein-mürbes Mundgefühl, sehr beweglich dank tänzelnder Säure, nur ein Hauch feinster Dunkelschodolade vom Faßausbau spürbar, ab der Mitte beißt sich der Schiefer in den Gaumen und gibt dem Wein eine weitere Dimenssion und lässt ihn nun noch beweglicher wirken, große Tiefe und Komplexität mit großen Nachhall, verbleibt erstaunlich lang am Gaumen und endet auf einer mineralische-zitronig Note von Kräuterkruste ummantelt. Was für ein großer Wurf für den ersten Jahrgang dieses Weines.
94/100, 57 Euro

Roca de les Dotze Roca Bruixa, 2007
Dieser Priorat-Wein hat ein für mich nicht gekanntes würziges Bukett. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass in ihm 25 % Syrah stecken, die vermutlich diese Besonderheit verantworten. Ich hätte ihn auf jeden Fall blind an die Rhone gesteckt, eher an die nördliche, denn er wirkt schlank, ja richtiggehend frisch. Die Frucht zeigt viel Herzkirsche, Orangenschale und reife Blaubeeren, die französische Eiche erkennt man an einer Ahnung von Marzipan, ansonsten hält es sich angenehm zurück. Ansonsten eben ein Bündel voller angetrockeneter Küchenkräuter, wie Bohnenkraut und Thymian, auch ein wenig Speck, insgesamt interessant und ausgewogen. Am Gaumen angenehm schlank wirkend, frischer, fruchtbetonter Auftakt nach roten Johannisbeeren und jungen Himbeeren, die pickante Säure tickt fast zu keck hervor, einfach weil im Mittelbau es ein wenig an Extraktdichte fehlt, die Tannine noch trocknend, bin aber eher skeptisch, ob sich das noch gänzlich harmonisiert, mittlere Tiefe, die Kräuter wirken (leider) eher im Hintergrund, knapp mittellanger Nachhall mit schöner, sauberer Frucht, aber leider tauchen auch grüne Noten auf. Ein insgesamt  frischer, auch an wärmeren Tagen gut zu trinkender Wein, der seine 14 % erstaunlich gut verpackt und elegant daher kommt. Es fehlt ihm im Mund ein wenig an aromatischen Tiefgang und Dichte. Die Rebstöcke sind mit 10 Jahren auch noch sehr jung, da könnte also in ein paar Jahren ein schöner Wein heranwachsen.
87/100, 25 Euro

Pater, 2008 (100 von 1)Ficaria Vins Pater La Figuera Montsant, 2008
Die ersten drei Tage war der Wein stark maskiert von einer rustikalen Holznote. Erst am vierten Abend schälte sich langsam eine dunkle, tiefe Beerenfrucht von großer Klarheit hervor, trotzallem noch stark bedrängt von Faßaromen, mit deutlichen Barbecuearomen und verbranntem Holz. Im Mund mit überraschend leichtfüßigem Auftakt mit dunklen Beeren, erinnern an reife Casis, Brombeeren und einem Hauch Schwarzkirschen, das Holz auch hier präsent, wirkt aber nicht mehr so burschikos, die Würze von Holz verbindet sich im weiteren Verlauf durchaus gelungen mit der Frucht, in der Mitte mit ausreichend Dichte und getragen von der prickelnden Säure, alles sehr schön, durchaus trinkanimierend, aber hinten raus auch ein wenig langweilig, die Süße vom Holz, vorallem Vanille und die reifen Beerenfrüchte haben nur mäßigen Tiefgang, der Wein wirkt aber noch sehr jugendlich und verschlossen und könnte sich in fünf Jahren noch weiter aufgefächert haben, mittlere Länge. Ein sehr guter Wein, der seinen Alkohol noch so gerade einbinden kann und zu einem gegrillten Steak vermutlich schon heute mundet.
88+/100, 24 Euro


La Fuina, 2007 (100 von 1)Celler dels Pins Vers La Fuina, 2007
Der Duft verrät unmittelbar seinen Cabernet Sauvignon-Anteil, sehr noble Beerenfrucht mit reifer und glockenklarer schwarzer Johannisbeere, dahinter Orangenzesten, dunkle Herrenschoklade, ein Hauch Vanilleschote, sehr kühl, tief und elegant. Spontan ein großartiger Duft. Am Gaumen fällt er deutlich ab. Mittlerer Körper, gedeckte Antrunk mit unklaren Fruchtanklänge, wirkt in seiner ganzen Veranlagung bitter, die Tannine trocknen deutlich aus, hinten wird der Wein richtiggehende dünn in der Aromatik, dazu wärmt der Alkohol. In diesem Stadium nicht überzeugend. Über drei Tage ohne ansteigende Freude verkostet.
83/100, 32 Euro


