Aufbruch des Priorats – Große Weine von den Steilhänges des Montsant-Gebirges

Aufbruch Priorat-Probe (27 von 27)Dank meines guten Weinfreundes Norbert K. hatte ich das Glück vor einigen Jahren die Weine aus dem Priorat zu entdecken. Die besten Weine können ein einmaliges Geschmacksprofil und einen mineralischen Ausdruck entwickeln, wie ich es bei einem Rotwein nirgendwo sonst erfahren durfte. Hochfeine und glockenklare Fruchtaromen nach Blaubeeren, Kirschen und Cassis gepaart mit einer intensiven Graphit- und Schiefernote, dazu hält sich das Holz im Hintergrund. Es sind Grenzgänger und so liegt die Kunst in der richtigen Balance aus Traubenreife, Alkohol und Anteil Neuholz. Wenn es gelingt zählen sie zu den großen Weinen der Welt.

Nach der ersten Probe begann ich auf internationalen Auktionen gereifte Spitzenweine zu sammeln und siehe da, die Weine waren erschwinglich und mit etwas Geduld und Ausdauer hatte ich nach drei Jahren eine hinreichende Sammlung zusammen um eine hochwertige Probe ausgewählter Spitzenweine aus den Anfängen des Priorates zusammenzustellen.

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Tirant Rotllan Torra Priorat, 1997

Tritant Rotllan Torra, 1997 (100 von 1)Ach, wie herrlich überraschend Wein sein kann, denn immer wieder erweist sich die grauste Maus als der perfekte Begleiter für einen Abend. So auch dieser Rotllan Torra aus 1997. Ein klassischer Mitkauf in einem gemischten Lot mit ganz schlechtem Füllstand (mid-shoulder). Der Korken durchweicht und zerbröselt vollständig beim Versuch ihn aus der Flasche zu ziehen. Na gut, zumindest kurz probieren, bevor ich ihn vermutlich entsorge. Aber bereits der allererste Eindruck lies mich gehörig aufhorchen.

Tiefes, komplexes Bukett nach gereiften Waldbeeren und Kirschen, Schwaden von mild-süßlichem Tabak durchziehen die Frucht, dahinter eine Mischung aus salzigen Mandeln und frischen Blütenblättern, insgesamt sehr feinsinnig und klar, reif, aber ohne jede Überreife, zeigt ständig neue Nuancen. Ich muss es sagen, ein überzeugend vielschichtiges Bukett.

Am Gaumen von mittlerem Körper, perfekt gereift mit saftig-klarem Fruchtauftakt nach reifen Brombeeren, Schwarzkirschen, Schlehen, erneut vermählt mit Tabaknoten, dazu kommen noble Anklänge von Herrenschokolade, sehr klare Aromatik, zeigt einen charmanten süß-schmelzigen Kern, vitaler Säurebogen, der weder resch, noch von der Frucht erschlagen wird, wirkt jederzeit beweglich und animierend zu trinken, zeigt eine salzig-felsige Mineralität, die Tannine leicht trocknend, im hinteren Verlauf verengt sich der Rotllan Torra aromatisch und schmeckt dann ein wenig bäuerlich, die anfängliche Eleganz und aufgefächerte Aromatik kann er nicht voll durchhalten, so ist der Nachhall eher knapp mittellang und wenig aufregend, es bleibt ein trockenes Mundgefühl zurück. Trotzdem ist dies ein ausgezeichneter Vertreter aus dem Priorat, der sich herrlich unbeschwert trinken lässt. Jetzt auf seinem Höhepunkt und sollte nun auch getrunken werden, zumindest bei einem derartigen Füllstand.

Kein Vergleich zu dem 98er, keinerlei animalische bzw. stallige Noten.

