Eine Reise ins Piemont – Barolo Jahrgang 2010

Piemont-Reise 2014 (125 von 121)Nach unserer Elsass-Reise im letzten Jahr (Hier lesen) lag unser Ziel diese Jahr deutlich südlicher. Piemont mit seinen sanften Hügeln, seinem Nebel in den Hängen, seinen pittoresken Ortschaften und natürlich mit all den großen Weinen und seiner vorzüglichen Küche. Seit über 20 Jahren war ich nicht mehr in diesem Landstrich und so war meine Vorfreude auf weiße Trüffeln, Pasta, Barbera und Nebbiolo besonders hoch. Traditionell haben wir uns zwei Weingüter pro Tag ausgewählt und abends ging es dann in die besten Lokale der Gegend.

Piemont-Reise 2014 (100 von 121)Um die Anreise aus Bonn ein wenig entspannter zu gestalten, machten wir am Kaiserstuhl im Schwarzen Adler bei Franz Keller einen Zwischenstop. Nach einer kurzen Wanderung durch die Weinberge am Fuße des Kaiserstuhls, die reifen Spätburgundertrauben hingen prall am Rebstock, wurden wir dann im Restaurant herzlich in Empfang genommen. Um es der Küche ein wenig zu erleichtern, bestellten wir alle das fünf Gänge-Menü und beschäftigten uns anschließend intensiv mit der über 1000 Positionen umfassenden Weinkarte. Bei einer derartigen Auswahl und bei sieben Weinfreaks ist es nahezu aussichtlos eine für jeden adäquate Auswahl zu treffen. Der eine will nur in Burgunder schwimmen, aus einer anderen Ecke kommt erwartbar der Ruf nach Priorat-Weinen, die Schnäppchenjäger machen sich schon Sorgen um ihr Budget und der ein oder andere hat einfach nur Durst. Zum Glück war Bernd mal wieder bestens vorbereitet und sichtete bereits am Vortag die Karte und wählte zielstrebig die besten Tröpfchen aus.

Piemont-Reise 2014 (104 von 121)Es ging los mit einem 2007er Brauneberger Juffer Riesling Kabinett von Fritz Haag. Der sprang frisch aus dem Glas, mit der typischen Schieferwürze, sehr saftig am Gaumen, nicht zu süß, charmante Säure, harmonischer Verlauf, so wie ich mir einen unkomplizierten Kabinett vorstelle 87/100. Piemont-Reise 2014 (105 von 121)
Zum ersten Gang entschieden wir uns dann für einen Chablis von Regnard. Der 2010er Fourchaume Premier Cru kam viel zu kühl ins Glas und so mussten wir ihn anständig massieren, dass er sich uns ein wenig öffnete. Buttrige Noten, Zitrusfrüchte, steinige Mineralität, recht typischer Duft für Chablis, die nicht im Holzfass ausgebaut wurden. Am Gaumen war der Wein dann erstaunlich weit entwickelt, erste Reifenoten im Antrunk, die Frucht etwas eindimensional, dass kenne ich deutlich besser von Rengard. Aber zu den servierten Jacobsmuscheln und zum Lachs passte er dann ausgezeichnet, besonders den feinen Lachsgeschmack hob dieser Chardonnay überaus angenehm an 85/100. Zu unserem Heilbutt mit schwarzem Risotto entschieden wir uns dann für einen Sancerre von Pascal Cotat. Piemont-Reise 2014 (107 von 121)Der 2009er La Grande Côte zeigte nur zu Beginn eine ins künstliche gehende Cassis-Aromatik, mit zunehmender Wärme und Luftzufuhr, kamen auch Noten nach Heu, Gebäck und Zitruscreme auf. Am Gaumen gefiel er mir noch besser. Präsente, noch jugendliche Frucht, erinnerte mich an Zitronenbiskuit, Creme Brulée, ein Hach Cassis, so nicht als Sauvignon Blanc unmittelbar zu erkennen, wirkt überaus eigenständig und stimmig, ab der Mitte wärmt der Alkohol ein klein wenig, die Aromtik gewinnt dadurch noch zusätzlich, er bleibt animierend zu trinken, passte sehr gut zum Essen 88/100. Piemont-Reise 2014 (109 von 121)Als erste Rotwein wurde der 1996er-Volnay 1er Clos de la Bousse von der Domaine La Pousse d´Or geöffnet. Für mich ein grandioser Volnay mit einer vollkommen geöffneten, verführerischen Nase nach reifen Brombeeren, Himbeeren, getrockneten Veilchen, Leder und Tabaknoten, im Hintergrund noch ein Hauch röstige Faßaromen. Im Mund ein ungemein charmanter Burgunder, fein saftiger Auftakt, dunkle und rote Beerenfrüchte, brauner Tabak, die Tannine vollständig abgeschmolzen, ungemein samtiges, haptisches Mundgefühl, wirkt tiefenentspannt und zeigt auch im langen Nachhall alle Aromen herrlich an, ist jetzt am Ende seiner Entwicklung angekommen, da im Hintergrund erste Aromen nach Laub und Waldboden auftreten 92/100. Piemont-Reise 2014 (111 von 121)Zu unser Rinderfilet blieben wir im Burgund und gönnten uns einen Charmes-Chambertin von Armand Rousseau aus dem Spitzenjahr 1993. Das war einfach großes Burgunderkino zu Schnäppchenpreis. Sehr klares, fruchtiges Bukett nach Himbeeren, roten Johannisbeeren, noch sehr jugendlich gepackt, typisch für das Jahr, Espressonoten, dunkler Tabak, Majoran und andere Gewürze, sehr tief. Am Gaumen dicht, eben ein Grand Cru,Piemont-Reise 2014 (110 von 121) auch hier von großer Reinheit geprägt, komplexe Waldfrüchte im Auftakt, Tapenade, Sauerkirschen, die Säure durchaus pikant, bringt eine Zitrusfruchtigkeit in den Verlauf, die Tannine noch strukturgebend, ohne trocknend zu sein, sehr nachhaltig und beeindruckende Länge 94/100. Piemont-Reise 2014 (112 von 121)Anschließend ging es mit dem 95er-Vieux Chateau Certan ins Bordeaux. Dieser Pomerol zeigte sich noch sehr jugendlich mit einem intensiven Duft nach Backpflaume, Schwarzkirsche, blitzsauber, mit Graphitnoten im Hintergrund. Am Gaumen von dichter Struktur, saftige, vollmundige dunkle Beerenfrüchte, erneut taucht auch eine Backpflaume auf, dunkle Schokolade und Piemont-Reise 2014 (114 von 121)Malz vom Faßausbau, lebhafte und jugendliche Säure, der Wein liegt satt auf dem Gaumen und gefällt mir dank der durchgehend sehr sauberen und saftigen Fruchtaromatik, ist hinten raus noch nicht vollständig entwickelt und dürfte sich noch weiter verbessern 93+/100.

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Zu unserem sehr fruchtigen Dessert passte dann die 1999er-Auslese aus dem Saarburger Rausch von Zilliken ganz ausgezeichnet. Er duftet expressiv nach glockenklarer Rieslingduft, reife Aprikosen und Pfirsiche vor allem, null Reifenoten, ausgeprägte Schiefermineralität, versprüht kühle Noblesse. Am Gaumen herrlich finessig, die Frucht auch hier glockenklar, ohne jede Schwülstigkeit oder übermäßiger Süße, ungemein beweglich, ja beschwingter Verlauf, die Flasche ist binnen Minuten leer 93/100. Piemont-Reise 2014 (115 von 121)Anschließend mussten wir zum Glück nur eine Etage nach oben fallen und uns für den zweiten Abschnitt unserer Anreise ins Piemont fitschlafen.


Dort trafen wir dann nachmittags in Alba im Hotel Langhe ein. Das Hotel liegt ca. 20 Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt, ist familiengeführt und eine Empfehlung wert. Die Zimmer sind hinreichend geräumig, sauber und es ist sehr ruhig. Alle Beschäftigten waren überaus zuvorkommend und man kann gerne Fahrräder ausleihen. Abends gibt es die Möglichkeit zu einem guten Glas Wein eine Kleinigkeit zu essen, diese Möglichkeit haben wir jedoch nie wahrgenommen. Nach all dem Sitzen musste ich zunächst meine Füße vertreten. Mit seinen 25.000 Einwohnern ist Alba die größte Stadt im Barologebiet und verfügt über eine schöne, wenngleich nicht sonderlich große Altstadt. Vinotheken gibt es zu Hauf und die Preise sind sehr unterschiedlich, je nachdem wie groß die Ströme von Touristen sind, die vor der Einkaufstür entlanglaufen. Es lohnt also drei Minuten länger zu gehen, da kann der Wein dann schon 20 % günstiger sein. Dann sind die Preise sehr fair und liegen nur unwesentlich über den Weingutspreisen, die Auswahl ist zumeist sehr groß und der Service gut. Nur der aktuelle Jahrgang 2010 war bei Barolo und Barbaresco bereits nahezu vollständig geplündert. Nach unserer Woche wussten wir warum.

