Gereifte Rieslinge trocken aus den Jahren 1992 bis 2004

Im Rahmen der Bonner Weinrunde präsentierte ich im März 2010 trockene Rieslinge aus den Jahren 1992 bis 2004.  Bis auf wenige Ausnahmen stellen sie die trockene Spitze des jeweiligen Weingutes dar. Mit Ausnahme von drei Piraten kamen alle Weine aus Deutschland.

Keine andere Weinprobe war in der Vorbereitung derart aufwendig, wollte ich doch möglichst viele Weine aus den 90er-Jahren anstellen, die auch noch ausreichend Trinkfreude bieten sollten. Also aus einer Zeit bevor die allermeisten Winzer begannen sog. „Große Gewächse“ zu erzeugen. Nur welche Weine stellten damals die Spitze dar und welche würden sich auch heute noch gut präsentieren?

Recht schnell musste ich feststellen, dass es zu diesem Thema keinerlei Literatur gibt. Und so galt es unter Mithilfe einiger Weinfreunde und Kenner der Branche einen Überblick zu erhalten. Zunächst stand eine Recherche über die allgemeine Qualität der Jahrgänge in den einzelnen Anbaugebieten an. Welche Betriebe verfügten vor 20 Jahren bereits über Erfahrung im Ausbau großer trockener Rieslinge und welche Terroirs boten die Voraussetzungen dafür? Ich möchte hier allen Helfern danken, die mir teilweise in stundenlangen Gesprächen meine Fragen beantworteten und so halfen die Mosaiksteine zusammenzusetzen. Irgendwann hatte ich dann alle Informationen zusammengetragen, mitsamt einer sehr selektiven Auswahl jener Weine, die das Potential haben könnten, sich über 15 oder mehr Jahre positiv zu entwickeln.

Ich bin kein ausgemachter Altweintrinker und so wollte ich eine Probe vermeiden, die überwiegend von Petrol- bzw. Firnenoten bestimmt wird. Mein Anliegen war es, das Reifepotential der Rebsorte Riesling zu ergründen. Reifepotential bedeutet für mich, dass ein Wein aufgrund langer Lagerung in irgendeiner Weise geschmacklich gewinnt, oder sich so verändert, dass es ein besonderes Genusserlebnis ist. Ansonsten macht eine Lagerung keinen Sinn.

Reifepotential trockener Riesling?
Nach zahlreichen Verkostungen gereifter trockener Rieslinge bin ich für mich zu einem vorläufigen Fazit gekommen: Die Rebsorte Riesling hat auch im trockenen Bereich ein großes Reifepotential, dass sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken kann. Die allermeisten trockenen Rieslinge sollten dennoch jung getrunken werden (in den ersten fünf Jahren). Voraussetzungen für eine positive Entwicklung über einen längeren Zeitraum hinweg sind: ein großartiges Terroir, ein gutes Jahr und das fachliche Können und die Erfahrung eines Winzers. Nur wenn alles über viele Jahre vorhanden ist, kann ein 20 Jahre alter Riesling ein besonderes Geschmackserlebnis sein, dass sich nicht hinter großen Weinen wie z.B. aus dem Bordeaux, dem Burgund oder auch der Rhone zu verstecken braucht.

Es fehlt an Erfahrung!
Dieses Potential blieb, bis auf wenige Ausnahmen, von den deutschen Winzern bis zu Beginn dieses Jahrhunderts fast gänzlich unentdeckt. Die allermeisten heute gefeierten Betriebe für große, trockene Rieslinge haben erst zu Beginn dieses Jahrhunderts damit begonnen trockene Spitzenrieslinge auszubauen. Die Erfahrung in diesem Bereich ist also noch ausgesprochen gering. Es ist daher wenig verwunderlich, wie deutlich die Qualitäten und die Stilistiken schwanken. Es fehlt vielen Winzern auch an der notwendigen Erfahrung wie mit den Besonderheiten des jeweiligen Jahrgangs am besten umzugehen ist. Die Auswirkungen unterschiedlicher klimatischer Voraussetzungen auf die Entwicklung der Weine und deren Reifepotential ist noch weitgehend unbekannt. Es ist daher wenig erstaunlich, warum es in schwierigen Jahren wie 2003 oder 2006 so viele unbefriedigende Weine gibt. Ebenso auffällig ist eine gewisse Stilunsicherheit beim Umgang mit dem jeweiligen Terroir. Noch zu wenigen Winzern gelingt es ein distinguiertes Geschmacksbild über mehrere Jahrgänge aus ihren Lagen „zu holen“. Da sind uns andere Anbaugebiete, wie z.B. die oben genannten, noch weit voraus. Selbst ein Vorsprung von nur 10 Jahren, wie sie die Winzer in der Wachau haben, findet sich im Glas wieder.

