Drei Frühburgunder aus dem Centgrafenberg

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Normalerweise verkosten wir in diesem Blog nur Weine, die wir selber erwerben und entsprechend selber bezahlen — in der Regel bei den Winzern selbst oder bei den Weinhändlern unseres Vertrauens. Diese Verkostung lief etwas anders ab. Christoph Walter, Inhaber des Weinguts Josef Walter im fränkischen Bürgstadt, kam auf uns zu und schickte uns drei Flaschen seines Frühburgunders „J“ aus den Jahren 2003, 2004 und 2005. Die Weine stammen aus dem vom VDP als Erste Lage klassifizierten Centgrafenberg und sind auf Buntsandstein gewachsen, der bei Rotweinen eine burgundische Art mit nicht zu viel Alkohol und Gerbstoff und eine lange Lagerfähigkeit fördern soll.

Die Weine wurden nicht minder kritisch verkostet als alle anderen. Alle drei kamen kurz in den Dekanter, wurden dann zurück in die Flasche dekantiert, verblendet und circa drei Stunden später verkostet. Wir nahmen uns die Jahrgänge also blind vor.


Josef Walter Frühburgunder „J“ Centgrafenberg trocken, 2004

Zuerst kam der 2004er ins Glas und machte gleich klar, wo er herkommt — aus dem Barrique. In der Nase eine kräftige getoastete Holznote, rauchig, Kaffee, aber trotzdem genug Frucht mit einer Essenz von Kirschen. Im Mund wieder eine deutliche Holztoastnote und sogleich die kirschige, hier auch beerige Fruchtnote. Die Frucht wirkt konzentriert und zusammen mit der Säure frisch, macht aber noch nicht richtig auf, scheint noch etwas zu jung. Weiter Aromen von Veilchen, Pfeffer, Mokka. Hinten buttrig-karamellige Noten, gute Länge, dabei noch röstig-trocknend. Insgesamt hat er all das, was ein guter Frühburgunder braucht: genug Frucht, Säure, Konzentration und vor allem ein gutes Holzmanagement.

Ab Weingut, 18 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), 2010-2012


Josef Walter Frühburgunder „J“ Centgrafenberg trocken, 2003

Als zweiter Wein ging der 2003er ins Glas, und es war nicht schwer, den Jahrgang zu schmecken. In der sehr schönen, diesmal vielseitigen Nase eine konzentrierte Schwarzkirsche, Trockenpflaumen, süßliche Tabaknoten, eine nadelige Kräuterigkeit, die Holznote nun viel mehr untergeordnet. Im Antrunk zeigten wir uns überrascht, eine starke Extraktsüße und die dicht gewirkte Frucht waren einigen der Verkoster zu viel. Auch wenn die Säure wieder für Frische sorgt, zeigen sich hier neben schwarzen Beeren auch Rumtopfnoten und etwas Alkohol. Schön ist wieder diese Buttrigkeit hinten, der Abgang ist jedoch mittel bis kurz. Die Meinungen reichten von charmant bis überreif, einig waren wir uns über den Trend hin zur Rustikalität, weniger zur Eleganz neigend. Eindeutig ein Wein seines heißen Jahrgangs.

Ab Weingut, 18 Euro, 84 Punkte (gut), jetzt trinken


Josef Walter Frühburgunder „J“ Centgrafenberg trocken, 2005

Die vermischte Vertikale ging mit dem 2005er zu Ende. Im Glas ein dunkles Kirschrot. In der Nase wieder eine Rauchnote, aber ohne die ausgeprägte Toastung wie beim ersten Wein. Im eleganten, ausbalancierten Bukett Kirschen, schwarze Beeren, Kaffee. Jetzt auch eine Mineralität, die Holz und Frucht in Schach hält. Im Antrunk gerbstoffige junge Kirscharomen wie von Kirschkernen, die bisher animierendste Säure und wieder karamellige Noten vom Holz. Das Frucht-Säure-Spiel ist filigran und schön balanciert. Das Holz schwingt deutlich mit, aber ohne die Aromen zuzudecken. Der Abgang ist mittel bis lang. Eleganz und Balance bestimmen diesen schönen Frühburgunder, der unserer Meinung nach an der 90-Punkte-Grenze kratzt und diese vielleicht auch noch erreichen wird.

Ab Weingut, 18 Euro, 89+ Punkte (sehr gut), 2009-2011


Insgesamt war es eine interessante Verkostungserfahrung. Überraschend war, wie sich die drei unterschiedlichen Jahrgänge im Charakter der Weine widerspiegeln. Gemeinsam ist ihnen jedoch neben der konzentrierten Frucht ein sehr gutes Holzmanagement und eine wohldosierte, feine Säure. Mit dem Frühburgunder „J“ produziert Christoph Walter eine sehr gute Qualität aus dem Centgrafenberg, mit der er es mit den weit teureren Barrique-Rotweinen aus seiner berühmten Nachbarschaft locker aufnehmen kann.

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