Große Riesling-Gewächse 2010 – erste Eindrücke

Bei den bereits verkosteten Spitzenrieslingen hat uns der 2010er Jahrgang im Allgemeinen bisher eher positiv überrascht. Die großen Wein scheinen von der kräftigen Säure eher zu profitieren. Sie verhilft den Weinen zu Frische und Struktur, auch für die Lagerfähigkeit ist sie sicherlich hilfreich. Angenehm auch die moderaten Alkoholwerte, dadurch zeigten die Weine, bei aller Verschlossenheit, ihre Charakteristik deutlicher an und boten schon jetzt z.T. viel aromatische Tiefe an. Zudem bringen die großen Gewächse meistens die notwendige Extraktdichte mit, um die hohen Säurewerte noch ausreichend zu puffern. Die Basisweine dürften mit den Merkmalen des Jahreganges mehr zu kämpfen haben. Es scheint, dass die Winzer mit der Botrytis ordentlich umgegangen sind. Die Weine weisen, wenn überhaupt, nur einen kleinen Botrytistouch auf, der sich in der Reife ggf. sehr schön auswirken kann und hoffentlich nicht zu dominant ausfällt. Nach dem vermeitlichen „Jahrhundertjahrgang 2009“, der für meinen und Guidos Geschmack so manchen weichgespülten und vordergründig alkoholischen Wein hervorbrachte, ist 2010 sensorisch wie eine kühle Dusche, die dank der kraftvollen Säure angenehm erfrischt hat. Riesling mit Kanten und Zähnen. Vergleichbar vielleicht mit 2008, 2001, 1999 oder 1990.

Nach unserer Ansicht ist 2010 kein Jahrgang für Weinfreunde, die gerne auch mal unmittelbar nach der Abfüllung schon ein GG aufziehen. Denn tatsächlich zeigen sich heute die allermeisten Weine (noch) nicht in Balance und von der teilweise sehr präsenten (Zitrus-)Säure dominiert. Kommt der Wein dann noch aus einer Lage/Region, bei der die Fruchtaromen vornehmlich an Zitrusfrüchte erinnern, wird es sensorisch ganz schwierig, ebenso bei Gewächsen von Winzern, die eine betont trockene Stilistik verfolgen – diese dürften es in der aktuellen Bewertung sehr viel schwieriger haben. Weine dagegen, die gewollt oder von Natur aus opulenter, eher von gelbfleischigen Fruchtaromen geprägt sind, vielleicht noch mit einer merklichen Restsüße spielen und deren Mineralik eher an erdige Noten erinnert (Botryits nicht zu vergessen), haben es da viel leichter. Diese These bestätigt sich in den diversen Verkostungsnotizen der letzten Wochen. Vielleicht wäre es für manche Winzer ratsam, einzelne Weine erst ein Jahr später zu veröffentlichen, was zugegebenermaßen aus Marketinggründen nicht ratsam erscheint oder in finanzieller Hinsicht nicht möglich ist.

Trotz der markanten, teilweise hervorstehenden Säure, wirken die meisten GGs nicht karg, kantig oder zu sauer. Manche hingegen haben schon noch mit dieser Säure zu kämpfen – es bleibt insgesamt abzuwarten, wie sich die Säurewarnehmung in diesen Weinen entwickelt. Auch dem Jahrgang 2008 hat man in seiner ersten Jugend nicht die Größe zugebilligt, man darf die Entwicklung deshalb gespannt verfolgen.

Die Komponenten, die der Säure entgegenstehen könnten, sind heute zumeist verschlossen und üben daher ihre Rolle noch nicht hinreichend aus. Die physiologische Reife der Beeren dürfte in den meisten Fällen deutlich über 2008 gelegen haben und daher sollte 2010 mit einer gewissen Reife die harmonischeren, dichteren und ggf. cremigeren Weine hervorbringen. Dies wird helfen, die kräftige Säure besser zu puffern, im besten Falle wird sie die Weine lange frisch halten und ein wesentlicher Grund für ein langes Leben sein. Manche Gewächse, so Rainers These, dürften dann mit schönen Geschmacksbildern in 10, 20 und vielleicht sogar 30 Jahren überraschen, auch weil sich die Fruchtaromatik dank der fehlenden Botrytis länger erhalten dürfte. Selten oft wie in diesem Jahrgang lautete das Motto: „Warten wir es ab“.

Rainer und Guido

Unsere Notizen aus offenen Proben bei Händlern und im privaten Kreis werden wir in den nächsten Monaten noch erweitern. Es gilt dabei,wie immer, auch in diesem Jahr:

„Die Eindrücke und Bewertungen sind wie alle auf diesem Blog subjektiv. Außerdem verändern sich die Weine in so zartem Alter gerne noch binnen Wochen und werden auf einer großen Verkostung eventuell nicht alle ideal temperiert gereicht, gegebenenfalls sind die Flaschen auch erst unmittelbar vor der Veranstaltung geöffnet werden… mehr als erste Eindrücke können/sollen die Notizen daher nicht sein – gleiches gilt auch für die notierten Punkte.“

Damit man die Notizen, die nachfolgend noch erweitert werden, später auseinander halten kann (sie entstanden bei unterschiedlichen Proben im Herbst 2011), sind die Eindrücke mit unserem jeweiligen Namenskürzel versehen: (R) steht für Rainers Notizen und (G) zeigt Guidos Eindrücke an. Und nun viel Spaß beim Lesen.

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Mosel

Schloss Lieser Niederberg Helden, 13 % vol.  
Sehr klarer, reintöniger Duft nach Steinfüchten und mineralischen Anklängen, nicht sonderlich tief, aber wunderbar animierend. Saftiger Antrunk, hat erstaunlich viel Zug am Gaumen, junge Steinfrüchte, etwas Apfel, dahinter pflanzlich-mineralische Würze, überaus reintönig, markante aber gut eingebundene Säure, mittellanger Nachhall
ca. 23 Euro, 88-90 Punkte (R)

Nahe

Dönnhoff Schlossböckelheimer Felsenberg, 13 % vol. 
Intensive, fast kräftige Nase nach reifen tropischen Früchten insbesondere Maracujacreme, etwas rotwangigen Äpfeln und einer intensiven Mineralik mit Anklängen von warmen Rauch und einem Touch Honig. Am Gaumen kräftig, geht eine Spur zu sehr in die Breite, süßliche tropischen Früchte,  fast kandierte Töne, kleiner Botrytistouch, Dosenpfirsich, viel cremige Mineralik, fast zurückhaltende verspielte Mineralik, mittlere Tiefe, die Aromatik wirkt noch verschlossen, langer Abgang. Könnte mehr Zug und Frische vertragen.
ca. 30 Euro, 90 Punkte (R)