Natürlich gibt es auch in Deutschland ausgezeichnete Winzer, die bereits eine längere Tradition im Ausbau trockener Rieslinge haben und auch über die notwendigen Lagen verfügen. Und diese Erfahrung merkt man den Weinen auch an, vorausgesetzt es gibt eine Kontinuität im Weingut und ein fortdauerndes Streben nach bester Qualität. Leider zeigen manche Betriebe immer wieder schwächere Perioden und so haben damalige Spitzengüter wie St. Antony, Heyl von Herrnsheim, Kloster Ebersbach, Prinz von Hessen, um nur einige zu nennen, heute an Bedeutung eingebüßt. Die heutigen neuen Stars der trockenen Rieslinge wie Keller, Kühling-Gillot, Emrich-Schönleber, Dönnhoff etc. müssen erst über einen längeren Zeitraum beweisen, ob ihre Terroirs den Ansprüchen genügen und sie auch über das notwendige Rüstzeug verfügen große, reifefähige Weine zu produzieren. Ich bin da vorsichtig optimistisch, aber eine genaue Antwort werden wir darauf erst in 10-20 Jahren geben können. Wir stehen immer noch am Anfang einer neuen, aufregenden Entwicklung. Und wenn man die aktuellen Qualitäten kennt, kann man nur erahnen welches Potential im Riesling noch schlummert. Ich wünsche den großen Weingütern, dass sie für ihre Anstrengungen belohnt werden und dass ihr Werk von der nächsten Generation weitergetragen wird. Denn nur wenn die Qualitäten über Jahrzehnte konstant auf hohem Niveau bleiben, wird der deutsche, trockene Riesling wieder die weltweite Anerkennung erhalten, von denen viele Winzer schon heute träumen.

Immer dieses Wetter
Die klimatischen Bedingungen haben sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. So war in den 80er-Jahren noch die Hauptsorge der Winzer, ob der Riesling ausreichend Sonne erhält, damit er ausreifen kann. Die nachträgliche Zuckerung der Weine war weit verbreitet. Dies hat sich mittlerweile grundlegend geändert. So war 1996 das letzte Jahr in Deutschland in dem der Riesling in weiten Gebieten und auch auf großen Lagen zumeist nicht ganz ausreifen konnte. Manche der großen Lagen, z.B. am roten Hang, haben heute ein massives Hitzeproblem. Die Weine reichern zu schnell und zu viel Zucker an und müssen teilweise früh gelesen werden, obwohl die physiologische Reife noch nicht hinreichend erreicht ist. Alkoholgrade von 13,5% und mehr sind keine Seltenheit mehr. Die Weine tendieren dann dazu breit und brandig zu werden, und stehen damit im Widerspruch zur eigentlichen Typizität des Rieslings, nämlich ein schlanker, eleganter, von einer hohen Aromenvielfalt geprägter Wein zu sein. Gerade dadurch wird er eine echte Bereicherung der Weinwelt gegenüber anderen großartigen Weißweinen, die eine gänzlich andere Stilistik verfolgen.

Hohe Alkoholgrade und eine übermäßige Mostkonzentration sind nach meiner Ansicht eher die Feinde eines großen, trockenen Rieslings. Natürlich ist die physiologische Ausreifung der Rieslingbeere wünschenswert, sie bildet die Voraussetzung für die geschmackliche Tiefe eines Weines und trägt auch zum Reifepotential bei. Auch eine gewisse Restsüße kann sich auf die Entwicklung eines Weines sehr positiv auswirken, ist aber keine zwingende Voraussetzung. Ein hoher Alkoholgehalt ist meiner Ansicht nach eher hinderlich für eine lange Lagerung, zumindest keine Voraussetzung dafür. Ich habe zahlreiche trockene Rieslinge aus den 80ern und 90ern getrunken, die einen Restzucker von weniger als 3 Gramm hatten und deren Alkohol bei 11 % lagen. Darunter gab es Gewächse von einmaliger Eleganz und einer vielschichtigen Aromatik ohne jegliche Altersnoten. Obwohl es sich dabei um Ausnahmen handelt, waren sie ohne Zweifel Leuchttürme für das Entwicklungspotential des trockenen Rieslings. Es fiel mir auch auf, dass Weine mit einer gewissen Restsüße sich oftmals besser entwickelt haben. So hatte ich eine Menge Spaß mit halbtrockenen Auslesen aus den frühen 90er Jahren. Eine oftmals verschmähte Kategorie, die aber nach 10-20 Jahren ein ungeheurer Genuss sein kann. Die Süße hat sich dann zurückgebildet und zum Vorschein treten wunderbar harmonische und vielschichtige Sekundär- und Tertziäraromen. Hier kommt es aber auch stark auf die Böden an, auf denen der Wein gewachsen ist. Obwohl mir Weine ohne Botryits näher liegen, kann ein sehr kleiner Anteil von Botrytis (< 3 %) im Alter mitunter eine schöne geschmackliche Komponente mit einbringen. Ein höherer Botrytis-Anteil scheint dagegem eher hinderlich für die Entwicklung, auf jeden Fall mindert er die Aromenvielfalt und die Typizität des Terroirs.

Winzer mit Erfahrung.
Wie bereits erwähnt gibt es einige wenige deutsche Winzer, die bereits eine längere Tradition im Ausbau von trockenen Weinen im Spitzenbereich haben. Im Wesentlichen können wir uns hier auf die Pfalz, Rheinhessen und Rheingau konzentrieren, vereinzelt auch Mosel (inkl. Ruwer und Saar). In der Pfalz sind es Güter wie Bassermann-Jordan, Bürklin-Wolf, Müller-Catoir und Koehler-Rupprecht. Aus Rheinhessen gibt es heute noch schöne Weine aus den 90ern, insbesondere aus den grandiosen Lagen des roten Hangs. Güter wie Heyl zu Herrnsheim, Grundloch und St. Antony sind hier zu nennen. Die größte Erfahrung haben sicherlich die Spitzenweingüter im Rheingau, allen voran Georg Breuer und Künstler. Aber auch von J.B. Becker, Querbach, Wegeler und Freiherr von Knyphausen gibt es tolle Weine aus den 90er-Jahren. Einige produzieren auch heute noch Spitzenweine.

