Heymann-Löwenstein: ein Winzer – 17 Weine


Zu gewohnter Stunde an einem Samstag im Mai 2011 traf sich die Bonner Weinrunde. Das Thema beschränkte sich auf einen Winzer und eine Rebsorte: Riesling von der Mosel aus dem Hause Heymann-Löwenstein. Da der Winzer zu den bekannten Erzeugern gehört und in der Bonner Weinrunde nicht zum ersten Mal zur Geltung kam, musste über den Winzer und seine Lagen (Kirchberg, Stolzenberg, Röttgen und Uhlen B, L und R) nicht viel berichtet werden.

Für seine Probe hatte Guido nicht nur seinen Keller geplündert sondern auch andere Quellen genutzt, um neben frischen, jungen Weinen auch einen interessanten Einblick auf mittelalte und einen gereiften Wein zu bieten. Insgesamt 17 Weine sollten angestellt werden, wobei sich leider die Nr. 12 (Uhlen L 2006) und zum großen Bedauern die Nr. 16 (Uhlen R von 2005) als Korkweine herausstellten…

  1. Schieferterrasse 2007

Den Anfang machte der Grundwein des Hauses Löwenstein. Trotz Anklängen einer ordentlichen Mineralik und gelber Frucht wurde die Nase insgesamt als recht dezent wahrgenommen. Im Mund wurden vor allem gelbe Steinfrüchte, Mandarine und besonders hinten raus ein mineralischer Anklang entdeckt, wobei der Abgang eher kurz ausfiel. Kontrovers waren die Meinungen zur Süße des Weines. Meinten die einen, dies sei eine typische Moselsüße, fanden andere den Wein pappig und viel zu breit. Zwar war mit dem Wein die Erwartung der meisten Weinfreunde an eine Schieferterrasse erfüllt, der Preis von 12,50 € sei aber dafür zu teuer. Insgesamt darf aber nicht vergessen werden, dass die Weine aus 2007 im Moment nicht gerade in einer Hochphase sind.

83 bis 86 Punkte, im Durchschnitt 85 Punkte

  1. Kirchberg 2005

Mit einer tiefen gelben Farbe präsentierte sich der Wein im Bouquet mit leichten Wachsnoten, etwas Muff von der Spontanvergärung (der sich aber verflüchtigte) und reifer Steinfrucht. Es überwogen bereits die Sekundäraromen. Am Gaumen wurden Gewürze erkannt, eine kräftige Säure, schöne Schärfe (Pfeffer bis Chili), wieder gelbe Steinfrüchte und Mandarine, leichte Altersnoten und Butterkreme. Der schöne mineralische Ton bleibt lange stehen und überlebt somit am Ende deutlich die Fruchtnoten.

86 bis 90 Punkte, im Durchschnitt 88 Punkte

  1. Stolzenberg 2005

Diese Flasche hatte vermutlich einen kleinen Fehler, der sich in der Nase vor allem zu Beginn in unschönen Noten, die an Kork und Muff erinnerten, bemerkbar machten. Andere meinten, es sei kein TCA, empfanden aber den Duft nach Most und unsauberer Vergärung auch störend. Nach einer Weile wurden die störenden Töne etwas weniger.
Die Säure wurde zum Teil als seltsam, von anderen als frisch und wiederum von anderen als dünn bezeichnet. Sonst verriet der Mund typische Altersnoten, viel Mineralität, Dichte und Kraft, weißen Pfeffer, Nachhall und einen klar oxidativen Touch. Die Süße war weitestgehend abgebaut und weg. Aber auch im Mund war ein Tick nicht zu überschmecken.

Nur von 3 Personen bepunktet: 87 bis 88 Punkte, im Durchschnitt 88 Punkte

  1. Stolzenberg 2004

Gottseidank war der ein Jahr ältere Stolzenberg ohne Fehler und präsentierte sich mit einer sehr schönen Nase. Wir rochen einen Rauchigen, Kräutrigen, Malzigen und mineralischen Wein ohne dass er üppig würde. Außerdem wurden Anklänge an Papaya und Butter erkannt, so wirkte er cremig und hatte einen angenehmen Schmelz.
Im Mund ergab sich ein schönes Zusammenspiel von Süße und lebendiger Säure, wodurch er frisch wirkte. Mit der Extraktdichte drückte er schön über den Gaumen und hatte eine ordentliche Länge. Allerdings empfanden ihn einige etwas schwer (Alkohol) und meinten, die kräftige Süße wirke etwas breit, es fehlte ein wenig die Feinzeichnung des Weines.