Vom Fachhandel, 90 Punkte (ausgezeichnet), jetzt trinken

Priorat 2009 & 2010-Probe

Priorat 2009 & 2010-Probe Titel (111 von 12)Michael hat letztes Jahr ausgiebig das Monsant-Gebirge mit dem Fahrrad und seinem Caddy bereist und dabei zahlreiche Winzer besucht und so war es nicht verwunderlich, dass er dieses Jahr mit Leidenschaft uns 14 Weine aus dem Gebiet präsentierte. Die Jahrgänge 2009 und 2010 standen an, die sehr unterschiedlich ausfielen. 2009 brachte dank der zahllosen Sonnentag hochreife, fleischige Weine hervor, während 2010 eher kühl ausfiel und entsprechend schlankere, mineralische Vertreter hervorbrachte. Pauschale Aussagen über die Güte eines Jahrganges sind naturgemäß nur ein grobe Richtschnur, aber mir gefielen die 2010er in dieser Probe deutlich besser. Das mineralische Potential der Weine tritt deutlicher zu Tage, sie haben weniger Alkohol und die zur überreife neigende Stilistik der Priorat-Weine zeigt sich hier seltener und so trinken sich die Weine animierender. Alle Weine wurden aufgrund ihrer Jugend ein oder zwei Tage vorher dekantiert und verbrachten dabei bis zu 12 Stunden in der Karaffe. Das langes Karaffieren natürlich keine Reife ersetzen kann, zeigte der Abschluss der schönen Probe, mit dem 1999er Clos Mogador, der den Jungweinen deutlich überlegen war. Die Weine kamen wir immer blind ins Glas. Ich danke Michael für die schöne Probe im Rahmen der Bonner Weinrunde.

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Ein neuer Star am Priorat-Himmel – der 1902er von Mas Doix?

Mas DoixMit dem 1902 will die Cellar Mas Doix in die Gefilde eines L´Ermita oder Clos Erasmus vorstoßen. Den ersten Jahrgang 2009 konnte ich nun bei meinem geschätzten Weinfreund Norbert halbblind* verkosten. Der Name des Weines gibt das Jahr der Pflanzung jener Carinena-Rebstöcke wieder aus dem dieser Wein zu 100% bereitet wird. Der Wein kam in einem dreier Flight mit zwei weiteren, hochwertigen Priorat-Weine auf den Tisch. Aufgrund ihrer Jugend wurden alle Weine für 1,5 Tagen in der Karaffe belüftet.

1 Trosset de Porrera, 2009
Intensives Bukett an eingelegten Kirschen, Orangenscheiben, milde Bitterschokolade, leichter Hang zu Überreife, schönes mineralisches Fundament nach Graphit. Am Gaumen kraftvoll, saftiger Antrunk nach marmeladigen Kirschfrüchten, Waldbeeren und Zitrusfrüchten, mitten drin eine herrlich salzige Mineralität, die Frische in den Wein bringt, erneut deutliche Graphitnoten, die Tannine leicht trocknend und wirken nicht ganz charmant, die Aromatik wird auch leicht über den Alkohol getragen, ist aber noch nicht wärmend, sehr gute Länge. Ein sehr schöner Wein, dem aber die letzte Klarheit und Finesse fehlt. Dies wird aber am Tisch auch durchaus anders (=viel besser) gesehen.
88+/100

2 Mas Doix 1902, 2009
Tiefsinnige Nase von höchster Noblesse nach Blaubeeren, Schlehen und einer fleischigen Schwarzkirsche, daneben Zitrusabrieb, Teer und steinige Mineralität, einfach großartig, ohne jede Schwere oder Aufgesetztheit, besser geht kaum. Am Gaumen kann der Wein ebenfalls voll überzeugen, trotz seiner ganzen (jugendlichen) Wucht behält er immer die Balance und eine einmalige Feinsinnigkeit, Essenz von Kirschfrucht und Blaubeeren im Antrunk, die salzige Mineralität beisst in den Gaumen, Graphit und Kalkstein notiere ich mir, in der Mitte gibt sich das Holz mit einem Bitterschokoladenton zu erkennen, die Säure spielt bereits wunderbar mit den anderen Komponenten und so empfinde ich ihn als überaus trinkanimierend, was man nur wirklich wenigen Priorat-Weinen zubilligen kann, der 1902 ist es, die Aromen ändern sich laufend und werden erst nach einer ausgiebigen Flaschenreife ihre ganze Pracht entfalten, ein nahezu duftiger Wein, langes Finish. Großartig und ein Quantensprung zum Vorgänger. Ob er 200 Euro wert ist, sollen andere entscheiden.
95-96/100