Dönnhoff Norheimer Dellchen, 13 % vol.  
Deutlich straffere, frischere Nase. Kandierte Zitrusfrüchte gepaart mit einer ausdrucksstarken Mineralik, frisch geschnittene Gräser und viel Kräuter, wirkt sehr gradlinig, fast stahlig. Im Mund herrlich reintönig und crisp. Wirkt sehr fest und nachhaltig am Gaumen, über den gesamten Verlauf mit viel Zug. Jugendlich ruppig, aber gut eingebundene Säure, geschmacksschöne Fruchtaromen nach einem ganzen Korb von Stein- und Kernfrüchten. Die Mineralik wirkt steiniger, mit einer Spur Schmelz. Knackiger, zuweilen säurebetonter Nachhall, muss reifen. Gefällt mir deutlich besser, als der Wein davor.
ca. 31 Euro, 92 + Punkte (R)

Dönnhoff Niederhäuser Herrmannshöhle, 13 % vol.  
Die Nase wird primär noch von typischen Jungweinaromen dominiert: weiße Johannisbeere, Stachelbeeren, etwas Cassis, dahinter erste Anklänge von Zitrus- und Steinfrüchten, straffe Mineralik und (leider) nur ein zartes Lüftchen von den sonst so üblichen wilden Kräutern. Im Mund von mittlerem Körper, saftig mit deutlichem Restzucker, er bleibt trotzdem ein eleganter Wein, es ist alles vorhanden: Frucht, Säure und Mineralik, es gibt nichts wirklich auszusetzen und trotzdem bin ich etwas irritiert, der Wein wirkt brav, fast langweilig, wo ist die übliche Tiefe und Konzentration bei der würzigen Mineralik, auch fehlt es an dem sonst so vitalen, ja vibrierenden Säurespiel, vielleicht eine geblockte Flasche, so wie er sich heute präsentiert klar eine kleine Enttäuschung, sehr langer Nachhall
ca. 32 Euro, 89-90+ Punkte (R)

Nachverkostung
Ich bleibe bei meiner Beurteilung. Der Wein hat alle Anlagen, wirkt jedoch reichlich schlank und brav. Kommt eher wie eine, sicherlich sehr gut gemachte Spätlese daher.
89+ Punkte (R)

Eine schüchterne Nase nach Steinfrucht und leichten Zitrusanklängen. Sehr klar gezeichnet. Im Mund eine feinstrukturierte Stein- und Zitrusfrucht, nimmt einen zunächst mit seiner Eleganz ein, dann unversehen kippt der Wein kantig ins Mineralische. Kräuter und leicht süßlicher Pfirsich im mittellangen Nachhall. Elegant ohne Frage, aber für eine Herrmannshöhle dann doch zu sehr auf der eleganten Seite? Andererseits – vielleicht lobe ich den Wein in einigen Jahren genau dafür. Abwarten. 90-92 Punkte (G).

Schäfer-Fröhlich Monzinger Halenberg, 13 % vol.
Wie bei allen Weinen von Schäfer-Fröhlich muss man sich erst durch intensive Hefenoten durchriechen, aber die Mühe lohnt sich. Sehr straffe, tiefe mineralische Nase, überaus elegante Kräuterwürze, weißer Pfirsich und Cassis. Im Mund sehr klar, straff und gradlinig, obwohl er sicherlich nicht ganz trocken ist. Die Fruchtaromen noch zurückhaltend, faszinierend die vielschichtigen Kräuter, Grundlage des Weines bildet eine tiefe und ungemein feste Mineralik, Steine kauen ist angesagt, die Säure noch sehr prägnant, dürfte sich aber einbinden, insgesamt noch sehr verschlossen und daher mit langem, aber kantigen Abgang.
ca. 35 Euro, 91-92+ Punkte (R)

Schäfer-Fröhlich Schlossböckelheimer Kupfergrube, 13 % vol. ca. 35 Euro
Neben der Hefe, sehr viel Mineralik, kalter Rauch, metalische Anklänge, grasige Noten, dahinter ein Hauch Aprikose und Zitrus. Im Mund von mittlerem Körper, saftiger Antrunk, viel Schmelz mit tropischen Anklängen, dahinter viel Mineralik, die aber nun eher nach Tabak, warmen Rauch und Wachs duftet, es fehlt mir etwas an Komplexität und Fruchtextrakt, guter mittellanger Abgang. Potential unklar.
88-89 Punkte (R)

Schäfer-Fröhlich Schlossböckelheim Felsenberg, 13 % vol.  
Hefe ohne Ende, dahinter viel Jungweinaromen (Stachelbeeren, Cassis etc.), dann noch recht  straffe, kompromisslose Mineralik, unzugänglich. Fest, kompakter Antrunk mit viel Zitrus, dann kommt deutliche Restsüße zum Vorschein, dadurch wirkt der Wein etwas grob, nun auch schon erstaunliche reife Steinfrüchte, Mineralik mit Schmelz, noch sehr verschlossen, bin mir unsicher wie sich dies entwickeln wird, manchmal macht er einen Spalt auf und man erahnt Tiefe und Substanz, dann wieder Schlossböckelheim at it´s worst (Tropik, Breite, Mühe), der Wein polarisiert und meine Lage wird es wohl nie werden, darum Achtung bei meiner Bewertung!
ca. 35 Euro, 90 Punkte (R)

Schäfer-Fröhlich Bockenau Felseneck, 13 % vol.  
Hefe. Gänzlich unzugänglich. Nur eine verhaltene Mineralik blitzt auf. Die Nase lässt mich verstört zurück, doch am Gaumen ist der Wein ungemein zwingend. Sehr reintöniger und klarer, geschliffener Antrunk. Endlich mal ein Wein von zwingender Konzentration, ungemeiner Eleganz und einer aufbrausenden hoch eleganter Säure. Das ist ein großes Gewächs. Die Kern- und Steinobstfrüchte tragen alle eine herbe, kräutrige Note mit sich. Dies verleiht dem Wein frische und eine ungemein komplexe Note. Das Säurespiel ist einmalig, sehr fordernd und kompromisslos, aber es ist voll integriert und macht einfach nur Spaß. Es fordert den Verkoster, ist gelegentlich so fest und nachhaltig, dass es einem zu viel wird, aber es regt die Sinne an. Sehr langer Nachhall. Kann groß werden.
ca. 35 Euro, 93 + Punkte (R)