89 bis 92 Punkte, im Durchschnitt 91 Punkte

  1. Röttgen 2004

Der fünfte Wein war bereits eines der beiden Highlights des Abends. Die Nase wurde bewundernd mit rauchig, fein und elegant beschrieben. Eine filigrane Frucht deutete sich an, dazu ein wenig Schmelz und Butter, tänzelnd und schön gezeichnet. Insgesamt eine tolle Nase.
Der Gaumen konnte halten, was die Nase versprach. Eine raffinierte und elegante Süße, dazu ein pfeffriger Touch, alle Komponenten (Süße, Säure und Mineralität) passten vorbildlich zusammen und gaben ein komplexes, schönes Bild ab. Die Süße war vor allem im Vergleich zum Vorgänger deutlich besser eingebunden.

91 bis 95 Punkte, im Durchschnitt 94 Punkte

Die nächsten drei Weine waren die jungen Vertreter aus der besten Lage des Hauses, dem Uhlen, der in L (Laubach-), B (Blaufüßer-) und R (Rothlay) eingeteilt wird. Anzumerken sei, dass alle drei bei 13% Volumenalkohol liegen, was sie unterschiedlich wegzustecken in der Lage sind. Wie zu erwarten wurde es nun wesentlich frischer mit deutlicher Prägung durch Primäraromen.

  1. Uhlen L 2009

In der Nase fanden sich Zitrusnoten, Melone, Johannis- und Stachelbeere, sogar ein wenig Cassis war dabei. Die tropischen Eindrücke wurden von einem Hefe-Touch begleitet.
Im Mund ergab sich eine knackige Säure mit eher dezenter Süße, ein saftiger Wein mit mittlerem Körper, wobei es schien, als habe der Wein aufgrund seiner Jugend noch eine Zwangsjacke an, die mit Kantigkeit, frische und straffer Mineralik vermeidet, dass er tatsächlich zeigen kann, was in ihm steckt. Es ist deutlich noch ein unfertiger Wein. Dazu kam eine leichte Pfeffernote. Insgesamt ein erfrischender Wein der den Alkohol gut verträgt und gute Anlagen hat.

89 bis 92 Punkte, im Durchschnitt 90 Punkte, vier Personen gaben ein + dazu

  1. Uhlen B 2009

Das Bouquet dieses Weines wartete mit gelber Steinfrucht, Chassis, Gras und leichten Gemüsenoten auf, einer erinnerte sich dabei an Gurke. Außerdem schwangen schöne Gewürznoten mit.
Eine tiefe Schiefermineralität, gepaart mit einer knackigen Säure und eher dezenter Süße schiebt kräftig und eindrucksvoll mit viel Druck über den Gaumen, wobei der Alkohol unterstützt ohne störend zu sein. Auch spielt ein leichter Anklang an Cassis mit, dazu eine Schärfe von Pfeffer und grünem Paprika. Allerdings besteht ein Zweifel, ob der hohe Alkoholanteil dem gereiften Wein nicht vielleicht die Eleganz in ein paar Jahren nehmen könnte.

90 bis 93 Punkte, im Durchschnitt 92 Punkte, vier Personen gaben ein + dazu

  1. Uhlen R 2009

Hier bot sich eine eher verschlossene Nase mit Zitrus, Feuerstein und einer kalkigen Mineralik. Mit etwas Zeit wurde die Nase am Ende doch als tief bezeichnet.
Auch im Mund war der Wein noch verschlossen, noch nicht richtig harmonisch. Die Struktur verträgt den Alkohol gut, er schiebt somit mit viel Extrakt und Mineralik über den Gaumen, wobei die Frucht noch etwas verwaschen wirkt (ein Teilnehmer mutmaßt Regen kurz vor der Lese). Die Säure hingegen wirkt bereits gut eingebunden und passend. Insgesamt ein ++ Wein, also mit sehr viel Potential, welches sich noch nicht so richtig gut präsentiert.

