Gereifte Weine aus Kalifornien – Teil 1

Titel 1 - Kalifornien Teil 1 (100 von 1)Manche Geburtstagskinder wollen nicht eingeladen werden, sondern laden selbst ein und machen daraus eine Weinprobe aller ersten Güte. Fritz, unser Geburtstagskind kochte dazu noch derart souverän und gut, dass er spielend mit jedem ambitionierten Restaurant mithalten könnte – ich lade ihn nur mit professioneller Küchenhilfe ein 🙂 . Ganz nebenbei kamen 16 herrlich gereifte Kalifornier ins Glas. Weine, die damals nicht Haus und Hof kosteten, aber heute gereift in beinah höchste Weingenüsse vorzustoßen vermögen. Sie widerlegten erneut sämtliche Vorurteile gegenüber amerikanischen Weinen. Manche Europäer pflegen ja immer noch das leidige Vorurteil Amerikaner sein in ihrem Charakter oftmals schlicht, gelegentlich gar grob und unkultiviert; ein gänzlich blödes und pauschales Vorurteil und gilt noch weniger für ihre vorzüglichen Weine. Denn sie sind oftmals voller Anmut und mit feinem Spiel und wer mag sich daran stören, wenn sie uns dabei mit ihren Vorzügen umschmeicheln. Die Weine kamen offen direkt nach dem Aufziehen ins Glas.

Archey Pinot Noir, 1998 (100 von 1)Richtigerweise begannen wir mit Pinot Noir, denn auch davon gibt es in Kalifornien und auch immer mehr in Oregon vorzügliche, balancierte Vertreter. Der Pinot Noir von Archey Summit aus Oregon aus dem Jahr 1998 war in sehr guter Verfassung. Er zeigt in der Nase eine gereifte, rotbeerige Frucht, wahrnehmbares, aber nie aufdringliches Holz und viel getrocknete Kräuter, nicht sonderlich tief, aber ausgewogen. Am Gaumen von mittlerem Körper, sehr saftig zu Beginn, erneut rote Waldbeeren, vor allem rote Johannisfrüchte ummantelt von nussigen, sowie süßlichen Fassaromen, wirkt noch sehr kompakt, erfrischende Säure, keine sonderliche Tiefe, aber überaus schmackhaft, mittlerer Länge, jetzt perfekt zu trinken.

88/100


Giccone Pinot Noir, 1999 (100 von 1)2 Giccone Vineyard & Winery Leelanau Peniausula, 1999
Leider weit über seinen Höhepunkt war der Giccone, süßliche Nase, viel Kraut und Liebstöckl, Sherrynote im Mund, macht keine Freude mehr

77/100


Gallo Frei Ranch Caberent, 1995 (100 von 1)3 Ernst Gallo Ranch Vineyard Cabernet Sauvignon, 1995

Ja, ich weiß. Gallo geht eigentlich gar nicht. Beim Besuch des Betriebes hat man eher den Eindruck man besucht eine Ölraffinerie, derart große Tanks stehe da massenweise herum und in der Tat, werden hier aberwitzige Mengen produziert. Als kleinen Spaß präsentierte uns Fritz einen Lagenwein von Gallo, der bereits über 15 Jahre alt war. Er roch nach hochreifen, recht süßen dunklen Beerenfrüchten, vor allem Brombeermarmelade, ordentlich viel Karamell vom Holz, eine Ahnung Zitrus und Kerbel im Hintergrund. Am Gaumen mittlerer Körper, dekadent wirkende, süßliche Frucht, erinnert nur an rote Waldbeeren, kommt auf einer heftigen Zuckerschicht an und umschmeichelt zu Beginn des Gaumen, macht aber auch schnell satt und müde, von Tiefe kann man da nicht sprechen, eher von billiger Verführung, da ist aber eine gewisse Struktur, die Säure ist noch vorhanden, eher kurzer Abgang. Ich will ihm dennoch eine gute Qualität attestieren.
83/100