2010 ist ein großes Jahr für Barolo und vermutlich ebenso für Barbaresco (wir waren nur im Barolo-Gebiet). Zeichnet sich über eine sehr saubere und satte Frucht aus, die nicht übermäßig reif oder konzentriert wirkt, sondern mit burgundischer Eleganz begeistern kann. Hinzu gesellt sich eine hochfeine, teilweise tänzelnde Säure hinzu, die durchaus als pikant zu bezeichnen ist, aber nichts mit den Erfahrungen bei deutschen Weinen dieses Jahrganges zu tun hat. Sie wirkt reif, überhaupt nicht spitz oder zitronig. Die Weine sind bereits in der Jugend sehr schön zu trinken und dürften echte Langläufer sein und sich ausgezeichnet entwickeln. Die Barberas sind ebenfalls ausgezeichnet, 2010 sowie 2011. Die wenigen Weine aus 2012 fand ich eher schwierig, recht dünn, etwas säurelastig und überwiegend nicht ansprechend balanciert. Es waren aber nur wenige, die wir probierten.

Piemont-Reise 2014 (117 von 121)Am ersten Abend ging es in Restaurant Lalibera in Alba. In einem hinteren Raum an einer langen Tafel wurden wir sehr ordentlich verwöhnt. Dabei waren wir umgeben von einigen Weinklimageräten in denen viele bekannte deutsche Rieslinge schlummerten. Der Reiz war groß, aber natürlich kamen nur italienische Gewächse auf den Tisch. Piemont-Reise 2014 (118 von 121)Los ging es mit einem Franciacorta von Bellavista. Das Cuvée S Boccatwa 2011 zeigte ein aufrauschendes, durchaus feinporiges Mousseux, das mir zu ungestüm zu Werke ging, klare, aber bereits in der Nase eine ins süßlich gehende gelbe Frucht. Auch im Mund sehr süß, schönes Säurespiel, lässt sich sehr gut trinken, aber nicht so mein Fall 86/100. Die Reise wollten wir auch zum Anlass nehmen ein wenig die autochthonen Rebsorten des Piemont kennen zu lernen. Piemont-Reise 2014 (119 von 121)Folgerichtig kam als nächstes ein 2013er Roero Arneis von Vietti ins Glas. Der duftet angenehm nach frischen Äpfeln, frischen Gräsern, nicht sonderlich tief. Am Gaumen mittlerer Körper, sehr frisch und harmonisch, frisches Kernobst, feines Säurespiel, auch hier nicht sonderlich tief, aber seine Balance und Leichtigkeit machen einfach viel Trinkfreude 86/100. APiemont-Reise 2014 (120 von 121)ls erster Rotwein gab es dann den unvermeidbaren Dolcetto. Dieser kam von der Azienda Abbona aus dem Jahr 2012 und heißt Dogliani und soll ein besonders guter Vertreter, der von mir nicht sonderlich geschätzten Rebsorte. Tiefschwarze Nacht, duftet klar nach dunklen Brombeeren, leichte Überreife, Nelken, Blütenblätter, Schokolade und Weihnachtswürze, recht modern, aber nicht schlecht. Am Gaumen moussiert der Wein dann überraschend, dass muss ich nun wirklich nicht haben, trotzdem lässt sich der Wein sehr gut trinken, am Gaumen eine dunkle, etwas einfältige Frucht, dazu diese typische Neigung zur Überreife, zu verwelkten Blütenblätter und Weihnachtswürze, kein sonderlicher Nachhall 83/100. Eher lange Gesichter am Tisch. Anschließend kam aber einer der besten Weine der Reise ins Glas. Der 2001er-Barbaresco Serraboella von Cigliute war Piemont-Reise 2014 (121 von 121)schlichtweg sensationell. Duftete nach weißem Pfeffer, dunkle Früchte, schwarze Trüffel, angenehm frische florale Noten, nobel und vielschichtig. Am Gaumen glockenklar mit herrlich saftiger und aufgefächerte dunkler Beerenfrucht, hochkomplexe Kräuterwürze, mit herbe Ausrichtung, die Tannine reiben Piemont-Reise 2014 (123 von 121)sanft über den Gaumen, dadurch wirkt er sehr fokussiert und läuft straff über den Gaumen, die Aromatik ändert sich ständig und verweilt sehr lange am Gaumen 95-96/100. Zu unserem Rinderfilet haben wir uns dann den 2001erBarolo Via Nuova von Chiara Boschis ausgesucht. Der roch noch ein wenig zu sehr nach neuem, recht stark gerösteten neuen Holzfässern, dahinter erkenne ich eine satte, dunkle Beerenfrucht, Teer und Veilchen im Hintergrund. Am Gaumen mittlere Dichte, auch hier tritt das Holz deutlich hervor, die Frucht ist sauber, die Tannine und die Säure spielen gut mit der Frucht, zum Essen passt dieser röstige, etwas burschikose Art sehr gut, als Solist würde ich ihn noch etwas liegen lassen 91/100.Piemont-Reise 2014 (122 von 121) Zu meinem Dessert habe ich teilweise unter den verächtlichen Blicken mancher Weinfreunde mir noch ein Gläschen Moscato d´Asti bestellt. Es kam der 2013er von La Morandina. Mit nur 5,5% Alkohol noch gerade so als Wein zuPiemont-Reise 2014 (124 von 121) bezeichnen, hatte er eine erstaunliche aromatische Ausdruckskraft und trank sich einfach himmlisch leicht und unanstrengend. Das ist mit seiner etwas einfältigen Frucht sicher keine Offenbarung, aber mit seiner animierende Frische bei guter Kühlung entriss er mir fast eine sehr gute Bewertung 84/100. Zumindest im Piemont ein Versuch zum Dessert wert.


Piemont-Reise 2014 (126 von 121)Am Dienstag war unser erster Termin beim Weingut Luigi Pira in Serralunga. Ein Weingut, dass ich noch kaum kannte, aber bekannt ist für seinen Barolo aus der Lage Vigna Rionda, die mit zu den besten Crus innerhalb der gesamten Barolo DOCG gelten soll. Piemont-Reise 2014 (127 von 121)Der Betrieb liegt direkt unterhalb der Wehrburg von Serralunga und von der Terrasse des Weingutes hat man eine schöne Aussicht auf nahezu alle Lagen des Betriebes. Sie liegen für den Winzer nahezu in Fußnähe. Die Maischestandzeit liegt für die Spitzenweine hier im mittleren Bereich bei gut zwei Wochen, ausgebaut wird in unterschiedlichen Fassgrößen, auch viel Barriques kommen zum Einsatz, wobei kaum ein Wein mit mehr als 30 % Neuholz in Berührung kommt. Piemont-Reise 2014 (129 von 121)Pira versteht sich weder als Modernist noch als Traditionalist, sondern möchte sich je nach den Möglichkeiten des Jahrganges alle Optionen offen halten. Seine Weine gefielen uns alle sehr gut bis ausgezeichnet, mit klarer, brillanter Frucht, die nicht von einem übermäßigen Holzeinsatz erschlagen wird.Piemont-Reise 2014 (128 von 121)

Piemont-Reise 2014 (131 von 121)Luigi Pira Dolcetto d´Alba, 2013
Intensive Duft nach Kirschen, Weihnachtswürze, leicht überreife Noten, Piment. Am Gaumen fruchtig, säureintensiver Auftakt, die Tannine greifen noch recht unwirsch in den Gaumen, wirkt noch sehr unruhig, kaum aufgefächerte Aromatik, dadurch erscheint er sehr simpel, mittlerer Nachhall. Aber der erste Wein mittags hat es immer schwer.
81/100

Luigi Pira Barbera d´Alba, 2012
Vielschichtiger Duft nach dunklen Beeren, Wacholder, dezente Nase von neuem Holz, balanciert. Am Gaumen von mittlerer Dichte, klare, saftige Kirschfrucht im Auftakt, bereits erstaunlich zugänglich, die Tannine noch mit Biss, aber insgesamt reif und in der Frucht integriert, sehr harmonisch, mittlere Länge.
86-87/100

Luigi Pira Langhe Nebbiolo, 2012
Verschlossenes Bukett, dunkle Herrenschokolade, Marzipan, dunkle, etwas unreife Beerenfrucht. Am Gaumen mit fester Struktur, kompakter Auftakt, unentwickelte dunkle Beerenfrucht, noch stark von Holz und den etwas groben Tannine beeinträchtigt, gute Extraktdichte, straffer Verlauf, die Frucht fächert hinten etwas auf, könnte sich gut entwickeln.
85-86+/100

Luigi Pira Barolo Serralunga d´Alba, 2010
Vielschichtiges Bukett nach einer klaren roten und dunklen Beerenfrucht, Veilchen, dunkle Röstaromen vom Faßausbau. Am Gaumen dicht gepackt, trotzdem insgesamt ein eleganter Barolo mit sauberer Beerenfrucht, feinen floralen Anklängen, die Tannine zeigen noch ihre Krallen, aber über den gesamten Verlauf begleitet mich die herrlich klare und animierende Beerenfrucht, die Säure sehr fein mit regem Spiel, bricht hinten ob seiner Jugend etwas weg, mittlere Komplexität.
88+/100

Piemont-Reise 2014 (134 von 121)Luigi Pira Barolo Margheria, 2010
Duftet vielschichtig nach Walnüssen, dunklen Waldbeeren, allen voran Blaubeeren, Blockschokolade, das Holz hält sich dezent zurück. Am Gaumen dicht, aber sehr beweglich, ja beschwingt wirkend, saubere Blaubeeren und Sauerkirsche, mineralische Noten tauchen auf, auch hier kaum Holzeinfluss, ein herrlich feinfruchtiger Barolo mit der typischen verspielten und feinen 2010er-Säure, zeigt Tiefe an. Ausgezeichnet.
90+/100