Emrich-Schönleber Monzinger Frühlingsplätzchen, 13 % vol.
Typisch Frühlingsplätzchen: Gelbfruchtige, blumige Nase mit viel mineralischen Anklängen. Eher verspielt, also sonderlich tief. Gefällt mir sehr gut, auch weil ich mir hier mal keine Zitrone notiere. Im Mund fällt er etwas ab. Saftiger, fruchtbetonter Antrunk zunächst nach klaren Steinfrüchten, ins Florale gehende Mineralik und einer angenehm cremigen Textur. Im weiteren Verlauf hatte ich aber den Eindruck als würde der Wein ein wenig seine Spur verliefen, immer mehr Zitrusfrüchte kommen auf, zitronige Säure, grasig-herbe Noten und daneben eine merkwürdige Süße. Mittellanger Nachhall. Hm, Potential unklar.
87 – 90+ Punkte (R)

Grasige Noten in der konzentrierten, aber leichtfüßigen Nase. Orangentöne, gepaart mit schön eingebundenem Mineral. Saftiger Antrunk, wieder Orange und Pfirsich, der Wein wirkt bei aller Eleganz durchaus spannungsgeladen und klar. Die Säure ist bestens eingebunden, kalkig-staubige Anklänge, etwas feiner Gerbstoff, der sich einbinden wird. Schlanker bis mittlerer Körper, der leise aber mittellang nachhallt. Erkennbar kein Wein für Weinfreunde, die druckvolle und körperreiche Weine bevorzugen, sondern solche, die sich an der harmonischen Leichtigkeit erfreuen können. Nicht so stark wie sein Jahrgangsvorgänger, aber doch mit guter Anlage für 88-90 Punkte. (G)

Emrich-Schönleber Monzinger Halenberg 13 % vol. 
Tolle expressive Nase. Sehr reintönig, komplex und verspielt. Große Früchtekorb mit Steinfrüchten und glasierten Zitrusfrüchten, faszinierend die abgrundtiefe Mineralik nach Kalkstein, Schiefer und feuchten Kieselsteinen. Erstaunlich wieviel der Wein schon jetzt anzeigt. Im Mund fällt der Wein in keinster Weise ab. Konzentrierte aber leichtfüssiger Antrunk mit vielschichten Kräutern, und saftigen Steinobstaromen. Die Mineralik wieder von großer Komplexität und Spiel. Der Wein ist noch sehr jung, aber bereits heute wirkt er souverän, ausgewogen und von einer solchen Transparenz, dass es eine wahre Freude ist. Die Säure perfekt eingebunden, kein bisschen hervorstechend. Ungemein langer und nachhaltiger Nachhall.
ca. 35 Euro, 94 – 96 Punkte (R)

Nachverkostung
Erneut einen exzellenten Eindruck hat der Halenberg hinterlassen. Ein GG par excellence.  Kraft und Eleganz verbinden sich hier vorbildlich, große Tiefe, ungemein langer und zwingender Nachhall. Wie mir scheint sind die Schönlebers auf einem guten Weg, aus dieser Lage einen wirklichen Lagen-Wein zu entwickeln, denn über die letzten fünf Jahre schmeckt man den Halenberg.
94+ Punkte (R)

Eine Essenz von Stein und dunklem Mineral, nur verhalten eine Ahnung an Pfirsichfrucht und Kräuter, bei all den Steinanklängen eine klare Frucht. Im Mund Steinfrucht, mit einer packenden Mineralität versehen, warmer Stein, Rauch. Hochfeine Säure, die zugleich noch saftig erscheint, bestens eingebunden und im Zusammenspiel von Frucht und Mineralität echte Tiefe vermittelnd. Ein betörendes Feuerwerk verschiesst der Wein schon in seiner Jugend – und endet doch lang und harmonisch. Weiteres Potential. 94+ Punkte. (G)

Rheinhessen

Battenfeld-Spanier Hohen-Sülzen Kirchenstück 13,5 % vol.     
Leichter Hefetouch. Leicht verschlossene Nase, die aber bereits eine Tiefe und gute Struktur anzeigt, kräutrige und tabakige Nuancen, wirkt sehr frisch, Anklänge nach Zitrus. Am Gaumen eine sehr eigenwillige, bzw. eigenständige Aromatik. Nach dem saftig-straffen Antrunk intensive Tabakaromen und dunkle Mineralik nach Rauch und Malz. Wirkt sehr konzentriert mit einer feinen Säure. Unschlüssig bin ich mir bei den recht süßlich-reifen Furchtaromen, dadurch erhält der Wein eine gewisse Schwere, die durch seine Kräutrigkeit noch verstärkt wird. Könnte etwas verspielter, tänzelnder sein. Kein sonderlich langer Abgang mit einem leichten Bitterton. Vermutlich seiner Jugend geschuldet. Interessanter Wein, sehr eigenständig, heute schwer zu bewerten, da er noch nicht ganz rund wirkt. Zukünftige Entwicklung unklar.
ca. 29 Euro, 88+ – 92? Punkte (R)

Battenfeld-Spanier Mölsheim Zum Schwarzen Herrgott 13,0 % vol.
Hefetouch. Ziemlich fruchtfreie, verhaltene Nase. Intensive mineralische Noten, Kräuter, geschnittenes Gras, eine feine Ahnung von einer herben Orangenschale. Im Mund interessant, aber heute kaum zu bewerten, da komplett zugenagelt. Erstaunlich schlanker Körper, schlanke Stilistik, Steine kauen ist angesagt, die Frucht ist ziemlich zugedeckt, Limettenschalen, herbe vegetabile fast erdige Noten. Es zeigt sich im Hintergrund ein leichter Botrytiston. Alles wirkt noch wenig integriert. Nur die Säure macht schon jetzt Spaß, viel Elan und Eleganz. Erstaunlich langer Nachhall, in dem ich wieder nur an Steine denken kann. Interessanter Wein, Entwicklung unklar.
ca. 35 Euro, 89+ – 92? Punkte (R)

Battenfeld-Spanier Nieder-Flörsheim Frauenberg 13,5 % vol.   
Ungemein reintönig, fast klassisch-schlanke Rieslingnase, weißer Pfirsich, junge Äpfel und geschnittene Gräser. Sehr fest und elegant. Gefällt mir sehr gut. Am Gaumen fällt der Wein leider im jetzigen Stadium deutlich ab, weil die Säure nicht eingebunden wirkt, wirkt fast sauer. Ich habe aber Hoffnung für die Zukunft. Denn abgesehen davon, glockenklare und ungemein straffer Antrunk, knochentrocken, sehr ernsthafte Stilistik, viel Zitrusaromen und mit etwas Fantasie im Hintergrund erste Kernobstaromen, intensiv-karge Mineralik, im weiteren Verlauf wirkt der Wein immer schlanker und aufgrund der Säure immer brutaler, im Nachhall viel Kalkstein und vegetabile Noten. Könnte aber noch seine Balance finden und die Säure besser integrieren. Zugegebenermaßen kenne ich Rieslinge aus der Lage zu wenig, um über seine Zukunft zu spekulieren. Heute nicht auf Niveau eines Großen Gewächses.
ca. 35 Euro, 86+ bis ? Punkte (R)