 Draper Merlot, 1999 (100 von 1)4 Draper & Esquin Montersey County Merlot, 1999
Bereits überreife Nase mit gemüsigem Einschlag und überreifen, dunklen Beerenaromen, dahinter Sahneschokolade, nicht sonderlich animierend. Am Gaumen deutliche besser, mittlerer Körper, erneut leichter Kohlstinker, recht frisch wirkende dunkle Beerenfrucht nach Holunder und Schlehen, intakte Struktur, reife Säure, feines Holzmanagement, hält die Frucht nicht ganz durch, aber er zeigt im Mund noch eine gereifte, intakte Frucht und macht Freunde, guter Nachhall. Muss jetzt dringend weg.
84/100


Sine Qua Non Tarantella, 1999 (100 von 1)5 Sin Qua Non Tarantulla, 1999
Einen wirklich einmaligen Duft nach Pflaumen- und Marillenlikör hatte der Weißwein von Sin Qua Non, was bei dem Rebsortencuvée von Roussanne, Viognier und Chardonnay kein Wunder ist. Im Hintergrund zeigen sich Holznoten, viel Kräuterwürze und als Gegenpart frischer Abrieb von der Limette und erneut die hochreifen  Noten nach Pflaumen und Marillen. Wirklich einmalig. Leider schiebt auch ein wenig der Alkohol, hat aber auch eine große Struktur und gewaltigen Zug am Gaumen, zum ersten Mal echte Tiefe und Ernsthaftigkeit, mineralisches Fundament. Einfach irre und ohne seinem Alkoholproblem ein großer Wein, aber auch so locker ausgezeichnet.
91/100


Behrens Hitchcook Zinfandel, 1997 (100 von 1)6 Behrens & Hitchcock Winery Zinfandel Dry Crech Valley, 1997
Heftiger Duft nach Weihnachtsgewürzen, marmeladige Fruchtanklänge, süßliche Holzwürze, eingelegte Pflaumen mit Zimt, bestätigt alle vorhandenen Vorurteile gegenüber Zinfandel aus Übersee, aber es gibt auch einige Begeisterte am Tisch. Am Gaumen von kräftigem Körper, süße, eingemachte Früchte, vor allem Pflaumen und Erdbeeren, kaum Säure, viel Süße, durchaus gelungener Holzeinsatz, ein Schmeichler vor dem Herren, ich trinke mein Glas nicht aus, aber muss seine Qualität anerkennen, hier scheiden sich die Geister.
Die Runde gibt im Mittel 84-85/100


Ridge Santa Cruz, 1995 (100 von 1)7 Ridge Winery Santa Cruz Mountains, 1995
Endlich weht ein kühler Duft nach Cassis und Brombeeren durch das Glas, dahinter Herzkirsche, schwarzer Pfeffer und Anklänge von Leder. Am Gaumen mit Zug und Frische, zu Beginn viel Frucht von Cabernet Sauvignon, erneut ausdruckstarke Würze, im weiteren Verlauf nimmt die grüne Paprika etwas Überhand, die feste Säurestruktur zeigt die 15 % Petit Verdot an, mittlere Tiefe, knapper Nachhall. Trotzdem ein ernsthafter Wein, der vielleicht vor 2-3 Jahren etwas mehr Charme versprüht hätte. Heute noch schön als Essensbegleiter.
88/100


Fisher Coach Insignia, 1996 (100 von 1)8 Fisher Vineyard Coach Insignia Cuvée, 1996
Duftet wie ein hochwertiger BDX vom linken Ufer, demnach Cassis, allerdings rote Paprika, im Hintergrund leichte Anklänge von süßlicher Pflaume, die 20 % Merlot zeigen sich hier, dunkle Bitterschokolade vom Holz, getrocknete Kräuter. Am Gaumen von mittlerem Körper, viel Cassis und Sauerkirsche im Antrunk, wirkt ernsthaft, zeigt sich bestens gereift, steinige Mineralik, greift die seriöse Stilistik der Nase schön auf, etwas Teer und grüne Paprika, im weiteren Verlauf zeigt sich ein schmeichelnder Zuckerschwanz, mittlerer Tiefe, wirkt hinten nicht ganz fest, passable Länge. Trotzdem der erste richtige ernsthafter Wein, jetzt wunderbar zu trinken, kann mit ambitionierten BDX locker mithalten.
90/100