Solertia, 2008 (100 von 1)Vinyes de Manyetes Solertia Vi de La Vila de Gratallops, 2008
Deutlich überzeugender der Solertia. Auch er präsentiert sich noch sehr jugendlich, hat sich gar in seine Höhle zurückgezogen. In der Nase eine unklare dunkle Beerenfrucht, kaum Spiel mit den Faßaromen nach Marzipan und Krokant, dahinter feiner Schieferduft, obwohl das ganze Bukett nicht klar gezeichnet ist, hat es Tiefe und könnte sich mit Reife durchaus ansprechend entwickeln. Ein vergleichbares Bild am Gaumen, die Frucht tritt hier zwar klarer hervor, vorallem die satte Kirschfrucht, jedoch auch hier noch staubig, die Fruchtfülle baut im mittleren immer weiter aus, bleibt jedoch immer frisch und fokussiert, das Holz hält sich zurück und überläßt der pikanten Säure den Vortritt, diese tänzelt und gibt den Kirschfrüchten ein Hauch Zitrus mit, festes mineralisches Fundament nach Feuerstein und nassem Schiefer, noch etwas abseits stehend, guter Nachhall. Ein gelungener Wein, der noch einige Jahre sich entwickeln muss.
91+/100, 45 Euro

Sieger dieser kleinen Vergleichsprobe war für mich eindeutig der Mas Martinet Cami Pesseroles aus 2006. Ein Wein, der bereits unmittelbar nach dem Aufziehen sein ganzes Potential zeigt und einfach meine Hoffnungen an das Priorat mustergültig erfüllt, große Fruchtfülle gepaart mit mineralischem Schieferbiss ohne wärmenden Alkohol.

Diverse Prioratos Teil 1

Priorat 1 - Titel (100 von 1)

In den kommenden Monaten werden wir hier einige Priorat-Weine vorstellen, die wir dankenswerter Weise von Torsten Hammer erhalten haben. Wir haben die Weine zum regulären Preis bezogen, wobei Torsten die Auswahl vornahm. Er ist ganz sicher einer der größten Kenner dieser Weine in Deutschland und betreibt einen lesenswerten Blog, darüber hinaus importiert er auch einige Weine. Ein Besuch lohnt sich.

Costers del Ros l`Obila, 2006 (100 von 1)Costers del Ros L ´Obila, 2006
Duftet intensiv nach Granberrys, dunkler Schokolade und leicht künstlicher Vanille vom Fass. Am Gaumen dicht, saftiger Antrunk, überreife dunkle Beerenfrüchte, getrocknete Pflaumen, Rumtopf, erneut dunkle Schokolade, die Tannine wirken ein wenig zu grob und sind im hinteren Verlauf trocknend, gut eingebundene Säure, mittlere Tiefe, nicht sonderlich komplex, in seiner ganzen Veranlagung ein wuchtiger Wein, ohne besondere Struktur, mit satter, überrreifer Frucht und mittlere Länge. Für das Geld eine Enttäuschung, ggf. ist der Wein gerade in der Verschlussphase, aber über die drei Abende der Verkostung konnte er uns nicht überzeugen.
85/100, 47 Euro


Vinedo de Ithaca Odysseus, 2006 (100 von 1)Vinedos de Ithaca Odysseus Maset del Ros Black Label, 2006
Erinnert in der Nase augenblicklich an Chateauneuf-de-Pape-Weine mit seinem Duft nach Pumpernickel, Schwarzbrot, Marzipan, kompottigen dunklen Beerenfrüchten, und oxidativen Noten. Am Gaumen wuchtig, der Alkohol wärmt über den gesamten Verlauf ein klein wenig, ebenso schnell ist aber auch eine kühle, steinige Mineralität am Werk, gibt dem Wein Struktur und hält ihn im Rahmen, auch am Gaumen viel dunkle Beerenfrüchte, wirken nun etwas frischer, es gesellen sich reife Schwarzkirschen hinzu, die Säure ist pikant und verleiht ihm gar einen Hauch Frische, die Tannine wirken jugendlich, aber reif und wohl integriert, mittlere Dichte und Länge. Ein gelungener, wenngleich mächtiger Wein, der aber im Mund trotz seines wärmenden Alkohol strukturiert ist und sich daher animierend trinken lässt.
87-88/100, 30 Euro