Kühling-Gillot Niersteiner Petttenthal 13,5 % vol.   
Intensive gelb-fruchtige Nase mit vielfältigem mineralischen Anklängen, wirkt sehr stimmig komponiert. Überraschen ernsthafte Stilistik im Mund, kaum Frucht, eher von schlanker Struktur, erneut die komplexe, vielfältige Mineralik, wirkt noch völlig verschlossen, viel Zug am Gaumen, resche Säure, im Abgang mit leichter, angenehmer Bitternote und Gerbstoffen. Muss lange reifen.
ca. 35 Euro, 89 – 92 Punkte (R)

Kühling-Gillot Niersteiner Ölberg 13,5 % vol.  
Für den Ölberg typische kräftige Nase mit viel Kräutern und eingemachten Früchten, Dosenmandarine, kandierte Zitronen, etwas Malz, sehr intensiv, deutliche Botrytisnoten,  etwas überhitzt. Sehr fruchtkonzentrierter und saftiger Antrunk, reife und überreife Steinfruchtaromen, holzige Kräuter, sehr breite, fast schleppende Stilistik, ungemein konzentriert, nur was für Botrytisliebhaber, im weiteren Verlauf kommt der Alkohol leider deutlich auf, sehr langer Nachhall nach Wachs und Malz. Mir fehlt es deutlich an Eleganz und Spiel. Ein typischer Brummer aus dem Ölberg, der mit etwas Zeit im Glas an Struktur gewann. Wer´s mag.
ca. 29 Euro, 86 Punkte (R)

Kühling-Gillot  Nackenheimer Rothenberg „wurzelecht“ 13 % vol.   
Zwingender, komplexer kräuter-würziger Duft, sehr tief und konzentriert zugleich, noch etwas unruhig, läßt aber seine Klasse bereits erahnen, die Frucht derzeit im Hintergrund, aber von frischen weißen Pfirsichen bis hin zu kandierten tropischen Aromen ist alles dabei. Einer der interessantesten Nasen der Verkostung. Im Mund noch gänzlich verschlossen, eigentlich noch nicht zu bewerten. Trockene Stilistik, sehr ernsthaft und konzentriert, eher von mittlerem Körper, packende Säure, salzige Mineralität, dürfte großes Potential haben, im Abgang ungehobelt und lang.
ca. 55 Euro, 89 – 93+ Punkte (R)

Wagner-Stempel Siefersheimer Höllberg 13,0 % vol.
Nicht sonderlich intensiver, aber reintöniger Duft nach Cassis, Stachelbeere, jungen Pfirsichen und eine, ins erdige gehende, Mineralik. Gefällt uns ganz gut, wenngleich noch wenig ausgeprägt. Im Mund wirkt der Wein noch insgesamt unruhig, aber weiß dennoch zu gefallen. Keiner am Tisch macht sich Sorgen, dass sich alles noch gut finden wird. Die Säure sagt „hallo“, aber ist hinreichend feinporig und gut eingebunden. Über den gesamten Verlauf begleitet sie den Wein sehr stringend und nachhaltig. Deutlich mittelkräftiger Körper mit merklicher Restsüße, geht fast ein Hauch in die Breite, na ja, zumindest opulent notieren wir, es deutet sich die aus dem Höllberg bekannte cremige Textur an. Ein Wein der reifen muss und in 5-10 Jahren ziemlich sicher die 90-Punkte-Marke reißen wird.
23 Euro, 88 – 90 Punkte (G & R)

Wagner Stempel Siefersheimer Heerkretz 13,0 % vol.
Hefige Nase mit tropischen Früchten und ein Hauch Tabak, die gewohnte Heerkretzer-Dichte. Saftige, ungemein dichter Antrunk, hochreife tropische Früchte, Hefe, Schmelz und cremige Textur, kalkige Mineralik, die Säure sticht ein wenig hervor, wird sich aber noch einbinden, gute Struktur, harmonischer Verlauf, langer Abgang mit feinen Tabaknoten. Muss lange reifen.
90 – 91+ Punkte (R)

In der Nase deutlich Hefe, dahinter heller Tabak und gelber Apfel. Kraftvoll, erdig und mit schönem Spiel versehen. Im Mund eine kraftvolle Säure, zitronig, dazu viel Steinfrucht. Die Mineralität vermittelt eine leichte Schärfe, der Wein wirkt auch dank seiner noch zu präsenten Süße unausgewogen jugendlich. Dürfte sich aber finden. Langer Nachhall mit Rauchnoten. Liegen lassen. 89-91 Punkte. (G)

Keller Niersteiner Pettenthal 13,0 % vol.
Verhältnesmäßig intensive Nase nach reifen Früchten, Cassis und mineralische Anklänge. Es deutet sich eine gewisse Süße an. Sehr kräftiger, fruchtbetonter Antrunk, ungemein dicht von einer hohen Extraktdichte geprägt. Wirkt die Säure zunächst erstaunlich moderat, nimmt sie im weiteren Verlauf immer weiter an Fahrt auf und zeigt im Abgang ihrer jugendliche Kraft. Vielfältige Frucht- und Sekundäraromen blitzen immer wieder auf und lassen das ausgezeichnete Potential des Weines aufblitzen. Kräuter, erdige Mineralik, Biss und große Nachhaltigkeit. Trotzdem heute noch recht zurückweisend. Sehr langer, spannender Abgang. Braucht lange Reife.
31,50 Euro, 91 – 93 Punkte (G & R)

Nachverkostung
Deutlich verschlossener als Hubacker oder das Kirchspiel. Aber er bestätigt unsere positiven Eindrücke von vor einer Woche.
Erneut 91 – 93 Punkte (R&G)

Weingut Keller Westhofener Kirchspiel 13,0 % vol.
Betörende mineralische Nase nach Kalk, Malz und erdigen Nuancen, daneben vielschichtige Stein- und Kernobstaromen, Cassis, etwas Tabak und Gräser. Noch sehr jung, aber schon jetzt sprudelt es förmlich aus dem Glas. Im Mund genauso großartig. Herrlich animierender Antrunk. Sehr saftig und fruchtbetont. Sehr präzise Aromen von Stein- und Kernobst mit feinster Süße und einmaliger Eleganz. Sicherlich die feinste Säure des heutigen Abends. Da ist sie wieder die Keller Eleganz, gepaart mit einer unbändigen Kraft und Nachhaltigkeit. Der Wein wirkt zwar noch sehr jung und verschlossen, die Gerbstoffe machen ihn noch ein wenig rau, aber schon heute Abend lässt er uns in seine tiefe Höhle und gewährt Einblick in seine ganze Größe. Noch nie hat mich ein Wein aus der Lage Kirchspiel derart gefesselt. Muss lange reifen und wird aller Voraussicht ein großer Wein. Ein Rätsel die Bewertungen einzelner Kollegen, die unter 90 Punkte bleiben. Überwiegend aber großer Zuspruch.
94 – 96+ Punkte (R)