Beringer Howell Mountain Merlot, 1996 (100 von 1)9 Beringer Vineyard Merlot Howell Mountain Bancroft Ranch, 1996
Gereifte Nase, noble dunkle Beerenfrucht, viel Schlehen, Holunder und Pflaumen, etwas Vanille vom Fass. Am Gaumen kräftig, viel Kirsche und Brombeeren im Antrunk, ebenso viel Holz erinnert an Sahneschokolade, vitale Säure, etwas Abrieb von Orangenschale, mittlere Tiefe, feine Süße, guter Nachhall, indem leider deutlich der Alkohol schärft, daher Abwertung, denn aromatisch ist das ein feiner Wein.
87/100


Beringer Cabernet Sauvignon Private Reserve, 1997 (100 von 1)10 Beringer Vineyards Cabernet Sauvignon Private Reserve, 1997
Eine ganze Klasse besser der Spitzenwein des Hauses. Herrliche Cabernet-Würze in der Nase, verwoben mit Graphit, etwas Teer & Asphalt, frisch und verspielt. Am Gaumen von mittlerer Statur, sehr frischer, fruchtintensiver Antrunk, ausdrucksstarker Geschmack nach Cassis und Schwarzkirschen, Paprikawürze, erneut Anklänge von steiniger Mineralität, wirkt sehr fest, viel Zug am Gaumen, insgesamt ein markanter, maskuliner Cabernet, der sehr an hochwertige Weine aus Pauillac erinnert. Jetzt schön zu trinken, dürfte aber auch noch eine lange Zukunft vor sich haben.
92/100


Corley Cabernet Reserve, 1996 (100 von 1)11 Corley Monticello Vineyars Cabernet Sauvignon Napa Valley, 1996
Deutliche medizinale Töne in der Nase, auch deutlicher Touch nach Maggie, dahinter noch viel dunkle Beerenfrucht, wirkt aber schon über seinen Zenit hinweg. Im Antrunk mit viel dunklen Beerenfrüchten nach Pflaumen und Holunder, markante Extraktsüße, im weiteren Verlauf kommen vermehrt terziäre Aromen auf, erneut ein Touch Maggi, reife Säure, mittlerer, leicht verwaschener Nachhall.
83/100


Caymus Cabernet, 1995 (100 von 1)12 Caymus Vineyards Cabernet Sauvignon Selection Reserve Napa Valley, 1995
Herrlich vielschichtige Nase nach Veilchen, reife Cassis, Waldkräutern, feines Leder, ändert ständig seine Nuancen und verbleibt dabei stets in Balance. Am Gaumen eher schlank, aber mit ausdruckstarker Fruchtaromatik, tiefe und herrlich animierende Cabernet-Würze, Sattelleder und milder Espresso, süßliches Paprikapulver, sehr agiles, fast pikantes Säurespiel, der Wein wirkt herrlich frisch, langer Nachhall mit noblen Graphit und Ledernoten. Ein toller Wein.
93/100


Montelena Cabernet Estate, 1995 (100 von 1)13 Chateau Montelena Cabernet Sauvignon Estate, 1995
Pech hatten wir leider mit dieser Flasche, da die Reifeentwicklung deutlich fortgeschritten war. Es roch und schmeckte nach Kohl, Bärlauch, eingelegten Pflaumen, Rosinen, es fehlt Frische und Zeichnung. Eigentlich ein Wein, der sehr jugendlich schmecken sollte.