3 Celler De L´Encastell Roquers de Samso, 2010
Wirkt im Bukett etwas süßer und spürbar stärker vom Faßausbau bestimmt, was mir eine Spur zu viel ist. Gefallen haben mir jedoch die klaren Waldbeeren und Schwarzkirschen, neben den Anklängen von Karamell und Schokolade insgesamt eine kühle Aromatik. Am Gaumen fällt mir ebenso unmittelbar seine kühle Aromatik auf, bereits im Antrunk tritt die steinige Mineralität deutlich hervor, die Frucht erinnert mich an saftigen Schwarzkirschen und dunklen Beeren, deutlich ummantelt vom Faßausbau und durchzogen von Bleistift und Kieselsteinen, macht den Wein eigenständig, im weiteren Verlauf wird der Wein immer kompakter, die Jugend hat ihn fest im Griff, in Nachhall zeigt sich leider ein Hauch zur Überreife, die Tannine heute noch etwas trocknend, mittleres Finish. Der Wein hat aber viel Potential, wenn die Frucht das Holz- und Tanninkleid abgelegt hat, hinreichend Substanz sollte vorhanden sein. Ein wirklich ausgezeichneter Wein, der aber nicht an den 2009er-Jahrgang heranreicht.
92+/100

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*Halbblind – Die beiden Begleiter kannte ich nicht, wußte jedoch, dass einer der drei Weine der 1902 sein musste. Die Reihenfolge meiner Notizen entspricht dem Flight.

Diverse Prioratos Teil 2

Priorat Teil 2 - Titelbild (100 von 1)Es geht weiter mit diversen Prioratos aus dem Sortiment von Torsten Hammer. Wie immer zum regulären Preis erworben, vollkommen unabhängig bewertet, nur die Freude am Wein wird uns sicherlich beeinflussen. Die Weine kamen offen in zufälliger Reihenfolge auf den Tisch. Offen, weil keiner kannte die Weine noch die Verkaufspreise.

Coreliom, 2005 (100 von 1)Terra de Verema Corelium, 2005
Nach über 20 Stunden in der Karaffe fand der Wein zu sich und zeigte seine zukünftige Klasse. Tief dunkle Beerenfrucht, reife Brombeeren, Heidel- und Blaubeere, alle drei Trauben zeigen sich sehr abwechselnd, jedoch um so deutlicher, das Holz fein mit der Frucht verwoben mit Anklängen von kalter Holzkohle, ausgeschälten Vanilleschoten, dunkle Herrenschokolade, das ist noch sehr jugendlich, etwas angespannt, jedoch mit ersten Anzeichen von Größe und Tiefe, im Hintergrund ruht sanft und solide die steinge Mineralik vom Llicorella-Schiefer. Das Bukett kündigt Spitzenwein ab 2017 an. Am Gaumen von kräftigem Körper, trotzdem wirkt der Wein über den gesamten Verlauf angenehm unangestrengt bzw. elegant und trinkig. Bei aller Kraft am Gaumen noch recht scheuer Antrunk mit klarer komplexer Frucht nach dunklen Waldbeeren, herrlich viel Blaubeeren, pikanter Säure mit zitroniger Note, die Tannine perfekt gereift, vielleicht noch jugendlich wild, geben dem Wein jedoch Kontur und bekunden erste Einsichten sich irgendwann mit der satten Frucht zu verständigen, im mittleren Bereich zeigt der Wein seine Klasse mit enorm festen Gerüst und vollem Mundgefühl, die Frucht aus Schlehen, Blaubeeren versprüht fortwährend Spiel und Noblesse und geht eine stimmige Balance mit der straffen steinige Mineralik ein, die im langen Nachhall salzige Anklänge zeigt. Hier ist Spitzenwein in seiner Entwicklung, der bereits heute viel Trinkfreude macht, aber vermutlich erst in fünf Jahren zeigt was er kann. Würde ihn gerne mal aus einem großen Jahr gereift probieren, aber dafür gibt es ihn noch nicht lange genug. Für ein Premieren-Jahrgang eine überaus beachtliche Leistung, leider preislich ambitioniert.
92+/100, 55 Euro

