Große und Erste Gewächse 2008 – weitere erste Eindrücke

Thorsten hat ja bereits vor zwei Wochen seine Eindrücke zum Jahrgang 2008 vorgelegt, nun hatte auch ich die Möglichkeit, einige Große Gewächse und Erste Lagen vom Riesling in einer anderen Probe zu probieren. Alle Weine waren ganz frisch geöffnet, perfekt temperiert und ich hatte Gelegenheit, die Weine recht entspannt offen zu probieren.

Gleichwohl bitte ich die Jugend (!) dieser Rieslinge und ihre daher noch mögliche Wandelbarkeit zu bedenken…


Weingut Heymann-Löwenstein


2008 Kirchberg: Leicht schwefelige, jugendliche Nase, in der sich Zitrustöne und steinig-schiefrige Töne abwechseln. Zitruszestig und leicht gelbfruchig im schlanken Antrunk, weniger Tiefe als etwa in 2007, herb-bittere Töne, Schieferwürze; frische Säure; der Wein scheint trotz Jugend dennoch nicht in der Balance. Knapp mittellanger, gelbfruchtiger und verhalten salziger Abgang. Mich machen die (mir derzeit zu deutlichen) Bittertöne, die sich im Mund und am Gaumen zeigen, etwas skeptisch, weshalb die Bewertung mit „?“ zu versehen war. (84 ? Punkte)

2008 Winninger Uhlen „Blaufüßer Lay“: Der „Uhlen B“ ist in der Nase noch infantil abweisend, Hefe- und Sponti-Noten überdecken die minimal dahinter liegenden Limonennoten. Leichte Kohlensäure im Mund, deutlich Rauch, leicht herbe Noten, die aber viel besser als beim Kirchberg in den recht kompakten Fruchtkörper integriert sind; Zitrustöne; wie der Kirchberg auch etwas trockener als ich es bei HL erwartet hatte; deutliche Schiefermineralik, fällt am Gaumen aber wenig druckvoll ab. Abwarten. (87+ Punkte)


Weingut van Volxem


2008 Scharzhofberg : Rauchig-florale Nase, gelbfruchtig, recht verspielt und saftig, im Mund rauchige Töne, reifer Pfirsich, etwas Zitrus, wieder Rauch, seidiges Mundgefühl. Trotz seiner Jugend schon recht harmonisch. Etwas Restzucker. Gute Länge. Schöner Weinwert. (87 Punkte)

2008 Kanzemer Altenberg: Zitruszesten in der etwas üppigeren Nase, wieder Rauch, die Frucht wirkt weniger präsent und verspielt als beim Scharzhofberg. Im Antrunk füllig, leichte Cremigkeit, schmeichelnder Restzucker. Wirkt deutlich unfertiger, aufgrund seines fülligen Stils auch weniger beschwingt. Liegenlassen. (89+ Punkte)


Weingut Spreitzer


2008 Oestrich Lenchen EG: Rauchig-mineralisch, Steinfrucht und Clementine in der Nase, floral, noch hefig. Im Antrunk stahlig, spritzige Säure, wieder etwas Clementine, schlanker Körper, feine Mineralik, klingt schlank aber doch präzise auf der Frucht aus. (86+ Punkte)

2008 Hattenheim Wisselbrunnen EG: Spannend schangierende Fruchtnase nach cremiger Zitrus, saftiger Orange und Quitte. Zeigt sich unfertig, baut derzeit noch deutlich auf die Frucht, kaum vernehmbare Mineralität. Im Antrunk saftig, hier nun mit gelbem Apfel, feiner Kräuterton, schlanker Körper, hier fehlt mir aber nichts, mittellanger, feinfruchtiger, mittellanger Abgang. (87 Punkte)


Weingut Robert Weil


2008 Kiedrich Gräfenberg EG: Aus dem Glas drückt mir eine hochreife Tropenfrucht entgegen. Passionsfrucht, Maracuja und etwas Erdbeere (?) bestimmen die noch leicht hefige Nase, die ungemein füllig ist. Auch im Mund ein „Vollgas“-Riesling. Fülliger Antrunk, hochreife Frucht, eine Melange aus Tropik und Mineralik; fester Säurekern; der Wein hat viel Zug, sein Alkohol ist aber unauffällig. Jung, aber dennoch schon recht harmonisch; langer, von Frucht und Mineralik getragener, ansprechender Abgang. Wirklich lang. Und von allem fast zu viel. Trotzdem ausgezeichnet. (92 Punkte)