Dem ist wenig hinzuzufügen. Selten (oder doch: nie?) hab ich das Kellersche Kirchspiel mit so einer rücksichtslosen Mineralität erlebt. Verflüssigter Kalkstein, der sich in den Gaumen gräbt. Ein pikantes Spiel von extraktreicher Frucht, hochfeiner Säure und immer wieder dieser Mineralität. Faszinierend. Ohne Bedenken 94 Punkte – nur die Zugänglichkeit in seiner Jugend verwundert etwas. (G)

Weingut Keller Westhofener Hubacker 12,5 % vol.
Verschlossene Jungweinnase nach Cassis, Zitrusfrüchten, erdiger Mineralik, Anklänge von Rauch und Malz, hat durchaus Tiefe. Noch etwas hefiger, aber saftiger, fruchtbetonter Antrunk, dann erneut eine überaus gelungene Balance aus Kraft und Eleganz, hochfeine Steinfrüchte, prägnante erdige Mineralik mit viel Kräuterwürze und Tabak, deutlich Restsüße, hohe Extraktdichte, ein Wein zum langen Reifen, dann dürfte das ganz vorzüglich werden, langer Abgang.
93+ Punkte (R)

Cassis und Steinfrucht in der recht kraftvollen Nase, auch an erdiges Mineral erinnernd. Weißfleischiger Pfirsich, kraftvoll und dicht. Im Mund deutlicher Fruchtextrakt bei kraftvoller Säure, die aber voll gepuffert wird. Üppiger Körper. Wieder dunkles und erdiges Mineral, etwa Anklänge an Kräuter und Honig, dies aber nur ganz verhalten und unaufdringlich. Etwas konturgebender Gerbstoff. Deutliche Länge, wieder Cassis und ein leichter Eindruck von Marzipan bleiben harmonisch stehen. Potential. 91 ++ Punkte. (G).

Weingut Wittmann Westhofener Kirchspiel 13,0 % vol.
Ähnliche Anklänge wie bei Keller, doch gröber, kantiger und verschlossener, kann sich aber finden. Heute etwas uncharmant. Guter, saftiger Antrunk, kräftiger, kerniger im Verlauf, zitronige Säure mit Biss, die sich aber mit der Zeit einbinden dürfte, zeigt Tiefe an, die Frucht noch verschlossen und daher heute ein wenig verwaschen, hat aber Zug und einen guten Verlauf, langer Nachhall. Muss sicherlich lange reifen, Endergebnis ist mir aber etwas unklar.
89/90+ Punkte (R)

Opulente Steinfruchtnase, drückend und massiv. Im Mund voller Körper, Zitrusfrucht, Mineralität, der Wein wirktzwar  noch nicht schwerfällig, hat aber eine immense Statur. Steinfrucht, Zitrusnoten, dazu rauchig dunkle Würznoten. Mit gut eingebundenen Säure, die am Gaumen kurz zu kräftig aufmerkt. Lang, ohne Frage, aber durchaus etwas sättigend auf Dauer. Darf länger reifen. 91-92+ Punkte.

Weingut Wittmann Westhofener Aulerde 13,0 % vol.
Intensive, fruchtbetonte Nase nach Mango, Maracuja und hochreife Steinfrüchte, dahinter mineralische Anklänge. Etwas Botrytis. Erneut saftiger Antrunk mit tropischen Früchten, die markante Säure wirkt belebend und puffert etwas die deutliche Restsüße. Auch hier wieder ein wenig Botrytis, Hefe, dunkle Mineralik, Malz, Rauch, guter Spannungsbogen, zeigt Tiefe an. Guter Nachhall mit animierendem Säurespiel. Gutes Potential.
90/91+ Punkte (R)

Eine tropische Nase nach Maracuja, Zitrusfrucht und reifen Steinfrüchten, Honigspuren – ja, wenig Zweifel, hier war Botrytis im Spiel. Im Mund gelbe Frucht, recht üppig, saftige Säure, merkliche Fruchtsüße, dunkles Karamell und Honig. Noch sind diese Honignoten nicht überpräsent, ich habe aber Zweifel für einen ungetrübt harmonischen Reifeverlauf. Meine Empfehlung für botrytisscheue Weinfreunde: binnen der nächsten drei, vier Jahre trinken, dann hat die Frucht noch genügend Präsenz. 88-90 Punkte. (G).

Weingut Wittmann Westhofener Morstein 13,0 vol.
Elegante und konzentrierte Nase zugleich, geschliffene Steinfrüchte, überaus reintönig, viel Kräuter und Mineralik, erinnert an Pfeifentabak und Kreidestaub. Saftiger Antrunk, hochreife, teilweise angetrocknete, glasierte Früchte, die lebhafte Säure (keine Zitronensäure) spielt einen gelungenen Gegenpart dazu, sehr animierend, fordernd und charmant zu gleich, noch etwas viel (jugendlicher) Zuckerguss, der sich aber sicher noch zurückbilden wird, endlich wieder ein Morstein von Wittmann, der nicht nur auf Kraft und Konzentration setzt, sondern auch die notwenige Tiefe und Ernsthaftigkeit mitbringt, dürfte sich noch deutlich verbessern, sehr langer, erneut etwas süßer Nachhall, gute mineralische Anlagen, die aber noch etwas von der Süße verdeckt werden. Vermutlich in acht Jahren groß.
94 – 95+ Punkte (R)

Hochfeine, von Eleganz geprägte und komplexe Nase, die an weisse Pfirsiche und Johannisbeere erinnert. Bei aller Jugend komplex mit verführerisch klarer Fruchtnase und einem leichten Kräuterton. Kreidige Anklänge dazu, die sich wie seidigster Puder über der Frucht legen. Eine nahezu perfektes Fruchtsäurespiel, mit animierender Herbe und zunehmend ausgeprägtem Mineral, das auch am Gaumen trotz aller Vehemenz nie uncharmant wird. Perfekt verbundener Alkohol. Ein Wein mit besten Anlagen, der das Potential hat, seinen Jahrgangsvorgänger mühelos am ausgestreckten Arm „verdursten“ zu lassen. 94+ Punkte (G).

