Große und Erste Gewächse 2008 – erste Eindrücke

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Anfang September fiel wieder der Startschuss für das Spektaktel rund um die Großen und Ersten Gewächse des VDP. Das heißt auch, es wird verkostet, was das Zeug hält. Am 12. September gab es, wie jedes Jahr, bei FUB Siegburg die wunderbare Gelegenheit, eine ganze Reihe der frisch abgefüllten Weine zu probieren. Persönlich anwesend waren auch einige Winzer wie Helmut Dönnhoff, Toni Jost und Caroline Diel. In diesen Notizen ist nur eine Auswahl der Weine zu finden. Nicht alle davon sind Große oder Erste Gewächse, einige stammen auch einfach „nur so“ aus Ersten Lagen. Die Eindrücke und Bewertungen sind wie alle auf diesem Blog subjektiv. Außerdem verändern sich die Weine in so zartem Alter gerne noch binnen Tagen und werden auf einer großen Verkostung nicht alle ideal temperiert gereicht. Vielleicht kann man sich mit den folgenden Beschreibungen trotzdem ein Bild davon machen. Ich empfehle aber dringend, auch andere Verkostungsberichte zu lesen, etwa bei Wolfis Weinworten, bei Nikos Weinwelten oder im Weinführer bei Weinplus, wo man dieses Jahr gleich Anfang September viele Weine aus Ersten Lagen verkostet hat.


Weingut Fritz Haag. Mosel

Nach Theo Haart im letzten Jahr stellt sich nun mit Oliver Haag der zweite große Süßweinwinzer von der Mittelmosel der Herausforderung, sich an ein trockenes Großes Gewächs heranzuwagen. Der Einstand ist gelungen, auch wenn der Wein noch mehr Finesse vertragen könnte.

2008 Brauneberger Juffer Sonnenuhr: Limettenschale, Pfirsich, Zuckerspitze, markante, noch nicht ganz eingebundene Zitrusmineralik, schöne Konzentration, hat nicht ganz so viel Spiel, aber jede Menge Potenzial. (88+ Punkte)


Weingut Van Volxem, Saar

Was man schon 2007 und bei den einfacheren Weinen in 2008 gemerkt hat, bestätigen auch die neuen größeren Gewächse. Van Volxem führt seine Weine vorsichtig immer weiter weg von der Restsüße und schafft es zunehmend, auch trockener opulente Weine zu machen — mit mehr Rassigkeit und Mineralität.

2008 Scharzhofberg: Limetten mit einer nur zarten restsüßen Spur, Kräuter, Cremigkeit, deutlich mineralisch, dabei aber angenehm weich, gute Länge. (88 Punkte)

2008 Volz: Opulente Apfel- und Beerenaromen, Rauch, etwas Petrol, warme Stilistik, leichte Süße, mundfüllend, körperreich, kräftig und lang, Potenzial für viel Opulenz. (90-91 Punkte)

2008 Scharzhofberg Pergentskopp: Wieder beerig, auch rote Früchte, enorme Konzentration, opulent und zugleich sehr mineralisch, aufregendes Mineral-Frucht-Säure-Spiel, süß und herb auf hohem Niveau, sehr lang. (92 Punkte)

2008 Kanzemer Altenberg: Leider etwas verschlossen, deutet aber enorme Opulenz an, sehr kräftig, sehr viel Extrakt, cremige, rotbeerige Ansätze, deutliche Restsüße, aber auch frische, feingliedrige Säure. Tolle Balance! (91+ Punkte)


Weingut Clemens Busch, Mosel

Clemens Busch punktet dieses Jahr hoch. Hier beeindruckt vor allem die rassige Säure und die tolle Kombination von geballter Mineralität und trockenem Fruchtspiel.

2008 Pündericher Marienburg: Rassige, saftige noch apfelige Säure, sehr trocken und mineralisch, cremige gelbe Frucht, kandierte Zitrusschalen, kräuterig-tabakig, schöner Verlauf, zuerst packend mineralisch, dann aromatisch, Länge. (89 Punkte)

2008 Pündericher Marienburg »Rothenpfad«: Ähnlich wie der normale Marienburg, die Mineralität ist nur noch mal viel stärker und packender. Grapefruitschalen, zarte Tabaknoten. Saftig, kompromisslos trocken, mineralisch. (90 Punkte)

2008 Pündericher Marienburg »Felsterrasse«: Grüner, kräuteriger Apfel, viel Zitrusmineralität, explosive, elektrisierende, aber dabei nicht harte Säure, unruhig, viel Extrakt, tief, groß, hat alles für viel Potenzial. (92+ Punkte)

2005 Pündericher Marienburg »Fahrlay«: 30-monatiges Hefelager, Honig, Blüten, Holz, sehr cremig und kräftig, weiche Säure, viel Alkohol, opulentes Fruchtspiel, fett, Reserve-Stil. (90 Punkte)


Weingut Heymann-Löwenstein, Mosel

Ein gemischtes Bild: Die einfachen Schieferterrassen und der Uhlen B wirken 2008 etwas geschliffen und sind nicht ganz so stark wie in den Vorjahren. Die typische süßliche feine Tabakigkeit bleibt ein wenig vermisst. Der Kirchberg ist sehr gut, der Uhlen L sogar richtig groß. Die Alten Reben und den Röttgen sollte man unbedingt verkosten, wenn sie soweit sind, wie auch den Uhlen R, der aber noch bis 2010 auf der Hefe liegen wird. Den Stolzenberg soll es den Gerüchten nach dieses Jahr nicht geben, dieser sei laut Löwenstein »zu trocken« vergoren.