Celler Aixala Alcait Pardelasses, 2009
Der Wein besticht mit einem klaren Duft nach Schwarz- und Sauerkirschen, feine Vanille vom Holz, der typische Schiffer-Duft drückt, noch sehr verschlossen, aber verheisungsvoll. Am Gaumen mit sattem, saftigen Auftakt erneut nach sehr klaren, fast noblen Kirschen, es kommen getrocknete Kräuter hinzu, die Säure hat Biss und gibt der Fruchtnote eine angenehm zitronige Komponente mit, die steinige Mineralität ist deutlich zu erkennen, wird aber in diesem jugendlichen Stadium noch ein wenig zu sehr von der Frucht überlagert, aber das wird sich noch geben, erster Wein mit fester Strutur, der über den gesamten Verlauf animierend trinkt und wenig Tendenz zur Breite zeigt, der nur leicht spürbare Alkohol ist bestens maskiert, gute Tiefe und Länge. Muss reifen.
90-91+/100, 19 Euro


Montsalvat 1 (100 von 1)Cellers de la Cartoixa de Montsalvat, 2004
Nach einer Stunde in der Karaffe wirkte der Wein sofort präsent und präsentierte eine elegante, dichte Kirschfrucht, mit Anklängen von Heidelbeeren, nassem Gestein im Hintergrund, würzige Note vom Faßausbau, sehr klar und wechselhaft, spannungsgeladen. Am Gaumen kraftvoll, trotzdem eine Spur Kühle, die Frucht sehr klar ohne jede Überreife, zeigt Tiefe und Komplexität an, erneut dominieren Kirschfrüchte, aber auch vielfältige Waldbeeren zeigen sich immer wieder, die Säure animinerend mit der Frucht verwoben und bringt Spannung in den gesamten Verlauf, im hinteren Bereich setzt sich schön die steinige Mineralität durch, feine Montsalvat 2 (100 von 1)Holzsüße mit frischen Waldkräutern, gute Tiefe und langer Nachhall, zeigte am nächsten Abend noch mehr Spiel und Charme, die Tannine waren dann vollkommen in die Frucht eingebunden, ein sehr ansprechender Priorat zu einem vernünftigen Preis, der sicherlich auch von dem großen Jahr profitiert hat.
91+/100, 40 Euro

Die Spitze des Priorats

Titelbild Priorat-Probe (100 von 1)Zum Auftakt des neuen Jahres trafen sich acht Weinfreaks in Oberhausen um eine breite Auswahl von Spitzenweinen aus dem Priorat zu verkosten. Norbert hatte lange gesammelt und mit Verstand und Engagement eine wunderbare Kollektion zusammengestellt, darunter auch einige älterer Jahrgänge. Meine erste Berührung mit Prioratos liegt nun schon einige Jahre zurück und im Laufe der Zeit hatte ich immer wieder Berührung dazu. Ich wusste daher was mich erwartet. Priorat-Wein sind für mich Musterbeispiele, dass auch Rotweine eine intensive mineralische Note aufweisen können.

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Finca Valpiedra Rioja Reserva, 2001

2001-FVRRFrisch aus der Flasche undekantiert ins Glas befördert, zeigt dieser Rioja unvermittelt eine komplexe Nase von schwarzen Beeren, Schokolade, Ledernoten und dunklem Nougat. Die Nase ist strukturiert und verwoben, Wacholderbeere und eine Ahnung von Zimt und Vanille gesellen sich mit Verweildauer im Glas hinzu, die Nase wird über die nächste Stunde ernster und dank einer feinen Balsamik auch strenger, ohne an aromatischer Vielfalt einzubüßen.