Leider waren auch damals die Mengen sehr begrenzt und so ist viel Recherchearbeit notwendig, um noch heute an die Weine zu gelangen. Ach ja, auch ein wenig Ausdauer und Leidensfähigkeit sollte man mitbringen, denn die meisten Weine aus den 80ern und 90ern sind kein sonderlicher Genuss mehr. Es gibt aber jene Perlen, die dann ein derartiges sensorisches Erlebnis bieten können, dass sie zumindest mich über die Mühe hinweggetröstet haben.

Bei der Auswahl für diese Verkostung war mir eine große Bereite an Winzern und Anbaugebieten wichtig und darüber hinaus sollte auch das übliche Budget der Bonner Weinrunde nicht zu sehr überzogen werden. Von daher wird vielleicht mancher Leser zurecht den einen oder anderen Wein vermissen. Aber auch weil die Bonner Weinrunde sich nicht an professionelle Verkoster richtet, war mit 20 Weinen sicherlich bereits die maximale Anzahl erreicht.


Flight 1: Niersteiner Lagen

1 St. Antony Niersteiner Orbel trocken QbA Rheinhessen, 1992
Sofort intensive, sehr fruchtbetonte Nase nach tropischen Früchten, viel Ananas, wirkt sehr frisch mit guter Spannung. Dieser Eindruck setzt sich im Mund fort. Ein sehr frischer, eleganter, zugleich erstaunlich kraftvoller Wein. Immer noch jede Menge Aprikosen und Melonen, dahinter ein satte, schmelzige Mineralik, die an Honig (Botrytis!) und Bienenwachs erinnert, viel Rauch, Tabab. Im Hintergrund eine ganz leichte Petrolnote, die jedoch das Spektrum der Aromatik sehr angenehm ergänzt. Erstaunlich dezente Säure für das Alter. Sehr langer Abgang. Wirklich ganz ausgezeichnet – die Runde ist überwiegend angetan und gibt 90 Punkte, von mir gibt´s sogar 92 Punkte.

2 Heyl von Herrnsheim Niersteiner Pettental Riesling Spätlese trocken Rheinhessen, 1992
Ungemein mineralische Nase nach warmem Rauch, Teer und Bienenwachs. Dahinter etwas Kiwi und Honignoten, deutlicher Botrytistouch. Im Antrunk ungemein saftig, kräftiger Körper, erinnert eher an eine trockene Auslese, viel Mirabelle, reife Aprikose und wieder die dunkle Mineralik mit viel Schmelz und aber auch feuchte Kieselsteine. Weiche, sehr feine Säurestruktur. Keine Altersnoten. Im Abgang erfrischende salzige Noten. Langer Abgang. Die Runde trinkt sich langsam ein und vergibt 92 Punkte, vom mir gibt´s 93 Punkte. Großes Kino.


Flight 2: Rheingauer aus der 2. Reihe

3 J.B. Becker Wallufer Walkenberg Spätlese trocken Rheinau, 1994
Den Wein hatte ich kurz vor der Probe beim Weingut im Glas und ich war, mitsamt meiner kompetenten Begleitung, begeistert. Diese Flasche zeigte sich aber gänzlich unnahbar und konnte nicht gefallen. In der Nase viel Zündholz, sehr kühle Stilistik, etwas Zitrusfrüchte, mehr nicht. Im Mund gänzlich verschlossen, karge Mineralik, uncharmant und mit viel Säure und Zitrusnoten ausgestattet. Macht keinen Spaß. Schade, denn einen Besuch bei Becker kann ich nur empfehlen. Wir vergeben alle um die 80 Punkte.

4 Kloster Ebersbach Rüdesheimer Berg Rottland Rheingau, 1996
Viel Karamell in der Nase, tropische Früchte, die noch eher jugendlich wirken, keine Altersnoten. Erstaunlicher Duft für einen 96er. Im Mund wirkt er wie ein Jungwein, derart saftig und klar läuft er über den Gaumen. Viel klassische Steinfruchtaromen, erneut eine prägnante Mineralik die an Karamell und Kalk erinnert. Geschmacksschöner knapp langer Abgang. Die Punkte liegen sehr homogen zwischen 90 und 93, von mir gibt´s 91 Punkte.

5 Prinz von Hessen Riesling Kabinett Charta Rheinau, 1998
Ein weiterer Höhepunkt. Nach dem Aufziehen deutlicher Schwefelduft, der nach 10 Minuten weitestgehend verflogen ist. Ein ganzer Korb mit fein kandierten Zitrusfrüchten drängt sich in die Nase, dahinter kräutrige-vegetabile Noten, etwas Blumenkohl, trotzdem sehr klar und transparent. Im Mund von mittlerem Körper, sehr straff und nachhaltig am Gaumen, spürbare Altersnoten, die aber noch angenehm sind, reife, recht milde Säure, im weiteren Verlauf graben sich ein paar Gerbstoffe sanft in den Gaumen und geben dem Wein ein schönes Gerüst, im Nachhall zeigen sich erneut die kräutrigen-vegetabilen Noten, erinnern etwas an Rucola, leichte Schärfe, sehr lang und komplex. Tolles sensorisches Erlebnis. 91 bis 93 Punkte von der Runde, ich liege mit 92 in der Mitte.