89 bis 93 Punkte, im Durchschnitt 91 Punkte, neun Personen gaben ein + dazu

Nach dem Wein gab es eine leckere Pasta mit zweierlei frischen Peste. Dazu sollten die Reste aus Runde 1 als Essensbegleiter dienen, was aber trotz der geringen Teilenehmerzahl von 10 Personen nicht recht klappte, da fast alle Weine leer waren. Es schien also allgemein gut zu schmecken!

  1. Uhlen L 2008

Mit einer leichten Spontinase begrüßte uns der erste Wein nach dem Essen. Vielleicht lag es an der Essenspause, weshalb das Bouquet eher als verhalten wahrgenommen wurde. Leicht nussige Anklänge mit etwas Cocos waren dabei.
Im Mund wirkte der Wein etwas schlank und rassig mineralisch. Mit prägnanter Säure präsentierte sich der Wein gradlinig und strahlig in einer kräftigen Art ohne jede Cremigkeit. Die Fruchtsüße wurde zum Teil etwas unsauber gezeichnet empfunden, was aber nicht für alle der Fall war. Auch beim Alkohol gab es verschiedene Meinungen. Einige meinten, der Wein packe den Alkohol gut weg, andere meinten er schiebe etwas hinten raus.

87 bis 90 Punkte, im Durchschnitt 88 Punkte, vier Personen gaben ein + dazu

  1. Uhlen R 2008

Mit diesem Wein taten sich die meisten zu Beginn schwer mit der Beschreibung. Eine verschlossene bzw. verhaltene Nase, Orangennote, kühle Mineralität, leicht florale Anklänge nach Pfirsich- und Aprikosenblüte, ein wenig Wachs und Rauch, insgesamt aber nicht untypisch für einen Löwenstein.
Am Gaumen erwartete uns wiederum eine kräftige Säure, eine rauchige Mineralität. Ein kompromissloser Wein, der geradlinig, harmonisch und strahlig mit viel Länge ein wunderbares Frucht-Säure-Wechselspiel bietet nach dem überzeugend eine tiefe Mineralität am Ende stehen bleibt. Insgesamt frisch und fein, ein toller Wein.

90 bis 94 Punkte, im Durchschnitt 91 Punkte, vier Personen gaben ein + dazu

  1. Uhlen R 2006

Ein kräftiger Duft von Schiefer, gepaart mit Cocos, gelbem mürben Apfel und dahinter ein wenig Quitte. Diese kühle Mineralik, ergänzt durch Zitrus und Rauch wurde allgemein als sehr gelungene Nase bewertet. (Auch das Wort „geil“ viel in diesem Zusammenhang)
Im Mund dagegen Steinfrüchte mit einem Hauch Grapefruit, salzig schmeckend, eine schöne Klarheit in der die einzelnen Akzente gut zu unterscheiden waren – kaum Botytis. Wunderbare Schiefermineralik, ordentlich Restzucker, eine vielschichtige Frucht, was dem einen oder anderen etwas zu süß am Ende war.

90 bis 92 Punkte, im Durchschnitt 91 Punkte, vier Personen gaben ein + dazu

  1. Uhlen L 2006

Leider mit TCA, daher nicht zu bewerten.

  1. Uhlen L 2007

Hier waren es Wachs und Rosinen, die uns zunächst in der Nase auffielen. Ein kräftiges und konzentriertes Bouquet nach kandierten bzw. hochreifen Früchten. Einer Einzelmeinung zur Folge fehle dabei das Spiel, die Raffinesse.
Auch im Mund erneut die Rosinen, Mandarine, herbe Orangenschale, eher kandierte Frucht, große Mineralität, sehr fruchtsüß, was jedoch durch die Mineralität einigermaßen eingebunden wirkt. Dennoch fehlt etwas die Harmonie im Wein. Die Nase verspricht mehr als der Mund bieten kann. Im Vergleich zu den vorherigen Weinen fällt er auf jeden Fall ab.