Mas Martinet Cami Pesseroles, 2006
Unmittelbar nach dem Aufziehen versprüht er pure Noblesse danke einer glasklaren, tiefen Schwarzkirschfrucht ummantelt von dunkler Herrenschokolade und vielfältigen Wildkräutern und Hölzern mit feinem Harzeinschlag, dahinter schwingen noch Blaubeeren animierend mit. Große Nase. Am Gaumen eine Wucht mit satten, herrlich saftig-frischen Antrunk mit klarer Fruchtessenz aus Blaubeeren und Schwarzkirschen, die Tannine bereits perfekt eingebunden, vermitteln ein angenehm fein-mürbes Mundgefühl, sehr beweglich dank tänzelnder Säure, nur ein Hauch feinster Dunkelschodolade vom Faßausbau spürbar, ab der Mitte beißt sich der Schiefer in den Gaumen und gibt dem Wein eine weitere Dimenssion und lässt ihn nun noch beweglicher wirken, große Tiefe und Komplexität mit großen Nachhall, verbleibt erstaunlich lang am Gaumen und endet auf einer mineralische-zitronig Note von Kräuterkruste ummantelt. Was für ein großer Wurf für den ersten Jahrgang dieses Weines.
94/100, 57 Euro

Roca de les Dotze Roca Bruixa, 2007
Dieser Priorat-Wein hat ein für mich nicht gekanntes würziges Bukett. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass in ihm 25 % Syrah stecken, die vermutlich diese Besonderheit verantworten. Ich hätte ihn auf jeden Fall blind an die Rhone gesteckt, eher an die nördliche, denn er wirkt schlank, ja richtiggehend frisch. Die Frucht zeigt viel Herzkirsche, Orangenschale und reife Blaubeeren, die französische Eiche erkennt man an einer Ahnung von Marzipan, ansonsten hält es sich angenehm zurück. Ansonsten eben ein Bündel voller angetrockeneter Küchenkräuter, wie Bohnenkraut und Thymian, auch ein wenig Speck, insgesamt interessant und ausgewogen. Am Gaumen angenehm schlank wirkend, frischer, fruchtbetonter Auftakt nach roten Johannisbeeren und jungen Himbeeren, die pickante Säure tickt fast zu keck hervor, einfach weil im Mittelbau es ein wenig an Extraktdichte fehlt, die Tannine noch trocknend, bin aber eher skeptisch, ob sich das noch gänzlich harmonisiert, mittlere Tiefe, die Kräuter wirken (leider) eher im Hintergrund, knapp mittellanger Nachhall mit schöner, sauberer Frucht, aber leider tauchen auch grüne Noten auf. Ein insgesamt  frischer, auch an wärmeren Tagen gut zu trinkender Wein, der seine 14 % erstaunlich gut verpackt und elegant daher kommt. Es fehlt ihm im Mund ein wenig an aromatischen Tiefgang und Dichte. Die Rebstöcke sind mit 10 Jahren auch noch sehr jung, da könnte also in ein paar Jahren ein schöner Wein heranwachsen.
87/100, 25 Euro

Pater, 2008 (100 von 1)Ficaria Vins Pater La Figuera Montsant, 2008
Die ersten drei Tage war der Wein stark maskiert von einer rustikalen Holznote. Erst am vierten Abend schälte sich langsam eine dunkle, tiefe Beerenfrucht von großer Klarheit hervor, trotzallem noch stark bedrängt von Faßaromen, mit deutlichen Barbecuearomen und verbranntem Holz. Im Mund mit überraschend leichtfüßigem Auftakt mit dunklen Beeren, erinnern an reife Casis, Brombeeren und einem Hauch Schwarzkirschen, das Holz auch hier präsent, wirkt aber nicht mehr so burschikos, die Würze von Holz verbindet sich im weiteren Verlauf durchaus gelungen mit der Frucht, in der Mitte mit ausreichend Dichte und getragen von der prickelnden Säure, alles sehr schön, durchaus trinkanimierend, aber hinten raus auch ein wenig langweilig, die Süße vom Holz, vorallem Vanille und die reifen Beerenfrüchte haben nur mäßigen Tiefgang, der Wein wirkt aber noch sehr jugendlich und verschlossen und könnte sich in fünf Jahren noch weiter aufgefächert haben, mittlere Länge. Ein sehr guter Wein, der seinen Alkohol noch so gerade einbinden kann und zu einem gegrillten Steak vermutlich schon heute mundet.
88+/100, 24 Euro