Rheingau

Robert Weil Kiedricher Gräfenberg Riesling 13,5 % vol.
Junge, derzeit eigenwillige Nase nach Feuerstein, kaltem Rauch, Tabak und Gummi, dahinter zeigen sich aber reintönige Steinfrüchte und eine schöne Würze. Interessant. Sehr saftiger, reintöniger Antrunk nach jungen Pfirsichen, wirkt sehr präzise gemacht (womit ich ziemlich alleine war), Säure markant aber elegant, aber schon jetzt gut eingebunden, die Mineralik noch eine Spur zu verhalten, gute Struktur und Nachhaltigkeit, wirkt noch verschlossen, langer Abgang.
91+ Punkte

Sehr verhaltene Nase, mit gemüsigen und rauchigen Noten. Im Antrunk wieder Rauch, eine undefinierbare, verwaschen wirkende Frucht, ein weiches Mundgefühl vermittelnd, dazu ein Körper, der an eine schlanke Spätlese trocken erinnert. Der deutliche Restzucker überdeckt die vorhandene Mineralität, Säure ist hier kaum zu vernehmen. Wo bleibt die expressive Art, die diese Lage in anderen Jahren an den Tag legt? Ein für mich enttäuschender Auftritt. 85 Punkte. (G)

Künstler Hochheim Hölle 13 % vol.
Eine ersthafte Nase, die mehr als rauchige und mineralische Komponenten setzt als üppige Frucht. Der Pfirsich zeigt sich hier nur scheu. Im Mund schlanker bis mittlerer Körper, kompakter Pfirsichfruchtkern, dann zunehmend rauchiges Mineral und ein Eindruck, der mich an Kalkstaub erinnert. Die Säure sehr gut eingebunden. Wirkt recht präzise gewirkt. Langer Nachhall – hefig unentwickelt, aber wirklich lang. Braucht Zeit, dann aber für 91 Punkte gut (G).

Pfalz

Bürklin-Wolf Forster Ungeheuer 13,0 % vol.
Beindruckend expressive Nase nach einem bunten Obstkorb mit Äpfeln, Pfirsichen, dunklen Beeren und Zitrusfrüchte, es schwirrt richtig im Glas.  Daneben auch deutliche Anklänge von einer erdigen Mineralik. Sehr mineralischer, schon jetzt von großer Tiefe geprägter mineralischer Antrunk, trotz seiner großen Extraktdichte von großer Eleganz und Stilsicherheit, endlich mal eine präsente Säure von schöner Eleganz, verspieltes und klares Früchtespiel, enorme Nachhaltigkeit, sehr langer und komplexer Nachhall. Großer Riesling.
95+ Punkte (R)

Zunächst ein ganz feiner Aceton-Ton, der aber mit Schwenken des Weines schnell verfliegt. Roter Apfel, rote Beerenfrucht, fast auch etwas Erdbeere, ein kleiner Touch Caramell. Sehr nachhaltig ist schon die Nase im Glas. Im Mund dann ein kraftvoll- stoffiger Antrunk, wieder rote Frucht, etwas Dosenananas. Die kraftvolle Säure kommt gegen den Extrakt kaum an. Ein Wein zum Kauen, viel Frucht, viel Stein, viel Vergnügen. Schon jetzt. Wenngleich hier keine Eile geboten sein wird. Voller Körper, lang und dicht bis in den Abgang getragen, eine Mischung aus süßlicher Frucht und herben, warmen Stein. Wird bis zum Ausreifen vermutlich lange Zeit brauchen, kann aber, wenn die Botrytis nicht dominant wird, ein echtes Geschoss werden.  92-95 Punkte, je nach Entwicklungsverlauf. (G)

Reichsgraf von Buhl Forster Ungeheuer 13,0 % vol.
Eigenständige Nase nach kandierten Zitrusfrüchten, getrockneten Gräsern, prägnanter Mineralik und irgendeinem herben Einschlag. Von der Mineralik geprägter Antrunk, sehr klare Stein- und Kernfruchtaromen, präsente Säure mit Biss, hohe Extraktdichte, sehr nachhaltig, guter, wenngleich wenig charmanter Verlauf, muss lange reifen, bricht im Nachhall etwas ab, ist aber seiner Jugend geschuldet. Ausgezeichnet!
91 – 93 Punkte (R)

In der Nase viel gelbe Frucht, Ananas, rauchig. Getrockneter Wiesenkräuter, flintiges Mineral – insgesamt ein sehr seriöser Auftritt. Im Mund herbe Ananas mit kraftvoller Mineralität. Mittlerer bis schon voller Körper. Das Frucht-Säurespiel gefällt mir sehr gut, allein der Wein neigt ein wenig zur Breite. Er rettet sich aber dank seiner Pikanz – und in diesem Zusammenspiel passt dann auch wieder der kräftige Extrakt ins Bild. Leicht schmelziger, noch unentwickelter der Nachhall, in dem die Frucht noch undeutlich, aber lange und mit leichtem Schmelz stehen bleibt. 91+ Punkte (G).

Reichsgraf von Buhl Forster Pechstein 12,5 % vol.
Sehr saubere, offene Nase nach Steinfrüchten, eingemachten Birnen und etwas spitze Zitrusfrüchte. Saftige, fruchtbetonter Antrunk, Zitronen, Hefe, Trockenkräuter, präsente Säure mit (zu)viel Biss, wird im weiteren Verlauf immer verschlossener, langer Nachhall von Zitrusaromen und der Säure dominiert. Hat Zukunft.
88+ Punkte (R)

Etwas Steinfrucht, erinnert auch an milde Orange. Reifer Pfirsich. Eine verhaltene Nase, aber ohne negative Ausschläge. Im Mund mit kraftvoller Stilistik, leichte Üppigkeit, die Säure saftig und kräftig, aber noch im Maß. In der Mitte mineralische Prägung, mit guter Struktur, noch hefig, käuterig. Wird hinten sehr schlank, da noch unentwickelt – hallt aber doch recht lang nach. Deutlich von der Säure bestimmt im Nachhall – nicht nur haptisch, leider auch aromatisch. 87/88 Punkte (G).