Mondavi Cabernet Estate Reserve, 1997 (100 von 1)14 Robert Mondavi Cabernet Sauvignon Estate Reserve, 1997
Große Nase nach Lakritz, viel Cassis und Paprikapulver, Schlehen und Herzkirschen, Bitterschokolade und feiner Pfeiffentabak, sehr tief und fein. Am Gaumen von mittlerem Körper, sehr saftig im Antrunk, grandiose Cabernet-Aromatik, pikantes Säurespiel, perfekt eingebundenes Holz mit viel Zedern- und Eukalyptus, aber auch Herrenschokolade und Asche, wirkt sehr fest und nachhaltig, großer Ausdruck, mineralisches Fundament, der Wein mit der besten Balance an dem Abend, der nur mittellange Nachhall kostet ihm die große Bewertung. Trotzdem ein grandioser Mondavi, der die ganze Kunstfertigkeit dieses Erzeugers zeigt. Noch sehr jung, wird sich vielleicht noch weiter entwickeln.
94/100


La Jota Howell Mountain, 1996 (100 von 1)15 La Jota Vineyarads Howell Mountain Selection Napa Valley, 1996
Die Blume versprüht sofort Noblesse, dunkle Waldbeeren, reife rote Paprika, Küchenkräuter, Barriquenoten nach Asche und Leder. Am Gaumen fest, über den gesamten Verlauf eine schmackhafte Hommage von Kräuterwürze und Cassis, charmanter Zuckerschwanz, agile Säure, etwas Zitrusaromen im langen Nachhall, nicht ganz tief oder komplex, aber herrlich zu trinken, da er trotz seiner Kraft herrlich leichtfüßig wirkt, das Glas ist ruck zuck leer.
91/100


Opus One, 1997 (100 von 1)16 Mondavi & Rothschild Opus One, 1997
Sehr markante Nase nach dunkler Bitterschokolade, Asphalt, abgehangenem Schinken und leerer Zigarrenkiste, nur im Hintergrund eine feine Cabernet-Frucht zu erkennen. Gewinnt mit der Zeit immer mehr an Ausdruck. Am Gaumen von gewaltiger Struktur, sehr ernsthaft, ohne jede Süße, nun zeigt sich die Cabernet-Würze deutlicher, Abrieb von Zitrusfrüchten, steinige Mineralik und ein perfekt eingebundenes Holz, erinnert an Teer, Eukalyptus und Bitterschokolade, pikante Säue, sehr langer Nachhall. Recht eigenwillig, aber von großer Klasse. Hat noch eine lange Zukunft vor sich und könnte auch weiter zulegen.
93/100


Beringer Cabernet Private Reserve, 1993 (100 von 1)17 Beringer Vineyards Cabernet Sauvignon Private Reserve, 1993
Auch der letzte Wein des Abends konnte uns voll überzeugen und war der dritte feine Weine von Beringer. Es duftet verrückt nach Zitronen, Cassis, Pflaumen, Asphalt und etwas Malz. Am Gaumen von großer Struktur, kräftiger Körper, viel Cassis, Pflaumen und ein Hauch grüne Paprika, felsenfestes mineralisches Fundament, mit dem Verlauf kommt etwas Süße auf, was dem Wein einen verführerischen Schmelz verleiht, sehr klar und scharf gezeichnet, rauschende Säure, das Holz hält sich dezent zurück, nur ein Hauch an Eukalyptus zeigt sich gelegentlich, gute Länge. Baute mit der Zeit immer weiter aus, nur war mein Glas dann irgendwann leer. Ein Wein noch voller Vitalität und Spiel.
93/100

Ich freue mich schon auf den 77er-Private Reserve von Beringer, den wir dann in der nächsten Verkostung im Mai 2013 im Glas haben werden, wenn es heißt Kalifornien Teil 2. Dann geht es vermehrt um die Spitzenweine der Region. Wir werden berichten.

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Ein Kommentar zu “Gereifte Weine aus Kalifornien – Teil 1

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