Eine kleine Probe mit Chateauneuf du Pape

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Der Winter neigt sich dem Ende zu. Höchste Zeit also, um nochmal einige gehaltvolle Rotweine zu verkosten. Auf dem Programm standen sieben Chateauneuf du Pape, die man sich leisten kann. Keiner der Weine sollte über 30 Euro liegen. Wir erwarteten viele eingekochte Früchte, Rumtöpfe und Alkoholbomben. Und waren am Ende doch überrascht, wie viel Eleganz wir in den Gläsern hatten.
1. Domaine de Cristia Chateauneuf de Pape blanc, 2004
Recht verhaltene Nase nach Blüten, Zitrus, etwas Kokos vom Holz, rauchig. Im Mund mineralische Zitrusnoten, recht straff, vitale Säure, mit einer angenehmen Stoffigkeit und gut eingebundener Holznote, leicht cremig. Am Gaumen mittellang bis schon lang, wieder viel Zitrus, die Säure bleibt noch erfrischend, endet kräutrig-medizinal, hat den Alkohol aber recht gut integriert. (87 Punkte)
2. Henri Bonneau Cuvée „Les Rouliers“ VdT, 2003
In der Nase vollreife Schwarzkirsche, eine ganz leichte und noch angenehme Rumtopfnote, auch Rumrosine, Leder, viel dunkle Schokolade.Im Mund mit Kirschnoten, deutlich kühler, als es die Nase erwarten lies, ansprechend, mit kräftigem, leicht trocknenden Tannin und einem kräftigen Röstaroma. Am Gaumen mittellang, Kakaostaub, leicht stumpfend, hier zeigt sich der Alkohol zum ersten Mal deutlicher. (88 Punkte)
3. Chateau Mont Redon Chateauneuf de Pape Cuvée „Tradition“, 2004
Die Nase zeigt sich deutlich zurückhaltender als der Vorgängerwein, die Stilistik geht in Richtung Oregano, Herzkirschen und eine deutliche Holznote. Im Mund jung, mit Kirsch und einer harzigen Note, mineralisch, Garrigue, kompakte Struktur, vitale Säure. Mittellanger Abgang, noch etwas holpriges Tannin, braucht noch einige Jahre Reife, wird dann ein durchaus eleganter Wein werden, dem man die 14,5 % Alkohol kaum anmerkt. (89+ Punkte)
4. Domaine Santa Duc Gigondas Cuvée „Prestige de Hautes Garrigues“, 2004
Der Pirat, der dank des offenen Verkostens keiner war. Ein schwarzes Extraktmonster sitzt hier im Glas. Zeigt auch zum Rand keine Aufhellung. Mocca und dunkle Schokolade in der Nase, dazu schwarzer Pfeffer und viel Schwarzkirsche. Ein Wein zum Kauen: hochkonzentriert, viel Fett, geschmacklich aber trotz langer Dekantierzeit recht verschlossen und noch kaum diffenziert, die leicht herben Schokonoten vom Holz überdecken noch die feineren Nuancen, allein Holundersaft, Kirschen und eine gewisse Mineralität sind zu erahnen. Braucht Geduld. Am Gaumen tanningeprägt, der Nachhall ist mittellang und wiederholt den Eindruck aus dem Mund. Liegen lassen bis mind. 2014. (88+ Punkte)
5. Domaine de Saint Paul Chateauneuf de Pape „Cuvée Jumille“, 2003
Und wieder ein gänzlicher Stilwechsel. In der Nase Kreuzkümmel, Kräuter, rote Kirsche, etwas pilzig. Geschmacklich zunächst etwas bitter, bevor süßliche Johannisbeere Raum greift, dazu auch Orangenzesten. Viel Frucht, aber verhaltene Tiefe und Konzentration. Zerfasert am Gaumen, ist knapp mittellang, bleibt mit etwas indifferenter Frucht und Vollmilchschokolade gegenüber den anderen Weinen zurück. (84 Punkte)
6. Jean Paul Versino Chateauneuf de Pape, 2004
Dunkler Kern mit schwarzroten Reflexen zum Rand hin. In der Nase Kuhstall (für mich grenzwertig, auch in der Nachverkostung am Folgetag), ätherisch, Trockenkräuter. Weisser Pfeffer, verhaltene Kirschfrucht, Veilchen im recht schlanken Körper. Recht harmonisch, aber ohne besonderen Charme. Am Gaumen mittellang, endet sauber auf der Frucht, ist aber insgesamt zu uniform. (84 Punkte)
7. Domaine Giraud Chateauneuf de Pape Cuvée „Les Gallimardes“, 2001
Nach 5 Stunden doppelten Dekantierens zeigt sich der ganz leicht ins braunrote gehende Wein mit einer konzentrierten Nase von Rosinen, einer dominanten Schwarzbrotnote und Kirschen, der Alkohol ist präsent in der Nase vernehmbar. Ebenso eine Karamellnote vom Holz, stilistisch geht der Wein insgesamt etwas ins Portige. Im Mund dicht, strukturiert, auch konzentriert, mit herben Schokonoten, die durch eine angenehme Extraktsüße aufgefangen werden, dazu eine vitale Säure und eine wiederum angenehme Vollmilchschokolade, hier ist der Alkohol besser eingebunden. Am Gaumen lang und dicht, mit Nougatnoten und würzigem Kakao. In der Nachverkostung am Folgetag hat sich der Pumpernickelgeschmack merklich eingebunden, der Wein zeigt sich noch runder und harmonischer mit Schwarzkirschnoten. Konnte in der Nachverkostung noch zwei Punkte zulegen. Jetzt oder bis 2014 trinken. (92 Punkte am zweiten Abend)
Als obligatorischen Reparatur-Riesling gab es dann noch eine restsüße, recht fokussierte und in ihrer Süße eher angenehm schlanke Spätlese von Reinhold Haart, nämlich Wintricher Ohligsberg 1. Lage Spätlese, 2004, die mit schon merklichen Reifenoten, aber zugleich noch einer saftigen, leicht rauchigen Pfirsichfrucht mit den Tanninmassen versöhnen konnte. (86 Punkte).

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