Fruchtfleischiger Antrunk, saftige Beerenfrüchte, am ehesten Johannisbeere und dunkle, ausgereifte Brombeere. Gestützt durch sekundäre Aromen von Zigarrenkiste und Leder. Das Tannin ist abgeschmolzen, hat nur noch einen ganz moderaten Biss. Wir schmecken bewusst hin, denn der Wein entwickelt im Verlauf etwas Zitrusfrische – und die passt hier auch noch ins Gesamtbild. Schichtenweise ein Vergnügen im Glas. Der Holzeinsatz ist lobend herauszustellen, die Fassreifearomen und die  Herrenschokoladigkeit gehen ein tolles Spiel ein. Langer und strukturierter Nachhall, ein Wein mit Anspruch.

Diesen Wein haben wir auf dem Punkt erwischt. Offen und undekantiert über zwei Abende probiert (etwas stärker am ersten Abend).

Fazit: jetzt öffnen.

Im Fachhandel, 21 EUR, 91 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Bodegas Alvaro Palacios Finca Dofi Priorat, 1997

Finca Dofi 1997-100Der 97er-Finca Dofi ist ein bemerkenswerter Wein. Der lebende Beweis wie gut Priorat-Weine reifen können und nicht nur halten, sondern geschmacklich gewinnen bzw. ihre innere Harmonie finden. Auf einer großen Priorat-Verkostung (Bericht folgt) war meine Premiere mit ihm und sofort war ich begeistert. Kurz darauf hatte ich zufällig Gelegenheit einige Flaschen zu erwerben. Natürlich war ich neugierig ob sich die Qualität bestätigen würde.

Die Nase wirkt etwas reifer mit deutlicher Würze von Kräutern und Holz, auch ein Touch Balsamico, an der Kante zur Überreife, daneben aber auch eine verführerische dunkle Schwarzkirschenfrucht, süßliches Sahnebonbon. Am Gaumen von mittlerem Körper, der Antrunk geprägt von einer tiefen, sauberen Kirschfrucht, Zitrusabrieb und einer süßlichen Note vom Barrique, die Frucht unterfüttert mit terziären Noten nach Waldboden, erneut Balsamico und Küchenkräutern, die Tannine herrlich mürbe mit sanftem Biss, geben dem Wein Kontur, feine, verspielte Säure, wirkt jetzt auf den Punkt gereift, herrlich offen und somit ungemein trinkig, wird niemals fett, oder alkoholisch, mittellanges Finish. Erneut ein wunderschöner Priorat, der aus dieser Flasche schon etwas gereifter wirkt und so nicht ganz die Noblesse der ersten Begegnung versprühen kann. Trotzdem ein ausgezeichneter Wein, der seinen Preis rechtfertigt.

Im Fachhandel, 92 Punkte (ausgezeichnet), 30 Euro, jetzt bis 2015

Weihnachtstasting am Chiemsee

Unger Weihnachtstasting 2012 Titel 2-100
Jedes Jahr im Dezember treffen sich um die 15 Winefreaks in Frasdorf in dem herrlichen Probenraum der Ungers, die heute sicherlich eine Kapazität in Sachen Bordeaux, Kalifornien und vielem mehr sind. Für mich war es die Premiere und so ließ ich mich einfach überraschen. Insgeheim hoffte ich natürlich auf meinen persönlichen ersten 100-Punkte-Wein. 100 Punkte war auf alle Fälle der Service der Ungers. Flott und bequem wurde man vom Flughafen nach Frasdorf kutschiert, das Hotel passt zum Ort, die Weißwurst, meine ersten nach 20 Jahren, war schmackhaft und die Küche sowie der Service während des Tastings auf ausgezeichnetem Niveau. Alle Bewertungen habe ich spontan notiert und auch nach dem Aufdecken nicht mehr verändert. Die Weine kamen in 3er- bzw. 4er-Flights blind auf den Tisch. Der Gastgeber geizte mit Hinweisen und so lagen wir eigentlich fortlaufend daneben. Blindtrinken macht eben demütig.

Los ging es mit zwei Weißweinflights, allesamt Chardonnays aus Kalifornien, ein Steckenpferd der Ungers. Es hätte uns Schlimmer treffen können.

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3 x Fine Wine zum Skat

Herrenrunde. Jeder bringt einen Wein mit. Heute alles außer Deuschland. Los ging es mit einem genialen Kreydenweiss, endlich mal wieder eine Flasche, die mir in Erinnerung rief, weshalb ich dieses Weingut schätze.