Weingut Kloster Eberbach


2008 Berg Schlossberg EG: „Back to basic“, kommt es mir nach dem Gräfenberg beim Verkosten des Schlossbergs in den Sinn. Aber mit ansprechend fruchtigen Anlagen. Saftig-süßlicher Pfirsich im Antrunk, dann auch rote Beeren, saftiger roter Apfel, mit einer feinen Lackspur. Saftig auch im Mund, wieder rotbeerig, leichter Schmelz. Trinkanimierend. Feine Säure. Am Gaumen rotfruchtig, etwas Rauch und eine leicht kräutrige Herbe. Könnte ein guter Speisenbegleiter werden. (86+ Punkte)

2008 Rauenthal, Baiken EG: Überaus verhaltene Zitrusnase, schlank, wenig Tiefe. Nur leicht hefig. Pikante, leicht vibrierende Säure im Antrunk, etwas gelber Apfel, Zitrone. Aber dann: kaum Substanz, schlanker Körper. Diesem Wein einen „schlanker Stil“ zu attestieren, ist wohlwollend gesprochen. Am Gaumen kurz, leicht herb, und dann ist er weg. Ich bin ratlos, notiere „bestenfalls leichter Spätlese-Stil“. Ein Blick auf das Etikett bringt die erklärende Erleuchtung. 11,5 % Alkohol. In Struktur und Tiefe nicht das, was ich bei bzw. von einem Ersten Gewächs erwarte. (82 Punkte)


Weingut Kühling-Gillot


2008 Oppenheim, Sackträger GG: Schon der erste Zug in der Nase lässt mich etwas irritiert „zurückschrecken“. Ganz anderer Stil. Eigenwillig. Deutlicher Sponti-Schwefel in der Nase. Würzige Töne, etwas Kerbel; erst weit hinter den würzigen Tönen schält sich etwas „Frucht“ (tropisch-apfelig-würzige Anklänge) heraus, sicher identifizierbar ist sie für mich nicht. Im Mund wieder primärfruchtfrei, herb-würzig, erdig, deutlich Kerbel. Allenfalls eine Ahnung von Apfel. Dafür mit deutlich pfeffrigem Geschmack. „Herbwürzig und ungeschminkt“. Mittellanger Abgang. Ein Wein, der mich interessiert und abstößt zugleich. Ich notiere: „Braucht viel Aufmerksamkeit, Typ Arbeitswein.“ (88 + ?- Punkte)

2008 Nierstein Ölberg GG: Dass dieser Wein aus dem gleichen Haus kommt wie der Sackträger, erkennt man sofort. Seine Nase ist aber etwas zugänglicher, ein klein wenig fruchtbetonter. Rote Beeren, Clementine. Und dann macht sich der Schwefel wieder breit. Leichter Lösungsmittelton, wobei dies von der Intensität nicht sonderlich stört. Leicht hefig. Im Antrunk würzig, saftiger Stil. Wieder eine leichte Pfeffernote. Clementinen, etwas verwaschene, würzige Apfelfrucht. Alles aber (noch?) ziemlich unfokussiert, ja fast in die Breite gehend. Würzig vegitabiler Abgang, mittellang. (86 Punkte).

2008 Nierstein Pettenthal GG: Ich nehme die Pointe vorweg – auch in diesem Wein fand ich einen leichten Pfefferton. Verbindendes Element der KG-Weine, sozusagen. Jedenfalls am Tag dieser Verkostung. Spontanwürzig, leicht hefig, kräutrig, rote Früchte. Dicht und kraftvoll in der Nase, fast schon ölig liegt der Wein im Glas. Auch im Antrunk füllig und dicht, „schwer“, deutlich Kräuter, rote Beeren, Pfeffer (sic!), druckvoll. Alkoholkräftig. Mittellang, bei aller Schwere noch fruchtfülliger Abgang. Wie ein Schwergewichtsringer. Aber ein Beweglicher. (91 Punkte).