Piemont-Reise 2014 (133 von 121)Luigi Pira Barolo Marenca, 2010
Der Marenca ist von einer ganz anderen Art und wird länger Zeit der Reife benötigen, dann aber eine Klasse über den Margheria liegen. Kompaktes Bukett nach Kokos, Vanille, Schwarzkirschen, Backpflaume, gecrunchten Kräutern, leicht wärmend. Am Gaumen von großer Fülle, ungemein dichte dunkle Beerenfrucht, Veilchen, auch hier das Holz präsenter, enorme Konzentration und Nachhaltigkeit am Gaumen, die Tannine reif, aber noch trocknend, grandioses Säurespiel, zeigt Tiefe an, sehr langer, konzentrierter Nachhall. Obwohl der Wein viel Kraft und Fülle zeigt, wirkt er harmonisch, aber er muss mindestens 10 Jahre reifen.
92+/100

Piemont-Reise 2014 (132 von 121)Luigi Pira Vigna Rionda, 2010
Zum Schluss noch sein Spitzenwein, aus einer der berühmtesten Cru´s im Piemont und er sollte sich auch als sein bester Wein zeigen. Komplexes und elegantes Bukett nach diversen Kräutern, erneut Veilchen, glockenklare Brombeeren, Schwarzkirschen und etwas Backpflaume, jedoch besonders macht ihn seine einmalige Würze nach Oliven, feinem Sattelleder, das mich an einen Syrah erinnert. Am Gaumen zeigt er sich ungemein harmonisch, vielschichtig, bereits im Auftakt begeistert uns der Wein mit seiner klaren Fruchtigkeit, das Holz hält sich angenehm zurück, die Säure rauscht sich durch die Frucht, dass es eine Freude ist, schon heute herrlich zu trinken, erneut viel Würze, jeder Schluck zeigt andere Nuancen, sehr langer Nachhall, enormes Potential.
93+/100




Piemont-Reise 2014 (135 von 121)Nach dem Besuch stiegen wir hoch zu der einzigartigen Burg von Serralunga. Mit seinen drei, markanten Wachtürmen erkennt man Serralunga auch von weitem sofort. Piemont-Reise 2014 (208 von 121)Direkt unterhalb liegt die Vinoteca Centro Storico, ein kleines Weinlokal mit ausgezeichneten, regionalen, einfachen Speisen. Hier kocht die Großmutter noch und dazu stellt dann der Chef unprätentiös große Weine auf die rustikalen Holztische. Eingerahmt von leeren Monfortino-Flaschen, haben wir uns zweimal sehr wohl gefühlt und ein Besuch kann nur wärmsten empfohlen werden. Pasta und wie Carne Cruda sind ein Gedicht. Piemont-Reise 2014 (138 von 121)Dazu gönnten wir uns einen Barbera d´Alba Francia von Giacomo Conterno, das ist großes Barbera-Kino, selbst in dem schwierigen Weinjahr 2012. Enorme Konzentration, ohne seinen Trinkfluß einzubüßen, klare Sauerkirschen, Zitrus, agiles Säurespiel, feine Extraktsüße, harmonisch, sehr langes Finish 89/100.Piemont-Reise 2014 (136 von 121)

Nach einem Rundgang durch Serralunga und einem Besuch der größten EnotecPiemont-Reise 2014 (140 von 121) des Ortes, ging es nachmittags nach Barolo. Unser Besuch beim Weingut Brezza stand an. Zum dem Weingut gehört ein kleines Hotel und eine Osteria, in der man sehr gut essen soll. Leider hatten wir auf unsere Reise keine Gelegenheit dazu.

Piemont-Reise 2014 (141 von 121)Die Weine von Brezza werden immer noch recht traditionell ausgebaut, lange Maischestandzeiten, große, zum größten Teil gebrauchte Holzfässer, möglichst wenig Eingriffe im Keller. Dadurch präsentieren sich die Weine in ihrer Jugend mitunter verschlossen und kernig. Auch ich hatte meine Schwierigkeiten, insbesondere war ich erstaunt über den ausgeprägten Holzeinfluss in der Aromatik der Weine, trotz der präsentierten Ausbauart. Mir fehlt aber die Erfahrung, wie diese Weine sich entwickeln.

Piemont-Reise 2014 (142 von 121)Azienda Brezza Chardonnay Langhe, 2013
Zunächst ein Wein, den meines Erachtens das Piemont nicht braucht, ein sauberer, aber recht ausdrucksloser Chardonnay. Grasige Anklänge in der Nase, kaum Frucht, am Gaumen etwas kantig, ein Hauch unreife Melonenfrucht, durchaus sauberer Ansatz, aber ohne Tiefe, passable Nachhall mit grasigen Noten.
82/100

Piemont-Reise 2014 (143 von 121)Azienda Dolcetto d´Alba, 2013
Leicht schwülstige, florale Anklänge, dunkle Beerenfrucht, aufgesetzte Fruchtigkeit. Am Gaumen besser, satte dunkle Beerenfrucht, zitronige Säure, trotzdem insgesamt harmonischer Verlauf, klar-fruchtig, kein Holzeinfluss, etwa grobe Aromatik, insgesamt ansprechend zu trinken, aber Dolcetto-Liebhaber werde ich wohl erst im nächsten Leben.
84/100

Piemont-Reise 2014 (144 von 121)Azienda Brezza Langhe Nebbiolo, 2013
Sehr reife dunkle Beerenfrüchte, rote Johannisbeeren, Kräuter. Am Gaumen klar fruchtig, kaum Holzeinfluß, sehr klarer Ansatz, pikante Säure, Tannine griffig, aber nicht austrocknend, leider fehlt es dem Wein an Tiefe, passabler Nachhall.
84+/100

Piemont-Reise 2014 (145 von 121)Azienda Brezza Barbera d´Alba Santa Rosalia, 2011
Rumtopf, überreife Beerenfrüchte, Rosinen, spricht mich überhaupt nicht an. Am Gaumen sehr dick, sofort drückt der Alkohol (14,5%), man spürt dem Wein über den gesamten Verlauf die Hitze des Jahrganges und so geht er ordentlich aus dem Leim, die überreife Fruchtaromen liegen satt auf dem Gaumen, wirkt schwer, aber zum Wildschwein dürfte es passen, recht langer Nachhall. Für mich die Antithese von Trinkigkeit.
81/100

Piemont-Reise 2014 (146 von 121)Azienda Brezza Barbera d´Alba Superiore, 2011
Um Längen besser dann der Superiore, mit einem sauberen Bukett nach reifen, dunklen Kirschen, röstige Noten vom Faßausbau, nicht sonderlich tief. Am Gaumen enorm konzentriert, große Fruchtfülle im Auftakt, erneut hochreife Kirschen und Waldbeeren, noch nicht überreif, die Alkohol wärmt (15 %), die Säure eher mild, aber sehr lebhaft unterwegs, diverse Kräuter, griffige Tanninstruktur, hat Zug und zeigt Nachhaltigkeit, langer Nachhall. Ebenfalls nicht meine Typizität von Barbera, aber es kann an der besonderen Hitze des Jahrganges liegen.
86/100

Piemont-Reise 2014 (147 von 121)Azienda Brezza Nebbiolo d´Alba Vigna Santa Rosalia, 2012
Feines Bukett nach Veilchen, saubere rotbeerige Früchte, Anklänge von Teer und Röstaromen, zeigt Tiefe an. Am Gaumen von mittlerer Dichte, erneut zeigt sich eine saubere rote Beerenfrucht, sehr schön integrierte Säure mit viel Spiel, sehr animierend zu trinken, leider fehlt es dem Wein an Tiefe um eine höhere Bewertung zu rechtfertigen, aber als Essensbegleiter oder einfachen Tischwein sehr gut geeignet.
87/100

Ein einer anderen Liga spielten dann die meisten Barolis, wenngleich sie leider deutlich mehr Holzeinsatz zeigten, als es nach meinem Dafürhalten gebraucht hätte.