6 Wegeler Winkel Jesuitengarten Rheingau, 2002
Dichte, konzentrierte Nase, die sehr schön, aber auch ein wenig unbalanciert ist. Viel reife Zitrusfrüchte, wirkt spürbar jünger. Sehr saftiger, fruchtbetonter Antrunk, körperreicher Wein mit dienender Restsüße, auch hier mangelt es ihm ein wenig an Präzision. Verfügt aber über viel Extrakt, viel saftigen Stein- und Zitrusfrüchten und einer feinen Mineralik, erinnert uns an Kreidestaub, langer, aber wenig komplexer Abgang. Jede Menge Trinkspaß, aber ein wenig schlicht. Der Wein spaltet die Runde und es gab von 85 bis 92 so ziemlich alles. Ich vergebe milde 88 Punkte.

7 Querbach Oestrichter Doosberg Rheingau, 2002
Auch der nächste Wein polarisiert aufgrund seiner fremden Aromatik. In der Nase deutliche Cassis-Aromen, daneben eine herbe Kräutrigkeit, sehr schlanke und kühle Stilistik. Im Mund von mittlerem Körper, sehr straff und nachhaltig am Gaumen, kompromisslose herbe, von steiniger Mineralik dominierte Stilistik. Erst im ordentlichen Abgang kommen mehr fruchtige Aromen auf, insbesondere Blutorange und wieder Johannisbeeren. Mir ist der Wein 88 Punkte wert, die Runde kann sich nicht einigen: 85 bis 91 Punkte. Die Flasche erschien mir als nicht ganz intakt. Da hatte ich schon ganz anders im Glas. Querbach ist auf alle Fälle einen Versuch wert und hat auch noch alle Weine bis 2001 auf der Karte. Für ungefähr 16 Euro erhält man hier ausgezeichnete Erste Gewächse, die viel Trinkfreude und Vielschichtigkeit bieten.

Erster Pirat
8 Zind-Humbrecht Riesling Clos Häuserer Elsass Frankreich, 2004

Der erste Pirat und gleich der erste Korker. Leider nicht zu bewerten, was für ein Jammer.


Flight 3: Weine aus der Pfalz

9  Ökonomierat Rebholz Kastanienbusch Großes Gewächs Pfalz, 2002
Typischer Rebholz: schlank, puristisch, große Aromenvielfalt. Feine, schlanke Nase; sehr mineralisch, mediterrane Kräuter, Honigmelone ohne jede Süße. Am Gaumen von schlankem Körper, großartige Struktur, knochentrocken, vitale, aber feine Säurestruktur, die Mineralik ist von großer Tiefe und Nachhaltigkeit, junge Pfirsiche und Grapefruit verleihen dem Wein eine tolle Frische. Wie Morgentau legt sich der Wein auf den Gaumen, vielleicht ein wenig zu schlank und puristisch, mittellanger Abgang. Die Runde ist trotzdem begeistert und vergibt im Mittel 92 Punkte, die ich ebenfalls vergebe.

10 Knipser Steinbuckel Spätlese trocken Pfalz, 2001
Mineralische, recht tiefe Nase, geröstete Mandeln, viel Malz und Persipan, frische Kräuter, kühle Stilistik. Weckt große Erwartungen im Mund, die dann leider enttäuscht werden. Überraschend kräftiger Körper, dem es an Eleganz und Ausgewogenheit fehlt, der kräftige Alkohol macht den Wein eine Spur zu breit. Bietet aber viel Frucht im Antrunk, kandierte Orangen und Aprikosen, gut eingebundene Säure, mittellanger etwas ruppiger Abgang von gewisser Nachhaltigkeit. Die Runde ist sich mal wieder nicht einig und so gehen die Punkte von 80 bis 90 wild durcheinander. Im Mittel 86 Punkte, die ich dem Wein auch zubillige.

11 Christmann IDIG GG Pfalz, 2001
Intensiv malzige Nase, mit jede Menge Karamell und durchzogen von einem frischen Abrieb der Limette; sehr konzentrierte, dichte Nase, die einen sofort aufhorchen lässt. Im Mund leider auch einen Hang zur Breite, ein leichter Alkoholtouch fällt auf, der Wein bleibt aber besser in der Balance wie sein Vorgänger. Sehr komplexes Spiel aus Frucht und Mineralik, das viel Druck auf den Gaumen ausübt. Wird im weiteren Verlauf etwas ruppig, manchen gehen die Bitterstoffe zu weit, ich mag das. Der Wein beruhigt sich mit der Zeit zusehend. Er erhält im Rahmen einer solchen Probe nicht die notwenige Zeit sich zu entwickeln und kann so leider nicht ganz überzeugen. Ich traue dem Wein aber eine weitere gute Entwicklung zu und vergebe 90 Punkte, die Runde ist kritischer und zückt im Schnitt 88.

