Premiere Crus aus Morey-Saint-Denis

000MSDPremiere Crus aus Morey-Saint-Denis

Burgundische Gemeindeprobe bei der Bonner Weinrunde, Teil Nr. 2.

Nach dem gelungenen Auftakt im vergangenen Jahr, damals mit schönen Weinen aus Gevrey Chambertin, ging es diesmal nach Morey-Saint-Denis. Um ein gutes Vergleichsniveau erreichen zu können, entschieden sich Caro und Steffen diesmal dazu, nur Premiere Crus in die Probe zu nehmen, was – bis auf wenige Ausnahmen – auch fast vollzählig gelang…

Die nachfolgenden Notizen stammen aus einer Blindverkostung, weder Winzer noch Jahrgang wurden vorab bekannt gegeben.

00MSDZum Herantasten an die Aromatik gab es vorab einen Village aus dem Hause Georges Lignier aus dem als sehr gut bewerteten Jahrgang 2010. In der Nase rote Früchte, insbesondere Himbeere, Kräuter und etwas Holzkohle. Frisch und jugendlich. Im Mund sehr saftig, mit betonter Säure, Himbeere, recht straight. Das Tannin eher fein, wenngleich noch rauh. Recht trocken. Etwas vegetabil-rotfruchtges Finale. Ein Wein, der noch ein paar Jahre reifen darf. 84+ Mü-Punkte.

01MSDDen eigentlichen Auftakt bildete dann der 1er Cru „Aux Charmes“ von Lignier-Michelot aus 2007, der mit einer holzwürzige Krokantnase, einem feinen Pilzton und etwas Floralem in der Nase begann. Rotfruchtig dahinter. Im Mund mittelvoller Körper, klare Himbeere, auch holzwürzig, die pikante Säure mit der Frucht gut verbunden. Bietet bereits jetzt ein schönes, balanciertes Spiel von Frucht und pikanter Säure, wird aber in einigen Jahren noch schöner sein. Heute 88+ Mü-Punkte.

02MSDDer „Aux Cheseaux“ der Domaine Arlaud aus dem Jahr 2007 konnte hier nicht ganz mithalten. Kraftvoller Holzeinsatz, feines Nougat, Hagebutte, und eine cremig-schokoladig dunkle Würze, die dann in Piment übergeht. Auch im Antrunk dunkle Schokolade, cremig, aber nicht süßlich, zugänglicher als in der Nase, mit gewisser Fülle, was sich auch im Alkohol etwas zeigt. Die Säure unauffällig, der Holzeinsatz ist heute aber – in Summe – noch zu präsent. Hier wird etwas Geduld erforderlich sein, es bleibt die Frage, ob die Frucht nach Abschmelzen des Holzes noch da sein wird. Deshalb eher zweifelnde 86+? Mü-Punkte.

03MSDNochmals Georges Lignier, diesmal der 1er Cru „Clos des Ormes“ aus dem großen Jahr 2002. Eine Nase mit heller Milchschokolade, ja leichter Laktik, dazu aber eine fein verwobene Mixtur von Mokka und grünen Kräutern. Seidig im Antrunk, floral (Rose), ätherische Kräuer, rote Früchte gepaart mit feiner Cremigkeit und merklicher Fruchtsüße. Die dagegenstehende betonte Säure sorgt für innere Spannung. Zum Gaumen hin nimmt die Säure dann der Fruchtsüße das Ruder aus der Hand, ein wenig alkoholische Wärme zeigt sich hier. In Summe sehr schön zu trinken, wenngleich ohne richtige Tiefe. 88 Mü-Punkte.

