Ein Besuch im Napa Valley, Teil 3

Der Abschied aus Napa nach den Tagen 1 und 2 fiel mir äußerst schwer – ich hätte noch Wochen bleiben können, und das Programm für den nächsten Besuch stellt sich quasi von selbst auf. Die Ausfahrt aus dem Tal nutzte ich noch zu einem Besuch bei einem weniger bekannten Gut – Cosentino – das mir Tom von Chimney Rock ans Herz gelegt hatte, sowie für zwei Güter in Sonoma: Kunde Estate, die mir in Boston schon mit einem guten Cabernet aufgefallen waren, und Schug, von denen ich bereits zwei Pinots und einen Cabernet kannte.


Cosentino Winery, Yountville

Cosentino war wie gesagt eine Emfehlung eines Chimney-Rock-Angestellten, der mich vor allem wegen des tollen Riesling da hingeschickt hatte. Da er mir eine Freikarte für das Tasting zusteckte, konnte ich mir die Gelegenheit natürlich erst Recht nicht entgehen lassen. Einen Riesling – so stelle ich eben beim Blick in meine Notizen fest – habe ich dort allerdings gar nicht probiert. Egal.

2008 Chardonnay Napa Valley: 30% frz. Eiche. Schöne ätherische Note, wenig Butter, gut balanciert, cremig, aber dennoch mit guter Säure. Mundfüllend und trotzdem elegant. Prima Einstieg. $24.-, 89 Punkte.

2007 Gewürztraminer Dry Yountville: Ach ja, mit diesen trockenen amerikanischen Gewürztraminern kann ich mich nun mal nicht anfreunden. Wenn man aber Deutscher ist und ein wenig Ahnung vorspiegelt, bekommt man ihn unweigerlich eingeschenkt. Litsch, Litschi, Litschi, kandierte Orange, etwas weißer Pfeffer. Im Mund eben trocken und damit für meinen Geschmack wie meistens zu dünn, etwas grünlich. Preis unbekannt, 81 Punkte.

2007 Chardonnay Napa Valley „Secret Clone“: 30% frz. Eiche. Ananas, Vanille, weich und mit viel Substanz, gepaart mit schöner steiniger Note, etwas florale Noten. Gut. $40.-, 88 Punkte.

2007 Sangiovese California Red Wine: 20% CabFranc. Pfeffrig, etwas Zimt, viele Gewürze, rote Kirsche, etwas Kaffee, ein wenig Mineralität. Im Mund sehr weich, viel Holz, von den 14,9% Alkohol nicht übermäßig viel spürbar, etwas indifferente Frucht. Schöner Saufwein. $20.-, 84 Punkte.

2006 Cabernet Sauvignon Napa Valley: 95% CabSauv. Etwas Leder, Cassis, dezente Steinnote. Im Mund soft und vanillig, mit netten Tanninen. Fällt nicht besonders auf, tut nicht weh. Preis unbekannt, 87 Punkte.

2006 „The Poet“ Red Meritage Napa Valley: 80% CabSauv, 12% CabFranc, 8% Merlot. Schön rauchige Nase, schwarze Johannisbeere, ziehende Mineralik. Im Mund gut abgerundet, Zigarrenkiste, Süßkirsche. Lang. Sehr gut. $65.-, 92 Punkte.

2006 Cabernet Sauvignon Reserve Napa Valley: Hochreif, etwas Madeira, etwas Fleisch, Rosine, viel dunkle Frucht. Ist mir im Mund zu straightforward Cabernet Sauvignon, extrem dicht, macht noch nicht richtig auf, im Abgang etwas verhalten und nicht lang. Kommt noch. $50.-, 88+ Punkte.

Eine etwas durchwachsene Kollektion. Vom Poet habe ich eine Flasche mitgehen lassen, die Chardonnays waren auch gut, auf den Rest hätte ich auch verzichten können. Ich habe den Eindruck, dass hier ein paar Weine zuviel produziert werden. Die Liste ist sehr umfänglich. Kennengelernt habe ich bei Cosentino aber Jenna Kunde, die Tochter des Hauses Kunde Estate in Sonoma, die bei Cosentino derzeit das Handwerk lernt. Damit stand dann auch das nächste Ziel fest.


Kunde Family Estate, Kenwood
Kunde Family Estate wurde bereits 1904 gegründet und ist riesig: Man bewirtschaftet eine zusammenhängende Fläche von ca. 750ha, von denen knapp 300 mit Reben bestockt sind. Auf dem Gelände wurden die Außenaufnahmen des Films "Bottle Shock" gedreht, der das 1976er Tasting von Paris in schillernden Farben (aber wohl historisch nicht ganz korrekt) darstellt. Die Erdkeller sind beeindruckend. Von Kunde kannte ich bereits einen angereiften 2004er Chardonnay ($18.-, 86 Punkte) sowie den einfachen 2006er Cabernet Sauvigon ($27.-, ebenfalls 86 Punkte). Beides preiswerte Weine.

2009 Sauvignon Blanc Magnolia Lane: Dieser Wein hat zum siebten Mal in Folge den mir bislang unbekannten „Oyster Award“ gewonnen. In der Nase schöner Sauvignon, Banane, Stachelbeere, Mineralik. Im Mund etwas langweilig, mir fehlt hier die mineralische Note aus der Nase. $15.-, 83 Punkte.