Zweiter Pirat
12 Franz Hirtzberg Hochrein Smaragd Wachau Österreich, 1999
Der Wein sorgt für Streit am Tisch und für 84 bis 95 Punkte. Nichts anders habe ich erwartet, denn Hirtzberger, den ich für einen der besten Rieslingerzeuger erachte, vinifiziert außergewöhnliche Weine. Sie haben mit den bekannten, aktuellen deutschen Großen Gewächsen nur wenig gemeinsam, vielmehr erinnern sie in ihrer Komplexität an große weiße Burgunder. Erst nach zehn Jahren offenbaren sie dann ihr eigentliches Wesen, sind dann nahezu fruchtfrei und leben ausschließlich von ihrem abgrundtiefem Spiel von Mineralik und terzieren Aromen. So auch diese Flasche: Extrem zupackende mineralische Nase nach warmen Bienenwachs und Rauch, von der Sonne erhitzen Kalksteinen, viel Brotkruste, Zitronenbiskuit und getrocknete Kräuter. Schier unglaubliche Komplexität. Im Mund sehr feste Struktur mit viel Biss und großer Nachhaltigkeit. Viel Jod und Malz, etwas Mandarinencreme. Was mich begeistert ist die filigrane und spannungsgeladene Säurestruktur. Bei aller Eleganz springt sie wie verrückt über den Gaumen und berauscht meine Sinne. Sehr langer, deutlich salziger-mineralischer Nachhall wieder von viel Malz und Jod durchzogen. Großer Stoff und mir auf alle Fälle 93 Punkte wert. Manche lässt der Wein verstört zurück, die anderen lieben ihn und so gibt´s von der Runde 84 bis 95 Punkte.

Flight 4: Alte trockene Mosel-Rieslinge mit dienender Restsüße


13 Reinhold Franzen Neefer Frauenberg Auslese halbtrocken Mosel Versteigerungswein, 1997

Eigentlich ein schöner Wein, aber diese Flasche hatte die besten Zeiten leider hinter sich: Zündholzschachtel, verwaschene Früchte und Firne in der Nase. Auch im Mund ist die Frucht bereits stark gezehrt, die Säure ragt unschön hervor, kaum noch Frucht, schöne Schiefermineralik verwöhnt etwas, gute Länge, aber insgesamt bietet der Wein etwas zu wenig. 82 Punkte von mir, die Runde ist mit 85 Punkte etwas versöhnlicher. Schade, denn die Weine des Gutes kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Die einfachen Lagenweine vom Frauenberg und aus dem Calmont machen bereits in der Jugend viel Spaß, entwickeln sich aber auch für 5 bis 7 Jahre sehr positiv.


14 Heinrich Löwenstein Winninger Uhlen Mosel, 1994
Ein ausgezeichnetes Jahr an der Mosel und daher war ich besonders auf den Wein gespannt. Er war schön, blieb aber unter meinen Erwartungen: schlanke, frische Nase nach jungen Steinfrüchten und viel mineralischem Spiel. Ganz anders am Gaumen: nach einem sehr saftigen Antrunk, der von Steinfrüchten dominiert wird, breiten sich altwürzige Aromen aus, erdige Mineralik, karamellisierte Früchte und Kalksteine. Leider tickt die Säure bereits etwas aus diesem Spiel hervor und macht den Wein kantig und resch. Im mittellangen Abgang dominieren Kräuter, die besonders an Kümmel erinnern. Für mich passt dass alles nicht mehr ganz optimal zusammen, während die meisten aus der Runde dem Wein eine besondere Trinkigkeit attestieren. Die Runde vergibt euphorische 90 Punkte, von mir gibt´s knappe 87.


Flight 5: Kleine Vertikale von Breuer´s Berg Schlossberg


15 Georg Breuer Berg Schlossberg Rheingau, 1995
Für die meisten eine irritierende Nase nach Petrol, Schwefel und Gummi. Nach einer Minute treten vermehrt Zitrusfrüchte und eine zart rauchige Mineralik aufs Parkett. Er bleibt jedoch sehr schlank und stahlig. Im Mund heißt es dann Steine kaufen, konsequent trockene Stilistik, die die markante, aber noch gut eingebundene Säure noch weiter betont. Die Mineralik durchzieht den gesamten Verlauf und bietet warme Biskuitnoten, kandierte Mandarinenfrüchte und noble Rauchnoten. Sehr elegant und fein abgestimmt. Sie mindert die Kargheit des Weines. Knapp langer mineralischer Nachhall. Im Mund kaum noch Altersnoten, die mit jeder Minute immer weiter verschwinden. Es waren eben keine Altersnoten, sondern die wilde Mineralik, die sich nach dem Aufziehen der Flasche erst beruhigen mussten. Kein Spaßwein, sondern besonders als Essensbegleiter, oder zur Weiterentwicklung der eigenen Sensorik geeignet. Die Runde streitet beherzt und vergibt gänzlich uneinig von 82 bis 92+ alles. Ich find´s ausgezeichnet und zück 91 Punkte.




16 Georg Breuer Berg Schlossberg Rheingau, 1996
Kaufen, wenn sie ihn noch bekommen. Schon mehrfach im Glas gehabt und immer großartig. So auch gab ich auch dieser Flasche 93 Punkte. Extrem zupackende Nase nach feiner Zitruscreme und abgrundtiefer Mineralik. Es duftet nach leicht süßlichem Pfeifentabak, Tafelkreide, Malz und dunklem, warmen Rauch. Im Mund ebenfalls von großer Dichte und Nachhaltigkeit, jedoch ausdrücklich trocken, mitsamt der Rheingau typischen Säure. Komplexes Aromenspiel aus vielfältigen tropischen Früchten (Mango und Zitrus), viel Mineralik, die an die Nase erinnert und herben Wildkräutern. Der Zug am Gaumen ist schon fast rücksichtslos, aber dank eines Touch Schmelzes, lassen wir es uns gerne gefallen. Sehr langer, erfrischender und mineralischer Abgang, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Wirkt wegen seiner fein-nervigen Nuancen und einem leichten Gripp (Gerbstoffe) noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Vermutlich jetzt auf seinem Höhepunkt, Eile ist jedoch nicht angesagt. Die Runde ist überwiegend begeistert und vergibt im Schnitt 92 Punkte.