Piemont-Reise 2014 (149 von 121)Azienda Brezza Barolo Castellero, 2010
Der Castellero zeigt sich in der Nase sehr verschlossen, nur eine dunkle Röstigkeit vom Faßausbau steigt auf und dahinter eine Ahnung von einer verwaschenen dunklen Beerenfrucht. Am Gaumen viel offener, dicht gepackt mit saftigem Auftakt, Brombeeren, Sauerkirschen, feinen Kräutern, feste Struktur, das Holz auch hier präsent, aber verbindet sich harmonisch mit der Frucht, beide zeigen bis in den langen Nachhall ein schönes Spiel, gutes Entwicklungspotential.
90-92+/100

Piemont-Reise 2014 (150 von 121)Azienda Brezza Barolo Cannubi, 2009
Gezeigt wurde was wohl gerade noch da war und so sprangen wir etwas wild zwischen den Jahrgängen hin und her. Daher gab es den Cannubi nun aus 2009. Der duftete nach Amarena-Kirschen, Schokolade, Grillaromen, holzigen Kräutern. Am Gaumen dicht gepackt, saftig-röstiger Auftakt nach dunklen Waldbeeren, Maulbeeren, zeigt vielfältige Kräuteraromen an, enorme Zug am Gaumen, Teer und mineralische Anklänge, gefällt mir hinten raus immer besser, könnte sich ausgezeichnet entwickeln, sehr langer, vielschichtiger Nachhall.
91+/100

Piemont-Reise 2014 (151 von 121)Azienda Brezza Barolo Sarmassa, 2008
Glockenklarer Duft nach roten Johannisbeeren und jugendlichen Sauerkirschen, sehr dezenter Holzeinsatz, ein Hauch floraler Noten im Hintergrund, herrlich feinschichtig, stellt sich sofort große Vorfreude auf den ersten Schluck ein. Am Gaumen mittlerer Dichte, ungemein frischer Auftakt nach jugendlich wirkenden roten Beeren, pikantes Säurespiel, ungemein straff, sehr animierend zu trinken, auch am Gaumen kaum Einfluß vom Holz zu spüren, mineralische Anklänge, getrocknete Blütenblätter, Orangenschale, zeigt mit der Zeit im Glas immer weitere Aromen, sehr langes Finish. Ein ausgezeichneter Barolo, große Begeisterung am Tisch.
92+/100

Piemont-Reise 2014 (152 von 121)Azienda Brezza Barolo Cannubi, 2007
Duftet nach Waldboden, dunkle, hochreife Beeren, noch stark vom Faßausbau maskiert. Am Gaumen sehr dicht gepackt, ein Maul von Wein, hochreife Brombeeren und Pflaumen, der Alkohol wärmt ein klein wenig, der Säure fehlt das Spiel vom 2008er, viel Zug am Gaumen, zeigt durchaus Tiefe an, aber der kompottige Einschlag ist einfach nicht mein Ding, langer Nachhall.
89/100

Piemont-Reise 2014 (153 von 121)Azienda Brezza Barolo Sarmassa, 2006
Wie sehr man auf das Jahr achten muss, zeigte dann der 2006er-Sarmassa, der sich fast gegensätzlich zum 2008er präsentierte. Duftet nach jungem, recht stark getostem Holz, ins kompottige gehende Frucht, erste Reifenoten zur erkennen, nicht sonderlich aufgefächerte Nase. Am Gaumen dicht gepackt, ein mächtiges Tanningerüst greift ungestüm in meinen Gaumen, die Frucht hochreif, mit rosiniger Ausrichtung, leicht wärmender Verlauf, diverse Kräuter, Blockschokolade, Rauch und Teer, das Tannin wirkt im weiteren Verlauf immer markanter und nimmt mir die Trinkfreude, vermutlich aktuell in einer schwierigen Phase, aber so kein wirklicher Genuss.
87/100

Piemont-Reise 2014 (155 von 121)Dienstagabend ging es dann in die Osteria dell´Arco, ein etwas verstecktes Slowfood-Restaurant, dass den Einheimischen sehr wohl bekannt ist, dann ohne Reservierung hat man keine Piemont-Reise 2014 (156 von 121)Chance auf einen Platz. Es war für mich mit das beste Essen der gesamten Reise. Das Carne Cruda mit schwarzen Trüffeln war ein Gedicht, Piemont-Reise 2014 (160 von 121)ebenso der Thunfischsalat im Paprikamantel, als auch die Pasta und das Ei, beides mit weißen Trüffeln belegten die Klasse der einfachen Piemontesischen Küche. Unbedingt besuchen. Auch die Weinkarte ließ uns freie Wahl und so schlugen wir hemmungslos zu. Zum Start wählten wir einen derart großartiger Schaumwein aus, wie ich ihn lange nicht mehr getrunken hatte. Piemont-Reise 2014 (154 von 121)Der Valentino Brut Zero Riserva 2001 hat ein ungemein komplexes Bukett, samt feinen Reifenoten, wäre als hochwertiger Champagner durchgegangen. Im Mund ebenfalls komplex und fein, frisches Gebäck, dazu kandierte Zitronen, Karamell, ungemein feine Säurestruktur, feinste Perlung, große Tiefe und unglaublich langer Nachhall. Bis auf Ignoranten am Tisch waren alle begeistert 93/100. Piemont-Reise 2014 (157 von 121)Danach kam der 2010er-Barbaresco Manzola von Nada Fiorenzo auf den Tisch. Duftet fein nach jungen roten Beeren und Kirschen, Trüffel, Veilchenpastillen, verspielt, burgundisch. Am Gaumen von mittlerer Dichte, klar fruchtiger Auftakt, erneut rote Beerenfrucht, auch Sauerkirsche, noch sehr primärfruchtig, etwas Mocca, Tabak, im weiteren Verlauf zeigt der Wein immer mehr an, lässt sich bereits sehr gut genießen, herrliches Säurespiel, langer Nachhall 91+/100. Piemont-Reise 2014 (159 von 121)Danach gab es mit dem 2010er-Gallina den Top-Barbera von La Spinetta. Ein grandioser Barbera von gewaltige Konzentration, erspart uns jedoch jede Überreife, die Frucht liegt geöffnet satt auf dem Gaumen, die Säure rauscht über den Gaumen, kühle, ja fast ätherische Ausrichtung, hält über den gesamten Verlauf eine Balance aus überbordender Fruchtigkeit und kühler Finesse bei. Von den 14,5% ist nichts zu spüren. Jede Suche wert 93/100. Piemont-Reise 2014 (161 von 121)Und weil es uns so gut ging, gönnten wir uns noch den 2005er-Barolo Cerretta von Elio Altare. Intensiver Duft nach Veilchen, Mocca, Pflaumen, viel herbe Würze, Teer, komplex. Am Gaumen dicht, agiles Säurespiel, dunkle Beerenfrucht, erneut Pflaumen, aber auch Zitronen und Orangen, erneut Leder und Tabak, sehr komplex, ein typisch, traditioneller Barolo, der seine Krallen noch nicht ganz eingezogen hat und so trocknet er leicht im hinteren Bereich, muss eigentlich noch 10 Jahre reifen 92+/100. Zum Entsetzen einiger ließ ich mir zum Dessert noch den obligatorischen Moscato zum Dessert bringen. Was soll ich sagen, ich mag das. Piemont-Reise 2014 (162 von 121)Der Ca´du Sindic von Sergio Grimaldi lieferte das Erwartete, primärfruchtige Frische, mit 5,5% gerade so Wein, dadurch war er herrlich trinkanimierend, ohne großen Anspruch 83/100. Ein genussreicher Abend ging damit zu Ende.

Piemont-Reise 2014 (164 von 121)Am nächsten Morgen ging es dann zu Paolo Conterno nach Monforte. Ein Weingut inmitten der wilden Landschaft der Langhe. Mieten sie sich am besten ein SUV um das Weingut zu besuchen, denn die Anfahrt ist ein echtes Abenteuer, aber die Mühe lohnt sich. Die Weine kannte ich bisher nicht wirklich. Antrieb waren die 7 ha. Rebfläche in der Spitzenlage Ginestra. Eine außergewöhnlich steile Lage, aus der sehr langlebige und besonders hochwertige Barolis erzeugt werden können. Seit dem letzten Generationenwechsel werden die Weine immer besser Piemont-Reise 2014 (163 von 121)besprochen und war ich sehr gespannt auf die Verkostung. Hier wird traditionell gearbeitet, was die Verkostung der Jungweine nicht einfach macht, da die Tannine teilweise noch recht hart wirken, aber dafür erhält man Spitzenbarolos, deren Frucht kaum vom Holz beeinträchtigt wird.

Piemont-Reise 2014 (168 von 121)Paolo Conterno Dolcetto d´Alba, 2013
Expressive Nase nach süßlichen Beerenfrüchten, wirkt dropsig und sehr gemacht, die übliche, etwas schwülstige, florale Ausrichtung des Dolcetto. Am Gaumen nicht sehr dicht, fruchtiger Auftakt, eine Mischung aus Mandarinen und Sauerkirschen, eher mäßige Substanz, zitronige Säure, nicht so mein Fall.
81/100

Piemont-Reise 2014 (169 von 121)Paolo Conterno Barbera d´Alba, 2013
Sauberes Bukett nach Sauerkirschen und Zitrusfrüchten, animierend. Am Gaumen von mittlerer Dichte, zum Auftakt eine herrlich animierende, sehr klare Sauerkirsche, die Säure steht hoch, wirkt aber reif, sehr klassischer Barbera, der bereits jetzt als Essensbegleiter viel Freude machen könnte, nicht sehr tief, aber seine klare Fruchtaromtik, lässt ihn animierend trinken, null Holzaromen.
85/100

Piemont-Reise 2014 (170 von 121)Paolo Conterno Barbera d´Alba La Ginestra, 2012
Die Frucht wirkt hier etwas reife, Schwarzkirschen, dunkle Waldbeeren, Kräuterwürze. Am Gaumen dicht, gute Substanz, satte dunkle Beerenfrüchte liegen auf dem Gaumen, die Säure etwas feiner und schön mit der Frucht verwoben, viel Zug am Gaumen, noch etwas unruhiger Verlauf, würde ich noch 2-3 Jahre liegen lassen, hat Potential.
86+/100

