Weihnachtstasting am Chiemsee

Unger Weihnachtstasting 2012 Titel 2-100
Jedes Jahr im Dezember treffen sich um die 15 Winefreaks in Frasdorf in dem herrlichen Probenraum der Ungers, die heute sicherlich eine Kapazität in Sachen Bordeaux, Kalifornien und vielem mehr sind. Für mich war es die Premiere und so ließ ich mich einfach überraschen. Insgeheim hoffte ich natürlich auf meinen persönlichen ersten 100-Punkte-Wein. 100 Punkte war auf alle Fälle der Service der Ungers. Flott und bequem wurde man vom Flughafen nach Frasdorf kutschiert, das Hotel passt zum Ort, die Weißwurst, meine ersten nach 20 Jahren, war schmackhaft und die Küche sowie der Service während des Tastings auf ausgezeichnetem Niveau. Alle Bewertungen habe ich spontan notiert und auch nach dem Aufdecken nicht mehr verändert. Die Weine kamen in 3er- bzw. 4er-Flights blind auf den Tisch. Der Gastgeber geizte mit Hinweisen und so lagen wir eigentlich fortlaufend daneben. Blindtrinken macht eben demütig.

Los ging es mit zwei Weißweinflights, allesamt Chardonnays aus Kalifornien, ein Steckenpferd der Ungers. Es hätte uns Schlimmer treffen können.

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Alte Spanier von 1962 bis 2000

Kürzlich hatte ich eher zufällig die Gelegenheit einige große, gereifte Spanier zu verkosten. Wir pilgerten mal wieder nach Oberhausen und Norbert und Wera sorgten wieder souverän für einen unterhaltsamen und überaus genussreichen Abend. Aber nicht zuletzt waren hierfür auch die L`Ermitas, Culmen, Curium und Gran Valtravieso mitverantwortlich. Aber lest selbst… 

Bodegas Emilio Moro Tinto, 2006

Ich fange diesmal von hinten an. Mit dem Fazit. Dies ist ein prima Wein für kalte Tage, einer, den man ohne intellektuellen Diskurs einfach mal gut trinken kann. Nicht allzu fordernd in seinem Auftritt, sondern in seiner fruchtbetonten Art einfach nur (sehr) gut. Spricht den Weinfreund an, er findet genug Substanz zum Verweilen, der Wein schreckt auf der anderen Seite aber auch die unwissende Fraktion nicht weiter ab. Taugt für den Mittwoch wie den Sonntag.

So, das als Vorrede, nun ins Detail:

Ein glanzvolles Purpurrot mit dunklem Kern. In der Nase helle Kirschfrucht, leicht balsamische Schokotöne, auch ein leicht stumpf wirkender Kräuterton (erinnert zudem ein wenig an staubige Trockenblumen), ergänzt von Noten, die an Kamin- und Maronenfeuer erinnern. Aus der frisch geöffneten Flasche kaum alkoholische Nuancen, trotz 14,5 %, die kamen erst mit weiterer Belüftung zu Tage, blieben aber im Ergebnis nie sonderlich aufdringlich. Wenn man dem Hinweis auf dem Rückenetikett folgt (Trinktemperatur bei 14-16 Grad) stimmt die Dosis aber…

Im Mund mit fülliger Kirschfrucht, passabler Süße. Die Frucht ist sehr klar, saftig und hinterlässt ein seidiges Mundgefühl. Gerade, als man denkt „jetzt wird´s banal“ wechselt dieser reinsortige Tempranillo ins ernsthaftere Fach, präsentiert eine sehr schön eingebunden Schokoholznote, die Säure steht kraftvoll gegen den satten Fruchtkörper, sie ist prima eingebunden, wieder ein wenig rauchige Noten. Unbelüftet ist das Tannin nahezu glattgezogen, es raut nur ganz leicht am Gaumen. Erst in den Folgetagen wurde es etwas präsenter, aber nie störend. Viel Glycerin am Gaumen, der Wein verpackt den kräftigen Alkohol aber doch erstaunlich ordentlich. Knapp mittellanger, recht unaufdringlicher Nachhall. Wem der zu kurz ist, naja, der nehme halt noch einen neuen Schluck… Insgesamt ein kraftvoller und sehr fruchtbetonter Wein, der auch nach drei Tagen keine oxydative Beeinträchtigung zeigte.

