Bodegas y Vinedos del Jalon „Alto Las Pizarras“, 2005

100 % Garnacha-Trauben aus 70 bis 100 Jahre alten Reben, Ertragsreduktion, Handlese, elf Monate Ausbau in französischer Eiche. 93 Punkte, vergeben von Jay Miller, dem für Spanien zuständigen Adlatus vom Maryland-Bob. Für überschaubare 12 Euro. Das klingt, als sei der Wein einen Versuch wert. Dachte sich jedenfalls auch mein significant other und erwarb die Flasche vor Kurzem, um mir ein Glas davon blind vorzusetzen.

In der Nase dunkles und dichtes Purpurrot, viskos liegt der Wein im Glas. In der Nase Himbeere, etwas Likör, seine (wie ich später erfuhr) 14,3 % Alkohol verkraftet der Wein überraschend gut, eine wirklich satte und fruchtig-würzige, dichte Grenache-Frucht öffnet sich im Glas, dazu eine deutliche, aber angenehme Note vom Holz, die an frisch gerösteten Kaffee erinnert. Braucht etwas Zeit in der Karaffe, macht dann aber auf.

Im Mund vollmundig und rund, dicht und mit einem ausgesprochen schmeichelnden, seidigen Mundgefühl, rotfruchtig, Himbeerlikör (das zuvor zum Alkohol Gesagte gilt auch hier wieder), die Frucht ist so, wie Garnacha von alten Reben schmecken sollte, hohe Sortentypizität, leider aber ist diese Traube halt nicht sonderlich vielfältig, eindimensional wäre aber zu hart. Feines Mineral. Recht frische Säure. Was mich dann aber stört, ist die Frucht- respektive Extraktsüße (ob es der Stil des Hauses ist oder durch die alten Reben bedingt ist, weiß ich mangels Kenntnis der anderen Weine des Hauses nur schlecht einzuschätzen), durch die der Wein uns übereinstimmend schnell satt macht. Zwei Glas und gut. Das zweite mit etwas schleppendem Trinkfluss. Sehr elegant und dagegen wirklich toll gelungen ist das Holzmanagement, ein derart feinporiges Tannin und ein einfach nur als „lecker“ zu bezeichnender Espresso-Geschmack, der von der Holzbehandlung herrührt, habe ich länger nicht mehr in einem spanischen Wein geschmeckt. Das Tannin ist geschliffen und auch nicht trocknend. Der Wein endet sehr lang, wenn auch etwas leise auf roten Früchten, einer feinen Mineralität (könnte vom Schieferboden kommen) und der perfekt passenden kaffeeigen Holzwürze.

Beide Daumen hoch, dann einer wieder runter. Millers 93 Punkte kann ich insofern schon nachvollziehend einordnen, jedenfalls wenn man unterstellt, dass diese Frucht- oder Extraktsüße den Herrn Miller nicht gestört hat. Vielleicht mag der Mann solche Weine ja auch, sso gut kenne ich seine Verkostungsgewohnheiten nicht. Zumindest ist seine Bewertung nicht ganz so sehr von einem anderen Stern. Die 91 Punkte von Guia Peñín finde ich allerdings der Tendenz nach schon noch eher passend. Wen also die etwas süßliche Sensorik nicht stört und wer die Aromatik von der Garnacha gerne mag, kann hier wirklich ohne Sorge zugreifen, sofern noch Flaschen erhältlich sind. Mein significant other berichtete von Restflaschen auf der Aktionsfläche beim Discounter, und das obwohl die Aktion schon über drei Wochen alt ist. So sind sie halt, die deutschen Discounter-Schnäppchenjäger. „Hauptsache billig“ im Kopf laufen sie an den (zugegeben sehr seltenen) wirklich interessanten Angeboten entspannt vorbei.

Ich bin gespannt, wie dieser Wein reifen wird. Spannend genug fand ich ihn, um eine weitere Flasche zu erwerben und das auszutesten. Blind verkostet, zwei Stunden in der Karaffe (so belüftet ist er voll trinkreif), dann über zwei Abende ohne sensorischen Verlust getrunken.

12 Euro, im Discounter, 88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2013

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