17 Georg Breuer Berg Schlossberg Rheingau, 2001
Riecht im ersten Moment wie ein Süßwein, derart dicht und konzentriert wirkt der Wein. Fette Zitruscreme im Biskuitmantel, süßer Pfeifentabak, dahinter rotwangige Äpfel und Pfirsiche. Im Mund explodiert der Wein recht ungehobelt und verrät sich sofort als jüngerer Kandidat. Er schäumt förmlich über vor lauter Aromen: Frucht, Mineralik, Gerbstoffe und Säure – von allem ist im Überfluss vorhanden und er hat sich noch nicht gefunden. Schon jetzt sehr lecker, aber eben ungestüm. Dazu kommen noch herbe Nuancen im langen Nachhall, die den Wein unzugänglich machen. Es ist alles vorhanden für einen großen Wein, aber er befindet sich gerade in einer Ruhephase. 2-3 Jahre liegen lassen, dann könnte es richtig toll werden. Schon jetzt sehr langer Nachhall. 91+ Punkte von mir, die Runde vergibt 89+ Punkte im Schnitt.


Flight 6: Zwei aktuelle GGs

18 Emrich-Schönleber Monzinger Halenberg Nahe, 2003
Junge, noch sehr unentwickelte Nase mit jungen, unreifen Steinfrüchten, floralen Nuancen und einer tiefen Mineralik, die an südländische Kräuter erinnert. Enormer Gripp im Antrunk, große Nachhaltigkeit, mächtige mineralische Substanz, tief und komplex, noch unentwickelt, große Länge – eigentlich noch nicht trinkbar. Wirkt heute ruppig und unnahbar. 91+ von mir, die Runde gibt 89+ Punkte. Unbedingt einige Stunden vorab dekantieren.






19 Klaus Keller Westhofener Morstein Rheinhesse, 2003
Was für ein großartiger Riesling: Reintönige ungemein zupackende, konzentrierte Nase nach glockenklaren Steinfrüchten, etwas tropische Früchte. Der Wein scheint zu vibrieren, derart schnell wechselt die Frucht und die Mineralik die Vorherrschaft in der Nase. Immer wieder duftet der Wein nach Tabak, diversen Gewürzen und frischen Gräsern. Am Gaumen sehr saftig und reintönig. Viel Steinfrüchte, aber auch viel erfrischende Blutorangen, Lakritz, exotische Aromen, erinnert an Maracuja und dahinter wieder der mineralische Abgrund. In manchen Momenten hat man das Gefühl als hätte man eine ganze Tabakdose im Mund, dann wieder Brotkruste und buttrige Noten. Die Säure ist bestens eingebunden, aber auch von einer nervigen Spannung. So wie der ganze Wein eine unglaubliche Kraft in sich trägt, aber trotzdem elegant und verspielt bleibt. Unglaublicher Nachhall von einmaliger Länge. Für mich der beste Wein des Abends, der in 2-3 Jahren eine große Bewertung rechtfertigen könnte. Aber schon heute spielend 94+, die Runde ist mal wieder uneinig und vergibt 89 bis 94 Punkte. Wie man einem solchen Wein das Prädikat „ausgezeichnet“ verwehren kann, ist mir ein Rätsel.




Dritter Pirat
20 Emmrich Knoll Vinotheksfüllung (aus dem Loibner Berg) Smaragd Wachau, 2002

Fruchtfreie Nase. Konsequente, sehr ernsthafte Stilistik, die nur eins kennt: Mineralik. Nach Minuten der Diskussion haben wir uns auf Folgendes verständigt: Brotkruste, Brioche, Meersalz, Marzipan, etwas Fenchelsalami, Rauch und auch Honig von der Boytritis. Im Mund überraschend fruchtig im Antrunk, kandierte Steinfrüchte fallen uns ein. Ein Maul von Wein. Doch das war es dann auch wieder mit der Frucht. Es folgt Mineralik pur – viel Tabak und erstaunlicherweise auch Kaffeenoten, knochentrocken, aber mit extrem viel Fruchtextrakt ausgestattet. Dadurch behält der Wein seinen Trinkfluss und einen wunderbaren Schmelz. Großer, langer Nachhall mit vielfältigen Kräutern. Einfach nur schön. Wir sind uns alle mal einig und vergeben 92 Punkte.

Zum Abschluss nochmals danke, an das Grün der Zeit für die Örtlichkeit, an Ralf Kaiser für die Fotos, an die Nudelei in Endenich für die leckere Pasta und an alle anderen Beteiligten.

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12 Kommentare zu “Gereifte Rieslinge trocken aus den Jahren 1992 bis 2004

  1. Puh, ein sehr weiser und reifer Artikel, noch mehr als die Weine, mein Respekt. Dafür war sicher eine Menge gedanklicher Vorarbeit erforderlich. Ich denke, dass solche grundsätzlichen Überlegungen, was „Reife“ eigentlich bedeutet und welche Elemente eine harmonische Reife fördern oder ihr entgegen stehen, bei großen trockenen Rieslingen immer wichtiger werden. Kein Mensch macht einen 2009er Montrachet auf, aber über die Hälfte der 2009er GG ist sicher schon getrunken.
    Eine tolle Weinauswahl zudem. Ist das eigentlich eine andere „Bonner Runde“ als die, bei der ich neulich zu Gast war (kenn mich da nicht so aus)?