Piemont-Reise 2014 (171 von 121)Paolo Conterno Langhe Nebbiolo A Mont, 2012
Feine, nuacierte Nase, dezente Sauerkirsche, ein Hauch florale Noten, wirkt fast nobel, etwas Asphalt im Hintergrund. Am Gaumen von mittlerer Dichte, erneut ein Auftakt mit einem Korb voller Sauerkirschen, zum ersten Mal tauchen Holzaromen auf, die sich jedoch im Rahmen halten, griffige Tanninstruktur, die im hinteren Bereich noch die Frucht überlagert, gute Länge. Gutes Potential, muss aber noch 3-4 Jahre reifen.
86+/100

Piemont-Reise 2014 (172 von 121)Paolo Conterno Nebbiolo Bric Ginestra, 2011
Vielschichtiges Bukett nach Kräutern, Rauch vom Faßausbau, Schwarzkirschen und Brombeeren, Bitterschokolade im Hintergrund. Am Gaumen dicht gepackt, deutlich mehr Substanz als die Vorgänger, eine angenehme Extraktsüße gleicht die noch jugendlich, unwirschen Tannine aus, aber da ist nichts grünes, kommt mehr über die Kraft, also über die aromatische Tiefe, etwas Teer und Kräuterwürze, die Nachhall bricht ob seiner Jugend noch ab, gutes Potential.
88+/100

Piemont-Reise 2014 (173 von 121)Paolo Conterno Barolo Riva del Bric, 2010
Ebenfalls ein vielschichtiges Bukett präsentiert der erste Barolo, besonders der Korb unterschiedlicher Waldbeeren ist animierend, herrlich klar in seiner Ausrichtung, da nervt kein Holz, zeigt deutlich Tiefe an. Am Gaumen erstaunlich leicht, nur von mittlerer Dichte, auch hier steht die klare Frucht im Mittelpunkt, dadurch schon heute animierend zu trinken, nur die Tannine beißen sich noch arg in den Gaumen, wird sich in 10 Jahren eingefunden haben, die Säure ungemein feinporig und verspielt, mittlere Länge. Großes Potential und nur aufgrund er aktuellen Tanninstruktur keine höhere Wertung.
90-92+/100

Piemont-Reise 2014 (174 von 121)Paolo Conterno Barolo Ginestra, 2010
Ein herrlich duftiges Bukett präsentierte der „einfache“ Barolo Ginestra, sehr burgundisch, erneut steht eine klaren Beerenfrucht im Mittelpunkt, Brom- und Maulbeeren, frische Kräuter, Veilchenblätter. Am Gaumen von betont mittlerer Dichte, perfekte Balance aus Konzentration und Feinheit, die klare Beerenfrucht begleitet mich bis zum Ende, zeigt immer wieder unterschiedliche Nuancen und wird dank der einmaligen 2010er-Säure immer wieder aufgefrischt, auch hier greifen die Tannine zu, aber über ihre Reife besteht kein Zweifel, im hinteren Bereich natürlich noch komplett verschlossen und so hält er seine Klasse im Nachhall nicht ganz durch. 10 Jahre weglegen und mit Glück haben wir dann einen ganz großen, klarfruchtigen Barolo im Glas.
91-93+/100

Und zum Abschluss durften wir auch noch einige angereifte Ginestra Riserva probieren:

Piemont-Reise 2014 (175 von 121)Paolo Conterno Barolo Ginestra Riserva, 2005
Intensive, hochfeine Kirschfrucht, Himbeeren, rote Johannisbeeren, sehr helltönig, duftig wie ein Chambolle-Musigny. Am Gaumen wirkt der Wein deutlich kompakter, die Frucht verschlossen, zeigt sich nur grimmig, der Wein wurde auch soeben geöffnet und befindet sich in einer Verschlussphase, sehr gute Anlagen, die satte Fruchtigkeit, die Agilität der Säure lassen auf eine lange Entwicklung schließen, heute hätte er einige Stunden in der Karaffe genötigt, trotzdem eine gehobenes Genußerlebnis.
92+/100

Piemont-Reise 2014 (176 von 121)Paolo Conterno Barolo Ginestra Riserva, 2006
Schwarzkirsche, Schokolade, Orangenschale in der Nase, wirkt etwas rustikaler. Am Gaumen dicht, satt-fruchtiger Auftakt, viel dunkle Beerenfrüchte, pikantes Säurespiel, die Tannine harsch, gute Länge. Komplett unterschiedlich zum 2005er.
89+/100

Paolo Conterno Barolo Ginestra Reserva, 2007
Wie so oft kommt das Beste zum Schluss. Hoch komplexes Bukett bot dann der 2007er, mit einem ganzen Korb voller dunklen und roten Beerenfrüchten, feines Kakao, Zitruszesten, Veilchenblätter, feines Sattelleder, Zigarrentabak. Am Gaumen dicht gepackt, trotzdem sehr beweglich und animierend zu trinken, klar-fruchtiger Auftakt, Brombeeren ummantelt von Tabak, dunkler Schokolade, trotzdem wirkt der Holzeinsatz sehr moderat, die Tannine präsent, aber die Krallen beginnen sich so langsam einzuziehen, reifes, sinnliches Säurespiel, ungemein animierend zu trinken, fächert im weiteren Verlauf immer weiter auf und bietet bei jedem Schluck neue Nuance, sehr langer, nobler Nachhall. Ein wahrer Spitzenbarolo, der seinen sehr hohen Preis rechtfertigt.
93-94+/100Piemont-Reise 2014 (178 von 121)

Am Nachmittag ging es nach La Morra zur Arienda Roberto Voerzio, sicherlich der renommierteste Erzeuger unserer Weinreise. Die Preise sind leider unverschämt hoch, einen Barolo findet man hier nicht unter 150 Euro. Piemont-Reise 2014 (180 von 121)Dies liegt sicherlich zum einen an der weltweiten Nachfrage, aber auch den Aufwand in den Weingärten und im Keller. Hier wird biologischer Weinbau betrieben, bis zu sieben grüne Lesen im Jahr sorgen für permanente Arbeiten im Weinberg und zwei Wochen vor der Lese wird der untere Teil der Traube abgeschnitten und so bleiben nur fünf halbe Träubchen pro Stock übrig. Das der durchschnittliche Ertrag bei 15 hl pro Hektar liegt, ist nicht weiter verwunderlich. Aufgrund der konsequenten Ausdünnung werden die Trauben schneller reif und wo wird hier früher als bei den Kollegen gelesen. Laut Voerzio sorgt das für den besonderen Säuretick in seinen Weinen, die den notwendigen Gegenpart zu der hohen Fruchtkonzentration spielt. Der Barbera wird im Piemont-Reise 2014 (181 von 121)neuen Holz ausgebaut und nach zwei Jahren werden die Fässer für die Barolos verwendet. Alle Fässer sind nur minimal getostet. Und so entstehen Weine von großem Spiel, klarer Fruchtigkeit ohne jeden Holzeinfluss, die bereits nach 5-7 Jahren ihre Klasse anzeigen, sich aber nach Auskunft des Weingutes 20, 30 und noch mehr Jahre günstig entwickeln sollen. Das nach all der Mühe die Preise so gestaltet sind, das auch noch was für die Familie übrigbleibt, kann man an jeder Ecke des imposanten Anwesens erahnen. Es sei ihnen gegönnt, wenn die Weine den Erwartungen entsprechen – und sie taten es.

Piemont-Reise 2014 (182 von 121)Roberto Voerzio Langhe Nebbiolo, 2012
Geschliffene, helltönige rote Beerenfrucht, Himbeeren, Walderdbeeren, Kirschfrüchte, feine Kräuter. Am Gaumen von mittlerer Dichte, saftig-klarer Auftakt nach roten Johannisbeeren, etwas Himbeere, die Tannine reif, aber noch unsanft zu meinem Gaumen, gut integrierte Säure, fächert heute noch wenig auf, insgesamt sehr schmackhaft und lecker zu trinken, gute Länge.
86+/100

Roberto Voerzio Barolo La Serra, 2009
Kühler, nahezu ätherischer Duft, erneut Walderdbeere und Himbeeren, Sauerkirschen im Hintergrund, getrocknete Kräuter, Veilchen, ungemein duftiges Bukett. Am Gaumen ein überaus feiner, ja filigraner Barolo, trotzdem hinreichend konzentriert, hochfeiner, feinfruchtiger Auftakt, dadurch schon heute herrlich animierend zu trinken, die Säure gut integriert, fein und verspielt, noch sehr jugendlich und wenig aufgefächert, ein Hauch Röstnoten vom Faßausbau, gute Länge. Viel Zukunft.
91-93+/100

Piemont-Reise 2014 (183 von 121)Roberto Voerzio Barolo Rocche Annunziata Torriglione, 2009
Von ganz anderen Art der Annunziata, viel dichter und reifer im Ansatz. Duftet nach Waldbeeren, Blaubeeren, Himbeeren, Zitrusnoten, Backpflaume, Kräuterwürze, eine zarte Ahnung vom Faßausbau, sehr komplex und herrlich klarfruchtig. Am Gaumen von mittlerer Dichte, die Tannine beißen sofort harsch in den Gaumen, ohne unreif zu wirken, die Frucht entspricht dem Nasenbild, die Extraktdichte scheint mir hier höher zu liegen, die Frucht ist etwas dunkler, auch hier finden sich Aromen nach Pflaumen und Blaubeeren, jedoch ohne jede Überreife, die Säure pikant, mit lebhaften Spiel, getrocknete Kräuter, etwas Minze, seidiges Mundgefühl, trotz des Tannins, muss halt sehr lange reifen. Ein ausgezeichneter Barolo.
92-94+/100