2007 Chardonnay Reserve Sonoma Valley: Sehr toastig und buttrig, feine Mineralik. Im Mund kraftvoll, klassischer, fetter Chardonnay, zwar nicht mein bevorzugter Stil, aber nicht schlecht. $28.-, 89 Punkte.

2007 Zinfandel Reserve Century Vines: Dieser Zinfandel stammt angeblich tatsächlich von 130 Jahre alten Reben. Tolle Nase, fruchtig, fleischig, kaum die typischen Zin-Gewürze, kühle Mineralik. Auch im Mund meines Erachtens kein typischer Zin, eher italienisch, etwas Kirsche, Pflaume, die Gewürznote fehlt fast vollständig. Nicht die ganz große Nachhaltigkeit, aber einer der besten Zinfandels, die ich bislang getrunken habe. $30.-, 88 Punkte.

2006 Cabernet Sauvignon Drummond Vineyard Sonoma Valley: 2% Merlot. Tiefe Nase, schön angereift, mineralischer Zug. Auch im Mund eine schöne mineralische Note, Zigarre, Frucht nicht sonderlich offen, eher Eleganztrinken als Fruchtspaß, braucht entweder noch mehr Zeit oder aber Luft. $35.-, 87+ Punkte.

2002 Cabernet Sauvignon Drummond Vineyard Sonoma Valley: 100% CabSauv. Viel mehr Cabernet-Noten als beim 2006er, Cassis, schwarze Johannisbeere, Paprika, tief. Auch im Mund ganz klassischer Cabernet, Mineralität, ein wenig ruppig vielleicht, aber schön. Preis unbekannt, 89 Punkte.

2007 Cabernet Sauvignon Reserve Sonoma Valley: 88% CabSauv, 9% PV, 3% Merlot. Noch jung, mit viel frischem Holz, Vanille, ebenfalls ein vulkanisch-mineralischer Zug. im Mund weich, viel Vanille, kräuterig, seidig, ein wenig brandig. Lang, aber noch völlig unentwickelt. $40.-, 90+ Punkte.

Nicht das ganz große Kino, aber der Zinfandel, der 2002er Drummond und die Reserve sind tolle Weine, die auch alle vernünftig bepreist sind. Der Besuch hat sich gelohnt.


Schug Carneros Estate Winery, Sonoma

Schug war ein Muss. Für mich bislang die Entdeckung aus Kalifornien – vielleicht nicht die besten Weine, die ich bisher in Boston getrunken hatte, aber mit Sicherheit die mit dem besten Preis/Leistungs-Verhältnis. Probiert hatte ich den 2006er CabSauv ($28.-, 86 Punkte), den 2007er Pinot Noir Sonoma Coast ($25.-, 88+ Punkte) und den 2007er Pinot Noir Carneros ($30.-, 90+ Punkte; alle Preise Fachhandel in Boston). Ich war gespannt auf die aktuelle Kollektion.

2008 Chardonnay Sonoma Coast: Stainless ausgebaut. Schöne frische Nase, Birne, Melone. Im Mund etwas sonderbar parfümiert, pflanzliche Anklänge, erinnert mich fast ein wenig an Wurst (?). Nicht so ganz mein Ding. $24.-, 84 Punkte.

2008 Chardonnay Carneros: Dieser hier ist in Eiche ausgebaut. Reichhaltiger Stil, Butter, dennoch schöne Säure, etwas anregender Gerbstoff, Honigmelone. Gefällt mir deutlich besser. $28.-, 87+ Punkte.

2008 Pinot Noir Sonoma Coast: Stainless. Frisch, würzig, Wacholder, etwas vegetabil, ganz leicht Leder. Im Mund rauchig, Zigarre, Grafit, Kirsch und Himbeer. Würde ich gerne in einem guten Jahr noch einmal probieren. $24.-, 87+ Punkte.

2008 Pinot Noir Carneros: In Eiche ausgebaut. Schöne fruchtige Erdbeere, Kirsche, mit Würze balanciert, leichte mineralische Note. Im Mund deutlich voller als der Sonoma, strukturiert, tolle Säure. Mein Wein. $28.-, 89+ Punkte.

2007 Merlot Sonoma Valley: 2 Jahre 20% neue Eiche. Extrem erdbeerig (?), Mineralik, ein leichter Stich Alkohol. Süß im Mund, schöne Frucht, Erdbeer, Kirsche, Pflaume, weiche Tannine. Vielleicht ein wenig zu lieb. $28.-, 86 Punkte.

2007 Cabernet Sauvignon Sonoma Valley: 2 Jahre 20% neue Eiche. Schöne Cabernet-Frucht, Cassis, Sauerkirsche, noch sehr jung, äußerst sauber, fast ein wenig langweilig. $28.-, 87 Punkte.

Nicht die ganz große Punktzahl. Aber konsistent mit meinen Eindrücken der 2007er-Weine. Der Carneros-Pinot kratzt an den 90, der Sonoma leicht dahinter. Merlot und CabFranc sind mir ein wenig zu brav, wenn auch sehr sauber gemacht. Sie sind beide eher auf Sortentypizität denn auf Großartigkeit ausgelegt. Der Carneros Chardonnay ist ein schöner Wein, der auch noch Zeit braucht. Das alles kombiniert mit sehr freundlichen Preisen: Schug steht auf meiner Liste ganz oben.

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