87 bis 90 Punkte, im Durchschnitt 88 Punkte

  1. Uhlen R 2007

Die Nase erinnerte an Mandarine bzw. Mandarinencreme sowie an kandierte Früchte und Johannesbeeren. Aber auch, wie beim Winzer üblich, eine Schiefermineralik war dabei.
Im Mund bleibt der Wein frisch und wechselt raffiniert von schönen Fruchtschichten in eine tiefe Schiefermineralik, gefolgt von einer harmonischen Säure. So tänzelt der Wein mehrdimensional, ohne dabei breit zu sein, einem langen Abgang entgegen. Eine Opulenz die spielerisch Spaß macht, ein richtig guter Wein.

90 bis 92 Punkte, im Durchschnitt 91 Punkte, vier Personen gaben ein + dazu

  1. Uhlen L 2005

Das zweite Highlight des Abends wartete mit Wachs, herber Grapefruit und einer tief mineralisch dominierten Nase auf. Die einen sahen ihn verhalten und schlank, die anderen eher tief, kühl und frisch im Bouquet, auf jeden Fall hatte er keine breite Nase.
Im Mund sprach ein Weinfreund von „flüssig-brutalem Gestein“, einer tollen Schiefersache.

Ein glockenklarer, saftiger Antrunk, eine pulvrige tiefe Schiefermineralik, dabei sehr fein gezeichnet mit einem langen Abgang, konzentriert ohne breit zu sein. Die kräftige Süße ist toll eingebunden in die schöne Säure, sehr extraktreich mit viel Druck am Gaumen. Ein großer, rauchiger Wein mit Anklängen an Wachs und Malz, die am Ende stehen bleiben. Große Begeisterung machte sich breit.

92 bis 95 Punkte, im Durchschnitt 93 Punkte

  1. Uhlen R 2005

Dieser Wein hätte eigentlich das Highlight der Probe werden sollen, war aber durch TCA ungenießbar geworden und daher nicht bewertet.

  1. Röttgen 1996

Den Abschluss machte ein gereifter Wein aus dem letzten Jahrtausend. Hier fand sich in der Nase ein Malzgeruch, grasiger Heunoten, Herbstlaub, verschiedene kandierte Früchte ohne süß zu wirken, Reifenoten, Dörrobst und dezente Altersnoten, die allerdings nicht das Alter von 15 Jahren verrieten.
Auch am Gaumen fand sich der Malzgeschmack wieder, dazu Laub, tertiäre Aromen, getrocknete Zitronenschlage, Kerzenwachs und deutliche Tabakgeschichten. Der Abgang war mittellang.

Da der Röttgen für seine restsüßen Weine bekannt ist, war hier vor allem interessant, wie ein Wein sich präsentiert, wenn die Fruchtsüße im Laufe der Jahre immer weiter abgebaut wird. So bleibt die Neugierde, wie sich die, teilweise mit ordentlicher Restsüße ausgestatteten, Weine des Abends in einigen Jahren zeigen werden, wobei der Wein aus 1996, einem eher schwierigem Jahr an der Mosel, guten Grund gibt, hier erwartungsvoll die eine oder andere Flasche liegen zu lassen.

90 bis 92 Punkte, im Durchschnitt 91 Punkte

Fazit:

Wer nun meint, mit nur einem Winzer und einer Rebsorte sei das eine langweilige Probe gewesen  –  der täuscht sich sehr:  mit Erstaunen registrierten die 10 anwesenden Weinfreunde eine beachtliche Vielfalt und Abwechslung, auch eine Jahrgangstypizität trat hervor, auch wenn sich insgesamt natürlich der „Löwensteinsche“ Stil mit nicht ganz trocken ausgebauten Weinen den Abend über durchsetzte.

Zur Frage, warum der Winzer nicht den einen oder anderen Wein auch mal ganz vergären lässt, wurde gemutmaßt, dass dann die Alkoholwerte zu hoch würden und dadurch ein unharmonischer Wein das Ergebnis wäre, welche nicht im Sinne des Erzeugers liegen kann. Spannend war die Probe allemal…

Weinfreund Norbert führte in meiner Probe das Protokoll – ihm sei für die akribische Erstellung der Notizen ganz herzlich gedankt! Guido

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