La Fuina, 2007 (100 von 1)Celler dels Pins Vers La Fuina, 2007
Der Duft verrät unmittelbar seinen Cabernet Sauvignon-Anteil, sehr noble Beerenfrucht mit reifer und glockenklarer schwarzer Johannisbeere, dahinter Orangenzesten, dunkle Herrenschoklade, ein Hauch Vanilleschote, sehr kühl, tief und elegant. Spontan ein großartiger Duft. Am Gaumen fällt er deutlich ab. Mittlerer Körper, gedeckte Antrunk mit unklaren Fruchtanklänge, wirkt in seiner ganzen Veranlagung bitter, die Tannine trocknen deutlich aus, hinten wird der Wein richtiggehende dünn in der Aromatik, dazu wärmt der Alkohol. In diesem Stadium nicht überzeugend. Über drei Tage ohne ansteigende Freude verkostet.
83/100, 32 Euro


Solertia, 2008 (100 von 1)Vinyes de Manyetes Solertia Vi de La Vila de Gratallops, 2008
Deutlich überzeugender der Solertia. Auch er präsentiert sich noch sehr jugendlich, hat sich gar in seine Höhle zurückgezogen. In der Nase eine unklare dunkle Beerenfrucht, kaum Spiel mit den Faßaromen nach Marzipan und Krokant, dahinter feiner Schieferduft, obwohl das ganze Bukett nicht klar gezeichnet ist, hat es Tiefe und könnte sich mit Reife durchaus ansprechend entwickeln. Ein vergleichbares Bild am Gaumen, die Frucht tritt hier zwar klarer hervor, vorallem die satte Kirschfrucht, jedoch auch hier noch staubig, die Fruchtfülle baut im mittleren immer weiter aus, bleibt jedoch immer frisch und fokussiert, das Holz hält sich zurück und überläßt der pikanten Säure den Vortritt, diese tänzelt und gibt den Kirschfrüchten ein Hauch Zitrus mit, festes mineralisches Fundament nach Feuerstein und nassem Schiefer, noch etwas abseits stehend, guter Nachhall. Ein gelungener Wein, der noch einige Jahre sich entwickeln muss.
91+/100, 45 Euro

Sieger dieser kleinen Vergleichsprobe war für mich eindeutig der Mas Martinet Cami Pesseroles aus 2006. Ein Wein, der bereits unmittelbar nach dem Aufziehen sein ganzes Potential zeigt und einfach meine Hoffnungen an das Priorat mustergültig erfüllt, große Fruchtfülle gepaart mit mineralischem Schieferbiss ohne wärmenden Alkohol.

Diverse Prioratos Teil 1

Priorat 1 - Titel (100 von 1)

In den kommenden Monaten werden wir hier einige Priorat-Weine vorstellen, die wir dankenswerter Weise von Torsten Hammer erhalten haben. Wir haben die Weine zum regulären Preis bezogen, wobei Torsten die Auswahl vornahm. Er ist ganz sicher einer der größten Kenner dieser Weine in Deutschland und betreibt einen lesenswerten Blog, darüber hinaus importiert er auch einige Weine. Ein Besuch lohnt sich.

Costers del Ros l`Obila, 2006 (100 von 1)Costers del Ros L ´Obila, 2006
Duftet intensiv nach Granberrys, dunkler Schokolade und leicht künstlicher Vanille vom Fass. Am Gaumen dicht, saftiger Antrunk, überreife dunkle Beerenfrüchte, getrocknete Pflaumen, Rumtopf, erneut dunkle Schokolade, die Tannine wirken ein wenig zu grob und sind im hinteren Verlauf trocknend, gut eingebundene Säure, mittlere Tiefe, nicht sonderlich komplex, in seiner ganzen Veranlagung ein wuchtiger Wein, ohne besondere Struktur, mit satter, überrreifer Frucht und mittlere Länge. Für das Geld eine Enttäuschung, ggf. ist der Wein gerade in der Verschlussphase, aber über die drei Abende der Verkostung konnte er uns nicht überzeugen.
85/100, 47 Euro