Weingut Battenfeld-Spanier


2008 Hohensülzen Kirchenstück GG: Leichter Schwefelton, verbrannte Brotkruste, zartfruchtiger Stil, roter Apfel. Deutlicher weniger Wildheit als bei den Weinen seiner Ehegattin. Auch im Antrunk zartfruchtig, roter Apfel und reifer Pfirsich, feinmineralisch durchgezeichnet, feiner Pfefferton, am Gaumen fruchtbetont. Viel passiert da aber nicht mehr. Derzeit eher „glattgebügelter Stil“, hier fehlen mir doch die Ausschläge. Ketzer würden sagen: aktuell langweilig, aber auf sehr guten Niveau. Ich bin gespannt, wie dieser Wein sich mit weiterer Reife zeigt. (87+? Punkte)

2008 Nieder-Flörsheim Frauenberg GG: „Lass mich in Ruhe“ scheint mir der Wein entgegen zu rufen. Spontanwürzige, sehr reduktive Nase. Im Antrunk rauchig, nicht näher definierbare Apfelfrucht, sehr mineralisch, leichter Gerbstoff. Sehr feine herbe Töne, steht dem Wein aber gut, am Gaumen mit einer leichten Säurespitze, leicht schmelzig im mittellangen Abgang. Hier sehe ich etwas mehr Potential als beim Kirchenstück. (89+ Punkte)


Weingut Wittmann


2008 Westhofen, Aulerde GG: In der Nase Steinfrüchte und ein feiner Zitruston, etwas Kräuter, deutliche Mineralik, ganz fein etwas Lack; die einzelnen Elemente stehen aber blockweise nebeneinander. Braucht dringend Reifezeit. Im Antrunk finden sich die Eindrücke der Nase wieder, Zitrus, gelbe Steinfrucht, leicht cremig, etwas Lacktöne, pikante Säure, Zuckerschwanz. Alles schön in einer Reihe versammelt. Feine Herbe im mittellangen Abgang. Braucht Geduld! (87++ Punkte)

2008 Westhofen Morstein GG: Ein Wein voller Gegensätze. Tiefe, ernste Nase, verspielt zugleich, viel Steinfrüchte, viel Kräuter, viel Mineralik, hebt an wie ein Synphonie-Orchester, um leise und gefühlsbetont die richtige Tonlage zu treffen; vibriert im Mund wie unter Bass-Einsatz. Beeindruckende Struktur im Mund, tief. Und wieder leichtfüßig. Feinnervige Säurestruktur. Kraftvolle Mineralik, die derzeit noch etwas von der Frucht überlagert wird. Harmonisch. Sehr, sehr langer und komplexer Abgang. (93+ Punkte)


Weingut Hermann Dönnhoff


2008 Norheim Dellchen GG: Sehr tiefe, elegante Nase voller cremiger Zitrustöne, dazu ein großer Strauss süßer Kräuter. Sehr animierend. Auch im Mund von kraftvoll-eleganter Art, geschmacklich mit Zitrus und Zitruscreme, pikante Säure, deutliche Mineralik. Sehr guter Balance, insgesamt auch mit Eleganz. Noch leicht hefig, mit herben Kräutern im Abgang. Lang. (92 Punkte)


Weingut Dr. Bürklin-Wolf


2008 Deidesheim Kalkofen GG: Rauchige Nase, ganz feine kaffeeartige Mineralik, Apfeltöne. Im Mund voll, eine Mineralik, die mich etwas an Feuerstein erinnert, etwas Lack. Pikante Säure, doch auch ein wenig breiter Körper. Langes, fruchtiges und sehr mineralisches Rückaroma. (90 Punkte)

2008 Deidesheim Pechstein GG: Ähnlicher Stil in der Nase, ganz feiner Kaffeeduft, etwas Lack, wenig Primärfrucht. Im Mund präziser und kompakter als der Kalkofen, fokussierte Pfirsich- und etwas Aprikosentöne, dahinter kraftvolle Mineralik. Feinsalziger, kraftvoll durchgezeichneter Stil. Kompakt. Langer Abgang. Liegenlassen. (92+ Punkte)


Soweit meine „ersten Eindrücke“. Als mehr bitte ich sie auch nicht zu verstehen. Was mir gefällt: die probierten Weine hatte wenig Bittertöne und insgesamt auch maßvolle Alkoholwerte, zumindest stimmte das Verhältnis von Alkohol und Körper. Man darf geduldig und vorfreudig der Reife dieser Weine entgegensehen…

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