Roberto Voerzio Langhe da uva Merlot vignete Fontanazza-Pissota, 2007
Als dann ein Merlot ins Glas kam runzelte ich gleich mit der Stirn, aber der Wein ist derart unverschämt gut, dass ich nahe dran war die 150 Euro für eine Flasche auf den Tisch zu legen. Erneut dieser Duft nach der reinen Frucht, ohne jeden Holzeinfluß, ohne Überreife, sondern klar und präzise. Er duftet intensiv nach jungen Pflaumen, Limetten und Zitronenschale, dahinter reife, rote Paprika, mineralische Noten, tief und verpielt. Am Gaumen nicht sonderlich dicht, aber von einer packenden Harmonie der vielschichtigen Fruchtkomponenten, ein einziger Frucht- und Säurerausch im Mund, Eleganz und Tiefe in Perfektion, hochnobles Früchtespiel über den gesamten Verlauf, die Tannine haben bereits ihre Krallen eingezogen, sorgen aber für Struktur, festes mineralisches Fundament, ein Hauch Tinte, sehr langes Finish. Ein grandioser Merlot, wie ich ihn lange nicht mehr probieren durfte.
93-96+/100

Piemont-Reise 2014 (184 von 121)Roberto Voerzio Barbera d´Alba Riserva vigneto Pozzo dell´Annunziata, 2010
Ich war noch in Gedanken bei dem Merlot, als mir der beste Barbera eingeschenkt wurde, den ich je probieren durfte. Bereits der Duft war an Klarheit und vielschichtiger Fruchtigkeit kaum zu überbieten. Frisch gepresster Kirschsaft, Abrieb von Zitronen und Orangen, vielfältige Würz- und Kräuterdüfte, von Holz keine Spur, steinige Mineralität. Am Gaumen von mittlerer Dichte, klar wie in Gebirgsbach läuft der Wein über den Gaumen, die jugendlichen Früchte tanzen wild umher, angetrieben von einer hochfeinen, aber auch pikant agilen Säure, 2010 hat einfach eine umwerfende Säurestruktur hervorgebracht, auch dieser Wein noch sehr jugendlich und wird sich vermutlich viele, viele Jahr positiv entwickeln, aber bereits in diesem jungen Stadium kann man ihn nur als groß bezeichnen, sehr langes und nuanciertes Finish. Die gut 160 Euro für die Magnum sind angemessen.
94-96+/100

Piemont-Reise 2014 (185 von 121)Roberto Voerzio Barolo Riserva 10 anni Fossati Case Nere, 2003
Dunkle Beerenfrucht, Backpflaume, Limettenabrieb, die Früchte wirken reifer als bei den Vorgängern, was dem Wein die einmalige Frische seiner Vorgänger nimmt, trotzdem aber ein überaus ansprechender Duft. Am Gaumen dichter Körper, satter Antrunk mit viel dunklen Waldbeeren und Backpflaume, zum ersten Mal nehme ich eine Röstigkeit vom Faßausbau war, die Tannine noch erstaunlich unwirsch, rustikaler Ansatz, im weiteren Verlauf fächert der Wein schön auf und zeigt vielfältige Fruchtaromen, die sich ausgezeichnet mit diversen Kräutern und Gewürzen verbinden, florale Anklänge, sehr guter Nachhall.
92/100

Piemont-Reise 2014 (190 von 121)Abends ging es mit dem Großtaxi zum Il Centro, ein für seine ausgezeichnete Küche und die einmalige Auswahl auch an gereiften Weinen bekanntes Lokal etwa 20 Minuten außerhalb von Alba. Bei den Weinen hatten wir mit unserer Auswahl nicht so viel Glück wie die Abende zuvor, aber das Essen erfüllte meine Erwartungen. Alleine das Carne Cruda war die Reise wert. Als Apperativ kam ein Spumante Extra Brut und Bruno Giacosa aus 2007 auf den Tisch. Der duftete intensiv nach seinem Hefelager, reifen gelben Früchten und einer Wagenladung von Melonen, erste Piemont-Reise 2014 (188 von 121)Reifenoten. Am Gaumen eine ausgesprochen feine Perlage, saftiger Antrunk nach reifen gelben Früchten, Mandeln, sehr harmonischer Verlauf, könnte etwas aufregender sein, die Säure mild und mit der Frucht verschmolzen, ansprechende Länge 87/100. Es ging weiter mit den autochtonen weißen Rebsorten aus dem Piemont, einem 2011er-Timorasso von Marina Coppi aus Colli Tortonesi. Der duftete Piemont-Reise 2014 (189 von 121)blumig-würzig, Kardamon, reife tropische Früchte, vom Alkohol getragen. Am Gaumen dicht gepackt, der Auftakt erneut eine eigenwillige, aber nicht schlechte blumig-würzige Noten, da ist auch Frucht, die ich aber nicht zu Piemont-Reise 2014 (191 von 121)beschreiben vermag, milde weitgereifte Säure, cremiges Mundgefühl, durchaus schmackhaft, ohne sonderliche Tiefe, trotzdem sehr gut 87/100. Es ging weiter mit dem zweiten Barbera von La Spinetta, dem 2009er-Bionzo. Der zeigte sich wie erwartet noch sehr jugendlich und stark von den Faßaromen gezeichnet. Es duftet nach Vanille, Kokosraspeln, dichte, aber auch klare dunkle Waldbeeren, Schwarzkirschen, Blaubeeren, etwas Teer im Hintergrund. Am Gaumen sehr dicht, die Frucht liegt satt auf dem Gaumen, wirkt nobel, erneut eine Menge Vanille, ein echtes Baby, mit der Zeit bringen Zitrusnoten Frische in den Wein, die Tannine reif, jedoch recht unwirsch, pikantes Säuespiel, die nicht ganz mit der Frucht spielt, als Solist fehlt es mir heute noch an Harmonie, zum Essen gefällt er mir aber mit zunehmender Dauer im Glas sehr gut. Großes Potential, Piemont-Reise 2014 (192 von 121)fünf Jahre liegen lassen. 88-89+/100. Anschließend enttäuschte uns der Elio Grasso Barolo Ginetra Vigna Casa Mate aus 2001. Der zeigte sich bereits weit Piemont-Reise 2014 (193 von 121)gereift mit überreife dunklen Beerenfrüchte, Champignon, Waldboden. Am Gaumen dicht, rosinierte Früchte, von tertziären Aromen geprägt, die Säure steht hoch, natürlich lässt sich der Wein noch ansprechend genießen, liegt aber weit unter unseren Erwartungen 85-/100. Wir flüchten mit dem 2004er-Vanuto von Giorgio Pelissreo ins Barbaresco-Gebiet. Hier entdecken wir glücklicherweise eine perfekte gereifte und geöffnete Nase eines Nebbiolos. Am Gaumen zunächst von ähnlicher Klasse, schade nur, dass ab der Mitte die Tannine trocknend sind und so dem Wein die notwendige Harmonie und Charme nimmt, um ihm eine ausgezeichnete Bewertung zu geben. Trotzdem auf alle Fälle sehr gut 89/100.

Piemont-Reise 2014 (200 von 121)Am Morgen darauf ging es zu Giovanni Rosso nach Serralunge d´Alba. Eine Menge gerade los auf dem Weingut. Der neue Keller befindet teilweise noch im Bau und während unseres Besuches war die Weinlese im vollen Gange und so erlebten wir die Anlieferung der ersten Trauben live mit. Alle waren ein wenig aufgeregt, denn die neu angeschaffte Entrappungsmaschine feierte Premiere. Und nach einer kurzen Weile erfüllte die Konstruktion klaglos ihren Dienst. Giovanni Rosso ist ein kleiner Familienbetrieb und bewirtschaftet 12 Hektar, ausschließlich Weingärten im Serralunga-Gebiet, darunter in so großen Lagen wie Vigna Rionda, Cerretta, La Serra und viele mehr. Erst seit 1995 werden die Wein unter eigenem Namen abgefüllt. Seit 2001 Piemont-Reise 2014 (201 von 121)führt Giovanni´s Sohn, Davide Rosso, das Gut und setzt ganz auf eine traditionelle Ausbauweise seiner Weine. Obwohl nicht zertifiziert, werden die Weingärten biologisch bewirtschaftet, auf den Einsatz jeglicher Chemie wird verzichtet, der Ausbau erfolgt in großen Zementtanks ohne Temparaturkontrolle und die Weine reifen in großen Holzfässern (um die 5000 Liter, wenn ich es richtig verstanden habe), wobei diese auf Frankreich stammen und nicht wie bei den Traditionalisten üblich aus Slowenien. Vermutlich ein Überbleibsel von Piemont-Reise 2014 (195 von 121)Davide´s Ausbildung im Burgund. Es wird insgesamt auf einen moderaten Holzeinsatz geachtet.