Georg Mosbacher Forst Pechstein 13 % vol.
Äußerst zurückhaltende Nase mit einem Hauch von Zitrus und Orangenschale. Sehr straffer, säurebetonter Antrunk, außer Zitrusnoten kaum Frucht, pflanzliche Aromen und eine recht kantige Säure, zeigt gewisse Tiefe und Konzentration, macht aber derzeit keinen Trinkspaß, dafür sticht die Säure extrem hervor, der Abgang hat sicherlich eine gute Länge, hier deutet sich auch eine Ahnung von Charme an, aber die Säure dominiert auch hier nahezu alles. Puh, das ist heftig und schwierig. Wir sehen uns staunend an und können derzeit keine Prognose auf den zukünftigen Verlauf geben. Da wir das Weingut sehr schätzen und seine Weine bereits über viele Jahre begleiten, geben wir heute keine Punkte und hoffen auf eine positive Zukunft. Heute sehr schwierig.
25 Euro, keine Wertung (G & R)

Von Winning Deidesheimer Langenmorgen 12,5 % vol.    
Fester mineralischer Duft, viel Jungweinaromen nach Cassis und weißen Johannisbeeren. Konzentrierter aber lebhafter Antrunk, mittlerer Körper, etwas kantige Säure, unreife Steinfrüchte, Gerbstoffe im weiteren Verlauf, mittlere Komplexität, guter bis langer Nachhall
ca. 26 Euro, 88 Punkte (R)

Von Winning Deidesheimer Kalkofen 12,5 % vol.
Intensive, vielschichtige Nase mit einer schönen cremigen Mineralik, viel Malz und Kalkgestein, Cassis und Stachelbeere, weiße Pfirsiche, sehr interessant. Im Mund fallen direkt die tabakige Mineralität auf, ernsthafte Stilistik mit viel Tiefe und Konzentration, kräftige, jedoch gut eingebundene Säure, gräbt sich in den Gaumen ein, die Gerbstoffe haben etwas Krallen, im Hintergrund Holzanklänge, die sich aber bestens integriert zeigen, sehr langer Nachhall, schon jetzt sehr schön zu trinken
ca. 26 Euro, 92 – 94 Punkte (R)

Von Winning Deidesheimer Kieselberg 12,5 % vol.   
Intensiv, mineralische Nase mit erdigen Noten, viel Zitruscreme, Malz und ein Hauch Vanille vom Holz, ich vermute auch etwas Botrytis, interessante, vielfältige Kräuterdüfte. Im Mund sehr dicht und trinkanimierend, schon jetzt sehr harmonisch und bestens komponiert, die Frucht noch gänzlich zurückgedrängt, aber die komplexe Mineralik und die Holzaromen geben dem Wein eine ungeheuer vielfältige Aromatik, grandiose Säure mit Biss und einmaliger Verspieltheit, sehr druckvoll und straff, ungeheuer langer Abgang, hat enormes Potential.
ca. 28 Euro, 93 – 95 Punkte (R)

Nachverkostung
Hatte dem Wein bei der Erstpräsentation 93 – 95 Punkte gegeben. Heute sah ich ihn einen Punkt darunter, aber noch immer ganz ausgezeichnet. Die Schwierigkeit besteht darin, das zukünftige Potential richtig einzuschätzen. Aufgrund seines Ausbaus im neuen Holz, kommt eine neue Komponente hinzu, die besonders in der Jugend schwierig einzuschätzen ist, insbesondere in einer Reihe von deutschen Rieslingen. Sollte eher in Mitten von weißen Burgundern verkostet werden. Stand heute schiebt sich das Holz sicherlich noch (für einen Riesling) sehr in den Vordergrund. Es ist aber so fein und gut verwebt mit den anderen Komponenten, dass ich sehr zuversichtlich für die weitere Entwicklung bin.  Ansonsten entsprechen meine Notizen auch den heutigen Eindrücken. Gerade die präsente Säure und die enorme Extraktdichte dürfen dem Wein den notwendigen Gegenpol zum Holz geben.
92 – 94 Punkte (R)

Harmonische und nicht zu aufdringliche Holznoten, Buisquit und etwas Vanille, dahinter – derzeit noch verdeckt – Zitrusfrucht und Kräuter. Viel auszumachen ist derzeit aber noch nicht. Auch im Mund dominiert noch der durchaus gelungene Holzeinfluss (wenn man das im Riesling mag), Zitrusnoten im schon vollen Körper, Butterscotch, Kokos. Dichter Extrakt. Recht lang und druckvoll, wenngleich noch dank des Holzes unentwickelt wirkend. Kraftvolle Säure, die noch neben dem Wein steht. Braucht Zeit. 91-92 Punkte (G).

Von Winning Forster Jesuitengarten 12,5 % vol.
Eher ruhige Nase, aber mit viel Tiefgang und Komplexität. Das Holz umgibt die Mineralik und die Frucht mit einer cremigen Textur und so wirkt die Nase eher geschliffen, samtig und etwas süßlich. Gefällt mir erstaunlich gut. Im Mund auch eher ruhiger Verlauf von mittlerer Extraktion, die Säure ist frisch und lebhaft, das Holz ist deutlich zu vernehmen, aber mir scheint, als würde sich dies im Laufe immer besser einbinden. Mit jeder Minute im Glas zeigt der Wein an, kandierte Apfelfrüchte, etwas Tee, sehr langer Nachhall
ca. 38 Euro, 91 Punkte (R)

Von Winning Forster Kirchenstück 12,5 % vol.
Sehr verhaltene, gänzlich verschlossene Nase, etwas Hefe, mineralische Anklänge und ein steinfruchtiges Düftchen kommt um die Ecke. Im Mund von enormer Konzentration, auch hier noch gänzlich verschlossen, kräftige, aber feingliedrige Säure, heftige Extraktdichte, ganz klar auf der mineralischen Seite, weiße Blüten, kaum Frucht, gute Balance, viel Zug und Nachhaltigkeit am Gaumen,  langer Nachhall mit salziger Mineralik, sehr ernsthaft aber faszinierend, leider sehr teuer
ca. 50 Euro, 93+ Punkte (R)

Weingut Christmann Königsbacher Idig 13,5 % vol.
Ganz anders der Idig. Schon in der Nase hat der Wein was dem Mandelgarten fehlte: Eleganz, Spiel und eine stimmige Komposition. Sehr spannungsgeladener und tiefer Duft nach Blüten, jungen Äpfeln, Zitrusfrüchten und weißen Pfirsichen, mit einer prägnanten erdigen Mineralik. Der Antrunk ungemein fest, nachhaltig und verspielt. Ein ganzer Korb von jungen und reifen Steinfrüchten geht eine gelungene Verbindung mit der präsenten Säure ein. Schon jetzt ein feiner Schmelz vorhanden, gute Verbindung mit der tabakig-kräutrigen Mineralik. Von großer Tiefe und Nachhaltigkeit, mit sehr viel Potential ausgestattet, dass sich im sehr langen und komplexen Nachhall zeigt. Ich habe keine Sorge, dass sich die Säure noch bestens einbinden wird. Kann groß werden.
93+ Punkte (R)

Eine wunderbar verspielte Nase, deutet trotz seiner Jugend schon Komplexität und innere Leichtigkeit an, dabei ist der Wein kein Leichtgewicht. Die Aromatik erinnert an einen Korb roter Äpfel, daneben reife gelbe Pfirsichfrucht. Im Antrunk kompromisslose Mineralik, Steinfrucht, kalter Rauch, sehr gute Struktur bei mittlerem bis schon vollem Körper – zu keinem Zeitpunkt hat man aber das Gefühl, dass der Wein schwerfällig werden könnte. Saftige Frucht, harmonisch eingebundene Säure, die mit ihrer Präsenz Pikanz vermittelt. Seinen Alkohol sehr gut verpackend. Erdig-tabakige Mineral im langen Nachhall, dazu changierend wieder Fruchtanklänge. Beste Prognose. 92-93 Punkte (G).