2008 Schieferterrassen: Steinobst, Apfel, Kräuter, nicht richtig trocken, unruhig, leicht salzige Mineralität, von allem aber weniger als sonst, wirkt etwas schlank und unaufregend, trotzdem ein schöner Weinwert. (85+ Punkte)

2008 Hatzenporter Kirchberg: Würzig-cremige Steinfrucht, stark präsente, leicht stahlig wirkende Säure, schön definierte Frucht, salziger Zitrusabgang, relativ trocken, packende Mineralität. (89 Punkte)

2008 Winninger Uhlen »Blaufüßer Lay«: Tiefe Steinfrucht, Kräuter, ein bisschen Zitrus und eine Zuckerspitze, kräftig, sehr lang, sehr sauber, wirkt aber etwas geschliffen und unaufregend. (88 Punkte)

2008 Winninger Uhlen »Laubacher Lay«: Tolles Spiel mit strotzend saftigem Stein- und Kernobst, Zitrusschalen und eine karamellige Zuckerspitze. Süßliche Tabakigkeit und eine packende, feingliedrige Mineralität. Enorm dicht gewirkt, komplex, kühle, ätherische Länge. Das ist Heymann-Löwenstein, wie er uns verrückt macht! (93-94 Punkte)


Weingut Josef Spreitzer, Rheingau

Die Ersten Gewächse haben sich erst mal verschlossen und präsentieren sich sehr fest, straff, trocken, mineralisch. Der Wisselbrunnen ist fürs Erste einladender, das Lenchen zeigt eine ganz kalte Schulter.

2008 Oestricher Lenchen: Säuredominiert, aromatisch verschlossen, Zitrus, Limetten, etwas Kräuter und weiße Blumen, steinmineralisch, fest gewirkt und intensiv, hat aber wenig Spiel. (87+ Punkte)

2008 Hattenheimer Wisselbrunnen: Sehr straff, viel Säure, Zitrus, Honig und Blüten, schönes, diskretes Fruchtspiel, trotzdem ganz trocken, nicht so lang. (88+ Punkte)


Weingut Robert Weil, Rheingau

Wie letztes Jahr kommen von Weil wieder bemerkenswerte trockene Spätlesen und auch ein äußerst gelungenes Erstes Gewächs. Der Gräfenberg war der verspielteste Wein in der Verkostung und dürfte wieder in der ersten Riege mit dabei sein. In den Rheingau hätte ich ihn blind aber nicht gesteckt.

2008 Kiedricher Gräfenberg: Verspielte Nase, tänzelnde Pfirsich- und Blumendüfte, im Mund auch etwas Erdbeere, Zitrus, tolles tänzelndes Fruchtspiel, hinten etwas salzig. Fein eingewobene Mineralität. Nicht ganz trocken, sehr dicht, kräftig und sehr lang, elegant und verspielt zugleich. (93 Punkte)


Weingut Keller, Rheinhessen

Die Messlatte scheint auch 2008 wieder bei Keller zu liegen. Hubacker und Kirchspiel präsentieren sich wie von einer anderen Welt. Balanciert, pulsierend, komplex, komplett und schon ganz jung erstaunlich gut definiert und zugänglich. Den Weinen liegt eine eigene Magie inne.

2008 Dalsheimer Hubacker: Pulsierende Aromen von Blüten und Honig auf einer breiten mineralischen Schicht, angetrockneter Pfirsich und Apfel, Zitrusschalen, pikante feste Säure, sehr feine, druckvolle Mineralität, großartige Balance, charaktervoll, lang, tief, sich immer weiter wandelnd, maßlos elegant. (94+ Punkte)

2008 Westhofener Kirchspiel: Ausgeprägte, ganz feinkörnige, kreidig wirkende Mineralität, Zitrus, dichtes, süßes Extrakt, etwas Pfirsich, viel Zitrone, knochentrocken, straffe Säure, sehr feingliedrig und schön auf der trockenen Zitrusfrische balanciert. (93 Punkte)


Weingut Wittmann, Rheinhessen

Auch von Wittmann eine gewohnt tolle Kollektion, die sich treu bleibt. Leichte Zuckerspitzen, schönes Fruchtspiel und Eleganz. Außerdem die filigranste Säure der verkosteten Weine.