  2. Hallo Rainer,

    ganz toll geschrieben! Sehr sachlich, informativ und dennoch nicht trocken. Vielen Dank für Deine Mühe.

    Ich bedaure nachhaltig, dass ich bei der Probe nicht konnte.

    Aber vielleicht gehen wir ja in 10 Jahren zusammen dem Reifepotential der Dönnhoffs, Christmanns und Co. vom Beginn des 21. Jahrhunderts nach? Hoffentlich!

    Herzliche Grüße

    Thomas

  3. Vielen Dank für diesen Artikel – wirklich spannend zu lesen! Nach der Lektüre kommen mir noch zwei Punkte in den Sinn: Gibt es Deiner Erfahrung nach bei trockenem Riesling eine Phase, in der die Weine verschlossen sind? Bei fruchtsüssem Mosel-Riesling ist es ja bspw. so, dass die sich 1-3 Jahre nach der Ernte als Jungweine sehr gut trinken lassen, dann ein paar Jahr sehr vershlossen sind, und anschliessend „wiederkommen“. Und speziell zu Breuer: Ich hatte neulich bei einer Probe den 2009er Terra Montosa im Glas und fand ihn ob der prägnanten Säure ziemlich untrinkbar. Eine Flasche von 2006 war hingegen letzte Woche grosse Klasse. Was mich zu meiner Frage bringt: Denkst Du, dass die Lagenweine (Schlossberg, Nonnenberg) über, sagen wir einmal, 5-6 Jahre hinaus noch deutlich zulegen? Anders herum gefragt, lohnt es wirklich, sich die Flaschen 10+ Jahre in den Keller zu legen, gerade, wenn man Petrolnoten nicht so schätzt? Oder sticht nach „nur“ 5 Jahren die Säure immer noch durch? Besten Gruss von mir und einer 97er Haart-Spätlese, Jan

    • Zu 1: Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. Ein einfacher QbA hat natürlich einen anderen Reifeverlauf, als ein Großes Gewächs. Wenn wir von einem Wein ausgehen, der überhaupt über ein ausreichendes Reifepotential (mind. 8 Jahre) verfügt, dann gibt es i.d.R. zwei Reduktionsphasen. Die Erste beginnt oft ein knappes Jahr nach der Abfüllung und dauert 1-2 Jahre. Danach öffnet sich der Wein für 2-3 Jahre, ich nenne sie Fruchtphase, um sich dann länger zu verabschieden. Während dieser längeren, zweiten Reduktionsphase wirken die Weine oft unharmonisch und ein wenig holprig. Wenn alles passt, findet sich der Wein nach 2-3 Jahren und tritt in seine Reifephase ein. Die Primärfrüchte haben sich dann zurückgebildet und geben den Sekundäraromen mehr Raum sich zu entfalten. Der Wein ist dann auf seinem „Höhepunkt“, der von sehr unterschiedlicher Dauer sein kann. Irgendwann geht es dann unweigerlich bergab.

      Zu Breuer: Auch hier ist kaum eine allgemeingültige Antwort möglich. Das wichtigste Kriterium ist sicherlich der Jahrgang. Dann ist der Umstand zu berücksichtigen, dass Bernhard Breuer im Mai 2004 leider verstorben ist. Er war es, der uns die großartige Phalanx an trockenen Gewächsen von Mitte der 80er bis 2003 bescherte. Dies soll nicht heißen, dass danach keine großen Weine mehr bei Breuer erzeugt werden, auch 2005, 2007 und 2008 sind sehr gut gelungen. Aber es bleibt abzuwarten, ob sie sich ebenso entwickeln wie die Weine davor. Der Terra Montosa, ein Cuvee der großen Lagen, kann sich bis zu 8 Jahren sehr günstig entwickeln. Der 2009er war sicherlich noch sehr jung, wobei ich mit dem Jahrgang auch so meine Schwierigkeiten habe. Einfach für drei Jahre vergraben und dann nochmals versuchen.

      Die großen Lagen von Breuer (Rottland nicht vergessen) verfügen über ein ausgezeichnetes Reifepotential. Ich habe zahlreiche Weine aus dem Nonneberg oder Schlossberg verkostet, die 15 Jahre oder älter waren und keine, oder keine unangnehmen Altersnoten vorwiesen, jedoch eine extreme Mineralik, die gelegentlich daran erinnert. Ich mag selbst keine Finrenoten, aber ein gereifter Schlosseberg aus 93, 96 oder auch 2000 ist eine Klasse für sich. Die Weine sind aber nichts für Säureempfindliche, aber dann sollte man wohl viele Rheingauer meiden.

      Aber wie gesagt, entscheidend für den Reifeverlauf ist immer der jeweilige Jahrgang. So ist 2006 wohl kein Jahr mit viel Zukunftspotential, 2005 ist gerade ziemlich verschlossen und 2003 beginnt sich langsam zu öffnen und widerlegt gerade die ganzen Kritiker, die das Jahr bereits abgeschrieben haben.