Weingut Christmann Gimmeldinger Mandelgarten 13,0 % vol.
Offener, opulenter gelbfruchtiger Duft strömt aus dem Glas, tropische Anklänge, Akazienhonig, etwas Wachs, Hang zur Breite, vermutlich kleiner Anteil Trauben mit Botrytis. Sehr saftiger, konzentrierter Antrunk wieder mit Hang zur Breite, deutlicher Restzucker, reife gelbfleischige Früchte, herbe Kräuter und eine (zu) spitze Säure, die sehr in Richtung Zitronensäure geht. Die Komponenten stehen eher nebeneinander und so poltert der Wein wenig stimmig dem recht langen, kräftigen Abgang entgegen.
86 Punkte (R)

In der Nase ein leichter Honigton, die Botrytis ist in dieser üppigen Nase unverkennbar. Aromen von Orangen und Steinfrüchten begleiten die kraftvoll aus dem Glas schiebende Nase. Auch im Mund fällt zunächst etwas Botrytis auf, erdige Mineralität. Leichtes Pfefferl vermittelt Schärfe. Die Säure ist sehr kraftvoll, aber die Erinnerung an Zitronensäure ist nicht ganz so vehement, wenngleich auch nicht von der Hand zu weisen. Mit schöner, unaufdringlicher Extraktsüße versehen. Der Wein ist sehr unruhig. Wieder wachsig-honig Spuren im deutlich mittellangen, wieder von erdiger Mineralik geprägten Nachhall. Spontan habe ich Zweifel, ob dieser Wein harmonisch reifen wird.  Weniger ist es die Säure als die Botrytis, die mir hier etwas Sorge bereitet. Abwarten. Derzeit aufgrund seines schwierigen Zustandes kaum zu bewerten, vorsichtige 85-86 Punkte mit ? (G).

Ökonomierat Rebholz Birkweiler Kastanienbusch 12,0 % vol.
Sehr verhaltene Nase nach Zitrusfrüchten, weiße Johannisbeere, Kräuter und getrockneten Gräsern, recht typisch für diesen Wein in seinem jugendlichen Stadium. Der Eindruck im Mund wird geprägt von Zitrusaromen, einer sehr reschen Säure und etwas Gerbstoffe, die in der Summe den Wein sehr uncharmant und unharmonisch wirken lassen. Dahinter lässt sich eine gute Extraktdichte erkennen, ebenso eine Ahnung von Mineralik.  Im gesamten Verlauf wirkte der Wein aber stimmig auf mich, hat Biss und ist von einer erstaunlichen Länge. Konsequent trocken, ernsthafte, fast französische Stilistik. Heute schwierig, für manche am Tisch missraten. Ich vermute Potential zu erkennen und vertraue auf eine sich einbindende Säure.
88 – 91+ Punkte (R)

Sehr dezente Nase nach Zitrusfrüchten und gelber Steinfrucht, säuerliche Aprikose, mit gewisser Pikanz versehen. Im Mund noch unzugänglich, schlanker bis mittlerer Körper, eine pikante Säure, deutlich resch ins Zitronige gehend. Unzugänglich und uncharmant. Seine Mineralität wird von der Säure noch weitgehend verdeckt, erst im mittellangen Nachhall hervorscheinend. Derzeit noch zu sehr von der Zitronenaromatik dominiert. Braucht viel Zeit. 87-88+ Punkte (G).

Ökonomierat Rebholz Siebeldinger Im Sonnenschein „Ganz Horn“ 12,0 % vol.
Die Nase bietet mehr an als der Vorgänger: deutlich erdige Mineralik, auch hier die Zitrusfrüchte, aber auch viel Steinfrüchte, sehr reintönig und intensiv. Im Mund kräftiger als der Kastanienbusch, trotzdem höchstens von mittlerem Körper, erneut eine fast bissige Säure, diverse Zitrusfrüchte, darunter Grapefruit, herbe Kräuter, der Verlauf ist nicht ganz so stimmig, etwas rauer Abgang von mittlerer Länge.
88/89 Punkte (R)

Reife Steinfrucht, Limone. An kalkige Mineralität erinnernd. Elegante Ansätze zeigt diese Nase, klar und geschliffen. Im Mund sehr erdige Zitrusnoten, saftig und intensiv. Erdig-braunes Mineral, kippt im Finale in die kräftige Säure (zitronenlastig). Mittellanger Nachhall, herbe Kräuter, deutlich von Mineral und unentwickelter Zitronenaromatik geprägt – zeigt aber eine gewisse Spannung, die mir hier mehr Vertrauen gibt als beim Kastanienbusch. 88-90+ Punkte (G).

WeingutKnipser,Mandelpfad GG 13 % vol.
Eine unruhige, hefige, rauchig-gummiartige Spontinase, dahinter gelbe Frucht und reife gelbe Pflaumen. Im Mund ein kristaliner Antrunk, stoffig, dann Steinfrucht, herbe Kräuter. Wirkt gänzlich verschlossen. Im Finale rauchige Mineralität, erst hier tickt auch die Säure erstmals bemerkbar hoch und packt kräftig zu. Wird viel Geduld brauchen, deutlich weniger Oppulenz als in anderen Jahren.  Muss reifen. 89-91 Punkte (G).

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3 Kommentare zu “Große Riesling-Gewächse 2010 – erste Eindrücke

  1. Pingback: Große Riesling-Gewächse 2010 – erste Eindrücke « Nur ein paar Verkostungen …

  2. Schöne Eindrücke. Langsam ärgere ich mich, dass ich 2009 ein paar mehr Flaschen als sonst gekauft habe :S .
    Der Pfalz steht diese frischere art wirklich gut. Grüße.

    • Ach Alex, gräme dich nicht. 2009 ist doch ein sehr schönes Jahr. Vergraben und 10 Jahre später rausholen (also, die GGs meine ich), dann wirst du sicherlich viel Spaß damit haben.

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