2008 Westhofener Aulerde: Schöne cremige Frucht mit Zitrus und etwas Pfirsich, auch Grapefruitschale, wird von einer Zuckerspitze gut in Szene gesetzt, hinten etwas salzig. Feingliedrige Säure, wirkt harmonisch, aber nicht so tief. (89-90 Punkte)

2008 Westhofener Kirchspiel: Verspielte Zitrus-Pfirsich-Creme mit viel feiner Mineralität, filigrane Säure, dicht, schönes Zusammenspiel, sehr harmonisch, aber nicht so komplex und trocken wie das Kirchspiel von Keller. (91-92 Punkte)

2008 Westhofener Morstein: Saftige beerige strahlende Frucht mit Steinobst und Mandarinenschalen, würzig, kraftvoll strukturiert, viel Körper, Mineralität, feingliedrige Säure, schöne Balance, nichts sticht hervor, komplex und ungemein elegant, wirkt insgesamt sehr komplett. (93-94 Punkte)


Weingut Emrich-Schönleber, Nahe

Die Kollektion zeigt die bewährte Superqualität, der Halenberg scheint ein kleines Pünktchen hinter den Vorjahren zurückzuliegen. Trotzdem großes Kino. Es ist immer wieder faszinierend, wie wiedererkennbar Frühlungsplätzchen und Halenberg sind.

2008 Monzinger Frühlingsplätzchen: Reife Pfirsichfrucht, Blumen, Viel milde leckere Kräuterwürze, viel salzige, eingewobene Steinmineralität, bleibt salzig und kräuterwürzig auf der Zunge liegen. (91-92 Punkte)

2008 Monzinger Halenberg: Wilde Kräuter, Zitronen, Zitronenschalen und etwas Pfirsich, trockenes Kräutermalz, alles schon ineinander verwoben, feste Struktur, noch pikante Säure, gute Länge, tief. (92+ Punkte)


Weingut Hermann Dönnhoff, Nahe

Für mich die »zweiten erstbesten« Weine der Verkostung. Dellchen und Hermannshöhle sind kompromisslos mineralisch und wirken ganz ungewohnt knochentrocken. Man mag gar nicht darüber nachndenken, was daraus erst in ein paar Jahren wird.

2008 Norheimer Dellchen: Sehr steinmineralisch, aber auch Kräuter und weißer Pfirsich, schlanke Frucht und voll auf die Mineralität fokussiert, die ihm eine gute Tiefe gibt, sehr trocken, sehr elegant. (92+ Punkte)

2008 Niederhäuser Hermannshöhle: Verschlossen, viel Zitronenschale, kaum Primäraromen, kompromisslose, pure, tiefgehende, lebendige und ganz lange Steinmineralität, wirkt sehr kompakt, aber lang, ganz trocken, monolithisch und unheimlich tief, verspricht ganz viel Potenzial. (94+ Punkte)


Weingut Christmann, Pfalz

Beide Weine wirkten zur Verkostung noch verschlossen und schienen noch nicht preiszugeben, was sie können. Die Nase ließ schon einiges erkennen, aber im Mund wird hier noch viel mehr passieren. Dringend nachverkosten.

2008 Gimmeldinger Mandelgarten: Tolle beerige Nase mit Pfirsich, gelbem Apfel und viel kräuteriger und vegetabiler Würze, im Mund rassige Säure, aber verschlossen und daher etwas kurz wirkend. (90+ Punkte)

2008 Königsbacher Idig: In der Nase vielschichtig mit weißem Pfirsich, Zitrus, Kräuter, jodige Salzigkeit, im Mund schon etwas besser definiert als der Mandelgarten, guter auf Zitrus basierter Verlauf, bleibt hinten auf der Mineralität stehen. (91+ Punkte)


Weingut Bürklin-Wolf, Pfalz

Ein beeindruckendes Programm, sehr runde, cremige und filigrane Weine, die viel Kraft haben. Einige sagen »etwas gemacht«, andere sagen »rund, weich und elegant«.

2008 Ruppertsberger Gaisböhl G.C.: Wirkt in der Nase zur Zeit verschlossen, hat aber im Mund bereits cremige Ansätze, ordentlich Alkohol, Mineralität, die Aromen sind noch ganz zu. (88+ Punkte)

2008 Deidesheimer Kalkofen G.C.: Duftige gelbfruchtige Aromen von Mandarinen, Aprikosen, Birnen, etwas kräuter, tolle Primärfrucht, saftig, dichtes Extrakt, mineralisch im Nachhall, lang. (91-92 Punkte)

2008 Forster Pechstein G.C.: Sehr dicht gewirkte, cremige Frucht von Pfirsichen und Zitronen, leicht tabakig, packende, noch kompakte, zusammen gezogene Mineralität wie ein Faustschlag, tief und lang und sehr viel Power. Viel Potenzial. (93+ Punkte)

2008 Forster Kirchenstück G.C.: Ganz feine Steinfrucht, fein durchwoben mit viel Zitrus und Mineralität, jetzt schon ein ganz runder Verlauf, weich, intensiv, lang, sehr elegant, filigran, zitzelt auf der Zungenspitze. (93 Punkte)

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Ein Kommentar zu “Große und Erste Gewächse 2008 – erste Eindrücke

  1. Hab vor einer Woche die Bürklin Weine probiert. Finde es interessant wie nah sich unsere Beschreibungen kommen insbesondere beim Kalkofen, der wohl der zugänglichste Wein von allen war. Gruß, Alex

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