0405MSDNach einem Ausfall des fehlerhaften „Les Charrières“ der Domaine Alain Michelot (Jg. 2008) ging es dann mit Wein 5 in die Lage „Les Chenevery“, Jahrgang 2007, der Domaine Alain Jeanniard, die mit einer dunklen Herzkirsche und einem leichten Pfefferl in der Nase andeutete, dass der Wein noch recht jung ist. Auch im Mund noch recht primärfruchtig, süßlich, mit einer (noch) etwas undefiniert dichten, irgendwie aber auch charmanten Rotfrucht nach Himbeere und Herzkirsche. Recht puristisch und eher feinmineralisch karg. Leider hält der Wein dies nicht bis ins Finale durch, verjüngt sich vernehmbar, um mit Säure und einem kräftigen Tannineindruck zu enden. 85+ Mü- Punkte.

06MSDWieder ein Wein der Familie Lignier, diesmal aber Lucie & Auguste Lignier, die mit Ihrer Cuvée Romain Lignier (aus den Lagen Faconnières und Chenevery) aus 2006 an den Start gingen: in der Nase rote Frucht, etwas Gummiabrieb, deutlich und gelungen der Holzeinsatz, von dem Krokant und Würze künden. Leider aber etwas alkoholische Wärme. Im Antrunk eine charmante rote Kirschfrucht, feine Fruchtsüße, wieder der etwas sonderbare Gummi-Ton. Alles in Summe jugendlich, aber schön komponiert und mit gutem Potential versehen. Hiervon zeugt auch der gelungene Holzkontakt, der sich mit Krokant und feinem Nougat zeigt. 89+ Mü-Punkte.

07MSDDass es nun mit Wein 7 deutlich älter wurde, nämlich Jahrgang 1996, verriert schon die sehr reife Nase des „Les Millandes“ (Dom. Palisses-Beaumont), die mit Ledernoten, Champignons, Pumpernickel und kaum mehr vernehmbaren Fruchtaromen einherging. Dankenswerterweise ging die Kohlnote, die der Wein zunächst noch zeigte, mit ein wenig Schwenken im Glas vollständig verloren. Im Mund kräuterbetont, auch Piment, feines Leder und noch feinere Schokoladenspuren lassen Freude aufkommen, ernsthafter Stil, rohes Fleisch, dazu eine klare rote Frucht. Der Wein blättert sich im Glas auf, zeigt sogar noch etwas Zitrus. Leider nur deutlich mittellang und etwas austrocknend vom Tannin, aber dennoch mit feiner Süße im Finale. Ein schön gereifter Wein. 89 Mü-Punkte.

08MSDDer nächste 1er-Cru, La Riotte, der Domaine Jean-Michel Guillon aus dem Jahr 1999 kam da leider nicht ganz mit, die Nase zwar voll, aber von etwas gekochter, kompottiger Frucht und etwas Fleisch geprägt. Im Mund deutlicher Vanille-Auftakt, wieder die kompottige Rotfrucht, so schon aus der Nase bekannt, dazu eine feine Säure. Der Wein ist harmonisch, aber wenig spektakulär komplex. Solide, könnte man sagen. 87 Mü-Punkte.

08aMSDIn der Essenspause wurde eine Magnum des 1997 Morey-Saint-Denis Village aus dem Hause Jean Paul Magnien ihrer Bestimmung zugeführt. Keine gesonderten Notizen hierzu (81 Mü-Punkte), aber die Flasche wurde jedenfalls leer.

09MSDWenig überzeugen konnte mich leider Wein Nr. 9, ein 2008er „Les Blanchards“ der Domaine Dublère. In der Nase etwas Erdbeere und Speck, dazu auch rote Johannisbeere. Diese setzt sich aromatisch auch im Antrunk fort. Wenig Struktur und Tiefe, das Holz gut eingebunden, die Säure kräftig. Wieder Erdbeere, was das Aromenbild dann doch etwas diffus machte. Andere sahen diesen Wein ein wenig stärker, ich komme nicht über 83 Mü-Punkte.

10MSDAus den Lagen „Les Blanchards“ und „Clos Baulet“ stammt dieser Premiere-Cru der Domaine Forey aus 2006. Kräftige Kirschnase, etwas Pflaume, schön eingebundene würzige Holznoten. Im Mund dunkle (Cassis-)Noten, Pflaume, eine feine Mineralik. Deutlicher Kräuterstrauss. Der Wein wirkt sehr verschlossen, wovon auch das stumpfe Tannin zeugt. Könnte sich in einigen Jahren schöner zeigen, heute daher nur 84+? Mü-Punkte.