Vinedo de Ithaca Odysseus, 2006 (100 von 1)Vinedos de Ithaca Odysseus Maset del Ros Black Label, 2006
Erinnert in der Nase augenblicklich an Chateauneuf-de-Pape-Weine mit seinem Duft nach Pumpernickel, Schwarzbrot, Marzipan, kompottigen dunklen Beerenfrüchten, und oxidativen Noten. Am Gaumen wuchtig, der Alkohol wärmt über den gesamten Verlauf ein klein wenig, ebenso schnell ist aber auch eine kühle, steinige Mineralität am Werk, gibt dem Wein Struktur und hält ihn im Rahmen, auch am Gaumen viel dunkle Beerenfrüchte, wirken nun etwas frischer, es gesellen sich reife Schwarzkirschen hinzu, die Säure ist pikant und verleiht ihm gar einen Hauch Frische, die Tannine wirken jugendlich, aber reif und wohl integriert, mittlere Dichte und Länge. Ein gelungener, wenngleich mächtiger Wein, der aber im Mund trotz seines wärmenden Alkohol strukturiert ist und sich daher animierend trinken lässt.
87-88/100, 30 Euro



Celler Aixala Alcait Pardelasses, 2009
Der Wein besticht mit einem klaren Duft nach Schwarz- und Sauerkirschen, feine Vanille vom Holz, der typische Schiffer-Duft drückt, noch sehr verschlossen, aber verheisungsvoll. Am Gaumen mit sattem, saftigen Auftakt erneut nach sehr klaren, fast noblen Kirschen, es kommen getrocknete Kräuter hinzu, die Säure hat Biss und gibt der Fruchtnote eine angenehm zitronige Komponente mit, die steinige Mineralität ist deutlich zu erkennen, wird aber in diesem jugendlichen Stadium noch ein wenig zu sehr von der Frucht überlagert, aber das wird sich noch geben, erster Wein mit fester Strutur, der über den gesamten Verlauf animierend trinkt und wenig Tendenz zur Breite zeigt, der nur leicht spürbare Alkohol ist bestens maskiert, gute Tiefe und Länge. Muss reifen.
90-91+/100, 19 Euro


Montsalvat 1 (100 von 1)Cellers de la Cartoixa de Montsalvat, 2004
Nach einer Stunde in der Karaffe wirkte der Wein sofort präsent und präsentierte eine elegante, dichte Kirschfrucht, mit Anklängen von Heidelbeeren, nassem Gestein im Hintergrund, würzige Note vom Faßausbau, sehr klar und wechselhaft, spannungsgeladen. Am Gaumen kraftvoll, trotzdem eine Spur Kühle, die Frucht sehr klar ohne jede Überreife, zeigt Tiefe und Komplexität an, erneut dominieren Kirschfrüchte, aber auch vielfältige Waldbeeren zeigen sich immer wieder, die Säure animinerend mit der Frucht verwoben und bringt Spannung in den gesamten Verlauf, im hinteren Bereich setzt sich schön die steinige Mineralität durch, feine Montsalvat 2 (100 von 1)Holzsüße mit frischen Waldkräutern, gute Tiefe und langer Nachhall, zeigte am nächsten Abend noch mehr Spiel und Charme, die Tannine waren dann vollkommen in die Frucht eingebunden, ein sehr ansprechender Priorat zu einem vernünftigen Preis, der sicherlich auch von dem großen Jahr profitiert hat.
91+/100, 40 Euro

Die Spitze des Priorats

Titelbild Priorat-Probe (100 von 1)Zum Auftakt des neuen Jahres trafen sich acht Weinfreaks in Oberhausen um eine breite Auswahl von Spitzenweinen aus dem Priorat zu verkosten. Norbert hatte lange gesammelt und mit Verstand und Engagement eine wunderbare Kollektion zusammengestellt, darunter auch einige älterer Jahrgänge. Meine erste Berührung mit Prioratos liegt nun schon einige Jahre zurück und im Laufe der Zeit hatte ich immer wieder Berührung dazu. Ich wusste daher was mich erwartet. Priorat-Wein sind für mich Musterbeispiele, dass auch Rotweine eine intensive mineralische Note aufweisen können.

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