Zum übrigen Fazit klicke man wieder: nach oben…

Im Fachhandel gekauft, 14 Euro, 87-88 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2013

Bodegas Valduero Reserva, 1999

Durchscheinendes Purpurrot. Die 30 Monate im Holzfass drücken dem Bukett seinen Stempel auf. Durchaus ein ansprechendes Spiel von Zedernholz, Tabak und ein klein wenig Minze. Als Frucht dahinter dunkle, reife Waldfrüchte, ein wenig Schwarzkirsche gepaart mit einer dunklen Kräuterwürzigkeit. Durchaus stimmig komponiert, ohne ganz große Tiefe.

Im Mund setzen sich die Eindrücke der Nase fort. Wer kein Holz mag, ist hier falsch. Wiederum viel Zedernholz, dunkler Tabak und auch Kaffeenoten werden dank eines hauchzarten Überzuges von tiefdunkler Schokolade etwas geschmeidiger. Holunder, schwarze Johannisbeere und Blaubeeren kämpfen sich durch die Fassaromen. Der Wein wirkt eigentlich noch recht jugendlich, nur die kräftige Säure verschreckt mich ein wenig. Weiter hinten werden die Tannine etwas spröde und trocknen die Mundhöhle doch ganz ordentlich aus, was auch als letzter Eindruck nach dem mittellangem Abgang zurückbleibt. Die 13 % Alkohol sind gut eingebunden. Der Wein wurde eindeutig als Begleiter zu kräftigen Fleischgängen gemacht und bietet hier den rechten Rückhalt. Als Solist ist er mir etwas zu spröde und setzt zu sehr auf die Holzkarte. Bietet zu wenig Aromenspiel, es fehlt ihm an Tiefe und Eleganz und er wirkt so etwas unharmonisch. Ob sich die Tannine noch rechtzeitig einbinden, bevor die Säure immer mehr nervt, wage ich nicht zu sagen. Ich für meinen Teil bin froh, dass dies meine letzte Flasche war. Zu Hause offen verkostet, eine Stunde in der Karaffe.

Vom Fachhandel, 22 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt trinken

Alejandro Fernandez Pesquera Crianza Tinto, 2004

Dichtes und undurchsichtiges Purpurrot. In der Nase Schwarzkirsche, rote Johannisbeere, ein Touch Orange, die Nase ist insgesamt sehr frisch, ergänzt durch würzige Toast-Noten. Im Mund dichter, als es die Nase erwarten lässt; wieder Schwarzkirsche, Nougat, ein Küchenkräuterton, etwas Menthol. Der Wein hat viel Zug im Mund, fast schon eine Spur schärfend ist hingegen der Alkohol, am zweiten Abend wirkt er aber milder. Der Wein hat viel Extrakt, ohne dabei ins Süßliche abzugleiten. Am Gaumen fällt der Wein leider in Sachen Komplexität etwas ab, ein leicht alkoholischer Ton beeinträchtigt zudem den Abgang. Dieser ist mittellang, mit würzigen Bitterschokonoten (gab es früher nicht mal eine Schokosorte „Herbe Sahne“) und dunkler Frucht versehen. Merkliches Tannin, das aber etwas stumpf wirkt.

Ich würde empfehlen, diesem Wein einen kräftigen Counterpart entgegenzusetzen – wir hatten ihn zu einem Wildschweingulasch, wobei er sehr gut funktionierte und dabei den leichten Alkoholton besser verbarg als als Solist. Eine weitere Lagerung scheint zudem nicht zu schaden, das Tannin war doch noch ein wenig zu kantig. Offen probiert, zuvor knapp eineinhalb Stunden in der Karaffe belüftet.

Im Fachhandel gekauft, 16,90 Euro, 85+ Punkte (sehr gut), 2011 bis 2014