Giovanni Rosso Barbera d´Alba Margherita, 2013
Intensiver Duft nach Marzipan, dunklen, reifen Beeren, dunkler Holzwürze. Am Gaumen betont mittlere Dichte, die Frucht wirkt sauber, etwas frischer als in der Nase, gute Substanz zeigend, unruhiger Verlauf aufgrund seiner Jugend, passabler Nachhall, Potential.
83+/100

Piemont-Reise 2014 (196 von 121)Giovanni Rosso Langhe Nebbiolo, 2012
Ansprechendes Bukett nach Kräuterwürze, Veilchen, reife, aber sauberer Beerenfrucht, etwas Teer und Waldboden im Hintergrund, rustikal, aber gelungen. Am Gaumen von mittlerer Dichte, überraschend komplexer Auftakt, feine Beerenfrüchte mit herber Kräuterwürze, gute Substanz, zeigt guten Zug am Gaumen, langer Nachhall. Erstaunlich guter Nebbiolo für das schwierige Jahr.
88/100

Piemont-Reise 2014 (197 von 121)Giovanni Rosso Barolo Serralunga d´Alba, 2010
In der Nase fällt sofort der hochstehende Alkohol auf, aber auch eine frische, rotfruchtige Beerenfrucht, erneut herber Kräutereinschlag, südländische Kräuter. Am Gaumen dicht, nicht so zugänglich und animierend zu trinken wie der einfach Nebbiolo, auch hier die Aromatik etwas vom Alkohol getragen, die Tannine reif, aber noch leicht trocknend, herrliches Säurespiel, mittlere Länge.
87+/100

Giovanni Rosso Barolo Cerretta, 2010
Dunkle, komplexe Beerenfrucht, röstiger Einschlag vom Faßausbau, frische florale Noten nach Rosenblätter und Veilchen, sauberer Waldboden. Am Gaumen von mittlerer Dichte, klar Piemont-Reise 2014 (198 von 121)fruchtiger Auftakt, ein Korb voller roter Johannisbeeren und Kirschen, die Tannine noch griffig, aber perfekt gereift, die Säure erneut herrlich spielerisch und gut in den Früchtekorb integriert, über den gesamten Verlauf begleitet mich diese feine Fruchtigkeit, wirkt fast burgundisch, langes Finish. Gelungen mit viel Potential.
91+/100

Piemont-Reise 2014 (207 von 121)Giovanni Rosso Barolo La Serra, 2010
Noch eine Liga darüber dann der La Serra mit seiner komplexen Fruchtmischung, Blaubeeren, Maulbeeren,  Sauerkirschen, Tabak, Blockschokolade, glockenklare Aromatik und doch dicht gepackt mit Teer und sauberem Waldboden im Hintergrund. Am Gaumen konzentriert und doch jederzeit fein und sehr beweglich. Die Frucht verschlossen, aber man ahnt die Tiefe und Klarheit, viel Schokolade und Tabak vom Faßausbau, die Tannine mit angenehmen Griff, erneut diese einmalige 2010er-Säure, sehr nachhaltig, sein Nachhall ist von enormer Länge und Vielschichtigkeit. 10 Jahre liegen lassen.
93+/100Piemont-Reise 2014 (199 von 121)

Und weil wir in der Nähe von Serralunga war, verschlug es uns natürlich nochmal zum Lunch in die Vinoteca Centro Storico. Zu Pasta, Carne Crude etc. tranken wir einen hervorragenden 2008erBarbaresco Ovello Vigna Loretto von Albino Rocca. Schon jetzt herrlich animierend zu trinken mit seiner klaren Kirschfrucht, etwas Himbeere, einer pikanten Säurespiel, feine Piemont-Reise 2014 (209 von 121)Teeanklänge und kaum Holz, noch viel Zukunft 91+/100.

Piemont-Reise 2014 (210 von 121)Anschließend ging es nach La Morra zu Silvio Grasso, einem mir noch unbekannten Erzeuger, von dem ich kürzlich einiges Gutes gelesen habe. Und genau so sollte es kommen, wir waren alle begeistert von seinen Weinen. Ein sehr umfangreiches Programm mit einer herrlichen Bandbreite von unterschiedlichsten Weinen, die alle sehr authentisch wirken und von einer einmaligen Klarheit und Finesse geprägt sind. Auch hier wird biologischer Weinbau betrieben, der Ausbau erfolgt in der Regel recht modern, kurze Maischestandzeit und sehr reduzierter Holzeinsatz sorgt für eine herrliche Fruchtigkeit der Weine, ohne dass sie aufgesetzt oder vordergründig wirken. Es gibt aber auch einen traditionell erzeugten Barolo, der dann auch deutlich aus der Reihe fällt, aber ebenfalls voll überzeugen kann. Wir trugen nach dem Besuch zahlreiche Kisten zu unseren Kombis.

Piemont-Reise 2014 (211 von 121)Silvio Grasso Langhe Rosso, 2011
(1/3 Syrah, 1/3 Merlot, 1/3 Nebbiolo)
Mittelintensiver Duft nach Tinte, wilde Kräuter und leicht süßlicher Kirschfrucht und etwas Pflaumen. Am Gaumen eine süßliche, saftige Sünde, die Wildheit des Syrah und die Pflaumigkeit des Merlot passen ganz gut zusammen, sanfte Tannine, der Wein kugelt über den Gaumen und ist ein perfekter Partywein.
83/100

Silvio Grasso Barbera d`Alba, 2012
Süßliche Kirschfrucht, geht Richtung Mon Cherí, also etwas künstlich wirkend, Zitrusabrieb, sonst nicht viel. Am Gaumen von mittlerer Dichte, satt-fruchtiger Auftakt, Bäche von Kirschsaft, ein Gaumenschmeichler von dem Herren, harmonisch, ohne Tiefe, aber ein guter Basiswein.
84/100

Und nun kam eigentlich nur noch großartiger Stoff:

Piemont-Reise 2014 (212 von 121)Silvio Grasso Barbera d´Alba Fontanile, 2011
Es ging los mit einen der besten Barbera´s der Reise. Der Fontanile duftete vielschichtig und balanciert nach diversen roten und schwarzen Beerenfrüchten, Herrenschokolade, Zedernholz, Abrieb von Zitronen, mineralische Note im Hintergrund. Am Gaumen sehr saftig, glockenklarer Auftakt nach Sauerkirschen, erneut Zedernholz und Blockschokolade, viel Spiel und balanciert, Holz und Frucht sind in perfekter Balance, die Saftigkeit hält bis zum langen Nachhall durch, wird sich mit Reife noch verbessern.
88+/100

Silvio Grasso Barbera d´Alba Fontanile, 2006
Als Schmanckerl öffnete Paolo Grasso noch den 2006er, der ebenso überzeugen konnte. Perfekt geöffneter Duft nach gereiften Schwarzkirschen, etwas Zitrus, viel Schokolade und eine deutliche Holzwürze. Am Gaumen mittlere Dichte, eine satte, reife Kirschfrucht liegt auf dem Gaumen, das Holz spürbar, bestens mit der Frucht vermählt, Anklänge nach Leder, sauberen Waldboden und Zitrusabrieb, sehr feste Struktur, noch jugendlich, die Tannine sind leicht trocknend, sehr lange am Gaumen.
88/100

Piemont-Reise 2014 (213 von 121)Silvio Grasso Langhe Nebbiolo Peirass, 2011
Würziger Duft nach Leder, Kräuter, Zedernholz, Brombeeren, sehr jugendlich, aber durchaus gewogen. Am Gaumen dichte Struktur, saftiger, klarer Auftakt, das Holz hier überraschend präsent, aber die Frucht hat genug Dichte um dagegenzuhalten und begleitet mich mit ihrer herrlichen Saftigkeit bis in den sehr langen Nachhall hinein, ungemein trinkanimierend, trotz der leicht trocknenden Tannine im hinteren Bereich.
88+/100

Silvio Grasso Barolo Giachine, 2010
Duftet nach getrockneten Kräuter, geschnittenes Heu, Leder und Tabak, erst dahinter eine tiefe, dunkle Beerenfrucht. Am Gaumen mittlere Dichte, im Auftakt dominiert eine dunkle, aufgefächerte Beerenfrucht, das Holz hält sich im Gegenteil zu der Nase sehr zurück, die Säure pikant, aber feinsinnig und so haben wir einen sehr feinen, burgundischen Barolo vor uns, der ständig neue Fruchtnuancen aufzeigt, mittlere Länge.
91+/100

Silvio Grasso Barolo Turne, 2010
Und hier ist er, der traditionell bereite Barolo und genau so präsentierte er sich. Ein ruppiger, verschlossener und burschikoser Vertreter. Duftet nach Brombeeren, Pflaumen, Mokka, herbes Leder, Zigarrenkiste, viel Teer, getrocknete Kräuter. Am Gaumen dicht gepackt, im Antrunk erneut viel Mokka, dunkle, wenig entwickelte Waldbeeren, Teer, Backpflaume, alles von den Tanninen maskiert, wirkt sehr konzentriert, der Verlauf ist ruppig, die Tannine rauen den Gaumen auf, die Säure ungemein vital mit Biss, es ist alles vorhanden, nichts scheint übertrieben zu sein, schmeckt mir jetzt schon, aber charmant ist das natürlich nicht, sehr langer Nachhall. Muss mindestens 15 Jahre reifen.
91+/100