Der 2007er Wiebelsberger Riesling „La Dame“ zeigte eine gereifte, fein-fruchtige Rieslingnase mit Anklängen an Pflaume, Blüten und angetrockneten gelbschaligen Äpfel, zarte Oxinote vom Faßausbau, diese spielt aber derart perfekt mit der Frucht, dass es eine wahre Freude ist. Prägnant ist die rauchige Mineralik, mit Briochenoten und Malz. Trotzdem sehr klar und bereits in der Nase animierend. Das setzt sich im Mund unvermittelt fort. Ein schlanker naherzu grazieler Antrunk mit viel Frucht nach leicht angetrockeneten Steinfrüchten, erneut Pflaumen und Apfelschalen, erdbetont-rauchige Mineralik und eine feine, reife Säure mit Spiel. Das Besondere an dem Wein ist seine Feinheit, über den gesamten Verlauf tänzelt er und trinkt sich daher  einfach so weg. Da schmeckt auch noch das dritte Glas. Leicht salzige Mineralik im langen, feinfruchten Finish 92/100. Anschließend erwartete uns eigentlich ein 2004er-Chateaneuf-duPape von Mont-Redon, aber der hatte üblen Kork und wanderte daher in den Ausguß.

Ersatz ein 97er-Tignanello von Anitnori, der den Franzosen sofort vergessen lies. Ein wunderbarer feiner, klar-fruchtiger Wein und mein bester Tignanello bisher, besonders weil mir sein Reifezustand perfekt erschienen. So zeigten sich seine Tannine noch ausreichend rüstig, aber so weit abgeschmolzen, dass es in keiner Phase die Trinkfreude beinträchtigte, aber als Italiener recht deutlich zu erkennen, zumindest im Mund. Verzwickt war die Nase, die auf den ersten Anschein nach einem Bordeaux vom linken Ufer duftete. Der Anteil Cabernet Sauvignon brachte eine dunkle Beerenfrucht nach reifen Brombeeren hervor und das Holz verströmte Aromen von Lakritz und süßen Pfeifentabak. Sehr weich, rund und fast schmeichelnd die Nase. Da wäre ich wohl auch im Bordeaux gelandet. Im Mund von höchstens mittlerem Körper. Der Antrunk mit klarer Frucht und bestens eingebundenen, jedoch noch leicht kantig-bäuerlichen Tanninen. Dem Tignanello geben sie heute Kontur, Charakter und Frische. Die Säure lebhaft und gereift, spielt gekonnt mit den herrlich eindringlichen Herzkirschen und Schokoanlängen. Im Hintergrund dunkle Beerenfrüchte und florale Noten. Das Holz zeigt daneben auch noch feine Lakritznoten und Zeder, hält sich aber ansonsten kenntnisreich im Hintergrund. Langes verspieltes Finish mit viel Frucht und edlem Holz. Ein tiefer, verspielter und annimierender Wein der Klasse und Noblesse versprüht. Rechtfertigt den hohen Preis und zeigt das ausgezeichnete Jahr an 94/100.

Nicht viel schlechter und um so mehr erstaunlicher der Wein aus dem Torro, Spanien. Der 15%ige vol. Quinta de la Quietud La Mula aus 2004 erinnerte mich spontan an hochwertige Priorat-Weine, einfach weil er von einem so intensiven, kühlen und klaren Fruchtgsaft geprägt war; reife Brombeer- und Schwarzkirsch-Aromen strömten aus dem Glas, verwoben mit dunkler Schokolade, Vanille und herber Zigarrenkiste. Packender, fruchtintensiver Antrunk von Kraft und Ungestümtheit, aber auch mit Kühle und Tiefe. Die Tannine greifen kraftvoll, aber fein in den Gaumen, der Wein ist erst so eben in seinem Trinkfenster angekommen. Vom Alkohol keine Spur. Der Wein bleibt trotz aller Kraft in der Spur und bewahrt sich Kühle und Klarheit. Lebahfte Säure und eine kalkige Mineralik verleiht dem Wein Tiefe. Klar der Wein ist kraftvoll, aber in keiner Phase hitzig, ausladend oder unangenehm laut und unbalanciert. Wir sind alle begeistert und ich notiere mir gedanklich 92+/100.

Die Weine waren also kaum vergeleichbar mit meinen Skatkarten an dem Abend. Denen würde ich eher 65/100 geben. Grob fehlerhaft, ohne jede Balance, Tiefe und Spielfreude.