  4. Ein wundervoller, höchst informativer Artikel! Vielen Dank dem Autor!
    Bekümmert hat mich lediglich, dass beim Ausdruck des Artikels ab der 8. Seite nur die linke Seitenhälfte ausgedruckt wird. Ist dies eine Eigenart meines Systems oder kommt es woanders auch vor?
    Mit freundl. Grüßen
    Werner Müller.

    • Sehr geehrter Herr Müller,
      vielen Dank für ihr positives Feedback. Leider kann ich ihnen bei ihrer technischen Frage nicht weiterhelfen. Ggf. kopieren sie den Text nach Word und drucken ihn dort aus. Ich bin leider kein IT-Fachmann.
      Viele Grüße

  5. Hallo Rainer,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort! Wenn ich Dich recht verstehe, liefe das bei den GG darauf hinaus, dass 2006-2008 sowie 2001-2003 momentan sehr gut trinkbar sein sollten, oder? Wenn wir kurz über Breuer hinausschauen, denkst Du dass die Zeiträume auch für Nahe und Rheinhessen hinhauen? Ich denke gerade an eine kleine Enttäuschung mit einem 2005er Halenberg von SF zurück, der extrem verschlossen war – könnte ich vermutlich einfach zum falschen Zeitpunkt erwischt haben 😉

    Viele Grüsse!

    Jan

    • Im allgemeinen Ja, aber dass hilft natürlich überhaupt nicht, wenn sich z.B. ein 2008er Wein gerade überhaupt nicht von seiner besten Seite zeigt. Dies kann sehr gut möglich sein. Derart pauschale Aussagen über Jahrgänge, auch noch über mehrere Anbaugebiete hinweg, können höchstens eine ganz grobe Richtschnur sein – alles andere wäre nicht seriös. So ist z.B. der 2001er Schlossberg von Breuer derzeit wohl noch zu jung, der 2003er macht aber gerade auf (natürlich nur meine Einschätzung).

      2005er GGs von der Nahe ziehe ich derzeit nicht auf. Die Spitzenweine von Dönnhoff, Schönleber, Fröhlich und auch Crusius zeigen sich zumeist ziemlich zugenagelt und kantik. Die grundsätzlichen Qualitäten gehen aber auch weit auseinander. So gefiel mir der 05er Halenberg von SF noch nie sonderlich gut – meiner Meinung ein nicht sonderlich geglückter Wein. Aber vielleicht belehrt er mich in fünf Jahren etwas anderes. 2005 ist generell eher ein überschätzes Jahr (außer an der Mosel, hier war es für die trockenen Weine herausragend!), 2003 wird tendeziell unterschätzt.

      Gruß

  6. Hallo Rainer,

    vielen Dank für Deine Einschätzung – dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als entlang dieser groben Leitplanken fleissig zu probieren;-)

    Hast Du an der Nahe bei SF oder den anderen Ikonen wie Dönnhoff Favoriten was Jahrgang und Lage angeht?

    Gruss,

    JAn

    • Bei Dönnhoff bevorzuge ich die Hermannshöhle. 2003 ist groß. 2007, 2008 dürften sich sehr gut entwickeln. 2009 unklar.

      Dellchen und Felsenberg gibt es erst wenige Jahre. Mir liegt Dellchen von der Frucht näher, als die Schlossböckelheimer Lagen. Aber dass ist wirklich Geschmacksache.

      Schönleber wird eigentlich immer besser. 2001 ist groß. 2003 noch recht verschlossen, dürfte aber auch ausgezeichent werden. 2004 und 2005 auch sehr gut, aber nicht herausragend, 2006 nur für Botrytisliebhaber, aber schön saftig und trinkig. Ab 2007 ist alles herausragend, insbesondere 2008 und 2009 schätze ich sehr stark ein. Ich mag beide Lagen sehr. Der Halenberg ist vermutlich der tiefer, von der Aromatik und Mineralik komplexere Wein. Aber auch das Frühlingsplätzchen hat Charakter, oder Terroir wie man heute sagt.

      SF wird immer besser, wahr aber bis 2007 tendenziell überwertet – sehr ambitionierte Preise. 2008 und 2009 ausgezeichnet. Jetzt schön zu trinken ist Halenberg 2006, wenn man Botrytis mag. Da seine GGs aus Bockenau, Monzingen und Schloßböckelheim kommen, kann man bei ihm sehr schön die unterschiedlichen Geschmacksbilder studieren, vorausgesetzt man zieht Weine eines Jahrgangs aus (müssen ja nicht die GGs sein). Dann weiß man sofort was einem mehr liegt. SF hat übrigens sehr schöne trockene Spätlesen und Kabinette. Viel billiger und mitunter nur wenige Punkte unter den GGs.

      Crusius, J.B. Schäfer und Racknitz nicht vergessen, da gibt es auch schöne Sachen.

  7. Teile des Bonner Wein“zirkels“ hatten vor kurzem ja das Vergnügen den ersten „Max“ von Kellers Hubacker aus dem Jahre 2000 zu trinken. Der Wein wurde blind, mit sehr viel Ruhe verkostet und von uns allen enthusiastisch genoßen. Die Frische, die Ausgewogenheit und Eleganz dieses Weines liesen uns nach der Bekanntgabe des Jahrgangs sicher sein, das große trockene Rieslinge, wie schon von ihnen eindrucksvoll beschrieben, in jedem Fall über 10 Jahre hinaus in der Lage sein werden sich positiv zu entwickeln.
    Ich denke sie haben recht : das Jahr, das Terroir und der Winzer sind die entscheidenden Vorraussetzungen.

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