11MSDAuch Wein Nummer 11, nämlich 2008 „Les Ruchots“ der Domaine Pierre Amiot & Fils, war heute noch zu jung, hier aber sehe ich eine gesicherte Prognose: in der Nase Pfeffer, schwarzer Tee – die Holztöne bereits gelungen eingebunden. Druckvoller Auftakt im Mund, Hagebutten, auch schwarzer Tee, recht kraftvoller, aber balancierter Stil. Saftig und mit geschmacklicher Tiefe, hat innere Spannung. Jugendliches Finale, knapp lang. 89+ Mü-Punkte.

12MSDDieser Wein macht Mut für den letzten Dreierflight: den Anfang bildet Altmeister Hubert Lignier mit seinem „Les Chaffots“, 1994. Dunkle Schokolade in der Nase, Leder, feine florale Rosenaromatik und eine leicht überreife rote Frucht, die sich unvermittelt auch im Mund fortsetzt. Dazu gesellen sich Hagebutten und Kräuer, der Wein hat trotz seiner etwas rustikalen Art Charme. Feines, aber etwas trocknendes Tannin. Dezente Mineralik. Eine schöne, doch schwer zu fassende Frucht im Finale, sehr betonter, aber absolut gekonnter Holzeinsatz. 87 Mü-Punkte.

13MSDMeinen persönlichen wine of the night gab es dann als Wein 13, denn was Jean-Paul & Stéphane Magnien mit Ihrem 2006 „Les Monts-Luisants“ auf die Flasche gebracht haben, konnte wirklich gefallen. Eine volle Nase ohne Süße nach Kirsch und Cassis, untermalt von Krokantsplittern und etwas Teer. Ein Korb roter Früchte (Kirsche und auch Johannisbeeere), schlanker als nach der Nase erwartet, transparent und leichtfüßig wirkend, seine Säure bestens eingebunden, was sich aromatisch in Zitrusfrische wiederspiegelt. Langes und feinrotfruchtiges Finale, im das das gut eingebundene Holz hervorscheint und aromatisch definiert mitschwingt. 91 Mü-Punkte.

14MSDAuf ähnlichem Niveau der letzte Wein des Abends: Domaine Ponsot, „Cuvée des Alouettes“ 2006. In der bereits Tiefe vermittelnden Nase dunkle Kirschfrucht, kontrastierend dazu Teer und eine feine ätherische Frische. Klarer Fruchtkörper im Mund, kirschig, das Holz wirkt hier zwar kräftig getoastet, aber es ist bestens verwoben. Wieder Teernoten. Das Tannin ist noch kräftig und derzeit auch ein wenig trocknend, man erkennt aber, dass sich dies schön einbinden kann mit weiterer Reife. Insgesamt ist hier noch Potential erkennbar, das fruchtgetragene und vom Tannin etwas kantige, deutlich mittellange Finale wird sich sicherlich noch abschleifen. Dies düfte ein ausgezeichneter Wein bleiben. 90+ Mü-Punkte.

Fazit:

Die schon vor der Probe ausgegene Erwartungshaltung der Ausrichter, dass man gute Weine auf einem recht konstanten Niveau vorfinden werde, hat sich in dieser Probe durchaus bestätigt. Wenig Ausfälle hatten wir im Glas, leider blieben uns aber auch die ganz hohen Ausschläge verwehrt. Da aber die Grand Crus aus Morey-Saint-Denis bewusst ausgeklammert wurden, waren diese Höhen nun auch nicht zwangsläufig zu erwarten.

Wir freuen uns somit erwartungsvoll auf Teil 3 dieser kleinen Gemeinde-Reihe. Im Jahr 2014 wird es dann voraussichtlich Chambolle-Musigny zu probieren geben… wir werden hier berichten!

Autor: Guido Mueller

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