Silvio Grasso Barolo Bricco Luciani, 2010
Eine große Nase präsentierte dann der Bricco Luciani, ungemeine elegant und vielschichtig, rote Waldbeeren, Sauerkirschen, Steinwürze, das Holz ist derartig dezent, dass man den Ausbau in 100% neuen Barriques kaum glauben kann. Am Gaumen von mittlerer Dichte, glockenklarer, ja nobler Auftakt nach diversen Essenzen von roten Beeren, frische Veilchen, Kräuterwiese, ungemein raffiniert komponiert, die vitale und hochfeine Säure triggert ständig neue Aromen an und so genießen wir alle dieses abwechslungsreiche Aromenspiel, die Tannine herrlich reif und strukturgeben, mineralische Anklänge im hinteren Bereich, auch hier vom Holz kaum etwas zu spüren, sehr langer und komplexer Nachhall mit frischen Anklängen nach Orangen und Limetten. Könnte mir etwas Reife ein großer Barolo werden.
93-95+/100

Silvio Grasso Barolo Bricco Manzoni, 2010
Etwas herber, traditioneller im Ansatz dann der Manzoni, aber fast genauso großartig. Duftet nach herber Schokolade, getrockneten Kräuter, viel Würze, Laub, dunkle Waldbeeren. Am Gaumen dicht, saubere dunkle Waldbeere im Auftakt, Brombeeren, Walderdbeeren und Sauerkirschen notiere ich, alles ummantelt von diversen getrockneten Kräutern, Krokant und feinem Sattelleder, viel Zug am Gaumen, die Tannine noch leicht trocknend, schwungvolle, ja fordernde Säure, noch sehr verschlossen, gute Länge. Könnte sich ebenfalls zu einen großen Barolo entwickeln.
92-95+/100Piemont-Reise 2014 (215 von 121)

Silvio Grasso L´Insieme Vino Rosso, 2010
Dieser Wein ist ein Cuvée aus den besten Fässern des Jahres. Aus 20 % Barbera, 20 % Cabernet Sauvignon, 20 % Merlot und 40 % Nebbiolo besteht der L´Insieme („Together“) und ist eine soziale Aktion von diversen Winzern aus La Morra, die mit dem Verkauf soziale Projekte der Region unterstützen möchten. Er duftet nach Weihnachtswürze, Cassis, Pflaumen, Vanille, harmonischer, internationaler Stil. Am Gaumen sehr saftig, viel reife Cassis, hochreife Pflaumen, weiches Mundgefühl, charmante Tannine, durchaus festen Kern, Schokolade, lebendiges Säurespiel, nachhaltig, ansprechende Länge.
90+/100

Piemont-Reise 2014 (216 von 121)Für unser Abschlussdinner hatten wir einen Tisch im Ristorante Enoclub am Piazza Savona in Mitten von Alba gebucht und genossen noch einmal alle regionalen Spezialitäten des Piemonts und ließen uns auch nicht von dem Sommelier durcheinander bringen, der jede unsere Weinauswahl mit eine rümpfenden Nase entgegennahm. Egal, es ging los mit einem Franciacorta von Ca´del Bosco aus 2008, dem Dosage Zéro. Der überzeugte mit einem feinen, leicht hefigen Bukett, viel geröstete Mandeln, weißen Blüten. Am Gaumen herrlich animierend zu trinken, erneut Mandeln, florale Anklänge, weiße Johannisbeeren, jugendliche Melone, frisches Gebäck, erfrischendes Säurespiel, cremiges Mundgefühl, zum Glück keine Dosage, denn der Wein hat dank seiner hohen Extraktdichte genug Süße, mittlere Tiefe und Länge 89/100. Anschließend kam ein recht schlichter Kandidat auf den Tisch und schloss unsere Reise durch die autochtonen weißen Rebsorten des Piemonts ab. Piemont-Reise 2014 (217 von 121)Der Favorita Lange von Giacomo Vico duftet sauber, aber recht einfältig nach Eisbonbon und weißen Blütenblätter. Am Gaumen sauber, ohne Kanten zu trinken, etwas Melone, passabler Nachhall, kann man trinken, muss aber nicht 82/100. Piemont-Reise 2014 (218 von 121)Der erste Rote des Abends war der Pomorosso, eine Barbera d´Asti aus 2010 von Coppo. Intensiver Duft nach Kokosraspeln, Vanille, reifer Beerenfrucht, Weihnachtswürze, etwas viel Neuholz, zeigt Tiefe an. Am Gaumen mittlere Dichte, recht süße Auftakt, dass von dem Neuholz kommt, erneut Vanille, Kokos, runde, kuglige Tannine, die Frucht charmant, Mon Cheri, etwas vordergründig und anbiedernd, wird aber sicher vielen gefallen, mir ist er zu reif, die Frucht zu marmeladig, trotzdem ordentlich nachhaltig, gute Länge 86+/100. Piemont-Reise 2014 (100 von 1)Anschließend kam ganz großes Barbaresco-Kino ins Glas. Der 2004er Serraboella von Cigliuti war einfach hinreisend mit einer glockenklarer, komplexen Kirschfrucht, Rosen und Veilchen, Abrieb von Orange und Zitrone, frisch geschnittene Kräuterwiese, dahinter Blau- und Maulbeeren, Teer und Tabak, perfekter Holzeinsatz. Am Gaumen blitzsaubere Frucht, sehr komplexes Spiel, harmonischer Verlauf, sehr packendes Säurespiel, griffige, reife Tanninstruktur, das Holz hält sich im Hintergrund, fächert im hinten immer weiter auf, enorme Frische und Agilität, für mich ein Musterbeispiel eines Barbarescos, sehr langer Nachhall 95/100. Piemont-Reise 2014 (220 von 121)Da kam der ebenfalls ausgezeichnete 2004er Barolo Riserva Bricco Boschis Vigna San Giuseppe von Cavallotto einfach nicht mit. Rustikaler Duft nach Teer, schwarzen Trüffel, klare dunkle und rote Johannisbeeren, Sauerkirschen, etwas Backpflaume, herber Tabak, angeröstete Kräuter. Am Gaumen ein erstaunlich schlanker, fast karger Wein, dieser Eindruck entsteht jedoch aufgrund des traditionellen Ausbaustils, der Wein ist einfach noch 10 Jahre zu jung, die Tannine beißen sich in den Gaumen, die Frucht liegt zurückgezogen in der Höhle, die Säure reif, aber rausch ungehemmt über den Gaumen, zeigt über den gesamten Verlauf seine Klasse an, aber die Komponenten spielen leider nicht mit einander, wird sich aber finden 91+/100.

Piemont-Reise 2014 (101 von 121)Damit ging unsere Reise zu Ende. Es war ein lohnenswertes Erlebnis. Die Küche des Piemonts hat uns alle begeistert und mit dem 2010er-Jahrgang bei den Barolo´s hatten wir das Glück einen großen Jahrgang in seiner Jugend probieren zu dürfen. Nächstes Jahr führt uns unsere Reise nach Wien. Ich werde berichten.

Die Reise fand statt vom 5. bis 10 Oktober 2014.
Text und Bilder: Rainer Kaltenecker

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5 Kommentare zu “Eine Reise ins Piemont – Barolo Jahrgang 2010

  1. Pingback: Eine Reise ins Piemont – Barolo Jahrgang 2010 | Weintasting.de

  2. Super Reise mit dem gelungenen Start im Schwarzen Adler, wo wir auch ab und zu die Weinkarte plündern (keine 2 Stunden von Zürich). Auch für mich ist Roberto Voerzio der beste Winzer im Piemont, und seine hohen Preise wert. Seine Weine trinkt man ja nicht jeden Tag. Mit Ausnahme der Vinoteca Centro Storico kennen wir alle andern besuchten Restaurants mit einmal mehr und einmal weniger Begeisterung. Für uns das beste Restaurant in der Gegend ist das Piazzza d’Uomo in Alba.

  3. Hallo Rainer,
    danke für deinen wie immer sehr ausführlichen, kompetenten und wirklich superinteressanten Bericht. Hat richtig Vorfreude auf unseren im nächsten Herbst mal wieder geplanten Trip ins Piemont gemacht!! -Habe so schnell noch nicht alles studieren können, mir fielen nur gleich deine recht kritischen Anmerkungen zu Brezza auf (die Norbert ja wohl teilt, wie er mir schon erzählt hat) – Offenbar habt ihr da wirklich z.T. Weine in einem schlechten Stadium erwischt, auch die Basisweine finde ich normalerweise deutlich besser, sowohl den Nebbiolo als auch den Barbera. Brezza ist ja einer unser Lieblingswinzer im Piemont, u.a. auch wegen des Hotels und Restaurants. Vielleicht können wir bei Gelegenheit hier mal ein paar Flaschen nachverkosten. Silvio Grasso ist übrigens auch einer unser Favoriten -bei einer großen Barolo-Probe im Sommer im Alten Forsthaus Germerode war der 1988er(!!) Mondoca de Bussia Soprana einer der Topweine: Kaum Altersspuren, noch tolle Frucht, große Länge. Die Weine können also offenbar auch gut altern.
    Liebe Grüße
    Reinhard

  4. Wirklich toller Bericht. Den 2006er Sarmassa von Brezza hatte ich letztens auch im Glas und war wie Sie sehr enttäuscht.

    Gruß R. Schneider

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